@@1@ $0002.01 @z #s+DIE HOCHBAUKONSTRUKTIONEN.#s- $0 @Z ------ $0002.02 @Z DRITTE ABTEILUNG. $0002.03 @Z #s+RAUMBEGRENZENDE $0002.04 @Z KONSTRUKTIONEN.#s- $0002.05 @Z -------- @@1@ $0003.01 @z Allgemeines. $0003.02

__Wenn man von gewissen Denkm^alern und einigen anderen Sch^opfungen des $0003.03 Architekten absieht, so haben die Bauwerke fast ausnahmslos den Zweck, #s+begrenzte $0003.04 R^aume#s- zu schaffen. Hierdurch sowohl, als auch durch die Anforderungen der $0003.05 Zweckm^a^sigkeit und durch die Gesetze der Statik sind f^ur alle Geb^audearten gewisse $0003.06 Grundbestandteile bedingt, die man nicht selten als die #.>Elemente der Baukunst#.<#H:1#G:) $0003.07 bezeichnet hat. Dazu geh^oren die #s+begrenzende Wand#s- und das #s+sch^utzende Dach.#s-

$0003.08

__Bei manchen Bauwerken ist das Dach zugleich #s+raumbegrenzende Decke;#s- $0003.09 meistens findet aber eine Trennung beider Elemente statt, und das Dach erscheint $0003.10 alsdann als sch^utzende Konstruktion der #s+eigentlichen raumbegrenzenden $0003.11 Decke.#s-

$0003.12

__Die raumbegrenzende Konstruktion (Wand und Decke) kann als #s+raumab- $0003.13 schlie^send#s- oder als #s+raumtrennend#s- auftreten, je nachdem sie den Raum nach $0003.14 au^sen hin #s+abschlie^st#s- oder denselben von einem daneben, bezw. einem dar^uber $0003.15 gelegenen Innenraume #s+trennt#s-#H:2#G:).

$0003.16

__Manche Bauwerke bedingen blo^s eine #s+seitliche Begrenzung#s- des von ihnen $0003.17 eingeschlossenen Raumes, so da^s alsdann nur die volle oder gegliederte Wand, die $0003.18 Einfriedigung, das Gel^ander, die Br^ustung etc. als raumabschlie^sende Konstruktion $0003.19 auftreten. In den weitaus meisten F^allen wird aber auch eine #s+nach oben be- $0003.20 grenzende#s- Konstruktion erforderlich: das Dach, bezw. die Decke.

$0003.21

__Die Ausdehnung der Raumanlage, die zu Gebote stehenden Baustoffe und die $0003.22 verf^ugbaren mechanischen Hilfsmittel bedingen haupts^achlich die verschiedenen Kon- $0003.23 struktionen. Besonders ist es die Gestaltung der Decke, bezw. des Daches, welche $0003.24 durch jene Faktoren die mannigfaltigsten Anordnungen erf^ahrt und die alsdann $0003.25 wiederum bestimmend auf die Bildung der tragenden oder st^utzenden Wand ein- $0003.26 wirkt. Doch sind auch auf die Konstruktion der letzteren die genannten Faktoren $0003.27 von bedeutendem und unmittelbarem Einflu^s. Gro^se R^aume erfordern h^aufig inner- $0003.28 halb der Wandbegrenzung noch frei stehende St^utzen, sog. #s+Freist^utzen,#s- als be- $0003.29 sondere Tr^ager der raumbegrenzenden Decke, bezw. des raumbegrenzenden Daches.

$0003.30

__Die der in Rede stehenden Abteilung des #.>Handbuches der Architektur#.< an- $0003.31 geh^orenden baulichen Anlagen und Einrichtungen werden im nachstehenden wie $0003.32 folgt gruppiert:

$0 @@3@ ---------- $0003.33

__#H:1#G:) Siehe: #k+Semper,#k- G. Die vier Elemente der Baukunst. Braunschweig 1851.

$0003.34

#k+Adler,#k- F. Die Weltst^adte in der Baukunst. Berlin 1868.

$0003.35

#k+B^uhlmann,#k- A. Die Architektur des klassischen Altertums und der Renaissance. 1. Abt. Stuttgart 1872--75.

$0003.36

__#H:2#G:) Siehe auch: Teil IV, Halbband 1 (Abt. 1, Abschn. 3, Kap. 2: Raumbildung) dieses #.>Handbuches#.<.

@@1@ $0004.01

__1) W^ande und Wand^offnungen (siehe das vorliegende Heft).

$0004.02

__2) Einfriedigungen, Br^ustungen und Gel^ander; Balkone, Altane und Erker $0004.03 (siehe Teil III, Band 2, Heft 2).

$0004.04

__3) Gesimse (siehe Teil III, Band 2, Heft 2).

$0004.05

__4) Balkendecken; gew^olbte Decken; verglaste Decken und Deckenlichter; sonstige $0004.06 Decken-Konstruktionen (siehe Teil III, Band 2, Heft 3).

$0004.07

__5) D^acher im allgemeinen; Dachformen; Dachstuhl-Konstruktionen (siehe Teil III, $0004.08 Band 2, Heft 4).

$0004.09

__6) Dachdeckungen; verglaste D^acher und Dachlichter; massive Steind^acher; $0004.10 Nebenanlagen der D^acher (siehe Teil III, Band 2, Heft 5).

$0004.11 @z ------ @@1@ $0005.01 @z #s+RAUMBEGRENZENDE KONSTRUKTIONEN.#s- $0005.02 @Z 1. Abschnitt. $0005.03 @Z Seitlich begrenzende Konstruktionen. $0005.04 @Z A. W^ande. $0005.05 @Z Von #k+Erwin Marx.#k- $0005.06

__Die nachstehend zu besprechenden Konstruktionen sind unter der Bezeichnung1.|Vor-|bemerkungen. $0005.07 #.>W^ande#.< zusammengefa^st worden, weil diese f^ur stehende Raumabschl^usse aus allen $0005.08 m^oglichen Baustoffen gilt, also z. B. auch f^ur solche aus Textilstoffen. Der Name $0005.09 #.>Mauer#.< dagegen hat eine weit eingeschr^anktere Bedeutung und ist im allgemeinen $0005.10 nur anwendbar bei Benutzung von Mineralstoffen, die gew^ohnlich durch den Maurer $0005.11 zusammengef^ugt werden. Die Mauern bilden daher blo^s einen, wenn auch sehr $0005.12 wichtigen Teil der hier zu behandelnden Wandbauweisen; sie sind nur eine Art $0005.13 der W^ande, wenn wir diese nach dem Baustoff einteilen, wie hier geschieht.

$0005.14

__Die W^ande lassen sich aber auch noch nach anderen Gesichtspunkten unter- $0005.15 scheiden, die hier Erw^ahnung finden m^ussen, da sie f^ur die Benennungen derselben $0005.16 bestimmend sind.

$0005.17

__Dies sind die Beanspruchungen durch physikalische Einfl^usse und die Beziehungen $0005.18 zur r^aumlichen Begrenzung und Teilung der Bauwerke und Grundst^ucke.

$0005.19

__In ersterer Hinsicht unterscheidet man nach der Beanspruchung durch Be- $0005.20 lastungen -- Tragw^ande, durch seitliche Dr^ucke -- St^utz- oder Widerlagsw^ande, $0005.21 durch Feuchtigkeit, hohe oder niedere Temperaturen und Schall -- Isolierungsw^ande, $0005.22 durch Feuer -- Brand- und Feuermauern. Die physikalischen Einfl^usse k^onnen einzeln $0005.23 oder zu mehreren gleichzeitig auftreten; die Benennung erfolgt aber nach dem $0005.24 haupts^achlich in Betracht kommenden. Hier gelangen nur die W^ande insoweit zur $0005.25 Besprechung, als dies nicht wegen ihrer engen Beziehung zu sonstigen Konstruktionen $0005.26 in anderen Abschnitten dieses #.>Handbuches#.< geschieht.

$0005.27

__Nach der Teilung der Geb^aude in lotrechter Richtung spricht man von $0005.28 Grund- oder Fundamentmauern, Sockel- oder Plinthenmauern, Gescho^s- und Knie- $0005.29 stockw^anden.

$0005.30

__Die Umgrenzung und Teilung der Geb^aude in Beziehung auf ihre wagrechte $0005.31 Erstreckung veranla^st die Bezeichnungen: Hauptw^ande und Nebenw^ande, Um- $0005.32 fassungs-, Mittel-, Scheide- und Zwischenw^ande, ^au^sere und innere W^ande. Die- $0005.33 selben haben zum Teile die gleiche Bedeutung. Die Umfassungsw^ande zerfallen $0005.34 nach ihrer Lage zur Umgebung in Front- oder Stirn- und in Seiten- oder Giebel-<-P> @@1@ $0006.01 <-P>w^ande. Geh^oren die letzteren zwei Nachbarn zusammen, so spricht man von ge- $0006.02 meinschaftlichen oder Kommunw^anden. Die besondere Lage der W^ande bedingt $0006.03 die Benennungen: Keller-, Br^ustungs-, Treppen- und Schornsteinw^ande.

$0006.04

__Die W^ande zur Umgrenzung der Grundst^ucke hei^sen Einfriedigungs- oder $0006.05 Umgrenzungsw^ande (siehe unter C).

$0006.06

__Alle diese Bezeichnungen erkl^aren sich selbst. Die besondere Bestimmung der $0006.07 W^ande und die physikalischen Einfl^usse, denen sie unterliegen, bedingen die jeweilige $0006.08 Bauweise und Wahl des Stoffes.

$0006.09

__Wenn nun auch die Wandkonstruktionen im nachstehenden nach den einzelnen $0006.10 Baustoffen und Baustoffzusammenstellungen getrennt zur Besprechung gelangen, so $0006.11 lassen sich doch gewisse Dinge, wie die Wandst^arken und -Verst^arkungen und der $0006.12 Schutz der W^ande gegen Feuchtigkeit in der Hauptsache zusammenfassend be- $0006.13 handeln, weshalb dieselben in besondere Kapitel verwiesen sind.

$0006.14 @z ------ $0006.15 @Z 1. #s+Kapitel.#s- $0006.16 @Z Mauern aus Quadern. $0006.17 @Z (Hausteinbau.) $0006.18 2.|Stoff.

__Unter Quadern versteht man regelm^a^sig geformte Steine von solch ansehnlichen $0006.19 Abmessungen (siehe den vorhergehenden Band dieses #.>Handbuches#.<, S. 9 u. 60 $0006.20 [2. Aufl.: S. 10 u. 61]), da^s man sie gew^ohnlich und zweckm^a^sigerweise mit Hilfe $0006.21 von Hebemaschinen versetzt. Nur bei den Quadern von nat^urlichen Steinen spricht $0006.22 man von Hausteinbau; k^unstliche Quader, die ^ubrigens im Hochbau nur ausnahms- $0006.23 weise Anwendung finden, sind daher hier au^ser Betracht gelassen.

$0006.24

__Zur Herstellung der Quader, ^uber deren Bearbeitung in Teil I, Band 1, erste $0006.25 H^alfte (Art. 30 u. ff., S. 91 u. ff. [2. Aufl.: Art. 42 u. ff., S. 100 u. ff.]) dieses #.>Hand- $0006.26 buches#.< das N^otige mitgeteilt wurde, werden zumeist die verschiedenen Sand- und $0006.27 Kalksteine verwendet; doch werden aus ^ortlicher Veranlassung oder Zweckm^a^sig- $0006.28 keitsgr^unden auch viele andere Felsarten, wie besonders Granit, Syenit, Diorit, Gneis, $0006.29 Trachyt, Lava etc. benutzt. Manche der letzteren Steinarten werden h^aufig auch $0006.30 wegen ihrer Politurf^ahigkeit und dadurch bedingten sch^onen Erscheinung bei Pracht- $0006.31 bauten herangezogen. Uebrigens ist man heutigentags infolge der entwickelten Ver- $0006.32 kehrsmittel wenig mehr an die Gesteine des Bauortes gebunden. Diesen gegen^uber $0006.33 k^onnen oft solche in weit entfernten Gegenden vorkommende durch ihre Sch^onheit $0006.34 bei geringerem Preise in Wettbewerb treten. Besonders kommt dieser Wettbewerb $0006.35 in Frage bei Orten, in deren unmittelbarer N^ahe selbst sich keine verwendbaren $0006.36 nat^urlichen Steine finden#H:3#G:).

$0006.37 3.|Anwendung.

__Sichtbares Quadermauerwerk kommt zumeist nur bei den Umfassungsmauern $0006.38 (^au^sere und Hofseiten) zur Anwendung. Monumentale Geb^aude machen hiervon $0006.39 ^ofters eine Ausnahme; so l^a^st man oft im Inneren der Kirchen, in Eingangs- und $0006.40 anderen Hallen, Treppenh^ausern von ^offentlichen Bauwerken und Pal^asten den Stein $0006.41 in seiner nat^urlichen Farbe und F^ugung sichtbar und erh^oht wohl auch den Reiz $0006.42 seiner Erscheinung durch Politur. Namentlich h^aufig findet man diese sog. #.>reine<-P> $0 @@3@ ---------- $0006.43

__#H:3#G:) So kommen in Berlin neben allen besseren deutschen Sandsteinen und verschiedenen franz^osischen Kalksteinen neuerer $0006.44 Zeit sogar Sandsteine aus der Schweiz f^ur Hausteinbauten zur Verwendung.

@@1@ $0007.01 <-P>Arbeit#.< im Inneren von Monumentalbauten in Frankreich, und dadurch mag wohl $0007.02 der dortige hohe Stand der Kunst des Steinschnittes mit herbeigef^uhrt worden sein. $0007.03 F^ur R^aume, in denen sich l^angere Zeitabschnitte hindurch Menschen aufzuhalten $0007.04 haben, eignet sich jedoch diese Behandlung der Wandfl^ache nicht, da derselben das $0007.05 wohnliche Gepr^age abgeht. Dieser Mangel ist auch physikalisch dadurch begr^undet, $0007.06 da^s die in Frage kommenden nat^urlichen Steine meist gute W^armeleiter sind und $0007.07 daher mehr oder weniger zum Niederschlag von Feuchtigkeit Veranlassung geben.

$0007.08

__Wie schon im vorhergehenden Bande (Art. 8, S. 9 u. Art. 81, S. 66 [2. Aufl.: $0007.09 Art. 8, S. 10 u. Art. 81, S. 67]) dieses #.>Handbuches#.< ausgef^uhrt wurde, kommen die $0007.10 Quader entweder f^ur sich allein (#s+volle Quadermauer#s-) oder in Verbindung mit $0007.11 anderen Steinmaterialien zur Herstellung von Mauern in Anwendung. Im zweiten $0007.12 Falle war zu unterscheiden zwischen #s+Quaderverblendung#s- und #s+Steinfachwerk.#s- $0007.13 Bei ersterem bilden die Quader zumeist die ^au^sere, zur Ansicht gelangende Schale der $0007.14 Mauer; beim zweiten dienen sie zur Herstellung der lotrechten Teilungspfeiler und $0007.15 bezw. von deren wagrechten Verbindungen, welche zusammen die aus geringerem $0007.16 oder kleinst^uckigerem Stoff aufgef^uhrten Hauptfl^achen der Mauer einschlie^sen.

$0007.17

__Quaderwerk ist im allgemeinen teuerer, als anderes Mauerwerk. Die vollen $0007.18 Quadermauern werden daher nur in denjenigen Gegenden zur Anwendung kommen $0007.19 k^onnen, wo dieser Preisunterschied gering ist. Aber auch da wird sich der Kosten $0007.20 wegen die Anwendung desselben nur f^ur schw^achere Mauern empfehlen, die man $0007.21 aus ein oder zwei L^auferreihen in der St^arke herstellen kann, weil bei solchen die $0007.22 Ausf^uhrung von gemischtem Mauerwerk in der Form von Quaderverblendung ent- $0007.23 weder nicht m^oglich ist oder keine nennenswerte Ersparnis an Kosten liefern w^urde, $0007.24 bei Verringerung der Festigkeit. Bei st^arkeren Mauern ist aber durch Einf^uhrung $0007.25 des Verfahrens der Verblendung immer eine wesentliche Ersparnis zu erzielen. Nur $0007.26 m^ussen selbstverst^andlich bei Ausf^uhrung derselben die fr^uher schon angedeuteten $0007.27 und sp^ater noch weiter zu er^orternden, behufs Erzielung gen^ugender Festigkeit not- $0007.28 wendigen Vorsichtsma^sregeln zur Anwendung gelangen.

$0007.29

__Die Quaderverblendungen sind auch noch von einem anderen Gesichtspunkte $0007.30 aus bei starken Mauern vorzuziehen. Bei einer solchen w^urde das Quaderwerk $0007.31 n^amlich in den allermeisten F^allen nur an der Au^senseite zur Ansicht kommen, da $0007.32 es ja die Regel ist, die W^ande auf der Innenseite mit irgend einer Verkleidung aus $0007.33 anderem Stoff, z. B. Holz, oder irgend einem Ueberzug zu versehen. Abgesehen $0007.34 von denjenigen F^allen, in denen das volle Quadermauerwerk aus konstruktiven $0007.35 Gr^unden geboten ist, w^urden daher die vermehrten Kosten ganz unn^utz ausgegeben $0007.36 sein, wozu noch kommt, da^s sich diese Verkleidungen und Ueberz^uge auf einem $0007.37 kleinst^uckigen Steinmaterial besser anbringen lassen, als auf Quadern. Erw^ahnung $0007.38 mu^s hier auch finden, da^s volle Quadermauern von geringer St^arke Mauern aus $0007.39 anderen Materialien in gesundheitlicher Beziehung, wegen des Durchschlagens der $0007.40 Feuchtigkeit, nachstehen.

$0007.41

__Die Steinfachwerke mit Verwendung von Quadern kommen insbesondere wegen $0007.42 der konstruktiven oder architektonischen Gesamtanordnung der Bauwerke zur An- $0007.43 wendung, h^aufig aber auch, um durch den Farbenwechsel verschiedener Steinarten $0007.44 zu wirken. Ersparnisr^ucksichten spielen jedoch oft auch hierbei eine Rolle.

$0007.45

__Zum Steinverband werden die Steinverbindungen hinzugezogen, um gesonderte4.|Verbindung|der|Quader. $0007.46 Bewegungen einzelner Steine oder Schichten zu verhindern (vergl. den vorhergehenden $0007.47 Band dieses #.>Handbuches#.<, Kap. 3, S. 70). Eine der gebr^auchlichsten Verbindungs-<-P> @@1@ $0008.01 <-P>weisen ist die durch die M^ortel. Als Vorteile derselben waren anzuf^uhren: M^og- $0008.02 lichkeit vollst^andiger Ausf^ullung aller Fugenr^aume, dadurch Vermehrung der Reibung $0008.03 zwischen den Steinfl^achen, gleichm^a^sige Verteilung des Druckes im Mauerwerk, so- $0008.04 wie Zusammenkittung der Steine infolge der chemischen Eigenschaften gewisser $0008.05 M^ortel. Die beiden ersteren Vorteile lassen sich auch durch genaue Bearbeitung $0008.06 der Fugenfl^achen erreichen; der letztere dagegen ist bei Quaderverb^anden in Wirk- $0008.07 lichkeit nicht zu erzielen, da man auf ein ungest^ortes Abbinden des M^ortels wegen $0008.08 der Schwierigkeit des raschen Versetzens der schweren St^ucke nicht rechnen kann. $0008.09 Daraus ergiebt sich, da^s Quadermauerwerke auch recht gut ohne M^ortel zur Aus- $0008.10 f^uhrung kommen k^onnen, wenn man M^uhe und Kosten guter Bearbeitung nicht scheut.

$0008.11

__Das Nichtvorhandensein des M^ortels hat au^ser der g^unstigen Wirkung f^ur die $0008.12 Erhaltung der Metalle noch den Vorteil der Beseitigung einer Ursache f^ur die Ver- $0008.13 witterung der Steine. Die Salze, welche sich in den M^orteln, insbesondere in den $0008.14 hydraulischen, unter der Einwirkung der Feuchtigkeit entwickeln, tragen $0008.15 zur rascheren Zersetzung mancher Steinarten, wie der Kalksteine und $0008.16 Fig. 1#H:4#G:).#(IMAGE) $0008.17 kalkhaltigen Sandsteine, wesentlich bei.

$0008.18

__Man kann dies an manchen mittelalterlichen mit M^ortel aufgef^uhrten Bauten beobachten. $0008.19 Die M^ortelb^ander sind mitunter unverletzt, w^ahrend die Kanten der Steinh^aupter abgewittert $0008.20 sind (Fig. 1#H:4#G:).

$0008.21

__Bez^uglich der Besonderheiten in der Anwendung der verschiedenen $0008.22 Verbindungsmittel kann auf das im vorhergehenden Bande (Abt. I, Ab- $0008.23 schn. 1, Kap. 3) Gesagte verwiesen werden.

$0008.24 5.|Fugen-|bearbeitung.

__In Zusammenhang mit der Verwendung oder Nichtverwendung des $0008.25 M^ortels steht die Art der Fugenbearbeitung.

$0008.26

__Wir bewundern noch heute die scharfe Fugung der Quader an antiken $0008.27 und vielen mittelalterlichen Bauwerken. Sie war wegen der Nichtver- $0008.28 wendung des M^ortels notwendig. Das Mittel, welches die Griechen zur $0008.29 Erzielung des scharfen Fugenschlusses anwendeten, ist bekannt#H:5#G:). Die $0008.30 Quader von Marmor oder Kalkstein ber^uhren sich nur in den aufeinander $0008.31 geschliffenen Fugenr^andern#H:6#G:). Nat^urlich ist eine solche Bauweise nur bei sehr festem $0008.32 Gestein ausf^uhrbar und w^urde sich f^ur die bei uns gebr^auchlichen Steinarten durch- $0008.33 aus nicht eignen. Da^s man gen^ugend feine Fugen auch ohne dieses Mittel erzielen $0008.34 kann, lehren uns sp^atere Bauten anderer V^olker. Auch heutigestags ist man in $0008.35 der Regel bestrebt, die Fugenlinien auf den Maueransichten so d^unn als m^oglich $0008.36 zu machen, und zwar auch bei gleichzeitiger Verwendung von M^ortel, der entweder $0008.37 gleich beim Versetzen der Steine aufgetragen oder nachtr^aglich durch Ausgie^sen $0008.38 in die Fugenr^aume gebracht wird. Das Mittel, welches jetzt dabei h^aufig zur An- $0008.39 wendung gelangt, besteht in der Hinterarbeitung (Unterwinkelung) der Steine. Man $0008.40 l^a^st die Fugen von der Stirn nach innen zu sich erweitern. Bei den Sto^sfugen $0008.41 geringerer Bauten kann dieses Mittel ohne wesentliche Beeintr^achtigung der Festig- $0008.42 keit des Mauerwerkes wohl zur Anwendung kommen. Auch ist es dabei leicht, $0008.43 durch Zusammens^agen die sichtbar bleibende Fugendicke auf ein sehr geringes Ma^s<-P> $0 @@3@ ---------- $0008.44

__#H:4#G:) Siehe: #k+Viollet-le-Duc,#k- E. E. #/+Entretiens sur l'architecture.#/- Paris 1872. Bd. 2, S. 27 u. ff.

$0008.45

__#H:5#G:) Siehe Teil II, Band 1 (Art. 31, S. 56) dieses #.>Handbuches#.<.

$0008.46

__#H:6#G:) Ueber die au^serordentliche Sorgfalt, welche die Griechen auf die Bearbeitung und Versetzung ihrer Hausteine ver- $0008.47 wendeten, erh^alt man Aufschlu^s aus einer griechischen Inschrift, die sich auf die Verbreiterung eines Plattenbelages um den $0008.48 Tempel von Livadia bezieht und die nach #/+Fabricius#/- zwischen 174--164 v. Chr. angefertigt wurde. Den Wortlaut mit franz^osi- $0008.49 scher Uebersetzung und Erl^auterungen ver^offentlichte #/+Choisy#/- in seinen #.>#/+%/Etudes sur l'architecture grecque#/-#.<, und zwar in $0008.50 #/+4#H:e#G: %/etude#/-: #/+Un devis de travaux publics %\a Livadie#/- (Paris 1884).

@@1@ $0009.01 <-P>zu verkleinern. Etwas anderes ist es bei den Lagerfugen. Eine keilf^ormige Er- $0009.02 weiterung der Fugen nach innen ist bei diesen als sehr unzweckm^a^sig zu bezeichnen, $0009.03 da sie zu einem Absplittern $0009.04 Fig. 2.#(IMAGE)Von einem Miethause zu Chalon#H:8#G:). $0009.05 der Steinkanten infolge des $0009.06 auf dieselben vereinigten $0009.07 Druckes f^uhren mu^s. Der- $0009.08 artige Ausf^uhrungen sind $0009.09 daher stets zu vermeiden, $0009.10 so da^s es also gew^ohnlich $0009.11 unthunlich scheint, bei Ver- $0009.12 wendung von M^ortel die $0009.13 Lagerfugen auch in der $0009.14 Ansicht unter ein Mindest- $0009.15 ma^s (etwa 5 bis 6#H:mm#G:) $0009.16 herunterzubringen#H:7#G:).

$0009.17

__Aus dem in Art. 36.|Volle Quader-|mauern. $0009.18 (S. 6) Gesagten geht schon $0009.19 hervor, da^s volle Quader- $0009.20 mauern beim Wohnhaus- $0009.21 bau nur selten zur An- $0009.22 wendung gelangen, h^aufi- $0009.23 ger wohl nur in Gegenden, $0009.24 die sehr reich an geeig- $0009.25 neten Hausteinen sind. $0009.26 Aber auch da sind mit $0009.27 ihnen die schon angedeu- $0009.28 teten Nachteile in gesund- $0009.29 heitlicher Beziehung ver- $0009.30 bunden. Diese h^angen mit $0009.31 dem andererseits zu be- $0009.32 tonenden Vorteil zusammen, $0009.33 da^s man vollen Quader- $0009.34 mauern eine geringere $0009.35 St^arke geben kann, als $0009.36 Mauern aus irgend einem $0009.37 anderen Material. Aber $0009.38 diese schwachen, aus einer $0009.39 oder zwei hintereinander $0009.40 liegenden L^auferreihen, $0009.41 bezw. durchgreifenden Bin- $0009.42 dern gebildeten Schichten $0009.43 lassen die Feuchtigkeit $0009.44 durchschlagen und machen daher die Innenr^aume der Geb^aude unwohnlich und ungesund.

$0009.45

__Die vorkommenden Verbandanordnungen sind im vorhergehenden Bande (Abt. I, Abschn. 1, Kap. 2)<-P> $0 @@3@ ---------- $0009.46

__#H:7#G:) Ueber die Fugendicke siehe den vorhergehenden Band dieses #.>Handbuches#.<, Art. 88, S. 72 (2. Aufl.: S. 74). -- Bei $0009.47 der Fertigstellung des M^unsters zu Ulm wurden Lager- und Sto^sfugen nur 4#H:mm#G: dick gehalten. (Siehe: Deutsche Bauz. $0009.48 1895, S. 402.)

@@1@ $0010.01 <-P>dieses #.>Handbuches#.< gen^ugend er^ortert worden, so da^s Beispiele f^ur Schichtenpl^ane hier entbehrlich sind. $0010.02 Dagegen ist in Fig. 2#H:8#G:) ein Beispiel eines ganzen Geb^audes im vollen Quaderbau gegeben worden.

$0010.03

__Vollst^andig am Platze, ja h^aufig unentbehrlich ist der volle Quaderbau bei $0010.04 Errichtung von Denkm^alern, T^urmen, Pfeilern, ^uberhaupt bei allen Architekturen $0010.05 und Architekturteilen, die im Verh^altnis zu ihrer H^ohe geringe Querschnittsfl^ache $0010.06 erhalten.

$0010.07

__Als Beispiel sei in Fig. 3 bis 5 der untere Teil des Turmhelmes der Oberhoven-Kirche zu G^oppingen $0010.08 (Arch.: #/+v. Beyer#/-) in Ansicht, Diagonalschnitt und zwei Schichtenpl^anen zur Anschauung gebracht.

$0010.09 Vom Turmhelm der Oberhoven-Kirche zu G^oppingen. -- {1/100} w. Gr. Arch.: #/+Beyer.#/-Fig. 3.#(IMAGE)Fig. 4.#(IMAGE)Fig. 5.#(IMAGE) $0010.10

__Den Uebergang von den vollen Quadermauern zu den Verblendungen bilden $0010.11 diejenigen Mauern, bei denen im Aeu^seren ein kostbareres Material als im Inneren $0010.12 verwendet wird.

$0 @@3@ ---------- $0010.13

__#H:8#G:) Faks.-Repr. nach: #k+Viollet-le-Duc,#k- E. E. #/+Habitations modernes.#/- Bd. I. Paris 1875. Taf. 12.

@@1@ $0011.01 Fig. 6.#(IMAGE)Vom sog. Vesta-Tempel zu Rom#H:9#G:). ca. {1/50} w. Gr. $0011.02

__Ein sch^ones Beispiel hierf^ur bietet der unter dem $0011.03 Namen Vesta-Tempel bekannte Rundbau in der N^ahe des $0011.04 Tiber in Rom. In Fig. 6 ist ein Mauerst^uck desselben $0011.05 in Ansicht und Schnitt wiedergegeben#H:9#G:). Die Durch- $0011.06 binder #/+A#/- und die Verkleidungsplatten #/+B#/- sind aus Marmor $0011.07 hergestellt, die Steine #/+C#/- aus Travertin. Alle St^ucke sind $0011.08 durch eiserne Klammern verbunden. Die Innenseite war $0011.09 mit bemaltem Stuckputz ^uberzogen. Die zweckm^a^sige $0011.10 und sparsame Anordnung kommt im Aeu^seren vollst^andig $0011.11 und dabei in geschmackvoller Weise zum Ausdruck, so $0011.12 da^s wir es hier mit einer wahren und zugleich sch^onen $0011.13 Konstruktion zu thun haben. Die erstere Eigenschaft $0011.14 w^urde sofort verloren gehen, wollte man eine ebensolche $0011.15 Mauer aus gleichm^a^sigem Material oder etwa aus gr^o^seren $0011.16 St^ucken mit teilweise blinden Fugen herstellen. #/+Viollet- $0011.17 le-Duc#/- nennt mit Recht diese Konstruktion eine stilvolle.

$0011.18

__Bei den Quaderverblendungen m^ussen7.|Quader-|verblendung. $0011.19 die im vorhergehenden Bande (Art. 82, S. 66) $0011.20 dieses #.>Handbuches#.< besprochenen Vorsichts- $0011.21 ma^sregeln zur Anwendung gebracht werden, $0011.22 um L^angsspaltungen infolge ungleichen Setzens $0011.23 im Mauerk^orper zu verh^uten. Das ungleiche $0011.24 Setzen ergibt sich aus der verschiedenen Menge $0011.25 von M^ortel in den Lagerfugen beider Mauer- $0011.26 teile, und dieser Unterschied ist am gr^o^sten, $0011.27 wenn der Mauerkern aus Beton oder aus $0011.28 Mauerwerk von kleinen Bruchsteinen besteht. $0011.29 Die R^omer verwendeten namentlich die letz- $0011.30 tere Bauweise im gro^sartigsten Ma^sstabe, und $0011.31 die Erfahrung hat deren Dauerhaftigkeit be- $0011.32 wiesen. Es wird sich daher empfehlen, zun^achst $0011.33 einen Blick auf die entsprechenden r^omischen $0011.34 Ausf^uhrungsweisen zu werfen.

$0011.35

__Nach den zuverl^assigen Untersuchungen von #/+Choisy#/-#H:10#G:) verwendeten die R^omer zur Herstellung des $0011.36 Mauerkernes aus Bruchsteinen und M^ortel zwei Verfahrungsweisen: sie stellten ihn mit Verdichtung durch $0011.37 Rammen oder ohne solche her. Das $0011.38 Fig. 7#H:11#G:).#(IMAGE) $0011.39 erstere Verfahren kam nur bei den $0011.40 Mauern mit Quaderverkleidung, $0011.41 wohl auch bei Grundmauern, das $0011.42 zweite bei den Mauern mit einer $0011.43 Verkleidung von Ziegeln oder $0011.44 kleinen Steinw^urfeln zur Anwen- $0011.45 dung. Hier haben wir es zun^achst $0011.46 nur mit dem ersteren zu thun. $0011.47 Dieses Verfahren bestand in fol- $0011.48 gendem. Zwischen den beiden $0011.49 Quaderverkleidungen der Mauer $0011.50 wurde eine sehr dicke Lage $0011.51 von M^ortel (mindestens 10 bis 15#H:cm#G: dick) ausgebreitet, welcher in Rom aus Kalk und Puzzolane, $0011.52 anderw^arts aus Kalk und grobem Sand hergestellt wurde. Darauf wurden mit der Schaufel Steinst^ucke<-P> $0 @@3@ ---------- $0011.53

__#H:9#G:) Nach: #k+Viollet-le-Duc,#k- E. E. #/+Entretiens sur l'architecture.#/- Bd. I. Paris 1863. S. 187.

$0011.54

__#H:10#G:) #/+L'art de b%

@@1@ $0012.01 <-P>von 8 bis 10#H:cm#G: Durchmesser (entsprechend der Gr^o^se des Steinschlages f^ur unsre Chausseen) in der H^ohe $0012.02 der M^ortelschicht oder weniges dar^uber aufgesch^uttet und dann in den M^ortel hineingestampft, so da^s dieser $0012.03 in die Zwischenr^aume der Steine hineingetrieben wurde. Solche wechselnde Schichten von M^ortel und $0012.04 Steinen wurden ^ubereinander gebracht, bis die H^ohe einer Quaderschicht erreicht war. Auf der letzten $0012.05 Steinschicht wurde nun der bei der Bearbeitung der Quader gewonnene Steinstaub ausgebreitet und noch $0012.06 kr^aftiger, als bei den vorhergehenden Schichten, gerammt; der Steinstaub verhinderte das Anhaften $0012.07 des empordringenden M^ortels an den Werkzeugen und F^u^sen der Arbeiter. Auf diese Weise wurde $0012.08 bei jeder Quaderschicht verfahren und so ein Mauerkern erzielt, der sich nur noch wenig setzen konnte. $0012.09 Mit demselben wurden die Quaderverkleidungen, um ein Abl^osen derselben zu verhindern, in Verband $0012.10 gebracht.

$0012.11

__Die R^omer verwendeten dabei nur zwei Verbandanordnungen. Sie lie^sen entweder L^auferschichten $0012.12 mit Binderschichten abwechseln (Fig. 7#H:11#G:) oder L^auferschichten mit aus L^aufern und Bindern zusammen- $0012.13 gesetzten Schichten) Fig. 8#H:11#G:). Nir- $0012.14 gends finden sich r^omische Quader- $0012.15 Fig. 8#H:11#G:).#(IMAGE) $0012.16 verkleidungen, bei denen in allen $0012.17 Schichten Binder enthalten sind. Ab- $0012.18 gesehen von der erzielten Ersparnis, $0012.19 hat diese Konstruktion noch den $0012.20 Vorzug der Sicherheit, die durch $0012.21 eine zu gro^se Vermehrung der $0012.22 Binderzahl nicht erh^oht, sondern $0012.23 eher verringert wird, indem die zu $0012.24 nahe liegenden Binder den Zusam- $0012.25 menhang des Mauerkernes beein- $0012.26 tr^achtigen. Die Erfahrung hat ge- $0012.27 zeigt, da^s der r^omische Verband $0012.28 vollst^andig ausreichend war. So $0012.29 kann man denselben z. B. am Unterbau des Grabmales der #/+Caecilia Metella#/- an der #/+Via Appia#/- bei Rom $0012.30 beobachten#H:12#G:). Die Quaderverkleidung ist dort gewaltsam beseitigt worden, um die Steine zu gewinnen. $0012.31 Dabei sind die Binderk^opse abgebrochen, und die Querschnitte derselben zeichnen sich noch jetzt als $0012.32 wei^se und abgesonderte Rechtecke vom grauen Mauerwerk des Kernes ab.

$0012.33

__Unter ^ahnlichen Verh^altnissen ist gewi^s auch heute noch $0012.34 Fig. 9#H:13#G:).#(IMAGE)ca. {1/25} w. Gr. $0012.35 das r^omische Verfahren des Rammens des F^ullmauerwerkes, $0012.36 um ein ungleichm^a^siges Setzen zu verh^uten, zur Nachahmung $0012.37 zu empfehlen. Es erscheint aber nur da anwendbar, wo beide $0012.38 H^aupter der Mauern aus Quadern hergestellt werden und diese $0012.39 stark genug sind, um durch den beim Rammen erzeugten Seiten- $0012.40 schub nicht verschoben zu werden.

$0012.41

__Beispielsweise wurden die Quaderbankette der Kellermauern der #/+Annen-#/- $0012.42 Realschule in Dresden, wie auch an anderen Geb^auden daselbst, als K^astel- $0012.43 mauerwerk aus gro^sen Grundquadern hergestellt, die Zwischenr^aume mit $0012.44 Beton schichtenweise ausgef^ullt und jede Schicht fest abgerammt.

$0012.45

__Einen gut gelungenen Versuch, dieses Verfahren auch $0012.46 bei schwachen, nur einseitig verblendeten Mauern zur Aus- $0012.47 f^uhrung zu bringen, zeigt das Frontmauerwerk des 1865 er- $0012.48 richteten Gerichtshauses zu Hagen (Fig. 9#H:13#G:).

$0012.49

__Die Frontmauer war 40,8#H:m#G: lang und 13,8#H:m#G: ^uber dem Sockel hoch, in drei Stockwerken zu 4,08#H:m#G: $0012.50 und einer Drempelwand aus Ziegeln mit Quaderverblendung, im Erdgescho^s 0,785#H:m#G:, in beiden Ober- $0012.51 geschossen 0,628#H:m#G: und in der Drempelwand 0,418#H:m#G: stark auszuf^uhren. In der Verblendung lie^s man $0012.52 L^auferschichten von 0,157 bis 0,183#H:m#G: St^arke mit Binderschichten von 0,288 bis 0,314#H:m#G: St^arke abwechseln.<-P> $0 @@3@ ---------- $0012.53

__#H:11#G:) Faks.-Repr. nach: #k+Choisy,#k- a. a. O., S. 113.

$0012.54

__#H:12#G:) Siehe hier^uber auch Teil II, Band 2 (Art. 124, S. 133) dieses #.>Handbuches#.<

$0012.55

__#H:13#G:) Mitgeteilt in: Zeitschr. f. Bauw. 1866, S. 83.

@@1@ $0013.01 <-P>Die Architektur bedingte eine Abnahme der Schichth^ohen nach oben zwischen 0,472 bis 0,288#H:m#G:. Die $0013.02 geringen Mauerst^arken verlangten besondere Sorgfalt in der Herstellung, um Verblendung und Hinter- $0013.03 mauerung gleich tragf^ahig zu machen und zu einem zusammenwirkenden Ganzen zu vereinigen. Cement $0013.04 war f^ur die M^ortelbereitung ausgeschlossen. Um nun das Ma^s des Setzens beider Mauerteile m^oglichst $0013.05 auszugleichen, wurde in der folgenden Weise verfahren.

$0013.06

__Die Quader einer Schicht wurden in gew^ohnlicher Weise mit Lager- und Sto^sfugen von 13#H:mm#G: $0013.07 Dicke versetzt und mit Backsteinen in der Art hintermauert, da^s zwischen letzteren und der rauhen lot- $0013.08 rechten Innenfl^ache des Quaders ein Spielraum von ca. 26#H:mm#G: (= 1 Zoll) vorl^aufig verblieb. Nach der $0013.09 Aufmauerung ungef^ahr bis zur Oberfl^ache der betreffenden Blendschicht ging ein Junge mit einem Schorn- $0013.10 steinholz (0,13#H:m#G: dick bei 1,25 bis 1,4#H:m#G: L^ange) auf der Hintermauerung entlang und rammte in wieder- $0013.11 holten leichten Schl^agen die ganze Mauer vorsichtig so lange ab, bis kein Weichen mehr stattfand, ein $0013.12 Zeitpunkt, welchen derselbe bald sehr genau erkannte. Jetzt wurde der vorerw^ahnte lotrechte Zwischen- $0013.13 raum zwischen Quader und Hintermauerung sorgf^altig mit M^ortel ausgeschlagen und dann das Ganze mit $0013.14 d^unner Kalkmilch ausgegossen. Nachdem die so behandelte Schicht ein paar Tage Ruhe gehabt hatte, $0013.15 konnte dasselbe Verfahren mit der n^achstfolgenden vorgenommen werden, ohne da^s, trotz sorgf^altiger $0013.16 Beobachtung, jemals ein nachteiliger Einflu^s oder auch nur die geringste Ver^anderung in dem darunter $0013.17 liegenden Mauerwerk wahrgenommen worden w^are.

$0013.18

__Der M^ortel wurde aus gesiebter Steinkohlenasche (mit und ohne Zusatz von Ziegelmehl) und dem $0013.19 vorgeschriebenen frisch gel^oschten Wasserkalk na^s, aber so mager als m^oglich, bereitet. Er ist ungeachtet $0013.20 der schnellen Bindung sehr hart geworden. In jedem Stockwerk wurde eine bis auf 0,16#H:m#G: durch die $0013.21 ganze Mauerst^arke reichende Binderschicht vom Material der Blendquader angeordnet. Die Mauer soll $0013.22 nicht die geringste Unregelm^a^sigkeit im Setzen gezeigt haben; keine der sofort geschlossenen Fugen der $0013.23 Verblendung h^atte sich ge^offnet, und die aus sehr weichem, $0013.24 Fig. 10.#(IMAGE)Von der Burg M^unzenberg#H:14#G:). $0013.25 beim geringsten ungleichen Druck zerbrechenden Sandsteine $0013.26 hergestellten Gesimse und Gew^ande sollen ihre vollkommene $0013.27 Regelm^a^sigkeit behalten haben.

$0013.28

__In der Regel wird von einer Zusammen- $0013.29 pressung des M^ortels bei der Ausf^uhrung der $0013.30 gemischten Mauerwerke abgesehen; man be- $0013.31 gn^ugt sich bei guten Ausf^uhrungen mit der $0013.32 Durchf^uhrung der Lagerfugen der Verblendung $0013.33 durch die ganze Mauerst^arke, mit der Ein- $0013.34 schaltung von durchgehenden Binderschichten, $0013.35 mit sorgf^altiger Verbandanordnung und mit m^og- $0013.36 lichster Ausgleichung der Fugendickensummen $0013.37 in Verblendung und Hintermauerung. In F^allen, $0013.38 die besondere Vorsicht erheischen, verwendet $0013.39 man wohl auch den nicht erheblich schwinden- $0013.40 den Portlandcementm^ortel.

$0013.41

__Ein Beispiel einer Quaderverblendung mit Bruch- $0013.42 steinhintermauerung und durchgehender Schicht vom Ma- $0013.43 terial der Quader, welche alle 1,5 bis 2,0#H:m#G: H^ohe anzu- $0013.44 ordnen w^are, gibt Fig. 10#H:14#G:).

$0013.45

__Eine ausgedehnte nachtr^agliche Quaderverblendung $0013.46 (beim Umbau des Zeughauses in Dresden) ist in unten ge- $0013.47 nannter Quelle besprochen#H:15#G:).

$0013.48

__In sehr vielen F^allen mu^s man mit dem8.|Platten-|verblendung. $0013.49 Hausteinmaterial sparsam umgehen und beschr^ankt sich dann auf eine Verkleidung $0013.50 der aus Bruchstein oder Ziegeln hergestellten Mauern mit Steinplatten von geringer $0013.51 Dicke, wobei zweckm^a^sigerweise hochkantig gestellte Schichten mit flach liegenden<-P> $0 @@3@ ---------- $0013.52

__#H:14#G:) Nach: #k+Gladbach,#k- E. Vorlegebl^atter zur Baukonstruktionslehre. Z^urich 1868--71.

$0013.53

__#H:15#G:) Deutsche Bauz. 1886, S. 27.

@@1@ $0014.01 <-P>abwechseln, wie im vorhergehenden Bande (Fig. 201 u. 202, S. 68 [2. Aufl.: S. 70]) $0014.02 dieses #.>Handbuches#.< dargestellt wurde. Durch eine solche Verblendung wird die $0014.03 Konstruktion der Mauer nicht verst^arkt. Die Dicke der Platten mu^s der als notwendig $0014.04 erachteten Mauerdicke zugegeben werden.

$0014.05

__In sehr gro^ser Ausdehnung ist u. a. eine Plattenverblendung beim Bau des Opernhauses in Frank- $0014.06 furt a. M. zur Ausf^uhrung gekommen. Die St^arken der Platten sind hier auf das geringst m^ogliche Ma^s $0014.07 festgestellt worden. Im Unterbau haben sie 14#H:cm#G:, bezw. 25#H:cm#G: Lagerbreite, im Oberbau sogar nur 8, $0014.08 bezw. 15#H:cm#G:. Verwendet wurde der weiche $0014.09 Kalkstein von Savonni%\eres en Perthois. Die $0014.10 Fig. 11.#(IMAGE)#/+Nicolai#/-'s Entwurf zum Doublettensaal in Dresden. $0014.11 Steine wurden in Wei^skalk versetzt, w^ahrend $0014.12 die Hintermauerung mit Feldbrandsteinen in $0014.13 schwarzem Kalk unter Zusatz von Cement $0014.14 erfolgte#H:16#G:).

$0014.15

__Gew^ohnlich erhalten so ver- $0014.16 blendete Mauern das Aussehen, als $0014.17 h^atten sie eine wirkliche Quaderver- $0014.18 kleidung. Richtiger w^urde es sein, $0014.19 die Anordnungen und Ma^se so zu $0014.20 w^ahlen, da^s die Anwendung von $0014.21 Platten auch ^au^serlich zum Aus- $0014.22 druck gelangt, wie in Fig. 11 an- $0014.23 gedeutet ist.

$0014.24

__Auch bei Plattenverblendungen $0014.25 hat man es versucht, die Gefahren $0014.26 des ungleichm^a^sigen Setzens zu be- $0014.27 seitigen.

$0014.28

__Ein dahin zielender Vorschlag ist #/+John $0014.29 Taylor#/- patentiert worden#H:17#G:).

$0014.30

__Die betreffende Konstruktion zeigt $0014.31 Fig. 12. Die Platten und Simsst^ucke werden $0014.32 mit einer Leiste versehen, mit welcher sie an $0014.33 der bis zur richtigen H^ohe aufgemauerten $0014.34 Ziegelschicht aufgeh^angt werden. Die Lager- $0014.35 fugen der Verblendung werden offen gelassen, $0014.36 bis ein Setzen nicht mehr zu bef^urchten $0014.37 steht. Die ^uber der Leiste folgenden Ziegel- $0014.38 schichten belasten die Platten und verbinden $0014.39 sie fest mit der Mauer. Fig. 13 zeigt die $0014.40 Art und Weise, wie die Platten mit m^og- $0014.41 lichst wenig Verlust aus gr^o^seren Bl^ocken herausgeschnitten werden k^onnen. Zuerst werden die Schnitte $0014.42 #/+a, a, a#/- und #/+b, b, b#/- ausgef^uhrt und dann die Schnitte #/+c, d, e#/- etc.

$0014.43

__#/+Vogdt#/- in Potsdam schl^agt#H:18#G:) vor, ebenso gestaltete Steine zur nachtr^aglichen Verblendung der $0014.44 Mauern, nachdem sich dieselben gesetzt haben, zu verwenden und dazu im Mauerwerk Nuten f^ur die $0014.45 Leisten auszusparen. Er h^angt die Platten auch nicht auf, sondern legt die Leiste nach unten. Das $0014.46 Hintergie^sen der Platten mit M^ortel ist dabei leicht zu bewerkstelligen; dennoch d^urfte das #/+Taylor#/-'sche $0014.47 Verfahren den Vorzug verdienen.

$0014.48

__Eine nachtr^agliche Verblendung mit Sandsteinplatten in gr^o^serem Umfange ist $0014.49 am K^onigl. Schauspielhause zu Berlin als Ersatz f^ur den Putz zur Ausf^uhrung gelangt#H:19#G:).

$0 @@3@ ---------- $0014.50

__#H:16#G:) Siehe: Zeitschr. f. Bauw. 1883, S. 147.

$0014.51

__#H:17#G:) Siehe: #/+Builder,#/- Bd. 7, S. 137.

$0014.52

__#H:18#G:) In: Deutsche Bauz. 1884, S. 360.

$0014.53

__#H:19#G:) Nach: Centralbl. d. Bauverw. 1883, S. 229.

@@1@ $0015.01

__Um das geeignete Verfahren festzustellen, wurde zuerst im November 1878 bei kaltem Wetter an $0015.02 einer allen Witterungseinfl^ussen ausgesetzten Stelle eine Probeverblendung ausgef^uhrt. Nach der Beseitigung $0015.03 des Putzes und Wegstemmen des Mauerwerkes versetzte man die mit der Steins^age aus Rackwitzer Sandstein $0015.04 geschnittenen Platten in abwechselnden L^auferschichten von 2 bis 3#H:cm#G: Dicke und Binderschichten von $0015.05 4 bis 6#H:cm#G: Dicke. Sie waren an der Vorderseite ge- $0015.06 Fig. 12.#(IMAGE)ca. {1/20} w. Gr.Fig. 13.#(IMAGE)ca. {1/20} w. Gr.Fig. 14#H:19#G:).#(IMAGE){1/5} w. Gr. $0015.07 schliffen, ringsum scharf gefugt und mit Gu^snuten $0015.08 von etwa 1#H:cm#G: Seite versehen. Die Verbindung der $0015.09 trocken gestellten Platten mit dem Ziegelmauerwerk $0015.10 erfolgte durch eingegipste Messingdrahtklammern von $0015.11 8 bis 10#H:cm#G: L^ange und 3#H:mm#G: St^arke (Fig. 14). Hier- $0015.12 auf wurden die Fugen einer Schicht ringsum mit $0015.13 Thon verstrichen und die erste Lage von d^unnfl^ussigem $0015.14 M^ortel -- Wei^skalk mit Gips -- hinter die Platten $0015.15 gegossen. Nachdem der erste M^ortelaufgu^s eingezogen $0015.16 war und sich gesetzt hatte, erfolgte der zweite u. s. f., $0015.17 wobei gleichzeitig gr^o^sere Hohlr^aume zwischen Sand- $0015.18 stein und Hintermauerung durch klein geschlagene $0015.19 Ziegelbrocken ausgef^ullt wurden. Jede Platte erhielt $0015.20 im Oberlager zwei Klammern; eine Verbindung der $0015.21 Steine unter sich -- am Sto^s -- hat nicht statt- $0015.22 gefunden.

$0015.23

__Die Verkleidung einer an der Probestelle be- $0015.24 findlichen Fenster^offnung von 1,1#H:m#G: Breite und 0,95#H:m#G: $0015.25 H^ohe erfolgte in der Weise, da^s die mit Wasserschlag $0015.26 versehene gemauerte Sohlbank mit einer Schiefer- $0015.27 platte abgedeckt und die 0,27#H:m#G: breiten Laibungen, $0015.28 der durchgef^uhrten Quaderung entsprechend, in drei $0015.29 Schichten aus 2 bis 3#H:cm#G: starken Sandsteinplatten her- $0015.30 gestellt wurden. Der Fenstersturz ist nur an der Stirn- $0015.31 seite mit einer 4#H:cm#G: starken Sandsteinplatte verkleidet, w^ahrend die Unteransicht des scheitrechten Bogens $0015.32 mit gew^ohnlichem Kalkm^ortel geputzt wurde (Fig. 15#H:19#G:).

$0015.33

__Nach f^unfj^ahrigem Bestehen wurde diese Probeverblendung beseitigt und als bew^ahrt befunden. $0015.34 Aus Grund des Gutachtens der Akademie des Bauwesens#H:20#G:) wurde aber die wirkliche Ausf^uhrung in etwas $0015.35 anderer Weise bewerkstelligt. Die L^auferfrontplatten in den oberen Geschossen $0015.36 Fig. 15#H:19#G:).#(IMAGE){1/10} w. Gr. $0015.37 sind nicht unter 6#H:cm#G:, die Binderplatten 12#H:cm#G:, im Untergescho^s teils 12, teils $0015.38 18#H:cm#G: stark; an den Ecken kamen, der vorhandenen Fugenteilung entsprechend, $0015.39 gr^o^sere Werkst^ucke zur Verwendung; die kleineren Pfeiler wurden voll aus $0015.40 Quadern hergestellt; Gesimse erhielten die durch das Profil bedingten Ab- $0015.41 messungen. Die Gu^snut im Ober- und Unterlager hat 1,5#H:cm#G: Seite; in den $0015.42 Sto^sfugen ist dieselbe angemessen vergr^o^sert. Die Ansichtsfl^achen wurden $0015.43 sauber geschliffen, die R^uckseiten m^oglichst rauh gehalten. Die Steine wurden $0015.44 s^ammtlich trocken -- auf Bleiplatten -- versetzt und durch Bronzeklammern $0015.45 mit einem quadratischen Querschnitt von mindestens 4#H:mm#G: Seite in der erforderlichen L^ange mit dem $0015.46 Mauerkerne verbunden. Auf jedes Meter verwendete man 2 bis 3 Klammern, auf jeden Stein mindestens 2. $0015.47 Au^serdem sind die Steine an den Ecken durchg^angig und auch sonst an geeigneten Stellen mit Sto^s- $0015.48 klammern aus gegossener Bronze unter sich verbunden. Die Klammern wurden in das Ziegelmauerwerk $0015.49 eingegipst, in den Sandsteinen mit Blei vergossen. Die sonstige Verwendung von Gips, wie auch die $0015.50 von Fettkalk und von Cement ist grunds^atzlich ausgeschlossen worden. An Stelle des Gipskalkm^ortels $0015.51 wurde M^ortel von hydraulischem Kalk zum Ausgie^sen verwendet. Zur Ausf^ullung gr^o^serer Hohlr^aume $0015.52 benutzte man klein geschlagene Ziegelbrocken und M^ortel in sorgf^altiger Weise. Das Quadratmeter glatter $0015.53 Frontverblendung stellte sich in den unteren Geschossen auf durchschnittlich 25 Mark, in den oberen auf $0015.54 etwa 20 Mark, einschl. aller Nebenkosten.

$0015.55

__An dieser Stelle sind auch die Verblendungen mit d^unnen #s+Marmorplatten#s- $0015.56 und die #s+Plattenmosaike#s- von verschiedenfarbigen Steinen anzuf^uhren. Die ersteren<-P> $0 @@3@ ---------- $0015.57

__#H:20#G:) Siehe: Centralbl. d. Bauverw. 1882, S. 359.

@@1@ $0016.01 Fig. 16.#(IMAGE)Fig. 17.#(IMAGE) $0016.02 <-P>kommen bei uns fast nur bei Ausstattung von Innenr^aumen zur Anwendung; deren $0016.03 Besprechung geh^ort daher in Abt. IV, Abschn. 3 dieses Teiles des vorliegenden $0016.04 #.>Handbuches#.< (Teil III, Bd. 3, Heft 3), und die letzteren bieten in technischer Be- $0016.05 ziehung keinen besonderen Anla^s zu Er^orterungen.

$0016.06 9.|Quader-|fachwerk.

__Den Uebergang zu den Quaderfachwerken bilden die aus gro^sen Quadern $0016.07 hergestellten Ecken von sonst nur mit einer Verblendung versehenen Mauern. Man $0016.08 sollte es n^amlich immer der Festigkeit wegen vermeiden, auch an den Ecken die $0016.09 Bekleidung mit d^unnen Platten durchzuf^uhren. Die Quaderecken treten daher als $0016.10 Verst^arkungen (Armierungen) auf, was mit Recht in solchen F^allen gew^ohnlich auch $0016.11 in der Form zum Ausdruck gebracht wird. Im Sinne eines guten Verbandes bildet $0016.12 man, wie bei den eigentlichen Steinfachwerken (siehe dar^uber den vorhergehenden $0016.13 Band [Abt. I, Abschn. 1, Kap. 2, Art. 85, S. 69] dieses #.>Handbuches#.<), die Ecken $0016.14 mit Verzahnung aus, wobei die an der einen Seite als L^aufer erscheinenden Steine $0016.15 an der anderen als Binder auftreten (Fig. 16).

$0016.16

__Ebenso verf^ahrt man, wenn an die Quaderecken die Mauern auch ^au^serlich $0016.17 mit anderem Material anschlie^sen (Fig. 17).

$0016.18 Fig. 18.#(IMAGE)Vom #/+Palazzo Farnese#/- in Rom#H:21#G:).Fig. 19.#(IMAGE)Vom #/+Palazzo Bartolini#/- in Florenz#H:21#G:). @@1@ $0017.01

__Mit dieser konstruktiv richtigen Behandlung der Ecke ist eine etwas unruhige $0017.02 Wirkung derselben verbunden. Ruhigere Erscheinung erzielt man mit einem Wechsel $0017.03 von kleineren und gr^o^seren Quadern (Fig. 18#H:21#G:), der nicht minder konstruktiv $0017.04 richtig ist. Allerdings werden dabei die gr^o^seren Quader h^aufig aus kleineren $0017.05 St^ucken unter m^oglichster Unterdr^uckung der Sto^sfugen zusammengesetzt. Oft sieht $0017.06 man davon ab, den Verband der Ecken mit den benachbarten Wandfl^achen zum $0017.07 Ausdruck zu bringen und begn^ugt sich mit lisenenartigen Streifen (Fig. 19#H:21#G:).

$0017.08

__Ein Beispiel f^ur ein Quaderfachwerk mit Ziegelf^ullungen, bei welchem diese $0017.09 Anordnung des Farbenwechsels wegen gew^ahlt wurde, bietet Fig. 21#H:23#G:); Fig. 20#H:22#G:) $0017.10 zeigt dagegen ein Geb^aude, bei dem reiner Quaderbau und Quaderfachwerk, wohl $0017.11 haupts^achlich nur wegen Vermehrung der malerischen Erscheinung, zur Anwendung $0017.12 gelangten. Wie die gemischten Mauerwerke oft nur mit lotrechten Streifen von $0017.13 Quadern versehen sind, so finden sich sehr oft auch solche, in denen blo^s wagrechte $0017.14 Quader- oder Hausteinschichten zur Anwendung kommen. Der Zweck ist entweder $0017.15 der, die Festigkeit durch durchbindende Schichten von gro^sen Steinen zu erh^ohen, $0017.16 oder der, einen malerischen Farbenwechsel zu erzielen.

$0017.17 Fig. 20.#(IMAGE)Landhaus bei Creil#H:22#G:). Arch.: #/+Viollet-le-Duc.#/- $0 @@3@ ---------- $0017.18

__#H:21#G:) Faks.-Repr. nach: Zeitschr. d. ^ost. Ing.- u. Arch.-Ver. 1887, Taf. 33.

$0017.19

__#H:22#G:) Faks.-Repr. nach: #k+Viollet-le-Duc,#k- E. E. #/+Habitations modernes.#/- Bd. 2. Paris 1877. Taf. 158.

$0017.20

__#H:23#G:) Faks.-Repr. nach: #k+Licht,#k- H. Architektur Deutschlands. Bd. II. Berlin 1882. Taf. 161.

@@1@ $0018.01 10.|Gestalt|der|Quaderstirn.

__Obgleich die Besprechung der Formengebung der Quader in die #.>Bauformen- $0018.02 lehre#.< geh^ort, so kann dieselbe hier doch nicht ganz ^ubergangen werden, weil die $0018.03 Form der Quader -- es handelt sich $0018.04 hier um die Behandlung der Stirn- $0018.05 Fig. 21.#(IMAGE)Vom Palais #/+Reichenheim#/- zu Berlin#H:23#G:). Arch: #/+Kayser {et} v. Groszheim.#/- $0018.06 fl^achen -- in zu engem Zusammen- $0018.07 hange mit der Bearbeitungsweise der $0018.08 Werkst^ucke steht und sich zum Teile $0018.09 auch aus dem Baubetrieb geschicht- $0018.10 lich entwickelt hat.

$0018.11

__Die Bearbeitung der Quader $0018.12 und ^uberhaupt der Werkst^ucke be- $0018.13 steht bei harten Steinen im Bossieren, $0018.14 Stocken, Schleifen und Polieren; $0018.15 bei weicheren Steinen im Bossieren, $0018.16 Spitzen oder Fl^achen, Kr^oneln, $0018.17 Scharrieren und Schleifen. Diese $0018.18 Bearbeitungen werden entweder alle $0018.19 hintereinander vorgenommen, oder $0018.20 man bleibt bei einer derselben stehen. $0018.21 Dies h^angt teils von der beabsich- $0018.22 tigten Wirkung, teils von den zur $0018.23 Verf^ugung stehenden Mitteln ab. Die $0018.24 kr^aftigste und monumentalste Wir- $0018.25 kung erreicht man mit den bossierten $0018.26 Quadern (Buckelquader, Bossage, $0018.27 Rustika), bei welchen innerhalb eines $0018.28 Randschlages die nat^urliche Bruch- $0018.29 fl^ache oder dieselbe mit einer etwas $0018.30 weitergehenden Zurichtung (durch $0018.31 Spitzeisen und Bossierschl^agel) stehen $0018.32 bleibt. Verfeinerungen der Bossen- $0018.33 quader sind die Spiegelquader, bei $0018.34 welchen der vorstehende Bossen eine $0018.35 regelm^a^sige Form erh^alt, die h^aufig $0018.36 mit einem Profil umzogen ist und $0018.37 welche dann in der Regel auch glatt $0018.38 bearbeitet sind. Bei sehr aufw^andigen $0018.39 Bauten findet man sogar die Spiegel- $0018.40 fl^achen mitunter noch verziert.

$0018.41

__Durch das Spitzen erh^alt man $0018.42 zwar ebene, aber noch rauhe Fl^achen $0018.43 mit unregelm^a^sigen Vertiefungen $0018.44 (den Spitzenhieben). Je nach der Sorgfalt, mit der das Spitzen ausgef^uhrt wird, $0018.45 spricht man von grob (ordin^ar) oder fein gespitzter Arbeit; bei letzterer m^ussen $0018.46 die Spitzenhiebe parallel laufen. Mit gespitzten Fl^achen begn^ugt man sich bei $0018.47 geringeren Ausf^uhrungen oder bei Bauten, die durch ihre Massen wirken sollen. $0018.48 Durch das Kr^oneln werden die Vertiefungen zwar gleichm^a^siger und kleiner;<-P> @@1@ $0019.01 <-P>aber das Aussehen der Fl^ache wird nicht verbessert. Bessere Ergebnisse erzielt $0019.02 man durch das Stocken bei den h^arteren Steinen, welche man in den meisten $0019.03 F^allen in dieser Arbeitsstufe bel^a^st, da eine weiter gehende Bearbeitung bis zum $0019.04 Polieren nur bei gr^o^sten Mitteln m^oglich ist. Bei den weicheren Steinen geht man $0019.05 bis zum Scharrieren und meist auch zum Schleifen weiter. Das letztere ist aber im $0019.06 allgemeinen nicht zu empfehlen, weil durch dasselbe das Spiel des Lichtes auf den $0019.07 Fl^achen verloren geht und die Wirkung eine stumpfere wird. Man th^ate meist $0019.08 besser, sich mit glatt scharrierten Fl^achen zu begn^ugen, wie dies auch im Mittelalter $0019.09 ^ublich war. Das Scharrieren kann ^ubrigens zu einer sehr kostspieligen Bearbeitung $0019.10 werden, wenn man die Fl^achen in regelm^a^sigen parallelen oder radialen, geraden $0019.11 Linien aufschl^agt, um dadurch Zierwirkungen zu erzielen. Diese Bearbeitungsweise $0019.12 war in der Sp^atrenaissance und Barockzeit sehr beliebt. Der Marmor wird durch $0019.13 das Zahnen mit dem Zahneisen zum Schleifen vorbereitet.

$0019.14

__Durch das Scharrieren geht den Quadern der Randschlag verloren, welcher die $0019.15 Stirnfl^achen in gleicher, dem Schlageisen entsprechender Breite umzieht und die $0019.16 Steine als Einzelteile der Mauer kennzeichnet. Bei den Bossenquadern ist er des $0019.17 Versetzens wegen w^unschenswert; bei den gespitzten Steinen ist er notwendig, um $0019.18 eine ebene Fl^ache herstellen zu k^onnen. Will man den glatt bearbeiteten Steinen $0019.19 wieder zu einer st^arkeren Betonung als Einzelteile verhelfen, als dies durch die $0019.20 Fugenlinien geschieht, so mu^s man zu besonderer Bearbeitung derselben greifen. $0019.21 Dies kann geschehen, indem man den Steinen ringsum eine Fase gibt, so da^s $0019.22 zwischen ihnen dreieckige, in den Mauergrund eingetiefte Einschnitte sich ergeben. $0019.23 Gew^ohnlich l^a^st man die Fasen unter rechtem Winkel zusammen- $0019.24 Fig. 22.#(IMAGE)Fig. 23.#(IMAGE) $0019.25 sto^sen (Fig. 22). Eine ausgepr^agtere Trennung erzielt man mit $0019.26 dem Winkel von 60 Grad (Fig. 23), w^ahrend ein stumpferer $0019.27 Winkel als 90 Grad die Fugen zwar breit, aber schw^achlich $0019.28 macht. F^ur weiche Steine hat diese Abfasung den gro^sen Vor- $0019.29 teil, da^s die Kanten durch dieselbe vor dem Absto^sen und $0019.30 Absplittern gesch^utzt werden.

$0019.31

__Die Fugen kann man auch dadurch betonen, da^s man einen vertieften Rand- $0019.32 schlag um die Quader ausf^uhrt, dessen Ebene dann den Mauergrund bestimmt, $0019.33 w^ahrend die Fl^achen der Quader -- die Spiegel -- vor den Mauergrund vortreten. $0019.34 Bei einfachster Ausf^uhrungsweise setzen sich die Spiegel rechtwinkelig vom Mauer- $0019.35 grund ab (Fig. 24). Eine breitere Fuge $0019.36 Fig. 24.#(IMAGE)Fig. 25.#(IMAGE)Fig. 26.#(IMAGE)Fig. 27.#(IMAGE)Fig. 28.#(IMAGE)Fig. 29.#(IMAGE) $0019.37 wird durch schr^ages Absetzen erzielt $0019.38 (Fig. 25). Bereichert wird die erste Form $0019.39 durch eine Fase (Fig. 26) oder ein Profil $0019.40 (Fig. 27). Sehr beliebt ist es, den Spiegel $0019.41 mit einem Viertelstab zu begrenzen, der $0019.42 entweder unmittelbar in die Spiegelfl^ache $0019.43 ^ubergeht (Fig. 28) oder von dieser mit $0019.44 einem Pl^attchen sich absetzt (Fig. 29). $0019.45 Die reicheren Formen, von denen hier $0019.46 nur die einfachsten mitgeteilt wurden, $0019.47 verteuern das Quadermauerwerk und werden daher gew^ohnlich auf solche Teile $0019.48 der Fassaden beschr^ankt, bei denen eine Steigerung der Wirkung erw^unscht ist, $0019.49 so z. B. auf die Ecken, Sockel und vielleicht ein unteres Stockwerk. Durch weise<-P> @@1@ $0020.01 <-P>Sparsamkeit sind oft gr^o^sere Wirkungen zu erzielen, als durch einen gleichm^a^sig $0020.02 verteilten Reichtum.

$0020.03

__Wir nahmen bisher an, da^s der Randschlag sich rings um den Spiegel jedes $0020.04 Quaders herum zieht, so da^s die Fugenlinie in die Mitte des Streifens zwischen $0020.05 den Spiegeln f^allt. Dies war auch fr^uher die $0020.06 ^ublichste Anordnung. Jetzt f^uhrt man den $0020.07 Fig. 30.#(IMAGE) $0020.08 Randschlag nur am oberen Lager und an einer $0020.09 der Sto^sfugen aus (Fig. 30). Dadurch werden $0020.10 kleine zweckdienliche Vorteile erzielt. Die Fuge $0020.11 wird gedeckt und dadurch mehr vor dem Ein- $0020.12 dringen des Regenwassers gesch^utzt, auch kommen $0020.13 kleine Unregelm^a^sigkeiten derselben in eine ver- $0020.14 stecktere Lage. Diese Behandlungsweise wird $0020.15 aber nur dann in Anwendung kommen k^onnen, wenn die Steine nach vorher $0020.16 genau festgesetzten Schichtenpl^anen bestellt, geliefert und bearbeitet werden.

$0020.17

__Der einseitige vertiefte Saum ist schon bei griechischen und r^omischen Bauwerken zur Anwendung $0020.18 gekommen, so beim Monument des #/+Lysikrates#/- in Athen (unten) und beim Grabmal der #/+Caecilia Metella#/- in $0020.19 Rom (unten und rechts).

$0020.20

__Von den fr^uhesten Zeiten an betrachtete man es in der Regel als selbstver- $0020.21 st^andlich, Fugen nur da zu kennzeichnen, wo solche nur durch das Ma^s der Steine $0020.22 sich ergaben.

$0020.23

__Vereinzelte Beispiele von Scheinfugen finden sich schon im Altertum, so ganz planm^a^sig am Grabmal $0020.24 der #/+Caecilia Metella#/- in Rom#H:24#G:), so an einem auf dem #/+Forum Romanum#/- gefundenen Werkst^uck#H:25#G:), so an $0020.25 der Terrassenmauer von Pasargadae.

$0020.26

__Namentlich die Renaissancezeit durchbrach diesen nat^urlichen und allein rich- $0020.27 tigen Grundsatz. Man fing an, der Verzierung zuliebe, Fugeneinschnitte auch da $0020.28 zu machen, wo in Wirklichkeit gar keine Fugen vorhanden waren, gro^se Werk- $0020.29 st^ucke scheinbar in eine Anzahl kleinerer zu zerlegen. Leider huldigt man vielfach $0020.30 auch jetzt dieser Verirrung; Bequemlichkeit der Steinhauer, Mangel an pr^ufender $0020.31 Ueberlegung seitens der Architekten f^ordern diese Scheinarchitektur.

$0020.32

__Ist es verwerflich, Fugen anzudeuten, wo keine sind, so f^uhrt es nicht minder $0020.33 zu Geschmacklosigkeiten, Fugen dort zu unterdr^ucken, wo sie hervorgehoben werden $0020.34 sollten. So findet man oft Bossen- oder Spiegel-Quadermauerwerke, bei welchen $0020.35 nur die wagrechten Fugen betont, die lotrechten dagegen m^oglichst zum Ver- $0020.36 schwinden gebracht sind und die dadurch Brettverkleidungen ^ahnlich werden.

$0020.37 11.|Plastischer|Schmuck am|Quaderbau.

__Zur Aufnahme bildnerischen Schmuckes bei Fassadenbildungen werden h^aufig $0020.38 die Wandfl^achen, auch von Quaderbauten, hinzugezogen. Wird eine solche Schmuck- $0020.39 form den einzelnen Quadern oder Verkleidungsplatten so zugeteilt, da^s sie sich $0020.40 innerhalb der Umgrenzung derselben bewegt, so haben wir es mit einer streng mit $0020.41 dem Verband in Einklang stehenden Verzierungsweise zu thun, m^oge sie sich auch $0020.42 bis zum Reichtum der Fassade der Certosa von Pavia oder des sog. Kaiserhauses $0020.43 in Hildesheim versteigen, wenn sie sich nur sonst rechtfertigen l^a^st. Eine solche $0020.44 bauliche und oft sehr berechtigte Verwendung des bildnerischen Schmuckes haben $0020.45 wir bei der Zuteilung desselben an einzelne an geeigneten Stellen befindliche $0020.46 Quader, z. B. Binderk^opfe, oder an Tafeln oder Scheiben, die in der Mitte von $0020.47 Wandfeldern angeordnet werden, oder an wagrecht die Wand teilende Streifen oder<-P> $0 @@3@ ---------- $0020.48

__#H:24#G:) Siehe Teil II, Bd. 2 (Art. 119, S. 130) dieses #.>Handbuches#.<.

$0020.49

__#H:25#G:) Siehe: Zeitschr. d. ^ost. Ing.- u. Arch.-Ver. 1887, S. 183.

@@1@ $0021.01 <-P>an gewisse, f^ur den Verband bedeutungslose Stellen. Es ist dabei f^ur die Wahrung $0021.02 des konstruktiven Gepr^ages gleichg^ultig, welcher Art die betreffende Zierde ist, wenn $0021.03 man sich nur davor h^utet, die Quaderstirnen mit stark vertieften F^ullungen zu ver- $0021.04 sehen, weil diese widersinnig sein w^urden. Wie die Schmuckformen nach den Ge- $0021.05 setzen der Aesthetik beschaffen sein m^ussen, ist eine hier nicht zu behandelnde $0021.06 Frage; das Erforderliche hier^uber ist in Teil I, Band 3 dieses #.>Handbuches#.< zu finden.

$0021.07

__Der streng konstruktive Boden wird verlassen, wenn die Schmuckformen sich $0021.08 ^uber mehrere Steine hinweg erstrecken, so da^s dieselben von Fugen durchschnitten $0021.09 werden. Davor ist man nun allerdings zu keiner Zeit zur^uckgeschreckt, und mit $0021.10 Recht; denn eine so ^angstliche Beschr^ankung, die Entwickelung eines Ornamentes $0021.11 nur auf die knappe Fl^ache eines Steines zulassen zu wollen, ist gar nicht durch- $0021.12 f^uhrbar. Am zur^uckhaltendsten hat sich in dieser Beziehung wohl die Gotik ge- $0021.13 zeigt; aber auch sie konnte das Durchschneiden des Zierwerkes durch Fugen nicht $0021.14 vermeiden. Doch ist zu best^atigen, da^s sie zu allermeist auf eine zweckm^a^sige $0021.15 Lage der Fugen R^ucksicht nahm.

$0021.16

__Diese Ma^sregel ist es auch, die als Richtschnur f^ur die Gestaltung von Schmuck- $0021.17 formen empfohlen werden mu^s, insbesondere dann, wenn h^artere Steine zur An- $0021.18 wendung gelangen, die eine nachtr^agliche Herstellung des Ornamentes an der Fassade $0021.19 nicht gestatten, oder wenn die Fertigstellung vor dem Versetzen der Werkst^ucke das $0021.20 anzuwendende Arbeitsverfahren ist. Gestattet es die Beschaffenheit des Steines, die $0021.21 Werkst^ucke mit dem f^ur die Verzierung bestimmten Bossen zu versetzen und diesen $0021.22 erst nachher auszumei^seln, so ist dies von gro^sem Vorteil; man ist in Bezug auf $0021.23 die Zeit vom Bildhauer nicht abh^angig; das Versetzen ist leichter, weil die Sorge $0021.24 vor Besch^adigungen der zarten Arbeiten wegf^allt; unbedingt genaues Passen der $0021.25 Profile und Ornamentteile in den aufeinander folgenden Schichten oder aneinander $0021.26 gereihten Steinen ist zu erzielen m^oglich, und schlie^slich ist man eben durch den $0021.27 Fugenschnitt in der Erfindung der Form nicht behindert. Aber diese Freiheit ist $0021.28 auch die Klippe, an der so h^aufig das monumentale und konstruktive Gepr^age zu $0021.29 Grunde geht. Selbstbeschr^ankung kann auch hier nur vor Verwilderung bewahren. $0021.30 Auf einen Nachteil der nachtr^aglichen Fertigstellung der Werkst^ucke bez^uglich der $0021.31 Dauerhaftigkeit derselben werden wir sp^ater zur^uckzukommen haben.

$0021.32

__So umfassend die alten V^olker, selbst die Griechen bei ihren Bauten aus12.|F^arbung|und|Bemalung. $0021.33 wei^sem Marmor, einen farbigen Schmuck der Au^senfl^achen durch Bemalung und $0021.34 F^arbung in Anwendung brachten, so selten ist derselbe jetzt geworden. Man begn^ugt $0021.35 sich jetzt zumeist, farbige Wirkung der Fassaden durch geschickte Auswahl der Steine $0021.36 zu erzielen, und kann damit auch recht sch^one, wenn auch in Kraft und Tiefe der $0021.37 Farben beschr^ankte Erfolge erreichen. Bunteren Wechsel sucht man durch Hinzu- $0021.38 ziehen anderer Baustoffe (vergl. Kap. 2 u. 4) herbeizuf^uhren. Da^s die unmittel- $0021.39 bare F^arbung und Bemalung der Steinfl^achen ganz in den Hintergrund getreten ist, $0021.40 hat wohl seinen Grund in dem Mangel eines Verfahrens, dieselbe dauerhaft herzu- $0021.41 stellen, und in dem Verluste des Sinnes f^ur derartigen Schmuck. Die Alten ver- $0021.42 wendeten zur Ausf^uhrung desselben auf Marmor und Holz die #s+enkaustische $0021.43 Malerei,#s- deren Kenntnis verloren gegangen ist. Mannigfache Versuche, dieselbe $0021.44 wieder zu entdecken, sind gemacht worden. Sie haben zur Auffindung der f^ur $0021.45 Innenausstattungen wichtigen Wachs^olmalerei gef^uhrt, die oft f^alschlich enkaustische $0021.46 Malerei genannt wird.

$0021.47

__#/+Hansen#/- in Wien soll an den Fassaden des neuen Parlamentshauses daselbst<-P> @@1@ $0022.01 <-P>Versuche mit einer wirklichen Enkaustik gemacht haben. Die Ausf^uhrungsweise $0022.02 derselben scheint aber erst durch #/+Donner von Richter#/- wieder entdeckt worden zu $0022.03 sein#H:26#G:). Danach bestand dieselbe im Auftragen von geschmolzenem, mit Farbe und $0022.04 Oliven^ol gemengtem, punischem Wachse (Wachs, welches etwas durch kohlensaures $0022.05 Natron verseift ist) mittels des Pinsels und nachherigem Einbrennen. Das letztere $0022.06 war notwendig, um der Oberfl^ache eine gleichm^a^sige Erscheinung zu geben.

$0022.07

__Die #s+Kausis#s- war nach derselben Quelle ein Ueberziehen von Freskomalereien $0022.08 mit geschmolzenem punischem Wachs, dem etwas Oliven^ol zugemischt war und $0022.09 welches auch eingebrannt wurde. Diese Methode wurde nur des Zinnobers wegen $0022.10 angewendet, welches im Licht die Farbe ver^andert.

$0022.11

__Unter den neueren Malmethoden ist die #s+Stereochromie#s- auf Steinfl^achen $0022.12 anwendbar. Mitteilungen ^uber dieselbe folgen in Kap. 4#H:27#G:).

$0022.13 13.|Behandlung|von geb^oschten|Wandfl^achen.

__Au^ser Mauern mit lotrechter Au^senseite $0022.14 kommen auch ^ofters solche mit Anlauf, Dossie- $0022.15 Fig. 31.#(IMAGE)Fig. 32.#(IMAGE)Fig. 33.#(IMAGE)Fig. 34.#(IMAGE) $0022.16 rung oder B^oschung -- die geb^oschten Mauern $0022.17 -- zur Anwendung. Werden dieselben aus $0022.18 Quadern hergestellt, so nimmt man gew^ohnlich $0022.19 {1/12} der H^ohe als gr^o^stes Ma^s des Anlaufes $0022.20 an; indessen kommen auch viel st^arkere Nei- $0022.21 gungen vor. Das einfachste Mittel, den Anlauf $0022.22 herzustellen, besteht im Zur^ucksetzen der Schich- $0022.23 ten um den auf die H^ohe jeder Schicht kom- $0022.24 menden Teil des Gesamtma^ses. Verf^ahrt man $0022.25 dabei nach der in Fig. 31 dargestellten Weise, $0022.26 so bleibt auf den wagrechten Abs^atzen Wasser $0022.27 stehen, dringt von da in die Fugen ein und tr^agt zur rascheren Zerst^orung der Mauer $0022.28 bei. Es ist deshalb immer anzuraten, die Kanten am oberen Lager der Quader $0022.29 abzufasen (Fig. 32) oder abzurunden (Fig. 33). Noch $0022.30 besser ist es, diese Fase oder Abrundung ein St^uck unter $0022.31 Fig. 35.#(IMAGE) $0022.32 die Lagerfuge zu r^ucken (Fig. 34). Die Quader einer $0022.33 solchen Mauer k^onnen selbstredend auch mit Bossen oder $0022.34 Spiegeln versehen werden (Fig. 35). Soll das Haupt der $0022.35 Mauer eine ebene Fl^ache bilden, so ergeben sich am $0022.36 unteren Lager der Quader spitzwinkelige Kanten, die $0022.37 man bekanntlich zu vermeiden sucht. Man wird dieselben $0022.38 nur bei sehr geringer B^oschung zulassen d^urfen. Als $0022.39 Auskunftsmittel hat man ein Brechen der Lagerfugen $0022.40 auf 9 bis 10#H:cm#G: Breite, wie in Fig. 36, zur Anwendung $0022.41 gebracht. Abgesehen von dem dabei sich um das H^ohen- $0022.42 ma^s #/+a#/- ergebenden Mehraufwand an Werkstein, ist auch $0022.43 eine sehr genaue und daher teuere Bearbeitung erforder- $0022.44 lich; das Versetzen ist schwierig und doch ist das Er- $0022.45 gebnis kein vollkommenes, weil die nach innen zu ge- $0022.46 neigten Lagerfugen das Eindringen des Regenwassers<-P> $0 @@3@ ---------- $0022.47

__#H:26#G:) Ausf^uhrliche Mitteilungen desselben in: #k+Keim,#k- A. Praktische und chemische Mittheilungen f^ur Malerei u. s. w. $0022.48 Jahrg. 2 (1885), S. 37 u. ff.

$0022.49

__#H:27#G:) Ueber die sog. Lavamalerei siehe die 1. Auflage dieses Heftes (Art. 12, S. 22).

@@1@ $0023.01 <-P>bef^ordern. Gute Dichtung der Fugen und dauernde Beaufsichtigung derselben sind $0023.02 daher dringend notwendig. Vorzuziehen ist in solchen F^allen, die Lagerfl^achen $0023.03 in ihrer ganzen Ausdehnung senkrecht zum geb^oschten Mauerhaupt zu legen, wobei $0023.04 die spitzen Winkel nach innen kommen (Fig. 37). Wie im vorhergehenden Bande $0023.05 Fig. 36.#(IMAGE)Fig. 37.#(IMAGE)Fig. 38.#(IMAGE)Fig. 39.#(IMAGE) $0023.06 (Art. 13, S. 12) dieses #.>Handbuches#.< ausgef^uhrt wurde, wird diese Anordnung auch $0023.07 mitunter des Fugendruckes wegen notwendig. Zusammenstellungen von geneigten $0023.08 und wagrechten Lagerfl^achen kommen gleichfalls zur Anwendung (Fig. 38).

$0023.09

__F^ur wagrechte Lagerfl^achen ist die in Fig. 39 dargestellte Behandlung des $0023.10 Mauerhauptes eine sehr zweckm^a^sige. Um rechtwinkelige Kanten am unteren Lager $0023.11 zu erhalten, sind schmale lotrechte Abstumpfungen angeordnet und die Quaderh^aupter $0023.12 etwas flacher geb^oscht, als die angenommene Gesamtb^oschung.

$0023.13

__Bei den unter freiem Himmel befindlichen Mauern ist die oberste Quaderschicht14.|Wagrechte|Mauerabschl^usse. $0023.14 so zu gestalten, da^s das Regenwasser abgef^uhrt wird, also nicht stehen bleiben und $0023.15 in die Sto^sfugen eindringen kann. Bei den einh^auptigen Mauern, wie St^utz- und $0023.16 Fig. 40.#(IMAGE)Fig. 41.#(IMAGE)Fig. 42.#(IMAGE) $0023.17 Terrassenmauern, wird dies in einfachster Weise durch eine Abrundung der etwas $0023.18 geneigten Oberfl^ache bewirkt, wenn das Gel^ande sich nahezu wagrecht anschlie^st $0023.19 (Fig. 40). Aus ^asthetischen Gr^unden wird an dieser Stelle h^aufig auch ein vor- $0023.20 springendes Gesims notwendig, dessen Traufkante bei lotrechter Mauerflucht diese<-P> @@1@ $0024.01 <-P>vor dem Regen etwas sch^utzt. Dieser Schutz $0024.02 Fig. 43.#(IMAGE)Festungsmauer in Pompeji#H:28#G:). $0024.03 entf^allt bei geb^oschten Mauern. Eine Ueber- $0024.04 falzung mit der n^achstunteren Schicht erscheint $0024.05 zweckm^a^sig, um Verschiebungen zu verhindern $0024.06 (Fig. 41). Diese letztere Ma^sregel ist noch $0024.07 w^unschenswerter, wenn der Boden ^uber der $0024.08 Mauer ansteigt (Fig. 42). Auf diesen Umstand $0024.09 ist auch in der Bildung des oberen Lagers $0024.10 R^ucksicht zu nehmen.

$0024.11

__Bei Terrassenmauern ist auf dem oberen $0024.12 Lager gew^ohnlich eine wagrechte Aufstands- $0024.13 fl^ache f^ur eine Br^ustungsmauer oder Balustrade $0024.14 zu beschaffen.

$0024.15

__Die zweih^auptigen Mauern, wie frei endigende Umfassungsmauern, Einfriedigungs- $0024.16 und Festungsmauern, Brustwehren u. dergl. erfordern ebenfalls R^ucksichtnahme auf $0024.17 rasche Wasserabf^uhrung, und zwar mit oder ohne Verbindung mit einem Gesims oder $0024.18 einfachem Vorsprung vor den Mauer- $0024.19 fluchten. In einfachster Weise erfolgt $0024.20 Fig. 44.#(IMAGE)Fig. 45.#(IMAGE)Fig. 46.#(IMAGE)Fig. 47.#(IMAGE) $0024.21 die Wasserabf^uhrung nach den in $0024.22 Fig. 44 u. 45 angedeuteten Weisen. $0024.23 Verbindung des Wasserschlages mit $0024.24 einem Vorsprung oder Gesims geben $0024.25 in antiker, mittelalterlicher und neu- $0024.26 zeitlicher Weise Fig. 43, 46 u. 47.

$0024.27

__Da das Eindringen des Wassers in die Sto^sfugen zuerst die Verwitterung ein- $0024.28 leitet und bef^ordert, so ist es f^ur die Abdeckungen zweckm^a^sig, die Sto^sfugen $0024.29 m^oglichst davor zu sichern. Eine gute Ma^sregel ist, die- $0024.30 selben mit schmalen Stegen einzufassen und so die Fl^achen, $0024.31 Fig. 48.#(IMAGE) $0024.32 von denen Wasser zugef^uhrt werden kann, einzuschr^anken $0024.33 (Fig. 48). Die Fl^achen zwischen den ^uberh^ohten R^andern $0024.34 k^onnen dabei eben (Fig. 49) oder noch besser rinnenf^ormig $0024.35 (Fig. 50) gestaltet werden.

$0024.36

__Die Befestigung der Deckschicht auf der n^achst darunter $0024.37 befindlichen Schicht und die der Steine der Deckschicht $0024.38 untereinander kann nach einer der im vorhergehenden Bande (Abschn. 1, Kap.) $0024.39 dieses #.>Handbuches#.< angegebenen Arten erfolgen.

$0024.40 15.|Schr^age|Mauerausl^aufe.

__Die schr^ag ansteigenden Abschl^usse von Mauern, welche Freitreppen oder $0024.41 Rampen seitlich begren- $0024.42 zen, oder von Fl^ugel- $0024.43 Fig. 49.#(IMAGE)Fig. 50.#(IMAGE) $0024.44 mauern oder Strebepfei- $0024.45 lern oder Giebelmauern $0024.46 unterliegen denselben $0024.47 Witterungseinfl^ussen, wie die wagrechten Abschl^usse von anderen im Freien befind- $0024.48 lichen Mauern und erfordern daher ^ahnliche Behandlung. Die rasche Wasserab- $0024.49 f^uhrung ergibt sich bei ihnen allerdings von selbst; dagegen entstehen aus der<-P> $0 @@3@ ---------- $0024.50

__#H:28#G:) Nach: #k+Viollet-le-Duc,#k- E. E. #/+Dictionnaire raisonn%/e de l'architecture fran%;caise etc.#/- Band 4. Paris $0024.51 1861. S. 375.

@@1@ $0025.01 <-P>Verbindung der Abdeckung mit den wagrechten Quaderschichten ^ahnliche Schwierig- $0025.02 keiten f^ur den Fugenschnitt, wie bei den geb^oschten Mauern. Die L^osung der- $0025.03 selben erfolgt auch im allgemeinen in der gleichen Weise, wie bei diesen. Wegen $0025.04 der flacheren Neigung der in Rede stehenden Abschl^usse mu^s jedoch noch mehr $0025.05 von der Durchf^uhrung wagrechter Lagerfugen abgesehen werden, da die unteren $0025.06 Kantenwinkel immer zu spitz ausfallen. Hier ist aber anzuf^uhren, da^s das Mittel- $0025.07 alter dies nicht immer beachtete.

$0025.08 Fig. 51.#(IMAGE)Fig. 52.#(IMAGE)Fig. 53.#(IMAGE)Fig. 54.#(IMAGE) $0025.09

__Fig. 51 bis 54 geben Beispiele, wie die Abschl^usse von Wangen- und Fl^ugel- $0025.10 mauern hergestellt werden k^onnen. Am Fu^se derselben ist in der Regel ein gr^o^serer $0025.11 Stein anzuordnen, um dem Schub der dar^uber befindlichen Steine gen^ugenden $0025.12 Widerstand zu bieten. Insbesondere wird dieser notwendig bei der in Fig. 54 dar- $0025.13 gestellten Abdeckung mit Platten, unter denen die wagrechten Schichten spitz aus- $0025.14 laufen; das letztere ist hierbei zul^assig, $0025.15 Fig. 55.#(IMAGE)Fig. 56.#(IMAGE) $0025.16 und diese Anordnung hat den Vorteil, $0025.17 da^s die Anzahl der Sto^sfugen, in welche $0025.18 Wasser eindringen kann, verringert wird.

$0025.19

__Fig. 55 u. 56 geben Abdeckungen $0025.20 von Strebepfeilern. Die bessere Anord- $0025.21 nung ist jedenfalls die in Fig. 56 wieder- $0025.22 gegebene.

$0025.23

__In Fig. 57 u. 58 sind Giebelmauer- $0025.24 abschl^usse dargestellt; der Abschlu^s in $0025.25 Fig. 58 ist vorzuziehen, weil bei dem- $0025.26 selben die Werkst^ucke eine Abw^asserung $0025.27 nach der Seite hin haben, wodurch das $0025.28 Wasser in diagonaler Richtung gef^uhrt und von den Sto^sfugen etwas abgeleitet wird.

$0025.29

__Die Quader und bearbeiteten Werkst^ucke werden an ihren Platz in der Mauer16.|Versetzen|der Hausteine. $0025.30 entweder bei geringerer H^ohe m^uhsam auf schiefen Ebenen (Fahrbr^ucken) hinauf-<-P> @@1@ $0026.01 <-P>bef^ordert, oder sie werden an denselben mittels der Hebezeuge (Hebegeschirre) $0026.02 gehoben. Im letzteren Falle fa^st man sie mittels des Wolfes (Kropfeisen, Klaue) $0026.03 oder der Zange oder des Kranztaues oder anderer geeigneter Vorrichtungen. Diese, $0026.04 sowie die Hebezeuge werden in Teil I, Band 5 (Bauf^uhrung) dieses #.>Handbuches#.< $0026.05 Fig. 57.#(IMAGE)Fig. 58#H:29#G:).#(IMAGE) $0026.06 Besprechung finden. Nur bei Anwendung des Wolfes k^onnen die Steine ^uber ihrem $0026.07 k^unftigen Platz unter allen Umst^anden schwebend erhalten werden, wodurch die $0026.08 Arbeit des Versetzens sehr erleichtert wird und dieselbe genauer und sauberer $0026.09 vollendet werden kann, als wenn dies bei Benutzung einer der anderen Fa^svorrich- $0026.10 tungen aus freier Hand geschehen mu^s.

$0026.11

__Bei jeder Art des Versetzens m^ussen die Quader oder die Werkst^ucke, nach- $0026.12 dem das Lager genau wagrecht abgerichtet worden ist, zun^achst probeweise versetzt $0026.13 werden, um nachsehen zu k^onnen, ob sie passen, was mit der Wasser- oder Setzwage, $0026.14 dem Lot (Senkel), dem Winkelma^s und Richtscheit geschieht. Ungenauigkeiten $0026.15 werden dann m^oglichst beseitigt. Das Verr^ucken der Steine auf ihrem Lager erfolgt $0026.16 mittels eiserner Stangen mit flacher Schneide, den Setzeisen (Brechstangen). Diese $0026.17 m^ussen m^oglichst vorsichtig, wo m^oglich nur unter den Sto^sfugenseiten, zur An- $0026.18 wendung gebracht werden. Beim Versetzen aus freier Hand ist dies nicht immer $0026.19 m^oglich, woraus sich sehr h^aufig starke Besch^adigungen der sichtbar bleibenden $0026.20 Kanten ergeben. Um diese Verletzungen der Kanten zu vermeiden, legt man ge- $0026.21 w^ohnlich unter die Lagerfl^ache, auch wenn die Mauer ohne volle M^ortelfugen aus- $0026.22 gef^uhrt wird, kleine Keile von weichem Holz, Pappdeckelst^ucke, Bleistreifen etc., $0026.23 die nach dem Versetzen wieder beseitigt werden, was leicht durch das L^uften mit $0026.24 dem Setzeisen geschehen kann. Man verwendet auch wohl nur eine d^unne Schicht $0026.25 von Wei^skalk, die ^uber das ganze Lager ausgebreitet wird. Am sichersten ist es $0026.26 jedoch, unter die ganze Lagerfl^ache eine d^unne Bleiplatte (von Rollen- oder Dach- $0026.27 blei), welche um etwa 3#H:cm#G: vom Rande wegbleibt, zu legen. Kann das Blei $0026.28 mit Kalk- oder Cementm^ortel in Ber^uhrung kommen, so soll es vor der zer- $0026.29 setzenden Einwirkung derselben durch Anstrich mit Kautschukfirnis gesch^utzt werden $0026.30 k^onnen.

$0 @@3@ ---------- $0026.31

__#H:29#G:) Nach: #k+Chabat,#k- P. #/+La brique et la terre cuite.#/- Paris 1881. Taf. 55.

@@1@ $0027.01

__Die Griechen verwendeten zum Schutz der Kanten an besonders wichtigen Stellen einen Schutzsteg $0027.02 (#/+Scamillus#/-#H:30#G:), oder sie lie^sen an denselben Bossen stehen, die sp^ater weggearbeitet wurden#H:31#G:), und zwar $0027.03 nicht blo^s an den Kanten der Lagerfugen, sondern auch an denen der Sto^sfugen. Einen ^ahnlichen Zweck $0027.04 haben die schon oben erw^ahnten Absafungen der Kanten.

$0027.05

__Au^ser aus dem angegebenen Grunde kommen die Bleiplatten auch zur Her- $0027.06 beif^uhrung gleichm^a^siger Druckverteilung in Anwendung. Eben deshalb verwendet $0027.07 man bekanntlich auch den M^ortel. Am besten ist es, diesen satt auf Lager- und $0027.08 Sto^sfl^achen der benachbarten Steine aufzutragen und den Quader gleichm^a^sig ein- $0027.09 zusetzen. Deshalb hebt oder kantet man nach dem Probesetzen den Quader wieder $0027.10 auf, reinigt und benetzt alle Fugenfl^achen gut mit Wasser, tr^agt einen feinsandigen $0027.11 M^ortel auf, setzt in denselben dann endg^ultig den Stein in der ausgeprobten Lage $0027.12 und rammt diesen vorsichtig mit h^olzernen St^o^sern, bis er mit den Nachbarsteinen $0027.13 der Schicht in Wage liegt. Diese Art des Versetzens macht bei Benutzung von $0027.14 Hebezeug und Wolf keine Schwierigkeiten. Trotzdem dr^uckt sich, wie die Erfahrung $0027.15 lehrt, der Quader sehr h^aufig nicht gleichm^a^sig in das M^ortelbett ein; die untere $0027.16 Lagerfl^ache des versetzten Steines kommt nicht vollst^andig mit dem M^ortel in Be- $0027.17 r^uhrung, und es verbleiben H^ohlungen.

$0027.18

__Mit gutem Erfolge wurde zur Vermeidung dieses Uebelstandes beim Bau der Albertbr^ucke zu $0027.19 Dresden folgendes Verfahren in Anwendung gebracht#H:32#G:). Siebf^ormig durchbohrte Eisenbleche wurden $0027.20 auf die Lagerfl^achen gelegt und ^uber diese der M^ortel ausgebreitet. Wurde sodann das Blech abgehoben, $0027.21 so fanden sich auf der Lagerfl^ache eine gro^se Anzahl kegelf^ormiger M^ortelberge und eine Anzahl unaus- $0027.22 ges^ullter Th^aler vor; der nun aufgesetzte Stein verschob die Bergspitzen nach Ma^sgabe der Beschaffenheit $0027.23 seiner unteren Lagerfl^ache, und wenn man jetzt den versetzten Stein wieder emporhob, so zeigte es sich, $0027.24 da^s die untere Lagerfl^ache sehr gleichm^a^sig sich in den M^ortel eingesetzt hatte und Hohlr^aume kaum $0027.25 zu bemerken waren; die St^arke der Lagerfugen betrug hierbei rund 5#H:mm#G:.

$0027.26

__Noch unvollkommener wird die M^ortelverteilung beim Umkanten der aus freier $0027.27 Hand zu versetzenden Quader. Um ein einseitiges Herausdr^ucken des M^ortels hierbei $0027.28 zu verhindern, ist man immer gezwungen, Holz- oder Eisenkeile oder Schiefer unter- $0027.29 zulegen, die nach dem Versetzen wieder herausgezogen werden m^ussen. Am zweck- $0027.30 m^a^sigsten d^urfte hierbei das Unterlegen von Holzkeilen in der N^ahe der vier Ecken $0027.31 des Steines sein.

$0027.32

__Am unvollkommensten wird die Ausf^ullung der Fugen beim nachtr^aglichen $0027.33 Ausgie^sen mit d^unnem M^ortel. Die Fugenr^ander werden dabei vorher mit M^ortel, $0027.34 Thon oder Werg gedichtet und der d^unn- $0027.35 Fig. 59#H:33#G:).#(IMAGE)Fig. 60.#(IMAGE) $0027.36 fl^ussige M^ortel unter Druck, d. h. von einer $0027.37 gewissen H^ohe aus in die Sto^sfugenh^oh- $0027.38 lungen eingegossen. Da immer m^ortelleere $0027.39 R^aume bleiben, so mu^s man diese zu be- $0027.40 seitigen suchen. Dies kann mit der M^ortels^age $0027.41 (Fig. 59#H:33#G:) geschehen. Bei den Lagerfugen $0027.42 verwendet man dieselbe in der in Fig. 60 $0027.43 dargestellten Weise.

$0027.44

__Man befestigt in der H^ohe der Fuge #/+F F#/- das $0027.45 Brett #/+A,#/- welches an der Unterseite mit den eisernen $0027.46 Winkeln #/+C#/- versehen ist, die sich an die Steinfl^ache anlegen. Das Brett wird durch die in die Fuge ein- $0027.47 geschobenen Eisenschienen #/+B#/- gehalten. Der auf das Brett aufgebrachte M^ortel wird vom Maurer mit der<-P> $0 @@3@ ---------- $0027.48

__#H:30#G:) Siehe Teil II, Bd. 1 (Art. 42, S. 71) dieses #.>Handbuches#.<.

$0027.49

__#H:31#G:) Siehe: #k+Choisy,#k- A. #/+L'art de b%

$0027.50

__#H:32#G:) Siehe: Protokolle des S^achsischen Ingenieur- u. Architckten-Vereins. 87. ordentl. Hauptversammlung 1875. S. 75.

$0027.51

__#H:33#G:) Nach: #k+Viollet-le-Duc,#k- a. a. O., Bd. 5, S. 421.

@@1@ $0028.01 <-P>Kelle und der M^ortels^age so lange in die Fuge eingeschoben, bis nichts mehr hineingeht. Hat der M^ortel $0028.02 angefangen abzubinden, so wird er fest zusammengesto^sen. Gut ist es, die Fuge bis auf 2 bis 3#H:cm#G: Tiese $0028.03 offen zu lassen, namentlich bei weichen Steinen und bei Verwendung von Cement, damit ein Absprengen $0028.04 der Kanten durch den Druck auf den h^arter als der Stein gewordenen M^ortel beim Setzen des Mauer- $0028.05 werkes nicht eintreten kann.

$0028.06

__Die Sto^sfugenh^ohlungen werden in der Regel nachtr^aglich ausgegossen, um $0028.07 sie zusammens^agen und dadurch fein (scharf) machen zu k^onnen. Man verwendet $0028.08 dazu bei weichen Steinen gezahnte, bei h^arteren Steinen ungezahnte S^agebl^atter $0028.09 von Stahl oder Kupfer unter Zuf^uhrung von Wasser und feinem Sand.

$0028.10

__Besondere Vorsichtsma^sregeln erheischen solche mit W^anden in Verbindung $0028.11 stehende Werkst^ucke, die wegen ihrer betr^achtlichen L^ange bei geringer Querschnitts- $0028.12 fl^ache mit dem nat^urlichen Lager in aufrechte Stellung kommen und infolgedessen $0028.13 schon bei geringem durch das Setzen des Mauerwerkes herbeigef^uhrten Drucke Ab- $0028.14 splitterungen erleiden k^onnen. Dies ist beispielsweise bei d^unnen, vor die Mauer $0028.15 gestellten S^aulensch^aften oder Diensten der Fall, die mit derselben nur durch einzelne $0028.16 Binder verbunden sind. Man nimmt nach dem Einpassen die S^aulchen zweckm^a^siger- $0028.17 weise ganz weg und versetzt sie erst endg^ultig, wenn kein merkliches Setzen mehr $0028.18 zu erwarten steht.

$0028.19

__In solchen F^allen ist eine Verbindung der nachtr^aglich eingeschobenen Werk- $0028.20 st^ucke mit den schon fr^uher versetzten durch D^ubel w^unschenswert, um sie in ihrem $0028.21 Stande zu sichern. Um dies zu erm^oglichen, schl^agt $0028.22 man im oberen Lager des unteren St^uckes ein D^ubel- $0028.23 Fig. 61.#(IMAGE) $0028.24 loch von der ganzen L^ange des D^ubels und steckt $0028.25 diesen hinein, nachdem man ihn an ein Pferdehaar, $0028.26 einen d^unnen Draht oder eine d^unne Schnur ge- $0028.27 bunden hat#H:34#G:). Mittels der beiden Enden dieses $0028.28 Drahtes oder dergleichen (Fig. 61) zieht man nach $0028.29 dem Versetzen den D^ubel in das Loch des oberen $0028.30 Werkst^uckes in die H^ohe und h^alt ihn so fest, bis $0028.31 er vergossen ist, was durch die an einer oder meh- $0028.32 reren Seiten angebrachten sog. Nester aus Thon $0028.33 oder Letten erfolgt. Zur Erleichterung des Aus- $0028.34 gie^sens werden auf dem oberen Lager des unteren $0028.35 Werkst^uckes Gu^srinnen eingearbeitet, die in der $0028.36 N^ahe der Kante beginnen und mit etwas Gef^alle $0028.37 nach dem D^ubelloch gef^uhrt sind.

$0028.38

__Ueber die Verbindungsst^ucke und die zum Ausgie^sen zu verwendenden Stoffe $0028.39 vergleiche man das im vorhergehenden Bande (Art. 104 u. ff., S. 82 u. ff. [2. Aufl.: $0028.40 S. 85]) dieses #.>Handbuches#.< Gesagte.

$0028.41 17.|Ausbesserungen.

__Trotz aller Vorsicht werden beim Versetzen oder schon vorher Kanten und $0028.42 Ecken von den bearbeiteten Quadern und Werkst^ucken abgesto^sen; auch bei der $0028.43 Bearbeitung durch den Steinhauer ergeben sich ^ofters derartige Besch^adigungen. $0028.44 Die Arbeiter suchen dieselben in der Regel zu verheimlichen und die abgesprungenen $0028.45 St^ucke mit in Spiritus aufgel^ostem Schellack anzukitten. Diese Ausbesserungen $0028.46 haben aber keine lange Dauer. Ist es daher der Bauleitung nicht m^oglich, derartige $0028.47 Werkst^ucke zur^uckzuweisen oder wieder zu beseitigen, so ist eine Ausbesserung durch<-P> $0 @@3@ ---------- $0028.48

__#H:34#G:). Siehe auch: #k+K^onig,#k- G. Einige praktische Winke beim Versetzen der Hausteine. #k+Haarmann#k-'s Zeitschr. f. Bauhdw. $0028.49 1877, S. 31.

@@1@ $0029.01 <-P>einzusetzende sog. #s+F^uhrungen#s- oder #s+Vierungen#s- vorzuziehen. Diese F^uhrungen $0029.02 sind so anzubringen, da^s sie m^oglichst wenig sichtbar und nicht blo^s durch den $0029.03 Kitt festgehalten werden. Deshalb mu^s der F^uhrungsstein von derselben Art und $0029.04 Farbe des Werkst^uckes sein; die Fugen m^ussen an geschickte Stellen gelegt und $0029.05 das St^uck mit Schwalbenschwanz oder mit Zapfen eingesetzt werden. Das Einkitten $0029.06 erfolgt mit einer Aufl^osung von Schellack in Spiritus, wobei es gut ist, den Stein $0029.07 vorher anzuw^armen, oder mit Steinkitt oder mit Portlandcement.

$0029.08

__Kleine Ausbesserungen an Fl^achen und Kanten werden in der Regel mit $0029.09 Portlandcement gemacht, dem man die Farbe des Steines durch Zusetzen von Staub $0029.10 derselben Steinart gibt. Auch Steinkitt wird zu demselben Zwecke verwendet. $0029.11 Leider werden die fehlerhaften Stellen durch derartige Ausbesserungen oft nach $0029.12 Verlauf einiger Zeit erst recht bemerklich, also das Gegenteil von dem erreicht, $0029.13 was man beabsichtigte.

$0029.14

__Bei der Ausf^uhrung der Geb^aude ist es nicht zu verhindern, da^s aus h^oheren18.|Schutz|der Hausteine|nach dem|Versetzen. $0029.15 Ger^uststockwerken Werkzeuge oder Steinst^ucke infolge von Zuf^allen oder Nachl^assig- $0029.16 keit herabst^urzen und die schon versetzten Hausteine gef^ahrden. Vorspringende Teile $0029.17 oder wagrechte Fl^achen (z. B. Fenstersohlb^anke) sind daher durch eine Abdeckung $0029.18 mit Brettern oder in Lehm verlegten Backsteinen zu sch^utzen oder unter Umst^anden $0029.19 wohl auch ganz in eine Bretterverkleidung einzuschlie^sen. Auch die lotrechten $0029.20 Wandfl^achen sind schwer entfernbaren Verunreinigungen durch Kalk- oder Cement- $0029.21 m^ortel ausgesetzt. Gegen diese sucht man sich h^aufig durch einen Anstrich der $0029.22 Steinfl^achen mit Lehmwasser zu sichern. Dieser d^unne Lehm^uberzug verhindert das $0029.23 feste Anhaften und die ^atzenden Wirkungen des angespritzten M^ortels; auch kann $0029.24 derselbe nach der Fertigstellung der Fassaden gew^ohnlich leicht durch Abwaschen $0029.25 beseitigt werden. Man hat jedoch beobachtet, da^s manchmal die Farbe der Steine $0029.26 dauernd durch den Lehm ver^andert wird.

$0029.27

__Trotz der eben besprochenen Schutzma^sregeln werden die Steinfl^achen nach19.|Reinigung|der|Haustein-|arbeiten. $0029.28 ihrer Fertigstellung einer Reinigung bed^urfen und von Flecken verschiedener Art $0029.29 befreit werden m^ussen.

$0029.30

__Die allgemeine Reinigung erfolgt bei Sandsteinbauten durch Abschleifen mit $0029.31 feink^ornigen Sandsteinst^ucken oder durch Abwaschen mit Wasser und scharfen $0029.32 B^ursten. Diese letztere Ma^sregel empfiehlt sich in ru^sigen St^adten zur j^ahrlichen $0029.33 Wiederholung. Das Absp^ulen der Fassaden mit dem Strahle einer Feuerspritze $0029.34 gen^ugt nicht.

$0029.35

__Kalkflecke werden durch mehrmaliges Absp^ulen mit verd^unnter Salzs^aure $0029.36 (1#H:kg#G: Salzs^aure auf 9#H:kg#G: Wasser) und rasches Nachwaschen mit Sodal^osung beseitigt. $0029.37 Das Abwaschen ganzer Sandsteinfassaden mit verd^unnter Salzs^aure empfiehlt sich $0029.38 nicht, weil mancher Sandstein durch die S^aure angegriffen wird, was sich durch $0029.39 einen braunen Ueberzug oder Beschlag sp^ater bemerklich macht#H:35#G:). Auch durch $0029.40 sofortiges Nachwaschen mit Sodal^osung wird diese Gefahr nicht ganz ausgeschlossen. $0029.41 Bei Kalk- oder kalkhaltigen Steinen darf selbstverst^andlich S^aure zur Reinigung nicht $0029.42 benutzt werden.

$0029.43

__Fettflecke lassen sich durch Auflegen von Flie^spapier und geschabter Kreide $0029.44 oder Speckstein und Dar^uberfahren mit hei^sen Eisenst^ucken (Pl^attstahl u. dergl.) $0029.45 entfernen. Gleiche Dienste leistet Absp^ulen mit Benzin oder Petroleum, welches $0029.46 dann durch gelinde W^arme (nicht ^uber 35 Grad) zum rascheren Verdunsten<-P> $0 @@3@ ---------- $0029.47

__#H:35#G:) Siehe: Baugwksztg. 1884, S. 340.

@@1@ $0030.01 <-P>gebracht wird. Auch oberfl^achliche Verseifung (Kali- oder Natronbehandlung) ist $0030.02 von Nutzen#H:36#G:).

$0030.03

__Die Reinigung von Kalkstein und Marmor bewirkt man durch Abwaschen mit $0030.04 Wasser und Seife. St^arker wirkt eine Mischung aus Kalkmilch und Seifensiederlauge.

$0030.05

__Zur Reinigung der Pariser Hausteinfassaden hat #/+de Liebhaber#/- ein Verfahren erfunden, das wesentlich $0030.06 billiger, als das gew^ohnliche Abwaschen sein soll. Nach demselben werden die Steine durch Auftragen $0030.07 eines Gemisches von Soda und gel^oschtem Kalk in Pulverform mit Chlorcalcium oder Eisenchlorid vor- $0030.08 bereitet und dann mit einer Mischung von Salzs^aure und Schwefels^aure behandelt. Der Stein soll dabei $0030.09 nur auf eine geringe Tiefe angegriffen werden#H:37#G:).

$0030.10

__Es empfiehlt sich, hier auch die Mittel anzugeben, die zur Beseitigung von altem $0030.11 Oelfarbenanstrich auf Stein benutzt werden. Dazu gen^ugt meist ein mehrmaliger $0030.12 reichlicher Anstrich mit warmer Lauge. Das Abl^osen erfolgt schon nach einigen $0030.13 Stunden. In Vertiefungen ist mit dem Stemmeisen oder Spitzmei^sel nachzuhelfen#H:38#G:).

$0030.14

__Zu demselben Zwecke wird auch die Anwendung einer Lauge empfohlen, die $0030.15 aus 2 Teilen Holzasche, 6 Teilen Salpeter und 6 Teilen Alaun in der Weise be- $0030.16 reitet wird, da^s man diese Stoffe mit Wasser ^ubersch^uttet, bei gelindem Feuer $0030.17 zum Sieden bringt und dann ein St^uckchen Seife hinzusetzt. Die Farbenflecke $0030.18 werden mit der gekl^arten Lauge wiederholt mit einem Schwamm bestrichen und $0030.19 dann mit Wasser abgewaschen#H:39#G:).

$0030.20 20.|Dichten|der|Quaderfugen.

__Um die Mauern, welche den Witterungseinfl^ussen ausgesetzt sind, vor dem Ein- $0030.21 dringen der Feuchtigkeit durch die Fugen zu sch^utzen, ist es zweckm^a^sig, die letz- $0030.22 teren mit einem geeigneten Dichtungsm^ortel zu verstreichen, wenn nicht mit ganz $0030.23 vollen Fugen gemauert worden war. Insbesondere ist dies bei allen Abdeckungen $0030.24 notwendig. Das Ausfugen erfolgt in der Regel vor dem Abr^usten der Mauern. $0030.25 Waren die Quader in M^ortel versetzt, so kratzt man denselben aus den Fugen bis $0030.26 auf etwa 3#H:cm#G: Tiefe heraus, beseitigt den Staub durch Auskehren und Aussp^ulen und $0030.27 streicht dann den Fugenm^ortel, der bei geringeren Arbeiten aus hydraulischem Kalk $0030.28 oder Cement hergestellt wird, mit einer kleinen Kelle ein. Mit dem Fug- oder $0030.29 Fummeleisen wird derselbe dann so lange bearbeitet, bis er poliert erscheint. Beim $0030.30 Ausfugen von Mauerwerk aus weichen Steinen mit Cement ist Vorsicht insofern n^otig, $0030.31 als durch das rasche Erh^arten des Cementes ^uber die H^arte der Steine hinaus bei $0030.32 weiterem Setzen des Mauerwerkes die Kanten abgedr^uckt werden k^onnen (vergl. $0030.33 Art. 16, S. 28). Hier mu^s noch die Bemerkung Platz finden, da^s, wenn die $0030.34 Quader in M^ortel verlegt werden, es f^ur die Verfestigung desselben von Vorteil ist, $0030.35 die Fugen nicht zu d^unn zu machen.

$0030.36

__Bei besseren Arbeiten verwendet man zum Ausfugen einen Steinkitt. F^ur $0030.37 Mauerwerk, welches dem Witterungswechsel ausgesetzt ist, wird folgende Zusammen- $0030.38 setzung nach Gewichtsteilen angegeben: {5{1/4}} Teile Mehlkalk, {2{1/2}} Teile Ziegelmehl, $0030.39 {1/4} Teil Glaspulver und 2 Teile Lein^olfirnis; f^ur Mauerwerk, welches best^andig $0030.40 unter Wasser ist, dagegen: 5 Teile Kalk, {2{1/2}} Teile Ziegelmehl, {1/2} Teil Hammer- $0030.41 schlag, {1/4} Teil Glaspulver und 2 Teile Lein^olfirnis#H:40#G:).

$0030.42

__Kalk und Ziegelmehl m^ussen so trocken als m^oglich sein. Von dem Oele, welches man vorher noch $0030.43 zu kochen pflegt, nimmt man anf^anglich nur so viel, da^s die Masse beim Schlagen oder Stampfen nicht<-P> $0 @@3@ ---------- $0030.44

__#H:36#G:) Nach: #k+Romberg#k-'s Zeitschr. f. prakt. Bauk. 1880, S. 14.

$0030.45

__#H:37#G:) Siehe: #/+La semaine des constr.#/- 1885--86, S. 210 -- Centralbl. d. Bauverw. 1885, S. 340 -- Wochbl. f. Baukde. $0030.46 1885, S. 507.

$0030.47

__#H:38#G:) #/+Schmidt#/- reinigte auf diese Weise die Kanzel des #/+Stephans-#/-Doms in Wien. (Nach der in Fu^snote 36 angegebenen Quelle.)

$0030.48

__#H:39#G:) Siehe: Baugwksztg. 1883, S. 636.

$0030.49

__#H:40#G:) Siehe: #k+Schmidt,#k- F. X. Die Chemie der Baugewerbe. Stuttgart 1878. S. 162 -- wo auch noch andere Kitte f^ur $0030.50 Steinwerk mitgeteilt sind.

@@1@ $0031.01 <-P>st^aubt. Ein Mann kann in einem Tage h^ochstens 5#H:kg#G: schlagen, und zwar auf folgende Weise. Die vorher $0031.02 in einem M^orser gesto^sene Masse wird gesiebt, von neuem in einen M^orser gethan, sodann {3/4} des Oeles $0031.03 hinzugethan und alles zu einem steifen Teig verarbeitet. Nachdem das letzte Viertel Oel zugesetzt worden $0031.04 ist, wird die Masse aus dem M^orser gekratzt, auf eine Steinplatte gelegt und mit einem besonderen, etwa $0031.05 10#H:kg#G: schweren Eisen oder einer gew^ohnlichen Brechstange einen Tag lang geschlagen, unter ^ofterem $0031.06 Wenden und Zusammenlegen des breit geschlagenen Kuchens. Bei starkem Verbrauch des Kittes kann man $0031.07 bis zu 12,5#H:kg#G: zusammen herstellen; doch sollte man davon nicht mehr machen, als in 2 bis 3 Tagen ver- $0031.08 wendet werden kann. Auf 8 bis 12 Tage kann man den Kitt durch Einschlagen in feuchtes Papier und $0031.09 Aufbewahren an einem k^uhlen Orte, ohne da^s er eine Rinde bekommt, erhalten.

$0031.10

__Vor dem Verkitten m^ussen die Fugen vollkommen trocken und staubfrei sein und mit Oel einigemal $0031.11 ausgestrichen werden. Der Kitt wird mit h^olzernen oder eisernen Spateln mit Gewalt so tief als m^oglich $0031.12 eingepre^st. Entstehen in den ersten Tagen nach diesem Einstreichen $0031.13 Fig. 62#H:42#G:).#(IMAGE) $0031.14 kleine Risse, so m^ussen diese mit Oel bestrichen und mit dem Spatel $0031.15 wieder zugedr^uckt werden. Gew^ohnlich ist der Kitt nach 8 Tagen $0031.16 trocken und nach Jahresfrist steinhart. Man kann dem Kitt durch Zusatz $0031.17 von etwas Schwarz oder Bolus eine graue oder r^otliche Farbe geben#H:41#G:).

$0031.18

__Als Fugenkitt benutzt man mit Vorteil auch hydrau- $0031.19 lischen Kalk mit Zusatz von Wasserglas. Der aus beiden $0031.20 Stoffen gemengte Brei darf nur in kleinen Mengen an- $0031.21 gefertigt und mu^s rasch verbraucht werden.

$0031.22

__Beil^aufig mag hier noch eine Schutzma^sregel erw^ahnt werden, $0031.23 die im Mittelalter an einigen Bauwerken des Elsa^s Anwendung fand, $0031.24 unter anderen an den dem Wetter besonders ausgesetzten Strebepfeilern $0031.25 des Querschiffes des M^unsters zu Stra^sburg. Wie Fig. 62#H:42#G:) zeigt, $0031.26 sind um die Sto^sfugen herum kleine Rinnen in die Quaderh^aupter ein- $0031.27 gearbeitet, um das an der Mauer herunterlaufende Wasser an dem Ein- $0031.28 dringen in dieselben zu verhindern.

$0031.29

__Im Bauwesen wird das Dichten der Fugen nicht $0031.30 nur notwendig, um das Regenwasser von denselben fern $0031.31 zu halten, sondern es wird auch zu vielen anderen $0031.32 Zwecken erforderlich. So um die Erdfeuchtigkeit abzuhalten, wor^uber in Kap. 12 $0031.33 die Rede sein wird, ferner bei Herstellung von wasserdichten Beh^altern oder bei $0031.34 Ableitung von Wasser oder anderen Fl^ussigkeiten. Bei diesen Arbeiten wird es sich, $0031.35 abgesehen von anderen Ma^sregeln, die hier nicht weiter zu er^ortern $0031.36 Fig. 63.#(IMAGE){1/40} w. Gr. $0031.37 sind, darum handeln, die Fugen entweder in ihrer ganzen Aus- $0031.38 dehnung nur mit geeignetem M^ortel (Portlandcement, Asphalt#H:43#G:) $0031.39 auszuf^ullen, oder in Verbindung damit, oder auch diese allein, eine $0031.40 der im vorhergehenden Bande (Abt. I, Abschn. 1, Kap. 3, unter b) $0031.41 dieses #.>Handbuches#.< besprochenen Anordnungen des Fugenschnittes, $0031.42 wie Ueberfalzungen, M^ortelnuten u. s. w. zu treffen.

$0031.43

__Als Beispiele f^ur Ueberfalzungen diene die in Fig. 63 dar- $0031.44 gestellte englische Konstruktion eines Regenfallrohres von Stein.

$0031.45

__Ist das Dichten der Fugen f^ur die Erhaltung der Mauerwerke,21.|Schutz|der Hausteine|gegen|Verwittern. $0031.46 namentlich an den der Witterung ausgesetzten Stellen, von Wichtig- $0031.47 keit, so ist es nicht minder die Beschaffenheit der Steine selbst. $0031.48 Die Frage, welche der beiden Steinarten, die haupts^achlich zum $0031.49 Bauen Verwendung finden, Sandstein oder Kalkstein, in Bezug<-P> $0 @@3@ ---------- $0031.50

__#H:41#G:) Nach: #k+Menzel,#k- C. A. Der Steinbau. 8. Aufl. Leipzig 1882. S. 141.

$0031.51

__#H:42#G:) Nach: #k+Viollet-le-Duc,#k- a. a. O., Bd. 6, S. 146.

$0031.52

__#H:43#G:) Die Beschreibung der Herstellung eines Silo (unterirdischen Getreidebeh^alters) mit Asphaltm^ortel findet sich in: $0031.53 #k+Malo,#k- L. #/+Guide pratique pour la fabrication et l'application de l'asphalte et des bitumes.#/- Paris 1866. S. 93.

@@1@ $0032.01 <-P>auf Dauerhaftigkeit den Vorzug verdienen, l^a^st sich in dieser Allgemeinheit nicht $0032.02 entscheiden, weil beide in den verschiedensten Graden der G^ute vorkommen, sowohl $0032.03 in den best^andigsten, als auch geringsten. Die Auswahl wird bei gleichem Preise $0032.04 sich nach den Eigenschaften der besonderen Steinsorte zu richten haben. G^unstiger $0032.05 zeigt sich der Sandstein h^aufig in Bezug auf Farbebest^andigkeit. W^ahrend derselbe $0032.06 ^ofters im Laufe der Zeit eine sch^onere Farbe erh^alt, wie z. B. der rheinische Bunt- $0032.07 sandstein, ist bei vielen Kalksteinen das Umgekehrte der Fall. Die Farbever^anderung $0032.08 geht dabei oft rasch vor sich. Der Pariser Kalkstein erh^alt bald einen grauen, stumpfen $0032.09 Farbton; vieler Jurakalk wird schw^arzlich, namentlich an vorspringenden Teilen, durch $0032.10 Flechtenansatz. Allerdings gibt es auch gl^anzende Beispiele f^ur das Gegenteil, so $0032.11 am r^omischen Kalktuff (Travertin), der einen sch^onen, goldbraunen Ton bekommt.

$0032.12

__Auf die Dauer der Hausteine scheint auch die Art der Bearbeitung von Ein- $0032.13 flu^s zu sein. Bekannt ist, da^s das Polieren als eines der besten Erhaltungsmittel $0032.14 wirkt. Aber auch schon eine glatte Bearbeitung mu^s f^orderlich f^ur die Dauer sein, $0032.15 da an glatten Fl^achen weniger Gelegenheit zum Festhalten der Feuchtigkeit geboten $0032.16 wird und die Verdunstung der letzteren gleichm^a^sig an ihnen erfolgen kann. Auch $0032.17 Staub und Ru^s, die in ihren Ansammlungen Beh^alter f^ur die Feuchtigkeit bilden, $0032.18 k^onnen sich an glatten Fl^achen weniger gut festsetzen, als an rauhen und mit vielen $0032.19 Gliederungen versehenen. F^ur ru^sige St^adte wird sich aus demselben Grunde f^ur $0032.20 die l^angere Erhaltung eines sauberen Ansehens und der urspr^unglichen Farbe eine $0032.21 glatte Bearbeitung der Quader empfehlen.

$0032.22

__Es scheint auch, als wenn die feineren Formbildungen infolge der zerst^orenden $0032.23 Einwirkung der Steinhauerwerkzeuge gegen Frostsch^aden empfindlicher seien, als $0032.24 die kr^aftigen Gliederungen. Nachgewiesen ist die Sch^adigung der Frostbest^andigkeit $0032.25 der weicheren Steine durch Bearbeitung mit schweren Werkzeugen, so z. B. von $0032.26 Sandsteinen durch das Stocken#H:44#G:).

$0032.27

__Ein Umstand, der auf die dauernde Erhaltung mancher Sandsteine von Einflu^s $0032.28 ist, verdient hier noch Erw^ahnung. Die verdunstende Bruchfeuchtigkeit scheidet $0032.29 kittartige Bestandteile aus, die auf der Oberfl^ache eine feste Kruste bilden, welche $0032.30 die Witterungsbest^andigkeit wesentlich f^ordert. Einmal beseitigt, erzeugt sich dieser $0032.31 sch^utzende Ueberzug niemals wieder. Es ist deshalb zweckm^a^sig, die Werkst^ucke $0032.32 nicht lange unbearbeitet liegen zu lassen und nur fertig zu versetzen oder, wenn $0032.33 dies nicht m^oglich ist, die Nacharbeiten bald nach dem Versetzen auszuf^uhren.

$0032.34

__Wegen der Ursachen der Verwitterung und der Mittel zur Dauerhaftmachung $0032.35 der Hausteine mu^s auf das in Teil I, Band 1, erste H^alfte (Art. 8, S. 62 u. Art. 43, $0032.36 S. 105) dieses #.>Handbuches#.< Gesagte verwiesen werden. Zur Erg^anzung sei hier $0032.37 noch hinzugef^ugt, da^s neuerer Zeit f^ur Sandsteine das saure holzessigsaure Eisen- $0032.38 oxydul#H:45#G:) und f^ur erdige oder por^ose Kalksteine die Fluorsilikate der Erd- und $0032.39 Schwermetalle#H:46#G:) benutzt werden.

$0032.40

__Aufmerksam machen wir hier auch auf die wichtigen Untersuchungen #/+Tetmajer#/-'s $0032.41 ^uber die Best^andigkeitsverh^altnisse der schweizerischen Bausteine#H:47#G:), welche sich be- $0032.42 sonders auf Sandsteine und oolithische erdige Kalksteine erstreckten. Die Ver-<-P> $0 @@3@ ---------- $0032.43

__#H:44#G:) Siehe: Zeitschr. f. Bauw. 1887, S. 479.

$0032.44

__#H:45#G:) Siehe: Deutsche Bauz. 1884, S. 146.

$0032.45

__#H:46#G:) D. R.-P. Nr. 27_803 f^ur #/+Faure {et} Ke^sler#/- in Clermont-Ferrand. -- Siehe auch: Deutsche Bauz. 1884, S. 470 $0032.46 ferner: #/+La semaine des constr.#/- 1884--85, S. 184.

$0032.47

__#H:47#G:) Mittheilungen der Anstalt zur Pr^ufung von Baumaterialien am eidgen. Polytechnikum in Z^urich. Z^urich 1884. $0032.48 Heft 1, S. 30 u. ff.

@@1@ $0033.01 <-P>witterungserscheinungen lassen sich nach #/+Tetmajer#/- auf die Wirkung der Krystallisation $0033.02 des kapillar festgehaltenen Wassers, der Porenfeuchtigkeit, zur^uckf^uhren.

$0033.03

__An Stellen eines und desselben Steines, wo das kapillar festgehaltene Wasser der Porenr^aume durch $0033.04 Mangel an Zugluft und unmittelbarer Einwirkung der Sonnenstrahlen nicht gen^ugend stark verdunsten kann, $0033.05 bezw. durch Nachsickern sich erneuert, entsteht eine Lockerung des stofflichen Gef^uges, eine Verminderung $0033.06 der Koh^asion durch Ausdehnung, haupts^achlich aber durch Erweichen des Kittstoffes (der Sandsteine) oder $0033.07 der K^orpermasse selbst (der oolithischen, erdigen Kalksteine). Trifft den durchfeuchteten Stein eine Frost- $0033.08 wirkung, so werden an jenen Stellen desselben, wo die Porenfeuchtigkeit der Oberfl^ache zun^achst sitzt, $0033.09 von au^sen nach innen fortschreitend kleine K^orperteilchen abgel^ost, so oft die Ausdehnungskraft des Eises $0033.10 gr^o^ser ist, als die Zugfestigkeit des erweichten Steines. Bezeichnende Beispiele f^ur diesen Vorgang sind $0033.11 die h^aufig beobachtete Erscheinung, da^s Balkonplatten und H^angeplatten stark ausladender Gesimse an $0033.12 ihrer Unterseite zuerst verwittern, ferner die Wahrnehmung, da^s die Deckplatten von St^utzmauern ge- $0033.13 w^ohnlich an den unteren Plattenfl^achen zwischen Wassernase und Auflagerfl^ache, am h^aufigsten aber zu beiden $0033.14 Seiten der Sto^sfugen, Schaden leiden, endlich die Zerst^orungen, welche an gesch^utzt liegenden Gliedern $0033.15 von Gesimsen oder an solchen Teilen derselben auftreten, an denen der Wasserablauf gehemmt ist u. a. m.

$0033.16

__Besonders sind es also die gesch^utzt liegenden Teile der Hausteine, welche $0033.17 infolge von Mangel an Luftzug und Sonne nicht austrocknen k^onnen, die zuerst $0033.18 der Verwitterung anheim fallen. Beispiele daf^ur, da^s Steine, die infolge ^ofterer $0033.19 Wasserzuf^uhrung nicht austrocknen, auch zun^achst zerst^ort werden, bieten Durch- $0033.20 binder von nicht gut entw^asserten St^utzmauern, und Sockelgesimsteile, die unter den $0033.21 rinnenf^ormigen Sto^sfugen von Spiegelquadern sich befinden.

$0033.22

__Aus den mitgeteilten Beobachtungen geht hervor, da^s man zur dauernden $0033.23 Erhaltung der Quaderarbeiten anhaltende Feuchtigkeitsquellen von denselben fern $0033.24 halten und die atmosph^arischen Niederschl^age rasch abf^uhren mu^s. Auf das letztere $0033.25 ist namentlich bei den gotischen Profilen R^ucksicht genommen; doch auch bei den $0033.26 antikisierenden Profilen l^a^st sich durch zweckm^a^sige Gestaltung derselben, nament- $0033.27 lich der Wassernasen, vieles erzielen. Das erstere ist bei wagrechten oder wenig $0033.28 geneigten Fl^achen nur durch Fugendichtung und Abdeckung mit Metall oder anderen $0033.29 geeigneten Stoffen zu erreichen#H:48#G:). Selbstverst^andlich mu^s auch die Auswahl der $0033.30 Steinarten eine vorsichtige sein. An gef^ahrdeten Stellen d^urfen nur als witterungs- $0033.31 best^andig bekannte Steine Verwendung finden. So k^onnen z. B. die meisten Sand- $0033.32 und Kalksteine nicht f^ur Bauteile als geeignet betrachtet werden, welche in Ber^uhrung $0033.33 mit der Bodenoberfl^ache treten. Sind nicht ganz sichere Steinsorten zu benutzen, $0033.34 so m^ussen diese durch geeignete Anstriche oder Tr^ankungen mit wirksamen Schutz- $0033.35 mitteln dauerhafter gemacht werden#H:49#G:).

$0033.36

__Da^s man in der Verwendung von wetterfesten Steinsorten aber auch vorsichtig $0033.37 sein mu^s, lehren die Beobachtungen von #/+Viollet-le-Duc#/-#H:50#G:), die ^ubrigens mit denen $0033.38 #/+Tetmajer#/-'s recht gut ^ubereinstimmen. Derselbe teilt mit, da^s $0033.39 Fig. 64.#(IMAGE) $0033.40 Mauerabdeckungen oder Dachrinnen von hartem, wetter- $0033.41 festem Stein ^uber weicherem, porigem Material, das an sich $0033.42 sehr gut witterungsbest^andig ist, wesentlich die Schuld an $0033.43 der raschen Zerst^orung des letzteren tragen, und zwar da- $0033.44 durch, da^s die durch die Abdeckung sickernde Feuchtigkeit $0033.45 sich dem darunter befindlichen Steine mitteilt, aus diesem $0033.46 nicht verdunsten kann und daher von innen nach au^sen zu $0033.47 fortschreitende Zersetzungen herbeif^uhrt. #/+Viollet-le-Duc#/- em-<-P> $0 @@3@ ---------- $0033.48

__#H:48#G:) ^Uberer den Schutz der W^ande gegen Feuchtigkeit ist in Kap. 12 Ausf^uhrlicheres zu finden.

$0033.49

__#H:49#G:) Siehe hier^uber Teil I, Bd. 1, erste H^alfte, Art. 43, S. 105 (2. Aufl.: Art. 54, S. 114) dieses #.>Handbuches#.<. -- Ueber $0033.50 die Eignung von #.>Testalin#.< f^ur diesen Zweck siehe: Baugwksztg. 1896, S. 833 -- und: #k+Haarmann#k-'s Zeitschr. f. Bauhdw. 1897, S. 117.

$0033.51

__#H:50#G:) #/+Entretiens sur l'architecture.#/- Bd. 2. Paris 1872. S. 25 u. ff.

@@1@ $0034.01 <-P>pfiehlt an Stelle solcher steinerner Abdeckungen die Verwendung von Metall und $0034.02 bei steinernen Dachrinnen trennende, aber gel^uftete H^ohlungen unter denselben. $0034.03 Fig. 64 zeigt eine derartige Anordnung.

$0034.04

__Au^ser der Feuchtigkeit und der mit dieser zusammenh^angenden Ausdehnung des $0034.05 gefrierenden Wassers in den Steinen ist eine der wirksamsten Verwitterungsursachen $0034.06 der rasche und h^aufige Wechsel von W^arme und K^alte. Durch die W^arme werden $0034.07 die Steine ausgedehnt, durch die K^alte wieder zusammengezogen, so da^s hierdurch $0034.08 allm^ahlig eine Lockerung des Gef^uges eintreten mu^s. Hierdurch erkl^art sich auch $0034.09 die oft beobachtete Thatsache, da^s an den Sonnenseiten, namentlich von reich ver- $0034.10 zierten Geb^auden, an welchen doch das Auftrocknen der Feuchtigkeit rascher vor $0034.11 sich geht, als an den Nordseiten, die Verwitterung rascher eintritt, als an letzteren. $0034.12 Schutzmittel hiergegen gibt es nicht; doch liegt in dieser Erfahrung die Anregung, $0034.13 auch an diesen, nach vielfacher Annahme weniger gef^ahrdeten Geb^audeseiten der $0034.14 Auswahl der Steinsorten die gr^o^ste Sorgfalt zu schenken#H:51#G:).

$0034.15 22.|Wertsch^atzung|des|Hausteinbaues.

__Im vorhergehenden sind schon die Vorz^uge und Nachteile des Quaderbaues $0034.16 mit zur Er^orterung gekommen, so da^s dieselben nur noch kurz zusammengefa^st $0034.17 zu werden brauchen.

$0034.18

__Als Hauptvorteile desselben sind zu bezeichnen, da^s mit ihm die monumen- $0034.19 talsten Wirkungen, die festesten, standsichersten und, bei geeigneter Auswahl des $0034.20 Materials und geschickten Anordnungen, auch sehr dauerhafte Bauwerke zu erzielen sind.

$0034.21

__Als Nachteile treten auf: bei vollen Quadermauern f^ur Wohngeb^aude das $0034.22 Durchschlagen der Feuchtigkeit, bei gemischten Mauerwerken die gro^se Sorgfalt, $0034.23 die auf die Verbindung der verschiedenen Steingattungen zu verwenden ist. Als $0034.24 Hauptnachteil des Hausteinbaues m^ochte wohl aber dessen Kostspieligkeit bezeichnet $0034.25 werden, die ihn im allgemeinen nur f^ur monumentale und aufw^andige Bauten in $0034.26 voller Ausdehnung als zul^assig erscheinen l^a^st. Dies kann man dagegen nicht von $0034.27 dem mit Haustein gemischten Mauerwerk sagen, namentlich nicht von der Bauweise, $0034.28 bei welcher die sog. Strukturteile von Haustein, die Fl^achen von Backsteinen oder $0034.29 Bruchsteinen mit oder ohne einen Putz^uberzug hergestellt werden und die zu den $0034.30 Quaderfachwerken im weiteren Sinne zu rechnen ist. Es spricht f^ur die gesundere $0034.31 Richtung unserer heutigen Architektur, da^s man immer mehr von jenem Schein- $0034.32 wesen zur^uckkommt, welches die f^ur die Ausf^uhrung in Stein geschaffenen Formen $0034.33 in allen m^oglichen Ersatzmitteln nachahmt. Der Mehraufwand f^ur Steinausf^uhrung $0034.34 ist oft nicht sehr gro^s, ja manchmal kaum vorhanden und lohnt sich stets durch die $0034.35 gr^o^sere Dauer und die geringeren Unterhaltungskosten.

$0034.36 @z ---------- $0034.37 @Z 2. #s+Kapitel.#s- $0034.38 @Z Mauern aus Backsteinen und anderen k^unstlichen Steinen. $0034.39 @Z (Backsteinrohbau.) $0034.40 @Z a) Mauern aus Backsteinen. $0034.41 23.|Allgemeines.

__Die Backsteine kennzeichnen sich den Quadern gegen^uber, abgesehen vom Stoff, $0034.42 durch ihre geringe Gr^o^se und durch die fabrikm^a^sig hergestellte regelm^a^sige Form,<-P> $0 @@3@ ---------- $0034.43

__#H:51#G:) Beachtenswerte Mitteilungen ^uber das Verhalten der Bausteine gegen Verwitterung und deren Konservierung finden $0034.44 sich ferner in: Wochbl. f. Baukde. 1885, S. 443; 1887, S. 419. -- #/+American architect,#/- Bd. 18, S. 19, 113. -- Centralbl. d. $0034.45 Bauverw. 1885, S. 362; 1887, S. 371; 1888, S. 491. -- Deutsche Bauz. 1887, S. 503.

@@1@ $0035.01 <-P>deren Ma^se in ganz bestimmten, aus der M^oglichkeit der Herstellung regelrechter $0035.02 Verb^ande abgeleiteten Verh^altnissen stehen. Aus diesen Eigenschaften ergibt sich $0035.03 eine gro^se Bequemlichkeit f^ur die Herstellung der Mauerwerke, die nur in geringem $0035.04 Grade durch das Gebundensein an bestimmte Mauerst^arken (siehe den vorher- $0035.05 gehenden Band dieses #.>Handbuches#.<, Art. 22, S. 21) beschr^ankt wird. Es kann $0035.06 deshalb nicht in Erstaunen setzen, wenn man findet, da^s der Backstein in so aus- $0035.07 gedehntem Ma^se selbst in Gegenden zur Anwendung gelangt, wo gute nat^urliche $0035.08 Steine in Ueberflu^s vorhanden sind. Diese Bevorzugung wird allerdings, au^ser durch $0035.09 die Bequemlichkeit in der Verwendung, noch durch andere gute Eigenschaften der $0035.10 Backsteine gerechtfertigt.

$0035.11

__Wie schon im vorhergehenden Kapitel ausgef^uhrt wurde, benutzt man in den $0035.12 weitaus meisten F^allen das Hausteinmaterial nur als ^au^sere Verkleidung der im $0035.13 Inneren aus anderem Material hergestellten Mauern. Ganz besonders eignet sich $0035.14 nun der Backstein zu diesen Hintermauerungen; er wird aus dieser Rolle von den $0035.15 Bruchsteinen nur da verdr^angt, wo diese billigere Ausf^uhrung ergeben, als jene. $0035.16 Doch auch zur unverh^ullten ^au^seren Erscheinung gelangt der Backstein als Stoff des $0035.17 Mauerwerkes, insbesondere da, wo geeigneter nat^urlicher Stein f^ur diesen Zweck $0035.18 fehlt oder sich teuerer als jener stellt. Im letzteren Falle ergibt sich h^aufig eine $0035.19 Verbindung in der Weise, da^s die sog. Strukturteile (Sockel, Gesimse, Ecken, Um- $0035.20 rahmungen) aus Haustein, die Fl^achen dagegen aus Backsteinen hergestellt werden $0035.21 (vergl. den vorhergehenden Artikel). Im ersteren Falle werden auch zu den Struktur- $0035.22 teilen fast oder ganz ausschlie^slich Backsteine oder andere Ziegelwaren verwendet, $0035.23 und man spricht dann gew^ohnlich von Ziegelrohbau, Backsteinrohbau oder Roh- $0035.24 ziegelbau, im Gegensatze zum Hausteinbau und dem Bau aus gemischtem Material.

$0035.25

__Die Versuche#H:52#G:), die Bezeichnung #.>Backsteinrohbau#.< durch eine andere zu ersetzen, in welcher das $0035.26 anst^o^sige #.>roh#.< nicht vorkommt, haben bisher zu einem befriedigenden Ergebnisse noch nicht gef^uhrt. $0035.27 Wir haben uns daher entschlossen, bei der alten eingeb^urgerten und allgemein verstandenen Benennung zu $0035.28 bleiben. Das W^ortchen #.>roh#.< ist in dieselbe nicht hineingekommen, um damit eine Kritik an den be- $0035.29 treffenden Bauten zu ^uben; sondern es ist aus der ^ublichen Bezeichnung Rohbau, dem Gegensatz von $0035.30 Ausbau, f^ur diejenigen Mauerwerke ^ubernommen worden, die noch keinen Putz^uberzug erhalten haben. $0035.31 Diese Hinzuf^ugung war der Deutlichkeit wegen notwendig, weil die Backsteinmauern noch h^aufiger geputzt, $0035.32 als in ihrem Material sichtbar gelassen werden. Das Gleiche gilt f^ur Bruchsteinmauern, w^ahrend die Be- $0035.33 nennung #.>Hausteinbau#.< kein Mi^sverst^andnis aufkommen l^a^st. Die aus Hausteinen aufgef^uhrten Mauer- $0035.34 k^orper nennt man oft als #.>in reiner Arbeit#.< hergestellt, deshalb w^urde die Annahme der zum Teile $0035.35 schon angewendeten Bezeichnung #.>Backsteinreinbau#.< f^ur Mauern, deren Backsteinmaterial sichtbar bleibt, $0035.36 eine gewisse Berechtigung haben, wohl auch bald allgemein verst^andlich werden und nicht zu Mi^sverst^and- $0035.37 nissen f^uhren k^onnen, wie dies bei der in Vorschlag gebrachten Benennung #.>gefugter Backsteinbau#.< der $0035.38 Fall ist. In letzterer ist wohl ein kennzeichnendes Merkmal des Backsteinrohbaues, das Sichtbarbleiben $0035.39 des Fugennetzes, ausgesprochen; aber es bleibt dabei die M^oglichkeit, nur an das nachtr^agliche Fugen zu $0035.40 denken, das im Gegensatz zu dem beim Mauern gleich in den Fugen fertig gestellten Mauerwerk steht. $0035.41 Wir haben die Einf^uhrung des Wortes #.>Backsteinreinbau#.< unterlassen, weil uns das Bed^ursnis zur Beseiti- $0035.42 gung von #.>Rohbau#.< nicht dringend genug vorzuliegen schien.

$0035.43

__Da^s der Backstein im Backsteinrohbau oder ^uberhaupt da, wo er den Witte- $0035.44 rungseinfl^ussen ausgesetzt ist, besondere Eigenschaften haben mu^s, die in gesch^utzter $0035.45 Lage weniger in Betracht kommen, ist klar, und in der Schwierigkeit, ihm diese $0035.46 Eigenschaften zu verleihen, wozu noch Schwierigkeiten ^asthetischer Natur treten, $0035.47 liegt der Grund, warum der Backsteinrohbau im Hausteinbau einen schwer oder $0035.48 nicht besiegbaren Mitbewerber f^ur bessere Bauten findet. Die fraglichen Eigenschaften $0035.49 werden sp^ater noch eingehend zu er^ortern sein. Ueber die beim Backsteinbau zur<-P> $0 @@3@ ---------- $0035.50

__#H:52#G:) Siehe: Deutsche Bauz. 1889, S. 15, 35, 46, 52, 87, 109, 147.

@@1@ $0036.01 <-P>Anwendung kommenden verschiedenen Ziegelwaren und die sonstigen keramischen $0036.02 Erzeugnisse finden sich Mitteilungen in Teil I, Band 1, erste H^alfte (Art. 16 u. ff., $0036.03 S. 72 u. ff. u. Art. 44 u. ff., S. 106 u. ff. [2. Aufl.: Art. 35 u. ff., S. 92 u. ff. u. $0036.04 Art. 55 u. ff., S. 119 u. ff.]) dieses #.>Handbuches#.<. Format und Backsteinverb^ande $0036.05 wurden im vorhergehenden Bande (Abt. I, Abschn. 1: #.>Konstruktionselemente in $0036.06 Stein#.<) dieses #.>Handbuches#.< besprochen.

$0036.07

__Zur Herstellung der ^au^seren Wandfl^achen verwendet man im Backsteinrohbau $0036.08 jetzt ziemlich allgemein besonders gut hergestellte Steine: die Verblendsteine mit $0036.09 glatten und m^oglichst gleichm^a^sig gef^arbten Au^senfl^achen; zur Ausf^uhrung der $0036.10 Hintermauerung jedoch und zu allen Mauern, die geputzt werden, die ordin^aren $0036.11 Backsteine, Hintermauerungssteine oder kurzweg Mauersteine. Diese fallen nun im $0036.12 Brande nicht gleichm^a^sig aus und werden in der Regel auch nicht nach ihrer Be- $0036.13 schaffenheit gesondert auf die Bauten geliefert. Es ist daher zweckm^a^sig, das Aus- $0036.14 suchen auf der Baustelle selbst nach drei Sorten vorzunehmen. Die scharf gebrann- $0036.15 ten Steine benutzt man zur Herstellung der Mauerk^orper, welche dem Wetter oder $0036.16 der Feuchtigkeit ausgesetzt sind oder besonders hohe Belastungen erhalten, also zu $0036.17 Grundmauern, Kellermauern, Sockeln, Pfeilern etc., die mittelgebrannten zu den Um- $0036.18 fassungen, Tragmauern, Bogen, Gew^olben und Brandmauern, die schwach gebrannten $0036.19 zu den Scheidew^anden und ^uberall da, wo dieselben bei trockener Lage keine Be- $0036.20 lastungen erhalten.

$0036.21 24.|Verbindung|durch den|M^ortel.

__Die Festigkeit der Backsteinmauer beruht, au^ser auf dem richtigen Verbande, $0036.22 auf der Verkittung durch den zwischen die Fugen gebrachten M^ortel. Die allge- $0036.23 meinen Grunds^atze hierf^ur wurden schon im vorhergehenden Bande (Abt. I, Abschn. 1, $0036.24 Kap. 3) dieses #.>Handbuches#.< er^ortert; hier w^urden dem jedoch einige Einzelheiten $0036.25 hinzuzuf^ugen sein.

$0036.26

__Ein Mauerk^orper wird um so fester sein, je mehr er sich einer monolithen $0036.27 Masse n^ahert. Daher wird bei einer Quadermauer die Festigkeit verh^altnism^a^sig $0036.28 mit der Gr^o^se der Quader, mit der Verminderung der Zahl der Fugen zunehmen. $0036.29 Je kleiner die Steine sind, um so gr^o^ser ist die Zahl der Fugen, um so mehr nimmt $0036.30 der Zusammenhang ab. Diesen Mangel kann man durch die Verbindung mittels der $0036.31 Bindemittel ersetzen, woraus die Bedeutsamkeit des M^ortels f^ur das Backsteinmauer- $0036.32 werk hervorgeht. Der M^ortel soll hierbei die Backsteine durch ein fest geschlossenes $0036.33 Fugennetz wie mit einem Maschenwerk umklammern. Er darf dabei aber nicht $0036.34 blo^s zu einer in sich zusammenh^angenden Masse erstarren, sondern er mu^s auch $0036.35 m^oglichst fest an den Backsteinen haften. Deshalb ist auch die Wahl des M^ortels $0036.36 durchaus nicht gleichg^ultig. Diese kann durch verschiedene Umst^ande beeinflu^st $0036.37 werden.

$0036.38

__Die f^ur Backsteinmauerwerk h^aufiger zur Anwendung gelangenden M^ortel sind $0036.39 fetter und hydraulischer Kalkm^ortel, Cementm^ortel (vorzugsweise von Portland- $0036.40 cement), Cementkalkm^ortel und Gipsm^ortel. Diese M^ortelarten sind in Teil I, $0036.41 Band 1, erste H^alfte (Abt. I, Abschn. 1, Kap. 3) dieses #.>Handbuches#.< ausf^uhrlich $0036.42 behandelt worden. Der Luftkalkm^ortel kann nur bei trockener Lage des Mauer- $0036.43 werkes benutzt werden; er braucht aber eine ausreichende Menge von Feuchtigkeit $0036.44 und darf diese nur langsam von sich geben, um fest zu werden. Deshalb sind die $0036.45 Backsteine vor dem Vermauern gen^ugend anzun^assen, und deshalb ist das k^unstliche $0036.46 Austrocknen des Mauerwerkes sch^adlich. Eben darauf beruht es auch, wenn d^unne $0036.47 Backsteinmauern, welche man in der Sommerhitze auff^uhrt, nicht fest werden. Die<-P> @@1@ $0037.01 <-P>porenreichen Backsteine saugen das M^ortelwasser mit dem in ihm enthaltenen Kalk- $0037.02 hydrat auf; dieses erh^artet daselbst, unter Einwirkung der in den Poren enthaltenen $0037.03 kohlens^aurehaltigen Luft und kohlens^aurehaltigen Feuchtigkeit, und bildet so ein $0037.04 Bindeglied mit dem in den Fugen verbleibenden und ebenfalls fest werdenden M^ortel. $0037.05 Au^serdem entstehen unter der chemischen Einwirkung des Kalkhydrates auf die $0037.06 an der Oberfl^ache der Backsteine vorhandene, durch das Brennen aufgeschlossene $0037.07 Kieselerde und Thonerde Kalksilikate, welche wesentlich zur Erh^ohung der Festigkeit $0037.08 der M^ortelverbindung und der Dauerhaftigkeit derselben beitragen#H:53#G:). Dieser Vor- $0037.09 gang kann sehr lange andauern, wirkt aber fortdauernd auf Erh^ohung der Festigkeit. $0037.10 In demselben liegt die Begr^undung f^ur die innige Verbindung, welche zwischen guten $0037.11 Backsteinen und gutem Kalkm^ortel erzielt werden kann. Durch denselben wird $0037.12 auch erkl^arlich, warum mit schon einmal gebrauchten, wenn auch gut abgeputzten $0037.13 Backsteinen diese innige Verbindung nicht mehr zu erreichen ist. Die Poren der- $0037.14 selben sind schon mit kohlensaurem Kalk ausgef^ullt, und die Oberfl^achen bieten nicht $0037.15 mehr die Bedingungen f^ur die Bildung der Silikate.

$0037.16

__Luftm^ortel aus Fettkalk kann man, wie schon erw^ahnt, nur bei trockener Lage $0037.17 des Mauerwerkes verwenden. Sind dauernde Feuchtigkeitsquellen vorhanden, so sind $0037.18 die hydraulischen M^ortel, die Cement- und Kalk-Cement-M^ortel oder die Kalkm^ortel $0037.19 mit hydraulischen Zuschl^agen (Puzzolanm^ortel) zu benutzen. Die Cement- und $0037.20 Puzzolanm^ortel haben zur Erhaltung ihrer Festigkeit dauernd den Zutritt der Feuch- $0037.21 tigkeit notwendig.

$0037.22

__Gipsm^ortel kann man nur im Trockenen zur Verwendung bringen. Er erh^artet $0037.23 sehr rasch (unter Volumvermehrung) und kann deshalb auch wie Cementm^ortel zur $0037.24 Verwendung gelangen, wenn ein Setzen der Mauerk^orper vermieden werden soll; $0037.25 immerhin ist diese Verwendung aber wegen der Volumvermehrung eine bedenkliche. $0037.26 Infolge dieses raschen Erh^artens ist der Gipsm^ortel auch brauchbar, wenn Mauerwerk $0037.27 bei Frostwetter ausgef^uhrt werden mu^s. Dabei darf aber dem Gips nur das zur $0037.28 Erh^artung gerade notwendige Wasser zugesetzt werden. Viel verwendungsf^ahiger $0037.29 wird scharf gebrannter Gips als Mauerm^ortel, wenn man ihm bis zur H^alfte seiner $0037.30 Menge Sand zusetzt.

$0037.31

__Frischer Cementm^ortel kann schon durch geringe K^alte zerst^ort werden. Auch $0037.32 die Kalkm^ortel widerstehen dem raschen Wechsel von Frost und Tauwetter nicht. $0037.33 Weniger nachteilig wirkt eine anhaltende m^a^sige K^alte, besonders bei verf^ullten $0037.34 Grundmauern. Man will sogar beobachtet haben, da^s M^ortel, der bei andauernder $0037.35 K^alte seine Feuchtigkeit verloren hat, besonders fest geworden ist. Um bei Frost- $0037.36 wetter mit Kalkm^ortel sicher mauern zu k^onnen, soll man ungel^oschten Kalk nur $0037.37 in geringen Mengen zu M^ortel bereiten, denselben m^oglichst steif herstellen, die $0037.38 Ziegel und den Sand nur trocken und angew^armt verwenden und das Mauerwerk $0037.39 vor der Einwirkung von Feuchtigkeit oder Schnee sch^utzen. Die Durchf^uhrung $0037.40 dieser Ma^sregeln d^urfte f^ur gew^ohnlich nur im kleinen Ma^sstabe m^oglich sein. $0037.41 Cementm^ortel wird durch Zusatz von Kochsalz oder Soda weniger empfindlich gegen $0037.42 K^alte; auch Verwendung von warmem Wasser zum Anmachen ist vorteilhaft#H:54#G:).

$0037.43

__Das Legen der Backsteine im richtigen Verbande und das Verbinden derselben<-P>25.|Das Mauern. $0 @@3@ ---------- $0037.44

__#H:53#G:) Siehe: #k+Ziurek,#k- O. A. Ueber M^ortel in baupolizeilicher, technischer und chemischer Beziehung. Zeitschr. f. Bauw. $0037.45 1861, S. 41.

$0037.46

__#H:54#G:) Ueber das Mauern bei Frostwetter vergl.: Deutsche Bauz. 1880, S. 74; 1886, S. 501, 520, 536; 1887, S. 148; $0037.47 1888, S. 112, 184, 203. -- Baugwksztg. 1885, S. 35; 1886, S. 860, 880; 1897, S. 97. -- Gesundh.-Ing. 1893, S. 357. -- Deutsches $0037.48 Baugwksbl. 1894, S. 517. -- #/+Building news,#/- Bd. 54, S. 67. -- #/+Nouv. annales de la constr.#/- 1887, S. 148.

@@1@ $0038.01 <-P>durch den M^ortel nennt man das Mauern. Da das Gelingen der M^ortelverbindung $0038.02 schnelles Mauern voraussetzt, so ist die G^ute des Ziegelmauerwerkes wesentlich von $0038.03 der Geschicklichkeit der betreffenden Maurer abh^angig. Man findet daher in den $0038.04 Gegenden des vorherrschenden Backsteinbaues, wegen der gr^o^seren Uebung, besseres $0038.05 und dabei mit geringerem Zeitaufwand hergestelltes Mauerwerk, als da, wo der Back- $0038.06 stein mit den nat^urlichen Steinen in Wettbewerb steht. Blockverband und nament- $0038.07 lich Kreuzverband erfordern mehr Aufmerksamkeit, als der Binderverband. Der $0038.08 letztere empfiehlt sich deshalb dann, wenn man nur weniger ge^ubte Maurer an die $0038.09 Arbeit stellen kann, besonders f^ur 1 Stein starke Mauern#H:55#G:).

$0038.10 26.|Hohlmauern.

__Im vorhergehenden Bande (Art. 56, S. 51 [2. Aufl.: S. 52]) dieses #.>Handbuches#.< $0038.11 wurden als beabsichtigte Zwecke bei Ausf^uhrung von Hohlmauern die Herstellung $0038.12 isolierender Luftschichten und Materialverminderung angegeben. Namentlich das erstere $0038.13 ist h^aufig der Grund zur Wahl dieser Anordnungen. Die in den Mauern enthaltenen $0038.14 ruhenden Luftschichten sollen die umschlossenen R^aume dem Einflu^s von au^serhalb $0038.15 stattfindenden W^arme^anderungen entziehen#H:56#G:) oder die Ueberleitung des Schalles von $0038.16 einem Raume in einen benachbarten verhindern#H:57#G:). Au^serdem verwendet man Hohl- $0038.17 mauern oft als Umfassungsmauern von Geb^auden, um das Durchschlagen von Feuchtig- $0038.18 keit zu verh^uten. Das letztere ist sehr schwierig zu erreichen und erfordert ganz $0038.19 besondere Vorsichtsma^sregeln. Man hat daher vor der Wahl der Konstruktion sich $0038.20 den haupts^achlich vorliegenden Zweck klar zu machen. Gew^ohnlich liegt f^ur Um- $0038.21 fassungsmauern das Bed^urfnis vor, das Durchschlagen von Feuchtigkeit zu verhindern. $0038.22 Erreicht man diese Absicht, so kann man bis zu einem gewissen Grade auch mit die $0038.23 Sicherung vor dem Eindringen der K^alte erzielen, wogegen eine warm haltende $0038.24 Mauer nicht immer gleichzeitig auch als eine trocken haltende konstruiert zu sein $0038.25 braucht, da hierf^ur besondere Schutzvorkehrungen an der Au^senseite angebracht $0038.26 werden k^onnen. Wir werden uns daher nur kurz mit den Vorkehrungen bei Hohl- $0038.27 mauern zu besch^aftigen haben, die ein Trockenhalten bezwecken, und zwar gegen $0038.28 Schlagregen, der bekanntlich besonders die sog. Wetterseiten der Geb^aude trifft. $0038.29 Die Schutzma^sregeln gegen Feuchtigkeiten aller Art werden in Kap. 12 besprochen $0038.30 werden, wo auch auf die Hohlmauern zur^uckzukommen sein wird.

$0038.31

__Vorbedingung f^ur das Trockenhalten ist die Wahl eines Ziegelmaterials f^ur $0038.32 den ^au^seren Teil der Mauer, welches selbst gen^ugend undurchdringlich ist. Es $0038.33 darf also nur wenig porenhaltig sein und mu^s eine angesinterte Oberfl^ache haben, $0038.34 was beides durch scharfen Brand erreicht wird. Ebenso mu^s aber auch der Fugen- $0038.35 m^ortel wasserdicht sein, weshalb sich f^ur diesen Zweck ein guter hydraulischer M^ortel $0038.36 empfiehlt. Da nun zweckentsprechende Materialien nicht immer in ausreichender $0038.37 G^ute zur Verf^ugung stehen, die Ausf^uhrung oft mangelhaft erfolgt und die Erfahrung $0038.38 gezeigt hat, da^s schwache Mauern von ganz gutem Material doch gegen einen $0038.39 kr^aftigen Schlagregen nicht gen^ugen, so mu^s weiter gefordert werden, da^s Feuch- $0038.40 tigkeit, welche durch den ^au^seren Teil der Mauer gedrungen ist, nicht auf die $0038.41 innere Wand ^ubergeleitet werde. Deshalb sollte die Luftschicht durch die ganze $0038.42 L^ange und H^ohe der Wand ununterbrochen durchgef^uhrt werden. Die R^ucksicht $0038.43 auf Standfestigkeit der Mauer erfordert nun aber wenigstens eine Verbindung beider<-P> $0 @@3@ ---------- $0038.44

__#H:55#G:) Ueber die Art des Mauerns selbst und die dabei zu beachtenden Regeln vergl. die 1. Auflage dieses Heftes (Art. 25, S. 38).

$0038.45

__#H:56#G:) Die Erschwerung des W^armedurchganges durch Hohlmauern aus Backsteinen ist ^ubrigens nicht sehr erheblich, wie $0038.46 in Teil III, Band 4 (Art. 62, S. 54 [2. Aufl.: Art. 112, S. 107]) dieses #.>Handbuches#.< nachgewiesen wird. -- Vergl. auch: $0038.47 Deutsche Bauz. 1897, S. 619.

$0038.48

__#H:57#G:) Es ist jedoch sehr fraglich, ob diese Absicht erreicht wird, da die Luft die Schallwellen sehr leicht fortleitet.

@@1@ $0039.01 <-P>H^alften durch eine Anzahl von Bindern oder Klammern. Diese d^urfen daher selbst $0039.02 nicht zu Feuchtigkeitsleitern werden; sie m^ussen also ebenfalls von dichtem Material $0039.03 sein oder besonders gesch^utzt werden. Sie sollten aber auch eine Form erhalten, $0039.04 die ein Ablagern des beim Mauern herabfallenden M^ortels unsch^adlich macht oder $0039.05 verhindert. Dieser herabgefallene M^ortel ist n^amlich h^aufig die nicht immer erkannte $0039.06 Ursache der Ueberleitung der Feuchtigkeit. Besondere Sorgfalt ist auf die Kon- $0039.07 struktion der Laibungen der Oeffnungen zu verwenden, da an diesen Stellen zumeist $0039.08 volle Mauerk^orper ohne Hohlr^aume gebildet werden m^ussen.

$0039.09

__Sehr verschieden sind die Ansichten ^uber die dem ^au^seren Mauerteile zu $0039.10 gebende Dicke. Vielfach wird verlangt, denselben immer mindestens 1 Stein stark $0039.11 zu machen, so da^s bei der vielfach verwendeten Gesamtmauerst^arke von {1{1/2}} Stein $0039.12 f^ur den inneren Teil nur {1/2} Stein ^ubrig bleibt. Dies ist f^ur W^ande, welche zugleich $0039.13 als Tragmauern von Balkenlagen zu dienen haben, zu wenig, namentlich wenn, wie $0039.14 dies aus angegebenen Gr^unden verlangt werden mu^s, der Hohlraum in der ganzen $0039.15 H^ohe der Frontmauern durchlaufen soll, also eine Anzahl von durchbindenden $0039.16 Schichten unter der Balkengleiche vermieden werden m^ussen. Andererseits wird $0039.17 angef^uhrt, da^s eine {1/2} Stein starke Wand gew^ohnlich sorgf^altiger gemauert werde, $0039.18 als eine 1 Stein starke, und daher ebenso viel Wert f^ur die Trockenhaltung besitze, $0039.19 als letztere. F^ur Hohlmauern, welche Geb^alke zu tragen haben, wird es sich daher $0039.20 empfehlen, den inneren Teil 1 Stein stark zu machen, wenn dadurch auch f^ur den $0039.21 ^au^seren Teil nur {1/2} Stein ^ubrig bleibt. Bei dickeren Mauern ist es aber zweifel- $0039.22 los richtiger, den ^au^seren Teil st^arker als {1/2} Stein zu halten; denn es ist zu be- $0039.23 achten, da^s diese geringere Dicke bei einer H^ohe von mehreren Stockwerken eben- $0039.24 falls zu Bedenken in Bezug auf Standsicherheit Veranlassung gibt und au^serdem $0039.25 der architektonischen Ausbildung der Fassaden Schwierigkeiten bereitet. Eine {1/2} Stein $0039.26 starke Mauer kann auch gegen Durchschlagen der N^asse ohne besondere Schutz- $0039.27 vorkehrungen keine Sicherheit bieten. Erw^ahnung finde hier noch der Einwand $0039.28 gegen st^arkere Au^senmauern, da^s diese mehr Feuchtigkeit in sich aufspeichern, als $0039.29 {1/2} Stein starke. Sicher ist aber auch, da^s eine gut ausgef^uhrte starke Mauer $0039.30 weniger Feuchtigkeit bis zur isolierenden Luftschicht dringen lassen wird, als eine $0039.31 schwache. F^ur nicht Balken tragende Mauern empfiehlt es sich daher, den inneren $0039.32 Teil nur {1/2} Stein stark zu machen, wo nicht konstruktive Bedenken dagegen vor- $0039.33 liegen. Damit ist der Vorteil verbunden, da^s die isolierende Luftschicht rasch $0039.34 durchw^armt wird und dadurch die Warmhaltung f^ordert.

$0039.35

__In der Regel wird der Hohlraum {1/4} Steinl^ange (6 bis 7#H:cm#G:) breit gehalten. $0039.36 Dieser Zwischenraum ist ungen^ugend, wenn der ^au^sere Wandteil Feuchtigkeit $0039.37 durchl^a^st. Die Luft in demselben wird bald mit Feuchtigkeit ges^attigt werden $0039.38 und diese der inneren Wandh^alfte mitteilen. Die eingeschlossene feuchte Luft wird $0039.39 au^serdem dumpfig, was sich ebenfalls in den umschlossenen R^aumen mit der Zeit $0039.40 bemerklich machen mu^s. Es ist daher angezeigt, die Hohlr^aume im allgemeinen $0039.41 breiter als {1/4} Steinl^ange (etwa {1/2} Stein) zu halten und dieselben durch geeignete $0039.42 Oeffnungen zu l^usten, was bei weiteren Zwischenr^aumen leichter zu bewerkstelligen $0039.43 ist, als bei engen. Durch diese L^uftung geht allerdings der Vorteil der Warm- $0039.44 haltung verloren, was aber gegen den Vorteil in gesundheitlicher Beziehung und $0039.45 in der gew^ahrten Sicherung der Dauerhaftigkeit der auf dem inneren Wandteil auf- $0039.46 lagernden Balken weniger besagen will. Auch ist zu beachten, da^s in Hohlr^aumen $0039.47 von einiger H^ohe abk^uhlende Luftstr^omungen entstehen werden, welche die be-<-P> @@1@ $0040.01 <-P>absichtigte schlechtere W^armeleitung ebenfalls beeintr^achtigen und die Bildung von $0040.02 sch^adlichem Schwitzwasser beg^unstigen.

$0040.03

__Die Meinungen ^uber den Wert der Hohlmauern gehen zur Zeit au^serordent- $0040.04 lich auseinander#H:58#G:). Wir verzichten daher hier auf eine Besprechung der verschieden- $0040.05 artigen Konstruktionen derselben#H:59#G:).

$0040.06 27.|Mauern|aus|Hohlsteinen.

__Ohne Schwierigkeiten lassen sich Mauern mit Hohlr^aumen mit Hilfe von Hohl- $0040.07 steinen#H:60#G:) herstellen.

$0040.08

__Dieselben werden in der Regel in der Gestalt und in den Ma^sen der gew^ohn- $0040.09 lichen Backsteine, bezw. Verblendsteine gebrannt, weshalb sie ohne alle Schwierig- $0040.10 keiten mit diesen in Verband gebracht werden k^onnen. Au^ser diesen sind in den $0040.11 verschiedenen L^andern, namentlich in England, aber auch in Deutschland, sehr ver- $0040.12 schiedenartige Formen der Hohlsteine in Anwendung gebracht worden, deren Be- $0040.13 sprechung aber hier zu weit f^uhren w^urde. Erw^ahnung verdient, da^s vielfach $0040.14 empfohlen wird, die Hohlsteine gr^o^ser als das Normalformat herzustellen, weil sie $0040.15 dann bei gleicher Tragf^ahigkeit in der Herstellung billiger w^urden. Weiter ist darauf $0040.16 aufmerksam zu machen, da^s Hohlsteine mit lotrechten Durchlochungen viel M^ortel $0040.17 schlucken und ein st^arkeres Setzen des Mauerwerkes veranlassen, weil sich der M^ortel $0040.18 in die H^ohlungen hineindr^uckt. Man soll diese Durchlochungen daher rund und $0040.19 h^ochstens {1{1/2}}#H:cm#G: im Durchmesser halten.

$0040.20

__Eingehender wird die gew^ohnliche Form der Hohlsteine in Art. 38 behandelt $0040.21 werden, weil sie mit der der Verblendsteine ^ubereinstimmt. Bemerkt mag hier nur $0040.22 sein, da^s man drei Sorten zur Herstellung regelrechter Verb^ande gebraucht: L^aufer, $0040.23 Binder und Ecksteine. Teilst^ucke lassen sich zwar durch Behauen herstellen; zweck- $0040.24 m^a^siger ist es aber immer, solche aus der Ziegelei mit zu beziehen. Infolge der $0040.25 H^ohlungen brennen die Hohlsteine gleichm^a^siger und sch^arfer durch als Vollsteine, die $0040.26 in derselben Hitze gebrannt werden, sind daher fester und auch weniger porig, als $0040.27 diese, nehmen also auch weniger Wasser auf; sie sind auch schlechtere W^armeleiter, als $0040.28 Vollsteine. Dagegen sind sie weniger fest, als ebenso scharf gebrannte Vollsteine, $0040.29 haben jedoch durchschnittlich die Druckfestigkeit mittelguter Backsteine. Da sie etwas $0040.30 teurer sind, als gew^ohnliche Hintermauerungssteine, so verwendet man sie in der $0040.31 Regel nur zur ^au^seren Verkleidung der Mauern, bei Mauern aus nat^urlichen Steinen $0040.32 wohl auch zur inneren Verblendung derselben. Ferner benutzt man sie zur Aus- $0040.33 f^uhrung von W^anden, die ein geringeres Gewicht haben sollen oder zu denjenigen $0040.34 Zwecken, welchen Hohlmauern dienen sollen. Der Erfolg ist jedoch, wie bei den $0040.35 letzteren, sehr fraglich, da die kleinen Hohlr^aume der Feuchtigkeit-, W^arme- und $0040.36 Schall^ubertragung kein wesentliches Hindernis bieten k^onnen und diese durch die $0040.37 Wandungen der Steine und die M^ortelfugen stattfinden wird#H:61#G:).

$0040.38 28.|Mauern|aus|porigen Steinen.

__An Stelle der Hohlsteine werden h^aufig die porigen Steine mit Vorteil an- $0040.39 gewendet#H:62#G:). Sie sind sehr leicht#H:63#G:), haben aber geringe Druckfestigkeit#H:64#G:) und<-P> $0 @@3@ ---------- $0040.40

__#H:58#G:) Vergl.: Centralbl. d. Bauverw. 1898, S. 98, 178, 261, 316, 359, 554, 630.

$0040.41

__#H:59#G:) Ausf^uhrlich wurden sie in der 1. Auflage dieses Heftes (S. 42--45) besprochen.

$0040.42

__#H:60#G:) Siehe ^uber dieselben Teil I, Band 1, erste H^alfte (Art. 18, S. 73 [2. Aufl.: Art. 37, S. 95]) dieses #.>Handbuches#.<.

$0040.43

__#H:61#G:) Vergl. hier^uber: Deutsche Bauz. 1897, S. 437.

$0040.44

__#H:62#G:) Siehe ^uber dieselben Teil I, Band 1, erste H^alfte (Art. 17, S. 73 [2. Aufl.: Art. 36, S. 93]) dieses #.>Hand- $0040.45 buches#.<.

$0040.46

__#H:63#G:) Die porigen Steine im deutschen Normalformat aus den Greppiner Werken, Aktiengesellschaft f^ur Baubedarf und $0040.47 Braunkohlen (vorm. #/+C. Aug. Stange#/-) wiegen 2,#T:27#H:kg#G:; die porigen Lochsteine von da, mit 2 L^angsl^ochern von 30#H:mm#G: Durch- $0040.48 messer, 1,#T:7#H:kg#G:.

$0040.49

__#H:64#G:) Nach #/+B^ohme#/- (Die Festigkeit der Baumaterialien. Berlin 1876. S. 32) betr^agt die Druckfestigkeit von porigen $0040.50 Steinen 52,#T:70#G: bis 110,#T:4#H:kg#G: f^ur 1#H:qcm#G:, bei 10-facher Sicherheit die zul^assige Beanspruchung von 8,#T:8#G: bis 7,#T:5#H:kg#G: f^ur 1#H:qcm#G:. Nach dem-<-P> @@1@ $0041.01 <-P>d^urfen den Einfl^ussen der Feuchtigkeit nicht ausgesetzt werden. Eine f^ur manche $0041.02 Zwecke sehr wertvolle Eigenschaft ist ihre gro^se Porosit^at#H:65#G:). Verm^oge derselben $0041.03 sind sie schlechte W^armeleiter und beg^unstigen wegen ihrer bedeutenden Luft- $0041.04 durchl^assigkeit au^serordentlich die f^ur die Gesundheit der Bewohner so wertvoll $0041.05 erachtete zuf^allige L^uftung der R^aume, wenn diese nicht auf k^unstlichem Wege be- $0041.06 schafft worden ist.

$0041.07

__Nach #/+Wolpert#/-#H:66#G:) ist eine belangreiche Luftverbesserung und Lufterneuerung verm^oge der Diffusion $0041.08 der Gase und des unmittelbaren Luftdurchganges durch die W^ande von folgenden Bedingungen abh^angig: $0041.09 nicht zu gro^se Dicke der Mauern, poriges Material, W^arme und Trockenheit der W^ande; gro^se W^arme- $0041.10 unterschiede und nicht zu gro^se Feuchtigkeit der zu wechselnden Luftmassen; heftige Luftstr^omungen, $0041.11 Winde; freie Lage gegen die Richtung des Windes. Da diese Bedingungen nicht immer gen^ugend, h^aufig $0041.12 gar nicht erf^ullt sind, so wird man die Luftdurchl^assigkeit der W^ande als Ursache der hinreichenden Luft- $0041.13 verbesserung im allgemeinen nicht betrachten d^urfen, wenigstens nicht bei der ^ublichen Bauweise. (Vergl. $0041.14 hier^uber auch Teil III, Band 4 [Abt. IV, Abschn. 4, B, Kap. 2, d, 1: Zuf^allige L^uftung] dieses #.>Hand- $0041.15 buches#.<.)

$0041.16

__Zweifellos ist es aber, da^s sich mit Hilfe der porigen Ziegel die erw^ahnten konstruktiven Be- $0041.17 dingungen erreichen lassen, wenigstens f^ur Wohnh^auser von geringer Stockwerkszahl, bei denen die Belastung $0041.18 der Steine im Erdgescho^s niemals die zul^assigen Grenzen ^ubersteigen wird. Die ausgedehntere Anwendung $0041.19 der porigen Steine w^urde demnach in gesundheitlicher Hinsicht als ein Fortschritt bezeichnet werden $0041.20 k^onnen, wenn man auch nicht an dieselben die ^ubertriebenen Hoffnungen von #/+Meiners#/-#H:67#G:) kn^upfen darf, $0041.21 da ein Einflu^s auf die nicht konstruktiven Bedingungen f^ur die Wirksamkeit der zul^assigen L^uftung durch $0041.22 die W^ande ausgeschlossen ist.

$0041.23

__Die durch Brennen des mit verbrennlichen Stoffen gemischten Thones erzeugten $0041.24 porigen Steine erleiden unter Einflu^s der Feuchtigkeit der Dauerhaftigkeit sch^ad- $0041.25 liche Zersetzungen; sie d^urfen daher auch nicht zur ^au^seren Verkleidung von Um- $0041.26 fassungsmauern benutzt werden, wenn man sie nicht gegen die Feuchtigkeit sch^utzt. $0041.27 Dies kann, ohne der Luftdurchl^assigkeit gro^sen Eintrag zu thun, durch einige der $0041.28 in Kap. 12 zu besprechenden Beh^ange geschehen. Kalkm^ortelputz ist hierzu nicht $0041.29 geeignet, weil er die Feuchtigkeit durchl^a^st. Ist die Anwendung eines solchen Be- $0041.30 hanges aus architektonischen R^ucksichten nicht zul^assig, so mu^s man eben einen $0041.31 dichten Stein zur Herstellung der ^au^seren Bekleidung verwenden.

$0041.32

__Die mit Hilfe von Infusorienerde hergestellten porigen Steine#H:68#G:) sind jedenfalls widerstandsf^ahig $0041.33 gegen Feuchtigkeit; sie k^onnen aber wegen der noch seltenen Ausnutzung der Infusorienerde nicht in $0041.34 Betracht kommen. Auch die Herstellung der oben besprochenen porigen Steine ist an die Orte gefesselt, $0041.35 wo die Beschassung der dem Thone zuzumischenden brennbaren Stosse nicht besondere Kosten verursacht.

$0041.36 @z b) Mauern aus ungebrannten k^unstlichen Steinen. $0041.37

__Au^ser den Backsteinen kommen vielerlei andere k^unstliche, nicht durch Brennen29.|Allgemeines. $0041.38 von Ziegelerde erzeugte k^unstliche Steine zur Anwendung, die hier insofern Ber^uck- $0041.39 sichtigung finden sollen, als sie in gleicher oder ^ahnlicher Gr^o^se, wie die der $0041.40 Backsteine, zur Herstellung von Mauern benutzt werden. Die Anfertigung solcher $0041.41 Steine ist teils eine seit uralten Zeiten bekannte, wie die der Lehmsteine und Lehm- $0041.42 patzen; teils ist sie aus dem Bestreben hervorgegangen, billigere Steine durch die<-P> $0 @@3@ ---------- $0041.43 <-P>selben (Zeitschr. f. Bauw. 1880, S. 556) betr^agt die mittlere Festigkeit von porigen Vollsteinen 184#H:kg#G:, von porigen Lochsteinen $0041.44 84#H:kg#G:. Ueber die Druckfestigkeit von Mauerwerksk^orpern aus porigen Steinen siehe den vorhergehenden Band (Art. 91, S. 75 $0041.45 |2. Aufl.: S. 77i) dieses #.>Handbuches#.<.

$0041.46

__#H:65#G:) Siehe hier^uber Teil 1, Band 1, erste H^alfte (Art. 28, S. 90 [2. Aufl.: Art. 21, S. 81]) dieses #.>Handbuches#.<.

$0041.47

__#H:66#G:) Theorie und Praxis der Ventilation und Heizung. Braunschweig 1880. S. 334.

$0041.48

__#H:67#G:) Siehe: #k+Meiners,#k- H. Das st^adtische Wohnhaus der Zukunft. Stuttgart 1879. S. 74 u. ff.

$0041.49

__#H:68#G:) Vergl.: #k+Heusinger v. Waldegg,#k- E. Die Ziegelfabrikation. 3. Aufl. Leipzig 1876. S. 238.

@@1@ $0042.01 <-P>Ersparnis des Brennens zu beschaffen, wie bei den Kalksandziegeln und den Kunst- $0042.02 sandsteinen. Teils sollen sie Ersatz bieten f^ur einen nicht vorhandenen, zum Brennen $0042.03 geeigneten Thon; teils will man andere billige, anders nicht ausreichend verwert- $0042.04 bare Rohstoffe ausnutzen; teils hat man die Absicht, sie mit besonderen Eigen- $0042.05 schaften, wie Leichtigkeit, geringe W^arme- und Schallleitungsf^ahigkeit, auszustatten, $0042.06 wie sie in so hohem Grade bei Backsteinen nicht erreichbar sind; teils ist auch nur $0042.07 Erfindungslust dabei im Spiele. Zumeist haben daher diese k^unstlichen Steine mehr $0042.08 nur ^ortliche Bedeutung; doch gestatten manche wegen ihres geringen Gewichtes $0042.09 auch weitere Versendung, wie die rheinischen Schwemmsteine und die Korksteine. $0042.10 Bei der gro^sen Zahl, die namentlich in den letzten Jahren durch Neuerfindungen $0042.11 vermehrt worden ist, k^onnen hier nur die bekanntesten oder durch besondere Eigen- $0042.12 schaften hervorragenden Ber^ucksichtigung finden und dies auch nur insoweit, als $0042.13 eine Erg^anzung des in Teil I, Band 1, erste H^alfte (S. 78 [2. Aufl.: S. 100]) Mit- $0042.14 geteilten w^unschenswert erscheint.

$0042.15 30.|Lehmsteine|oder Luftziegel.

__Die Lehmsteine oder Luftziegel sind wohl das ^alteste k^unstliche Baumaterial $0042.16 ^uberhaupt, haben aber heute in Kulturl^andern nur noch Bedeutung f^ur landwirt- $0042.17 schaftliche Bauten. Sie werden genau wie zu brennende Ziegel hergestellt, aber $0042.18 l^anger an der Luft getrocknet. Sie schwinden dabei um {1/20}. Sandigem Lehm soll $0042.19 man beim Einstampfen 4 bis 6 Prozent gel^oschten Kalk zusetzen, um den Steinen $0042.20 gr^o^sere Festigkeit und Wasserbest^andigkeit zu geben. Unvollkommen getrocknete $0042.21 Steine geben nasse und sich senkende W^ande. Nach #/+Engel#/-#H:69#G:) werden sie in zwei $0042.22 Gr^o^sen hergestellt: 30 ^* 14 ^* 8 bis 10#H:cm#G:, wobei sie 5 bis 7#H:kg#G: schwer sind, und $0042.23 26 ^* 12,5 ^* 8#H:cm#G:, wobei sie 4,0 bis 4,5#H:kg#G: wiegen. Sie leisten der N^asse keinen $0042.24 Widerstand und k^onnen daher nur im Inneren der Geb^aude Verwendung finden oder $0042.25 da im Aeu^seren, wo sie durch hohe Sockelmauern, weit ^uberh^angende D^acher und $0042.26 Putz^uberzug oder eine andere Verkleidung gesch^utzt sind. Gew^ohnlich wird ein $0042.27 Lehmputz auf ihnen angebracht. Der besser sch^utzende Kalkputz haftet nur, nach- $0042.28 dem ein sorgf^altiger Anstrich der W^ande mit hei^sem Teer vorausgegangen ist#H:70#G:) $0042.29 oder andere in Kap. 4 zu besprechende Anordnungen getroffen worden sind. Die $0042.30 Lehmsteine werden mit Lehmm^ortel vermauert, d^urfen aber dabei nicht angen^a^st $0042.31 werden. Verwendet man sie in Verband mit gebrannten Backsteinen, die dann die $0042.32 ^au^sere sch^utzende Bekleidung zu bilden haben, so m^ussen sie selbstredend in $0042.33 Form und Gr^o^se der letzteren angefertigt werden. Da Verblendung und Kern $0042.34 derartiger Mauern sich sehr verschieden setzen, sind sie sehr wenig empfehlenswert; $0042.35 jedenfalls sollte man sie nur einst^ockig ausf^uhren. Zweckm^a^sig ist es, die Mauern $0042.36 unter den Balkenlagen mit Schichten aus gebrannten Steinen in Kalkm^ortel abzu- $0042.37 schlie^sen#H:71#G:).

$0042.38 31.|Lehmpatzen.

__Aehnliche M^angel wie die Lehmsteine haben die sog. Lehmpatzen; sie erfordern $0042.39 deshalb auch dieselben Schutzma^sregeln gegen Feuchtigkeit. Sie werden aus mit $0042.40 Wasser erweichtem Lehm mit Zusatz von 10 bis 20 Prozent geeigneten Pflanzen- $0042.41 teilen hergestellt, wodurch das schnelle und gleichm^a^sige Trocknen beg^unstigt, $0042.42 jedoch die Festigkeit vermindert wird. An ihnen haftet der Putz besser, als an $0042.43 Luftsteinen; durch den Gehalt an Pflanzenteilen wird aber das Aufsaugen der<-P> $0 @@3@ ---------- $0042.44

__#H:69#G:) Siehe: #k+Engel,#k- F. Die Bauausf^uhrung. Berlin 1881. S. 70.

$0042.45

__#H:70#G:) Siehe: Der Bau landwirtschaftlicher Geb^aude mit ungebrannten und an der Luft getrockneten Lehmziegeln. Bau- $0042.46 gwksztg. 1885, S. 200.

$0042.47

__#H:71#G:) Ueber den Bau mit Lehmsteinen finden sich ausf^uhrliche Mitteilungen in #k+Haarmann#k-'s Zeitschr. f. Bauhdw. 1858, $0042.48 S. 33; 1866, S. 193.

@@1@ $0043.01 <-P>Feuchtigkeit bef^ordert. Nach #/+Engel#/-#H:72#G:) fertigt man sie in gro^sem und kleinem $0043.02 Format: 39 ^* 20 ^* 16#H:cm#G: mit 18,5#H:kg#G: Gewicht und 37 ^* 15 ^* 16#H:cm#G: mit 9,0 bis $0043.03 9,5#H:kg#G: Gewicht an.

$0043.04

__Ebenfalls haupts^achlich f^ur landwirtschaftliche Bauten bestimmt, jedoch bei weitem32.|Kalksandziegel. $0043.05 wertvoller, als Lehmsteine und Lehmpatzen, sind die Kalksandziegel (vergl. Teil I, $0043.06 Bd. 1, erste H^alfte [Art. 64, S. 125; 2. Aufl.: Art. 97, S. 141] dieses #.>Handbuches#.<). $0043.07 Sie sind billig, dauerhaft und leicht anzufertigen. Gew^ohnlich werden sie am Ort des $0043.08 Baues hergestellt und sollen 40 bis 50 Prozent Ersparnis gegen gebrannte Backsteine $0043.09 ergeben#H:73#G:). Man kann sie zu allen Arten von Mauern verwenden, nur nicht zu Feuer- $0043.10 mauern, weil sie der Gl^uhhitze nicht widerstehen. Vorspringende, stark durchfeuchtete $0043.11 Mauerteile zerfrieren; dagegen sollen die ebenen Mauerfl^achen durch den Frost nicht $0043.12 besch^adigt werden k^onnen. Empfohlen wird jedoch, sie der Erdfeuchtigkeit durch $0043.13 Bruchsteinsockel zu entziehen. Sie lassen sich nicht gut zuhauen, weshalb man die $0043.14 erforderlichen Teilsteine besonders formen mu^s. Nach #/+B^ohme#/- betr^agt die zul^assige $0043.15 Belastung von Kalksandziegeln (28#H:cm#G: lang, 13#H:cm#G: breit, 8#H:cm#G: stark aus 8 Teilen Sand $0043.16 und 1 Teil Kalk) #/+Bernhardi#/-'s in Eilenburg, durch welchen dieselben namentlich $0043.17 eingef^uhrt und verbreitet worden sind, 4,2#H:kg#G: f^ur 1#H:qcm#G: bei 10-facher Sicherheit; sie $0043.18 sind indessen spr^ode und vertragen daher nicht Schlag und Sto^s#H:74#G:). Eine Ersparnis $0043.19 wird beim Bau mit Kalksandziegeln au^ser durch die billige Herstellung noch da- $0043.20 durch m^oglich, da^s sie keines Putz^uberzuges bed^urfen. Auch im Inneren kann man $0043.21 gen^ugend glatte Wandfl^achen durch einfaches Verreiben der Fugen und Kalkanstrich $0043.22 erzielen.

$0043.23

__Verwandt mit den Kalksandziegeln sind die au^serordentlich zahlreichen #.>Kunst-33.|Kunststeine. $0043.24 steine#.<, die unter den verschiedensten Namen gehen, in der Hauptsache aber aus $0043.25 Sand oder Steinbrocken oder wohl auch Stra^senstaub unter Zusatz von hydraulischem $0043.26 Kalk, Gips oder irgend einem Cement und oft noch anderen Zumengungen, wie $0043.27 Wasserglas, Harzen u. s. w. hergestellt werden. Sie haben bei #/+B^ohme#/-'s Unter- $0043.28 suchungen#H:75#G:) zum Teile betr^achtliche Festigkeitszahlen ergeben. Mitteilungen ^uber $0043.29 derartige Steine finden sich u. a. in den unten angegebenen Quellen#H:76#G:).

$0043.30

__Sehr viel Anerkennung haben sich die aus gek^ornter (granulierter) Hochofen-34.|Schlackensteine. $0043.31 schlacke und gel^oschtem Kalk in gro^sen Mengen gewonnenen Schlackensteine $0043.32 erworben. Sie werden im Normalformat hergestellt, haben einen feinen, lichtgrauen $0043.33 Farbton, sind wetterbest^andig und verbinden sich mit dem Kalkm^ortel, wenn diesem $0043.34 Schlackensand beigemengt wird, zu einer monolithen Masse, deren Festigkeit mit $0043.35 der Zeit zunimmt. Das Mauerwerk aus Schlackensteinen trocknet rasch aus, h^alt $0043.36 warm und trocken, wobei vorausgesetzt wird, da^s die Steine vor der Anwendung $0043.37 6 Monate Zeit zum Austrocknen gehabt haben. Die zul^assige Belastung der Steine<-P> $0 @@3@ ---------- $0043.38

__#H:72#G:) A. a. O. -- Vergl. auch Teil I, Bd. 1, erste H^alfte (Art. 16, S. 72 [2. Aufl.: Art. 35, S. 93]) dieses #.>Hand- $0043.39 buches#.<.

$0043.40

__#H:73#G:) Siehe: #k+Heusinger v. Waldegg,#k- E. Die Kalk- und Cementfabrikation. 3. Aufl. Leipzig 1875. S. 195.

$0043.41

__#H:74#G:) Siehe: #k+B^ohme.#k- Die Festigkeit der Baumaterialien. Berlin 1876. S. 12.

$0043.42

__#H:75#G:) Siehe a. a. O., S. 28--32; -- ferner: Mittheilungen aus den kgl. technischen Versuchsanstalten zu Berlin 1891, $0043.43 S. 151--239; 1894, S. 236--293.

$0043.44

__#H:76#G:) #k+Gottgetreu,#k- R. Physische und chemische Beschaffenheit der Baumaterialien. 3. Aufl. Berlin 1880. Bd. I, S. 399 u. ff. $0043.45 -- #k+Romberg's#k- Zeitschr. f. prakt. Bauk. 1879, S. 211. -- Baugwksztg. 1880, S. 374; 1881, S. 626. -- Wochbl. f. Arch. u. Ing. $0043.46 1880, S. 215. -- Deutsche Bauz. 1881, S. 199; 1884, S. 60. -- Thonind.-Ztg. 1892, Nr. 48. -- #k+Heusinger v. Waldegg,#k- E. $0043.47 Die Kalk- und Cementfabrikation. 3. Aufl. Leipzig 1875. S. 210 u. ff. -- Eine sehr gro^se Zahl von k^unstlichen Steinen sind $0043.48 besprochen in: #k+Feichtinger,#k- G. Die chemische Technologie der M^ortelmaterialien. Braunschweig 1885. S. 416 u. ff. -- $0043.49 Ueber Kunststeine aus Beton siehe: Zeitschr. f. Bauk. 1881, S. 544. -- Ueber k^unstliche Sandsteine der Sandsteingie^serei $0043.50 #.>Ischyrota#.< siehe: Deutsches Baugwksbl. 1887, S. 476. -- Baugwksztg. 1887, S. 1014. -- Ueber Kunststein aus Kalksteinabf^allen $0043.51 siehe: Baumaterialienkunde, Jahrg. 1, S. 10.

@@1@ $0044.01 <-P>betr^agt nach #/+B^ohme#/-#H:77#G:) bei 10-facher Sicherheit 4,5 bis 9,0#H:kg#G: f^ur 1#H:qcm#G:. Sonach $0044.02 sind die Schlackensteine ebenso verwendungsf^ahig wie die Backsteine, zeichnen sich $0044.03 jedoch vor den gew^ohnlichen Backsteinen durch sehr gro^se Luftdurchl^assigkeit aus. $0044.04 Sie z^ahlen nach #/+Lang#/-#H:78#G:) zu den porigsten Baustoffen und m^ussen daher wegen ihrer $0044.05 sonstigen guten Eigenschaften den porigen Backsteinen weit vorgezogen werden#H:79#G:). Auch $0044.06 gr^o^sere Baust^ucke und Gesimse werden aus granulierter Hochofenschlacke hergestellt. $0044.07 Durch Abwaschen mit verd^unnter Schwefels^aure l^a^st sich die Farbe etwas ver^andern.

$0044.08 35.|Bimssandsteine.

__Noch poriger, wie die Schlackensteine, aber von weit geringerem Gewichte, $0044.09 dabei allerdings auch von geringerer Druckfestigkeit sind die Bimssandsteine, auch $0044.10 rheinische Schwemmsteine oder Tuffsteine genannt. (Vergl. Teil I, Bd. 1, erste H^alfte $0044.11 [Art. 81, S. 135; 2. Aufl.: Art. 101, S. 142] dieses #.>Handbuches#.<.) Sie sind beson- $0044.12 ders f^ur das Ausf^uhren von leichten W^anden im Inneren der Geb^aude geeignet; doch $0044.13 werden sie vielfach auch zur Herstellung von Au^senmauern benutzt, obgleich ihre $0044.14 Wetterbest^andigkeit anzuzweifeln ist. Bew^ahrt haben sie sich in besonders geformten $0044.15 St^ucken bei Errichtung von russischen Schornsteinr^ohren.

$0044.16

__Nach einem dem preu^sischen Ministerium f^ur Handel, Gewerbe und ^offentliche $0044.17 Arbeiten von #/+Neumann, Schnitzler#/- und #/+Zweck#/- erstatteten kommissarischen Gutachten $0044.18 vom 5. Mai 1879 war zu dieser Zeit ein endg^ultiges Urteil ^uber die Brauchbarkeit $0044.19 der Bimssandsteinerzeugnisse noch nicht abzugeben, da Erfahrungen und Versuche $0044.20 ^uber die Steine noch nicht gen^ugend vorlagen; doch wurde erkl^art, da^s sie ein $0044.21 h^ochst beachtens- und sch^atzenswertes Baumaterial bilden, wenn auf ihre Herstellung $0044.22 ausreichende Sorgfalt verwendet wird.

$0044.23

__Da^s letzteres notwendig ist, beweisen Erfahrungen, die mit wahrscheinlich $0044.24 mangelhaft angefertigten Steinen nach unten genannter Quelle#H:80#G:) gemacht worden $0044.25 sind. Nach derselben zersetzten sich auf Bimssandsteinw^anden, auch auf verputzten $0044.26 Fl^achen, die Anstrichfarben, namentlich an solchen Stellen, an denen sich die am $0044.27 meisten verwitterten und lockeren Steine befanden. Als Abhilfemittel werden Tr^anken $0044.28 der Steine und Fugen mit hei^sem Teer, nachheriger Bewurf mit scharfem Kiessand $0044.29 und Verputz nach vollst^andigem Abtrocknen des Teers empfohlen. Die Steine sollen $0044.30 dadurch auch in Au^senw^anden dauerhafter werden. Zu beachten ist aber, da^s $0044.31 dadurch ein Vorteil derselben, die Luftdurchl^assigkeit, verloren geht.

$0044.32 36.|Korksteine.

__Die leichtesten bis jetzt bekannten Bausteine sind die von #/+Gr^unzweig {et} Hartmann#/- $0044.33 in Ludwigshafen am Rhein hergestellten Korksteine#H:81#G:). Dieselben bestehen in der Haupt- $0044.34 sache aus durch Kalk verbundenem, zerkleinertem Korkholz und erhalten die Gr^o^se der $0044.35 deutschen Normalbacksteine oder die Form von Platten von 4#H:cm#G: Dicke, 30#H:cm#G: L^ange und $0044.36 25#H:cm#G: Breite, werden jedoch auch in anderen Gr^o^sen und Formen hergestellt. Ein Stein $0044.37 im Normalziegelformat wiegt etwa 500#H:g#G:; das Einheitsgewicht ist durchschnittlich 0,3.

$0044.38

__Neben dem geringen Gewichte ist die wertvollste Eigenschaft die geringe $0044.39 W^armeleitungsf^ahigkeit. Diese soll geringer, als die aller anderen, zu ^ahnlichen $0044.40 Zwecken verwendbaren Baustoffe sein#H:82#G:).

$0 @@3@ ---------- $0044.41

__#H:77#G:) Siehe: #k+B^ohme.#k- Die Festigkeit der Baumaterialien. Berlin 1876. S. 13, 28, 29.

$0044.42

__#H:78#G:) Siehe: #k+Lang,#k- C. Ueber nat^urliche Ventilation und die Porosit^at der Baumaterialien. Stuttgart 1877. S. 83.

$0044.43

__#H:79#G:) Nach der Baugwksztg. 1885, S. 275 sollen mit der steigenden Nachfrage die Schlackensteine leider schlechter her- $0044.44 gestellt worden sein, so da^s sie z. B. in der Gegend von Osnabr^uck nicht mehr gekauft wurden und deshalb dort nicht mehr $0044.45 angefertigt werden.

$0044.46

__#H:80#G:) #k+Romberg#k-'s Zeitschr. f. prakt. Bauk. 1877, S. 138.

$0044.47

__#H:81#G:) D. R.-P. Nr. 13_107.

$0044.48

__#H:82#G:) Vergl. die Mitteilungen ^uber die bez^uglichen Versuche #/+Gr^unzweig#/-'s in: Gesundh.-Ing. 1886, S. 506, 538 -- sowie $0044.49 in: Deutsche Bauz. 1885, S. 330.

@@1@ $0045.01

__Sie rei^sen und verziehen sich nicht in der W^arme und sollen bis zu 180 Grad C. $0045.02 Hitze vertragen, auch nicht feuergef^ahrlich sein, da sie wohl durch Feuer zerst^ort $0045.03 werden, dasselbe aber nicht weiter leiten.

$0045.04

__Sie sind der F^aulnis nicht unterworfen, sind aber gegen N^asse zu sch^utzen. $0045.05 Durch einen guten Putz^uberzug sollen sie jedoch gegen die Einwirkungen der $0045.06 Witterung gen^ugend gesch^utzt sein. Um sie gegen N^asse widerstandsf^ahiger zu $0045.07 machen, tr^ankt man sie mit Teer oder ^uberzieht sie mit einer Pechschicht.

$0045.08

__Ihre Druckfestigkeit betr^agt im Mittel 2,8#H:kg#G: f^ur 1#H:qcm#G: #H:83#G:).

$0045.09

__Die Steine lassen sich mit dem scharfen Maurerhammer behauen; man kann sie $0045.10 beschneiden und zers^agen, mit N^ageln und Schrauben befestigen. Sie werden mit $0045.11 Kalkm^ortel, dem Gips zugesetzt ist, oder auch in Gipsm^ortel vermauert. F^ur feuchte $0045.12 Lage, wie beim Eiskellerbau, bei dem die besonders hergerichteten Korksteine sehr $0045.13 vielfach Verwendung finden, benutzt man als Bindemittel Pech oder Cement.

$0045.14

__Nach den geschilderten Eigenschaften sind die Korksteine insbesondere zur Her- $0045.15 stellung leichter W^ande und zur Bildung schlecht w^armeleitender Umfassungen, welche $0045.16 keinen erheblichen Dr^ucken oder Witterungseinfl^ussen unterworfen sind, brauchbar.

$0045.17 @z c) Backsteinrohbau. $0045.18

__Will man die Au^senfl^achen von Geb^auden in Backsteinrohbau herstellen, so37.|Allgemeines. $0045.19 m^ussen die dazu zu verwendenden Steine vor allem witterungsbest^andig sein. Hierzu $0045.20 ist nicht nur eine gewisse Dichtigkeit der Stirnfl^achen erforderlich; sondern die $0045.21 Steine d^urfen auch keine Gemengteile enthalten, welche unter dem Einflusse der $0045.22 Feuchtigkeit eine Zerst^orung herbeif^uhren. Dasselbe gilt auch vom M^ortel, welcher $0045.23 sonst ganz geeigneten Steinen sch^adliche Stoffe zuf^uhren kann; hiervon wird weiter $0045.24 in Art. 55 die Rede sein. Bei der Kleinheit der Steine w^urde durch ungleich- $0045.25 m^a^sige F^arbung derselben eine sehr unruhige Wirkung der Wandfl^achen sich ergeben. $0045.26 Auch w^unscht man f^ur einen Rohbau einen sch^onen, klaren Farbton der Steine und $0045.27 eine gewisse Gl^atte der Stirnfl^achen, damit derselbe f^ur die Dauer erhalten bleibe $0045.28 und nicht durch sich festsetzenden Staub und Flechten gesch^adigt werde. Weiter $0045.29 mu^s man zur Erzielung eines guten Aussehens scharfe, unbesch^adigte Kanten, genau $0045.30 gleiche Gr^o^se und ebene Stirnen der Steine verlangen. Alle diese Eigenschaften $0045.31 vereinigt findet man bei den gew^ohnlichen Backsteinen nicht, auch wenn man die $0045.32 besten sorgf^altig aussucht. Fr^uher hat man sich wohl hiermit begn^ugt und vor allem $0045.33 auf die Dauerhaftigkeit gesehen. Heute stellt man aber in der Regel h^ohere An- $0045.34 spr^uche an den Baustoff und ist hierdurch dazu gekommen, f^ur die Herstellung der $0045.35 Wandfl^achen besonders gute Steine, die sog. #s+Verblender,#s- anzufertigen. Diese sind $0045.36 nun sehr schwierig ganz vollkommen herzustellen; sie sind daher entsprechend teurer $0045.37 als gew^ohnliche Steine, und es ist deshalb nicht zu verwundern, da^s man ^ofters $0045.38 auch mi^slungene Verblendungen findet. Wegen der Schwierigkeit, die Verblender $0045.39 ganz gleichm^a^sig gut herzustellen, kommen durch Aussuchen geschaffene verschiedene $0045.40 Sorten derselben in den Handel, und dadurch ist die M^oglichkeit geboten, je nach $0045.41 den zur Verf^ugung stehenden Mitteln mehr oder weniger gute Verblendungen her- $0045.42 zustellen. Auch bei den besten Blendsteinen sind kleine Schwankungen in der Farbe<-P> $0 @@3@ ---------- $0045.43

__#H:83#G:) Nach: Centralbl. d. Bauverw. 1884, S. 239. -- Nur 1,#T:6#G: bis 1,#T:9#H:kg#G: Druckfestigkeit besitzen die Korksteine nach $0045.44 der Rigaschen Ind.-Ztg. 1882, wo sie ^uberhaupt nicht g^unstig beurteilt werden.

@@1@ $0046.01 <-P>nicht zu vermeiden; deshalb mag hier die Bemerkung Platz finden, da^s Ruhe in $0046.02 die auch durch die vielen Fugen zerrissenen Fl^achen nur durch Einf^uhrung eines $0046.03 regelm^a^sigen Verbandmusters und gleichm^a^sige Fugendicke gebracht werden kann. $0046.04 Dagegen ist durch absichtlich verschiedene F^arbung der Steine mehr als mit nat^ur- $0046.05 lichen Steinen die M^oglichkeit zur polychromen Ausstattung der Architektur vor- $0046.06 handen. Mit den Verblendsteinen werden zwar zumeist nur ebene Wandfl^achen her- $0046.07 gestellt; doch lassen sich mit denselben leicht reichere und kr^aftigere Wirkungen $0046.08 durch vor- und r^uckspringende Schichten oder Umrahmungen von vertieft liegenden $0046.09 Wandfeldern oder dergl. Anordnungen erzielen.

$0046.10

__Einen vollst^andigen Backsteinrohbau erh^alt man erst, wenn nicht blo^s die $0046.11 Wandfl^achen, sondern auch die Strukturteile, wie Gesimse, Umrahmungen von Oeff- $0046.12 nungen u. s. w. aus gebranntem Thon hergestellt werden. Dies geschieht mit Hilfe $0046.13 besonders geformter Steine, der #s+Formsteine,#s- die in ihrer Gr^o^se nicht wesentlich $0046.14 von den Verblendsteinen abweichen, oder mit Hilfe h^aufig gr^o^serer, dann meist $0046.15 hohl gebrannter und oft mit vorspringenden Verzierungen versehener St^ucke, der $0046.16 #s+Terracotten.#s- Diese Teile der Backsteinrohbauten werden in den betreffenden $0046.17 Kapiteln behandelt werden, w^ahrend hier haupts^achlich von den eigentlichen Ver- $0046.18 blendungen und den zum konstruktiven Abschlu^s von Wandteilen und gewissen $0046.19 besonderen W^anden notwendigen Formst^ucken die Rede sein soll.

$0046.20 38.|Form|und Gr^o^se der|Verblendsteine.

__Die Verblendsteine werden mit der Hand als #s+Klopf-#s- oder #s+Pre^ssteine#s- (mit $0046.21 Maschinen nachgepre^st) und als die noch besseren #s+Oel-#s- oder #s+Schneidesteine#s- $0046.22 hergestellt. Diese Handschlagsteine sind jetzt meist durch die mit Maschinen ange- $0046.23 fertigten verdr^angt worden. Auch diese stellte man fr^uher als #s+Vollsteine#s- her, ist $0046.24 jetzt aber fast durchweg zur Anfertigung der Verblendsteine als #s+Hohlsteine#s- ^uber- $0046.25 gegangen, was als ein Fortschritt bezeichnet werden kann, weil diese einen besser $0046.26 ausgew^ahlten und besser zubereiteten Rohstoff, au^serdem auch eine Vermehrung $0046.27 des Wasserzusatzes beim Formen erfordern. Durch letzteres erzielt man wieder die $0046.28 dichte und gleichm^a^sige Masse, welche die na^s zubereiteten Handschlagsteine hatten, $0046.29 welche aber die trockener zubereiteten Maschinenvollsteine oft nicht besitzen und $0046.30 sich bei diesen auch nicht durch Nachpressen herbeif^uhren l^a^st. Bei den Hohlsteinen $0046.31 ergibt sich schon durch das engere Mundst^uck der Pressen eine dichtere und gleich- $0046.32 m^a^sigere Beschaffenheit des Scherbens, sowie infolge der H^ohlungen ein besseres $0046.33 und gleichm^a^sigeres Durchbrennen derselben#H:84#G:). Selbstredend k^onnen ebenso gute $0046.34 Maschinenvollsteine hergestellt werden, und solche sind auch f^ur st^arkere Druck- $0046.35 beanspruchungen unentbehrlich.

$0046.36

__F^ur die Verblender sind wie f^ur die Formsteine Vorschriften aufgestellt worden, $0046.37 welche in Teil I, Band 1, erste H^alfte (Art. 19, S. 74 [2. Aufl.: Art. 38, S. 95]) $0046.38 dieses #.>Handbuches#.< Mitteilung fanden. Nach diesen sollten die ganzen Steine $0046.39 ({4/4}-Steine) 252 ^* 122 ^* 69#H:mm#G: messen, unter Annahme einer gleichm^a^sigen Fugen- $0046.40 dicke von 8#H:mm#G: in der Verblendung und einer Lagerfugendicke von 12#H:mm#G: in der $0046.41 Hintermauerung. Die zul^assigen Abweichungen von diesen Ma^sen sollen bei feinen $0046.42 Verblendern 1#H:mm#G: nicht ^ubersteigen. Diese geringe Abweichung scheint sich f^ur $0046.43 gr^o^sere Lieferungen als nicht durchf^uhrbar erwiesen zu haben.

$0046.44

__Die Teilst^ucke m^ussen f^ur Verblendungen besonders und in den {4/4}-Steinen $0046.45 entsprechenden Ma^sen geformt werden. Die Wandungen der Hohlverblender sollen $0046.46 mindestens 20#H:mm#G: stark sein.

$0 @@3@ ---------- $0046.47

__#H:84#G:) Siehe: Deutsche Bauz. 1881, S. 259.

@@1@ $0047.01 Fig. 65.#(IMAGE){1/10} w. Gr. $0047.02

__In Fig. 65 sind L^aufer und Binder in den ^ublichen Ma^sen dargestellt. Die $0047.03 L^ocher laufen wagrecht und parallel der Mauerflucht. Fig. 66 zeigt die lotrecht $0047.04 durchlochten Normalecksteine; bei ihnen sollte die Weite der L^ocher 15#H:mm#G: nicht $0047.05 ^ubersteigen (vergl. Art. 27, S. 40). Man hat ^ubrigens auch Langlochecksteine mit $0047.06 5 geschlossenen Seiten hergestellt. Fig. 67 zeigt einen f^ur Herstellung von Roll- $0047.07 schichten bestimmten {1/2}-Stein. Die Vollsteine werden in denselben Ma^sen angefertigt.

$0047.08 Fig. 66.#(IMAGE){1/10} w. Gr.Fig. 67.#(IMAGE) $0047.09

__Bei den auf den Berliner Markt gelangenden Verblendsteinen lassen sich 3 Sorten unterscheiden. $0047.10 Die feineren Sorten kommen fast ausschlie^slich in den kleineren St^ucken ({1/4}- und {1/2}-Steine), die mittel- $0047.11 guten meist in {4/4}-Steinen und die geringeren nur in {4/4}-Steinen in den Handel#H:85#G:).

$0047.12

__Sehr feine Verblendsteine werden zuweilen auch als {1/8}- und {3/8}-Steine angefertigt.

$0047.13

__So sind bei Stra^senunterf^uhrungen und im Inneren von Bahnh^ofen und Haltestellen der Berliner $0047.14 Stadtbahn in gro^ser Menge wei^se Verblendsteine in den in Fig. 68 dargestellten Gr^o^sen mit einer Fugen- $0047.15 dicke von 5#H:mm#G: zur Verwendung gekommen. Sie haben ein sehr sauberes Ansehen, bestehen aus einer $0047.16 Fig. 68.#(IMAGE)Fig. 69.#(IMAGE){1/10} w. Gr.Fig. 70.#(IMAGE) $0047.17 durchweg porzellanartig versinterten Masse, lassen sich daher leicht abwaschen und versprechen gro^se Dauer- $0047.18 haftigkeit. Zum Teile waren sie nur 20, bezw. 70#H:mm#G: breit. Sie wurden an Stelle der sonst zu ^ahnlichen $0047.19 Zwecken ^ublichen glasierten Fliesen verwendet, sind diesen aber wegen des Verbandes mit dem Mauerwerk $0047.20 jedenfalls vorzuziehen. 1#H:qm#G: kostete, einschl. Cementm^ortel, 26,72 Mark; bei Verwendung von ausschlie^slich $0047.21 Steinen I. Qualit^at w^urde 1#H:qm#G: 35 Mark gekostet haben#H:86#G:).

$0047.22

__#/+Villeroy {et} Boch#/- in Mettlach stellen glasierte Verblender dieser Art, auch Eck- und Gesimst^ucke $0047.23 in den Ma^sen: 120 ^* 70 ^* 20 bis 120 ^* 70 ^* 60#H:mm#G: her.

$0047.24

__Es ist nicht zu verkennen, da^s die Notwendigkeit, f^ur die Verblendungen die $0047.25 verschiedenen Teilst^ucke anfertigen zu m^ussen, die Herstellung gleicher Ma^se und $0047.26 Farben erschwert, bezw. verteuert. Oft ist dies auch die Ursache von st^orenden $0047.27 Ungenauigkeiten und Ungleichm^a^sigkeiten im Mauerwerk; auch wird dadurch eine<-P> $0 @@3@ ---------- $0047.28

__#H:85#G:) Nach: Deutsches Baugwksbl. 1884, S. 264.

$0047.29

__#H:86#G:) Nach: Centralbl. d. Bauverw. 1883, S. 169.

@@1@ $0048.01 <-P>der Zahl nach genau ^uberlegte Bestellung der einzelnen Sorten, bezw. eines gr^o^seren $0048.02 Ueberschusses ^uber den Bedarf hinaus bedingt, um f^ur alle F^alle gedeckt zu sein, $0048.03 da ein Verhauen der gr^o^seren Steinst^ucke in kleinere mit Schwierigkeiten und $0048.04 Stoffverschwendung verbunden ist.

$0048.05

__Es ist daher ein gl^ucklicher Gedanke der #.>Helmstedter Thonwerke (#/+R^uhne {et} Cie.#/- in Helmstedt)#.<, $0048.06 Steine anzufertigen, welche dem Maurer ein bequemes Teilen durch Zerschlagen und deshalb die Bestellung $0048.07 nur ganz weniger Sorten gestatten sollen. Diese beschr^anken sich auf {2/4}-Steine f^ur die Fl^achen und $0048.08 {3/4}-Steine f^ur die Bildung der Ecken.

$0048.09

__Zu diesem Zwecke sind die {2/4}-Steine mit einem Spaltschlitz zwischen den beiden Hohlr^aumen und $0048.10 mit einer entsprechenden Nut auf einer Breitseite versehen (Fig. 69), wodurch die Trennung in zwei $0048.11 brauchbare {1/4}-Steine mittels eines Schlages mit dem Maurerhammer erm^oglicht ist.

$0048.12

__Dieselbe Ziegelei stellt auch nach dem gleichen Gedanken {3/4}-Steine her, die sich in ein {1/2}-Stein- $0048.13 st^uck und ein {1/4}-Steinst^uck teilen lassen (Fig. 70) und die sie #.>Universalsteine#.< nennt, weil man mit $0048.14 dieser einen Sorte f^ur Verblendungen auskommen soll. Dieselben haben aber den Nachteil, da^s sie senk- $0048.15 recht zu den Lagerfl^achen durchlocht sind, was sonst nur bei den Ecksteinen notwendig und mit ver- $0048.16 mehrtem M^ortelaufwande verbunden ist. (Vergl. hier^uber Art. 27, S. 40.)

$0048.17

__Erfahrungen ^uber die Bew^ahrung der Helmstedter Steine sind noch nicht gen^ugend bekannt geworden, $0048.18 namentlich was den f^ur Bruch infolge des Zerschlagens zu machenden Ansatz betrifft. Dieser kann selbst- $0048.19 redend den an sich nicht billigen Preis der Steine stark beeinflussen.

$0048.20

__Die wagrecht gelochten Verblender versieht man auf den Lagerfl^achen mit $0048.21 Riefen, um bei den engen Fugen dem M^ortel mehr Raum zu schaffen (siehe Fig. 65). $0048.22 Oft werden zu demselben Zwecke wirkliche Vertiefungen angeordnet (Fig. 71).

$0048.23

__Bei der Anfertigung der Steine l^auft der aus dem Thonschneider austretende $0048.24 Thonstrang auf Rollen, durch welche die unteren Kanten der Verblendfl^achen leicht $0048.25 besch^adigt werden. Zur Vermeidung dieses Uebelstandes wird mitunter der als Lauf- $0048.26 seite dienenden Lagerfl^ache eine kleine Erh^ohung gegeben (Fig. 72), durch welche $0048.27 die Kanten gesch^utzt werden sollen#H:87#G:).

$0048.28 Fig. 71.#(IMAGE)Fig. 72.#(IMAGE){1/10} w. Gr.Fig. 73.#(IMAGE) $0048.29

__Die Langlochverblender erhalten gew^ohnlich zwei Verblendfl^achen, werden $0048.30 aber nur nach einer ausgesucht. Daraus ergeben sich beim Vermauern leicht Ver- $0048.31 wechselungen. Dem ist in den Ziegeleien ohne M^uhe durch Bezeichnen oder Un- $0048.32 tauglichmachen der nicht ausgesuchten Verblendfl^ache abzuhelfen, wie dies auch in $0048.33 neuerer Zeit geschieht#H:87#G:).

$0048.34

__Erw^ahnung mag hier noch der Vorschlag #/+v. Hagen#/-'s finden, wonach die Kanten $0048.35 der Verblendsteine eine Abfasung von 1#H:cm#G: erhalten sollen, um sie zu sch^utzen und $0048.36 dauerhaft zu machen (Fig. 73).

$0048.37

__Der Erfinder verspricht sich von diesen Steinen gegen^uber den gew^ohnlichen eine kr^aftigere und $0048.38 reichere Wirkung. Es fragt sich, ob diese nicht wegen des kleinen Ziegelformates kleinlich und unruhig $0048.39 ausf^allt.

$0048.40

__Eine beachtenswerte Neuerung in der Form bieten hakenf^ormig gestaltete Ver- $0048.41 blender#H:88#G:), bei denen der vordere lotrechte, nur 3#H:cm#G: starke Teil die doppelte oder<-P> $0 @@3@ ---------- $0048.42

__#H:87#G:) Siehe: #k+Eckhart,#k- A. Die Technik des Verblendsteins. Halle 1884. Teil II, S. 5.

$0048.43

__#H:88#G:) Sog. Quaderverblender der Gewerkschaft Grube #.>Theresia#.< in Herm^ulheim bei K^oln a. Rh. D. R.-P. Nr. 77_373. $0048.44 (Vergl.: Deutsche Bauz. 1895, S. 169.)

@@1@ $0049.01 Fig. 74.#(IMAGE) $0049.02 <-P>mehrfache Schichtenh^ohe hat und der hintere Teil in die Mauer ein- $0049.03 bindet (Fig. 74), wodurch der Stein in seiner Lage gesichert wird, wegen $0049.04 der Herabsetzung der Zahl der sichtbaren Lagerfugen. Sie sind verwandt $0049.05 mit den in Art. 8 (S. 14) besprochenen #/+Taylor#/-'schen Verblendplatten $0049.06 aus nat^urlichem Stein.

$0049.07

__Die konstruktiv vollkommenste Verblendung wird man erzielen,39.|Verband|zwischen Ver-|blendung und|Hintermauerung. $0049.08 wenn man die als beste erkannten Backsteinverb^ande (siehe den vorher- $0049.09 gehenden Band dieses #.>Handbuches#.<, Abt. I, Abschn. 1, Kap. 2) mit Verblendsteinen $0049.10 in den Mauerh^auptern zur Ausf^uhrung bringt. Dazu sind aber {4/4}-L^aufer und $0049.11 {4/4}-Binder erforderlich, was nach dem vorhergehenden Artikel nicht nur sehr teuer, $0049.12 sondern auch in Steinen I. Sorte bei den dermaligen Verh^altnissen des Handels mit $0049.13 Verblendsteinen nicht einmal ohne besondere Bestellung durchf^uhrbar w^are.

$0049.14 Fig. 75.#(IMAGE)Fig. 76.#(IMAGE){1/25} w. Gr.Fig. 77.#(IMAGE) $0049.15

__Fig. 75 zeigt eine auf diese Weise im Kreuzverband ausgef^uhrte {1{1/2}} Stein starke Mauer.

$0049.16

__Man verzichtet daher in der Regel auf diese Art der Ausf^uhrung und ver- $0049.17 wendet entweder die {4/4}-Steine der L^aufer abwechselnd mit Schichten aus {1/4}-Steinen $0049.18 oder, wie es das Gebr^auchlichste ist, abwechselnde Schichten aus {1/2}-Steinen und $0049.19 {1/4}-Steinen im Binderverband (Fig. 76). Will man einen regelrechten Verband fest $0049.20 halten, so ergibt sich bei Verwendung von {1/4}-Steinen als K^opfen die Notwendigkeit, $0049.21 entweder hinter denselben zu Dreiquartieren verhauene ganze Steine oder geformte $0049.22 {3/4}-Steine zu benutzen. Das letztere ist jedenfalls das zweckm^a^sigere, erfordert $0049.23 aber, wie dies auch f^ur manche andere F^alle w^unschenswert erscheint, das Vor- $0049.24 r^atighalten solcher Hintermauerungssteine in den Ziegeleien. Diese sind der Fuge $0049.25 wegen nur 17#H:cm#G: lang zu machen. Sehr verwerflich w^urde die Anwendung von $0049.26 ganzen L^aufern hinter den {1/4}-Steinen sein, weil diese den Maurern zur Ausf^ullung $0049.27 des verbleibenden {1/4}-Stein breiten Zwischenraumes mit Ziegelabfall Veranlassung $0049.28 geben w^urde.

$0049.29

__Ein regelrechter Verband, und zwar der Binderverband im Aeu^seren, wird $0049.30 m^oglich, wenn man zur Verblendung abwechselnd die Schichten aus {1/4}- und {3/4}-Ver- $0049.31 blendsteinen (Fig. 77) herstellt. Diese Art der Verblendung ist aber teuerer, als $0049.32 die vorhergehend beschriebene; sie n^otigt auch zur Abweichung von den ^ublichen, $0049.33 nach Abstufungen von {1/2}-Steinl^angen bemessenen Mauerst^arken, wodurch eine Ver- $0049.34 mehrung oder eine Verringerung der als notwendig erkannten Mauerdicke um $0049.35 {1/4} Stein herbeigef^uhrt werden w^urde. In vielen F^allen wird das letztere aller- $0049.36 dings zul^assig erscheinen k^onnen.

$0049.37

__Ganz zu verwerfen ist die aus Ersparnisr^ucksichten mitunter beliebte Aus- $0049.38 f^uhrung der Verblendung vorwiegend aus {1/4}-Verblendsteinen, so da^s eine gr^o^sere<-P> @@1@ $0050.01 <-P>Anzahl von Verblendschichten ohne allen Verband mit der Hintermauerung bleibt. $0050.02 Dagegen ist die aus ^ubergro^ser Aengstlichkeit mitunter zur Anwendung kommende $0050.03 Verblendung aus {1/4}-, {1/2}- und {3/4}-Verblendern $0050.04 (Fig. 78) ebenfalls nicht empfehlenswert wegen $0050.05 Fig. 78.#(IMAGE) $0050.06 der unn^otigen Verteuerung und Erschwerung des $0050.07 Mauerns#H:89#G:).

$0050.08

__Nach #/+Lange#/-#H:90#G:) werden in den Vereinigten Staaten von $0050.09 Nordamerika die Backsteinh^auser mit meist vortrefflich geformten $0050.10 und gebrannten Ziegeln und Terracotten verblendet, und zwar $0050.11 nur mit L^aufern von {1/2} Stein St^arke, welche in jeder f^unften $0050.12 oder sechsten Schicht in die in regelm^a^sigem Verbande aus- $0050.13 gef^uhrte Hintermauerung eingebunden werden, eine Ausf^uhrungs- $0050.14 weise, die oben als verwerflich bezeichnet werden mu^ste. Sie $0050.15 wird dadurch wenig verbessert, da^s zur Befestigung der Schale $0050.16 Bandeisenst^ucke, Blechabschnitte u. s. w. eingebunden werden. $0050.17 Mit dem meist roten oder schwarzen M^ortel, in den die Verblendsteine verlegt werden, wird gleich beim $0050.18 Mauern ausgefugt; dann wird die Fuge glatt geb^ugelt oder in eine Form geschnitten. Nach der Voll- $0050.19 endung w^ascht man die Mauerfl^ache mit Scheidewasser ab und bringt sogleich einen zweimaligen Oel- $0050.20 anstrich darauf, dem, wenn die Ziegel nicht sehr gleichm^a^sig sind, ein Farbenzusatz gegeben wird.

$0050.21 40.|Ausf^uhrung|der|Verblendung.

__Die Ausf^uhrung der Verblendungen erfolgt nach zweierlei Verfahrungsarten, $0050.22 entweder gleichzeitig mit der Hintermauerung oder nachtr^aglich nach der Vollendung $0050.23 der letzteren. Die erstere ist unstreitig die konstruktiv bessere und billigere. Mit $0050.24 der zweiten lassen sich zwar bei gro^ser Vorsicht auch gute Erfolge erzielen, wie die $0050.25 von #/+Schinkel#/- erbaute Bauakademie in Berlin beweist; aber sie erfordert bedeutend $0050.26 mehr Zeit- und Geldaufwand, abgesehen von anderen Nachteilen, die bei ungen^ugen- $0050.27 der Vorsicht eintreten k^onnen. Zum nachtr^aglichen Einbinden der Verblendsteine $0050.28 mu^s die Kernmauer mit einer ^au^seren Verzahnung ausgef^uhrt werden. Die Anlage $0050.29 der rohen Mauer mu^s daher schon sehr genau, und zwar mit R^ucksicht auf die Ver- $0050.30 blendung, erfolgen, wenn die Binder der letzteren in die Zahnl^ucken passen sollen. $0050.31 Dies ist bei der ungenauen Form der Hintermauerungssteine und dem Mangel eines $0050.32 Anhaltes, wie ihn eine ebene Mauerflucht bietet, schwierig. Das Ergebnis besteht $0050.33 daher h^aufig darin, da^s die vorspringenden Schichten abgehauen werden m^ussen, $0050.34 wodurch der Verband zwischen Verblendung und Mauerkern verloren geht. Dazu $0050.35 kommt, da^s auch die Verbindung durch den M^ortel leicht eine mangelhafte wird, $0050.36 da selbst bei unausgesetzter Aufsicht eine vollst^andige F^ullung der Zwischenfugen $0050.37 schwer zu erreichen ist. Wird nun schon durch das zweimalige genaue Ausmessen $0050.38 und Anlegen s^amtlicher Mauerteile die Arbeit bei doch zweifelhafter G^ute verteuert, $0050.39 so ergibt sich der Hauptmehraufwand noch dadurch, da^s die Verblendung nicht $0050.40 als tragender Mauerteil betrachtet werden kann, sondern als Zuschu^s zu der kon- $0050.41 struktiv erforderlichen Mauerdicke hinzugef^ugt werden mu^s.

$0050.42

__Die Notwendigkeit der nachtr^aglichen Verblendung ergab sich in der Anfangs- $0050.43 zeit des neuerlichen Aufbl^uhens des Ziegelgewerbes aus dem Umstande, da^s die $0050.44 erforderlichen Blendsteinmengen nicht rechtzeitig beschafft werden konnten. F^uhrt $0050.45 doch auch die aufh^altliche Bearbeitung der nat^urlichen Steine mitunter zu ^ahnlichem $0050.46 Verfahren im Hausteinbau. Bei dem heutigen Stande der Ziegelerzeugung und nach $0050.47 der Einf^uhrung gewisser allgemeiner Vorschriften f^ur Gr^o^se und Form der Steine $0050.48 s^allt jedoch dieser Grund zumeist fort.

$0 @@3@ ---------- $0050.49

__#H:89#G:) Hier, wie mehrfach im vorhergehenden, wurde das in der Fu^snote 87 genannte Werk benutzt.

$0050.50

__#H:90#G:) Siehe: Centralbl. d. Bauverw. 1884, S. 358. -- Ueber eine andere Art der Ausf^uhrung von Backsteinmauern in $0050.51 Amerika siehe: #/+Building#/- Bd. 7, S. 6.

@@1@ $0051.01

__Auch ein anderer Hauptgrund f^ur die Anwendung der nachtr^aglichen Ver- $0051.02 blendung, die M^oglichkeit, recht saubere Backsteinrohbauten mit derselben zu er- $0051.03 zielen, kann nach Einf^uhrung eines vervollkommneten Mauerverfahrens nicht mehr $0051.04 als stichhaltig bezeichnet werden.

$0051.05

__Bei der fr^uher allgemein ^ublichen Art der gleichzeitigen Ausf^uhrung von Ver- $0051.06 blendung und Hintermauerung war allerdings mannigfach Gelegenheit zur Be- $0051.07 schmutzung und Besch^adigung der Verblendsteine geboten. Die Fugen wurden, und $0051.08 dies ist ja in konstruktiver Beziehung sehr zweckm^a^sig, voll gemauert, dann die- $0051.09 selben wieder auf eine gewisse Tiefe ausgekratzt, ausgewaschen und endlich wieder $0051.10 mit farbigem M^ortel ausgef^ullt.

$0051.11

__Bei dem Vollmauern der Fugen werden durch das Vorquellen und nachherige $0051.12 Abstreichen des M^ortels die Mauerstirnen beschmutzt; durch das Auskratzen der $0051.13 Fugen werden leicht die Steinkanten besch^adigt und durch das Einstreichen des $0051.14 farbigen Fugenm^ortels neue Beschmutzungen herbeigef^uhrt.

$0051.15

__Die Unsauberkeiten der Mauerfl^achen beseitigt man zwar durch Abwaschen mit $0051.16 verd^unnter Salzs^aure, was aber f^ur die Bewahrung der Dauerhaftigkeit und des guten $0051.17 Aussehens der Ziegel h^aufig recht bedenklich ist; die Besch^adigungen der Steinkanten $0051.18 sind nicht wieder wegzubringen. Auch setzt sich in die gew^ohnlich an den Kanten $0051.19 vorhandenen feinen Haarrisse der M^ortel so fest, da^s das Waschen dort nichts hilft.

$0051.20

__Diesen Unannehmlichkeiten entgeht man zum Teile durch das Mauern mit $0051.21 nicht vollen Fugen, was aber andere Nachteile mit sich f^uhrt, die im n^achsten $0051.22 Artikel besprochen werden sollen. Die Sauberkeit der Ausf^uhrung, welche durch $0051.23 die nachtr^agliche Verblendung beg^unstigt wird, l^a^st sich auch durch die Anwendung $0051.24 des von #/+v. Fisenne#/-#H:91#G:) beschriebenen Verfahrens, die Verblendung gleichzeitig mit $0051.25 der Hintermauerung auszuf^uhren, erzielen.

$0051.26

__Bei einer guten Verblendung sollen nicht nur die Fugen gleich dick und wag- $0051.27 recht werden; sondern sie sollen auch richtig verteilt sein. Darauf mu^s nun aller- $0051.28 dings schon im Entwurf und bei der Bearbeitung der Bauzeichnungen R^ucksicht $0051.29 genommen werden, insbesondere, wenn die Schichten mit Hausteinteilen in Verband $0051.30 zu treten haben. Aber auch da, wo dies nicht der Fall ist, m^ussen dieselben f^ur $0051.31 gewisse H^ohenabschnitte, welche durch die gegebene Lage von Oeffnungen oder Ge- $0051.32 simsen bestimmt sind, ganz ausgehen; gehauene Schichten d^urfen nicht vorkommen. $0051.33 Ebenso ist die Verteilung der Fugen in wagrechter Richtung durch die Entfernungen $0051.34 von Oeffnungen, Lisenen oder Vorlagen u. s. w. bedingt#H:92#G:).

$0051.35

__Die Ausf^uhrung einer nachtr^aglichen Verblendung darf erst unternommen werden, $0051.36 nachdem sich die Hintermauerung vollst^andig gesetzt hat. Zur Verblendung mu^s $0051.37 dann ein wenig schwindender M^ortel Anwendung finden; denn schon geringe $0051.38 Setzungen derselben w^urden eine Abtrennung herbeif^uhren#H:93#G:).

$0051.39

__Um bei nachtr^aglichen Verblendungen recht scharfe Fugen zu erzielen, ver- $0051.40 wendet man in M^unchen schlank sich verj^ungende Steine (geschnittene Verblend- $0051.41 steine) (Fig. 80), welche sich nur in den schmalen rechtwinkeligen Kanten ber^uhren $0051.42 (Fig. 79). Mitteilungen ^uber solche Ausf^uhrungen finden sich in den unten ange- $0051.43 gebenen Quellen#H:94#G:).

$0 @@3@ ---------- $0051.44

__#H:91#G:) Ueber dasselbe siehe die 1. Auslage dieses Heftes (Art. 40, S. 56) -- serner: Wochbl. f. Arch. u. Ing. 1879, S. 69.

$0051.45

__#H:92#G:) Hierauf bez^ugliche Ma^sregeln wurden in der 1. Auflage dieses Heftes (Art. 40, S. 57) besprochen.

$0051.46

__#H:93#G:) Ueber die Herstellung einer nachtr^aglichen Verblendung an der Jerusalemer Kirche in Berlin als Ersatz f^ur den $0051.47 fr^uheren Verputz und die Kosten dieser Ausf^uhrung siehe: Deutsche Bauz. 1879, S. 114.

$0051.48

__#H:94#G:) Allg. Bauz. 1850, S. 12. -- #k+Haarmann#k-'s Zeitschr. f. Bauhdw. 1862, S. 15.

@@1@ $0052.01

__Um die Gefahr des Absprengens der scharfen Kanten in den unteren Schichten $0052.02 hoher Mauern zu verringern, schlagen #/+Fleischinger#/- und #/+Becker#/-#H:95#G:) vor, die Steine $0052.03 in {1/2} bis 1 Zoll breiten Fl^achen $0052.04 sich ber^uhren zu lassen (Fig. 81 $0052.05 Fig. 79.#(IMAGE){1/25} w. Gr.Fig. 80.#(IMAGE){1/10} w. Gr.Fig. 81.#(IMAGE){1/25} w. Gr.Fig. 82.#(IMAGE){1/10} w. Gr. $0052.06 u. 82). Nimmt man eine solche $0052.07 Abstumpfung auch bei den sich $0052.08 verj^ungenden Backsteinen an, so $0052.09 m^ochten diese fester erscheinen.

$0052.10

__In Oberitalien und in der $0052.11 italienischen Schweiz verwendet $0052.12 man zu den Verblendungen die $0052.13 gew^ohnlichen Steine, schleift die $0052.14 Stirnfl^achen derselben auf einer $0052.15 Sandsteinfl^ache mit. Wasser ab, $0052.16 erweitert die Fugen nach ein- $0052.17 w^arts mit scharfem Hammer, $0052.18 schleift auch die Kanten und ver- $0052.19 mauert die so vorbereiteten Steine gleichzeitig mit der Hintermauerung. Alte auf diese $0052.20 Weise hergestellte Bauwerke sollen die Vortrefflichkeit dieses Verfahrens beweisen#H:96#G:). $0052.21 F^ur unser Klima und f^ur das meiste Backsteinmaterial ist dasselbe jedenfalls nicht ge- $0052.22 eignet, da durch das Abschleifen die dichte Brandhaut der Steine entfernt, die Poren ge- $0052.23 ^offnet und Quarzk^orner u. dergl. im Thone enthaltene Unreinigkeiten blo^sgelegt werden.

$0052.24

__Die eben angef^uhrten Mittel zur Erzielung sehr scharfer Fugen sind nur zu $0052.25 ausnahmsweiser Anwendung zu empfehlen; denn mit der Unterdr^uckung der sicht- $0052.26 baren M^ortelfugen gibt man einen sehr wichtigen Bestandteil des Backsteinbaues auf.

$0052.27

__Aussehen und Best^andigkeit eines Backsteinrohbaues sind wesentlich von der $0052.28 41.|Ausfugen.Fugenbehandlung abh^angig. Regelm^a^sigkeit, Sauberkeit und Dauerhaftigkeit der $0052.29 Fugen sind Hauptbedingungen. Regelm^a^sigkeit und Sauberkeit h^angen von der $0052.30 G^ute der Steine und von der Sorgfalt des Maurers ab, die Dauerhaftigkeit au^ser- $0052.31 dem von der Beschaffenheit des M^ortels und der Art der Ausf^uhrung.

$0052.32

__Bei der gro^sen Zahl von Fugen eines Backsteinmauerwerkes k^onnen auch $0052.33 Form und Farbe derselben von gro^sem Einflu^s auf die Erscheinung sein.

$0052.34

__Die haltbarste Art des Fugens ist jedenfalls die, bei welcher die Fugen gleich $0052.35 beim Mauern fertig gemacht werden, da dann der M^ortel durch die ganze Aus- $0052.36 dehnung der Fugenfl^achen in innigem Zusammenhange bleibt. Dabei kann man die $0052.37 Fugen als #s+Vollfugen#s- oder als #s+Hohlfugen#s- behandeln, die letzteren am besten $0052.38 nach dem erw^ahnten #/+Fisenne#/-'{?A}schen Verfahren.

$0052.39

__Die Vortrefflichkeit des vollen Fugens hat sich an den mittelalterlichen Bauten $0052.40 erwiesen. Dabei werden die Steine ganz voll in M^ortel gesetzt; der ^uberquellende $0052.41 Teil wird mit der Kelle abgeschnitten und mit dieser die Fuge gegl^attet, $0052.42 und etwaige L^ucken werden gleich ausgef^ullt. Auch kann man die Fuge $0052.43 Fig. 83.#(IMAGE){1/2} w. Gr. $0052.44 dabei leicht mit der Kelle nach dem in Fig. 83 dargestellten Profil zu- $0052.45 schneiden. Allerdings ist es bei diesem Verfahren schwierig, das Mauer- $0052.46 werk sauber zu erhalten, weshalb man dasselbe sehr h^aufig durch das<-P> $0 @@3@ ---------- $0052.47

__#H:95#G:) In: Der Backstein-Rohbau in seinem ganzen Umfange. Berlin 1862. S. 16.

$0052.48

__#H:96#G:) Siehe: Wochschr. d. ^ost. Ing.- u. Arch.-Ver. 1882, S. 304. -- Ueber das ^ahnliche Verfahren in England siehe: $0052.49 Centralbl. d. Bauverw. 1898, S. 581, 593, 605, 622.

@@1@ $0053.01 <-P>nachtr^agliche Ausfugen ersetzt. Unbedingt empfehlenswert ist aber die Anwendung $0053.02 desselben, wenn zum Mauern hydraulischer M^ortel verwendet wird, wenn auf Dauer- $0053.03 haftigkeit besonderer Wert zu legen ist und wenn das Mauerwerk mit Erde verf^ullt $0053.04 wird, wie bei den Grundmauern.

$0053.05

__Die Hohlfugen oder zur^uckgelegten Fugen geben dem Mauerwerk ein genaueres $0053.06 und saubereres Aussehen, als die Vollfugen; doch d^urfen sie nicht zu tief zur^uck- $0053.07 gelegt werden, weil sie zur Ansammlung von Feuchtigkeit Gelegenheit bieten. Das $0053.08 beim #/+Fisenne#/-'schen. Verfahren sich ergebende Tiefenma^s von ca. 7#H:mm#G: sollte nicht $0053.09 ^uberschritten werden. Da aber auch hierbei Wasser auf den oberen Lagerfl^achen $0053.10 der Steine stehen bleibt und gew^ohnlicher Kalkm^ortel porig bleibt und die Feuch- $0053.11 tigkeit aufsaugt, so sollte man letzterem, um ihn zu dichten, etwas Portlandcement $0053.12 zusetzen. Bei vollen Fugen ist dies nicht so n^otig, und die ver- $0053.13 Fig. 84.#(IMAGE){1/10} w. Gr. $0053.14 bleibende porige Beschaffenheit bietet dann den Vorteil, da^s das $0053.15 Mauerwerk rascher austrocknen kann und der M^ortel im Inneren $0053.16 desselben fr^uher fest wird.

$0053.17

__Besonders sch^adlich k^onnen die tiefen Fugen bei Verblend- $0053.18 steinen mit Vertiefungen auf den Lagerfl^achen (Fig. 84) werden. Das $0053.19 angesammelte Wasser zieht sich allm^ahlich auch in die Steine hinein $0053.20 und kann unter Umst^anden Ausschl^age oder Zerst^orung durch den $0053.21 Frost bewirken. Namentlich sind die Ecksteine, wenn diese auch $0053.22 keine vertieften Lager haben, gef^ahrdet, weil bei denselben die $0053.23 Lagerfl^achen infolge des Schnittes an der Maschine meist poriger sind als die anderen $0053.24 Steinfl^achen und bei ihnen das Wasser sich in die lotrechten Durchlochungen hinein- $0053.25 ziehen kann#H:97#G:).

$0053.26

__Wie schon erw^ahnt, wird sehr h^aufig das nachtr^agliche Ausfugen in Anwen- $0053.27 dung gebracht. Dies kann nach zwei Weisen zur Ausf^uhrung gelangen.

$0053.28

__Nach der gew^ohnlichen Art vollendet man zun^achst die Verblendung und $0053.29 beginnt dann von oben herab die Fugen auszukratzen, zu reinigen und mit M^ortel $0053.30 auszustreichen. Gleichzeitig wird dabei das Mauerwerk mit abgewaschen.

$0053.31

__Das Auskratzen der Fugen erfolgt auf 12 $0053.32 Fig. 85#H:98#G:).#(IMAGE)Fig. 86#H:98#G:).#(IMAGE) $0053.33 bis 18#H:mm#G: Tiefe entweder mit einer Fugenkelle $0053.34 (Fig. 85#H:98#G:) oder mit einem besonders zugerich- $0053.35 teten Fugholz (Fig. 86#H:98#G:), das nach vorn zu sich $0053.36 etwas verj^ungt. Die eiserne Fugenkelle gl^attet $0053.37 beim Auskratzen den Mauerm^ortel zu sehr, so $0053.38 da^s sich der sp^ater eingebrachte Fugenm^ortel mit $0053.39 dem ersteren nicht gut verbindet. Das Fugholz ist $0053.40 vorzuziehen, weil dieses die Fugen rauher erh^alt.

$0053.41

__Nach dem zweiten Verfahren wird das Auskratzen, Reinigen und Ausfugen $0053.42 nach Vollendung aller 4 bis 5 Schichten vorgenommen, also ehe der Mauerm^ortel $0053.43 erh^artet ist und so lange etwaige Schmutzflecken noch feucht sind und leicht ab- $0053.44 gewischt werden k^onnen.

$0053.45

__Die erstere Art f^ordert mehr, da die Maurer nicht zugleich zwei verschiedene $0053.46 Arbeiten vorzunehmen gen^otigt sind, und liefert saubereres Mauerwerk. Die zweite $0053.47 Weise hat den gro^sen Vorzug, da^s f^ur das Ausfugen keine neue R^ustung erforder-<-P> $0 @@3@ ---------- $0053.48

__#H:97#G:) Siehe: Deutsche Bauz. 1881, S. 267 -- sowie die 1. Auflage dieses Heftes (Art. 41, S. 60).

$0053.49

__#H:98#G:) Nach: #k+Fleischinger#k- & #k+Becker,#k- a. a. O., S. 13.

@@1@ $0054.01 <-P>lich ist und der Fugenm^ortel sich mit dem noch frischen Mauerm^ortel gut ver- $0054.02 bindet.

$0054.03

__Auf das letztere ist ein besonderer Wert zu legen; deshalb sollte auch bei dem $0054.04 ersten Verfahren wenigstens das Auskratzen der Fugen gleich nach dem Mauern $0054.05 vorgenommen werden; sp^ater wird es gar zu gern von den Maurern unterlassen $0054.06 oder nicht gen^ugend ausgef^uhrt. Durch das sp^atere Auskratzen oder Aufhauen der $0054.07 Fugen werden auch leicht die Steinkanten besch^adigt. Nicht gut ausgef^uhrte nach- $0054.08 tr^agliche Ausfugungen wittern sehr bald aus und bilden mit eine Ursache baldiger $0054.09 Zerst^orung des Mauerwerkes. Um der Dauerhaftigkeit versichert zu sein, sollte des- $0054.10 halb das Ausfugen nur zu einer Jahreszeit vorgenommen werden, wo Frost oder $0054.11 Hitze nicht zu erwarten steht.

$0054.12 42.|Form der|Fugen.

__Wie schon erw^ahnt, werden die Fugen als Voll- oder Hohlfugen hergestellt; $0054.13 diese k^onnen nun noch weiter #s+geschnittene#s- oder #s+vorgelegte#s- Fugen sein. In $0054.14 Fig. 87 #/+a#/- bis 87 #/+k#/- sind verschiedene gebr^auchliche Fugen- $0054.15 formen dargestellt, die entweder mit der in Fig. 85 $0054.16 Fig. 87.#(IMAGE) $0054.17 dargestellten Fugenkelle oder mit besonders gestalteten $0054.18 Fugeisen ausgef^uhrt werden.

$0054.19

__Die f^ur gew^ohnliche Rohbauten gebr^auchlichste Fugenform $0054.20 ist die nach Fig. 87 #/+a#/-; es ist dies eine Vollfuge, die sich eng an $0054.21 die Steinkanten anschlie^st und durch das Eindr^ucken mit der Fugen- $0054.22 kelle etwas ausgerundet ist. Fig. 87 #/+b#/- zeigt dieselbe Form, nur $0054.23 etwas zur^uckgelegt. Fig. 87 #/+c#/- stellt die ebene Hohlfuge dar; sie $0054.24 wird mit dem Fugeisen Fig. 88#H:99#G:) ausgef^uhrt und verleiht den Bau- $0054.25 werken ein sehr sauberes, genaues Aussehen. Die Formen in Fig. 87 #/+d#/- $0054.26 bis 87 #/+g#/- sind sog. vorgelegte Fugen mit Rundst^abchen, zu deren $0054.27 Herstellung man sich eines Fugeisens nach Art des in Fig. 89#H:99#G:) wiedergegebenen bedient. Das vor die $0054.28 Mauerflucht vorgelegte Rundst^abchen besitzt wenig Dauer. Fig. 87 #/+h#/- bis 87 #/+k#/- zeigen geschnittene Fugen, $0054.29 welche man mit der Sch^arfe der Kelle herstellt; unter $0054.30 diesen verdient jene nach Fig. 87 #/+k#/- den Vorzug, nicht allein $0054.31 Fig. 88#H:99#G:).#(IMAGE)Fig. 89#H:99#G:).#(IMAGE) $0054.32 des Aussehens wegen, sondern auch deshalb, weil bei ihr $0054.33 das Regenwasser mit den Lagerfl^achen der Steine gar nicht $0054.34 in Ber^uhrung kommt und rasch abgef^uhrt wird.

$0054.35 43.|Fugenm^ortel.

__Guter Luftkalkm^ortel, welcher unter g^un- $0054.36 stigen Umst^anden sich verfestigen konnte, hat $0054.37 sich zwar auch als Fugenm^ortel dauerhaft be- $0054.38 w^ahrt; immerhin bleibt er aber porig, was $0054.39 allerdings mitunter als vorteilhaft erachtet wer- $0054.40 den kann (vergl. Art. 41, S. 52), im allgemeinen $0054.41 aber wegen des Wasseraufsaugungsverm^ogens f^ur $0054.42 bedenklich angesehen wird. Frischer Kalkm^ortel wird vom Regen durch Aussp^ulen $0054.43 seines Kalkgehaltes beraubt und verliert infolgedessen alle Festigkeit. Man zieht $0054.44 deshalb einen hydraulischen oder durch Cementzusatz hydraulisch gemachten M^ortel $0054.45 (Cementkalkm^ortel) oder Cement zum Ausfugen meist vor. Der Sand des M^ortels $0054.46 mu^s gleichm^a^sig feink^ornig und rein sein.

$0054.47

__Damit der nachtr^aglich eingebrachte Fugenm^ortel mit dem in der Mauer ent- $0054.48 haltenen gut binde, m^ussen die Fugen vorher von allem Staube durch Ausb^ursten $0054.49 und Ausschwemmen gereinigt werden. Der hydraulische M^ortel ist auch noch $0054.50 nach dem Einstreichen einige Zeit feucht zu halten, besonders der Cement. Dieser<-P> $0 @@3@ ---------- $0054.51

__#H:99#G:) Nach: #k+Fleischinger#k- & #k+Becker#k-, a. a. O.

@@1@ $0055.01 <-P>wird mit der Fugenkelle oder dem Fugeisen so lange bearbeitet, bis er Glanz $0055.02 bekommt.

$0055.03

__Nicht unwichtig ist f^ur die Erscheinung eines Backsteinrohbaues die Farbe des44.|Farbe|des|Fugenm^ortels. $0055.04 Fugenm^ortels. Fr^uher (und noch jetzt in manchen Gegenden, so in Holland) lie^s $0055.05 man dem Kalkm^ortel seine wei^se Farbe, was namentlich bei dunkelroten Steinen $0055.06 das d^ustere Aussehen der betreffenden Geb^aude mildert. In Deutschland hat man $0055.07 sich jetzt sehr an gef^arbten M^ortel gew^ohnt. Es ist aber nicht leicht, diese F^arbung $0055.08 richtig zu treffen, und da die Ziegel selbst so verschiedenfarbig vorkommen, so $0055.09 m^ussen dementsprechend auch die Fugenm^ortel gef^arbt werden.

$0055.10

__Als allgemein giltige Regel ist nur die aufzustellen: Der Farbton der Fuge $0055.11 mu^s zu dem des Steines stimmen. Etwa lie^sen sich als Erfahrungsergebnisse noch $0055.12 anf^uhren, da^s ein Fugenm^ortel, welcher mit dem Backstein gleiche Farbe hat, nicht $0055.13 g^unstig wirkt, und da^s dunkle Steine hell, helle Steine dunkel gefugt werden sollten.

$0055.14

__Zur Feststellung des Farbtones und dessen St^arke dient am zweckm^a^sigsten $0055.15 eine Probeausf^uhrung, aber nicht in zu geringer Ausdehnung, da namentlich die $0055.16 Tonst^arke in kleinen Fl^achen nicht gut beurteilt werden kann.

$0055.17

__Ueber Erfahrungen mit verschiedenen Farbt^onen findet man einige Mitteilungen $0055.18 in unten angegebener Quelle#H:100#G:).

$0055.19

__Die Farbstoffe m^ussen so gew^ahlt werden, da^s sie nicht sch^adigend auf die $0055.20 Bindekraft des M^ortels einwirken k^onnen.

$0055.21

__Gleichzeitig mit dem nachtr^aglichen Ausfugen wird das Mauerwerk von allen45.|Reinigung|des|Backstein-|Mauerwerkes. $0055.22 Verunreinigungen ges^aubert. Ist die Verfugung mit dem Mauerwerk zu derselben $0055.23 Zeit hergestellt worden, so erfolgt die Reinigung erst nach g^anzlicher Vollendung $0055.24 der Schauseiten. In der Regel benutzt man dazu verd^unnte Salzs^aure, weil fest $0055.25 gewordene Kalkflecken mit Wasser allein nicht zu beseitigen sind. In Art. 40 (S. 50) $0055.26 wurde schon darauf hingewiesen, da^s dies bedenklich werden kann, weil die Salz- $0055.27 s^aure manche Steine angreift. Man sollte daher mindestens f^ur vollst^andiges Ab- $0055.28 waschen der S^aure sorgen, das Abs^auren auf die dringendsten F^alle einschr^anken $0055.29 und mit dem Abwaschen mit scharfen B^ursten und Reisbesen auszukommen suchen.

$0055.30

__Sehr verwerflich ist das mitunter beliebte Abschleifen der Fassaden mit Ziegel- $0055.31 st^ucken, weil dadurch die f^ur die Dauerhaftigkeit der Steine so wichtige Oberhaut $0055.32 derselben zerst^ort wird (vergl. Art. 40, S. 52).

$0055.33

__Unter Terracotten versteht man im Bauwesen aus gebranntem Thon hergestellte,46.|Schmuck|durch|Terracotten. $0055.34 oft plastisch verzierte Architekturteile, Zierst^ucke oder fig^urlichen Schmuck. Ueber $0055.35 dieselben vergl. Teil I, Band 1, erste H^alfte (Art. 47, S. 109 [2. Aufl.: Art. 57, $0055.36 S. 120]) dieses #.>Handbuches#.<#H:101#G:).

$0055.37

__Dieselben werden, ihrer haupts^achlichsten Verwendung entsprechend, im n^achst- $0055.38 folgenden Hefte (unter D, bei Besprechung der Gesimse aus k^unstlichem Steinmaterial) $0055.39 eingehendere Behandlung erfahren; doch ist schon hier ihrer Verwendung zum $0055.40 Schm^ucken von Wandfl^achen Erw^ahnung zu thun. Dieses kann entweder im Be- $0055.41 kleiden geeigneter Wandfelder oder im Einsetzen einzelner Reliefplatten oder Medaillons $0055.42 an passenden Stellen bestehen, oder im Einf^ugen von verzierten Friesen. Ent- $0055.43 sprechen dieselben in ihrer H^ohe derjenigen von 1 oder 2 Backsteinschichten, so $0055.44 kann man sie, wenn man eine sp^atere Besch^adigung nicht zu f^urchten hat, gleich<-P> $0 @@3@ ---------- $0055.45

__#H:100#G:) #k+Fleischinger#k- & #k+Becker,#k- a. a. O., S. 14.

$0055.46

__#H:101#G:) Ueber die neuere Terracottabauweise in England finden sich Mitteilungen von #/+Muthesius#/- in: Centralbl. d. Bau- $0055.47 verw. 1898, S. 277.

@@1@ $0056.01 <-P>bei der Ausf^uhrung der Mauern mit versetzen. Sind sie jedoch, wie wohl die Regel, $0056.02 h^oher, so thut man stets besser, sie erst nach vollendetem Setzen des Mauerwerkes $0056.03 einzuf^ugen.

$0056.04

__An dem nicht sowohl als architektonisches Kunstwerk, sondern auch durch seine musterhafte Aus- $0056.05 f^uhrung der Verblendung mit verschiedenartigen Materialien hoch bedeutenden neuen Kunstgewerbemuseum $0056.06 zu Berlin sind Terracottafriese beiderlei Art zur Verwendung gekommen. Auf je 8 Backsteinschichten $0056.07 folgen 2 Schichten hohe Reliefstreifen, und unter den Fenstersohlbanksimsen ziehen sich breite ornamentale $0056.08 Friese herum#H:102#G:). Die letzteren sind in einer dem daneben befindlichen Sandstein t^auschend ^ahnlichen $0056.09 Farbe und Fl^achenbehandlung ausgef^uhrt.

$0056.10

__Wenn bei derartigen Reliefverzierungen die Lage der Fugen nicht durch eine $0056.11 etwaige architektonische Teilung gegeben ist, so sind dieselben m^oglichst in die $0056.12 Schatten des Ornamentes, den Umrissen desselben folgend, zu legen, Nicht blo^s $0056.13 f^ur das Formen, sondern auch aus F^ursorge f^ur die Dauerhaftigkeit ist es notwendig, $0056.14 bei den Reliefs Unterschneidungen zu vermeiden.

$0056.15

__In neuerer Zeit sind mehrfach gelungene Versuche zur Wiederaufnahme des $0056.16 schon im Mittelalter ge^ubten Verfahrens gemacht worden, Ornamente, die nur einmal $0056.17 Verwendung finden sollen, unmittelbar in den zu brennenden Thon einzuschneiden $0056.18 oder aus demselben nach Art der Steinhauerarbeiten herauszumei^seln#H:103#G:).

$0056.19 47.|Schmuck|durch Farbe.

__Der Backsteinbau zeichnet sich vor dem Bau mit nat^urlichen Steinen dadurch $0056.20 aus, da^s bei ihm leichter und mit verh^altnism^a^sig wenig Kosten die Farbe in $0056.21 entschiedener Weise zur Dekoration hinzugezogen werden kann. Hausteine und $0056.22 Bruchsteine werden zwar auch in verschiedenen Farben nebeneinander verwendet, $0056.23 um die Architektur zu beleben; die Farben sind aber milder und gebrochener, daher $0056.24 auch die Gegens^atze weniger entschieden, als dies bei Backsteinen m^oglich ist, die $0056.25 viel leuchtendere und kr^aftigere Farbt^one aufweisen. Aehnliches l^a^st sich bei polier- $0056.26 baren nat^urlichen Steinen nur durch die Politur erzielen. Aber auch die Politur $0056.27 leidet unter dem Einflu^s der Witterung; der Glanz und damit die Farbe schwinden; $0056.28 noch viel mehr werden die meisten weniger dichten Steine durch Ansetzen von $0056.29 Staub, Ru^s und Flechten unansehnlich in der Farbe, w^ahrend die scharf gebrannten, $0056.30 gesinterten Backsteine in dieser Beziehung unverw^ustlich sind. In diesen verschiedenen $0056.31 Eigenschaften von Haustein und Backstein liegt es auch begr^undet, warum gew^ohn- $0056.32 lich mit Hausteinen von verschiedener Farbe ohne besondere Vorsicht sich doch $0056.33 ruhige und harmonische Wirkungen erzielen lassen, und warum dies bei verschieden- $0056.34 farbigen Backsteinen schwierig ist. Die Gefahr unruhiger Wirkung ist auch bei Back- $0056.35 steinen von einer Farbe vorhanden durch die kleinen Verschiedenheiten, die sich $0056.36 beim Brennen und auch schon beim Formen mit Maschinen ergeben, und die wegen $0056.37 der kleinen Abmessungen der Steine in ihrer H^aufung sich leicht unangenehm be- $0056.38 merkbar machen.

$0056.39

__Diesem letzteren Uebelstande kann man durch sehr sorgf^altiges Aussuchen und $0056.40 durch Wahl des Binderverbandes (L^aufer und Binderstirnen unterscheiden sich oft $0056.41 im Farbtone) begegnen; man kann ihm aber auch in sehr wirksamer Weise ent- $0056.42 gegenarbeiten -- allerdings ist gro^se Vorsicht dabei erforderlich, um die Unruhe $0056.43 nicht zu verst^arken -- durch farbige Musterung der Wandfl^achen, mag diese nun $0056.44 mit wagrechter Streifung oder mit irgend einem reicheren Muster zur Ausf^uhrung $0056.45 gelangen.

$0 @@3@ ---------- $0056.46

__#H:102#G:) Ueber deren Inhalt siehe man: Centralbl. d. Bauverw. 1882, S. 382.

$0056.47

__#H:103#G:) Siehe: Herstellung von in Thon modellierten und unmittelbar danach gebrannten Ornamenten. Deutsche Bauz. $0056.48 1887, S. 222 -- ferner ebendas., S. 44, 68, 91.

@@1@ $0057.01

__Solche Muster lassen sich in gro^ser Mannigfaltigkeit mit den verschiedenen Verb^anden und in zwei $0057.02 oder mehr Farben herstellen, wof^ur die schon fr^uher angef^uhrten Werke von #/+Fleischinger {et cetera} Becker, Adler, $0057.03 Gruner, Degen, Bethke, Chabat, Lacroux#/- u. a. zahlreiche Beispiele bieten.

$0057.04

__Die Farbe der Backsteine nach dem Brennen ist bekanntlich verschieden, je nach $0057.05 dem Vorhandensein gewisser Beimischungen des Thones, und bei demselben Thone nach $0057.06 dem Grade des Brandes. Bestimmte Farben lassen sich entweder durch Mischen oder $0057.07 W^ahlen verschiedener Thone erzielen oder durch das sog. #.>Engobieren#.< (siehe Teil I, $0057.08 Band 2, erste H^alfte [Art. 16, S. 73; 2. Aufl.: Art. 35, S. 93] dieses #.>Handbuches#.<).

$0057.09

__Geben nun schon die gew^ohnlichen Backsteine die Mittel zu einer vielfarbigen $0057.10 Architektur an die Hand, so l^a^st sich dies in noch viel h^oherem Grade durch Hinzu- $0057.11 ziehen anderer keramischer Erzeugnisse, wie glasierter Steine, vielfarbiger Terracotten, $0057.12 von Fayence, Majolika und Porzellan in ihren verschiedenen Abarten erreichen (^uber $0057.13 dieselben vergl. an der eben genannten Stelle [Art. 48, S. 110; 2. Aufl.: Art. 60 $0057.14 u. ff., S. 121 u. ff.] dieses #.>Handbuches#.<). Durch dieselben ist es m^oglich geworden, $0057.15 eine sehr reiche und dabei dauerhafte Polychromie in das Bauwesen wieder einzu- $0057.16 f^uhren. Voran stehen in dieser Anwendung zwar noch Frankreich und England; $0057.17 aber auch in Oesterreich und Deutschland machen der Sinn daf^ur und die Erzeugung $0057.18 solcher Waren gro^se Fortschritte.

$0057.19

__Als h^ochstes Mittel zu gleichem Zwecke w^urde man hier auch das in neuerer $0057.20 Zeit wieder mit Recht in der Monumentalarchitektur zur Anwendung gebrachte $0057.21 Mosaik einreihen k^onnen.

$0057.22

__Durch den Glasglanz wird ^ahnlich wie durch die Politur die Leuchtkraft der48.|Glasursteine. $0057.23 Farben ganz wesentlich erh^oht; deshalb kann man auch durch die Anwendung der $0057.24 glasierten Ziegel gro^se Farbenwirkungen erzielen. Besondere Vorsicht ist dabei aller- $0057.25 dings geboten, weil mit dem Glasglanz sehr st^orende Reflexe verbunden sind. Des- $0057.26 halb soll man in der Verzierung mit Glasursteinen sparsam sein und sie nur am $0057.27 rechten Orte anwenden, d. h. nur an architektonisch neutralen Fl^achen und wo $0057.28 m^oglich im Schatten. Am ung^unstigsten wirken, wegen ihrer kalten Glanzlichter, $0057.29 diejenigen bunten Glasuren, welche die Farbe des Steines ganz decken, besser solche, $0057.30 welche diese durchscheinen lassen, wie z. B. eine durchsichtige braune Glasur bei $0057.31 roten Steinen.

$0057.32

__Die Dauerhaftigkeit der Glasursteine wird durch die zahlreichen mit ihrer Hilfe $0057.33 aufgef^uhrten mittelalterlichen Bauten Norddeutschlands bewiesen. Falsch und sehr $0057.34 sch^adlich w^urde es aber sein, anzunehmen, da^s jeder Ziegel durch eine Glasur $0057.35 dauerhafter gemacht werden k^onnte. Neuere Erfahrungen#H:104#G:) haben bewiesen, da^s $0057.36 Glasursteine nur dann dauerhaft sind, wenn die Steinmasse selbst die allerbeste und $0057.37 witterungsbest^andigste ist, da^s aber die Glasur bei solchen Steinen, die dieser Be- $0057.38 dingung nicht entsprechen, geradezu sch^adigend wirkt, indem das rasche Verdunsten $0057.39 des auf irgend einem Wege in den Stein gedrungenen Wassers durch die Glasur $0057.40 verhindert wird. Ein Zerfrieren wird bei solchen Steinen weit leichter eintreten, $0057.41 als bei solchen, deren porige Oberfl^ache nicht glasiert ist.

$0057.42

__Das Glasieren der Steine f^ur den Fassadenbau ist daher nur als ein Schmuck- $0057.43 mittel und allenfalls als ein Schutzmittel gegen Schmutz aufzufassen. Bei Abdeckungen $0057.44 und Abw^asserungen, die an und f^ur sich das beste Material erfordern, ist sie der $0057.45 raschen Abf^uhrung des Wassers f^orderlich und deshalb n^utzlich.

$0 @@3@ ---------- $0057.46

__#H:104#G:) Beispiele werden mitgeteilt von #/+Olschewsky#/- in: Sch^aden an Backsteinrohbauten. Notizbl. d. Ziegler- und Kalk- $0057.47 brenner-Ver. 1881, S. 87--89. -- Siehe auch: Deutsche Bauz. 1881, S. 266. -- Baugwksztg. 1886, S. 659.

@@1@ $0058.01 49.|Wandfliesen.

__Zur Bekleidung der W^ande im Aeu^seren und Inneren der Geb^aude werden $0058.02 h^aufig kleine Platten verwendet, die man oft Fliesen nennt. An den Fassaden be- $0058.03 nutzt man sie vorzugsweise zur farbigen Ausstattung derselben in Friesen oder $0058.04 umrahmten Wandfeldern, weniger zur Bekleidung ausgedehnter Wandfl^achen. Doch $0058.05 kommt auch das letztere am Aeu^seren vor, mehr jedoch im Inneren der Geb^aude, $0058.06 nicht blo^s zur Zierde, sondern oft auch aus N^utzlichkeitsgr^unden, zur Erhaltung $0058.07 der Sauberkeit und zum Schutze der W^ande gegen Feuchtigkeit und D^unste, die in $0058.08 den betreffenden R^aumen erzeugt werden. So finden sie ihre passende Verwertung $0058.09 in Hausfluren, Speises^alen, K^uchen, Badezimmern, Aborten, Stallungen u. s. w.

$0058.10

__Solche Fliesen sind entweder glasiert -- und dies ist die Regel -- oder matt $0058.11 gef^arbt; sie sind entweder einfarbig oder mit einem vielfarbigen Muster versehen. $0058.12 Bei diesen letzteren k^onnen die Ornamente vertiefte Umri^slinien erhalten oder sich $0058.13 in schwachem Relief voneinander abheben. Auch werden Fliesen mit eingepre^sten $0058.14 Ornamenten hergestellt, welche das Mosaik aus kleinen Steinst^ucken nachahmen. $0058.15 Mit den einfarbigen Fliesen bildet man Fl^achen von einem Ton oder mit schach- $0058.16 brettartigen Mustern. Die vielfarbigen Fliesen geben entweder ein gleichf^ormig $0058.17 sich wiederholendes Muster, dessen Einzelmotiv der Gr^o^se einer Platte entspricht, $0058.18 oder durch Zusammensetzen zu einander passender Fliesen gr^o^sere Muster, zu deren $0058.19 Bildung mehr oder weniger Platten geh^oren. Zum Abschlu^s oder zur Einrahmung $0058.20 der Felder erh^alt man besondere Friesst^ucke.

$0058.21

__Das Material der Fliesen ist entweder ein mehr oder weniger hart gebrannter $0058.22 Thon, oder es ist eine festere Steinzeugmasse, die mitunter durch starken Druck noch $0058.23 mehr verdichtet wird, oder gar wirkliches Porzellan. Diese festeren Erzeugnisse sind $0058.24 ihrer gro^sen Dauerhaftigkeit wegen meist vorzuziehen.

$0058.25

__Die Befestigung der Fliesen erfolgt auf einem vorher aufgetragenen und $0058.26 erh^arteten Wandputz aus Kalk- oder Cementm^ortel mit einem eben solchen M^ortel, $0058.27 in den die Platten gedr^uckt werden. Am meisten kommt Cementm^ortel in An- $0058.28 wendung (1 Teil Portlandcement und 2 Teile Sand). Damit die Platten besser haften, $0058.29 sind sie auf der R^uckseite oft mit Rippen oder, bei gr^o^seren Abmessungen, mit $0058.30 H^ohlungen versehen. Auch ist es zweckm^a^sig, die Oberfl^ache des Wandputzes $0058.31 rauh zu halten. Die Fugenr^ander der Fliesen werden, wenn n^otig, geschliffen und $0058.32 im Inneren der Geb^aude die Fugen gew^ohnlich mit Gips oder wei^sem Cement $0058.33 verstrichen. Da^s diese Arbeiten mit aller Vorsicht und regelrecht ausgef^uhrt werden $0058.34 m^ussen, bedarf keiner besonderen Er^orterung.

$0058.35

__Bei inneren Verkleidungen werden vorkommende Eckkanten entweder mit den $0058.36 Fliesen selbst hergestellt, indem diese auf Gehrung zusammengeschliffen werden, oder $0058.37 man deckt dieselben durch Holzleisten oder Messingr^ohren, welche ihre Befestigung $0058.38 an D^ubeln mit Schrauben finden. Die Messingr^ohren werden vor dem Ansetzen der $0058.39 Platten, die Holzleisten nachher angebracht.

$0058.40

__Bei ^au^seren Verkleidungen werden die Fliesen in Vertiefungen eingesetzt, $0058.41 welche vorher am Mauerwerk ausgespart wurden. In der Bemessung der Tiefe dieser $0058.42 Aussparungen ist auf die Dicke der Platten und des M^ortelauftrages R^ucksicht zu $0058.43 nehmen.

$0058.44

__Die glasierten Wandfliesen sind ungef^ahr 1#H:cm#G:, die enkaustischen Fliesen (z. B. $0058.45 die Mettlacher Mosaikplatten) 1,5 bis 2,5#H:cm#G: stark#H:105#G:).

$0 @@3@ ---------- $0058.46

__#H:105#G:) Ueber die Erzeugnisse von #/+Villeroy & Boch#/- in Mettlach und Merzig a. d. Saar vergl. die 1. Auflage dieses Heftes $0058.47 (Art. 49, S. 66) und ^uber Thonerzeugnisse ^uberhaupt Teil I, Bd. 1, erste H^alfte (Abt. I, Abschn. 1, Kap. 2) dieses #.>Handbuches#.<.

@@1@ $0059.01

__Eine allen Anspr^uchen gen^ugende Herstellung von geb^oschten Wandfl^achen50.|Behandlung|geb^oschter|Wandfl^achen. $0059.02 ist aus Backsteinen noch schwieriger herzustellen, als aus Hausteinen, weil die Be- $0059.03 arbeitung der Stirnfl^achen aus schon besprochenen Gr^unden unzul^assig ist. Man ist $0059.04 wegen der parallelepipedischen Gestalt der gew^ohnlichen Backsteine gezwungen, ent- $0059.05 weder in geneigten oder in nach oben zu zur^uckgesetzten Schichten zu mauern. $0059.06 Beide Verfahren haben den schon in Art. 13 (S. 22) angef^uhrten Nachteil, das $0059.07 Eindringen von Feuchtigkeit in das Mauerwerk zu bef^ordern, und zwar wegen der $0059.08 gro^sen Zahl von Fugen in verst^arktem Ma^se. Bei ausgedehnteren Bauten dieser $0059.09 Art wird es sich daher lohnen, besondere Formsteine anfertigen zu lassen, deren $0059.10 Stirnfl^achen unter dem vorgeschriebenen B^oschungswinkel gegen die wagrecht aus- $0059.11 zuf^uhrenden Schichten geneigt sind.

$0059.12

__Eine der wichtigsten Bedingungen f^ur die dauernde Erhaltung von frei in die51.|Wagrechter|Mauerabschlu^s. $0059.13 Luft ragenden Mauerwerken ist die Herstellung eines geeigneten oberen Abschlusses $0059.14 derselben. Wenn nun auch f^ur diesen Zweck die Backsteine nicht als ein geeignetes $0059.15 Material betrachtet werden k^onnen, so sind sie doch oft genug dazu zu verwenden, $0059.16 und deshalb ist dabei besondere Vorsicht notwendig. Dichte, glatte und stark $0059.17 geneigte Abdeckungsfl^achen mit m^oglichst wenigen, aber voll gem^ortelten Fugen $0059.18 sind Grundbedingung, um das Wasser am Eindringen zu hindern und dessen Ablauf $0059.19 zu beschleunigen.

$0059.20

__Zun^achst ist also das beste Ziegelmaterial erforderlich, dessen Gl^atte zwar durch $0059.21 eine Glasur erh^oht, dessen Dauerhaftigkeit aber durch eine solche nicht bef^ordert $0059.22 werden kann (siehe hier^uber Art. 48, S. 57). Wegen der gro^sen Fugenzahl sind $0059.23 Rollschichten ohne eine weitere Schutzdecke unzweckm^a^sig. Besser sind, wegen der $0059.24 geringeren Zahl der Fugen, Abdeckungen mit Backsteinplatten in geneigter Lage. $0059.25 Mitunter werden diese Platten, in Nachahmung von Hausteinformen, als gr^o^sere $0059.26 Baust^ucke, massiv oder mit H^ohlungen, hergestellt und namentlich bei flach geneigten $0059.27 Abw^asserungsfl^achen in Anwendung gebracht.

$0059.28 Fig. 90.#(IMAGE)Fig. 91.#(IMAGE)Fig. 92.#(IMAGE)Fig. 93.#(IMAGE){1/10} w. Gr. $0059.29

__F^ur die Herstellung der vorteilhafteren, stark geneigten Abdeckungen erscheinen $0059.30 die unter die deutschen Normalformsteine aufgenommenen Schr^agsteine (Fig. 90), $0059.31 besonders jene mit Wassernase (Nasensteine, Fig. 91) geeignet. Dieselben werden $0059.32 als L^aufer, Binder, {1/2}-Steine und {3/4}-Steinbinder, auch als Ecksteine, mit verschiedenen $0059.33 Neigungswinkeln geliefert.

$0059.34

__Die schr^age Fl^ache der Nasensteine erh^alt gew^ohnlich eine Neigung von $0059.35 45 Grad gegen die Wagrechte oder mehr. Dies gestattet aber keinen regelrechten $0059.36 Verband mit den anschlie^senden Schichten bei richtiger Lage der Nasensteine, $0059.37 welche verlangt, da^s die Oberkante der schr^agen Fl^ache den dar^uber folgenden $0059.38 Stein an der tiefsten Linie des Rundstabes ber^uhrt. Der regelrechte Verband erfordert $0059.39 eine Verschiebung der ^ubereinander folgenden Steine um 65#H:mm#G:, was bei der an-<-P> @@1@ $0060.01 <-P>gef^uhrten Bedingung f^ur die richtige Lage $0060.02 Fig. 94.#(IMAGE)Fig. 95.#(IMAGE){1/25} w. Gr.Fig. 96.#(IMAGE){1/10} w. Gr. $0060.03 der Nasensteine eine etwas geringere Nei- $0060.04 gung der Vorderfl^ache als 45 Grad voraus- $0060.05 setzt. In diesem Sinne gestaltete Nasensteine $0060.06 sind in Fig. 92 u. 93 f^ur Breiten von 122#H:mm#G: $0060.07 und 130#H:mm#G: dargestellt worden. Die letztere $0060.08 Breite ist dann w^unschenswert, wenn, wie $0060.09 dies sp^ater noch er^ortert werden wird, ein $0060.10 guter Anschlu^s von geneigten Abdeckungen $0060.11 an lotrechte Fl^achen erreicht werden soll.

$0060.12

__Fig. 94 u. 95#H:106#G:) geben Beispiele von $0060.13 Mauerabdeckungen mit Schr^agsteinen und $0060.14 mit Nasensteinen. F^ur die Firste sind beson- $0060.15 dere Formsteine notwendig, die zur engeren $0060.16 Verbindung und Deckung der unter ihnen $0060.17 befindlichen Zwischenfugen nach Fig. 96#H:106#G:) $0060.18 gebildet werden k^onnen.

$0060.19

__Unter dem Einflu^s der W^armeunter- $0060.20 schiede lockern sich die Sto^sfugen und werden dadurch zur Aufnahme von Wasser $0060.21 immer empf^anglicher, welches dann durch Gefrieren weitere Zerst^orungen herbeif^uhrt. $0060.22 Ist deshalb die Verringerung der Sto^sfugenzahl sehr w^unschenswert, so ist dies gleich- $0060.23 falls die Vorsichtsma^sregel, $0060.24 an denjenigen Stellen, wo $0060.25 Fig. 97.#(IMAGE)Fig. 98.#(IMAGE){1/25} w. Gr. $0060.26 ein vermehrter Wasserzuflu^s $0060.27 stattfindet, keine Sto^sfugen $0060.28 anzuordnen.

$0060.29

__Bei den gr^o^seren Ab- $0060.30 deckungsplatten mit ihren $0060.31 flach geneigten Abw^asserun- $0060.32 gen ist dies leicht zu erreichen. So ist z. B. die fehlerhafte Anordnung in Fig. 97 $0060.33 ohne Schwierigkeit durch die richtige in Fig. 98 zu ersetzen. Ebenso ist es bei $0060.34 denselben nicht besonders schwierig, an den Anschlu^sstellen von lotrechten Mauer- $0060.35 fl^achen Sto^sfugen zu vermeiden, indem man die Ab. $0060.36 deckungsplatten ein St^uck in das anschlie^sende Mauer- $0060.37 Fig. 99.#(IMAGE){1/25} w. Gr. $0060.38 werk eingreifen l^a^st (Fig. 99#H:107#G:).

$0060.39

__Schwieriger ist dies bei stark geneigten Abw^asse- $0060.40 rungen, weil bei diesen an den Anschlu^sstellen eine $0060.41 gr^o^sere Anzahl von Schichten zu verhauen sein w^urde, $0060.42 wenn man nicht besondere Formsteine zur Anwendung $0060.43 bringt. Fig. 100 u. 101 bieten Vorschl^age zu solchen $0060.44 f^ur Nasensteine aufeinander folgender Schichten und $0060.45 Fig. 102 eine Anwendung derselben.

$0060.46

__Um die Sto^sfugen von Abdeckungsplatten zu $0060.47 dichten, l^a^st man sie wohl auch mit Falzen (wie bei den $0060.48 Falzdachziegeln) ^ubereinander greifen, oder, um das Wasser<-P> $0 @@3@ ---------- $0060.49

__#H:106#G:) Nach: #k+Schmidt,#k- O. Die Ausbildung der Giebel f^ur den Backsteinrohbau. Berlin 1882.

$0060.50

__#H:107#G:) Siehe ^uber diesen Gegenstand: #k+Eckhart,#k- A. Die Technik des Verblendsteins. Halle a. S. 1884. Bd. 2, S. 24 u. ff.

@@1@ $0061.01 Fig. 100.#(IMAGE)Fig. 101.#(IMAGE){1/10} w. Gr. $0061.02 <-P>von denselben abzuleiten, versieht $0061.03 man sie auf ihrer oberen Fl^ache $0061.04 mit einer Aush^ohlung (Fig. 103#H:108#G:).

$0061.05

__Abdeckungen der Ziegelmauer- $0061.06 werke mit anderen Materialien wer- $0061.07 den in Kap. 12 (Schutz der W^ande $0061.08 gegen Feuchtigkeit) besprochen $0061.09 werden.

$0061.10

__Ansteigende Mauerabschl^usse, wie sie bei Giebeln, Strebepfeilern, Rampen u. s. w.52.|Ansteigender|Mauerabschlu^s. $0061.11 vorkommen, unterliegen denselben Einfl^ussen und sind daher ^ahnlich zu behandeln, $0061.12 wie die im vorhergehenden Artikel besprochenen wagrechten. Eine Abw^asserung $0061.13 der oberen Fl^ache nach den Mauerfluchten hin ist bei ihnen aber weniger notwendig, $0061.14 obgleich bei Verwendung von gr^o^seren Platten ausf^uhrbar und zweckm^a^sig wegen $0061.15 der Ableitung des Wassers von den Sto^sfugen. Unausf^uhrbar und entbehrlich ist $0061.16 sie bei Benutzung der sehr geeigneten, in Fig. 90 und 91 schon abgebildeten Schr^ag- $0061.17 Fig. 102.#(IMAGE)Fig. 103.#(IMAGE)Fig. 104.#(IMAGE){1/25} w. Gr. $0061.18 und Nasensteine. Eine Anwendung der letzteren zeigt Fig. 104. In derselben Ab- $0061.19 bildung ist auch die M^oglichkeit angedeutet, mit einer und derselben Sorte Nasen- $0061.20 steine durch Vorschieben derselben ^uber die normale Lage, steilere Neigungen des $0061.21 Abschlusses zu erzielen.

$0061.22

__Durchbrochene Mauern kommen h^aufig da zur Anwendung, wo es sich um53.|Durchbrochene|Mauern. $0061.23 Herstellung von Luftzug handelt, so bei Geb^auden zu Trockenzwecken, Getreide- $0061.24 und Futterspeichern u. s. w. Auch bei Einfriedigungsmauern, gemauerten Gel^andern $0061.25 von Terrassen, Balkons (siehe das n^achstfolgende Heft dieses #.>Handbuches#.<) u. s. w. $0061.26 ist neben Erzielung reicheren Aussehens das Erhalten des Luftzuges erw^unscht, $0061.27 damit die Bodenfl^achen hinter denselben nach Regeng^ussen rasch wieder abtrocknen $0061.28 k^onnen. Mit den Backsteinen und den ^ubrigen Ziegelwaren, wie Dachziegeln, Form- $0061.29 steinen, Terracotten, lassen sich beide Zwecke leicht und h^ochst mannigfaltig erreichen. $0061.30 Auch mit den gew^ohnlichen Backsteinverb^anden sind durch Weglassen einzelner $0061.31 Steine vielerlei h^ubsche Muster zu erzielen, ebenso durch teilweise Verwendung von<-P> $0 @@3@ ---------- $0061.32

__#H:108#G:) Siehe hier^uber: #k+Heusinger v. Waldegg,#k- E. Die Ziegelfabrikation. 3. Aufl. Leipzig 1876. S. 142.

@@1@ $0062.01 <-P>Hohlsteinen in sonst vollen Mauerk^orpern. Weit reichere und zierlichere Bildungen $0062.02 gew^ahren aber die erw^ahnten anderen Ziegelwaren, die deshalb auch zu diesen $0062.03 Zwecken h^aufig Verwendung finden. Zahlreiche Beispiele f^ur Anordnung durch- $0062.04 brochener Mauern bieten die im vorhergehenden Bande (Fu^snote 26, S. 30 [2. Aufl.: $0062.05 Fu^snote 25, S. 30]) dieses #.>Handbuches#.< angef^uhrten Werke.

$0062.06 54.|Backstein-|fachwerk.

__Das Backsteinfachwerk ergibt sich bei gemischten Mauerwerken durch Her- $0062.07 stellung der Ecken, Lisenen, Fenstergew^ande, wagrechten Streifen und Gesimse aus $0062.08 Backsteinen, der verbleibenden Wandfl^achen aus Bruchsteinmauerwerk. In der Regel $0062.09 werden dabei an den lotrechten unter den aufgef^uhrten Bauteilen die im vorher- $0062.10 gehenden Bande (Art. 85, S. 69 [2. Aufl.: S. 70]) dieses #.>Handbuches#.< besprochenen $0062.11 Verzahnungen zur Anwendung gebracht. Veranlassung zu dieser Bauweise gibt einer- $0062.12 seits das Bed^urfnis zu regelm^a^sigem Baumaterial an den erw^ahnten Stellen, anderer- $0062.13 seits dasjenige nach malerischer Wirkung. Das letztere f^uhrt oft zu Uebertreibungen.

$0062.14 55.|Schutz|gegen|Verwitterung.

__Die Ursachen der Verwitterung der Backsteine sind zum Teile die gleichen, $0062.15 wie bei den Hausteinen, also haupts^achlich eindringende Feuchtigkeit, die nicht rasch $0062.16 genug verdunsten kann und bei eintretendem Frost ungen^ugend festes oder vielleicht $0062.17 auch erweichtes Material zersprengt. Dies kann durch die Art der Anfertigung $0062.18 beg^unstigt werden, welche das stoffliche Gef^uge der Steine sch^adlich zu beeinflussen $0062.19 vermag#H:109#G:). Von gro^ser Wichtigkeit f^ur die Frostbest^andigkeit ist hierbei der $0062.20 richtige Magerungsgrad der Ziegelerde#H:110#G:). Bei den Backsteinen treten als Zer- $0062.21 st^orungsursachen aber noch das Vorhandensein von l^oslichen Salzen, von gebranntem $0062.22 kohlensaurem Kalk oder Schwefelmetallen in der Steinmasse hinzu. Die ersteren $0062.23 f^uhren durch Auswittern unter Einwirkung der Feuchtigkeit zun^achst die sog. Aus- $0062.24 bl^uhungen (Efflorescenzen), welche nicht immer sch^adlich zu sein brauchen, herbei, $0062.25 dann aber auch Abbl^atterungen und h^aufig sogar den Mauerfra^s. Eingesprengter $0062.26 Aetzkalk kann die Steine durch die Volumvergr^o^serung beim allm^ahlichen Ab- $0062.27 l^oschen zersprengen, ebenso die Schwefelmetalle bei der Oxydation#H:111#G:). Aber auch $0062.28 bei diesen letzteren Vorg^angen ist es die Feuchtigkeit, mag diese nun den Steinen $0062.29 von au^sen oder aus dem M^ortel zugef^uhrt werden, welche den Zerst^orungsvorgang $0062.30 einleitet. Abgesehen also von der Wahl eines Materials, welches von den genannten $0062.31 Stoffen m^oglichst wenig enth^alt (auch der M^ortel ist in dieser Beziehung zu beachten, $0062.32 da aus ihm l^osliche Salze in die Steine ^ubergef^uhrt werden k^onnen) und welches $0062.33 als wetterbest^andig bekannt ist, m^ussen die Schutzma^sregeln zur Erhaltung der Back- $0062.34 steinbauwerke ganz besonders auf Abhaltung und Abf^uhrung der Feuchtigkeit ge- $0062.35 richtet sein; sie sind also wesentlich konstruktiver Natur. Hiervon ist schon mehrfach $0062.36 im vorhergehenden die Rede gewesen; besondere Ausf^uhrungsma^sregeln werden $0062.37 noch in Kap. 12 (Schutz der W^ande gegen Feuchtigkeit) besprochen werden#H:112#G:).

$0062.38 56.|Bedeutung des|Backsteinbaues.

__Die schon im Eingang dieses Kapitels erw^ahnte, ausgedehnte Anwendung, $0062.39 welche der Backstein im Hochbauwesen erlangt hat, ist in seiner geringen, handlichen<-P> $0 @@3@ ---------- $0062.40

__#H:109#G:) Siehe: Deutsche Bauz. 1884, S. 53.

$0062.41

__#H:110#G:) Siehe: #k+Olschewsky,#k- W. Die Ursachen der Verwitterung bei Verblendsteinen und Terracotten. Halle a. S. 1885.

$0062.42

__#H:111#G:) Zur Beurteilung der Verwitterungserscheinungen an Backsteinbauten und der Wetterbest^andigkeit der Backsteine $0062.43 wird das Studium folgender Quellen empfohlen: Deutsche Bauz. 1873, S. 272; 1881, S. 122, 258, 265. -- #k+Olschewsky,#k- W. $0062.44 Sch^aden an Backsteinrohbauten. Notizbl. d. Ziegler- und Kalkbrenner-Vereins. Berlin 1881. S. 79. -- #k+Kuhnow,#k- A. Ver- $0062.45 witterungen an Berliner Rohbauten. Berlin 1884. -- #k+Eckhart,#k- A. Die Technik des Verblendsteins. Bd. II. Halle a. S. $0062.46 S. 19, 41. -- #k+Tetmajer,#k- L. Mitteilungen der Anstalt zur Pr^ufung von Baumaterialien am eidgen. Polytechnikum in Z^urich. $0062.47 Heft 1. Z^urich 1884. -- Baugwksztg. 1883, S. 189, 384. -- #k+Olschewsky,#k- W. Die Ursachen der Verwitterung bei Verblend- $0062.48 steinen und Terracotten. Halle a. S. 1885.

$0062.49

__#H:112#G:) Ueber Schutz- und Vorsichtsma^sregeln gegen rasche Verwitterung von Backsteinverblendungen siehe die 1. Auf- $0062.50 lage dieses Heftes (Art. 55, S. 70).

@@1@ $0063.01 <-P>Gr^o^se begr^undet, welche ein rasches, wenig umst^andliches Bauen gestattet, womit $0063.02 nicht unwesentliche Kostenersparnisse gegen^uber den Hausteinen durch die bequeme $0063.03 Bef^orderung und die zul^assigen leichten R^ustungen verbunden sind. Dazu treten die $0063.04 schon mehrfach ber^uhrten Vorteile der Backsteine und mancher ^ahnlicher k^unstlicher $0063.05 Steine in gesundheitlicher Beziehung und gegen^uber dem Bau mit unregelm^a^sigen $0063.06 oder wenig bearbeiteten Bruchsteinen, die durch die Regelm^a^sigkeit der Form be- $0063.07 dingte gr^o^sere Festigkeit des Mauerwerkes bei gleicher Dicke. Die aus der geringen $0063.08 Gr^o^se der Backsteine hervorgehenden baulichen Schwierigkeiten f^ur Abdeckungen $0063.09 sind ebenso, wie die im Rohstoff und in der Anfertigungsweise liegenden Gefahren $0063.10 f^ur die Dauer der Backsteinbauten schon zur Er^orterung gelangt.

$0063.11

__Ist nun auch die geringe Gr^o^se, in welcher der Backstein zur Anwendung $0063.12 kommt und kommen mu^s, im allgemeinen von gro^sem Vorteile, so wird dieselbe $0063.13 doch zur Quelle gro^ser Schwierigkeiten f^ur die ^asthetische Behandlung und Wirkung $0063.14 der Backsteinrohbauten, so da^s diese den Hausteinbauten gegen^uber f^ur monumen- $0063.15 tale Zwecke immer im Nachteile bleiben m^ussen. Trotzdem ist zuzugeben, da^s $0063.16 sich bei einer dem Baustoff entsprechenden Formenbehandlung und Hinzuziehung $0063.17 von Terracotten, deren Gr^o^se sich innerhalb vern^unftiger Grenzen bewegt, sowie $0063.18 unter Anwendung der reichen, der Keramik m^oglichen Farbenreihe sehr erfreuliche $0063.19 Wirkungen auch mit dem Backsteinrohbau erzielen und denselben f^ur mancherlei $0063.20 Zwecke geeignet erscheinen lassen.

$0063.21

__Unerreicht ist der Backstein als Baustoff bisher in Bezug auf Feuerbest^andig- $0063.22 keit, ein Vorzug von ungemeiner Wichtigkeit, der allein schon seine ausgedehnte $0063.23 Anwendung rechtfertigen w^urde. Bauten aus guten Backsteinen widerstehen nicht $0063.24 nur l^anger einem Feuer; sie erleiden gew^ohnlich auch geringeren Schaden durch $0063.25 ein solches, als Bauwerke aus anderen Werkstoffen.

$0063.26 @z ------ $0063.27 @Z 3. #s+Kapitel.#s- $0063.28 @Z Mauern aus Bruchsteinen. $0063.29 @Z (Bruchsteinrohbau.) $0063.30

__Das Mauerwerk aus Bruchsteinen und Feldsteinen (^uber den bez^uglichen Unter-57.|Allgemeines. $0063.31 schied vergl. den vorhergehenden Band [2. Aufl., Art. 74, S. 65] dieses #.>Handbuches#.<) $0063.32 wird ^uberall da zur Anwendung gelangen, das Vorhandensein genannter Steinsorten $0063.33 nat^urlich vorausgesetzt, wo man zur Herstellung steinerner Bauwerke bessere Stoffe $0063.34 nur mit Schwierigkeiten oder mit besonderen Kosten beschaffen kann. Man findet $0063.35 es aber auch dort, wo dies nicht der Fall ist, oft in gro^ser Ausdehnung in einzelnen $0063.36 seiner Gattungen benutzt, wenn es sich um m^oglichst billige Herstellung handelt. $0063.37 Dieses billige Mauerwerk ist selbstredend entsprechend schlechter, als das teuerere $0063.38 Quader- oder Backsteinmauerwerk. Es l^a^st sich aber, allerdings unter Aufwendung $0063.39 von mehr Kosten, auf zwei Weisen verbessern, entweder durch Anwendung von $0063.40 Cement- oder Cementkalkm^ortel oder durch Bearbeitung in regelm^a^sigen Formen $0063.41 bei dazu geeigneten Steinsorten. Auf dem ersten Wege erh^alt man das Bruchstein- $0063.42 cementm^ortelmauerwerk, welches, da in demselben die Verbindung durch den M^ortel $0063.43 die Hauptrolle spielt, dem Betonmauerwerk nahe steht; die zweite Weise liefert den $0063.44 Uebergang zum Quaderbau, oder wenn man den m^oglichen, ganz regelrechten Ver-<-P> @@1@ $0064.01 <-P>band ber^ucksichtigt, zum Backsteinbau. Wir haben im vorhergehenden Bande dieses $0064.02 #.>Handbuches#.< diese Bauweise als Schichtsteinmauerwerk kennen gelernt.

$0064.03 58.|Material.

__Die Feldsteine (Ger^olle, Geschiebe, Lesesteine, Findlinge) liefern im allgemeinen $0064.04 den schlechtesten Werkstoff f^ur Mauerwerk wegen der rundlichen Form, die sie durch $0064.05 die nat^urliche Bewegung im Wasser oder durch Abwitterung ihrer Kanten und Ecken $0064.06 erhalten haben. Festes Mauerwerk l^a^st sich daher mit solchen nur durch einen $0064.07 vorz^uglichen M^ortel erzielen. Gr^o^sere Steine dieser Art kann man zwar durch $0064.08 Spalten, Sprengen oder Zerschlagen in kleinere St^ucke zerlegen und durch Be- $0064.09 arbeitung in regelm^a^sige Form bringen. Das letztere ist aber m^uhsam, da die $0064.10 Findlinge ihre Bergfeuchtigkeit ganz verloren haben und h^aufig die h^artesten und $0064.11 festesten Reste eines verwitterten Felsens sind.

$0064.12

__Wo man die Wahl hat, zieht man daher die von anstehenden Felsen ge- $0064.13 brochenen Bruchsteine vor. Hier kommen alle witterungsbest^andigen Felsarten in $0064.14 Betracht, wenn sie auch nur unregelm^a^sig brechen, da das Bruchsteinmauerwerk $0064.15 meist aus Sparsamkeit gew^ahlt wird und man daher zun^achst auf das der Baustelle $0064.16 mit den geringsten Kosten zuzuf^uhrende Gestein angewiesen ist. Immerhin wird man $0064.17 bei der Wahl desselben seine Eigenschaften und den zu erreichenden Zweck im $0064.18 Auge behalten m^ussen, so z. B. f^ur Herstellung von Wohnr^aumen die dichten, bei $0064.19 W^armeerniedrigungen stark zu Wasserniederschl^agen Veranlassung gebenden Gesteine $0064.20 vermeiden. Insbesondere mu^s man mit den Kalksteinen vorsichtig sein, da diese $0064.21 nicht nur oft die letztere Eigenschaft besitzen, sondern auch leicht durch Mauerfra^s $0064.22 unter diesen beg^unstigenden Verh^altnissen zersetzt werden.

$0064.23

__Die Bruchsteine enthalten, frisch gebrochen, eine ziemliche Menge von Feuchtig- $0064.24 keit, die teils, im Mauerwerk lange verbleibend, in mancher Weise sch^adlich wirken, $0064.25 teils die Frostbest^andigkeit ung^unstig beeinflussen kann. Es empfiehlt sich daher immer, $0064.26 die Steine vor der Vermauerung ablagern zu lassen, damit sie austrocknen und die $0064.27 nicht frostbest^andigen durch Zerfrieren sich selbst ausscheiden k^onnen. Besondere Vor- $0064.28 sicht ist bei Steinen geboten, die aus gegen Norden liegenden Br^uchen gewonnen werden.

$0064.29

__Die Bruchsteine werden entweder als Haupt- oder als Nebenerzeugnis in den $0064.30 Steinbr^uchen gewonnen. Im letzteren Falle sind sie die kleineren, zur Herrichtung $0064.31 von Quadern oder Hausteinen nicht geeigneten St^ucke, die sich beim Sprengen oder $0064.32 als Abfall ergeben, sowie die Ausbeute der etwa vorhandenen schw^acheren B^anke. $0064.33 Bei lagerhaften Gesteinen findet man hierbei h^aufig eine Zurichtung auf gewisse ge- $0064.34 br^auchliche Abmessungen.

$0064.35 59.|Arten|des Bruchstein-|mauerwerkes.

__Je nach der mehr oder weniger regelm^a^sigen Form der Bruchsteine haben wir $0064.36 im vorhergehenden Bande (Art. 75, S. 64 [2. Aufl. S. 65]) dieses #.>Handbuches#.< $0064.37 unterschieden: Mauerwerk aus Schichtsteinen, Mauerwerk aus lagerhaften Bruchsteinen $0064.38 mit abgesetzten Schichten und ordin^ares Bruchsteinmauerwerk, wozu noch einige $0064.39 andere Arten von untergeordneterer Bedeutung treten.

$0064.40

__Weitere Unterschiede ergeben sich, je nachdem M^ortel zur Verbindung hinzu- $0064.41 gezogen wird oder nicht: M^ortelmauerwerk und Trockenmauerwerk (siehe an gleicher $0064.42 Stelle, Art. 93, S. 78).

$0064.43

__Von Einflu^s auf die Ausf^uhrung wird, wie beim Backsteinmauerwerk, der Um- $0064.44 stand sein, ob man es mit einem Rohbau oder einem Putzbau zu thun hat.

$0064.45

__Dem im gleichen Bande (Art. 76 bis 80, S. 64 u. 65 [2. Aufl.: S. 65 bis 67]) $0064.46 dieses #.>Handbuches#.< fr^uher ^uber die Verbandweise der verschiedenen Arten Gesagten $0064.47 ist hier nur wenig hinzuzuf^ugen.

@@1@ $0065.01

__Das regelm^a^sigste Bruchsteinmauerwerk ist das aus Schichtsteinen. Werden60.|Schichtstein-|mauerwerk. $0065.02 die Schichten nicht blo^s ^au^serlich, sondern auch der Mauerst^arke nach aus gleich $0065.03 hohen und regelm^a^sig bearbeiteten Steinen in richtigem Verbande hergestellt, so $0065.04 ist es durchaus gleichf^ormig beschaffen und entspricht allen Anforderungen, die man $0065.05 an ein gutes Mauerwerk stellen kann. Zwar wird in demselben der einzelne Stein $0065.06 nicht in dem Grade, wie in der Quadermauer durch sein Eigengewicht in seiner $0065.07 Lage festgehalten; daf^ur kann aber der M^ortel um so wirksamer seine Bindekraft $0065.08 zur Geltung bringen, wenn auch nicht so stark, wie beim Ziegelmauerwerk. Die $0065.09 mittlere Gr^o^se der Steine gestattet unter allen Umst^anden, sofern nicht die Architektur $0065.10 anderes verlangt, von der Anwendung gr^o^serer Steine an den Ecken abzusehen, $0065.11 was nur als Vorteil f^ur die Konstruktion zu betrachten ist.

$0065.12

__Bleibt die Au^senfl^ache ungeputzt, wie dies bei wetterbest^andigen, gut aus- $0065.13 sehenden Steinen empfohlen werden mu^s, so wird man die H^aupter derselben in $0065.14 der Regel sorgf^altiger, als die Fugenfl^achen behandeln; w^ahrend diese gew^ohnlich $0065.15 nur rauh gespitzt werden, versieht man jene h^aufig mit einem Randschlag und $0065.16 kr^onelt oder stockt die Spiegelfl^achen#H:113#G:). Mitunter werden die H^aupter auch $0065.17 scharriert oder geschliffen, oder man l^a^st die Bossen in der Hauptsache stehen und $0065.18 schl^agt nur die Kanten unter 45 Grad fl^uchtig ab. Im letzteren Falle gibt man $0065.19 den Kanten der Ecken und Mauerstreifen gern einen glatten Randschlag, um die $0065.20 architektonische Gliederung der Wand klar hervorzuheben. Oft findet man auch $0065.21 den Bossen jedes einzelnen Steines von einem sauberen Randschlag umzogen. Die $0065.22 Bearbeitung dieser Schichtsteine erfolgt h^aufig nicht durch Steinhauer, sondern durch $0065.23 besonders im Spitzen ge^ubte Maurer, die Spitzmaurer.

$0065.24

__Ein durchaus gleichf^ormiges Schichtsteinmauerwerk l^a^st sich in manchen Gegen- $0065.25 den leichter beschaffen, wenn man von der gleichen H^ohe aller Schichten absieht.

$0065.26

__Ein Beispiel hierf^ur bietet der in Fig. 105 dargestellte Mauerwerksteil der Blindenanstalt zu Stutt- $0065.27 gart. Die Frontmauern sind im Sockel- und Erdgescho^s nur aus Schichtsteinen, dort #.>Mauersteine#.< genannt, $0065.28 von nicht ganz gleicher Schichth^ohe, welche mit Bossen zwischen Randschlag versehen sind, hergestellt. $0065.29 Im Obergescho^s und in den Dachgiebeln sind die ^au^seren H^aupter der Steine zwischen aufgezogenen $0065.30 Schl^agen sauber gespitzt. Das Mauerwerk ist daselbst durch eingelegte Backsteinstreifen in gleiche H^ohen- $0065.31 abteilungen zerlegt. Bei der Sockelgescho^smauer besteht {1/4} bis {1/3}, bei der 0,57#H:m#G: starken Erdgescho^s- $0065.32 mauer {1/3}, bei der 0,43#H:m#G: starken Obergescho^smauer {1/2} des Rauminhaltes aus Durchbindern. Die 0,29#H:m#G: $0065.33 starken Dachgiebel sind ganz aus Durchbindern hergestellt. Die Lagerfugen waren zu 9#H:mm#G:, die Sto^sfugen $0065.34 zu 6#H:mm#G: dick vorgeschrieben. Bei den st^arkeren Mauern sollten die Sto^sfugenfl^achen auf 12#H:cm#G: Breite $0065.35 aneinander anschlie^sen, bei den schw^acheren durchaus.

$0065.36

__Wieder an anderen Orten macht die Beschaffung eines Mauerwerkes aus gleich $0065.37 hohen Schichten, das auch im Inneren gleichf^ormig und ohne F^ullmauerwerk ge- $0065.38 bildet ist, durchaus keine Schwierigkeiten, wenn nur bei der Dickenbestimmung auf $0065.39 die ^ublichen Steinabmessungen R^ucksicht genommen wird.

$0065.40

__Dies gilt z. B. f^ur die Waren aus den s^achsischen Elbsandsteinbr^uchen. Die Schichtsteine, welche $0065.41 von denselben als parallelepipedisch behauene St^ucke von quadratischem Querschnitt geliefert werden, $0065.42 f^uhren dort den Namen #.>Grundst^ucke#.<. F^ur die Staatsbauten hat auf Anregung des s^achsischen Ingenieur- $0065.43 und Architektenvereines und der Dresdener Maurer- und Zimmerinnung das s^achsische Finanzministerium $0065.44 unter dem 1. Juli 1872 die Ma^se dieser Grundst^ucke auf 30, 23, 20 und 17#H:cm#G: Breite und St^arke fest- $0065.45 gesetzt. Der Verkauf erfolgt nach laufenden Metern, da die Steine keine Normall^ange erhalten. Die L^ange $0065.46 wechselt zwischen 50 bis 100#H:cm#G:; mit der gr^o^seren St^arke werden sie auch durchschnittlich l^anger geliefert. $0065.47 Die st^arkeren Sorten werden gew^ohnlich dann genommen, wenn Mauerwerk aus gespitzten Steinen her-<-P> $0 @@3@ ---------- $0065.48

__#H:113#G:) In Frankreich hei^sen die bearbeiteten Schichtsteine: #/+moellons piqu%/es#/- oder #/+moellons smill%/es.#/- In Westdeutschland $0065.49 hat sich daraus die Handwerksbezeichnung: #.>Mollenbek, Mollebok, Mollepik#.< gebildet. Mitunter spricht man auch von $0065.50 #.>Qu^aderchen, Paramentsteinen, Vorsetzsteinen#.<. (Vergl. auch Fu^snote 6 in Teil I, Band 1, erste H^alfte [S. 67; 2. Aufl.: S. 84] $0065.51 dieses #.>Handbuches#.<).

@@1@ $0066.01 Fig. 105.#(IMAGE)Von der Blindenanstalt zu Stuttgart. -- {1/50} w. Gr. $0066.02 <-P>gestellt werden soll. Zur Hintermauerung der letzteren und f^ur zu putzendes Mauerwerk bedient man sich $0066.03 h^aufig der schw^acheren Steine, welche nur wenig zugerichtet werden, um ihnen ein besseres Lager zu $0066.04 verschaffen. H^ohlungen in den Fugen werden sorgf^altig mit Steinsplittern (in Dresden verwendet man $0066.05 dazu den schiefrigen Pl^aner) ausgef^ullt (ausgezwickt). Auf einen L^aufer l^a^st man in der Regel einen $0066.06 Binder (wo m^oglich Durchbinder) folgen, so da^s also hier der polnische Verband zur Anwendung gelangt.

$0066.07

__F^ur die Festigkeit des Mauerwerkes ist es vorteilhaft, wenn viele Durchbinder $0066.08 verwendet werden; aber es ist hier, wie bei den Quadermauern (siehe Art. 3, S. 7)<-P> @@1@ $0067.01 <-P>anzuf^uhren, da^s dieselben die Gefahr des Durchschlagens der Feuchtigkeit ver- $0067.02 mehren.

$0067.03

__Ein billigeres Schichtsteinmauerwerk erh^alt man, wenn man nur die Mauer- $0067.04 h^aupter aus gespitzten oder wenigstens ann^ahernd regelm^a^sig behauenen Steinen $0067.05 herstellt, das Innere dagegen aus F^ullsteinen, d. h. mehr oder weniger unregel- $0067.06 m^a^sigen St^ucken. Diese Gattung kommt sehr h^aufig zur Anwendung und geh^ort $0067.07 eigentlich unter die gemischten Mauerwerke, insbesondere die verblendeten, ist daher $0067.08 auch nach den Regeln dieser und mit der n^otigen Vorsicht zur Ausf^uhrung zu $0067.09 bringen (siehe den vorhergehenden Band dieses #.>Handbuches#.<, Art. 82, S. 66 $0067.10 [2. Aufl.: S. 68]). Au^ser der im gleichen Bande (Art. 76, S. 64 [2. Aufl.: S. 66]) $0067.11 empfohlenen Anwendung vieler Binder sind zun^achst noch die F^ullsteine m^oglichst $0067.12 gro^s zu nehmen, gut zu lagern, in regelrechten Verband zu legen und ausreichend $0067.13 mit M^ortel zu versehen, dann aber entweder nach den Lagerfugen aller Schichten $0067.14 auszugleichen oder wenigstens nach einer kleinen Anzahl von Schichten. Oft kommt $0067.15 es vor, da^s die Zwischenr^aume zwischen den die Mauerh^aupter bildenden L^aufern $0067.16 nur gering sind. Auch dann ist es aber verwerflich, nur Steinbrocken und sehr $0067.17 viel gew^ohnlichen M^ortel in die F^ulle zu thun; eine sorgf^altige Auspackung mit $0067.18 passenden Steinen ist notwendig, um ungleichm^a^siges Setzen zu verh^uten.

$0067.19

__Die geringste Art von Schichtsteinmauerwerk ist diejenige, bei welcher zwar $0067.20 lagerhafte Steine zur Verwendung gelangen, diese aber in den H^auptern nur durch $0067.21 geringe Zurichtung mit dem Hammer eine ann^ahernd $0067.22 Fig. 106.#(IMAGE) $0067.23 rechteckige Gestalt erhalten, im Grundri^s aber mehr $0067.24 oder weniger unregelm^a^sig sind (Fig. 106#H:114#G:). Die regel- $0067.25 m^a^sigsten Steine (Vorsetzsteine) werden f^ur die Ecken $0067.26 und Mauerh^aupter ausgesucht. Viele Binder sind er- $0067.27 w^unscht, ebenso das Durchlaufen einer Bindersto^sfuge $0067.28 durch die Mauerdicke. Das beste Lager der Steine ist $0067.29 nach unten zu nehmen.

$0067.30

__Das Mauerwerk mit abgesetzten Schichten (vergl.61.|Mauerwerk|mit abgesetzten|Schichten. $0067.31 den vorhergehenden Band dieses #.>Handbuches#.<, Art. 77, $0067.32 S. 66 [2. Aufl.: S. 66]) kommt besonders da zur An- $0067.33 wendung, wo die Steinbr^uche zwar lagerhafte, aber sehr ungleich dicke Steine $0067.34 liefern. Sie werden in der fr^uher angegebenen Weise m^oglichst verbandgerecht und $0067.35 mit vielen Bindern vermauert (Fig. 107#H:115#G:). Eine Zurichtung erfolgt in der Regel $0067.36 nur mit dem Hammer. Gew^ohnlich wer- $0067.37 Fig. 107.#(IMAGE) $0067.38 den auch die gr^o^sten und regelm^a^sigsten $0067.39 Steine an den Ecken verwendet, und solche $0067.40 mit ebenen, lotrechten Stirnfl^achen zum $0067.41 Mauerhaupt genommen. Man sucht sich $0067.42 ^uberhaupt dem Schichtsteinmauerwerk m^og- $0067.43 lichst zu n^ahern; doch ist es nicht zu vermeiden, da^s Sto^sfugen aufeinander treffen.

$0067.44

__Diese Art des Mauerns ist schon in sehr alten Zeiten ge^ubt worden, wie die lydischen Gr^aber zu $0067.45 Sardes beweisen#H:116#G:).

$0067.46

__Dasselbe gilt auch vom ordin^aren Bruchsteinmauerwerk (vergl. den vorher-62.|Ordin^ares|Bruchstein-|mauerwerk. $0067.47 gehenden Band dieses #.>Handbuches#.<, Art. 78, S. 65 [2. Aufl.: S. 66]) oder Rauh-<-P> $0 @@3@ ---------- $0067.48

__#H:114#G:) Nach: #k+M^ollinger,#k- K. Die Elemente des Steinbaues. Halle 1869. Taf. 2, Fig. 3.

$0067.49

__#H:115#G:) Nach: #k+M^ollinger,#k- a. a. O., Taf. 2, Fig. 4.

$0067.50

__#H:116#G:) Siehe: #k+Choisy,#k- A. #/+L'art de b%

@@1@ $0068.01 <-P>mauerwerk. Zu den Mauerh^auptern sucht man Steine mit zwei, wo m^oglich unter $0068.02 rechtem Winkel zusammentreffenden ebenen Fl^achen aus; n^otigenfalls mu^s man $0068.03 solche durch Zurichtung mit dem Hammer zu gewinnen trachten. Die H^aupter $0068.04 sollen in ihren Umri^slinien m^oglichst zusammenpassen und kleine Steine zwischen $0068.05 denselben (Zwicker) vermieden werden. Bei ganz unregelm^a^sigen Steinen ist man ge- $0068.06 n^otigt, zur Herstellung von Ecken $0068.07 und Oeffnungen bessere Steinsorten: $0068.08 Fig. 108.#(IMAGE){1/50} w. Gr. $0068.09 lagerhafte Steine, Quader oder $0068.10 Backsteine zu benutzen, also das $0068.11 Steinfachwerk (siehe a. a. O., Art. 85, $0068.12 S. 69 [2. Aufl.: S. 70]) zur An- $0068.13 wendung zu bringen. Ein Beispiel $0068.14 hierf^ur bietet Fig. 108, wo die $0068.15 Ecken und die Plinthe aus Qua- $0068.16 dern, die Fenstereinfassungen, so- $0068.17 wie der Sockelgurt aus Backsteinen $0068.18 hergestellt sind. Hier sind die Qua- $0068.19 derketten der Ecken ganz regel- $0068.20 m^a^sig gebildet; im Mittelalter lie^s $0068.21 man dagegen die Sto^sfugen der $0068.22 Quader in ganz unregelm^a^siger Form an das Bruchsteinmauerwerk anschlie^sen und $0068.23 erzielte dadurch eine malerische Erscheinung des Mauerwerkes, die zur gr^o^seren $0068.24 Wirkung sparsam auszuf^uhrender Bauwerke wesentlich beitr^agt.

$0068.25

__Zur gr^o^seren Festigkeit des Mauerwerkes aus unregelm^a^sigen Bruchsteinen $0068.26 tr^agt die mehrfach in der H^ohe sich wiederholende Anordnung von durchlaufenden $0068.27 Schichten regelm^a^sig $0068.28 geformten Materials $0068.29 Fig. 109#H:117#G:).#(IMAGE) $0068.30 wesentlich bei (vergl. $0068.31 a. a. O., Art. 78, $0068.32 S. 65 [2. Aufl.: S. 66]).

$0068.33

__Ein Beispiel $0068.34 einer solchen Anord- $0068.35 nung mit eingebun- $0068.36 denen Backstein- $0068.37 schichten bietet Fig. $0068.38 109#H:117#G:).

$0068.39

__Zum ordin^aren $0068.40 Bruchsteinmauerwerk $0068.41 geh^ort auch der Fisch- $0068.42 gr^atenverband, bei $0068.43 welchem nach Art $0068.44 des r^omischen #/+opus spicatum,#/- dem ^ahrenf^ormigen, aus Backsteinen hergestellten Ver- $0068.45 bande, d^unne Bruchsteine in geneigter Stellung des hochkantig genommenen Hauptes $0068.46 aneinander gereiht werden#H:118#G:).

$0 @@3@ ---------- $0068.47

__#H:117#G:) Nach: #k+Chabat,#k- P. #/+La brique et la terre cuite.#/- Paris 1881. Taf. 70.

$0068.48

__#H:118#G:) Ueber das Fischgr^atenmauerwerk, sowie ^uber die r^omische Bauweise der Verkleidung von Bruchsteinmauerwerk $0068.49 mit kleinen regelm^a^sigen Steinen oder Backsteinen vergl. die 1. Auflage dieses Heftes (Art. 62, S. 78 u. 79).

@@1@ $0069.01

__Zu den Bruchsteinmauerwerken m^ussen auch die mit kleinen, regelm^a^sig be- $0069.02 arbeiteten Steinen in verschiedener Weise oder mit dreieckigen Ziegeln verkleideten, $0069.03 aus kleinen Steinen mit sehr reichlicher M^ortelverwendung hergestellten Mauern der $0069.04 R^omer nach #/+Choisy#/-#H:119#G:) gerechnet werden. Die kleinen Steine wurden alle wag- $0069.05 recht mit der flachen Seite in den mit der Schaufel aufgetragenen M^ortel gelegt. $0069.06 Dies war offenbar weniger umst^andlich, als die Mischung eines Betons, der ^ubrigens $0069.07 den R^omern sehr wohl bekannt war. Die Wahl kleiner Steine f^ur die zur Bildung $0069.08 von ebenen Wandfl^achen und als Lehre dienenden Verkleidungen erfolgte jedenfalls $0069.09 mit R^ucksicht auf das starke Setzen des Mauerkernes. Dieser wurde durch die in $0069.10 Abst^anden durchgef^uhrten Binderschichten aus quadratischen Backsteinplatten in $0069.11 einzelne Abschnitte zerlegt; die Verkleidungen wurden gleichzeitig mit dem Inneren $0069.12 von ge^ubteren, das letztere von geringeren Arbeitskr^aften ausgef^uhrt. Eine aus- $0069.13 f^uhrliche Besprechung der r^omischen Mauertechnik findet sich in Teil II, Band 2 $0069.14 dieses #.>Handbuches#.<.

$0069.15

__Das gew^ohnliche Bruchsteinmauerwerk aus gr^o^seren Steinen ohne besondere $0069.16 Verkleidungen f^uhrte bei den R^omern den Namen #/+opus incertum,#/- dasjenige mit $0069.17 Binderschichten aus Ziegelplatten #/+opus mixtum.#/-

$0069.18

__Vom ordin^aren Bruchsteinmauerwerk unterscheidet sich das sog. Cyklopen-63.|Cyklopen-|mauerwerk. $0069.19 mauerwerk durch die bedeutendere Gr^o^se der Steine. Die mit diesem Namen be- $0069.20 zeichneten Mauerwerke der Pelasger und Ph^oniker sind immer ohne M^ortel ausgef^uhrt $0069.21 und lassen sich nach der geringeren und gr^o^seren Sorgfalt der Herstellung und nach $0069.22 der Form der Steine in drei Gattungen teilen, wor^uber ausf^uhrliche Mitteilungen in $0069.23 Teil II, Band 1 (Art. 5 u. ff., S. 21 u. ff.) dieses #.>Handbuches#.< gebracht worden sind. $0069.24 Wenn von neuzeitlichem Cyklopenmauerwerk die Rede ist, so versteht man darunter $0069.25 wohl meist ein Mauerwerk aus gro^sen, unregelm^a^sigen St^ucken, die nur wenig $0069.26 zugerichtet, aber m^oglichst gut zusammengepa^st und mit oder meist ohne M^ortel $0069.27 vermauert sind. Die Steinh^aupter erhalten zweckm^a^sigerweise dabei wenig oder $0069.28 gar keine Bearbeitung; h^ochstens sollten sie mit einem Randschlag versehen werden, $0069.29 um das derbe, dem nat^urlichen Gef^uge der Felsen ^ahnelnde Gepr^age dieses Mauer- $0069.30 werkes nicht zu beeintr^achtigen, welche Eigenschaft dasselbe als besonders f^ur ge- $0069.31 birgige Gegenden geeignet $0069.32 Fig. 110.#(IMAGE)Von der Schwarzwaldbahn bei Hornberg. $0069.33 erscheinen l^a^st. Selbstver- $0069.34 st^andlich darf dasselbe nur aus $0069.35 Steinarten hergestellt werden, $0069.36 die in unregelm^a^siger, rund- $0069.37 licher Form brechen, aber $0069.38 nie k^unstlich aus lagerhaften $0069.39 Steinen.

$0069.40

__Fig. 110 gibt ein Bei- $0069.41 spiel von Cyklopenmauer- $0069.42 werk von der Widerlags- $0069.43 mauer einer Eisenbahnbr^ucke $0069.44 im Kinzigthale im Schwarz- $0069.45 wald.

$0069.46

__Die Bezeichnungen Polygon- und Cyklopenmauerwerk werden h^aufig als gleich-64.|Polygon-|mauerwerk. $0069.47 bedeutend gebraucht. Wir wollen aber unter Polygonmauerwerk nur solches ver-<-P> $0 @@3@ ---------- $0069.48

__#H:119#G:) #/+L'art de b%

@@1@ $0070.01 <-P>stehen, welches aus Steinen mit geradlinig begrenzten, scharf aneinander passenden $0070.02 Stirnen besteht. Es erfordert also, wenn die Steine nicht eine ^ahnliche, oft sich $0070.03 wiederholende Begrenzungsform, wie beispielsweise der S^aulenbasalt, von Natur aus $0070.04 haben, eine kostspielige, mit Stoffverlust verbundene Bearbeitung der Steine und $0070.05 findet daher nur eingeschr^ankte Anwendung, am h^aufigsten noch bei Sockel- und $0070.06 Terrassenmauern. Vom ^asthetischen Standpunkte betrachtet, kann man es nur f^ur $0070.07 gro^se, wenig unterbrochene Fl^achen zur malerischen Belebung derselben geeignet $0070.08 finden; f^ur kleine w^urde es zu unruhig wirken. Am wenigsten pa^st es f^ur stark $0070.09 von Oeffnungen durchbrochene Mauern, da Fenster- und andere Pfeiler von solchem $0070.10 Mauerwerk wegen der geneigten Fugenfl^achen nicht blo^s nicht standfest scheinen, $0070.11 sondern auch sein m^ussen#H:120#G:).

$0070.12 65.|Ausf^uhrung|des|Mauerwerkes.

__Die Bruchsteine werden, wie die Quader, entweder durch M^ortel miteinander $0070.13 verbunden oder trocken, unter Zuziehung von Moos, Erde, Sand u. dergl., auf- $0070.14 einander gesetzt. Man unterscheidet danach M^ortelmauerwerk und Trockenmauer- $0070.15 werk. Das erstere ist das bei weitem gebr^auchlichere; das letztere kommt nur in $0070.16 besonderen F^allen, so beispielsweise bei Futtermauern oder bei ganz untergeordneten $0070.17 Bauwerken (Schutzh^utten im Gebirge, rohen Einfriedigungen) jetzt noch zur An- $0070.18 wendung, w^ahrend es fr^uher h^aufiger vorkam.

$0070.19

__Dem im vorhergehenden Bande dieses #.>Handbuches#.< ^uber die Verbandregeln $0070.20 und die Verbindung der Steine durch Bindemittel Gesagten ist hier wenig mehr $0070.21 hinzuzuf^ugen. Die Einhaltung der wagrechten und lotrechten Richtung wird mit $0070.22 denselben Hilfsmitteln bewirkt, wie bei Quader- und Backsteinmauerwerk. Das $0070.23 richtige Verlegen der Steine in M^ortel und die Einhaltung eines regelrechten Ver- $0070.24 bandes bed^urfen aber fast noch gr^o^serer Aufsicht als bei letzterem, namentlich bei $0070.25 den ordin^aren und F^ullmauerwerken, da hier die regelm^a^sige Form der Steine nicht $0070.26 der Konstruktion zu Hilfe kommt; es bedarf daher zur Herstellung von Bruchstein- $0070.27 mauern ganz gewissenhafter und besonders ge^ubter Arbeiter. Leider wird auf das $0070.28 saubere Aussehen der Mauerh^aupter von den Maurern nur zu h^aufig zu viel Wert $0070.29 gelegt, auch wenn dieselben geputzt werden, w^ahrend das Innere wenig sorgf^altig $0070.30 behandelt ist, die Steine nicht fest und ungen^ugend in M^ortel gelagert sind, die $0070.31 Ausf^ullung dagegen fast nur aus M^ortel mit wenigen kleinen Steinen hergestellt $0070.32 wird. Eine derartige Mauer kann daher im Aeu^seren recht gut aussehen, aber $0070.33 doch wenig Festigkeit besitzen.

$0070.34

__Wichtig f^ur die Dauerhaftigkeit von Mauern aus geschichteten Gesteinen ist die $0070.35 Festhaltung der Regel, die Steine auf ihr nat^urliches Lager (Bruchlager) zu legen. $0070.36 Je schichtiger das Gestein ist, um so weicher ist es auch in der Regel, und um $0070.37 so wichtiger ist auch die Befolgung dieser Vorsicht. Die aufrecht gestellten Steine $0070.38 haben in dieser Lage eine geringere Druckfestigkeit und verwittern leichter. Auch $0070.39 bei geputzten Mauern kommt das erstere in Betracht; dazu tritt noch, da^s an der $0070.40 als Haupt genommenen glatteren Lagerfl^ache der Putz schlechter haftet.

$0070.41

__Es ist hier darauf aufmerksam zu machen, da^s #/+Choisy#/-#H:121#G:) ein altes orientalisches Herkommen be- $0070.42 obachtet hat, wonach man die Binder absichtlich mit aufrecht gestelltem Lager verlegte, um die hierbei $0070.43 gr^o^sere Biegungsfestigkeit ausnutzen und dieselben schmaler machen zu k^onnen.

$0070.44

__Eine h^aufig vorkommende Untugend der Maurer ist die, sofort beim Mauern $0070.45 die Sto^sfugen, ^uber die Breite derselben hinaus, und auch die oberen Lager-<-P> $0 @@3@ ---------- $0070.46

__#H:120#G:) Siehe hier^uber: Wochbl. f. Arch. u. Ing. 1879, S. 157.

$0070.47

__#H:121#G:) In: #/+L'art de b%

@@1@ $0071.01 <-P>fl^achen mit M^ortel zu verstreichen, so da^s nicht mehr beobachtet werden kann, $0071.02 wie gemauert worden ist; gew^ohnlich sind dabei die Sto^sfugen nicht gen^ugend mit $0071.03 M^ortel ausgef^ullt, sondern nur au^sen zugestrichen. F^ur Mauerwerk, das geputzt $0071.04 werden soll, ist es sogar wegen des festen Anhaftens des Putzes erforderlich, da^s $0071.05 die Sto^sfugen au^sen offen gehalten werden. Jedoch soll das im allgemeinen f^ur $0071.06 Rohbauten zu empfehlende Vollmauern der Fugen oder das gleich beim Mauern $0071.07 erfolgende Ausstreichen der Fugen so geschehen, da^s dieselben als saubere Linien $0071.08 erscheinen.

$0071.09

__Bei dichten Steinen ist ein steiferer, bei porigen ein fl^ussigerer, bei stark be- $0071.10 lastetem Mauerwerk ein magerer, im anderen Falle ein fetterer M^ortel zu ver- $0071.11 wenden. Schwache, einer dauernden Feuchtigkeitsquelle nicht ausgesetzte Mauern $0071.12 k^onnen mit Luftm^ortel ausgef^uhrt werden. Starke Mauern trocknen, wegen des $0071.13 gro^sen M^ortelgehaltes und der gew^ohnlich noch vorhandenen Bergfeuchtigkeit der $0071.14 Steine, nur sehr langsam aus, weshalb man sie zweckm^a^sigerweise mit hydrauli- $0071.15 schem M^ortel mauert.

$0071.16

__Der M^ortelbedarf ist je nach der Art der Steine sehr verschieden. D^unnplattige $0071.17 und unregelm^a^sige Steine erfordern viel mehr M^ortel, als regelm^a^sige und mehr $0071.18 w^urfelf^ormig gestaltete.

$0071.19

__Wesentliche Vorteile sind f^ur das Bruchsteinmauerwerk durch Anwendung von $0071.20 magerem Cementm^ortel zu erreichen. Es wird nicht wesentlich teuerer, als ge- $0071.21 w^ohnliches Kalkm^ortelmauerwerk; Kostenersparnisse lassen sich aber durch Ver- $0071.22 ringerung der Massen wegen der gr^o^seren Festigkeit des Mauerwerkes erzielen. $0071.23 Mit Cementm^ortel l^a^st sich, allerdings unter der Voraussetzung sehr gewissenhafter, $0071.24 auf Einhaltung guten Verbandes und F^ullung aller Fugen mit M^ortel bedachter $0071.25 Maurer und richtiger M^ortelbereitung, ein Mauerwerk herstellen, das gleichf^ormiger, $0071.26 als vieles Quadermauerwerk ist, weil bei letzterem wegen der Ungef^ugigkeit der $0071.27 St^ucke auf Verkittung durch den Fugenm^ortel nicht gerechnet werden kann, das $0071.28 gegen^uber dem Backsteinmauerwerk den Vorteil besitzt, mit der gr^o^sten Leichtig- $0071.29 keit stetige Querschnittsver^anderungen eintreten zu lassen, und das billiger, als die $0071.30 genannten Mauerwerksarten ist. Zu beachten ist auch der Vorteil, der durch die $0071.31 Schnelligkeit der Ausf^uhrung, welche keine gro^sen Vorbereitungen erfordert, er- $0071.32 wachsen kann.

$0071.33

__Mitteilungen von #/+Liebold#/- ^uber Erfahrungen mit aus Cementbruchsteinmauer- $0071.34 werk ausgef^uhrten Kan^alen und Br^uckengew^olben finden sich in unten genannten $0071.35 Quellen#H:122#G:).

$0071.36

__Bei den Trockenmauerwerken beruht die Festigkeit nur auf der richtigen und $0071.37 sicheren Lagerung der Steine, wenn auch nicht geleugnet werden kann, da^s durch $0071.38 das in der zum Ausstopfen der Fugen benutzten Erde sich ausbreitende und ver- $0071.39 filzende Wurzelwerk von Pflanzen allm^ahlich eine wirkliche Verbindung der Steine $0071.40 herbeigef^uhrt wird. Da diese Wurzelbildung zugleich aber die Verwitterung der $0071.41 Steine bef^ordert und bei frei stehenden Mauern weniger eintritt, als bei Futter- $0071.42 mauern, denen von der Bergseite immer Feuchtigkeit zugef^ugt wird, so kann im $0071.43 allgemeinen von Trockenmauern aus kleinen und mittelgro^sen Steinen keine gro^se $0071.44 Dauer erwartet werden. W^ahrend die aus m^achtigen Bl^ocken aufgebauten cyklopi- $0071.45 schen Mauern Griechenlands und Italiens zum Teile au^serordentlich dauerhaft sich<-P> $0 @@3@ ---------- $0071.46

__#H:122#G:) Baugwksztg. 1880, S. 295. -- Zeitschr. f. Bauhdw. 1882, S. 9. -- Wochbl. f. Arch. u. Ing. 1883, S. 401. -- $0071.47 Zeitschr. f. Baukde. 1881, S. 519.

@@1@ $0072.01 <-P>gezeigt haben, sind die aus kleineren St^ucken hergestellten germanischen Befestigungs- $0072.02 mauern von Bergkuppen in Deutschland zu w^usten Tr^ummerhaufen, die unter dem $0072.03 Namen #.>Ringw^alle#.< bekannt sind, geworden#H:123#G:).

$0072.04 66.|Bruchstein-|rohbau.

__Hat man zur Herstellung von Mauern oder Mauerfl^achen, welche der Witterung $0072.05 ausgesetzt bleiben, ein wetterfestes, gut aussehendes Material zur Verf^ugung, so ist $0072.06 die Behandlung desselben als Rohbau empfehlenswert; dies ist um so mehr der $0072.07 Fall, je dichter und glatter in den Bruchfl^achen das betreffende Gestein ist, um so $0072.08 weniger gut also ein M^ortelputz auf demselben haften w^urde. F^ur die Herstellung $0072.09 solcher Bruchsteinrohbauten kann im allgemeinen auf dasjenige verwiesen werden, $0072.10 was in Art. 19 u. 20 (S. 29 bis 31) u. Art. 41 bis 45 (S. 52 bis 55) ^uber das $0072.11 Ausfugen, den Fugenm^ortel und die Reinigung der Mauerfl^achen bei Besprechung $0072.12 der Quader- und Backsteinrohbauten gesagt wurde; es bleibt dem hier wenig nur $0072.13 hinzuzuf^ugen.

$0072.14

__Noch mehr, als bei Backsteinrohbauten wird es bei Mauern aus unregel- $0072.15 m^a^sigen Steinen notwendig sein, darauf zu sehen, da^s durch die Art der Behand- $0072.16 lung der Fugen nicht die unruhige Wirkung des Fugennetzes verst^arkt werde. Des- $0072.17 halb wird man dem Fugenm^ortel in der Regel einen Farbenzusatz geben m^ussen, $0072.18 um ihn in Einklang, wenn auch nicht immer gerade in Uebereinstimmung, mit der $0072.19 Steinfarbe zu bringen; deshalb sind auch die mitunter zur Ausf^uhrung kommenden $0072.20 vorgelegten Fugen nicht gerade empfehlenswert. Noch weniger ist dies aber die $0072.21 schon in Art. 65 (S. 70) aus anderen Gr^unden ger^ugte Unart vieler Maurer, beim $0072.22 Mauern die Fugen ^uber die Breite derselben hinaus mit M^ortel zu verstreichen und $0072.23 dabei die Steinfl^achen zu beschmutzen. Die nachtr^agliche Reinigung ist immer eine $0072.24 m^uhsame, nicht immer ganz durchf^uhrbare und auch mit Nachteilen verkn^upfte $0072.25 Arbeit. Untergeordnete Mauern pflegt man allerdings auf diese Weise in den Fugen $0072.26 zu dichten, aber dieses sog. #.>Bestechen#.< sollte immer erst einige Monate nach Fertig- $0072.27 stellung der Mauer erfolgen, um derselben Zeit zum Austrocknen zu gew^ahren.

$0072.28

__Durch ein ^ahnliches Verfahren suchten die R^omer und nach ihnen das fr^uhe Mittelalter Mauern aus $0072.29 unregelm^a^sigen Bruchsteinen das Ansehen von regelm^a^sig geschichteten zu verleihen, indem sie in den $0072.30 frischen Bestich der Fugen nach dem Lineal Fugenlinien mit der Kelle einschnitten.

$0072.31 67.|Oberer|Abschlu^s der|Mauern.

__F^ur die dauernde Erhaltung von der Witterung ausgesetzten Bruchsteinmauern $0072.32 ist es ebenso wichtig, wie bei solchen Quader- und Backsteinmauern den oberen $0072.33 Abschlu^s so zu bilden, da^s alles Regen- und Tauwasser rasch abgef^uhrt und am $0072.34 Eindringen in das Mauerwerk verhindert wird. Auch hier kommen dieselben Mittel, $0072.35 wie beim Quaderbau zur Anwendung und kann daher auf das in Art. 14 u. 15 $0072.36 (S. 23 bis 25) Gesagte verwiesen werden.

$0072.37

__Am unvollkommensten und von sehr geringer Dauer ist die bei ordin^aren $0072.38 Bruchsteinmauern oft angewendete Bildung eines Kammes mit ein- oder zweiseitigem $0072.39 Gef^alle von M^ortel und eben solchen unregelm^a^sigen Steinen, wie sie zur Mauer $0072.40 verwendet wurden. F^ur alle Bruchsteinmauern empfiehlt sich die Anwendung $0072.41 von Abdeckungsplatten oder, bei geneigtem Abschlu^s, auch von geeignet ge- $0072.42 formten St^ucken aus nat^urlichem Stein oder gebranntem Thon mit gen^ugendem $0072.43 seitlichem Gef^alle, wenn nicht eine der noch in Kap. 12 (Schutz der W^ande gegen $0072.44 Feuchtigkeit) zu besprechenden anderen Abdeckungsarten gleichfalls in Betracht $0072.45 kommen kann.

$0 @@3@ ---------- $0072.46

__#H:123#G:) Ueber Ringw^alle und die #.>gallischen#.< Mauern #/+C^asar#/-'s vergl. die 1. Auflage dieses Heftes (Art. 65, S. 82), $0072.47 sowie: Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1883, S. 237. -- Zeitschr. f. Bauw. 1887, S. 239. -- #k+Cohausen,#k- A. v. Die Be- $0072.48 festigungen der Vorzeit. Wiesbaden 1898. S. 36, 46 u. 50.

@@1@ $0073.01

__Der Kostenersparnis wegen werden zumeist die Grund- und Kellermauern,68.|Grundmauern. $0073.02 weil dieselben nicht sichtbar oder wenigstens in versteckter Lage bleiben, aus Bruch- $0073.03 steinmauerwerk hergestellt, auch wenn anderes Material leicht zu beschaffen ist.

$0073.04

__Obgleich nun jede Bruchsteinmauer, wenn sie fest sein soll, in sorgf^altigem $0073.05 Verband ausgef^uhrt werden mu^s, so ist doch diese Sorgfalt und auch noch manche $0073.06 andere R^ucksichtnahme bei den Fundamentmauern ganz besonders notwendig, weil $0073.07 sie die am st^arksten belasteten Mauern der Bauwerke und sch^adlichen Einfl^ussen $0073.08 des sich an sie anlagernden Erdbodens ausgesetzt sind; deshalb erscheint es auch $0073.09 angezeigt, auf diese einzelne Mauergattung in Erg^anzung des im vorhergehenden $0073.10 Bande (Art. 388 bis 390, S. 273 bis 275 [2. Aufl.: Art. 397 bis 400, S. 306 bis 308]) $0073.11 in dieser Richtung Gesagten hier gesondert einzugehen, und zwar in Vergleichung mit $0073.12 anderen Steinmaterialien.

$0073.13

__Der starken Belastung wegen und um die Last des Bauwerkes auf eine ent- $0073.14 sprechend gro^se Fl^ache des Baugrundes zu ^ubertragen, macht man die Grundmauern $0073.15 st^arker, als die Gescho^smauern. Man erreicht dadurch auch, wenn die Grundmauern $0073.16 zugleich Kellermauern sind, eine von ^au^seren Einfl^ussen m^oglichst unabh^angige und $0073.17 gleichm^a^sige W^arme der Kellerr^aume, sowie gen^ugende Widerlager f^ur die etwa $0073.18 anzuwendenden Ueberw^olbungen. Diese Mauerverst^arkung wird nun entweder in $0073.19 der Weise beschafft, da^s die Grundmauer bis zur Bodenoberfl^ache die gleiche, f^ur $0073.20 die Druck^ubertragung auf den Baugrund gen^ugende St^arke erh^alt, oder indem man $0073.21 die Aufmauerung in von unten nach oben an St^arke abnehmenden Abs^atzen aus- $0073.22 f^uhrt. Das letztere ist h^aufig das Zweckm^a^sigere; man beschr^ankt sich aber in der $0073.23 Regel darauf, nur einen untersten breiten Absatz, das sog. Bankett, auszuf^uhren, $0073.24 namentlich dann, wenn man es mit Kellermauern zu thun hat, die auf der Innen- $0073.25 seite eine ungebrochene Ebene bilden m^ussen. Von besonderer Wichtigkeit und in $0073.26 der Form schwierig zu bemessen ist die Absatzbildung oder Abtreppung von Gr^un- $0073.27 dungen f^ur stark belastete Pfeiler. Uebrigens sollten Abtreppungen oder Bankette $0073.28 nur da angewendet werden, wo sie der Beschaffenheit des Baugrundes wegen wirk- $0073.29 lich erforderlich sind; denn sie verhindern immer an den Au^senseiten der Geb^aude $0073.30 das rasche Versickern des in den Boden eindringenden Wassers. Das letztere wird $0073.31 sich gerade nach den Mauern hinziehen, weil an diesen der Boden frisch aufgef^ullt, $0073.32 also lockerer als im benachbarten gewachsenen Erdreich ist. Jedenfalls wird sich $0073.33 bei Mauerabs^atzen die obere Abschr^agung zur Bef^orderung des Wasserabflusses $0073.34 empfehlen.

$0073.35

__Bei vollem Quaderwerk mit regelm^a^sigem Verband macht die Herstellung der $0073.36 Grundmauern keine Schwierigkeit; bei Ziegelmauerwerk ist schon darauf R^ucksicht $0073.37 zu nehmen, da^s die geringe Dicke der Steine eine gleichf^ormige Abtreppung mit $0073.38 jeder Schicht als unzul^assig und die geringe Lagerfl^ache der Steine dieselben f^ur $0073.39 eine gleichm^a^sige Druck^ubertragung auf den Baugrund als ungeeignet erscheinen $0073.40 l^a^st. Man wird daher bei Verwendung von Backsteinen die Abs^atze aus einer An- $0073.41 zahl von Schichten zusammensetzen m^ussen und, um den f^ur den Verband nach- $0073.42 teiligen Verbrauch an Quartierst^ucken einzuschr^anken, die Abs^atze bei beiderseitiger $0073.43 Abtreppung {1/4} Stein, bei einseitiger Abtreppung {1/2} Stein breit machen, so da^s die $0073.44 Ver^anderung der Mauerst^arke in jedem Absatz {1/2} Stein betr^agt. F^ur das Bankett $0073.45 ist aber der Anwendung von Backsteinen die eines gro^sst^uckigeren Materials vor- $0073.46 zuziehen. Das letztere gilt auch f^ur Grundmauern aus Bruchsteinen. Man stellt $0073.47 entweder das Bankett aus Quadern, vielleicht in K^astelverband, oder aus gro^sen<-P> @@1@ $0074.01 <-P>lagerhaften Platten oder in Ermangelung dieser geeigneteren Materialien aus den $0074.02 gr^o^sten und lagerhaftesten der vorhandenen Bruchsteine her. Wo m^oglich sucht man $0074.03 Binderschichten zu bilden. Die Verwendung vieler Binder ist nun auch notwendig $0074.04 bei der Aufmauerung der Abtreppungen; ein F^ullmauerwerk ohne guten Verband $0074.05 ist unzul^assig, da f^ur den Bestand der Mauer nichts sch^adlicher sein w^urde, als wenn $0074.06 ein oberer Absatz in der Hauptsache nur auf die F^ulle des darunter befindlichen $0074.07 zu stehen k^ame. Bei Anwendung von gew^ohnlichem Kalkm^ortel m^u^sten Spaltungen, $0074.08 die Trennung des Kernes von der Schale, die Folge sein. Nach der Gr^o^se der $0074.09 Vorsetzsteine sind denn auch hier die Breiten der Abs^atze zu bemessen. Bei ordi- $0074.10 n^arem Bruchsteinmauerwerk macht es keine Schwierigkeiten, die Mauerh^aupter $0074.11 mit B^oschungen zu versehen, und deshalb ist auch die Anordnung von solchen an $0074.12 Stelle von Abtreppungen vorzuziehen. Bei der auch hierbei immer anzustrebenden $0074.13 wagrechten Schichtung ist nur eine geringe Zurichtung der Steinh^aupter nach dem $0074.14 B^oschungswinkel mit dem Hammer erforderlich, w^ahrend Schichtsteine mit recht- $0074.15 eckigem Querschnitt mehr Arbeit verursachen w^urden.

$0074.16

__F^ur die Ausf^uhrung der Grundmauern werden Fundamentgr^aben hergestellt, die $0074.17 unten auf der Sohle um den Bankettvorsprung oder, wenn dieser fehlt, je nach der $0074.18 Tiefe 30 bis 45#H:cm#G: breiter als die Mauerst^arke gemacht werden. In manchen $0074.19 Gegenden ist es auch ^ublich, bei nicht zu gro^ser H^ohe der Grundmauern die $0074.20 Gr^aben der Ersparnis halber nur gerade so breit wie die Mauern zu machen. Die $0074.21 Wandungen der Gr^aben sind je nach der Bodenart mit mehr oder weniger B^oschung $0074.22 zu versehen. Diese Fundamentgr^aben werden nun mit wachsender H^ohe der Mauern $0074.23 gew^ohnlich gleich zugesch^uttet, das Mauerwerk also verf^ullt, um den Maurern die $0074.24 R^ustung zu ersparen und um sonstigen mit den offenen Gr^aben verkn^upften Un- $0074.25 annehmlichkeiten zu entgehen. Dies hat nun aber den gro^sen Nachteil zur Folge, $0074.26 da^s das Grundmauerwerk nicht austrocknen und der M^ortel wegen mangelnden $0074.27 Luftzutrittes nur langsam abbinden kann. Demnach bleibt einesteils eine Feuchtig- $0074.28 keitsquelle im Mauerwerk zur^uck; anderenteils erh^alt das Mauerwerk erst nach $0074.29 l^angerer Zeit diejenige Festigkeit, auf welche bei der Bemessung der Mauerdicke $0074.30 in Bezug auf die zu tragenden Lasten gerechnet wurde. Bei der raschen Bauweise $0074.31 unserer Zeit ist es nicht mehr, wie fr^uher, ^ublich, das Grundmauerwerk dem Luft- $0074.32 zutritt ausgesetzt stehen zu lassen, bis dieser Zeitpunkt erreicht ist und man mit $0074.33 Sicherheit weiter bauen kann; deshalb ist es notwendig, um den aus unserer Bau- $0074.34 weise entspringenden Gefahren zu entgehen, auch dann, wenn die Grundmauern in $0074.35 trockenem, dem Zutritt von Feuchtigkeit nicht ausgesetztem Boden ausgef^uhrt $0074.36 werden, zum mindesten dieselben mit hydraulischem M^ortel, besser noch mit Kalk- $0074.37 cementm^ortel oder magerem Cementm^ortel aufzumauern und so ein rasches Ab- $0074.38 binden zu erzielen.

$0074.39 69.|Bedeutung|des|Bruchsteinbaues.

__Die Vorteile des Bruchsteinbaues sind wirtschaftlicher Natur, die Nachteile $0074.40 teils konstruktiver, teils gesundheitlicher Art, je nach der Beschaffenheit des Ge- $0074.41 steines. In konstruktiver Beziehung werden die Nachteile sich verringern, ja ganz $0074.42 verschwinden k^onnen bei Verwendung von regelm^a^sig bearbeiteten Bruchsteinen $0074.43 (Schichtsteinen) und Heranziehung von Cement als Bindemittel, wobei immerhin $0074.44 noch Kostenersparnisse gegen^uber Quader- und Backsteinbau erzielt werden k^onnen; $0074.45 besonders gilt dies vom Bruchsteincementmauerwerk. Das letztere kann indes keinen $0074.46 h^oheren ^asthetischen Anforderungen gen^ugen, w^ahrend dies beim Schichtsteinmauer- $0074.47 werk m^oglich ist. Dieses n^ahert sich in dieser Beziehung dem Quaderbau.

@@1@ $0075.01

__Anders liegen die Verh^altnisse beim Rohbau aus unregelm^a^sigen Bruchsteinen. $0075.02 Mit diesem wird nur eine befriedigende Wirkung erzielt werden k^onnen, wenn es $0075.03 sich um malerische Belebung gr^o^serer Fl^achen handelt, die in Einklang mit der $0075.04 umgebenden Landschaft stehen sollen. Dies wird am ehesten mit den einfachsten, $0075.05 in der Natur des Materials begr^undeten Mitteln zu erreichen sein.

$0075.06

__Dem Backsteinbau gegen^uber hat das Bruchsteinmauerwerk den Vorteil, da^s $0075.07 ^uber die nat^urlichen Steine meist ausreichende Erfahrungen in Bezug auf ihre Eigen- $0075.08 schaften, namentlich Wetterbest^andigkeit, vorliegen, w^ahrend bei den Backsteinen $0075.09 dieselben ganz von der Herstellungsweise abh^angig sind. Man wird also im allgemeinen $0075.10 mit Bruchsteinen mit gr^o^serem Sicherheitsgef^uhl in Hinsicht auf Verwitterung bauen, $0075.11 als mit Backsteinen.

$0075.12

__Nachteile in gesundheitlicher Beziehung ergeben sich bei der Verwendung der $0075.13 konstruktiv so vorteilhaften Durchbinder durch das Durchschlagen der Feuchtig- $0075.14 keit, ferner durch die in der Regel in den Bruchsteinen noch in Menge enthaltene $0075.15 Bruchfeuchtigkeit, wenn denselben vor der Vermauerung nicht Zeit zum Austrocknen $0075.16 gelassen wurde, endlich bei den dichten Steinen in dem Mangel an Durchl^assigkeit, $0075.17 welcher die Lufterneuerung durch die W^ande verhindert und Feuchtigkeitsnieder- $0075.18 schl^age veranla^st. Zum Teile lassen sich diese Nachteile durch Verblendung mit $0075.19 Backsteinmauerwerk verringern.

$0075.20 @z ------ $0075.21 @Z 4. #s+Kapitel.#s- $0075.22 @Z Geputzte Mauern aus Bruch- und Backsteinen. $0075.23 @Z (Putzbau.) $0075.24 @Z a) Putz. $0075.25

__Putz, Verputz, Abputz, Bewurf, Bem^ortelung, T^unche (letzterer Ausdruck wird70.|Allgemeines. $0075.26 mitunter nur f^ur einen einfachen Anstrich gebraucht) ist die Bekleidung einer Wand- $0075.27 oder Deckenfl^ache mit einem M^ortel. Diese wird von besonderen Handwerkern, $0075.28 den T^unchern oder Wei^sbindern, in manchen Gegenden von den Maurern, mitunter $0075.29 von besonders auf diese Arbeiten ge^ubten sog. Putzmaurern, ausgef^uhrt.

$0075.30

__Zweck des Putzes ist Herstellung einer Schutzdecke gegen Witterungseinfl^usse, $0075.31 bei nicht witterungsbest^andigem Mauermaterial, oder gegen das Eindringen von $0075.32 Feuchtigkeit in die W^ande oder Verh^ullung von schlecht aussehendem Mauerwerk. $0075.33 In inneren R^aumen verwendet man den Putz haupts^achlich, um glatte Wand- und $0075.34 Deckenfl^achen zu erzielen und zur weiteren Ausschm^uckung vorzubereiten (hier^uber $0075.35 siehe Teil III, Band 3, Heft 3 dieses #.>Handbuches#.<). Hier haben wir es zun^achst $0075.36 nur mit dem Putz auf steinernen Au^senw^anden zu thun, m^ussen jedoch bemerken, $0075.37 da^s die Herstellung von Putz auf den Innenw^anden im allgemeinen die gleiche $0075.38 ist und nur noch h^aufig Verfeinerungen erf^ahrt. Die Ausf^uhrung des Putzes auf in $0075.39 den W^anden enthaltenen Holzteilen wird in Kap. 6 besprochen werden.

$0075.40

__Auch bei den Au^senw^anden kann die geputzte Fl^ache noch weitere Behand- $0075.41 lungen zum Zweck des Schutzes oder des Schmuckes erfahren. Zu diesen geh^oren $0075.42 Anstriche, malerische, musivische und plastische Ausschm^uckungen, welche in tech- $0075.43 nischer Beziehung kurz mit durchzusprechen sind.

@@1@ $0076.01

__Der Putz kann unterschieden werden nach dem M^ortel, aus dem er hergestellt $0076.02 wird, nach der Art des Mauerwerkes, auf welches er aufgetragen wird und nach der $0076.03 Art der Herstellung.

$0076.04 71.|M^ortel|f^ur|den Putz.

__Die Bildung der Putzschicht erfolgt haupts^achlich mit Luft-, hydraulischem, $0076.05 Cement- oder Kalkcementm^ortel. Als weitere Stoffe kommen noch Lehm, Gips $0076.06 und Tripolith in Betracht. Erstere beide k^onnen wegen ihrer geringen Dauerhaftig- $0076.07 keit nur in ganz gesch^utzter Lage zur Anwendung gelangen; doch wird mitunter $0076.08 Gips, wenn auch nicht mit Vorteil, als Zusatz zum Kalkm^ortel zur Herstellung des $0076.09 Stuckputzes auch an Au^senw^anden benutzt. Ueber den Tripolith, dessen Haupt- $0076.10 bestandteil auch Gips ist, sind die Meinungen in Bezug auf seine Wetterbest^andig- $0076.11 keit noch sehr geteilt#H:124#G:).

$0076.12

__Mit den Kalk- und Cementm^orteln lassen sich bei richtiger Bereitung und zweck- $0076.13 entsprechendem Auftrag gute und dauernde Erfolge erzielen. Diese Vorbedingungen $0076.14 sind aber auch zu erf^ullen, wenn der Putz eine wirkliche und zugleich dichte Schutz- $0076.15 decke bilden soll.

$0076.16 72.|Portland-|cementputz.

__Theoretisch betrachtet m^u^ste den dichtesten und deshalb zugleich wetter- $0076.17 best^andigsten Ueberzug reiner Portlandcement (ohne Sandzusatz) liefern; auch w^urde $0076.18 man im stande sein, demselben auf Verlangen eine gl^anzende Politur zu geben. $0076.19 Aber reiner Cementputz ist nicht allein sehr schwierig gut herzustellen; er ist auch $0076.20 im Freien sehr der Bildung von Haarrissen, infolge des ungleichm^a^sigen pl^otzlichen $0076.21 Dehnens und Schwindens und des raschen Trocknens der Oberfl^ache, ausgesetzt. $0076.22 Diese Gefahr ist auch noch bei fetten Cementsandm^orteln vorhanden, weshalb es $0076.23 unrichtig erscheint, mageren M^ortel^uberz^ugen durch Aufbringen einer oberen Schicht $0076.24 aus fetterem M^ortel gr^o^sere Dichtigkeit verschaffen zu wollen. Mehr d^urfte sich $0076.25 das umgekehrte Verfahren empfehlen, den fetteren, dichteren M^ortelbewurf durch $0076.26 einen mageren zu sch^utzen#H:125#G:).

$0076.27

__Durch Sandzusatz wird die Arbeit des Putzens mit Cement erleichtert und $0076.28 sicherer gemacht, wobei aber die Dichtigkeit mit der Menge desselben abnimmt. $0076.29 F^ur Putzarbeiten, die wetterbest^andig sein sollen, verwendet man in der Regel einen $0076.30 M^ortel aus 1 Raumteil Cement und 3 bis 4 Teilen Sand; dagegen f^ur solche, die $0076.31 wasserdicht sein sollen, wie bei Cisternen und anderen Beh^altern, auf 1 Teil Cement $0076.32 1 bis 2 Teile Sand, wobei man die Oberfl^ache gew^ohnlich noch mit etwas seinem $0076.33 Cement abschleift und gl^attet.

$0076.34

__Nach #/+Dyckerhoff#/-#H:126#G:) erzielt man aber bessere Ergebnisse, wenn man auf $0076.35 1 Teil Cement 2 Teile Sand und {1/2} Teil Kalkteig nimmt, weil dann das Ein- $0076.36 schleifen mit reinem Cement unterbleiben kann, das, wie oben bemerkt, die Ursache $0076.37 zur Bildung von Schwindungsrissen liefert. Glatte Putzfl^achen, die nicht wasserdicht $0076.38 zu sein brauchen, erh^alt man bei Anwendung von seinem Sand mit einem M^ortel $0076.39 von 1 Teil Cement auf 2 bis 3 Teile Sand. Bei mehr Sandzusatz, also bei Putz- $0076.40 arbeiten, von denen man nur geringere Festigkeit beansprucht, mu^s man jedoch $0076.41 nach #/+Dyckerhoff#/- Fettkalk zusetzen, wenn man sch^one Oberfl^achen erhalten will. Man $0076.42 hat es dann mit Kalkcementm^ortel zu thun, von dem sp^ater die Rede sein wird.

$0076.43

__Die Erfahrung hat oft gezeigt, da^s von bestem Portlandcement hergestellter $0076.44 Putz nicht dauerhaft ist. Derselbe l^ost sich entweder in d^unnen Schalen oder<-P> $0 @@3@ ---------- $0076.45

__#H:124#G:) Ueber Tripolith siehe: #k+Feichtinger,#k- G. Chemische Technologie der M^ortelmaterialien. Braunschweig 1885. S. 414.

$0076.46

__#H:125#G:) Siehe: Deutsche Bauz. 1883, S. 529.

$0076.47

__#H:126#G:) Siehe ebendas., 1882, S. 434.

@@1@ $0077.01 <-P>ganzen Platten von der Wand ab, oder es bilden sich Blasen und Buckel, die sp^ater $0077.02 auch abfallen. Die Ursache davon liegt entweder im Auftragen oder im zu raschen $0077.03 Austrocknen. Gew^ohnlich tr^agt die Schuld die zu geringe Ann^assung von trockenen $0077.04 Mauern, infolge deren dem Cement zu rasch seine zum Erh^arten erforderliche $0077.05 Feuchtigkeit entzogen wird; deshalb empfiehlt sich ^uberhaupt der Cement mehr $0077.06 f^ur den Abputz von feuchtem Mauerwerk, w^ahrend umgekehrt Luftkalkm^ortel nur $0077.07 bei ganz trockenen W^anden angewendet werden darf. Dagegen bew^ahrt sich der $0077.08 Cement ebenso wenig, wie andere M^ortel f^ur die Herstellung von geputzten Ge- $0077.09 b^audesockeln, in welche wegen mangelnder Isolierung Bodenfeuchtigkeit aufsteigen $0077.10 kann, die ein Zerfrieren im Winter veranla^st#H:127#G:). In solchen F^allen gew^ahrt eine $0077.11 Putzdicke von 2#H:cm#G: gegen^uber der sonst gebr^auchlichen von 13 bis 15#H:mm#G: etwas $0077.12 Sicherung.

$0077.13

__Das Rissigwerden und Abbl^attern des Putzes wird auch oft veranla^st durch $0077.14 das Auftragen desselben in d^unnen Schichten, deren oberste aus fetterem M^ortel $0077.15 hergestellt werden. Dies ist nach #/+Dyckerhoff#/- zu verh^uten, wenn man d^unne Schichten $0077.16 aus fettem Cementm^ortel vermeidet und die Putzmasse m^oglichst einheitlich bildet.

$0077.17

__F^ur das Gelingen von Cementputzarbeiten ist Schutz gegen Sonnenhitze und $0077.18 Frost, sowie einige Zeit fortgesetzte Anfeuchtung von Wichtigkeit. Das Beh^angen $0077.19 mit feuchten T^uchern oder Matten leistet gegen den Sonnenbrand gute Dienste. $0077.20 Der zum Putzen verwendete Cement mu^s ein langsam bindender sein. Um sich $0077.21 dessen zu versichern, ist es gut, denselben vorher einige Zeit ausl^uften zu lassen, $0077.22 d. h. ihn auf trockener Unterlage, gesch^utzt vor Feuchtigkeit, in d^unner Schicht zu $0077.23 lagern, damit der vorhandene freie Aetzkalk abl^osche#H:128#G:).

$0077.24

__Da^s die allgemeinen Regeln f^ur die M^ortelbereitung und f^ur die Beschaffenheit $0077.25 der Hilfsmaterialien Sand und Wasser streng beachtet werden m^ussen, bedarf eigent- $0077.26 lich keiner besonderen Erw^ahnung.

$0077.27

__Romancement#H:129#G:) wird auch oft mit Vorteil bei Beobachtung der n^otigen Vor-73.|Roman-|cementputz $0077.28 sicht, zu der ebenfalls t^uchtiges Ann^assen der Mauern geh^ort, zur Herstellung von $0077.29 Putz verwendet. Man soll mit demselben eine angenehme Sandsteinfarbe der Wand- $0077.30 fl^achen ohne Farbenzusatz erzielen. Gew^ohnlich nimmt man auf 1 Teil Cement $0077.31 6 Teile Sand.

$0077.32

__Der M^ortel von Luft- oder Fettkalk mu^s bekanntlich stets mit Sandzusatz74.|Putz von|Luftkalkm^ortel. $0077.33 bereitet werden, dessen Menge der G^ute des Kalkes entsprechend zu nehmen ist $0077.34 und f^ur Putzarbeiten 3 bis 5 Raumteile Sand auf 1 Teil Kalk betragen kann; denn $0077.35 f^ur diese darf er nicht zu fett genommen werden, da er sonst leicht Risse bekommt $0077.36 (entsprechend denjenigen des Kalkbreies in den S^umpfen) und auch nicht die ge- $0077.37 n^ugende Dichte erh^alt. Je d^unner die Kalkhydrathaut innerhalb der zul^assigen $0077.38 Grenzen ausf^allt, welche das einzelne Sandkorn umh^ullt, desto dichter und inniger $0077.39 kann die Ablagerung der Sandk^orner stattfinden, und um so rascher kann jene $0077.40 Haut durch Aufnahme von Kohlens^aure in kohlensauren Kalk sich umwandeln#H:130#G:). $0077.41 Mit der Dichtigkeit w^achst aber die Dauerhaftigkeit des Putzes. Dieses Ziel wird<-P> $0 @@3@ ---------- $0077.42

__#H:127#G:) Ueber die Ursachen der Mi^serfolge bei Verwendung von Portlandcement zum Putz siehe: #k+Heusinger v. Waldegg,#k- E. $0077.43 Die Kalk- und Cementfabrikation. Leipzig 1875. S. 172 u. ff.

$0077.44

__#H:128#G:) Ueber die Ver^anderungen beim Lagern des Cementes siehe Ausf^uhrliches: #k+Feichtinger,#k- G. Chemische Technologie $0077.45 der M^ortelmaterialien. Braunschweig 1885. S. 166 u. ff. -- Ueber Cementputz siehe Teil I, Band 1, erste H^alfte, 2. Aufl. $0077.46 (Art. 143, S. 163) dieses #.>Handbuches#.<.

$0077.47

__#H:129#G:) Ueber denselben und seine Verwendung zu Putz siehe Teil I, Band 1, erste H^alfte (Art. 68, S. 127 [2. Aufl. $0077.48 Art. 122 u. 123, S. 150--152]) dieses #.>Handbuches#.<.

$0077.49

__#H:130#G:) Siehe: Deutsche Bauz. 1874, S. 179.

@@1@ $0078.01 <-P>aber auch nicht erreicht, wenn man den Putzm^ortel zu mager macht, da in diesem $0078.02 Falle nicht gen^ugend Kittstoff vorhanden ist, der Putz also nicht fest werden kann, $0078.03 und derselbe ^uberdies viel zu porig wird.

$0078.04

__Ueber die Beschaffenheit der Grundstoffe und die Herstellung des Putzm^ortels, $0078.05 sowie die Bereitung desselben siehe Teil I, Band 1, erste H^alfte (Art. 57 bis 61, $0078.06 S. 119 bis 124 [2. Aufl.: Art. 78 bis 94, S. 129 bis 140]) dieses #.>Handbuches#.<. $0078.07 Doch mag hier besonders darauf aufmerksam gemacht werden, da^s der Fettkalk $0078.08 vor der Verwendung zur Herstellung von Putz immer eingesumpst werden mu^s und $0078.09 mindestens 14 Tage, besser aber 1 bis 2 Monate alt sein soll. Dies ist deshalb $0078.10 notwendig, weil nicht vollst^andig gel^oschte Kalkst^uckchen im Wandputz nachtr^aglich $0078.11 sich l^oschen und Blasen im Putz bilden, welche aufbrechen und trichterf^ormige $0078.12 L^ocher verursachen.

$0078.13

__G^unstige Ergebnisse sind nur beim Putz von ganz ausgetrocknetem Mauer- $0078.14 werk zu erwarten; doch darf auch die Feuchtigkeit des Luftm^ortels nicht zu rasch $0078.15 verdunsten, wenn der Putz Festigkeit erhalten und ein festes Anhaften desselben am $0078.16 Mauerwerk erreicht werden soll. Die Ausf^uhrung im Sonnenbrand ist also sch^ad- $0078.17 lich. Zu starkes Austrocknen verursacht die Bildung von Haarrissen, welche Wasser $0078.18 aufnehmen und dadurch dem Frost Gelegenheit zur Zerst^orung geben. Die Haar- $0078.19 risse entstehen infolge des zu raschen Schwindens des M^ortels, wobei auch der $0078.20 zwar in sich fest werdende Putz sich vom Mauerwerk teilweise abl^ost. Die Bildung $0078.21 von Haarrissen soll durch Zusatz von S^agesp^anen zum M^ortel verhindert werden $0078.22 k^onnen#H:131#G:).

$0078.23

__Da der Luftm^ortel, je nach der Zubereitung, eine mehr oder weniger, aber $0078.24 immer porige Masse bildet, so ist seine Verwendung an solchen Stellen auszuschlie^sen, $0078.25 wo dauernde Gelegenheit zur Aufsaugung von Feuchtigkeit geboten ist, also z. B. $0078.26 an den Sockeln von Geb^auden.

$0078.27 75.|Putz von|hydraulischem|Kalkm^ortel.

__Zum Putz ^au^serer Wandfl^achen wird im allgemeinen und mit Recht der hy- $0078.28 draulische Kalkm^ortel dem Fettkalkm^ortel vorgezogen, da er auch unter dem Ein- $0078.29 flu^s der N^asse erh^artet und fest bleibt, auch bei weniger sorgf^altiger Herstellung und $0078.30 Auftragung wetterbest^andiger ist, als unter gleichen Umst^anden der letztere. Es ist $0078.31 aber eine falsche Ma^sregel, hydraulischen Kalk oder Cement nur zum Abputz der $0078.32 sog. Wetterseite der Geb^aude (gew^ohnlich die Westseite) zu benutzen, da starke $0078.33 Schlagregen oft auch die anderen Seiten treffen und z. B. nach von Regen be- $0078.34 gleitetem Ostwinde h^aufig K^alte eintritt, infolgedessen der von Regenwasser durch- $0078.35 drungene, nicht oder nur wenig hydraulische M^ortel abfriert.

$0078.36

__Je hydraulischer der zum Putz verwendete Kalk ist, um so weniger Sand $0078.37 braucht demselben zugesetzt zu werden, um eine Umh^ullung der Sandk^orner mit $0078.38 Kalkhydrat zu erzielen, ohne dabei Ablagerungen von freiem Kalk im Putz bef^urchten $0078.39 zu m^ussen. Mit zunehmender Menge des letzteren nimmt die Dauerhastigkeit ab#H:132#G:). $0078.40 Es ist daher, da die hydraulischen Kalke sehr verschieden sind, vor der Verwendung $0078.41 immer erst durch Versuche festzustellen, welche Sandzusatzmengen dieselben vertragen.

$0078.42

__Auch dem Putz von hydraulischem Kalkm^ortel ist zu rasches Austrocknen $0078.43 sch^adlich und bei demselben starkes Ann^assen des Mauerwerkes notwendig.

$0078.44

__Damit nicht ungel^oschte Kalkst^ucke in den Putz gelangen, empfiehlt es sich, $0078.45 das Kalkpulver und die Kalkmilch durch ein Haarsieb laufen zu lassen.

$0 @@3@ ---------- $0078.46

__#H:131#G:) Siehe: Wiener Bauindustrie-Ztg., Jahrg. 7, S. 311.

$0078.47

__#H:132#G:) Siehe: Deutsche Bauz. 1874, S. 179.

@@1@ $0079.01

__Die mageren und hydraulischen Kalke werden in der Regel trocken gel^oscht und frisch verwendet. $0079.02 Das letztere soll von besonderem Vorteil f^ur die Dauerhaftigkeit des Putzes sein. Mehrfach wird sogar $0079.03 die Wiedereinf^uhrung einer ^alteren Methode empfohlen, n^amlich dem frischen M^ortel einen Teil ungel^oschten $0079.04 Kalkpulvers hinzuzusetzen#H:133#G:).

$0079.05

__Farbenanstriche sind auf Putz aus hydraulischem Kalkm^ortel erst nach dem $0079.06 Ausbl^uhen desselben, also nach Verlauf von 2 bis 3 Monaten, auszuf^uhren.

$0079.07

__Dem Fettkalk und den schwach hydraulischen Kalken k^onnen durch Zusatz76.|Putz von|Kalk-|cementm^ortel. $0079.08 von geeigneten Stoffen stark hydraulische Eigenschaften verliehen werden. F^ur den $0079.09 Putz kommt als solcher Zuschlag haupts^achlich der Portlandcement in Betracht, $0079.10 welcher zu diesem Zwecke wegen seiner Vorteile immer mehr in Aufnahme gelangt $0079.11 und namentlich mageren Cementm^orteln gegen^uber gro^se Vorz^uge besitzt, von denen $0079.12 die gr^o^sere Adh^asion an den Steinfl^achen besonders wichtig ist#H:134#G:). F^ur den Putz $0079.13 von Hochbauten d^urfte er aber auch den fetten Cementm^orteln vorzuziehen sein, $0079.14 da er bei gen^ugender Festigkeit und Dichtigkeit gr^o^sere Sicherheit bietet.

$0079.15

__Zur Herstellung von Kalkcementm^ortel benutzte #/+Tetmajer#/-#H:135#G:) bei seinen Unter- $0079.16 suchungen an Stelle des von #/+Dyckerhoff#/- empfohlenen Kalkteiges trocken gel^oschten $0079.17 Aetzkalk (Staubhydrat), da derselbe sich viel besser und inniger mit dem Cement- $0079.18 pulver mengen l^a^st und auch h^ohere Bindekraft besitzen soll als ersterer. Die $0079.19 #/+Tetmajer#/-'schen Versuche best^atigten die Ansicht, da^s magere Portlandcementm^ortel $0079.20 durch Kalkzuschl^age verbessert werden.

$0079.21

__Durch Zusatz von etwas Gips (es gen^ugen schon 2 Procent) oder Schwefels^aure77.|Selenitm^ortel. $0079.22 beim L^oschen des Fettkalkes erh^alt derselbe hydraulische Eigenschaften und liefert $0079.23 den #/+Scott#/-'schen Selenitm^ortel, welcher h^arter und fester als gew^ohnlicher Luftkalk- $0079.24 m^ortel ist und mehr Sandzusatz als dieser vertragen soll#H:136#G:).

$0079.25

__Terranova ist eine farbige Putzmasse, welche in Pulverform in den drei Farben78.|Terranova. $0079.26 Gelb, Hellrot und Dunkelrot in den Handel gebracht wird und einen Anstrich ent- $0079.27 behrlich macht. Die Farbt^one sind kr^aftig und warm; auch hat der fertige Putz $0079.28 ein ziegelartiges Korn, weshalb man ihn zu Nachahmungen von Backsteinrohbau $0079.29 verwenden kann. Die Rohstoffe derselben geh^oren zum Teile der Gruppe der $0079.30 hydraulischen Bindemittel an; die Farben sind Metalloxyde. Ueber seine Wetter- $0079.31 best^andigkeit liegen verschiedene Urteile vor#H:137#G:).

$0079.32

__Der Putz soll nicht zu dick und nicht zu d^unn aufgetragen werden, da der-79.|Dicke|des Putzes. $0079.33 selbe erfahrungsgem^a^s im ersten Falle leicht rissig wird und abf^allt, im zweiten $0079.34 auch nicht dauerhaft ist, da er zu rasch trocknet und auch nicht gen^ugend Schutz $0079.35 gew^ahrt. Als obere Grenze der Dicke sieht man 20 bis 25#H:mm#G:, als untere 10#H:mm#G: an. $0079.36 Ein gebr^auchliches Mittelma^s ist 13 bis 15#H:mm#G:. Wichtig ist, da^s der Putzauftrag $0079.37 eine gleichm^a^sige Dicke erh^alt; deshalb m^ussen die Wandfl^achen m^oglichst lotrecht $0079.38 und eben ausgef^uhrt werden; denn Abweichungen vom Lot und von der Ebene $0079.39 k^onnen nur durch verschiedene St^arke des Putzes ausgeglichen werden. Dies ver- $0079.40 anla^st einesteils an einzelnen Stellen ^uberm^a^sige Dicke des Putzes; andererseits $0079.41 findet an den verschieden dicken Stellen ungleichm^a^siges Trocknen und Schwinden<-P> $0 @@3@ ---------- $0079.42

__#H:133#G:) Siehe ^uber diesen Gegenstand: Deutsche Bauz. 1883, S. 120, 135, 208 -- sowie: Deutsches Baugwksbl. 1885, $0079.43 S. 476 -- sowie Teil I, Band 1, erste H^alfte, 2. Aufl. (Art. 115 u. 116, S. 148) dieses #.>Handbuches#.<.

$0079.44

__#H:134#G:) Mitteilungen ^uber gelungene Versuche mit Ueberz^ugen von solchem M^ortel an Uferbekleidungsmauern, zum Teile $0079.45 auf Basalt, finden sich in: Deutsche Bauz. 1883, S. 529. (Vergl. auch Teil I, Band 1, erste H^alfte [Art. 75, S. 132; 2. Aufl.: $0079.46 Art. 142, S. 162] dieses #.>Handbuches#.<.)

$0079.47

__#H:135#G:) Siehe: Die Baumaterialien der Schweiz. Z^urich 1884. 4. Aufl. S. 159, 177.

$0079.48

__#H:136#G:) N^aheres in: #k+Gottgetreu,#k- R. Physische und chemische Beschaffenheit der Baumaterialien. 3. Aufl. Berlin 1881. $0079.49 Bd. 2, S. 304 -- sowie in: #k+Haarmann#k-'s Zeitschr. f. Bauhdw. 1878, S. 19.

$0079.50

__#H:137#G:) Siehe: Baugwksztg. 1895, S. 597. -- Thonind.-Ztg. 1896, S. 60. -- Deutsche Bauz. 1898, S. 180, 204.

@@1@ $0080.01 <-P>des Putzes statt. Deshalb ist es auch nicht zweckm^a^sig, die Fugen des Mauer- $0080.02 werkes zu tief hohl zu lassen, weil ^uber diesen der Putz langsamer trocknen wird, $0080.03 als ^uber den Steinen. Rasch abgetrocknete Putzfl^achen werden die Fugen noch $0080.04 lange als dunkle Linien erkennen lassen.

$0080.05

__Bei starken Abweichungen von der lotrechten Ebene hilft man sich zur Ver- $0080.06 ringerung der Putzdicke durch Eindr^ucken von Dachziegeln.

$0080.07

__Die R^omer stellten ihren durch gro^se Dauer ausgezeichneten Wandputz bekanntlich sehr stark her, $0080.08 7 bis 8#H:cm#G: bei besseren Ausf^uhrungen; doch kommen noch gr^o^sere Putzst^arken vor. Derselbe bestand $0080.09 nach #/+Vitruv#/-#H:138#G:) au^ser dem Berapp aus 3 Schichten feinsandigen Kalkm^ortels und 3 Schichten nach au^sen $0080.10 feiner gemachten Marmorstucks, welche letztere t^uchtig mit St^ocken geschlagen wurden.

$0080.11

__Die Herstellung so dicken Putzes war wohl nur mit einem M^ortel von vorz^uglicher Adh^asionskraft $0080.12 m^oglich und wenn man mit dem Auftrag einer neuen Schicht so lange wartete, bis die vorhergehende fest $0080.13 geworden war. Das Rissigwerden der Stuck^uberz^uge wurde durch die t^uchtige Bearbeitung derselben mit $0080.14 St^ocken verhindert. Aber auch die unteren M^ortelauftr^age, denen bei gro^ser Dicke Ziegelst^ucke bei- $0080.15 gemengt waren, scheinen stark zusammengepresst worden zu sein, wie aus den Beobachtungen #/+Rondelet#/-'s#H:139#G:) $0080.16 hervorgeht. Dies hatte vielleicht den Zweck, zu verhindern, da^s der Bewurf an der Oberfl^ache fr^uher $0080.17 trocknete, als im Innern.

$0080.18 80.|Putz auf|Mauerwerk im|Allgemeinen.

__Will man einen dauerhaften Putz erzielen, so gilt f^ur alle Arten von Mauer- $0080.19 werk die Regel, da^s die zu putzenden Fl^achen frei von Staub sein m^ussen, da $0080.20 dieser trennend zwischen Mauer und Putz wirken und das feste Anhaften des letz- $0080.21 teren verhindern w^urde. Zur Beseitigung desselben gen^ugt das Abkehren mit $0080.22 Besen oder Abreiben mit scharfen B^ursten nicht; sondern es mu^s Besprengen mit $0080.23 Wasser stattfinden, was allerdings auch wieder nicht zu weit getrieben werden darf, $0080.24 um den Mauern nicht zu viel Feuchtigkeit zuzuf^uhren. Dieses Ann^assen ist, wie $0080.25 schon mehrfach angef^uhrt wurde, bei den ausgetrockneten Mauern auch notwendig, $0080.26 um zu verhindern, da^s dem M^ortel zu rasch sein zur Erh^artung notwendiges Wasser $0080.27 entzogen werde.

$0080.28

__Bei den aus Steinen aufgebauten Mauern ist ferner die Beseitigung aller lockeren $0080.29 M^ortelteile aus den Fugen notwendig, ebenso wie das Aufhauen der letzteren, wenn $0080.30 nicht mit offenen Fugen gemauert wurde. Im letzteren Falle d^urfen aber aus schon $0080.31 im vorhergehenden Artikel angegebenem Grunde die Fugen nicht zu tief von M^ortel $0080.32 frei bleiben.

$0080.33 81.|Putz auf|Bruchstein-|mauern.

__Je rauher, poriger und kleinst^uckiger die nat^urlichen Steine sind, um so besser $0080.34 wird der Putz auf denselben haften.

$0080.35

__Auf dichten und glatten Steinen, wie Granit, Basalt, Quarz u. s. w., h^alt er $0080.36 schlecht und um so schlechter, je gr^o^ser die St^ucke dabei sind, je weniger Fugen $0080.37 das Mauerwerk also enth^alt. Man mu^s sich alsdann m^oglichst auf einen Fugen- $0080.38 bestich zu beschr^anken suchen; am besten scheint sich noch in diesen F^allen zum $0080.39 Putz Kalkcementm^ortel zu bew^ahren; auch darf er nur in d^unner Schicht aufgetragen $0080.40 werden. Einen besseren Halt f^ur den Putz sucht man mitunter durch Einmauern $0080.41 von einzelnen Ziegeln zu erzielen, deren K^opfe b^undig mit der Putzoberfl^ache liegen.

$0080.42

__Nach #/+Sch^afer#/-#H:140#G:) wurden im Mittelalter Bruchsteinmauern immer geputzt. Den Anschlu^s an vor- $0080.43 handene Eckquader, welche stets mit der Bruchsteinfl^ache in einer Flucht liegen, stellte man so her, da^s $0080.44 der Putz entweder noch 15#H:mm#G: weit ^uber die Anschlu^sfuge hinweg auf den Quader gelegt und dort scharf $0080.45 abgeschnitten wurde, oder da^s man ihn auf der Quaderfl^ache flach auslaufen lie^s, oder da^s man auch $0080.46 noch den Quader mit einer sehr d^unnen M^ortelschicht etwa von der St^arke eines Messerr^uckens bedeckte, $0080.47 welche so glatt gerieben wurde, da^s sie wie poliert aussah.

$0 @@3@ ---------- $0080.48

__#H:138#G:) Lib. VII, Kap. 3.

$0080.49

__#H:139#G:) In: Theoretisch-praktische Anleitung zur Kunst zu bauen. Leipzig, Darmstadt und Wien 1834. Band 2, S. 339, $0080.50 Anmerkung.

$0080.51

__#H:140#G:) In: Deutsche Bauz. 1880, S. 560.

@@1@ $0081.01

__Der geeignetste Untergrund f^ur Putz ist Backsteinmauerwerk, nicht allein wegen82.|Putz auf|Backstein-|mauern. $0081.02 der vielen Fugen, in denen derselbe Halt findet, sondern auch wegen der innigen $0081.03 Verbindung, welche ein normaler M^ortel durch Silikatbildung mit gut gebrannten $0081.04 Backsteinen eingeht. Dies bef^ordert aber die Erzielung eines dauerhaften Putzes $0081.05 sowohl bei Fettkalk-, hydraulischem, als Cementm^ortel, und deshalb ist es eine $0081.06 irrige Ansicht, zu glauben, f^ur die Herstellung von zu putzenden Mauern w^aren noch $0081.07 die schlechtesten Steine gut genug. Nicht gar gebrannte Steine haben diese Eigen- $0081.08 schaft nicht, weil sie nicht gen^ugende Hitze erhielten, um Kiesels^aure und Thonerde $0081.09 zum Aufschlie^sen zu bringen. Sie verhalten sich nicht besser, als viele nat^urliche $0081.10 Steine, und werden vom Putz nur umh^ullt.

$0081.11

__Machen sich auf Bruchstein- oder Backsteinmauern Ausbesserungen oder Er-83.|Erneuerung|des Putzes. $0081.12 neuerungen des Putzes notwendig, so m^ussen die geputzt gewesenen Fl^achen zur $0081.13 Aufnahme des neuen Ueberzuges gen^ugend vorbereitet werden, um dem letzteren $0081.14 Dauer zu sichern. Alle Poren der Steine sind mit Bindemittel gef^ullt, so da^s also $0081.15 blo^se Reinigung und Aufhauen der Fugen nicht gen^ugen, sondern eine Ueber- $0081.16 arbeitung mit dem scharfen Hammer oder der Zweispitze, oder bei Backsteinen $0081.17 ein Abreiben notwendig ist, um frische Steinfl^achen blo^s zu legen.

$0081.18

__Der Kalkm^ortel haftet auf Mauern aus Lehmsteinen (Luftziegeln) schlecht, und84.|Putz auf|Lehmstein-|mauern. $0081.19 doch ist f^ur diese das Bed^urfnis nach einem witterungsbest^andigen Putz besonders $0081.20 vorhanden, weil der Lehm der N^asse nicht lange Widerstand leistet und unter deren $0081.21 Einflu^s zerf^allt. F^ur innere, in trockener Lage befindliche derartige Mauern gen^ugt $0081.22 ein Lehmputz; f^ur ^au^sere k^onnte sich ein Cementputz anwenden lassen, da Portland- $0081.23 cementm^ortel auf Lehm haftet, wenn nicht infolge des starken Setzens der Lehm- $0081.24 w^ande der rasch erh^artete und spr^ode Cementputz Spr^unge erhalten und sich ab- $0081.25 l^osen, und wenn nicht durch das Gefrieren und Wiederauftauen des unter dem $0081.26 Cement immer etwas feuchten Lehmes der Ueberzug abgesprengt werden w^urde. $0081.27 Die Verwendung von Cementlehmputz hat bessere Ergebnisse geliefert#H:141#G:).

$0081.28

__Um auch dem Kalkputz mehr Halt auf Lehmsteinmauern zu verschaffen, hat $0081.29 man nach allerhand Mitteln gesucht, von denen einige hier angef^uhrt werden sollen.

$0081.30

__Das kostspieligste und bei Anwendung von weiteren Vorsichtsma^sregeln wohl auch am meisten $0081.31 Aussicht auf Erfolg versprechende Mittel ist das, alle 3 bis 4 Lehmsteinschichten eine Schicht gebrannte $0081.32 Steine anzuwenden. Au^serdem ist mit offenen Fugen zu mauern und den Steinen der Fassadenfl^achen $0081.33 gehacktes Stroh oder Flachsabg^ange oder dergl. beizumengen (man hat es dann mit Lehmpatzen zu thun), $0081.34 oder das Haupt beim Streichen der Steine mit scharfem Sande zu bestreuen. Ist der Lehm sehr mager, $0081.35 so verschafft man den Steinen etwas mehr Wasserbest^andigkeit durch Zusatz von gel^oschtem Kalk. Vor $0081.36 dem Auftragen des Kalkputzes m^ussen die Lehmsteine vollst^andig trocken sein; sie sind aber bei Beginn $0081.37 des Putzens stark zu n^assen, weil der trockene Lehm mit Begierde Wasser ansaugt.

$0081.38

__Von anderen Mitteln, um dem Putz auf Lehmsteinen mehr Halt zu geben, sollen sich die folgenden $0081.39 gut bew^ahrt haben: Einschlagen von kleinen Dachziegelst^ucken in die Fugen, oder Eindr^ucken, bezw. Ein- $0081.40 schlagen von St^ucken Kalktuff oder por^oser Ziegel in die H^aupter der angefeuchteten Steine#H:142#G:), oder $0081.41 mehrmaliges hei^ses Teeren vor dem Kalkputzauftrag#H:143#G:), oder Zusatz von S^agesp^anen zum M^ortel#H:144#G:).

$0081.42

__Die sichersten Ergebnisse, allerdings keinen eigentlichen Putz, erzielt man, wenn man die Wand- $0081.43 fl^achen mit Wasser und dem Reibebrett abreibt und dann mit Kalkwei^se abfilzt.

$0081.44

__Diese verschiedenen Behandlungsweisen der Lehmsteinw^ande bieten nur dann $0081.45 eine Gew^ahr f^ur einige Dauer, wenn neben sorgf^altiger Ausf^uhrung daf^ur gesorgt $0081.46 wird, da^s der Regen von den W^anden, die m^oglichst nur einst^ockig aufzuf^uhren<-P> $0 @@3@ ---------- $0081.47

__#H:141#G:) Siehe: #k+Liebold,#k- B. Der Zement. Halle a. S. 1875. S. 11.

$0081.48

__#H:142#G:) Hier^uber siehe: #k+Haarmann#k-'s Zeitschr. f. Bauhdw. 1858, S. 37.

$0081.49

__#H:143#G:) Ausf^uhrliches hier^uber ebendas., 1866, S. 193.

$0081.50

__#H:144#G:) Nach: Baugwksztg. 1890, S. 535.

@@1@ $0082.01 <-P>sind, durch weit vorspringende D^acher abgehalten und das Aufsteigen der Erd- $0082.02 feuchtigkeit durch Isolierungen verhindert wird.

$0082.03 85.|Putz auf|Lehmpis%/e-|mauern.

__Auf Lehmpis%/emauern ist es noch schwieriger, einen haltbaren Kalkm^ortelputz $0082.04 herzustellen, als auf Lehmsteinmauern, da die Fugen fehlen. Man hat es auch bei $0082.05 diesen W^anden versucht, dieselben mit Ziegelsteinst^ucken zu spicken, um dem Kalk- $0082.06 putz Halt zu schaffen; infolge des Schwindens des Lehmes beim Trocknen werden $0082.07 aber die Steinst^ucke locker. Besser soll die Arbeit gelingen, wenn man die Wand $0082.08 vor dem Spicken mit porigen Steinen mit einem Strohlehm^uberzug versieht. Das $0082.09 gew^ohnlichste Verfahren besteht darin, da^s die Wandfl^achen durch Bearbeiten mit $0082.10 einem stumpfen Besen rauh gemacht oder schr^ag von oben nach unten mit einem $0082.11 eisernen, rechenartigen Werkzeug L^ocher in dieselben geschlagen werden. Dann $0082.12 wird ein d^unner Rappbewurf von einem M^ortel aufgetragen, welcher aus 1 Teil $0082.13 Kalk, 3 Teilen Lehm und 2 Teilen Sand gemischt ist, und schlie^slich ^uber diesem $0082.14 mit gew^ohnlichem Kalkm^ortel geputzt, am besten als Spritzbewurf. Auch der im $0082.15 vorhergehenden Artikel erw^ahnte Zusatz von S^agesp^anen zum Kalkm^ortel soll sich $0082.16 bew^ahrt haben.

$0082.17

__Hauptsache f^ur Herstellung eines dauerhaften Putzes ist die vorher auch innen $0082.18 vollendete Austrocknung der Mauer. Die nach dem Putzauftrag nach au^sen sich $0082.19 ziehende N^asse tritt zwischen Mauer und Putz und l^ost denselben in gro^sen Tafeln ab.

$0082.20 86.|Zeitpunkt|des Putzens.

__Von nicht geringer Wichtigkeit f^ur die Erzielung eines dauerhaften Putzes auf $0082.21 den verschiedenen Mauerwerksarten ist die richtige Wahl der Zeit f^ur die Aus- $0082.22 f^uhrung. Wie schon mehrfach betont, ist es notwendig, die Trockenheit der Mauern $0082.23 abzuwarten, und zwar deshalb, weil durch den Putz^uberzug das Austrocknen er- $0082.24 schwert und verlangsamt wird. Es ist deswegen ein gerechtfertigtes Verfahren, das $0082.25 ^au^sere Putzen der Geb^aude erst einige Zeit nach Vollendung derselben vorzunehmen, $0082.26 so da^s, wenn auch die Innenw^ande verputzt sind, doch die Feuchtigkeit nach au^sen $0082.27 entweichen kann. Sind die Mauersteine sehr wenig witterungsbest^andig, so wird es $0082.28 sich allerdings empfehlen, den ^au^seren Putz zuerst auszuf^uhren und mit dem inneren $0082.29 zu warten.

$0082.30

__Das Verschieben des Putzens bis einige Zeit nach Vollendung des Baues hat $0082.31 noch den weiteren Vorteil, da^s das Setzen desselben in der Hauptsache bis dahin $0082.32 vor^uber sein wird und deshalb dieses nicht mehr die Veranlassung von Rissebildung $0082.33 im Putz sein kann.

$0082.34

__Mit dem Zuwarten ist aber auch ein Nachteil verbunden. Je l^anger man $0082.35 wartet, um so mehr werden sich die f^ur das feste Haften des Putzes wichtigen $0082.36 Poren der Steine mit Staub f^ullen, worauf man bei der Reinigung vor dem Beginn $0082.37 des Putzens geb^uhrende R^ucksicht zu nehmen hat.

$0082.38

__Die g^unstigsten Jahreszeiten f^ur die Ausf^uhrung des Putzes sind Fr^uhjhar und $0082.39 Herbst. Der Winter ist unzul^assig wegen des Frostes; die hei^sen Sommermonate $0082.40 sind wegen des zu raschen Austrocknens nicht zu empfehlen. Das zeitige Fr^uhjahr $0082.41 hat den Nachteil, da^s die Mauern der w^ahrend des Herbstes im Rohbau vollendeten $0082.42 Bauten noch zu viel Feuchtigkeit enthalten, die im Winter nicht gen^ugend ver- $0082.43 dunsten konnte; auch k^onnen zu dieser Zeit leicht Sch^aden durch Nachtfr^oste ent- $0082.44 stehen; das letztere gilt auch f^ur den Sp^atherbst.

$0082.45

__Besonders vorsichtig mu^s man bei Cementputz in der Wahl der Jahreszeit $0082.46 sein, da dieser gegen Hitze und Frost sehr empfindlich ist. Ist derselbe zu einer $0082.47 Zeit auszuf^uhren, wo Frost leicht eintreten kann, so mu^s man ihn m^oglichst steif<-P> @@1@ $0083.01 <-P>verwenden, damit er nicht viel mehr als das zum Abbinden erforderliche Wasser $0083.02 enth^alt.

$0083.03

__Man kann den Putz nach der Anzahl der bis zur Vollendung aufeinander87.|Arten|des Putzens. $0083.04 folgenden M^ortelauftr^age in #s+ein-, zwei-, drei-#s- und #s+vierschichtigen Putz#s- unter- $0083.05 scheiden#H:145#G:). Wir wollen hier aber die gebr^auchlichen Arten unter den ^ublichen $0083.06 Namen vorf^uhren. Es sind dies Berapp-, gestippter Putz, Rieselbewurf, ordin^arer $0083.07 Putz, Spritzbewurf, feiner (glatter) Putz, Stuckputz.

$0083.08

__Der #s+Berapp, Rappputz#s- oder #s+rauhe Bewurf#s- unterscheidet sich vom Bestich,88.|Berapp. $0083.09 d. h. vom Auswerfen oder Ausschwei^sen der Fugen in allen ihren Vertiefungen $0083.10 mit einem groben, d^unnen M^ortel (siehe Art. 66, S. 72), dadurch, da^s nicht nur die $0083.11 Fugen und deren n^ahere Umgebung mit M^ortel beworfen werden, sondern dies in $0083.12 d^unner Schicht ^uber die ganze Ausdehnung der Mauer erfolgt. Der an einzelnen $0083.13 Stellen zu stark aufgetragene, grobsandige M^ortel wird mit der Kelle abgestrichen. $0083.14 Der Putz beh^alt seine rauhe Oberfl^ache oder wird mit der Kelle gegl^attet.

$0083.15

__Die Herstellung eines guten Berappes erfordert eine ziemlich kunstfertige Hand- $0083.16 habung der Kelle. Diese mu^s noch gr^o^ser sein, wenn dem M^ortel grobe Kiesel bei- $0083.17 gemengt werden, da der Anwurf dann so erfolgen mu^s, da^s sp^ater nichts wieder weg- $0083.18 genommen zu werden braucht. Man nennt diese Art der Ausf^uhrung wohl auch #s+Spritz- $0083.19 bewurf,#s- der sich aber von dem nachher zu besprechenden wesentlich unterscheidet.

$0083.20

__In manchen Gegenden wird der Berapp in der Weise ausgef^uhrt, da^s die $0083.21 Kellenw^urfe an der Wand aneinander gereihte H^aufchen bilden; dies ist der #s+Kraus-, $0083.22 T^upfel-#s- oder #s+H^aufchenputz,#s- der mitunter bis zur Bildung von regelm^a^sigen $0083.23 Mustern (Rosetten u. dergl.) getrieben wird.

$0083.24

__Der #s+gestippte, gest^appte#s- oder #s+Besenputz#s- ist ein Berapp, dessen Ober-89.|Gestippter Putz. $0083.25 fl^ache ein gleichm^a^sig gek^orntes Aussehen dadurch erh^alt, da^s man ihn vor dem $0083.26 Erstarren mit einem stumpfen Reisigbesen stippt oder stupft.

$0083.27

__Den #s+Rieselbewurf#s- erh^alt man, wenn ^uber einem Berapp ein Anwurf mit90.|Rieselbewurf. $0083.28 einem M^ortel ausgef^uhrt wird, der mit gesiebten Kieseln von der Gr^o^se einer kleinen $0083.29 Haselnu^s gemengt ist.

$0083.30

__Der #s+ordin^are Putz#s- besteht aus zwei Schichten. Nachdem die Fugen des91.|Ordin^arer Putz. $0083.31 Mauerwerkes bestochen (ausgeschwei^st) worden sind, wird ein erster rauher und $0083.32 d^unner Anwurf ausgef^uhrt, den man etwas erstarren l^a^st, bis er kleine Risse be- $0083.33 kommt. Dar^uber kommt dann ein zweiter, etwas magerer Bewurf, der durch Ab- $0083.34 reiben weniger oder mehr gegl^attet wird#H:146#G:).

$0083.35

__Beim #s+Spritzbewurf,#s- auch #s+Besenbewurf#s- genannt, wird wie bei Herstellung92.|Spritzbewurf. $0083.36 des ordin^aren Putzes verfahren, nachdem aber der zweite Bewurf oberfl^achlich ab- $0083.37 gerieben ist, ein dritter von einem d^unnen, aus Kalk, nicht zu feinem Quarzsand $0083.38 von gleichm^a^sigem Korn und der Farbe, nach welcher die Fassade abget^ont werden $0083.39 soll, zusammengesetzten M^ortel angespritzt. Dies geschieht, indem man einen mit $0083.40 der rechten Hand gef^uhrten stumpfen Besen gegen ein in der linken gehaltenes $0083.41 Holz so anschl^agt, da^s der Inhalt des Besens an die Wand geworfen wird.

$0083.42

__Der #s+feine Putz#s- wird wie der ordin^are hergestellt, der zweite Auftrag aber nur93.|Feiner Putz. $0083.43 mit der Kard^atsche -- einem gro^sen, l^anglichen Reibebrett -- abgerieben und dann $0083.44 ein dritter von etwas fetterem, mit ganz feinem Sande hergestelltem M^ortel aufgezogen. $0083.45 Dieser wird dann sorgf^altig mit dem nur leicht angedr^uckten Reibebrettchen abgerieben.

$0 @@3@ ---------- $0083.46

__#H:145#G:) Siehe: #k+Mothes,#k- O. Illustrirtes Baulexikon. 3. Aufl. Leipzig und Berlin 1876. Band 3, S. 482: Art. #.>Putz#.<.

$0083.47

__#H:146#G:) N^aheres ^uber die Ausf^uhrung des ordin^aren Putzes wurde mitgeteilt in der 1. Auflage dieses Heftes (Art. 90, S. 93).

@@1@ $0084.01

__Jeder Auftrag darf erst erfolgen, nachdem der vorhergehende etwas angezogen $0084.02 hat, d. h. einen Teil seines Wassergehaltes verloren hat und steif geworden ist, so $0084.03 da^s er durch das Gewicht des neu angetragenen M^ortels nicht von der Wand ab- $0084.04 gel^ost werden kann. Das Abreiben mu^s unter Benetzung mit Wasser stattfinden. $0084.05 Will man ganz feinen Putz erzielen, so verwendet man mit Filz beschlagene Reibe- $0084.06 brettchen, was aber eigentlich nur bei innerem Wandputz vorkommt.

$0084.07

__#/+B^ues#/-#H:147#G:) stellt als oberste Regel zu Erlangung eines dauerhaften Mauerputzes, mag derselbe nun $0084.08 aus Portlandcement, hydraulischem oder fettem Kalk hergestellt werden, die auf, zu der ganzen Dicke des $0084.09 Putzes nur eine, und zwar die f^ur den jedesmal vorliegenden besonderen Fall geeignetste M^ortelmischung $0084.10 zur Anwendung zu bringen, nicht aber, wie es h^aufig geschieht, mehrere Lagen von ungleicher Mischung $0084.11 ^ubereinander aufzutragen. Jede der Mischungen h^atte ihren eigenartigen Adh^asions-, Koh^asions-, Bindungs- $0084.12 und Schwindungsvorgang, so da^s bei gleichzeitiger Anwendung derselben die Erzielung eines wirklich ein- $0084.13 heitlichen ^au^seren Mauerputzes mindestens sehr erschwert w^urde.

$0084.14

__Weiter verlangt #/+B^ues,#/- da^s die ganze Dicke der Putzschicht, die man an den schw^achsten Stellen $0084.15 nicht unter 15#H:mm#G: nehmen sollte, in sehr kurzen Zwischenr^aumen, wom^oglich #.>in einer Hitze#.<, wie der $0084.16 Maurer sich ausdr^uckt, aufgetragen wird, um ein Wiederaufweichen abgebundener Teile infolge von An- $0084.17 wendung vielen Wassers zu vermeiden.

$0084.18

__Diesen Anforderungen kann bei ^au^serem Mauerputz entsprochen werden, wo es sich in der Regel $0084.19 nicht um Herstellung sehr glatter Wandfl^achen handelt, und wenn die #.>sehr kurzen#.< Zwischenr^aume so $0084.20 lang bemessen sind, da^s der erste Putzauftrag, wie oben besprochen wurde, so weit abgestorben ist, da^s $0084.21 er den zweiten ertragen kann.

$0084.22

__Mit diesen Forderungen etwas in Widerspruch steht der #/+Ambroselli#/-'sche preisgekr^onte Wandputz#H:148#G:) $0084.23 f^ur Ziegelmauern. Derselbe verlangt au^ser den sonst allgemein als richtig anerkannten Bedingungen eines $0084.24 Mauerwerkes aus guten Backsteinen, vollst^andig reiner M^ortelbestandteile und der gen^ugenden Ann^assung $0084.25 des Mauerwerkes die Anwendung von drei verschiedenen Sorten von M^orteln, zu deren Bereitung drei $0084.26 verschiedene Sandsorten und verschieden gro^se Zus^atze von Portlandcement benutzt werden.

$0084.27 94.|Stuckputz.

__Unter dem Namen Stuck #/+(Stucco)#/- begreift man sehr verschiedenartige M^ortel: $0084.28 man nennt so reinen Gipsm^ortel, aber ebenso auch Gemisch von Sand, Kalk und $0084.29 Gips (Kalkstuck) oder Kalk, Sand und Marmorstaub (Marmorstuck). Auch M^ortel $0084.30 mit anderen Zus^atzen, wie Steinkohlenstaub, Ziegelmehl, Eisenfeilsp^anen u. dergl. $0084.31 werden Stuck genannt. Mit dem Stuck bezweckt man die Erzielung sehr glatter $0084.32 und dichter, h^aufig sogar polierbarer Fl^achen, oder man verwendet ihn zum Formen $0084.33 von Ornamenten oder Herstellen von Gesimsen an den W^anden selbst.

$0084.34

__F^ur die Anwendung am Aeu^seren der Geb^aude eignen sich, wegen ihrer $0084.35 geringen Wetterbest^andigkeit, diejenigen Stuckarten sehr wenig, welche Gips ent- $0084.36 halten. Hie und da braucht man sie aber doch hierzu und sucht sie dann durch $0084.37 Oelfarbenanstrich zu sch^utzen. Ein Kalkstuckputz zu diesem Zwecke besteht nach $0084.38 #/+Fink#/-#H:149#G:) aus fertigem Kalkm^ortel und Gips zu gleichen Teilen, oder aus 3 Teilen $0084.39 Kalk, 3 bis 4 Teilen Gips und 3 bis 4 Teilen Sand. Die sorgf^altig gemischte $0084.40 und mit Wasser angemachte Masse erh^artet nur langsam, l^a^st sich also bequem ver- $0084.41 arbeiten, erlangt aber keine gro^se H^arte.

$0084.42

__Nach #/+Rondelet#/-#H:150#G:) verwendet man zu Stuckarbeiten im Freien f^ur den Unter- $0084.43 grund ein Puzzolanm^ortel oder an Stelle dessen, der schnelleren Erh^artung wegen, $0084.44 Zus^atze von Ziegelmehl und Kreide oder gepulvertem Kalk, oder man nimmt ein $0084.45 Gemenge von 6 Teilen Kalk, 3 Teilen Sand, 2 Teilen Hammerschlag, 1 Teil $0084.46 Ziegelmehl und 1 Teil Weinstein. Der Ueberzug wird aus 2 Teilen Kalk und $0084.47 1 Teil gepulvertem Marmor hergestellt.

$0 @@3@ ---------- $0084.48

__#H:147#G:) Siehe: Deutsche Bauz. 1874, S. 179.

$0084.49

__#H:148#G:) N^ahere Angaben in: Deutsche Bauz. 1875, S. 13.

$0084.50

__#H:149#G:) In: Der T^uncher, Stubenmaler, Stukkator und Gypser. Leipzig 1866. S. 162.

$0084.51

__#H:150#G:) In der in Fu^snote 139 angegebenen Quelle, S. 364.

@@1@ $0085.01

__In Venedig bedient man sich f^ur Fassaden und f^ur das Innere von Geb^auden $0085.02 eines marmor^ahnlichen, sehr dauerhaften Putzes, der den Namen #/+Marmorino#/- f^uhrt $0085.03 #/+(intonacco a marmorino).#/- Bei diesem wird der erste Bewurf mit einem M^ortel aus $0085.04 Kalk und Ziegelmehl ausgef^uhrt; dar^uber kommt ein zweiter zur Ausgleichung der $0085.05 Unebenheiten des ersten, aus Kalk und feinem Sande bestehend, und schlie^slich $0085.06 ein dritter von Marmorm^ortel, der aus bestem wei^sem Kalk und Marmorpulver be- $0085.07 reitet wird. Diese letzte Schicht wird nur 2,5#H:mm#G: dick aufgetragen und, wenn sie $0085.08 zu trocknen beginnt, aber noch dehnbar ist, mit einer st^ahlernen, an den Ecken $0085.09 abgerundeten Polierkelle gegl^attet, w^ahrend man die Fl^ache mit d^unnem Seifen- $0085.10 wasser annetzt#H:151#G:).

$0085.11

__Aehnlich ist der in Mailand, Parma und anderen Orten angewendete #/+Stucco a $0085.12 lucido#/- (auch #/+Marmorino#/- oder #/+Scaliolo#/- genannt), dessen ^au^serste Schicht aus 3 Teilen $0085.13 Marmormehl und 1 Teil durchgesiebtem Kalk hergestellt wird#H:152#G:).

$0085.14

__Der von der Hannoverschen Portlandcementfabrik-Aktiengesellschaft (vorm. #/+Kuhlemann {et} Meyerstein#/-) $0085.15 in Hannover hergestellte #/+M^uhlenbruch#/-'sche Marmorkitt#H:153#G:) ist, wie es scheint, auch nur eine Mischung von $0085.16 Marmormehl mit reinem gebranntem Kalk, dem man zur Herstellung von Putz nach Bedarf Sand oder $0085.17 Marmorkleinschlag zumischt, oder welchen man zur Verbesserung gew^ohnlichem Putzm^ortel zusetzt. Der $0085.18 Marmorkittm^ortel soll von Wasser nicht zersetzt werden, soll eine gl^anzende Oberfl^ache auch ohne Polieren $0085.19 erhalten und einen guten Untergrund f^ur Malereien und #/+Sgraffito#/- abgeben.

$0085.20

__Sehr h^aufig findet man die Fassaden von Putzbauten mit der Nachahmung95.|Quaderputz. $0085.21 eines Quaderfugenwerkes ausgestattet; man spricht dann von #.>Quaderputz#.<. So $0085.22 lange diese Verzierungsweise sich innerhalb der Grenzen h^alt, welche Werkstoff und $0085.23 Stilgesetze ziehen, ist sie als eine berechtigte zu betrachten und wohl geeignet, gro^se $0085.24 Wandfl^achen zu beleben und M^angel in der F^arbung derselben zu verdecken. Sie $0085.25 wird aber unzul^assig und verwerflich, wenn sie Nachahmung der Wirkungen von $0085.26 derbem Quaderwerk bezweckt, also das Gebiet der Fl^achenverzierung verl^a^st und $0085.27 besondere bauliche Vorkehrungen, wie Vormauern der Quaderspiegel in Backsteinen, $0085.28 veranla^st. Die Herstellung der Fugen mu^s sich auf ein Einrei^sen derselben be- $0085.29 schr^anken, ohne eine ^uberm^a^sige Dicke des Putzes n^otig zu machen.

$0085.30

__Die wagrechten Fugen werden zuerst auf der Putzfl^ache eingeteilt und vorge- $0085.31 zeichnet, dann erst die lotrechten. Man rei^st sie mit einem Grabstichel oder Fug- $0085.32 eisen in den noch nicht ganz erh^arteten Putz ein, indem man diese Werkzeuge an $0085.33 einem Richtscheite hinf^uhrt. Erhalten die Fugen ein Profil, so setzt man das ent- $0085.34 sprechend geformte Eisen in eine Art Hobel ein und f^uhrt dasselbe an einer mit $0085.35 Putzhaken befestigten, geradlinig gehobelten Latte hin#H:154#G:).

$0085.36

__Bei der Wahl einer der verschiedenen Putzarten wird einesteils der Kosten-96.|Wert der|verschiedenen|Putzarten. $0085.37 punkt, anderenteils die gew^unschte Zierwirkung entscheidend sein. Weniger oft $0085.38 kommt leider die Frage nach der Dauerhaftigkeit in Betracht. Mit Recht nimmt man $0085.39 wohl im allgemeinen an, da^s der Putz mit rauher Oberfl^ache dauerhafter, als der $0085.40 glatte sei. Der Grund hierf^ur liegt darin, da^s bei letzterem durch das Abreiben $0085.41 das Abbinden des M^ortels gest^ort wird. Dagegen kommt allerdings in Betracht, $0085.42 da^s an der glatten Putzfl^ache sich weniger Staub ansetzt und das Wasser schneller $0085.43 abflie^st, als an der rauhen. Gewi^s ist die dauerhafteste und dabei eine sehr billige $0085.44 Putzart mit Kalkm^ortel der im Mittelalter durchweg angewendete, mit der Kelle $0085.45 gegl^attete Berapp, der zumeist allerdings unseren verfeinerten neuzeitlichen Anspr^uchen<-P> $0 @@3@ ---------- $0085.46

__#H:151#G:) N^ahere Mitteilungen in der in Fu^snote 149 angef^uhrten Quelle, S. 164.

$0085.47

__#H:152#G:) Siehe: Notizbl. des Arch.-Ver. zu Berlin. Neue Folge, Band I. Berlin 1847. S. 15.

$0085.48

__#H:153#G:) D. R.-P. Nr. 48_614.

$0085.49

__#H:154#G:) Ausf^uhrlicheres ^uber Quaderputz in der in Fu^snote 149 angef^uhrten Quelle, S. 137 u. ff.

@@1@ $0086.01 <-P>im Aussehen nicht gen^ugt. Ger^uhmt wird die Haltbarkeit des Spritzbewurfes, mit $0086.02 welchem man, beil^aufig bemerkt, einfache verzierende Fl^achenteilungen durch $0086.03 Wechsel von glatten und rauhen Feldern oder Streifen auf leichte Weise erzielen $0086.04 kann. Die Erfahrung hat ^ubrigens gezeigt, da^s auch bei entsprechender Sorgfalt $0086.05 ein dauerhafter glatter Putz hergestellt zu werden vermag.

$0086.06 @z b) Anstriche. $0086.07 97.|Allgemeines.

__Die Putzfl^achen werden in sehr vielen F^allen mit einem Ueberzug oder Anstrich $0086.08 versehen, entweder um sie in ihrem Ansehen zu verbessern, um sie abzuf^arben oder $0086.09 um sie selbst vor der Einwirkung der Witterung zu sch^utzen und fester zu machen, $0086.10 oder um beides gleichzeitig zu erreichen. An den Fassaden kommen namentlich $0086.11 die Kalkfarben- und die Oelfarbenanstriche zur Anwendung. Die ersteren sind wesent- $0086.12 lich nur Abf^arbungsmittel, deren eigene Dauer man wohl etwas erh^ohen kann, die $0086.13 aber nicht als sch^utzende Ueberz^uge gelten k^onnen und die man oft erneuern $0086.14 mu^s, um den Geb^auden, namentlich in den St^adten, ein reinliches Aussehen zu be- $0086.15 wahren; sie sind aber billig. Die Oelfarbenanstriche sch^utzen den Putz vortreff- $0086.16 lich; mit ihnen lassen sich beliebige F^arbungen herstellen, die allerdings im ersten $0086.17 Jahre durch ihren Glanz st^oren, und sie lassen sich durch Abwaschen reinigen; aber $0086.18 sie sind teuer. Ihre Dauer ist ebenfalls eine beschr^ankte; denn sie bed^urfen auch, $0086.19 besonders in dem Wetter ausgesetzter Lage, alle 5 bis 6 Jahre einer Erneuerung, $0086.20 da das Oel derselben, welches wesentlich die sch^utzende Wirkung hervorbringt, in $0086.21 dieser Zeit sich verzehrt. In gesundheitlicher Beziehung haben sie den Nachteil, $0086.22 da^s sie die Poren des Mauerwerkes vollst^andig verschlie^sen und daher die zuf^allige $0086.23 L^uftung durch die W^ande ganz aufheben. Namentlich wegen der hohen Kosten $0086.24 der Oelfarbenanstriche hat man vielfache Ersatzmittel f^ur dieselben erfunden, die- $0086.25 selben aber doch noch nicht ganz zu ersetzen vermocht. Das Ideal eines solchen $0086.26 w^urde ein Anstrich sein, der bei gro^ser Dauerhaftigkeit eine gleich sch^utzende $0086.27 Wirkung wie jener mit Oelfarbe besitzt, und mit dem sich ohne Schwierigkeit gute $0086.28 F^arbungen erzielen lassen, der dabei indes gen^ugend durchl^assig f^ur Luft, aber nicht $0086.29 f^ur Wasser bleibt.

$0086.30

__Eine versch^onernde Abf^arbung der Putzfl^achen wird meistens erforderlich, weil $0086.31 diese, besonders bei Herstellung aus hydraulischem Kalk oder Cement, eine un- $0086.32 angenehme graue Farbe haben, die durch den sich festsetzenden Staub immer $0086.33 schlechter und unfreundlicher wird; auch ist sie selten gleichf^ormig genug wegen $0086.34 der gew^ohnlich nicht gleichm^a^sig zu erzielenden M^ortelmischung. Aus letzterem $0086.35 Grunde ist auch eine F^arbung des Putzm^ortels in seiner Masse schwierig, abgesehen $0086.36 davon, da^s viele Farben sch^adigend auf die Festigkeit des M^ortels wirken. Am $0086.37 besten gelingen derartige F^arbungen noch mit von Natur lebhaft gef^arbten Sanden.

$0086.38

__Als Farbe des Anstriches empfiehlt sich meistens ein heller, warmer Steinton.

$0086.39 98.|Kalkfarben-|anstrich.

__Die Putzfl^achen bereitet man zur Aufnahme eines Kalkfarben^uberzuges durch $0086.40 dreimaligen Anstrich mit d^unner Kalkmilch (1 Teil Wei^skalk auf 4 bis 5 Teile $0086.41 Wasser) vor. Der Auftrag, das sog. Schl^ammen, geschieht mit langstieligen Pinseln $0086.42 und mu^s d^unn erfolgen, weil ein dicker Ueberzug abbl^attert. Die einfachste F^arbung $0086.43 w^urde nun die mit reiner Kalkwei^se sein, wenn das blendende Wei^s derselben im $0086.44 Sonnenscheine nicht den Augen nachteilig w^are. Deshalb werden der Kalkmilch $0086.45 f^ur mindestens zwei weitere Anstriche Farben, meist Erdfarben, zugesetzt, im Ver- $0086.46 h^altnis von 1 : 1 oder, wenn Kalk das einzige Bindemittel ist, noch besser von 2 : 1.<-P> @@1@ $0087.01 <-P>Ist der Putz sehr scharf und rauh, so mu^s der Auftrag dreimal erfolgen. Dabei $0087.02 mu^s die Farbe recht fl^ussig gehalten, voll aufgetragen und mit dem Pinsel so durch- $0087.03 gezogen werden, da^s sie auf der Fl^ache nicht mehr flie^st.

$0087.04

__Zur Herstellung von steinfarbigen T^onen kann man hellen Ocker, geschl^ammte $0087.05 Umbra, Frankfurterschwarz und Englischrot in verschiedenen Mischungsverh^altnissen, $0087.06 sowohl unter sich als zur Kalkwei^se, verwenden. Englischrot und Umbra sind aber $0087.07 mit Vorsicht zu benutzen, da sie, der Mischung in zu gro^ser Menge zugesetzt, ein $0087.08 unangenehmes, brandiges Aussehen geben#H:155#G:). Zu einem Eimer Farbe soll man $0087.09 f^ur den ersten Anstrich 375#H:g#G: in hei^sem Wasser aufgel^oste Schmierseife, zu den $0087.10 folgenden nur 125#H:g#G: davon zusetzen. Die Farben werden in weichem Wasser ein- $0087.11 geweicht und dann der Kalkmilch zugemischt.

$0087.12

__Will man einen fleckenlosen Anstrich erzielen, so mu^s der Putz vollst^andig $0087.13 trocken sein; auch mu^s man einen zwar warmen Tag w^ahlen, aber eine Zeit, in $0087.14 welcher die Sonne nicht auf die Fl^ache brennt; dabei mu^s die Anstricharbeit rasch $0087.15 ausgef^uhrt werden.

$0087.16

__Um die Kalkfarbenanstriche dauerhafter zu machen, setzt man ihnen mitunter $0087.17 Alaun oder Kochsalz oder Seifensiederlauge zu, oder man nimmt an Stelle des $0087.18 Wassers Milch (Milchfarbenanstriche).

$0087.19

__Zur Herstellung eines Milchfarbenanstriches, der auch auf Cementputz gut haftet, wird der frisch $0087.20 gebrannte Kalk in so viel reiner Milch gel^oscht, als man sonst Wasser nimmt. Nach 24 Stunden Stehen $0087.21 wird der dicke Brei mit Milch verd^unnt und die ebenfalls mit Milch f^ur sich angeriebene Farbe zugesetzt. $0087.22 Zwei bis drei Anstriche sind notwendig; Verd^unnungen sollen nur mit Milch erfolgen.

$0087.23

__Sehr d^unn mit Wasser angemachter Portlandcement soll einen dauerhaften, sand- $0087.24 steinfarbigen Anstrich geben.

$0087.25

__Lehmputz ist vor einem Kalkfarbenanstrich mit Milch oder mit Wasser unter $0087.26 Zusatz von Alaun oder Schmierseife zu schl^ammen#H:156#G:).

$0087.27

__Ein haltbarer Anstrich auf Lehmputz soll auch auf folgende Weise erzielt werden: Zuerst Anstrich $0087.28 mit einer Mischung von Cement und Lehm, dann nach dem Trocknen Anstrich mit reinem Cement und $0087.29 zuletzt mit einer Milchkalkfarbe.

$0087.30

__Vor dem Auftrag eines Oelfarbenanstriches m^ussen die W^ande #.>grundiert#.<99.|Oelfarben-|anstrich. $0087.31 werden. Diese Grundierung besteht in einem Tr^anken des Putzes mit Lein^olfirni^s. $0087.32 Derselbe mu^s dabei so d^unnfl^ussig sein, da^s er alle Poren durchziehen kann, weil $0087.33 hierauf das feste Haften der Oelfarbe beruht; doch ist f^ur Fassadenanstriche eine $0087.34 Verd^unnung mit Terpentin^ol nicht zu empfehlen. Da das ungekochte Lein^ol fl^ussiger $0087.35 ist, als der Firni^s, so wird auch dieses oft verwendet; doch mu^s es vorher gekl^art $0087.36 worden sein. Wird der Firni^s ganz vom Putz aufgesogen, so mu^s die Grundierung $0087.37 wiederholt werden. Verkehrt ist es aber, der Kostenersparnis wegen die Grundierung $0087.38 mit Oelfirni^s durch eine solche mit Leimwasser oder einer d^unnen Leimfarbe zu $0087.39 ersetzen; das Oel der nachfolgenden Anstriche wird dadurch am Eindringen in den $0087.40 Putz verhindert und der Anstrich nicht dauerhaft.

$0087.41

__Auf den Grundanstrich folgen drei d^unne Oelfarbenanstriche, denen Bleiwei^s $0087.42 zugesetzt ist, von denen aber jeder erst ganz trocken sein mu^s, ehe ein folgender $0087.43 aufgetragen werden darf. Zusatz von etwas geschl^ammter Kreide soll den Anstrich $0087.44 dauerhafter machen, ist aber f^ur die letzten Anstriche nicht zu empfehlen. Um $0087.45 den unangenehmen Glanz des Anstriches zu beseitigen, nimmt man oft zum letzten<-P> $0 @@3@ ---------- $0087.46

__#H:155#G:) Siehe die Mitteilungen #/+Hempel#/-'s in: #k+Romberg#k-'s Zeitschr. f. prakt. Bauk. 1853, S. 315.

$0087.47

__#H:156#G:) Ueber Kalkfarbenanstriche finden sich weitere Angaben u. a. in: #k+Fink,#k- F. Der T^uncher, Stubenmaler, Stuccator $0087.48 und Gypser. Leipzig 1866. S. 241.

@@1@ $0088.01 <-P>Auftrag etwas Wachsfarbe, was aber die Dauerhaftigkeit beeintr^achtigt. Besser ist $0088.02 das Bestreuen mit feinem Sand.

$0088.03

__Oelfarbenanstriche d^urfen nur auf ganz trockenen W^anden ausgef^uhrt werden; $0088.04 denn feuchter Putz nimmt das Oel nicht an. Die Mauer mu^s aber auch innen $0088.05 trocken sein, weil durch die Oelfarbe ein weiteres Verdunsten der Feuchtigkeit ver- $0088.06 hindert wird und dies sch^adliche Folgen hat, sowohl f^ur Mauer als Anstrich. Man $0088.07 soll daher den letzteren erst einige Jahre nach Vollendung der ersteren herstellen.

$0088.08

__F^ur die Ausf^uhrung empfehlen sich zwar besonders die Sommermonate wegen $0088.09 ihrer Trockenheit; indessen ist staubiges Wetter zu vermeiden.

$0088.10

__Schwierigkeiten bereitet das Anbringen von Oelfarbenanstrichen auf Cement- $0088.11 putz. Derselbe bedarf dazu einer Vorbereitung, die am besten in mehrj^ahrigem $0088.12 Stehenlassen besteht; auch bew^ahrt sich Cement mit Kalkhydratzusatz besser, als $0088.13 reiner Cementputz. Vor allen Dingen darf letzterer keine neuen Ausbl^uhungen $0088.14 mehr erzeugen, da diese ein Haften der Oelfarbe verhindern und dieselbe zersetzen $0088.15 w^urden; auch mu^s die Oberfl^ache etwas porig geworden sein, was beides durch $0088.16 die l^angere Einwirkung der Witterung zumeist erreicht wird. Die vorhandenen Aus- $0088.17 schl^age m^ussen dann vor dem Anstrich beseitigt werden. Dies geschieht durch Ab- $0088.18 waschen mit verd^unnter Schwefel-, Salz- oder Essigs^aure (h^ochstens 5-prozentige $0088.19 L^osungen), wodurch der Putz auch eine feink^ornige Rauheit erh^alt, was das An- $0088.20 haften des Anstriches bef^ordert. Schwefels^aure ist den anderen beiden S^auren $0088.21 vorzuziehen, da die letzteren mit dem ausgebl^uhten kohlensauren Kalke wasser- $0088.22 anziehende Salze bilden. Besser, als mit S^auren, soll sich eine Behandlung des $0088.23 Putzes mit einer L^osung von kohlensaurem Ammoniak (1 : 100) bew^ahren#H:157#G:); auch $0088.24 soll dann der Anstrich schon k^urzere Zeit nach der Vollendung des Putzes auf- $0088.25 getragen werden k^onnen.

$0088.26

__Vor dem Anstreichen, das einige Tage nach dem Abwaschen mit den L^osungen $0088.27 von S^auren oder kohlensaurem Ammoniak erfolgen kann, m^ussen die Wandfl^achen $0088.28 mit Wasser sorgf^altig abgesp^ult werden. Nachdem dieselben abgetrocknet sind, k^onnen $0088.29 die m^oglichst d^unnen Oelfarbenanstriche aufgetragen werden.

$0088.30 100.|Stereochromische|Anstriche.

__F^ur Kalkm^ortelputz kommen an Stelle der Oelfarben- auch die Wasserglas- $0088.31 oder stereochromischen Anstriche zur Anwendung. Die Urteile ^uber dieselben sind $0088.32 zwar verschieden; doch scheinen sie bei vorsichtiger Behandlung gute Erfolge zu $0088.33 liefern und sind wesentlich billiger als die ersteren, wenn auch nicht so haltbar.

$0088.34

__Die Behandlung besteht in einem Tr^anken der Putzfl^achen mit verd^unntem $0088.35 Wasserglas (1 Gewichtsteil 33-gradiges Wasserglas auf 3 Gewichtsteile Regen- oder $0088.36 destilliertes Wasser) und nachfolgenden zwei Anstrichen aus Wasserglas mit Farbe- $0088.37 zusatz. Reiner Wasserglasanstrich wird durch anhaltenden Regen aufgeweicht; durch $0088.38 Zusatz von gewissen Farben wird er aber im Wasser unl^oslich. Nur Erd- und Mineral- $0088.39 farben sind hierzu geeignet, doch auch von diesen nur solche, welche durch das $0088.40 alkalische Wasserglas nicht zersetzt werden. Als passend werden bezeichnet: Zink- $0088.41 wei^s, Chromgr^un, Kobaltgr^un, Chromrot, Zinkgelb, Eisenoxyd, Schwefelkadmium, $0088.42 Ultramarin, Ocker, Terra di Siena, Umbra, Kienru^s, Beinschwarz, Graphit. Die $0088.43 Farben werden sehr fein mit Wasserglasl^osung oder mit abgerahmter Milch, die mit $0088.44 gleich viel Wasser verd^unnt ist, abgerieben. Die mit Wasserglas bereiteten Farben $0088.45 kommen unter dem Namen #.>Silikatfarben#.< in den Handel; sie sind vor Ber^uhrung $0088.46 mit Luft zu sch^utzen, da sich sonst Kiesels^aure gallertartig ausscheidet. Zur Her-<-P> $0 @@3@ ---------- $0088.47

__#H:157#G:) Ausf^uhrlicheres hier^uber in: Deutsche Bauz. 1870, S. 349.

@@1@ $0089.01 <-P>stellung der Farben sowohl, als der Anstriche soll reines Kaliwasserglas oder doch $0089.02 solches, welches nur ganz wenig Natron enth^alt, verwendet werden, weil das letztere $0089.03 Veranlassung zu Auswitterungen von kohlensaurem Natron gibt. Diese sollen aller- $0089.04 dings unsch^adlich sein und leicht durch Abwischen mit einem nassen Schwamme $0089.05 beseitigt werden k^onnen.

$0089.06

__Die Putzfl^achen, welche Wasserglasanstriche erhalten sollen, m^ussen ausgetrocknet $0089.07 sein, da etwa vorhandener Aetzkalk das Wasserglas rasch zersetzt; der Putzgrund $0089.08 mu^s andererseits aber auch rein sein, also noch nicht andere Anstriche gehabt $0089.09 haben. Auf der Vernachl^assigung dieser Vorsichtsma^sregeln m^ogen viele Mi^serfolge $0089.10 der stereochromischen Anstriche beruhen.

$0089.11

__Die letzteren bekommen Glanz, wenn man sie ein- oder zweimal mit reinem $0089.12 Wasserglas ^uberzieht. Mit Vorteil kann man solche Ueberz^uge auch ^uber Kalk- $0089.13 wei^se und Kalkfarbenanstrichen anbringen, die dadurch viel haltbarer und fester $0089.14 werden; doch mu^s vorher eine Probe angestellt werden, da manche Farben sich $0089.15 unter der Einwirkung des Wasserglases abl^osen.

$0089.16

__Stereochromische Anstriche k^onnen auch auf ungeputzten Quader- und Back- $0089.17 steinmauern ausgef^uhrt werden; jedoch ist auch hierbei vorher zu untersuchen, wie $0089.18 das Steinmaterial sich zum Wasserglas verh^alt.

$0089.19

__Um dem Mauerputz Schutz gegen die Einwirkungen der Luft und des Regen-101.|Sonstige|Anstriche. $0089.20 wassers zu bieten, also um das Gleiche, wie mit Oelfarbenanstrichen ohne deren $0089.21 Mangel und billiger, als mit diesen, zu erreichen, sind, wie schon in Art. 97 (S. 86) $0089.22 erw^ahnt wurde, eine gro^se Zahl von anderen Anstrichmitteln teils schon seit langer $0089.23 Zeit im Gebrauche, teils in neuerer Zeit erfunden worden. Ueber die meisten liegen $0089.24 leider keine ausreichenden oder zuverl^assigen Mitteilungen vor#H:158#G:).

$0089.25 @z c) Malerischer Schmuck. $0089.26

__Die eben besprochenen Anstriche werden, au^ser in der Absicht zu sch^utzen,102.|Allgemeines. $0089.27 zwar auch in der zu versch^onern angebracht; aber diese einfachste Art des Schmuckes $0089.28 geht nicht ^uber das gew^ohnliche Bed^urfnis hinaus und ist in R^ucksicht auf die $0089.29 Sauberkeit der Erscheinung selbst bei den geringsten, in Putz ausgef^uhrten Geb^auden $0089.30 als notwendig geboten. Anders liegt es bei den nun zu besprechenden Behand- $0089.31 lungsweisen, die nur zur Anwendung gelangen, wenn es sich um k^unstlerische Aus- $0089.32 schm^uckung von Geb^audefassaden durch Malerei handelt. Von diesen sollen hier $0089.33 aber nur diejenigen kurz vorgef^uhrt werden, die eines Putzes als Untergrund be- $0089.34 d^urfen, der also auch selbst dann bei malerischer Ausstattung von Fassaden ange- $0089.35 bracht werden mu^s, wenn diese sonst in Rohbau ausgef^uhrt sind.

$0089.36

__Die Mittel, deren die malerische Ausschm^uckung zu ihrer Ausf^uhrung bedarf, $0089.37 sind zwar zum gro^sen Teile dieselben, wie sie bei den Anstricharten angewendet $0089.38 werden; in der Regel bedient man sich aber ausgedehnterer Vorkehrungen, um den $0089.39 durch K^unstlerhand ausgef^uhrten ornamentalen oder fig^urlichen Malereien die gr^o^st- $0089.40 m^oglichste Dauer zu verschaffen. Leider ist es f^ur unser nordisches Klima bis jetzt $0089.41 nicht gelungen, diese in Verh^altnis zu bringen zu der der monumentalen Bauwerke $0089.42 selbst, in deren architektonischen Ausstattung dieselben ein nicht unwesentliches Glied $0089.43 zu bilden bestimmt sind. Auch die viel versprechende #/+Keim#/-'sche Mineralmalerei $0089.44 mu^s in dieser Beziehung noch die Probe bestehen. Unerreichbar in ihrer Dauer<-P> $0 @@3@ ---------- $0089.45

__#H:158#G:) Eine Anzahl solcher Anstrichmittel, auch f^ur Cementputz, wurde mit Quellenangaben in der 1. Auflage dieses $0089.46 Heftes (Art. 100, S. 100) besprochen.

@@1@ $0090.01 <-P>und deshalb die monumentalste Malerei bleibt die nicht durch Farbenauftrag, sondern $0090.02 durch Zusammensetzung in der Masse gef^arbter St^ucke erzielte: das Mosaik.

$0090.03

__Ueber die malerische Ausschm^uckung in Oelfarben, ^uber die in bautechnischer $0090.04 Beziehung hier nichts Neues weiter beizubringen ist, kann ganz hinweggegangen $0090.05 werden; ebenso k^onnen wir uns mit der Freskomalerei, die f^ur die Anwendung im $0090.06 Freien sich als zu wenig dauerhaft erwiesen hat, sehr kurz fassen.

$0090.07 103.|#/+Sgraffito.#/-

__Eine vorz^uglich f^ur den k^unstlerischen Schmuck von Putzfl^achen geeignete Mal- $0090.08 weise ist die des #/+Sgraffito#/-#H:159#G:). Bei demselben wird ein dunkler Putzgrund mit einer $0090.09 hellen T^unche ^uberzogen und aus dieser letzteren, solange der Putz noch feucht $0090.10 ist, die Zeichnung herausgekratzt, so da^s dieselbe sich in dunklen Umrissen abhebt $0090.11 und durch Schraffierungen K^orperschatten erhalten kann. Es ist aber nicht aus- $0090.12 geschlossen, namentlich bei Ornamenten, durch Fl^achenabhebung die Zeichnung $0090.13 dunkel auf hell oder umgekehrt erscheinen zu lassen. Es darf, wie bei der Fresko- $0090.14 malerei, an einem Tag nur so viel Putz fertig gestellt werden, als man mit Malerei $0090.15 zu bedecken vermag. Dies bedingt rasches, nicht ^angstliches Arbeiten und einfache, $0090.16 nicht kleinliche Behandlung des Kartons, was aber gerade monumentaler und zur $0090.17 architektonischen Gliederung der Fassaden passender Wirkung f^orderlich ist.

$0090.18

__Die Dauer der #/+Sgraffito-#/-Malereien ist abh^angig zun^achst von der des Kalk- $0090.19 wei^se^uberzuges, also von dem Haften dieses auf dem Untergrunde, und dann vom $0090.20 festen Zusammenhang der einzelnen Schichten dieses letzteren. Demnach mu^s der $0090.21 gesamte Putz eine innig zusammenh^angende feste Masse bilden, die nur langsam $0090.22 trocknen darf, um Zeit zur Ausf^uhrung gr^o^serer Bildfl^achen zu gew^ahren. Dies $0090.23 bedingt aber ^ubrigens wie bei allen malerischen Ausschm^uckungen, abgesehen von $0090.24 den Ma^snahmen zur Erzielung eines dunklen Untergrundes, eine besonders vor- $0090.25 sichtige Behandlung des Putzes. Hierin, wohl aber auch oft in dem Bestreben, die $0090.26 einfache Kunstweise der schwarzen Zeichnung auf wei^sem Grunde durch bunte $0090.27 Farbenwirkungen zu ersetzen, mag der Grund f^ur die h^aufig zu treffende geringe $0090.28 Dauer moderner #/+Sgraffiti#/- liegen. Das Verfahren der italienischen Erfinder (wie $0090.29 man annimmt, des XV. Jahrhundertes) ist uns nicht gen^ugend bekannt; es w^are $0090.30 vielleicht auch f^ur unser Klima nicht passend. Wir thun daher gut, uns an die- $0090.31 jenigen neueren Ausf^uhrungsweisen zu halten, die wirklich dauerhafte Ergebnisse $0090.32 geliefert haben. Unter diesen steht immer noch obenan diejenige #/+G. Semper#/-'s, $0090.33 welcher auch das Verdienst hat, das #/+Sgraffito#/- zuerst wieder in Deutschland ein- $0090.34 gef^uhrt zu haben.

$0090.35

__Sein auf dem Wege des Versuches gefundenes Verfahren, einen f^ur #/+Sgraffito#/- geeigneten, glashart, $0090.36 nicht rissig werdenden und nicht abbl^atternden Putz zu erzeugen, ist kurz das folgende#H:160#G:).

$0090.37

__Das Mauerwerk wird zuerst auf gew^ohnliche Weise mit einem M^ortel berappt, dem, um ihm eine $0090.38 sch^arfere Rauhigkeit zu geben, 10 Prozent des groben Kiessandes an grob gesto^sener Steinkohlenschlacke $0090.39 zugesetzt ist. Auf diesen trocken gewordenen Untergrund wird ein zweiter Auftrag gebracht, der dick $0090.40 genug ist, die Unebenheiten des ersten zu decken und auszugleichen, und welcher glatt geebnet und fest $0090.41 gedr^uckt wird. Derselbe besteht aus 5 Teilen gepulvertem Wetterkalk (schwach hydraulischer Kalk, der $0090.42 langsam unter Sanddecke gel^oscht wurde), 6 Teilen schwarzem scharfem Flu^ssande, 2 Teilen grob ge- $0090.43 sto^senen Steinkohlenschlacken (unter welchen sich K^orner von der Gr^o^se kleiner Schrote befinden k^onnen). $0090.44 Auf diesen noch feuchten Auftrag kommt ein dritter, dessen Zusammensetzung die folgende ist: 4 Teile $0090.45 gepulverten Kalk (wie vorher), 3 Teile schwarzer Sand, 4 Teile Schlacken (so fein wie Sand gesto^sen), $0090.46 1 Teil Holzkohlenstaub und Frankfurterschwarz nach Belieben zur Verst^arkung der Schw^arze des M^ortels. $0090.47 Dieses, sowie die Holzkohle sind in der Menge vorsichtig zu bemessen. Ist diese Schicht fest angedr^uckt<-P> $0 @@3@ ---------- $0090.48

__#H:159#G:) Siehe hier^uber auch Teil IV, Halbband 1 (Art. 137, S. 135 [2. Aufl.: Art. 143, S. 155]).

$0090.49

__#H:160#G:) Nach: #k+Semper,#k- G. Kleine Schriften. Berlin und Stuttgart 1884, S. 508 u. ff.

@@1@ $0091.01 <-P>und geebnet, so folgt, ehe sie trocken ist, eine vierte d^unne Oberschicht aus {3{1/4}} Teilen Kalk (wie oben), $0091.02 2 Teilen Sand, 4 Teilen Schlacken, 1 Teil Holzkohlenstaub und {1/4} Teil Frankfurter Schwarz -- alles $0091.03 durch ein Haarsieb gesiebt. Zuletzt nimmt man zum Abgl^atten die gleiche Mischung, jedoch nur mit 1 Teil $0091.04 Sand. Auf den feuchten, sorgf^altig gegl^atteten Putz kommt dann ein dreimaliger Anstrich mit Kalkmilch, $0091.05 der nur den schwarzen Grund zu decken bestimmt ist und etwa 3#H:mm#G: dick ist.

$0091.06

__#/+Semper#/- h^alt das Zusetzen von Erdfarbe zur Kalkmilch, um das grelle Wei^s zu d^ampfen, weil $0091.07 leicht Flecken entstehen, f^ur gef^ahrlich. Bei der Sternwarte in Z^urich hat er diese D^ampfung durch eine $0091.08 nach dem Erh^arten des Putzes aufgetragene L^osung von Asphalt in Lauge gut erreicht.

$0091.09

__#/+Mothes#/- hat dieses Verfahren, welches wegen des viermaligen Putzauftrages etwas kostspielig ist und $0091.10 sonst auch noch einige Schw^achen besitzen soll, zu verbessern gesucht. Indem hier^uber auf die unten $0091.11 angef^uhrten Quellen#H:161#G:) verwiesen wird, sei hier nur so viel mitgeteilt, da^s nach #/+Mothes#/- der Berapp im $0091.12 Sommer oder Herbst ausgef^uhrt und ^uber den Winter stehen bleiben soll, da^s dann nur noch zwei weitere $0091.13 Putzauftr^age au^ser den drei Kalkwei^seanstrichen notwendig sind und da^s dann sp^ater noch Schutzanstriche $0091.14 von hei^sem Lein^olfirni^s oder einer L^osung von Asphalt in einem fl^uchtigen Oel folgen sollen. Die M^ortel- $0091.15 bew^urfe sind etwas anders gemischt, als die #/+Semper#/-'schen; besonders ist auf die verschiedene Fettigkeit des $0091.16 Kalkes R^ucksicht genommen; auch k^onnen dem obersten Putzgrund verschiedenartige Farben zugesetzt $0091.17 werden. Der Kalkmilchanstrich soll nicht unter {1{3/4}} und nicht ^uber {2{1/4}}#H:mm#G: stark sein.

$0091.18

__Schlie^slich sei hier noch das Verfahren mitgeteilt, nach welchem die #/+Sgraffito#/- - Malerei der $0091.19 #/+Augustus-#/-Stra^senfront des kgl. Stallhofes in Dresden, eine der ausgedehntesten Ausf^uhrungen dieser Art $0091.20 in neuerer Zeit (Anfang der siebenziger Jahre), hergestellt worden ist#H:162#G:). Die Mauer wird t^uchtig gen^a^st $0091.21 und mit einem M^ortel aus Spitzgrundkalk (hydraulischer Kalk), scharfkantigem Elbkies und gesto^senen, $0091.22 reinen Steinkohlenschlacken ({1/2} Kies, {1/2} Schlacken) berappt und einige Wochen stehen gelassen. Vor $0091.23 dem Auftrag des zweiten Putzes werden mit einem stumpfen Rutenbesen alle Staub- und losen M^ortelteile $0091.24 beseitigt und der Untergrund stark angen^a^st. Der zweite Putz besteht aus 2 Raumteilen sein gesto^senen, $0091.25 gesiebten Schlacken, {1{1/2}} Raumteilen feinem Kies oder grobem Sand, 1 Raumteil steifem Kalk und {1/4} Raum- $0091.26 teil Frankfurter Schwarz (I. Qualit^at), 1#H:cm#G: stark aufgetragen, abgezogen und etwa {1{1/2}} bis 2 Stunden stehen $0091.27 gelassen. Der dritte Putz hat dieselbe Mischung, wie der zweite; nur m^ussen der feine gewaschene Sand $0091.28 und die gepulverten Schlacken durch ein Haarsieb gesiebt werden. Derselbe wird mit der T^unchscheibe $0091.29 und vorz^uglich mit der Kelle, mit Anwendung aller Kraft, solange bearbeitet, bis eine ganz glatte Ober- $0091.30 fl^ache erscheint. Dann wird sofort die mit einer Erdsarbe (Ocker) gemischte Kalkwei^se mittels eines breit $0091.31 gebundenen Borstenpinsels aufgetragen. Beim ersten Strich nimmt man nur Kalkwei^se, beim zweiten Kalk- $0091.32 wei^se mit etwas Farbe, beim dritten soviel Farbe, als der gew^unschte Ton verlangt. Um einen gleich- $0091.33 m^a^sigen Grund zu erhalten, mu^s m^oglichst viel von jeder Mischung vorr^atig gehalten werden. Nach $0091.34 Verlauf einer Stunde wird die Zeichnung aufgepaust, am besten erst die Umrisse, dann die K^orperschatten $0091.35 (Schlagschatten nur, wenn es die Klarheit der Zeichnung erfordert).

$0091.36

__Die auf den sorgf^altigst hergestellten Putzgrund aufgepauste Zeichnung wird mit $0091.37 eisernen Griffeln eingegraben. Die Form der letzteren ist nach dem Belieben des $0091.38 Malers verschieden, entweder mei^sel-, l^offel- oder messerartig. Auch wendet man $0091.39 besondere Werkzeuge zum Ziehen von parallelen Linien oder konzentrischen Kreisen $0091.40 an. Fortlaufende Ornamente, wie M^aander, Flechtb^ander u. s. w., k^onnen mit Hilfe $0091.41 von Blechschablonen ausgeschnitten werden. Zweckm^a^sig ist es jedenfalls, die $0091.42 unteren Kanten der eingeschnittenen oder eingekratzten Linien nach au^sen schr^ag $0091.43 abfallen zu lassen, damit das Regenwasser nicht auf den Vorspr^ungen stehen $0091.44 bleiben kann.

$0091.45

__Nach #/+Mothes#/- soll man die Umrisse und Schraffierungen der Zeichnung mehr ausschneiden, als kratzen, $0091.46 so z. B. starke Umri^sstriche von etwa 4 bis 6#H:mm#G: Breite in der Weise herstellen, da^s man von beiden $0091.47 Seiten Schnitte mit etwas nach dem Inneren des Striches gekehrter Messerspitze f^uhrt, damit der benach- $0091.48 barte, stehen bleibende Kalkmilch^uberzug nicht untergraben wird. Der zwischen beiden Schnitten liegende $0091.49 Teil soll dann vorsichtig mit einem mei^selartigen Werkzeug von stumpfer Schneide herausgehoben werden, $0091.50 um den schwarzen Untergrund m^oglichst wenig zu verletzen.

$0091.51

__Eine der ^altesten Malweisen mit bunten Farben ist die der Freskomalerei, welche<-P>104.|Freskomalerei. $0 @@3@ ---------- $0091.52

__#H:161#G:) Mitteilungen hier^uber in: #k+Romberg#k-'s Zeitschr. f. prakt. Bauk. 1875, S. 3 -- und: #k+Mothes,#k- O. Illustrirtes Bau- $0091.53 lexikon. 3. Aufl. Leipzig und Berlin 1877.

$0091.54

__#H:162#G:) Nach g^utiger Mitteilung des bauleitenden Architekten, Herrn Geh. Hofrat Professor #/+K. Wei^sbach#/- in Dresden.

@@1@ $0092.01 <-P>sich dadurch kennzeichnet, da^s, wie beim #/+Sgraffito,#/- nur so lange gemalt werden $0092.02 kann, als der Putz noch feucht, frisch #/+(fresco)#/- ist, und da^s diejenigen Putzfl^achen, $0092.03 die an einem Arbeitstage nicht bemalt werden konnten, beseitigt werden m^ussen. Es $0092.04 kommt also auch bei dieser Art der Malerei darauf an, einen dauerhaften, dabei $0092.05 langsam trocknenden Putz als Malgrund herzustellen.

$0092.06

__Die Herstellung desselben unterscheidet sich ^ubrigens nicht von der des gew^ohn- $0092.07 lichen. Nachdem die Fugen ausgeschwei^st sind, wird ein Berapp aus grobem, $0092.08 wom^oglich mit Kieseln vermengtem Kalkm^ortel aufgetragen, auf welchen, nachdem $0092.09 derselbe vollst^andig trocken, aufgekratzt und angefeuchtet worden ist, ein zweiter $0092.10 Ueberzug kommt. Auf diesen folgt nach starker Anfeuchtung der eigentliche Mal- $0092.11 grund aus einem sehr sorgf^altig mit geschl^ammtem und fein gesiebtem Sande und $0092.12 sehr lange (1 Jahr) eingesumpftem Kalke bereiteten M^ortel. Nach dem vollst^andigen $0092.13 Ebnen, bezw. Gl^atten des Malgrundes wird die Zeichnung aufgepaust und das Auf- $0092.14 tragen der Farben (Wasserfarben, die durch Aetzkalk nicht ver^andert werden) m^og- $0092.15 lichst rasch vorgenommen. Die Farben dringen in den Putz ein und werden beim $0092.16 Trocknen desselben mit einer d^unnen Haut von kohlensaurem Kalk ^uberzogen, welche $0092.17 wesentlich die Dauer desselben bedingt. #/+Gottgetreu#/-#H:163#G:) h^alt das Gl^atten des Putzes $0092.18 der Dauerhaftigkeit der Malerei nicht f^orderlich; dem widerspricht die Uebung der $0092.19 R^omer, welche f^ur ihre Freskomalereien einen m^oglichst glatten, f^ormlich polierten $0092.20 Putz aus Marmorstuck anwendeten#H:164#G:).

$0092.21

__Die Freskomalerei erlaubt, wie das #/+Sgraffito,#/- keine ^angstliche, sondern verlangt $0092.22 einfache, gro^se Behandlung und setzt eine genaue Kenntnis des Verhaltens der $0092.23 Farben voraus, die beim Auftragen einen anderen Ton zeigen, als sp^ater. Pr^ufen $0092.24 kann man die gemischten Farben auf einem St^uck Umbra, welche das Wasser der- $0092.25 selben rasch anzieht und sie sogleich im Zustande der Trockenheit zeigt.

$0092.26

__Verbesserungen von verfehlten Stellen sind nicht gut m^oglich; dieselben m^ussen $0092.27 beseitigt und neu auf frischem Putze wiederholt werden.

$0092.28

__Die Freskomalereien haben nicht die st^orenden Glanzlichter, wie die in Oel- $0092.29 farben ausgef^uhrten; leider haben die neueren Ausf^uhrungen in unserem Klima, $0092.30 namentlich an den Wetterseiten, nur verh^altnism^a^sig geringe Dauer bewiesen. Sie $0092.31 k^onnen nur in den Sommermonaten ausgef^uhrt werden.

$0092.32

__Gut bew^ahrt haben sich nach Art des Fresko hergestellte Fassadenanstriche. $0092.33 Nach #/+Gottgetreu#/- soll es zweckm^a^sig sein, solche Anstriche nicht gleichm^a^sig, sondern $0092.34 mit einer Quader- oder sonstigen Feldereinteilung auszuf^uhren#H:165#G:).

$0092.35

__Ueber die verschiedenen Verfahrungsarten zur Abnahme und Wiederanbringung von Freskomalereien $0092.36 sind in den unten angef^uhrten Quellen Angaben enthalten#H:166#G:).

$0092.37 105.|Stereochromie.

__Um die Schwierigkeiten der Freskomalerei zu vermeiden und um witterungs- $0092.38 best^andigere Malereien zu erzielen, wurde die Stereochromie, die Malerei mit Hilfe $0092.39 des Wasserglases, erfunden. W^ahrend man bei den stereochromischen Anstrichen<-P> $0 @@3@ ---------- $0092.40

__#H:163#G:) In: Lehrbuch der Hochbauconstructionen. Teil I. Berlin 1880. S. 288.

$0092.41

__#H:164#G:) Nach #/+Donner#/- (Die erhaltenen antiken Wandmalereien in technischer Beziehung. Leipzig 1869) sind die meisten $0092.42 Wandgem^alde von Pompeji und Herculanum #/+al fresco#/- hergestellt. Auch #/+Schmidt#/- (in seinem Gutachten ^uber die Restauration $0092.43 des Rathauses in Breslau: Wochbl. f. Arch. u. Ing. 1880, S. 245) h^alt die Dauer alter Wandmalereien au^ser in dem Ueber- $0092.44 zug von Kalksinter in der streng durchgef^uhrten Gl^attung der oberen, nur 3 bis 5#H:mm#G: dicken, mit Marmorstaub hergestellten $0092.45 Putzschicht begr^undet. Diese d^urfte aber nicht mit einem h^olzernen Reibebrett erfolgt sein, sondern mit flach gerundeten $0092.46 Marmor- oder Glaspl^attchen. Die Gl^atte soll das Anhaften des Staubes und der Niederschl^age auf ein Minimum beschr^anken $0092.47 und dadurch die Dauer bef^ordern. -- #/+Kronner#/- h^alt eine gen^ugende Entwickelung von Kalksinter^uberzug nur durch betr^acht- $0092.48 liche Putzdicke gesichert. Derselbe verwirft auch die Verwendung von Kalkdeckfarben. (Genaue Schilderung seines Verfahrens $0092.49 in: Techn. Mittheilungen f. Malerei, Jahrg. 5, S. 124.)

$0092.50

__#H:165#G:) Ueber Freskofarbenanstriche siehe: #k+H^uttmann,#k- L. Der Gipser etc. Weimar 1883. S. 260.

$0092.51

__#H:166#G:) Techn. Mittheilungen f. Malerei, Jahrg. 3, S. 13, 15; Jahrg. 5, S. 5, 13. -- Centralbl. d. Bauverw. 1887, S. 206.

@@1@ $0093.01 <-P>(siehe Art. 100, S. 88) sich mit einer Vorbereitung des Putzes durch Tr^anken mit $0093.02 Wasserglas begn^ugt, bedarf es f^ur wertvollere Malereien eines besonders zubereiteten $0093.03 Malgrundes, dessen Herstellung im Anfang Schwierigkeiten verursachte und M^angel $0093.04 aufwies#H:167#G:).

$0093.05

__Ein f^ur die Stereochromie geeigneter Malgrund soll eine durch und durch $0093.06 gleiche, steinartige Festigkeit besitzen, soll mit der Mauer unzertrennbar verbunden $0093.07 und wei^s sein, sowie gut und ^uberall gleichm^a^sig die Farben einsaugen. Diesen $0093.08 Forderungen soll der in Bayern 1866 patentierte, von #/+Schweizer#/- erfundene Malgrund $0093.09 entsprechen.

$0093.10

__Der #/+Schweizer#/-'sche Malgrund besteht aus kohlensaurem Kalk, Cement und Quarzsand, vermischt mit $0093.11 einer Kaliwasserglasl^osung, von welcher so viel zugesetzt wird, da^s die Masse mit dem Pinsel aufgetragen $0093.12 werden kann. Je poriger der Untergrund ist, um so mehr mu^s Wasserglas zugesetzt werden. Als kohlen- $0093.13 saurer Kalk kann Kreide oder Marmorpulver verwendet werden. Der Sand mu^s rein gewaschen und $0093.14 gleichk^ornig sein. Das Korn kann f^ur Bilder, die aus der N^ahe betrachtet werden, feiner genommen $0093.15 werden, als f^ur entferntere. Die Menge des kohlensauren Kalkes und Quarzsandes zusammen soll das 3- bis $0093.16 4fache vom Rauminhalt des Cementes betragen, weil sonst leicht Spr^unge im Malgrunde entstehen. Infolge $0093.17 des im Cement enthaltenen freien Aetzkalkes erstarrt die Masse sehr rasch und darf deshalb nur in kleinen $0093.18 Mengen angemacht und mu^s rasch aufgetragen werden. Als Untergrund kann man gew^ohnlichen Kalk- $0093.19 oder Cementputz verwenden.

$0093.20

__Dieser Malgrund kann auch auf gebrannten Thonplatten ausgef^uhrt werden, da diese porig sind, $0093.21 auch vertr^agt er die Hitze#H:168#G:).

$0093.22

__Auf den fertigen Malgrund wird unter ^ofterem Anfeuchten desselben mit in $0093.23 Wasser angeriebenen Farben gemalt, welche mit R^ucksicht auf ihr Verhalten zum $0093.24 Wasserglas vorsichtig gew^ahlt werden m^ussen. Schlie^slich wird das Gem^alde durch $0093.25 Bespritzen mit Wasserglas (sog. Fixierungswasserglas) gefestigt, und zwar mittels $0093.26 Spritzen, die dasselbe staubartig verteilen.

$0093.27

__Die stereochromischen Malereien sind glanzlos, wie die #/+al fresco#/- ausgef^uhrten; $0093.28 sie sind aber bei weitem bequemer herzustellen, wie diese und mit geringeren $0093.29 Schwierigkeiten in der Farbengebung, als bei der letzteren. Immerhin macht sich $0093.30 unangenehm bemerklich, da^s viele Farben infolge des freien Alkalis im Wasserglas $0093.31 nachtr^aglich nach dem Fixieren einen dunkleren oder helleren Ton annehmen#H:169#G:).

$0093.32

__Die Beschr^ankungen, welche die Fresko- und stereochromische Malerei in Bezug106.|Kase%:inmalerei. $0093.33 auf die Wahl der Farben auferlegt, fallen bei der Kase%:inmalerei weg, welche Farben $0093.34 verwendet, deren Bindemittel Kase%:in (K^asestoff) ist. Obgleich eine solche Benutzung $0093.35 des K^asestoffes schon lange bekannt ist, hat diese Art des Malens doch erst seit $0093.36 der Einf^uhrung der von #/+Jacobsen#/- auf besondere Weise angefertigten Kase%:infarben $0093.37 mehr Verbreitung gefunden. Diese k^onnen lasierend und deckend Verwendung finden, $0093.38 bed^urfen keines besonders vorbereiteten Untergrundes, sondern sollen am g^unstigsten $0093.39 sich auf gew^ohnlichem Kalkm^ortelputz verwerten lassen. Die Wirkung derselben ist $0093.40 kr^aftig und satt und ver^andert sich mit der Zeit nicht. Auch der Witterung soll $0093.41 diese Malerei nach gemachten Erfahrungen Widerstand leisten; doch sind diese wohl $0093.42 noch nicht in ausreichendem Grade vorhanden, um ein sicheres Urteil hier^uber zu $0093.43 haben#H:170#G:). Vielfach wird die Witterungsbest^andigkeit verneint#H:171#G:).

$0 @@3@ ---------- $0093.44

__#H:167#G:) Mitteilungen ^uber die von #/+v. Fuchs#/- und #/+v. Pettenkofer#/- angegebenen Malgr^unde finden sich in der 1. Auflage $0093.45 dieses Heftes (Art. 104, S. 104).

$0093.46

__#H:168#G:) Die Mitteilungen ^uber den Malgrund nach: Deutsche Bauz. 1871, S. 316.

$0093.47

__#H:169#G:) Die Reinigung stercochromischer Bilder von Staub hat neuerer Zeit mit Erfolg durch Behandlung mit Pre^sluft $0093.48 oder durch Abspritzen mit Regenwasser bewirkt werden k^onnen (siehe: Techn. Mittheilungen f. Malerei, Jahrg. 3, S. 8).

$0093.49

__#H:170#G:) Ausf^uhrlicheres ^uber Kafe%:inmalerei in: Praktische und chemisch-technische Mittheilungen f^ur Malerei 1885; Beilage $0093.50 zu Nr. 9 -- sowie ebendas. 1886, S. 2 -- ferner in: Deutsche Bauz. 1885, S. 339; 1886, S. 528.

$0093.51

__#H:171#G:) Vergl.: Baugwksztg. 1886, S. 974. -- #/+Otzen#/- hat (nach: Deutsche Bauz. 1897, S. 590) die Erfahrung gemacht,<-P> @@1@ $0094.01 107.|#/+Keim#/-'sche|Mineralmalerei.

__Eine ganz wesentliche Verbesserung der Stereochromie ist die auf deren Grund- $0094.02 lage beruhende, von #/+Keim#/- erfundene sog. Mineralmalerei. Wie bei ersterer zerf^allt $0094.03 das neue Verfahren in die drei Teile: Herstellung eines Untergrundes und eines Mal- $0094.04 grundes, Malen und Fixieren der Farben. Die Verbesserungen erstrecken sich auf $0094.05 alle drei Abschnitte der Ausf^uhrung und lassen gr^o^sere Wetterbest^andigkeit, einen $0094.06 sehr gut und gleichm^a^sig saugenden, wei^sen Malgrund, durch das Fixieren nicht $0094.07 ver^anderliche Farben, welche infolge ihrer Zusammensetzung selbst zur Verfesti- $0094.08 gung der Malerei beitragen, und Vermeidung des Auswitterns freier Alkalien er- $0094.09 reichen.

$0094.10

__Diese Vorz^uge wurden durch das Gutachten einer von der kgl. Akademie der bildenden K^unste in $0094.11 M^unchen berufenen Kommission vom 2. Mai 1882, sowie durch ein weiteres Gutachten einer Anzahl von $0094.12 bedeutenden K^unstlern vom 10. Januar 1884 als vorhanden best^atigt. Aus dem ersteren Gutachten#H:172#G:), $0094.13 welches in einen chemisch-technischen, bautechnischen und einen kunsttechnischen Teil zerf^allt, machen wir $0094.14 hier die nachstehenden Mitteilungen.

$0094.15

__Der Untergrund wird, wie bei der Stereochromie, mit Kalkm^ortel ausgef^uhrt und nach dem Trocknen $0094.16 mit Wasserglas getr^ankt. Dabei sind folgende Punkte zu beachten. Der Mauergrund mu^s vollst^andig $0094.17 trocken sein. Altes Mauerwerk ist bis auf den Stein blo^szulegen und in den Fugen auszukratzen. Die $0094.18 Putzmaterialien m^ussen vollst^andig rein sein, um alle den Putz lockernden Auswitterungen zu verh^uten; $0094.19 daher ist reiner gewaschener Quarzsand und nach dem Abl^oschen gesiebter und ausgelaugter Kalk zu ver- $0094.20 wenden. Zur Anwendung hat reines Flu^s- oder Regenwasser, sowie scharfk^orniger, nicht bl^atteriger Sand $0094.21 zu gelangen; auch ist der Bewurf gut na^s und nicht zu dick aufzutragen. Nach v^olligem Austrocknen und $0094.22 Erh^arten wird er mit einem rauhen Sandstein abgerieben, um den oberfl^achlich gebildeten krystallinischen $0094.23 kohlensauren Kalk zu entfernen und die Aufsaugungsf^ahigkeit desselben f^ur Fl^ussigkeiten wieder herzustellen. $0094.24 Hiernach wird er mit Kaliwasserglasl^osung von bestimmtem Eindickungsgrade durchtr^ankt, jedoch m^oglichst $0094.25 gleichm^a^sig und nur in dem Ma^se, da^s hierdurch seine Porigkeit nicht vollst^andig aufgehoben wird; $0094.26 denn nur so ist er f^ahig, mit dem Malgrunde sich innig zu verbinden. Das Wasserglas mu^s rein sein und $0094.27 darf namentlich keine Schwefelverbindungen enthalten.

$0094.28

__Der Malgrund wird aus 4 Teilen Quarzsand, {3{1/2}} Teilen Marmorsand, {1/2} Teil Infusorienerde und $0094.29 1 Teil Aetzkalk (mit destilliertem Wasser anger^uhrt) gebildet. Der Zusatz von Marmorsand soll nicht nur $0094.30 die Festigkeit erh^ohen, sondern auch dem Malgrund eine m^oglichst gleichf^ormige, rauhe und porige Be- $0094.31 schaffenheit geben. Die Infusorienerde (fein zerteilte und l^osliche Kiesels^aure) bewirkt mit dem Aetzkalk $0094.32 und dem Wasserglas die f^ur die Erh^ohung der H^arte und Widerstandsf^ahigkeit so wichtige Bildung von $0094.33 Silikaten. Der vollst^andig ausgetrocknete Malgrund wird vor der Tr^ankung mit Wasserglas mit Kiesel- $0094.34 fluorwasserstoffs^aure behandelt, welche die Haut von kohlensaurem Kalk zerst^ort, mit dem letzteren Erzeug- $0094.35 nisse bildet, welche mit dem Wasserglas eine sehr widerstandsf^ahige chemische Verbindung einzugehen im $0094.36 stande sind, und die Poren des Malgrundes ^offnet.

$0094.37

__Ein Hauptunterschied zwischen der #/+Keim#/-'schen Malerei und der stereochromischen besteht in der $0094.38 Anwendung und Zubereitung der Farben, denen je nach der Farbe verschiedene, durch Versuche fest- $0094.39 gestellte Zus^atze gegeben werden, um dadurch in den Farben selbst, unter der Einwirkung des Fixierungs- $0094.40 mittels, die Bildung von Silikaten zu erm^oglichen und so die Dauerhaftigkeit wesentlich zu bef^ordern. Alle $0094.41 Farben und Zus^atze sind auf das seinste verrieben und werden fertig zubereitet in dickem, breiigem Zu- $0094.42 stande in Zinntuben oder Blechdosen in den Handel gebracht. Sie brauchen vom Maler nur nach Bed^urfnis $0094.43 mit Wasser verd^unnt und gut na^s in na^s auf den stark angefeuchteten Malgrund aufgetragen zu werden. $0094.44 Fehler lassen sich mit Leichtigkeit wieder verbessern. Um den Farben die unangenehme Eigenschaft zu $0094.45 benehmen, unter der Einwirkung des Fixierungswasserglases ihren Ton zu ver^andern, werden sie von #/+Keim#/- $0094.46 mit Kali oder Ammoniak digeriert.

$0094.47

__Die fertigen Gem^alde werden, nachdem sie bis auf den Stein ausgetrocknet sind, was bei ung^unstigem $0094.48 Wetter durch eigens hergestellte Koke^ofen m^oglichst gleichm^a^sig zu bewirken ist, fixiert, indem man mit $0094.49 Aetzkali und Aetzammoniak versetztes Kaliwasserglas in hei^sem Zustande mittels einer Staubspritze auftr^agt. $0094.50 Nach dem Fixieren wird das Bild mit kohlensaurem Ammoniak behandelt, um das als wei^slicher staubartiger $0094.51 Ueberzug auftretende kohlensaure Alkali zu zerst^oren und dann durch Abwaschen beseitigen zu k^onnen.

$0 @@3@ ---------- $0094.52 <-P>da^s die Kase%:inmalerei auch im Innern von solchen R^aumen; z. B. Kirchen, in welchen durch l^angeren Aufenthalt zahlreicher $0094.53 Menschen Niederschl^age der Atmungsfeuchtigkeit an den W^anden sich bilden, keine Dauer hat.

$0094.54

__#H:172#G:) Abgedruckt in: Deutsches Kunstbl., Jahrg. 1 (1882), S. 145.

@@1@ $0095.01

__Die Wetterbest^andigkeit von nach dem #/+Keim#/-'schen Verfahren hergestellten Gem^alden ist durch ver- $0095.02 schiedene strenge Proben untersucht und dargethan worden#H:173#G:).

$0095.03

__Unter Mosaik in engerem Sinne verstehen wir die Herstellung von farbigen108.|Mosaik. $0095.04 Bildern oder Ornamenten durch Zusammensetzen von verschieden get^arbten, gew^ohn- $0095.05 lich der W^urfelform sich mehr oder weniger n^ahernden, kleinen St^ucken von Stein, $0095.06 gebranntem Thon oder Glas, welche unter sich und mit der Wand durch einen $0095.07 M^ortel oder Kitt verbunden werden. Im weiteren Sinne rechnet man zu in Stein $0095.08 ausgef^uhrtem Mosaik auch die Bekleidung (Inkrustation) mit buntfarbigen Steinplatten $0095.09 (von Marmor, Serpentin u. s. w.) oder Thonfliesen; dar^uber ist das N^otige schon $0095.10 in Kap. 1 u. 2 mitgeteilt worden. Auch haben hier nur diejenigen Mosaikarten $0095.11 zur Besprechung zu gelangen, die an ^au^seren Wandfl^achen angewendet werden.

$0095.12

__Die einfachste Art des Mosaik ist jene, bei welcher in einen starken Kalk- $0095.13 m^ortelputz kleine Steine, wie St^ucke von zerschlagenem Granit, Porphyr, Feuer- $0095.14 stein u. s. w. mit der Hand so eingedr^uckt werden, da^s sie eng aneinander $0095.15 schlie^sen und in eine Ebene zu liegen kommen. Dabei k^onnen auch Muster erzeugt $0095.16 werden. Man nennt diese Art der Wandausschm^uckung h^aufig #s+Mosaik-#s- oder $0095.17 #s+musivischen Putz.#s-

$0095.18

__Von dieser Art unterscheidet sich das #s+W^urfelmosaik#s- nur dadurch, da^s $0095.19 die Steine die Gestalt von 8 bis 12#H:mm#G: breiten W^urfeln erhalten, die sich nach der $0095.20 Unterseite etwas verj^ungen. Je nach der Linienf^uhrung oder Modellierung des dar- $0095.21 zustellenden Gegenstandes zerschl^agt man jedoch die Steine auch in andere geeignetere $0095.22 Formen. Man verwendet dazu besonders Marmor, Jaspis, Basalt, Serpentin, Porphyr, $0095.23 Granit, Syenit u. s. w. und dr^uckt sie in einen frischen Putz nach Ma^sgabe der $0095.24 vorher aufgepausten Zeichnung. Es steht aber nichts im Wege, die Anfertigung des $0095.25 Bildes in der bequemeren neuen Weise des nachher zu besprechenden Glasmosaiks $0095.26 vorzunehmen. Sollten die Gem^alde dem Auge des Beschauers nahe stehen, so kann $0095.27 man sie schleifen.

$0095.28

__An Stelle der nat^urlichen Steine kommen auch St^ucke von gebranntem Thon $0095.29 von verschiedenen Farben zur Anwendung. Ein au^serordentlich festes und dauer- $0095.30 haftes Material dieser Art liefert die Fabrik von #/+Villeroy {et} Boch#/- in Mettlach unter $0095.31 dem Namen #s+Chromolith.#s-

$0095.32

__F^ur Fassadenschmuck scheint jetzt das namentlich von den Byzantinern an- $0095.33 gewandte und deswegen als #s+byzantinisches,#s- oder wegen der in Venedig bis $0095.34 heutigen Tages erhaltenen Anfertigungsweise #s+venetianisches Mosaik#s- bezeichnete $0095.35 #s+Glasmosaik#s- wieder in Aufnahme kommen zu sollen, wof^ur bekannte Beispiele die $0095.36 Siegess^aule und das Kunstgewerbemuseum in Berlin bieten. Seine Vorz^uge bestehen $0095.37 in der gr^o^seren Auswahl und Leuchtkraft der Farben und dem lebhaften Glanz $0095.38 und Schimmer derselben. Die Arbeit beginnt mit der Herstellung der Glaspasten. $0095.39 Dies sind in den verschiedensten Farben und Farbt^onen gegossene Glastafeln von $0095.40 10 bis 12#H:mm#G: Dicke, welche in 10 bis 15#H:mm#G: breite Streifen geschnitten und dann $0095.41 mit einem scharfen Stahlhammer in w^urfelf^ormige oder nach Bed^urfnis auch l^angere $0095.42 St^ucke zerschlagen werden. F^ur die Bildung der Umri^slinien verwendet man au^ser- $0095.43 dem noch flache St^abe, meist von dunklem, gl^anzendem Glase, die mit kleinen Zangen $0095.44 in kurze St^ucke zerbrochen werden. Die stark gl^anzenden Bruchfl^achen kommen $0095.45 im Bilde zur Ansicht. Die Pasten sind nach der Farbe verschieden teuer; einige,<-P> $0 @@3@ ---------- $0095.46

__#H:173#G:) Ueber die Wetterbest^andigkeit vergl.: Baugwksztg. 1886, S. 973. -- #/+Otzen#/- beurteilt die Dauerhaftigkeit der $0095.47 #/+Keim#/-'schen Malerei (in der in Fu^snote 171 mitgeteilten Quelle) g^unstig. -- Ueber die verschiedenen Wandmalereiarten vergl.: $0095.48 #k+Koenig,#k- A. W. Die Praxis in den verschiedenen Techniken moderner Wandmalerei. Berlin 1897.

@@1@ $0096.01 <-P>wie Purpur und selbstredend auch Goldfarbe, sind wegen der Verwendung des Goldes $0096.02 kostspielig. Diese werden daher ebenso wie Silber auch nicht, wie die ^ubrigen $0096.03 Farben, in der Masse gef^arbt, sondern nur als Ueberfang. Dauerhaft werden die- $0096.04 selben durch einen d^unnen Ueberzug farblosen Glases gemacht. Die Herstellung $0096.05 gewisser Farben ist Geheimnis einzelner venetianischer Familien.

$0096.06

__Die m^uhsame Arbeit des Einsetzens der Glasst^ucke in den Wandputz ist jetzt $0096.07 durch ein bequemeres Verfahren verdr^angt worden. Das Gem^alde wird in der Werk- $0096.08 st^atte als Spiegelbild auf einen starken Karton ^ubertragen und auf diesen werden $0096.09 dann die Glasw^urfel mit Kleister befestigt, so da^s die k^unftige Ansichtsfl^ache nach $0096.10 unten zu liegen kommt. Vor dem Ankleben werden die Pasten aneinander gepa^st $0096.11 und dann auf einem feinen Schleifstein etwas pyramidal geschliffen, so da^s sie sich $0096.12 in den Kanten genau ber^uhren. Werden die Bilder hoch angebracht, so legt man $0096.13 die Pasten mit der Bruchfl^ache nach unten, wodurch sie einen schimmernden Glanz $0096.14 bekommen. Kommen sie jedoch nahe an das Auge des Beschauers zu stehen, so $0096.15 wird die Gu^sfl^ache nach unten genommen. Ueber das Ganze wird ein feiner, schnell $0096.16 bindender Cement oder ein Oelkitt (aus gepulvertem Kalk und Firni^s) gegossen, $0096.17 welcher alle Zwischenr^aume ausf^ullt. Anwendung von Cement ist wegen der Aus- $0096.18 schwitzungen immer bedenklich. F^ur die Versendung wird die fertige Tafel in $0096.19 einzelne mit Nummern zu versehende Teile zerschnitten. Diese werden dann an $0096.20 den Putz der Wand, so lange derselbe noch frisch ist, angedr^uckt und angekittet. $0096.21 Das aufgeweichte Papier wird abgeschabt, und das Bild ist fertig, wenn es nicht $0096.22 etwa noch geschliffen oder poliert werden soll. Das Festsitzen der Pasten kann man $0096.23 durch leichtes Anschlagen mit einem h^olzernen Hammer untersuchen.

$0096.24

__Bei der Ausschm^uckung der Kuppel des Aachener M^unsters ist in einer etwas $0096.25 anderen, empfehlenswerteren Weise verfahren worden#H:174#G:). Die auf den Karton ge- $0096.26 klebten Mosaiksteine wurden nicht in der Werkst^atte mit einem M^ortel vergossen, $0096.27 sondern in den frischen Wandputz so eingedr^uckt, da^s alle Fugen zwischen den- $0096.28 selben sich f^ullten. Dadurch wird jedenfalls mit mehr Sicherheit eine dauernde Ver- $0096.29 bindung erzielt. Der Putz bestand aus Marmor, Kalk und Sand, und um denselben $0096.30 recht fest mit der Wand zu verbinden, waren in das Mauerwerk in Abst^anden von $0096.31 etwa 5#H:cm#G: dreieckige, wagrechte Rillen eingearbeitet worden. Die Helligkeit der $0096.32 sichtbar bleibenden wei^sen M^ortelfugen wurde in der Weise ged^ampft, da^s man $0096.33 die einzelnen Teile des Bildes in ihrer Hauptfarbe ^ubermalte. Die Farbe wurde $0096.34 dann durch Waschen mit S^aure beseitigt, wobei dieselbe aber am M^ortel haften $0096.35 bleibt. Bei alten Mosaiken erreichte man dasselbe Ziel durch eine f^ormliche Unter- $0096.36 malung#H:175#G:), was bei der fr^uheren Art des Eindr^uckens der einzelnen Mosaiksteine $0096.37 nicht nur dem Mosaikk^unstler die Arbeit erleichterte, sondern auch die vorherige $0096.38 Beurteilung der Wirkung des Bildes an Ort und Stelle erm^oglichte#H:176#G:).

$0 @@3@ ---------- $0096.39

__#H:174#G:) Siehe: Wochbl. f. Arch. u. Ing. 1881, S. 266.

$0096.40

__#H:175#G:) Diese Untermalung wurde auch in der Kuppel des Aachener M^unsters beobachtet (siehe: Centralbl. d. Bauverw. $0096.41 1881, S. 231); sie wurde von #/+Bucher#/- (Geschichte der technischen K^unste. Stuttgart 1875. Bd. 1, S. 100) in Sicilien und Tor- $0096.42 cello gefunden.

$0096.43

__#H:176#G:) Das Mosaik der Aachener M^unsterkuppel wurde, wie das der Siegess^aule in Berlin, von #/+Salviati {et} Co.#/- in Venedig $0096.44 ausgef^uhrt. An denen des Kunstgewerbemuseums daselbst war bei der Ausf^uhrung au^ser #/+Salviati#/- auch die #/+Compagnia Venetia- $0096.45 Murano#/- beteiligt. -- Die #/+Gaz. des arch.#/- (1885, S. 231) gibt den Bericht des Sekret^ars der #/+Soci%/et%/e centrale#/- ^uber eine Preis- $0096.46 erteilung wieder, in welchem die franz^osischen Mosaikarbeiten (namentlich die im Pariser Pantheon) aus dem Atelier von #/+Guilbert $0096.47 Martin#/- in Saint-Denis bei Paris ^uber die neueren aller ^ubrigen L^ander gestellt wurden. -- Ueber die Pflege der Mosaikkunst $0096.48 in Frankreich und die 1876 in S%\evres gegr^undete Staatswerkst^atte, sowie die bisherigen und neuesten Ausf^uhrungen derselben $0096.49 finden sich nach einem beh^ordlichen Berichte Mitteilungen in: Centralbl. d. Bauverw. 1886, S. 185. -- Aehnliche Mitteilungen $0096.50 ^uber die venetianischen und r^omischen Mosaiken ebendas. 1889, S. 147, 151. -- Ausf^uhrliche Abhandlungen ^uber das vene-<-P> @@1@ $0097.01

__Eine Ver^anderung in der Herstellung des Glasmosaik hat #/+Sander#/- erfunden#H:177#G:). $0097.02 Die Mosaiksteine werden nicht durch Zerschlagen von Glasplatten gewonnen, sondern $0097.03 als prismatische oder cylindrische St^abchen mit abgerundeten K^opfen gegossen. Man $0097.04 setzt dieselben mit dem Kopfe nach unten in einem Kasten mit Glasboden nach den $0097.05 vorgeschriebenen Mustern mit Hilfe eines Spiegels zusammen und ^ubergie^st die $0097.06 k^unftige R^uckseite mit Asphaltkitt. Die so gebildeten Mosaikplatten behalten ent- $0097.07 weder ihre nat^urliche Oberfl^ache oder sie werden glatt geschliffen und poliert.

$0097.08 @z d) Plastischer Schmuck. $0097.09

__M^ortel von geeigneter Zusammensetzung und Dichtigkeit ist eine weiche Masse,109.|Allgemeines. $0097.10 welche sich beliebig formen l^a^st und nach dem Erh^arten diese Form beh^alt. Die $0097.11 plastische Ausschm^uckung, soweit sie sich innerhalb der durch die Eigenschaften des $0097.12 Stoffes und die Stilgesetze gesteckten Grenzen h^alt, ist demnach, als in dem Wesen $0097.13 desselben begr^undet, zul^assig und ein geeignetes Mittel zur Formengebung im Putz- $0097.14 bau. Da^s solchen Verzierungen auch eine ziemliche Dauerhaftigkeit gegen Witte- $0097.15 rungseinfl^usse gegeben werden kann, beweisen die in den Ruinen r^omischer Bau- $0097.16 werke erhaltenen Reste, sowie die reichen Fassadenausstattungen dieser Art aus der $0097.17 Renaissance-, Barock- und Rokokozeit. Immerhin wird sich, wenn dies auch in den $0097.18 zuletzt erw^ahnten Stilperioden nicht der Fall war, die Formenwelt der ^au^seren $0097.19 Putzarchitektur auf Felderteilungen, Umrahmungen und Flachreliefs beschr^anken $0097.20 m^ussen. An gesch^utzten Stellen, wie unter vorspringenden D^achern oder unter den $0097.21 H^angeplatten steinerner Hauptgesimse, sind wohl auch in M^ortelmasse hergestellte $0097.22 bescheidene Simsgliederungen zul^assig, dagegen ausgedehnte Nachahmungen von $0097.23 Steinarchitekturen, und w^aren sie in witterungsbest^andigstem Cement ausgef^uhrt, aus $0097.24 stilistischen Gr^unden verwerflich.

$0097.25

__Die Herstellung der geputzten Gesimse und profilierten Einrahmungen wird im $0097.26 n^achsten Hefte dieses #.>Handbuches#.< (unter D) besprochen werden, w^ahrend es sich $0097.27 hier um die Ausf^uhrung der Fl^achenausschm^uckungen handelt. Diese kann in der $0097.28 Verzierung von fortlaufenden Friesen oder einzelner Felder oder Medaillons bestehen; $0097.29 sie kann entweder unmittelbar an der Wand selbst oder in Form von sp^ater zu be- $0097.30 festigenden Platten in der Werkst^atte ausgef^uhrt werden. Die erstere Behandlungs- $0097.31 weise ist die k^unstlerischere und in den Bl^utezeiten der Stuccaturtechnik besonders $0097.32 zur Anwendung gekommen; die zweite ist die bequemere, fabrikm^a^sig auszu^ubende; $0097.33 es ist die des Gips- und Cementgusses, die aber auch noch in anderen k^unstlichen $0097.34 Steinarten angewendet wird.

$0097.35

__Ueber die Bereitung eines f^ur die Anwendung im Freien tauglichen Stuck-110.|Stuck. $0097.36 m^ortels ist schon in Art. 94 (S. 84) das N^otige mitgeteilt worden.

$0097.37

__Handelt es sich um die Herstellung weit vorspringender Reliefs, so mu^s man $0097.38 nach #/+Rondelet#/-#H:178#G:) zun^achst eine Anlage mit dem erw^ahnten Puzzolanm^ortel machen, $0097.39 bezw. nach Ma^sgabe des Vorsprunges eingeschlagene N^agel oder Eisenst^ucke benutzen. $0097.40 Das Eisen ist gegen das Rosten durch Eintauchen in hei^ses Oel oder Verzinken $0097.41 oder Verbleien zu sch^utzen. Nach dem Austrocknen wird dann die Anlage wieder<-P> $0 @@3@ ---------- $0097.42 <-P>tianische Mosaik von #/+Schwarz,#/- haupts^achlich die chemische Zusammensetzung der Gl^aser betreffend in: Verhandl. d. Ver. z. $0097.43 Bef^orderung des Gewerbeflei^ses 1885, S. 270; 1887, S. 90. -- Auch Deutschland besitzt jetzt Werkst^atten f^ur die Herstellung $0097.44 von Glasmosaik. So hat sich u. a. die Deutsche Glasmosaik-Gesellschaft (#/+Puhl {et} Wagner#/-) in Berlin-Rixdorf einen guten $0097.45 Ruf erworben.

$0097.46

__#H:177#G:) Siehe: Wochbl. f. Arch. u. Ing. 1884, S. 20, 124.

$0097.47

__#H:178#G:) #k+Rondelet,#k- J. Theoretisch-praktische Anleitung zur Kunst zu bauen. Leipzig und Darmstadt 1834. Band 2, $0097.48 S. 360 u. ff.

@@1@ $0098.01 <-P>so weit benetzt, bis sie kein Wasser mehr einsaugt und ein Ueberzug von Marmor- $0098.02 stuck aufgetragen, in dem das Ornament fertig modelliert wird, und zwar mit Hilfe $0098.03 von Spatel oder Bossiereisen, bezw. mit dem mit rauher Leinwand umwickelten oder $0098.04 mit dem blo^sen Finger.

$0098.05

__Zur Bereitung des Marmorstucks nimmt man besten, gut durchgebrannten Kalk (er soll beim An- $0098.06 schlagen klingen), l^oscht ihn auf die vorsichtigste Weise und l^a^st ihn durch ein Sieb laufen oder r^uhrt ihn $0098.07 besser, nach #/+Rondelet,#/- auf einer Marmorplatte durch, um ihn zu reinigen, worauf er dann mindestens 4 bis $0098.08 5 Monate eingesumpft werden mu^s. Zu dem so vorbereiteten Kalk wird in der gleichen Menge am besten $0098.09 Pulver von carrarischem Marmor gemengt. In Ermangelung desselben k^onnen auch andere wei^se, fein- $0098.10 k^ornige Steinarten Verwendung finden; der Stuck wird aber nicht so sch^on; auch mu^s dann der Kalk- $0098.11 zusatz anders geregelt werden. Die Bestandteile m^ussen durch Verr^uhren auf das innigste miteinander ver- $0098.12 mengt werden.

$0098.13

__Bei schwach vorspringenden Reliefs ^uberzieht man den rauhen, angen^a^sten $0098.14 Wandbewurf mit einer etwa 5#H:mm#G: dicken Stuckschicht, gleicht diese mit dem R^ucken $0098.15 der Kelle ab, um sie zusammenzudr^ucken und ihr dadurch mehr Festigkeit zu geben, $0098.16 und gl^attet sie dann mit etwas rauher, durchn^a^ster Leinwand. Auf diesem Grunde $0098.17 wird dann die Zeichnung der Umrisse des Ornamentes mit Kohle aufgepaust und $0098.18 dann letzteres in Marmorstuck aufmodelliert. Dabei mu^s die Arbeit von Zeit zu $0098.19 Zeit angen^a^st werden. Bei etwas st^arkeren Vorspr^ungen schafft man mehr Halt- $0098.20 barkeit durch Einschlagen einiger kleiner, breitk^opfiger N^agel.

$0098.21 111.|Gipsgu^s.

__Wegen ihrer Billigkeit finden sehr h^aufig die aus Gips gegossenen Ornamente $0098.22 zum Fassadenschmuck Verwendung#H:179#G:), welche man gew^ohnlich auch als aus Stuck $0098.23 hergestellt bezeichnet.

$0098.24

__Sie werden mit einem aus Gips und Kalk bereiteten M^ortel an den W^anden $0098.25 befestigt. Diese Befestigung hat, wegen der Gefahren, die durch das Abl^osen und $0098.26 Herabst^urzen f^ur Vor^ubergehende sich ergeben, mit der gr^o^sten Vorsicht zu erfolgen. $0098.27 Deshalb sind auch bei schwereren St^ucken noch Bankeisen oder Haken zu verwenden, $0098.28 welche gegen das Rosten gesch^utzt werden m^ussen.

$0098.29

__Da die nur aus Gips hergestellten Ornamente sehr wenig fest und witterungs- $0098.30 best^andig sind, so verwendet man verschiedene Mittel, um sie zu h^arten und dauer- $0098.31 hafter zu machen.

$0098.32

__Das H^arten erfolgt h^aufig durch Behandlung des Gipses oder des fertigen $0098.33 St^uckes mit Alaunl^osung. Hier^uber, sowie ^uber andere Verfahrungsweisen wird auf $0098.34 untenstehende Quellen verwiesen#H:180#G:).

$0098.35

__Zum Schutz gegen Witterungseinfl^usse benutzt man gew^ohnlich Oelfarbenanstrich, $0098.36 der aber oft erneuert werden mu^s und deshalb die Formen stumpf macht. Das $0098.37 blo^se Tr^anken mit hei^sem Lein^ol, was sonst ganz zweckm^a^sig w^are, gibt dem $0098.38 Gips eine schmutzig gelbe Farbe. Kostspielig ist die Behandlung mit geschmolzenem, $0098.39 wei^sem Wachs, etwas billiger als diese die mit Stearins^aure. Empfohlen wird ein $0098.40 Anstrich der ganz trockenen St^ucke mit folgendem Gemisch: 3 Teile gekochtes $0098.41 Lein^ol, {1/6} vom Gewicht des Lein^ols Silbergl^atte (Bleioxyd) und 1 Teil Wachs#H:181#G:).

$0098.42

__Zur Herstellung eines dauerhaften Anstriches mit Kalkfarbe wird empfohlen, die $0098.43 Gipsteile, wie die ganze Fassade zun^achst mit Seifenl^osung anzustreichen und dann<-P> $0 @@3@ ---------- $0098.44

__#H:179#G:) Ueber die Herstellung der Gipsarbeiten siehe: #k+Fink,#k- F. Der T^uncher, Stubenmaler, Stukkator und Gypser. $0098.45 Leipzig 1866. S. 188 u. ff. -- ferner: #k+Heusinher v. Waldegg,#k- E. Der Gypsbrenner, Gypsgie^ser und Gypsbaumeister, sowie $0098.46 T^unch- und Stuckarbeiter. Leipzig 1867. -- Vergl. auch Teil I, Band 1, erste H^alfte, 2. Aufl. (Art. 155, S. 170) dieses #.>Hand- $0098.47 buches#.<.

$0098.48

__#H:180#G:) #k+Fink,#k- a. a. O., S. 229. -- #k+Gottgetreu,#k- R. Physische und chemische Beschaffenheit der Baumaterialien. 3. Aufl. $0098.49 Berlin 1881. Bd. 2, S. 381. -- #/+La semaine des conflr.#/- 1886--87, S. 171.

$0098.50

__#H:181#G:) Ausf^uhrlicheres in den eben angegebenen Quellen, sowie in: Baugwksztg. 1884, S. 402.

@@1@ $0099.01 <-P>zweimal mit der mit Firnis gemischten Kalkfarbe (auf 1 Eimer Farbe etwa {3/8}#H:kg#G: $0099.02 Firnis#H:182#G:).

$0099.03

__In neuerer Zeit finden sehr ausgedehnte Anwendung die aus Portlandcement112.|Cement. $0099.04 hergestellten Ornamente. Im Inneren bestehen dieselben aus einem Beton, nach $0099.05 au^sen aus feinsandigem Cement^uberzug. Schwierigkeiten entstehen dem Anfertigen $0099.06 durch die Bildung von Schwindungsrissen an der Oberfl^ache, ein Umstand, auf den $0099.07 schon bei Besprechung des Cementputzes hingewiesen wurde (siehe Art. 72, S. 76); $0099.08 dagegen ist man in der t^auschenden Nachahmung der verschiedenen Sandsteinarten $0099.09 bei guter Wetterbest^andigkeit schon sehr weit gekommen. Die Verzierungen und $0099.10 Gliederungen aus Cement werden entweder als fertige Gu^sst^ucke angesetzt und be- $0099.11 festigt oder, was jetzt sehr f^ur architektonische Gliederungen in Aufnahme gekommen $0099.12 ist, an den W^anden selbst hergestellt.

$0099.13

__Lebhafte Farben sind durch Zumischung von Farbk^orpern zur Cementmasse113.|Polychromer|Cement. $0099.14 nicht zu erzielen; auch die Herstellung dauerhafter F^arbungen durch Anstriche bietet $0099.15 Schwierigkeiten (vergl. Art. 97, S. 86 u. Art. 99, S. 87). Um nun Portlandcement $0099.16 f^ur eine haltbare stereochromatische Bemalung tauglich zu machen, haben #/+v. Koch#/- $0099.17 und #/+Adamy#/-#H:183#G:) das folgende Verfahren erfunden.

$0099.18

__Bei Gu^sst^ucken wird die Form mit einer Mischung von 30 bis 50 Prozent reinem Cement und ent- $0099.19 sprechend 70 bis 50 Prozent fein gemahlenem Bimssteinsand ausgestrichen; alsdann wird in gew^ohnlicher $0099.20 Weise eine Mischung von {1/3} Cement und {2/3} grobem Sand nachgef^ullt und festgestampft. Nach dem $0099.21 Herausnehmen aus der Form sind die St^ucke einige Tage feucht zu halten.

$0099.22

__Beim Verputzen von Fugen wird dieselbe Mischung aus Cement und Bimsstein angewendet und vor $0099.23 zu raschem Trocknen entsprechend gesch^utzt. Vor dem Bemalen wird die Oberfl^ache des Cementes mit $0099.24 einer verd^unnten S^aure, Salzs^aure, Phosphors^aure oder Fluorwasserstoffs^aure, abgewaschen und nach dem $0099.25 Trocknen mit Wasserglasl^osung getr^ankt. -- Das Bemalen geschieht mit dem Pinsel und am besten mit den $0099.26 #/+Keim#/-'schen Mineralfarben (siehe Art. 107, S. 94). Fixiert wird die Farbe durch mehrmaliges Anspritzen $0099.27 mit einer zweiprozentigen Wasserglasl^osung.

$0099.28

__Das Verfahren, welches bei vorsichtiger Ausf^uhrung gute Ergebnisse, sowohl in $0099.29 Bezug auf F^arbung als Dauerhaftigkeit, geliefert hat, kann au^ser auf plastische $0099.30 Ornamente auch auf Cementputzfl^achen angewendet werden.

$0099.31

__Zur Herstellung von Ornamenten f^ur Fassaden werden auch verschiedene k^unst-114.|K^unstliche|Steinmassen. $0099.32 liche Steinmassen, welche sich leicht formen lassen, wie die von #/+Ransome,#/- Cajalith, $0099.33 Metalllava u. a. m. verwendet#H:184#G:).

$0099.34 @z e) Schlu^s. $0099.35

__Die au^serordentliche Verbreitung des Putzbaues im landl^aufigen Sinne des115.|Wertsch^atzung|des|Putzbaues. $0099.36 Wortes, also die Nachahmung von in Stein gedachter Architektur in M^ortel, ist wohl $0099.37 im allgemeinen in der Sucht begr^undet, mit geringen Geldmitteln reiche Fassaden $0099.38 herzustellen, ohne dabei auf l^angere Dauer und architektonische oder konstruktive $0099.39 Wahrheit Wert zu legen. Die Verwerflichkeit dieser Richtung der Zeit wird wohl $0099.40 zumeist zugegeben; auch findet sich h^aufig genug das Einschlagen besserer Bahnen, $0099.41 ohne allerdings im gro^sen und ganzen Wandel schaffen zu k^onnen. An ein Auf- $0099.42 geben des Putzbaues ist auch gar nicht zu denken, da das Wohnen in aus sog. $0099.43 reinem oder echtem Material hergestellten Bauwerken nur der wohlhabenden Bev^olke- $0099.44 rungsklasse m^oglich ist und auch dem nicht mit Mitteln Gesegneten ein Schmuck $0099.45 seines Wohnhauses geg^onnt werden mu^s. Das Verwerfliche der Richtung liegt auch<-P> $0 @@3@ ---------- $0099.46

__#H:182#G:) Siehe: Deutsches Baugwksbl. 1885, S. 96.

$0099.47

__#H:183#G:) D. R.-P. Nr. 29_670.

$0099.48

__#H:184#G:) Ueber dieselben findet man N^aheres in den in Fu^snote 76 (S. 43) mitgeteilten Quellen.

@@1@ $0100.01 <-P>nicht in der Anwendung des Putzes -- auf die F^alle, in denen dessen Anwendung $0100.02 gerechtfertigt ist, wurde in Art. 95 (S. 85) hingewiesen -- sondern in dem Ueber- $0100.03 ma^s der angewendeten Formen und in der Sucht, die T^auschung hervorzubringen, $0100.04 als sei ein besserer Baustoff zur Anwendung gekommen. Nur eine einseitige An- $0100.05 schauungsweise wird die Benutzung des Putzes f^ur Fassaden verdammen k^onnen, $0100.06 wenn derselbe in t^uchtiger, Dauer versprechender Weise und gutem, wetterbest^andigem $0100.07 Material ausgef^uhrt ist und eine den Eigenschaften desselben entsprechende formale $0100.08 Behandlung Platz gegriffen hat, sowie wenn von demselben an solchen Stellen Ab- $0100.09 stand genommen wird, wo keine nennenswerte Dauer vorauszusehen ist. Unter diesen $0100.10 Voraussetzungen wird man den Putzbau sogar auf keine niedrigere Stufe, als die $0100.11 Verblendung der Mauern mit Fliesen oder d^unnen Steinplatten u. s. w. stellen k^onnen, $0100.12 die nur durch die Kittkraft des M^ortels mit dem Kernmauerwerk verbunden sind. $0100.13 Leider treffen nun aber die gemachten Voraussetzungen vielfach nicht zu und k^onnen $0100.14 trotz guten Willens oft wegen der im Handwerk eingerissenen Nachl^assigkeit nicht $0100.15 erzielt werden, so da^s es h^aufig allerdings sparsamer erscheint, ein gr^o^seres Anlage- $0100.16 kapital aufzuwenden und eine Ausf^uhrung in Rohbau zu w^ahlen, um der unaufh^orlich $0100.17 sich wiederholenden Ausbesserungen des Putzes ^uberhoben zu sein. Aber auch hierbei $0100.18 tritt oft der Entscheidung zu Gunsten eines Rohbaues der Umstand in den Weg, $0100.19 da^s im allgemeinen ein Putzbau weit rascher fertig gestellt werden kann, was heut- $0100.20 zutage eine sehr gro^se Rolle spielt#H:185#G:).

$0100.21 @z ---------- $0100.22 @Z 5. #s+Kapitel.#s- $0100.23 @Z Mauern aus Gu^s- und Stampfmassen. $0100.24 116.|Allgemeines.

__Wie im vorhergehenden Bande dieses #.>Handbuches#.< (Art. 8, S. 9) ausgef^uhrt $0100.25 wurde, werden zur Herstellung von Steinkonstruktionen auch Stoffe des Steinreiches $0100.26 verwendet, welche aus einem allm^ahlich weichen Zustande in einen harten und festen $0100.27 ^ubergehen. Dieses Ziel kann auf verschiedenen Wegen mit den in Betracht kommen- $0100.28 den Stoffen erreicht werden, und zwar: durch Zusammenstampfen und Austrocknen $0100.29 an der Luft bei Erde und Lehm -- Erdstampfbau und Lehmstampfbau (Erdpis%/e $0100.30 und Lehmpis%/e); durch Ausnutzen der chemischen Eigenschaften der M^ortel mit oder $0100.31 ohne Zuhilfenahme der k^unstlichen Dichtung -- Kalksandstampfbau (Kalksandpis%/e), $0100.32 Beton -- und endlich durch Erstarrenlassen geschmolzener Massen, wie beim Asphalt -- $0100.33 Asphaltbeton.

$0100.34

__Die hier aufgez^ahlten Verfahrungsweisen m^ogen wohl geschichtlich in dieser $0100.35 Reihenfolge zur Anwendung gekommen sein. Wir werden sie daher auch in der- $0100.36 selben durchsprechen, obwohl in Beziehung auf Wichtigkeit eigentlich mit dem Beton $0100.37 begonnen werden m^u^ste.

$0100.38

__Die genannten Stoffe werden bei der Herstellung von Mauern in Formen ge- $0100.39 f^ullt, die entweder nach Erreichung eines gewissen Festigkeitsgrades wieder entfernt $0100.40 werden oder welche dauernd mit denselben verbunden bleiben. Die ersteren werden $0100.41 aus Holz oder Eisen, bezw. durch Verbindung dieser beiden Baustoffe gebildet; $0100.42 die letzteren beschafft man bei Grundmauern durch die Wandungen der im Erd-<-P> $0 @@3@ ---------- $0100.43

__#H:185#G:) Geschichtliche Mitteilungen ^uber die Anwendung von Putz, Stuck und Wandmalereien wurden in der 1. Auflage $0100.44 dieses Heftes (Art. 115, S. 112) gebracht.

@@1@ $0101.01 <-P>boden gezogenen Gr^aben, bei frei stehendem Mauerwerk durch nat^urliche oder $0101.02 k^unstliche Steine.

$0101.03

__Das in Frage kommende k^unstliche Dichten der Massen wird durch Stampfen $0101.04 erreicht, weshalb diese Mauerwerke nach dem Franz^osischen oft Pis%/ebauten#H:186#G:) ge- $0101.05 nannt werden, w^ahrend wir sie hier im allgemeinen als Stampfmauerwerke bezeichnen. $0101.06 Die Anwendung des Stampfens setzt eine gen^ugende Widerstandsf^ahigkeit der Formen $0101.07 gegen die durch dasselbe erzeugten Seitendr^ucke voraus, was bei den durch blo^ses $0101.08 Einf^ullen oder Eingie^sen hergestellten Gu^smauerwerken nicht in demselben Grade $0101.09 notwendig ist. Von einem eigentlichen Gie^sen kann hierbei aber nur bei Gips und $0101.10 Asphalt die Rede sein, w^ahrend die ^ubrigen f^ur solche Mauern verwendeten M^ortel- $0101.11 materialien in einem ziemlich trockenen Zustande eingef^ullt werden m^ussen.

$0101.12

__Stampfmauerwerke sind bei weitem h^aufiger, als Gu^smauerwerke. Im allge- $0101.13 meinen sind aber jetzt beide Verfahren von einer mehr untergeordneten Bedeutung $0101.14 f^ur den Hochbau, w^ahrend sie bei den V^olkern des Altertums zum Teile eine her- $0101.15 vorragende Rolle spielten. Am wichtigsten ist heutigen Tages der Beton, obgleich $0101.16 er f^ur die Herstellung von aufgehendem Mauerwerk in Deutschland trotz vielseitiger $0101.17 Bestrebungen auch noch nicht recht festen Fu^s hat fassen k^onnen, was ihm in Eng- $0101.18 land und Frankreich mehr gelungen zu sein scheint.

$0101.19

__Aus den f^ur Gu^s- und Stampfmassen verwendeten Stoffen werden auch k^unst- $0101.20 liche Steine in regelm^a^sigen Formen hergestellt, welche schon fr^uher (siehe Art. 30 $0101.21 bis 35, S. 42 bis 44) eine zumeist kurze Besprechung fanden.

$0101.22 @z a) Erd- und Lehmstampfbau#H:187#G:). $0101.23

__Zur Herstellung der Mauern aus Erd- oder Lehmstampfmasse ist jede nicht zu117.|Baustoff. $0101.24 magere oder zu fette, von Pflanzenteilen freie Erde oder entsprechender Lehm ver- $0101.25 wendbar; doch zieht man den letzteren vor, insbesondere, wenn er mit etwas Kies $0101.26 gemengt ist. Zu magere Masse bindet nicht gen^ugend, eine zu fette bekommt Risse $0101.27 und erschwert die Arbeit. Als Proben f^ur die gen^ugende Bindekraft der Erde $0101.28 erachtet man, da^s sie die ihr durch Zusammendr^ucken in der Hand gegebene Form $0101.29 beh^alt, da^s sie in nahezu lotrechten W^anden sich abgraben l^a^st und nur durch $0101.30 Zerhacken mit dem Spaten oder der Hacke zerteilt werden kann. Eine noch $0101.31 zuverl^assigere Probe ist jedenfalls die von #/+Chabat#/-#H:188#G:) mitgeteilte, nach welcher man $0101.32 die zu untersuchende Erde in eine parallelepipedische Form von etwa 50#H:cm#G: Breite $0101.33 und etwas gr^o^serer H^ohe in der bei Herstellung der W^ande ^ublichen Weise stampft, $0101.34 dann diese zudeckt und an einen gesch^utzten Ort stellt. Nach einer Woche ist die $0101.35 Erde so weit geschwunden, da^s die Form sich abheben l^a^st, und nach einigen $0101.36 Monaten kann man dann untersuchen, ob der Zusammenhang des Erdk^orpers sich $0101.37 vermehrt oder verringert hat, wonach die Brauch- und Nichtbrauchbarkeit zu be- $0101.38 urteilen ist.

$0101.39

__Das Beimengen von Steinen, auch von Kalksteinen, ist durchaus nicht sch^adlich, $0101.40 wenn sie nicht die Nu^sgr^o^se ^uberschreiten; auch die im Lehm sonst vorkommenden $0101.41 Gemengteile schaden nichts, wenn sie nicht leicht verwitterbar sind; die Erde darf $0101.42 jedoch keinen Humus enthalten, weshalb Acker- oder Gartenerde nicht brauchbar ist.

$0 @@3@ ---------- $0101.43

__#H:186#G:) Das franz^osische Zeitwort #/+piser#/- ist vom lateinischen #/+pisare#/- oder #/+pisere#/- abgeleitet, welches #s+zerstampfen#s- oder $0101.44 #s+zersto^sen#s- bedeutet.

$0101.45

__#H:187#G:) Auss^uhrlicher wurde diese Bauweise, auch in ihrer geschichtlichen Entwickelung, in der 1. Auflage dieses Heftes $0101.46 (Art. 117--123, S. 114--123) besprochen.

$0101.47

__#H:188#G:) Siehe: #/+Dictionnaire des termes employ%/es dans la construction etc.#/- 2. Aufl. Paris 1881--82. (Artikel: #/+Pis%/e.#/-)

@@1@ $0102.01

__Vor der Verwendung bedarf die gegrabene Masse einer Vorbereitung, die in $0102.02 einem t^uchtigen Durcharbeiten mit dem Spaten, wobei gro^se Steine und Wurzeln $0102.03 ausgelesen werden, sowie mitunter im Durchwerfen durch ein grobes, oft aus Flecht- $0102.04 werk hergestelltes Sieb besteht, welches die Steine, die gr^o^ser als eine welsche $0102.05 Nu^s sind, zur^uckh^alt.

$0102.06 118.|Herstellung|der|W^ande.

__Behu^s Ausf^uhrung von W^anden wird die richtig vorbereitete Erde in die $0102.07 sp^ater zu beschreibenden Formkasten, in Schichten von etwa 10#H:cm#G: Dicke, einges^ullt $0102.08 und so stark mit dem schon erw^ahnten St^o^ser gestampft, da^s diese Dicke auf un- $0102.09 gef^ahr 5#H:cm#G: verringert wird. Den richtigen Grad der Zusammenpressung erkennt $0102.10 man daran, da^s auf der Oberfl^ache durch das Sto^sen keine Eindr^ucke mehr her- $0102.11 vorgebracht werden k^onnen. Nach vollst^andigem F^ullen des Formkastens wird der- $0102.12 selbe im Anschlu^s an das vollendete St^uck, dieses am Ende, welches unter 60 Grad $0102.13 oder auch 45 Grad abgeb^oscht wird, umfassend, neu aufgestellt. Ist das Mauerwerk $0102.14 des ganzen Baues in dieselbe Gleiche gebracht, so beginnt man mit einem neuen $0102.15 H^ohenabschnitt. Die H^ohe des letzteren ist von der des Formkastens und der $0102.16 Herstellungsweise desselben abh^angig, aber immer mindestens um 8 bis 10#H:cm#G: geringer, $0102.17 um welches Ma^s man den unteren Mauerteil umfassen l^a^st. Die H^ohe der Seiten- $0102.18 w^ande der Formen wird von den verschiedenen Schriftstellern von 0,31 bis 1,6#H:m#G: $0102.19 angegeben. Durch eine gr^o^sere H^ohe kann man die Arbeit schneller f^ordern, da $0102.20 die Ger^uste weniger oft aufgestellt zu werden brauchen; es ist dabei aber sehr gute $0102.21 Stampfarbeit unbedingt n^otig. Die Verwendung niedriger Formen ist sicherer, weil $0102.22 vor der Belastung durch neue Schichten die unteren Zeit zum Festwerden durch $0102.23 Austrocknen gehabt haben. Vor dem Beginn eines neuen H^ohenabschnittes ist der $0102.24 darunter befindliche der Verbindung wegen vorsichtig anzufeuchten.

$0102.25

__Bei eintretendem Regenwetter hat man die Mauern w^ahrend der Nacht durch $0102.26 ein leichtes, nach beiden Seiten etwas ^uberragendes Bretterdach zu sch^utzen.

$0102.27

__Hat man die beabsichtigte Stockwerksh^ohe erreicht, so wird die Balkengleiche $0102.28 hergestellt und ein Falz f^ur die nur f^ur das Dachgeb^alk unbedingt erforderliche $0102.29 Mauerlatte eingehauen. Der Platz f^ur die Balkenk^opfe von Zwischengeb^alken kann $0102.30 auch unmittelbar durch Einhauen in die Mauern beschafft und ^uber denselben das $0102.31 Stampfen fortgesetzt werden.

$0102.32

__Infolge von nicht genau lotrecht gestellten oder aus dem Lot gewichenen $0102.33 Formger^usten, sowie von nicht gen^ugend festgestampften unteren Schichten ergeben $0102.34 sich in den Wandfl^achen mitunter Ausbauchungen. Diese k^onnen durch Abhauen $0102.35 mit einem Beile beseitigt werden.

$0102.36 119.|Herstellung|der|Oeffnungen.

__Die gew^ohnliche Art, Fenster- und Th^ur^offnungen in den W^anden anzubringen, $0102.37 besteht in der Aufstellung von h^olzernen Zargen, gegen welche und ^uber welche $0102.38 die Erde gestampft wird. Doch kommen auch aus Backsteinen oder Hausteinen $0102.39 aufgemauerte, bezw. ^uberw^olbte Einfassungen in Anwendung, welche aber die Aus- $0102.40 f^uhrung wesentlich verteuern und ebenso, wie die h^olzernen Zargen, noch andere $0102.41 Unannehmlichkeiten an sich haben. Das empfehlenswerteste, auch das Ausf^uhren $0102.42 der W^ande sehr erleichternde und vereinfachende Verfahren ist daher wohl das von $0102.43 #/+Sch^uler#/-#H:189#G:) angewendete, nach welchem man die Mauern ganz ohne R^ucksicht auf $0102.44 die Oeffnungen in einem St^ucke aufstampft, auf denselben die Umgrenzungen der $0102.45 Oeffnungen aufzeichnet und dann diese aushaut. Die Kanten sollen bei einiger Vor- $0102.46 sicht stehen bleiben; auch ist die gestampfte Masse fest genug, um sich ^uber den<-P> $0 @@3@ ---------- $0102.47

__#H:189#G:) In: Ueber Pis%/ebau oder Erdstampfbau. Salzungen 1865.

@@1@ $0103.01 <-P>Oeffnungen selbst zu tragen. Etwaige Unregelm^a^sigkeiten k^onnen durch Verstreichen $0103.02 der L^ucken an den sp^ater im ganzen einzusetzenden Th^ur- und Fensterfuttern, die $0103.03 aber auch nicht unbedingt n^otig sind, beseitigt werden. Diese am besten aus $0103.04 Eichenholz herzustellenden Futter werden mit langen, spitzen N^ageln an die Stampf- $0103.05 wand genagelt.

$0103.06

__Das immerhin schwierige Aushauen der Oeffnungen d^urfte mit Vorteil durch $0103.07 das von #/+Berndt#/-#H:190#G:) empfohlene Auss^agen ersetzt werden.

$0103.08

__Die Formenger^uste zur Herstellung der Erdstampfbauten sind nach zwei Haupt-120.|Formenger^uste. $0103.09 anordnungen zur Ausf^uhrung gelangt. Nach der ersten, die zuerst in Frankreich $0103.10 angewendet wurde und etwas umst^andlich ist, werden in Abst^anden von 0,9 bis 1,5#H:m#G: $0103.11 Joche aufgestellt, welche aus einem quer zur Wand gelegten Riegel mit zwei Schlitzen $0103.12 bestehen, in welchem zwei mit Zapfen versehene lotrechte St^ander durch vor- $0103.13 geschlagene Keile befestigt werden.

$0103.14

__Gegen diese St^ander lehnen sich die aus 5 bis 6#H:cm#G: starken Bohlen hergestellten $0103.15 Formbretter oder Formtafeln von 30 bis 90#H:cm#G: H^ohe, zwischen welche die Erde $0103.16 gestampft wird und die daher in der der beabsichtigten Mauerdicke entsprechenden $0103.17 Entfernung aufgestellt werden m^ussen. Die St^ander $0103.18 Fig. 111#H:191#G:).#(IMAGE){1/25} w. Gr. $0103.19 sind oben durch den unteren gleich gebildete Quer- $0103.20 riegel verbunden oder durch zusammenzudrehende $0103.21 Seile, durch welche ein Knebelstock gesteckt wird, $0103.22 der sich gegen einen der St^ander legt, w^ahrend der $0103.23 Abstand der Formbretter durch zwischengespannte $0103.24 Querh^olzer gewahrt wird (Fig. 111#H:191#G:). Die Formen $0103.25 werden 3 bis 6#H:m#G: lang gemacht und gew^ohnlich mit $0103.26 4 Jochen oder Gattern aufgestellt. Diese werden mit- $0103.27 unter bis zu 1,6#H:m#G: lichter H^ohe ausgef^uhrt, und nahe $0103.28 bis zu dieser H^ohe werden die Formbretter ^uber- $0103.29 einander gestellt, so da^s durch eine blo^s zweimalige $0103.30 Aufstellung der Ger^uste eine Wandh^ohe bis zu 2,9#H:m#G: $0103.31 zu erreichen ist.

$0103.32

__F^ur die unteren Querriegel m^ussen im Sockel $0103.33 L^ocher ausgespart und in schon fertigen Wand- $0103.34 st^ucken eingehauen werden. Diese L^ocher werden $0103.35 nach Fertigstellung des Geb^audes ausgemauert.

$0103.36

__An Stelle der h^olzernen Querriegel benutzt man mitunter eiserne Spindeln.

$0103.37

__F^ur die Ecken kommen entweder diagonal gestellte B^ocke in Anwendung, $0103.38 oder die gew^ohnlichen Formen werden durch ein Kopfbrett geschlossen und ab- $0103.39 wechselnd die eine oder die andere Wand bis zur ^au^seren Flucht durchgef^uhrt.

$0103.40

__Die zweite Art der Formenger^uste ist einfacher, leichter zu handhaben und $0103.41 deshalb den eben beschriebenen vorzuziehen, von denen sie sich durch den Mangel $0103.42 der einzeln aufzustellenden Querjoche unterscheiden.

$0103.43

__Die einfachste Art dieser Ger^uste besteht aus Formbrettern von etwa 30 bis $0103.44 36#H:cm#G: H^ohe, die auf der Au^senseite durch aufgenagelte Leisten gegen das Werfen $0103.45 gesch^utzt sind und nur durch einen durch die Leisten gesteckten Querriegel oder<-P> $0 @@3@ ---------- $0103.46

__#H:190#G:) In: Der Asche- und Erd-Stampfbau. 2. Aufl. Leipzig 1875. S. 35.

$0103.47

__#H:191#G:) Nach #/+Rondelet#/-'s Angaben, nach denen Fig. 111 angefertigt ist, waren die Formtafeln nur aus 1 Zoll (= 27#H:mm#G:) $0103.48 starken Brettern hergestellt, aber an den Stellen, wo sie sich an die St^ander der Joche lehnen, durch lotrechte Brettstreifen $0103.49 verst^arkt.

@@1@ $0104.01 <-P>eiserne Spindeln verbunden sind. Diese Querst^ucke haben an der einen Seite einen $0104.02 Kopf, an der anderen einen Schlitz f^ur einen durchzusteckenden Keil (Fig. 112).

$0104.03

__Mit einer solchen Form $0104.04 kann man nur einen Mauer- $0104.05 Fig. 112.#(IMAGE) $0104.06 absatz von etwa 18 bis 24#H:cm#G: $0104.07 erzielen und mu^s dieselbe $0104.08 daher sehr oft aufstellen, was $0104.09 zeitraubend ist. Deshalb ist $0104.10 die Anwendung von Form- $0104.11 tafeln von etwa 60 bis 80#H:cm#G: $0104.12 H^ohe, die oben und unten $0104.13 durchgesteckte Querverbin- $0104.14 dungen haben, bequemer $0104.15 (Fig. 113 u. 114#H:192#G:).

$0104.16

__Noch mehr f^ordern je- $0104.17 denfalls die von #/+Sch^uler#/-#H:193#G:) $0104.18 benutzten Ger^uste (Fig. 115), $0104.19 mit welchen man durch zweimaliges Aufstellen, wie bei den beschriebenen franz^osi- $0104.20 schen Ger^usten, die ^ubliche Wandh^ohe erzielen kann. Je ein solches Ger^ust besteht $0104.21 Fig. 113#H:192#G:).#(IMAGE){1/25} w. Gr.Fig. 114#H:192#G:).#(IMAGE){1/25} w. Gr. $0104.22 aus zwei in der L^angenrichtung der Mauer aufgestellten Rahmwerken, welche aus $0104.23 Unter- und Oberschwelle von der ^ublichen Bohlenl^ange und aus einer Anzahl lot- $0104.24 rechter Pfosten zusammengesetzt sind. Die letzteren sind 60 bis 80#H:cm#G: voneinander $0104.25 entfernt, etwa 1,6#H:m#G: hoch und mit den Schwellen durch Zapfen verbunden. Gegen $0104.26 diese Rahmen lehnen sich die Formbohlen, welche nach und nach ^ubereinander $0104.27 gestellt werden. Die untere Querverbindung erfolgt durch eiserne Spindeln, die $0104.28 durch die Unterschwellen gesteckt sind, an einem Ende einen Kopf, am anderen $0104.29 Schlitze zum Eintreiben von Keilen haben. Eine Mehrzahl von solchen Schlitzen $0104.30 ist erw^unscht, um dieselben Spindeln f^ur verschiedene Mauerst^arken benutzen zu $0104.31 k^onnen. Zur oberen Querverbindung benutzte #/+Sch^uler#/- Klemmzwingen (Fig. 116), $0104.32 die zu diesem Zwecke jedenfalls sehr geeignet sind, da sie sich sehr leicht sestmachen $0104.33 und losl^osen lassen.

$0 @@3@ ---------- $0104.34

__#H:192#G:) Nach: #k+Engel,#k- F. Der Kalksand-Pis%/ebau. Berlin 1864. S. 52.

$0104.35

__#H:193#G:) A. a. O., S. 10.

@@1@ $0105.01 Fig. 115.#(IMAGE) $0105.02

__Diese Formger^uste stellt man an $0105.03 den Ecken nach beiden Richtungen $0105.04 hin auf, so da^s letztere aus dem $0105.05 Ganzen aufgestampft werden und da- $0105.06 her nur zwischen denselben auf Ver- $0105.07 band der einzelnen Abschnitte zu $0105.08 achten ist.

$0105.09

__Bei allen Arten der Formen $0105.10 m^ussen die Mauerseiten der Form- $0105.11 bretter glatt gehobelt sein, damit $0105.12 beim Wegnehmen nicht Teile der $0105.13 Wandfl^achen an denselben h^angen $0105.14 bleiben.

$0105.15

__Der Hauptfehler der Erdstampf-121.|Schutz-|ma^sregeln. $0105.16 w^ande ist der, da^s sie die Feuchtig- $0105.17 keit nicht vertragen und sich auch $0105.18 nicht dauerhaft ausbessern lassen. Ge- $0105.19 b^aude dieser Art d^urfen daher zu- $0105.20 n^achst nur in Orten errichtet werden, $0105.21 die Ueberschwemmungen nicht aus- $0105.22 gesetzt sind; dann mu^s man sie aber noch sorgf^altig gegen die Einwirkungen von $0105.23 Grundfeuchtigkeit, Tagwassern und Schlagregen sichern. Grund- und Sockelmauern, $0105.24 letztere auf mindestens 0,5#H:m#G: H^ohe mit etwas Vorsprung nach au^sen, m^ussen daher $0105.25 aus best^andigerem Baustoff aufgef^uhrt und wom^oglich mit einer $0105.26 Fig. 116.#(IMAGE) $0105.27 Isolierschicht oben abgedeckt werden; ebenso sind gro^se Dach- $0105.28 vorspr^unge und Walmd^acher empfehlenswert. Als Schutz ist ein $0105.29 dauerhafter Putz^uberzug unerl^a^slich. Die Schwierigkeiten der $0105.30 Herstellung und die verschiedenen Arten eines solchen sind schon $0105.31 in Art. 85 (S. 82) behandelt worden; hier w^aren nur noch solche $0105.32 beim Stampfen anzuwendende Ma^sregeln zu besprechen, welche $0105.33 das Anbringen eines haltbaren Kalkputzes zu bef^ordern geeignet sind.

$0105.34

__Zu diesen geh^ort das Einstampfen von schmalen M^ortelstreifen an den ^au^seren $0105.35 R^andern jeder Schicht, mit welchen sich der Kalkputz fest verbindet.

$0105.36

__Zu weit gehend, weil die Kosten ohne wesentlichen Nutzen $0105.37 Fig. 117.#(IMAGE){1/50} w. Gr. $0105.38 vermehrend, ist die von #/+Narjoux#/-#H:194#G:) angewendete Bauweise, $0105.39 zwischen jede Stampfschicht eine M^ortellage einzuschalten. Da- $0105.40 gegen scheint dieses Verfahren vorz^ugliche Ergebnisse in Al- $0105.41 gerien geliefert zu haben, weil dort beiderseitige Verkleidungen $0105.42 der Mauer von M^ortel gleichzeitig mit der Erde in die Formen $0105.43 gestampft und diese durch die zwischen den Schichten befind- $0105.44 lichen M^ortellagen zusammengehalten werden (Fig. 117). Nach $0105.45 dem Wegnehmen der Formen wird der M^ortel nur mit der in $0105.46 etwas dicke Kalkmilch getauchten Mauerkelle gerieben und $0105.47 gegl^attet. Dieses beachtenswerte Verfahren ^ubernahmen die $0105.48 Franzosen von den Eingeborenen f^ur ihre Kasernenbauten#H:195#G:).

$0 @@3@ ---------- $0105.49

__#H:194#G:) Siehe: #k+Narjoux,#k- F. #/+Architecture communale.#/- Paris 1870.

$0105.50

__#H:195#G:) Siehe: #k+Crelle#k-'s Journ. f. Bauk., Bd. 21, S. 90.

@@1@ $0106.01

__Mit gro^sem Vorteile will #/+Hintr^ager#/- auf den #/+v. Horsky#/-'schen G^utern bei Kolin#H:196#G:) $0106.02 nach dem Einstampfen je einer Schicht von 13 bis 16#H:cm#G: H^ohe an den R^andern $0106.03 Steinsplitter von etwa 8 bis 13#H:cm#G: L^ange und $0106.04 13#H:mm#G: Dicke oder entsprechend gro^se Dach- $0106.05 Fig. 118.#(IMAGE) $0106.06 ziegelst^ucke aufgelegt und mit eingestampft $0106.07 haben (Fig. 118). Nach dem Wegnehmen $0106.08 der Formkasten wurde die Erde zwischen den $0106.09 Steinlagen auf 13 bis 19#H:mm#G: Tiefe ausge- $0106.10 schnitten, um dadurch Raum f^ur den durch $0106.11 die erw^ahnten Steinlagen fest zu haltenden $0106.12 Kalkputz zu gewinnen. Wegen des lang- $0106.13 samen Austrocknens und Setzens der Mauern $0106.14 ist dieser Putz erst ein Jahr sp^ater aufzu- $0106.15 f^uhren.

$0106.16

__In manchen F^allen mag der Behang $0106.17 der W^ande mit Dachpappe, welche auf h^ol- $0106.18 zernen D^ubeln zu befestigen ist, ein zweck- $0106.19 m^a^siger Ersatz f^ur Putz^uberzug sein. Die D^ubel sind mit durchgestekten Holzstiften $0106.20 in der Mauer zu verankern.

$0106.21 122.|Wertsch^atzung.

__Die von #/+Sch^uler#/- dem Erdstampfbau zugeschriebenen Vorteile: Feuerfestigkeit, $0106.22 Dauerhaftigkeit, Holzersparnis, Einfachheit und dadurch rasche F^orderung des $0106.23 Baues, sowie Wohlfeilheit, wird man demselben in der Hauptsache gern zugestehen $0106.24 k^onnen, wenn die Ausf^uhrung innerhalb der dem Baustoff von der Natur gesteckten $0106.25 Grenzen erfolgt und alle erforderlichen Vorsichtsma^sregeln getroffen werden. Man $0106.26 wird mit Nutzen in dieser Bauweise einfache l^andliche Wirtschafts- und Wohn- $0106.27 geb^aude (aber nicht Stallungen), sowie Geb^aude f^ur mancherlei gewerbliche Zwecke $0106.28 errichten k^onnen, wenn man sich mit schmucklosen, kahlen W^anden begn^ugt. Ein- $0106.29 fachheit des Planes ist erste Grundbedingung f^ur das Entwerfen solcher Geb^aude; $0106.30 Grundrisse mit geradlinigen, nicht durch Vor- und R^uckspr^unge unterbrochenen Mauer- $0106.31 z^ugen sind allein zul^assig; die mitunter zur Ausf^uhrung gelangten Gesimse und Orna- $0106.32 mente aus Erdstampfmasse sind als dem Baustoff nicht entsprechende K^unsteleien zu $0106.33 bezeichnen.

$0106.34

__Die von #/+Sch^uler#/- den Erdstampfbauten ebenfalls zugeschriebenen Vorteile der $0106.35 W^arme und Zutr^aglichkeit (gesundes Wohnen) sind dagegen nicht unbedingt zuzu- $0106.36 geben. Die W^ande bestehen aus einem schlecht w^armeleitenden Stoffe und werden $0106.37 daher wohl im Winter, wenn einmal erw^armt, gut warmhaltende R^aume liefern; $0106.38 wegen der gro^sen Dicke aber, die sie erhalten m^ussen, werden dieselben R^aume im $0106.39 Sommer nur einen kellerartigen Aufenthalt bieten k^onnen.

$0106.40

__Ein gro^ser Vorzug zur Ausf^uhrung der erw^ahnten Geb^audearten in Erd- $0106.41 stampfwerk ist der Umstand, da^s sie unter Leitung nur eines sachverst^andigen $0106.42 Mannes von gew^ohnlichen Tagl^ohnern hergestellt werden k^onnen. Unter der Vor- $0106.43 aussetzung einer trockenen Lage und des Vorhandenseins passender Erde kann $0106.44 man sie ^uberall da errichten, wo der Raum zur Aufstellung der Formger^uste vor- $0106.45 handen ist, also nicht unmittelbar ansto^send an schon vorhandene Bauwerke. Die $0106.46 Festigkeit von guter Stampfmasse wird schon dadurch bewiesen, da^s man Oeffnungen $0106.47 aus den Mauern heraushauen kann; auch die Dauerhaftigkeit bezeugen viele Beispiele.

$0 @@3@ ---------- $0106.48

__#H:196#G:) Siehe: Allg. Bauz. 1871, S. 380 u. ff.

@@1@ $0107.01

__#/+Rondelet#/-#H:197#G:) erz^ahlt von einem von ihm im Jahre 1764 neu eingerichteten und mit Pis%/e vergr^o^serten $0107.02 Schlosse, welches schon mehr als 150 Jahre bestand und sich als au^serordentlich fest erwies; denn die $0107.03 Mauern kamen an H^arte und Dauer einem weichen Steine von mittlerer G^ute gleich.

$0107.04

__Auf die N^utzlichkeit dieser Bauweise f^ur den Festungsbau sei hier beil^aufig auf- $0107.05 merksam gemacht#H:198#G:).

$0107.06

__F^ur ein feuchtes Klima scheint der Erdstampfbau nicht zu passen.

$0107.07 @z b) Kalksandstampfbau#H:199#G:). $0107.08

__Das zur Herstellung der Mauern aus Kalksandstampfmasse verwendete Material123.|Baustoff. $0107.09 ist nichts weiter, als ein magerer, aus Kalk und Sand bereiteter M^ortel, welcher in $0107.10 ^ahnlicher Weise, wie die Erdstampfmasse in Formen gestampft wird.

$0107.11

__Gew^ohnlich wird fetter Kalk verwendet, in feuchter Lage jedoch auch hydrau- $0107.12 lischer. Das Mengenverh^altnis von Kalk zu Sand hat sich nach der Ausgiebigkeit $0107.13 des ersteren zu richten und kann zwischen 1 : 8 bis 12 schwanken. Die Materialien $0107.14 m^ussen in ihren Eigenschaften denselben Anforderungen gen^ugen, welche man bei $0107.15 Bereitung eines guten M^ortels stellt; der Kalk mu^s m^oglichst gut gel^oscht, der $0107.16 Sand rein von erdigen und anderen fremden Bestandteilen sein; der letztere darf $0107.17 jedoch Steine bis zu Nu^sgr^o^se enthalten und soll ein gemischtes Korn haben.

$0107.18

__Das Mengen der Stoffe erfolgt in einer Kalkbank mit geeigneten Werkzeugen, $0107.19 unter denen sich besonders eine von #/+Engel#/- empfohlene Mengeharke bew^ahrt haben $0107.20 soll. Der Ersatz der Handarbeit durch Maschinen hat im allgemeinen keine guten $0107.21 Ergebnisse geliefert, sowohl was Gleichm^a^sigkeit der Mischung, als Kosten anbetrifft. $0107.22 Nach #/+Engel#/- sollen 4 starke und flei^sige Arbeiter im stande sein, in 2 Kalkb^anken $0107.23 von etwa 3,8#H:m#G: L^ange und Breite so viel Sandkalk zu bereiten, als 16 bis 18 Arbeiter $0107.24 in einem Tage verstampfen k^onnen.

$0107.25

__Das Mengen kann auf zweierlei Weise erfolgen. Entweder indem man der $0107.26 Kalkmilch den Sand nach und nach zusetzt, oder indem man den Kalkbrei ohne $0107.27 Wasserzusatz in der Kalkbank t^uchtig durchknetet, mit etwa 3 Teilen Sand zu ge- $0107.28 w^ohnlichem M^ortel verarbeitet und dann erst die noch fehlende Sandmenge zugibt. $0107.29 Bei hydraulischem Kalk wird das durch trockenes L^oschen gewonnene Mehl in das $0107.30 Wasser gesch^uttet, welches in n^otiger Menge vorher in die L^oschbank gethan worden $0107.31 war, und durch t^uchtiges Umr^uhren in eine d^unne Sahne verwandelt, der dann der $0107.32 Sand zugesetzt wird.

$0107.33

__Das Vermengen mu^s an einem gesch^utzten Orte vorgenommen werden; auch $0107.34 darf man auf einmal nicht mehr Kalksandmasse bereiten, als an demselben Tage ver- $0107.35 stampft werden kann. Etwaige Reste sind durch Ueberdecken mit feuchten T^uchern $0107.36 gegen Austrocknen zu sch^utzen.

$0107.37

__Ein Urteil ^uber die richtige Menge des zuzusetzenden Wassers kann nur durch $0107.38 Erfahrung gewonnen werden, da auf dieselbe der Feuchtigkeitsgrad der Luft und $0107.39 des Sandes von Einflu^s sind. Zu trockener Sand mu^s vor dem Vermengen mit $0107.40 dem Kalk etwas angefeuchtet werden; doch ist dann die Kalkmilch weniger zu ver- $0107.41 d^unnen. Das fertige Gemisch mu^s das Ansehen von frisch gegrabener, magerer $0107.42 Gartenerde haben. Je derber die Masse bei gleichm^a^siger Durchmengung ist, um so<-P> $0 @@3@ ---------- $0107.43

__#H:197#G:) In: Kunst zu bauen. Bd. I. Aus dem Franz^usischen von #/+C. H. Distelbarth.#/- Leipzig u. Darmstadt 1833, S. 148, 155.

$0107.44

__#H:198#G:) N^aheres hier^uber in: #/+La semaine des constr.,#/- Jahrg. 10, S. 280.

$0107.45

__#H:199#G:) Die Hauptquelle ^uber den Kalksandstampfbau bilden die Schriften von #/+F. Engel#/-; sie mu^sten daher auch hier $0107.46 benutzt werden. Es sind dies: Thaer-Bibliothek. Bd. 34: Der Kalksand-Pis%/ebau und die Kalkziegelfabrikation. 3. Aufl. $0107.47 Berlin 1864 -- und: Die Bauausf^uhrung. Berlin 1881. S. 245 u. ff. -- Siehe auch: Teil I, Band 1, erste H^alfte, 2. Aufl. $0107.48 (Art. 168, S. 182) dieses #.>Handbuches#.<.

@@1@ $0108.01 <-P>bessere Mauern liefert sie; ist sie zu feucht, so l^a^st sie sich nicht feststampfen. Im $0108.02 letzteren Falle soll man sich durch Einstampfen von trockenen Ziegelst^ucken etwas $0108.03 helfen k^onnen.

$0108.04

__F^ur Herstellung von Grundmauern empfiehlt #/+Engel#/- den Zusatz von Portland- $0108.05 cement. Er gibt folgende Mischungsverh^altnisse an: 1 Teil Luftkalk, 1 Teil Portland- $0108.06 cement und 6 bis 8 Teile Sand, oder 2 Teile Mergelkalk, 1 Teil Portlandcement $0108.07 und 8 bis 9 Teile Sand.

$0108.08 124.|Herstellung|der|Mauern.

__Nach den Versuchen von #/+Manger#/- k^onnen selbst sehr magere M^ortel gro^se $0108.09 Festigkeit bei dichter Lagerung der Sandk^orner erhalten. Es wird daher auch bei $0108.10 der Herstellung der Mauern aus Kalksandmasse dem Gelingen f^orderlich sein, die $0108.11 Dichtung durch das Stampfen m^oglichst vollkommen auszuf^uhren.

$0108.12

__Die zweckentsprechend vorbereitete Masse wird in den Formen gleichm^a^sig $0108.13 6 bis 9#H:cm#G: hoch ausgebreitet und so lange gestampft, bis der St^o^ser beim Ausfallen $0108.14 aufspringt und einen dem Metall ^ahnlichen Klang erzeugt. Trotzdem braucht aber $0108.15 beim Kalksandstampfbau das Stampfen nicht so kr^aftig zu erfolgen, wie beim Erd- $0108.16 stampfbau. Man verwendet daher zu den Formkasten bei ersterem Bretter, w^ahrend $0108.17 bei letzterem zu diesem Zwecke Bohlen notwendig sind.

$0108.18

__Die St^o^ser haben besser eine viereckige oder dreieckige Grundfl^ache, als eine $0108.19 runde, weil man mit ersteren sch^arfer an den Formtafeln entlang stampfen kann. $0108.20 Die Stampffl^ache wird weniger stark abgenutzt und bleibt weniger am M^ortel haften, $0108.21 wenn man sie mit Blech beschl^agt. Zum ersten Einstampfen $0108.22 bedient man sich mit Vorteil eines sich etwas nach unten ver- $0108.23 Fig. 119#H:200#G:).#(IMAGE) $0108.24 j^ungenden St^o^sers, f^ur das Fertigstampfen dagegen eines sich $0108.25 verbreiternden (Fig. 119#H:200#G:).

$0108.26

__Sind die Formkasten gef^ullt, so k^onnen sie sofort abge- $0108.27 schlagen und weiter aufgestellt werden; dabei mu^s aber das $0108.28 abzub^oschende Ende des fertig gewordenen Abschnittes wieder $0108.29 mit umfa^st werden. Zweckm^a^sig ist es, das Geb^aude in seiner $0108.30 ganzen Ausdehnung in dieselbe H^ohe zu bringen, ehe ein neuer $0108.31 H^ohenabschnitt begonnen wird. Bei kleinen Bauwerken wird $0108.32 dies verh^altnism^a^sig rasch geschehen, und man mu^s dann die $0108.33 Vorsicht gebrauchen, einen Tag zu warten, bevor man weiter $0108.34 in die H^ohe geht, damit das schon Fertige gen^ugende Trag- $0108.35 f^ahigkeit erlangen kann.

$0108.36

__Ueberall da, wo bereits aufgestampfte Stampfmassen mit neuen sich verbinden $0108.37 sollen, sind die bereits abgebundenen Fl^achen, die an der wei^sen Farbe kenntlich $0108.38 sind, wund zu machen, d. h. von der fest gewordenen Kruste zu befreien und etwas $0108.39 anzufeuchten.

$0108.40

__Eintretende Regeng^usse machen eine Abdeckung der Formen sowohl, als auch $0108.41 der frischen Mauern mit Brettern notwendig, die dann aber etwas hohl zu legen $0108.42 sind, damit die Luft unter ihnen wegstreichen kann. Feiner, nicht dauernder Regen $0108.43 schadet dagegen nichts, wie auch die Seitenfl^achen der Mauern von einer Durch- $0108.44 n^assung nicht leiden.

$0108.45

__Bei Herstellung von Ecken und Maueranschl^ussen mu^s auf Verband gehalten $0108.46 werden. Am besten kann dies bei den Ecken geschehen, wenn man keine beson- $0108.47 deren Eckformen verwendet, sondern die gew^ohnlichen Formen am Ende mit einer<-P> $0 @@3@ ---------- $0108.48

__#H:200#G:) Nach: #k+Engel,#k- F. Die Bauausf^uhrung. Berlin 1881. S. 254.

@@1@ $0109.01 <-P>Bretttafel schlie^st und sie abwechselnd so in der einen und anderen Richtung be- $0109.02 nutzt (Fig. 120#H:201#G:).

$0109.03

__Es ist nicht notwendig, die Ecken aus Backsteinen herzustellen, wie mitunter $0109.04 geschieht. Es gen^ugt, dieselben etwas abzustumpfen. Sollen daselbst aber Backsteine $0109.05 Fig. 120#H:201#G:).#(IMAGE)Fig. 121#H:202#G:).#(IMAGE) $0109.06 verwendet werden, so kann man sie, ^ahnlich wie beim Erdstampfbau, mit einstampfen, $0109.07 oder besondere Pfeiler auff^uhren, die aber durch eine Verzahnung mit der Stampf- $0109.08 masse zu verbinden sind.

$0109.09

__In den aufeinander folgenden H^ohenabschnitten l^a^st man den aus dem Ver- $0109.10 r^ucken der Formkasten sich ergebenden Verband wechseln (Fig. 121#H:202#G:).

$0109.11

__Die Riegell^ocher l^a^st man bis zur Vollendung des Baues offen, was das Aus- $0109.12 trocknen der W^ande im Inneren bef^ordert. Sie k^onnen auch zum Anbringen der $0109.13 Netzriegel f^ur die R^ustungen benutzt werden. Zuletzt schlie^st man sie mit einem $0109.14 Ziegelst^uck in Kalkm^ortel und verputzt sie.

$0109.15

__Russische Rauchrohre werden durch Umstampfen von cylindrischen, herauszieh- $0109.16 baren Holzst^ucken gleichzeitig mit den W^anden hergestellt.

$0109.17

__Ein Putz der W^ande ist bei sauberer Arbeit nicht notwendig. Es gen^ugt auch $0109.18 am Aeu^seren ein nach dem Austrocknen aufgebrachter Anstrich.

$0109.19

__Das Einstampfen von Blockzargen zur Umrahmung der Fenster- und Th^ur-125.|Herstellung|der|Oeffnungen. $0109.20 ^offnungen hat sich nicht bew^ahrt. Dieselben werden durch die Kalksandmasse feucht, $0109.21 quellen auf, ziehen sich aber beim Trocknen wieder zusammen und trennen sich in- $0109.22 folgedessen von der Wand; auch k^onnen die Seitenteile dem starken Setzen dieser $0109.23 letzteren nicht folgen. Dies ist auch der Fall bei der ^uberdies im Verh^altnis zu $0109.24 der billigen Bauweise der W^ande teueren Herstellung aus gebrannten Backsteinen. $0109.25 #/+Engel#/- empfiehlt daher die Ausstellung von h^olzernen Lehren, welche nach dem Um- $0109.26 stampfen entfernt werden. Hierbei sind die Lehrger^uste f^ur die gestampften Bogen $0109.27 st^arker, als f^ur die gew^olbten zu machen. Noch einfacher ist es, das Lichte der Oeff- $0109.28 nungen aus gebrannten Backsteinen aufzubauen, gegen welche angestampft wird, und $0109.29 welche sp^ater wieder beseitigt werden. F^ur die Bogen ^uber den Oeffnungen erlangt $0109.30 man eine Lehre, indem man die Abtreppungen der Backsteine mit Sand ausf^ullt und $0109.31 dar^uber dann Schalbretter legt. Man kann die Oeffnungen auch nachtr^aglich durch $0109.32 Herauss^agen erzeugen.

$0109.33

__Eiserne Thor- und Th^urhaken werden zweckm^a^sigerweise gleich eingestampft. $0109.34 Nach der Erh^artung der Stampfmasse m^u^sten sie wie in Stein befestigt werden.

$0 @@3@ ---------- $0109.35

__#H:201#G:) Nach: #k+Engel,#k- F. Der Kalk-Sand-Pis%/ebau u. s. w. Berlin 1864. S. 57.

$0109.36

__#H:202#G:) Nach ebendas., S. 79.

@@1@ $0110.01 126.|menger^uste.

__Bei den Erdstampfbauten k^onnen mangelhaft ausgefallene Wandfl^achen durch $0110.02 Bearbeitung mit einem Beil geebnet werden; bei den Kalkstampfbauten ist dies $0110.03 nicht m^oglich; es kommt daher bei diesen viel mehr, als bei jenen auf genau aus- $0110.04 gef^uhrte und aufgestellte Formenger^uste an, wenn dieselben in der Art der Zusammen- $0110.05 setzung auch nicht anders zu sein brauchen. Immerhin erscheint es zweckm^a^sig, $0110.06 die von #/+Engel#/- erprobte Ausf^uhrungsweise hier kurz vorzuf^uhren.

$0110.07

__Danach bestehen die Formenger^uste aus zwei 62 bis 70#H:cm#G: hohen Tafeln $0110.08 aus 26 bis 32#H:mm#G: starken, gespundeten, auf der Mauerseite gehobelten Brettern, $0110.09 welche auf der ^au^seren Seite durch auf den Grat eingeschobene, ebenso starke, $0110.10 in 60 bis 80#H:cm#G: Entfernung angebrachte, 10 bis 18#H:cm#G: breite Leisten zusammen- $0110.11 gehalten und gegen Verwerfen gesch^utzt werden. Diese Tafeln von h^ochstens $0110.12 5#H:m#G: L^ange werden in dem der Mauerdicke entsprechenden Abstande aufgestellt $0110.13 und an den Stellen, wo sich die Leisten befinden, unten und oben durch h^olzerne $0110.14 Riegel oder eiserne Spindeln verbunden. Die oberen Verbindungsst^ucke sollen $0110.15 mindestens 16#H:cm#G: ^uber der Tafeloberkante liegen, um dem Ausbreiten und Stampfen $0110.16 der Kalksandmasse nicht hinderlich zu sein; entsprechend m^ussen demnach die $0110.17 Leisten h^oher als die Tafeln gemacht werden (siehe Fig. 113). Die unteren Ver- $0110.18 bindungsst^ucke m^ussen, wie bei den Formkasten f^ur den Erdstampfbau, etwas $0110.19 ^uber der Unterkante der Formtafeln liegen, damit diese eine auf dem Sockel auf- $0110.20 gemauerte Backsteinschicht, welche die Lehre f^ur die Wand abgibt, bezw. ein $0110.21 St^uck der schon darunter befindlichen, fertigen Stampfmauer umfassen k^onnen.

$0110.22

__Die h^olzernen Verbindungsriegel erhalten $0110.23 an beiden Enden einen Schlitz f^ur durchzu- $0110.24 Fig. 122#H:203#G:).#(IMAGE)ca. {1/25} w. Gr. $0110.25 steckende Keile. Doch kommen als Unter- $0110.26 riegel auch solche in Anwendung, welche am $0110.27 einen Ende einen Kopf, am anderen einen $0110.28 Schlitz haben; auch l^a^st man sie vom Kopf $0110.29 ab sich etwas verj^ungen, um sie besser wieder $0110.30 herausziehen zu k^onnen. Die oberen Riegel $0110.31 m^ussen auf eine L^ange, welche der Wand- $0110.32 dicke entspricht, eine Verst^arkung bekommen, $0110.33 durch welche die Formtafeln in der richtigen $0110.34 Entfernung gehalten werden.

$0110.35

__Dauerhafter, als die leicht aufspaltenden $0110.36 und sich abnutzenden Holzriegel, sind eiserne $0110.37 Spindeln, welche am einen Ende einen Kopf, $0110.38 am anderen eine Fl^ugelmutter haben. Die $0110.39 Anwendung derselben war schon in Fig. 114 $0110.40 (S. 104) dargestellt worden. Auch unterliegt $0110.41 es wohl keinem Zweifel, da^s auch die in $0110.42 Art. 120 (S. 103) beschriebenen und in Fig. 115 $0110.43 u. 116 abgebildeten Spindeln mit Vorsteck- $0110.44 keilen und Klemmzwingen angewendet wer- $0110.45 den k^onnen. In beiden F^allen m^ussen zur $0110.46 Regelung der Wanddicke am oberen Rande $0110.47 der Formtafeln Spreizen von der richtigen $0110.48 L^ange eingespannt werden.

@@1@ $0111.01

__Die besten Eckkasten sind nach #/+Engel#/- die in Fig. 122#H:203#G:) vorgef^uhrten. Sie $0111.02 werden mit den Wandformkasten durch Schraubenbolzen verbunden, welche durch $0111.03 L^ocher in die an allen Formkasten am Ende oben und unten ^uberall in gleicher $0111.04 H^ohe angebrachten Winkeleisen gesteckt und mit Fl^ugelmuttern angezogen werden. $0111.05 Auf dieselbe Weise werden auch die Wandformkasten unter sich verbunden. Die $0111.06 Winkeleisen m^ussen genau um die Brettdicke der Formtafeln von den Enden ab- $0111.07 stehen, damit am inneren Winkel nicht nur ein genauer Anschlu^s zwischen den $0111.08 Formkasten erzielt werden kann, sondern auch die eine Formtafel, welche keine $0111.09 solchen Winkel haben darf, an denen der anderen einen St^utzpunkt findet.

$0111.10

__Die Formkasten mit eisernen Schraubenspindeln kann man f^ur verschiedene $0111.11 Wandst^arken benutzen, indem man zwischen Fl^ugelmuttern und Verst^arkungsleisten $0111.12 h^olzerne H^ulsen von geeigneter L^ange aufschiebt, bezw. diese wegl^a^st. Bei den $0111.13 Eckformen dagegen lassen sich Ver^anderungen nicht vornehmen, so da^s f^ur ver- $0111.14 schiedene Wandst^arken auch verschiedene Eckformen erforderlich werden. Deshalb $0111.15 ist es bequemer und wohlfeiler, von der in Art. 124 (S. 108) besprochenen und $0111.16 in Fig. 120 dargestellten Eckanordnung Gebrauch zu machen, die ohne besondere $0111.17 Eckformen ausgef^uhrt wird und auch den Vorzug besseren Verbandes besitzt.

$0111.18

__Die Scheidew^ande, welche sich an Au^sen- $0111.19 Fig. 123#H:204#G:).#(IMAGE)ca. {1/25} w. Gr. $0111.20 w^ande anschlie^sen, m^ussen mit diesen gleich- $0111.21 zeitig aufgef^uhrt und mit diesen in Verband ge- $0111.22 bracht werden. Zu diesem Zwecke wird zwi- $0111.23 schen den Formkasten der Au^senwand eine der $0111.24 Dicke der Scheidewand entsprechende L^ucke $0111.25 gelassen und diese durch ein entsprechend vor- $0111.26 bereitetes Brett geschlossen (Fig. 123#H:204#G:). Man $0111.27 wird aber auch hierbei ^ahnlich, wie bei der Aus- $0111.28 f^uhrung von Ecken ohne Formkasten, verfahren $0111.29 k^onnen, in einer Schicht um die andere die $0111.30 Formkasten der Scheidewand bis an die ^au^sere $0111.31 Flucht der Umfassungswand reichen lassen, dort $0111.32 durch ein Stirnbrett abschlie^sen und so einen $0111.33 regelrechten Verband erzielen.

$0111.34

__Die Kalksandmasse l^a^st sich auch zur Herstellung der Grundmauern von Ge-127.|Grundmauern. $0111.35 b^auden verwenden; nur ist hierzu aus naheliegenden Gr^unden ein hydraulischer Kalk, $0111.36 bezw. fetter Kalk mit cementierenden Zuschl^agen zu benutzen.

$0111.37

__Hat das Erdreich so viel Zusammenhang, da^s die Grabenw^ande beim Ausheben $0111.38 der Grundgr^aben lotrecht stehen bleiben, ohne abgesteift werden zu m^ussen, so ist $0111.39 die Herstellung der Grundmauern sehr einfach, indem die Grabenw^ande dann selbst $0111.40 die Formen abgeben, in welche die Masse schichtenweise eingef^ullt und gestampft $0111.41 wird. Ist dies nicht m^oglich, so m^ussen die Grundgr^aben so breit gemacht werden, $0111.42 da^s Formkasten aufgestellt werden k^onnen. Dies ist immer n^otig, wenn die Grund- $0111.43 mauer in verschieden breiten Abs^atzen aufgef^uhrt werden soll. Nur beim untersten $0111.44 Absatz sind dann die Formkasten entbehrlich.

$0111.45

__Wie der Erdstampfbau wird auch der Kalksandstampfbau nur dann anderen128.|Wertsch^atzung. $0111.46 bekannten Bauweisen f^ur die Herstellung von Geb^auden vorgezogen werden, wenn<-P> $0 @@3@ ---------- $0111.47

__#H:203#G:) Nach: Der Kalksand-Pis%/ebau. S. 56.

$0111.48

__#H:204#G:) Nach ebendas., S. 59.

@@1@ $0112.01 <-P>mit demselben Kostenersparnisse verkn^upft sind. H^angt dies einesteils von den Kosten $0112.02 der verschiedenen Baustoffe ab, so wird anderenteils beim Kalksandstampfbau eine $0112.03 wesentliche Kostenersparnis nur dann zu erzielen sein, wenn die Bauwerke so ein- $0112.04 fach geplant werden, da^s f^ur die Herstellung der Formger^uste m^oglichst wenig $0112.05 Umst^andlichkeiten sich ergeben, wie dies auch f^ur den Erdstampfbau (siehe Art. 122, $0112.06 S. 106) hervorgehoben werden mu^ste. Vor dem letzteren hat er jedenfalls voraus, $0112.07 da^s er weniger empfindlich gegen die Einwirkungen der Witterung ist und daher $0112.08 nicht so ausgedehnter Schutzma^sregeln wie jener bedarf, da^s auch namentlich die $0112.09 Baustelle nicht so vorsichtig in Bezug auf Trockenheit gew^ahlt zu werden braucht $0112.10 und da^s die Schwierigkeiten f^ur das Aufbringen eines sch^utzenden und dauerhaften $0112.11 Putz^uberzuges wegfallen, ja ein solcher h^aufig entbehrlich ist. Beide Bauweisen haben $0112.12 den Vorteil, da^s unter der Leitung nur eines sachverst^andigen Mannes (Maurer- $0112.13 palier) gew^ohnliche Arbeiter, wenn sie nur gleichm^a^sig stampfen, zur Herstellung $0112.14 der Mauern gen^ugen, auch in dieser Beziehung also besonders f^ur l^andliche Bauten $0112.15 geeignet sind.

$0112.16

__Beim Kalksandstampfbau f^allt die Gefahr weg, von M^ausen durchw^uhlt zu $0112.17 werden, welcher die Erdstampfbauten oft unterliegen sollen. Jedenfalls liefert der $0112.18 erstere dauerhaftere und festere Geb^aude, als der letztere, ist daf^ur aber auch ent- $0112.19 sprechend teuerer.

$0112.20

__Da die Kalksandmasse magerer Luftm^ortel ist und dieser eine gro^se Luftdurch- $0112.21 l^assigkeit besitzt#H:205#G:), also die zuf^allige L^uftung der R^aume beg^unstigt, da auch die $0112.22 Mauern nicht viel st^arker als von Backsteinen gemacht zu werden brauchen, so ist $0112.23 zu schlie^sen, da^s die Kalksandstampfbauten gesunde Wohnungen liefern. Da der $0112.24 Luftm^ortel bei Durchfeuchtung aber zum gr^o^sten Teile seine Luftdurchl^assigkeit $0112.25 verliert und sie nur langsam wieder erh^alt, so erscheint es auch f^ur die Au^senmauern $0112.26 von Kalksandstampfbauten sehr w^unschenswert, sie gegen Wasseraufnahme durch $0112.27 geeignete Ma^sregeln zu sch^utzen.

$0112.28 129.|Geschichtliches.

__Die Einf^uhrung der Kalksandmasse zur Herstellung ganzer Geb^aude scheint man dem Gutsbesitzer $0112.29 #/+J. G. Prochnow#/- zu Bahn in Hinterpommern zuschreiben zu m^ussen, der 1842 sein Verfahren bekannt machte. $0112.30 Den Anla^s dazu mag die Ver^offentlichung des Schweden #/+Rydin#/- (1834) gegeben haben, welcher die durch $0112.31 Feuer verw^ustete Stadt Bor%

$0112.36

__Aus dem Kalksandstampfbau hat sich der Bau mit Kalksandziegeln entwickelt (siehe Art. 32, S. 43).

$0112.37 @z c) Betonbau. $0112.38 130.|Allgemeines.

__Unter #s+Beton, Grobm^ortel#s- oder #s+Konkret#s- ist im allgemeinen jede Mischung $0112.39 von M^ortel mit anderen mineralischen Stoffen zu verstehen, die zur Herstellung ganzer $0112.40 Bauk^orper und nicht nur zur Verbindung von Steinen benutzt wird. Danach ist die $0112.41 in diesem Kapitel (unter b) behandelte Kalksandstampfmasse auch ein Beton. Sie $0112.42 wurde aber getrennt betrachtet, wie dies auch noch mit einigen anderen Baustoffen $0112.43 geschehen wird, weil das, was man im Bauwesen schlechtweg mit Beton bezeichnet, $0112.44 stets mit hydraulischen, beim Erh^arten nicht oder doch nur wenig schwindenden $0112.45 M^orteln hergestellt wird. (Vergl. hier^uber, sowie ^uber die verschiedenen Betonarten und<-P> $0 @@3@ ---------- $0112.46

__#H:205#G:) Siehe: #k+Lang,#k- C. Ueber nat^urliche Ventilation etc. Stuttgart 1877. S. 82.

$0112.47

__#H:206#G:) Beschreibung desselben in: #k+Engel,#k- F. Der Kalksand-Pis%/ebau. 3. Aufl. Berlin 1864. S. 6.

$0112.48

__#H:207#G:) So in Moreton Hall, Cheshire (vergl. #/+Building news,#/- Bd. 44, S. 628).

@@1@ $0113.01 <-P>deren Bereitung Teil I, Band 1, erste H^alfte dieses #.>Handbuches#.<, Abt. I, Abschn. 1, $0113.02 Kap. 4.)

$0113.03

__Am meisten kommt hierbei als Bindemittel der Portlandcement in Betracht.

$0113.04

__Die mitunter angewendeten Bezeichnungen #.>#s+Kiesbeton, Sandbeton, Schlackenbeton#s-#.< $0113.05 sind von der Art der F^ullstoffe abgeleitet, ebenso wie die Benennung #.>#s+Cementbeton#s-#.< von der Gattung $0113.06 des Bindemittels; dagegen nehmen #.>Stampfbeton#.< und #.>Gu^sbeton#.< auf die Herstellungsweise Bezug.

$0113.07

__Die Bezeichnung #.>Gu^sbeton#.< sollte nur da zur Anwendung gebracht werden, wo ein wirkliches $0113.08 Gie^sen in Formen stattfindet, was aber nur mit wenigstens breiartigem M^ortel m^oglich ist. F^ur Herstellung $0113.09 von Mauern als monolithen K^orpern w^urde dies aber unzweckm^a^sig sein, wie man auch zur Bereitung von $0113.10 Betonsteinen den Stampfbeton vorzieht. Die h^aufig nicht am richtigen Platze verwendeten Benennungen $0113.11 #.>Gu^sbeton#.<, #.>Gu^smauerwerk#.<, #.>Cementgu^smauerwerk#.< u. s. w. geben daher leicht zu Mi^sverst^andnissen $0113.12 Veranlassung.

$0113.13

__Das schnelle Bauen, worin einer der Hauptvorteile des Betonbaues bestehen131.|Beton-|bereitung. $0113.14 soll, ist nur mit einem rasch erh^artenden Bindemittel m^oglich, weshalb f^ur Her- $0113.15 stellung von Betonw^anden vorzugsweise Cement benutzt wird. Besonders eignet sich $0113.16 langsam bindender Portlandcement; weniger empfehlenswert ist Romancement#H:208#G:); $0113.17 dagegen sind Zuschl^age von Kalkhydrat geeignet, die Festigkeit von magerem Beton $0113.18 zu erh^ohen#H:209#G:).

$0113.19

__Als F^ullstoffe dienen Sand, Kies, geschlagene Steine, Steinkohlenschlacken, $0113.20 Hochofenschlacken, Abf^alle von Bruchsteinen, Ziegelbruch. Dieselben m^ussen rein $0113.21 gewaschen zur Verwendung kommen, da hiervon die Gr^o^se der Haftfestigkeit des $0113.22 Cementes abh^angt. Auch eckige Gestalt ist der Vermehrung der Festigkeit g^unstig.

$0113.23

__Den festesten Beton erzielt man mit grob- und scharfk^ornigem, von bl^attrig- $0113.24 schiefrigen Teilchen freiem Grubensand und geschlagenem Kies in allen Gr^o^sen von $0113.25 2 bis 3#H:cm#G: Durchmesser#H:210#G:) in einer Zusammensetzung, bei welcher die Hohlr^aume $0113.26 des Sandes durch Bindestoff, die des Kieses durch M^ortel gef^ullt sind. So satter $0113.27 und fester Beton ist nun zur Bildung von W^anden im allgemeinen nicht notwendig, $0113.28 ja sogar gew^ohnlich nicht zweckm^a^sig. Wenn es auch unvorteilhaft sein w^urde, $0113.29 den Sand aus der Betonmischung wegzulassen, so kann man doch recht wohl den $0113.30 geschlagenen Kies durch andere F^ullstoffe ersetzen, wobei es indes zweckm^a^sig $0113.31 bleibt, richtige Mischungsverh^altnisse#H:211#G:) in Anwendung zu bringen. Je dichter der $0113.32 Beton ist, um so mehr W^armeleitungsf^ahigkeit wird er besitzen und um so weniger $0113.33 wird er die zuf^allige L^uftung der R^aume f^ordern; um so weniger wird er also zur $0113.34 Bildung der W^ande bewohnter, nicht k^unstlich gel^ufteter Geb^aude geeignet sein.

$0113.35

__Die Dichtigkeit des Betons h^angt nicht blo^s von der Art der Mischung, son- $0113.36 dern auch von der Beschaffenheit der F^ullstoffe ab. Steinkohlenschlacken und Back- $0113.37 steine werden, da sie selbst porig sind, einen luftdurchl^assigeren und weniger w^arme- $0113.38 leitenden Beton liefern k^onnen, als Kies oder manche andere nat^urliche Steine; sie $0113.39 erscheinen also f^ur den eben erw^ahnten Zweck recht wohl brauchbar; die Backsteine $0113.40 sollen hierf^ur aber scharf gebrannt sein, da schwach gebrannte St^ucke untauglich $0113.41 sind, was bei der Schwierigkeit, solche in gr^o^serer Zahl auszuscheiden, die Anwen- $0113.42 dung von klein geschlagenen Backsteinen mi^slich erscheinen l^a^st. Die geringere $0113.43 Festigkeit solchen Betons macht gr^o^sere Mauerdicken, die geringere Wasserdichtig- $0113.44 keit geeignete Schutzma^sregeln n^otig. F^ur die Herstellung von Grund- und Keller-<-P> $0 @@3@ ---------- $0113.45

__#H:208#G:) Siehe: Allg. Bauz. 1870, S. 265.

$0113.46

__#H:209#G:) Siehe: Die Baumaterialien der Schweiz. 4. Aufl. Z^urich 1884. S. 157, 177, 180.

$0113.47

__#H:210#G:) Siehe ebendas., S. 174. -- Vergl. jedoch die Untersuchungen ^uber die Zugfestigkeit von Beton in Ymuiden, nach $0113.48 welchen mit geschlagenem Granit, sowie mit Klinkerst^ucken Beton von gr^o^serer Zugfestigkeit, als mit Kies erzielt wurde, in: $0113.49 Wochschr. d. ^ost. Ing.- u. Arch. Ver. 1890, S. 131.

$0113.50

__#H:211#G:) Siehe Teil I, Band 1, erste H^alfte (Art. 102, S. 154 [2. Aufl.: Art. 165 u. 166, S. 180 u. 181]) dieses #.>Handbuches#.<.

@@1@ $0114.01 <-P>mauern ist jedoch ein Beton mit porigen F^ullstoffen wegen des gro^sen Wasser- $0114.02 fassungsverm^ogens der letzteren und ihrer Wasserdurchl^assigkeit nicht zu empfehlen.

$0114.03

__Das Mischen des Betons kann auf zweierlei Art erfolgen. Entweder werden $0114.04 s^amtliche Betonstoffe gleichzeitig unter allm^ahlichem Wasserzusatz durchgearbeitet, $0114.05 oder es wird erst ein M^ortel aus dem Bindestoff und dem Sand unter allm^ahlicher $0114.06 Wasserzugabe bereitet, welcher das Ansehen recht feuchter Gartenerde hat, und $0114.07 diesem werden dann die gen^ugend angefeuchteten anderen F^ullstoffe zugesetzt, worauf $0114.08 man die ganze Masse so lange durcharbeitet, bis sie ganz gleichm^a^sig aussieht. Ver- $0114.09 suche haben ergeben, da^s die letztere Bereitungsart festeren Beton liefert#H:212#G:).

$0114.10

__Nach den Untersuchungen #/+Tetmajer#/-'s ^uben innerhalb gewisser Grenzen die $0114.11 bei der Bereitung zuzusetzenden Wassermengen keine so bedeutenden Einfl^usse auf die $0114.12 Festigkeit des Portlandcementbetons aus, als man gew^ohnlich anzunehmen geneigt $0114.13 ist. Wird der M^ortel ziemlich trocken, feuchter Gartenerde entsprechend, angemacht, $0114.14 so ist eine im gro^sen nicht durchf^uhrbare, sehr starke Stampfarbeit notwendig, $0114.15 bis eine Wasserabsonderung eintritt und die Masse gleichm^a^sig elastisch wird. Es $0114.16 erscheint daher zweckm^a^sig, dem M^ortel eher etwas mehr, als zu wenig Wasser $0114.17 zuzusetzen, etwa so viel, da^s er das Aussehen stark feuchter Gartenerde hat. Nie- $0114.18 mals aber darf die Masse eine breiartige Beschaffenheit bekommen, da sie sich dann $0114.19 nicht stampfen l^a^st und zu lange Zeit zum Erh^arten und Trocknen braucht#H:213#G:).

$0114.20

__Es darf nie mehr Beton auf einmal zubereitet werden, als sich vor Beginn der $0114.21 Erh^artung in die Formen bringen l^a^st. Durch reichlicheren Wasserzusatz und ununter- $0114.22 brochenes Mischen l^a^st sich bei rasch bindenden Cementen der Erh^artungsbeginn $0114.23 hinausschieben. In der Erh^artung begriffener hydraulischer M^ortel kann durch Wasser- $0114.24 zusatz und erneutes Durcharbeiten nicht aufgefrischt werden#H:214#G:).

$0114.25 132.|Herstellungsweise|der W^ande.

__Betonw^ande werden entweder in monolithen Massen hergestellt oder aus Steinen $0114.26 von Beton, die wie regelm^a^sig geformte nat^urliche Steine vermauert werden. Die $0114.27 zur Herstellung der ersteren erforderlichen Formen bleiben entweder mit denselben $0114.28 verbunden und bilden eine dauernde Verkleidung der Betonmasse, oder sie werden $0114.29 nach der Fertigstellung entfernt. Der Beton wird hierbei auf zweierlei Art benutzt. $0114.30 Er wird entweder fertig gemischt in die Formen gebracht -- dies ist der eigent- $0114.31 liche Beton; oder in denselben wird lagenweise ein Cementm^ortel ausgebreitet $0114.32 und in diesen werden dann Steine, Schlacken oder andere geeignete Stoffe ein- $0114.33 gedr^uckt (die #s+Packung#s- oder #s+F^ullung#s-) -- dies ist verwandt mit der r^omischen $0114.34 Ausf^uhrungsweise von Mauerkernen, welche eine Verkleidung aus regelm^a^sigen $0114.35 Steinen haben (vergl. Art. 7, S. 11 u. Art. 62, S. 69). Auf die erstere Art kann $0114.36 jedenfalls eine viel gleichm^a^sigere und festere Masse erzielt werden, da die Mischung $0114.37 des Betons sowohl, als auch die Ausf^uhrung der Mauern leichter zu beaufsichtigen $0114.38 ist und der Beton in Lagen von etwa 10#H:cm#G: bis h^ochstens 30#H:cm 215#G:) in die Formen $0114.39 gestampft wird, w^ahrend bei der zweiten Art die Formkasten in ihrer ganzen H^ohe $0114.40 von 45 bis 65#H:cm#G: mit M^ortel und Packung gef^ullt werden und dann erst leichtes $0114.41 Rammen stattfindet. Man kann in dieser Weise allerdings rascher und billiger bauen; $0114.42 aber die G^ute der Arbeit, welche sorgf^altiges Eindr^ucken der Packung voraussetzt, ist $0114.43 hierbei ganz besonders von der Zuverl^assigkeit und Erfahrung der Arbeiter abh^angig.<-P> $0 @@3@ ---------- $0114.44

__#H:212#G:) Siehe: Die Baumaterialien der Schweiz. 4. Aufl. Z^urich 1884. S. 174.

$0114.45

__#H:213#G:) Siehe ebendas., S. 176.

$0114.46

__#H:214#G:) Ueber die Bereitung und die Mischungsverh^altnisse des Betons vergl. auch: #k+Dyckerhoff,#k- E. Ueber Betonbauten. $0114.47 Deutsche Bauz. 1888, S. 242.

$0114.48

__#H:215#G:) #/+Dyckerhoff#/- verwendet 18 bis 20#H:cm#G: hohe Lagen.

@@1@ $0115.01 <-P>Eine gleichf^ormige Masse ist aber schon deshalb nicht erzielbar, weil der Arbeiter $0115.02 die Packung mehr im Inneren der Mauern zusammendr^angen mu^s, um ebene Au^sen- $0115.03 fl^achen zu erhalten. Der geringeren Kosten wegen wird jedoch diese Art der Aus- $0115.04 f^uhrung bevorzugt.

$0115.05

__Anzuf^uhren w^are hier noch, da^s bei der ersten Art, dem eigentlichen Beton, $0115.06 ein zu starkes Stampfen insofern mit Nachteilen verkn^upft sein kann, als die unteren, $0115.07 im Erh^arten begriffenen Schichten durch die mit demselben verbundenen Ersch^utte- $0115.08 rungen in diesem Vorgange gest^ort werden; besonders wird dies zu ber^ucksichtigen $0115.09 sein, wenn der Beton in d^unnen Schichten eingebracht wird.

$0115.10

__Nach unten genannter Quelle#H:216#G:) ist bei der ersten Herstellungsweise das ge-133.|Mischungs-|verh^altnisse. $0115.11 w^ohnliche Mischungsverh^altnis der verschiedenen Bestandteile etwa 1 Teil Cement, $0115.12 {1{1/2}} Teile Sand und {7{1/2}} Teile Steine, also 1 Teil Cement zu 9 Teilen Beimengungen, $0115.13 dagegen bei der zweiten, der M^ortelersparnis wegen, in einzelnen F^allen das Ver- $0115.14 h^altnis des Cementes zu den ^ubrigen Bestandteilen wie 1 : 16 bis 1 : 17 angenommen $0115.15 worden. #/+Liebold#/-#H:217#G:) benutzte zu seinen fr^uheren, als bew^ahrt anerkannten Aus- $0115.16 f^uhrungen ein Mischungsverh^altnis von 1 Raumteil Cement zu 3 Raumteilen Sand $0115.17 und 6 Raumteilen Bruchsteinst^ucken von H^uhnereigr^o^se, welche als Packung dienten $0115.18 und nur eine M^ortelersparnis bezweckten, w^ahrend das Verh^altnis zwischen Cement $0115.19 und Sand so bemessen war, da^s sich ein guter, schnell erh^artender M^ortel ergab. $0115.20 Bei seinen neueren Bauten benutzt #/+Liebold#/- jedoch viel magerere Mischungen, wohl $0115.21 mit R^ucksicht auf den zur Verwendung kommenden, feinst gemahlenen Cement. So $0115.22 wurden die Mauern eines B^ottchereigeb^audes und eines Lagerhauses der Vorwohler $0115.23 Portlandcementfabrik von #/+Pr^ussing, Plank {et} Co.#/-#H:218#G:) aus einer Mischung von 1 Cement, $0115.24 2 Sand und 8 Schlacken hergestellt, welchem M^ortel auf 1#H:cbm#G: Mauerwerk noch 0,60#H:cbm#G: $0115.25 Kalkbruchsteine als Packung einverleibt wurden, was einem Steinzusatz von {7{1/2}} Teilen $0115.26 entspricht, so da^s auf 1 Teil Cement hier {17{1/2}} Teile andere Stoffe kommen#H:219#G:).

$0115.27

__Bei einem russischen Betonbau#H:220#G:) wurde f^ur das Grundmauerwerk eine Mischung $0115.28 von 1 Teil Cement auf 7 Teile kiesigen Sand, 10 Teile groben Kies und 12 Teile $0115.29 feinen Kies verwendet, also ein Verh^altnis von 1 Teil Cement auf 30 Teile Zuschlag. $0115.30 Beim Stockmauerwerk kam dann das Verh^altnis 1 : 15 zur Anwendung.

$0115.31

__#/+Dyckerhoff#/-#H:221#G:) benutzt folgende Mischungsverh^altnisse: 1) f^ur die Fundamente, $0115.32 Widerlager und Sohlen von Wasser- etc. Beh^altern 1 Teil Portlandcement, 6 bis $0115.33 8 Teile Kiessand und 6 bis 8 Teile Kiessteine, oder 8 bis 10 Teile harter Stein- $0115.34 schlag; 2) f^ur W^ande, Pfeiler, Gew^olbe und sonstige Tragk^orper 1 Teil Portland- $0115.35 cement, 5 bis 6 Teile Kiessand und 5 bis 6 Teile Kiessteine, oder 7 bis 8 Teile $0115.36 harter Steinschlag. Unter Kiessand ist dabei ein Material verstanden, welches etwa $0115.37 zur H^alfte aus Sand bis 5#H:mm#G: Korngr^o^se, zur H^alfte aus Kiessteinen zusammengesetzt $0115.38 ist. Die Kiessteine sollen zwischen Haselnu^s- und H^uhnereigr^o^se haben, der Stein- $0115.39 schlag in seinen gr^o^sten Abmessungen nicht gr^o^ser als 4 bis 6#H:cm#G: sein.

$0115.40

__Je weniger Cement im Verh^altnis zu den ^ubrigen Bestandteilen im Beton ent- $0115.41 halten ist, um so weniger fest und um so poriger wird derselbe werden, was bei der $0115.42 Bemessung der Wandst^arken in Betracht kommt.

$0 @@3@ ---------- $0115.43

__#H:216#G:) Zeitschr. f. Baukde. 1881, S. 522.

$0115.44

__#H:217#G:) #k+Liebold,#k- B. Der Zement in seiner Verwendung im Hochbau etc. Halle a. S. 1875. S. 77.

$0115.45

__#H:218#G:) Siehe: Baugwksztg. 1880, S. 94 u. ff.

$0115.46

__#H:219#G:) Auf 1#H:cbm#G: Mauerwerk sind 1,#T:4#H:cbm#G: Gemengteile au^ser dem Cement gerechnet.

$0115.47

__#H:220#G:) Siehe: Centralbl. d. Bauverw. 1888, S. 181.

$0115.48

__#H:221#G:) Nach der in Fu^snote 214 (S. 114) angegebenen Quelle.

@@1@ $0116.01

__Da^s die Anforderungen an das Mischungsverh^altnis in dieser Beziehung hohe sein k^onnen, beweist $0116.02 der Beschlu^s des Oberbauamtes von London, wo die Ausf^uhrung von Betonw^anden in Geb^auden bisher $0116.03 nicht geduldet wurde (in England, wo der Beton auch zu Hochbauten an anderen Orten so viel Anwendung $0116.04 fand!), beim Ministerium des Inneren eine Erg^anzung der Bauordnung bez^uglich der Betonw^ande zu be- $0116.05 antragen#H:222#G:). Nach dieser soll der Beton aus Portlandcement, reinem Sande und reinem Kies oder zer- $0116.06 kleinerten Steinen, die durch einen 5#H:cm#G: weiten Ring fallen, im Verh^altnis von 1 Teil Cement, 2 Teilen $0116.07 Sand und 3 Teilen Steinmaterial bestehen.

$0116.08 134.|Betonw^ande|ohne|Verkleidung.

__F^ur die in Beton aufzuf^uhrenden Grundmauern eines Geb^audes werden die $0116.09 Gr^aben in einer der Mauerdicke entsprechenden Breite ausgehoben und Verschalungen $0116.10 nur dann angewendet, wenn dies die Bodenbeschaffenheit erforderlich macht. Die $0116.11 Grabenw^ande dienen als Formen f^ur die in ^ublicher Weise herzustellenden Betonmauern. $0116.12 Nach der Fertigstellung dieser werden erst die Kellerr^aume ausgegraben.

$0116.13

__Zum Zweck der ohne eine bleibende Verkleidung aufzuf^uhrenden Stockwerks- $0116.14 w^ande stellt man nun f^ur alle gleichzeitig die nachher n^aher zu beschreibenden Formen- $0116.15 ger^uste auf, welche im allgemeinen aus Leitst^andern und an ihnen befestigten Form- $0116.16 tafeln von 45 bis 65#H:cm#G: H^ohe bestehen. In die so gebildeten Formen wird der Beton $0116.17 auf eine der beschriebenen Weisen eingebracht und so eine rings zusammenh^angende $0116.18 Schicht von der angegebenen H^ohe erzielt, soweit sie nicht durch die im Plane vor- $0116.19 gesehenen Oeffnungen unterbrochen wird. Die Formtafeln werden nun gehoben und $0116.20 von neuem an den Leitst^andern befestigt und so weiter fortgefahren, bis entweder die $0116.21 H^ohe des Stockwerkes oder der Leitst^ander erreicht ist, worauf, wenn erforderlich, $0116.22 die H^oheraufstellung der letzteren stattfindet. Man richtet sich gern so ein, da^s in $0116.23 ein oder zwei Arbeitstagen eine solche Schicht von Formtafelh^ohe fertiggestellt wird. $0116.24 Nach dem Umfange derselben lassen sich dann die erforderlichen Arbeitskr^afte und $0116.25 die f^ur einen Tag n^otigen Materialmengen berechnen#H:223#G:).

$0116.26

__W^ahrend dieser Zeit ist der Beton gen^ugend erh^artet, um die Last einer $0116.27 folgenden Schicht aufzunehmen. Vor dem Beginne dieser ist aber die Oberfl^ache $0116.28 aufzukratzen oder aufzuhacken und mit Wasser abzusp^ulen, damit eine Verbindung $0116.29 eintreten kann und keine offenen Fugen bleiben. Um dies wirklich zu erreichen, $0116.30 erscheint es zweckm^a^sig, eine Lage Cementm^ortel aufzutragen.

$0116.31

__Ebene und lotrechte Mauern sind nur zu erzielen, wenn auf die Aufstellung der $0116.32 Formen die gr^o^ste Sorgfalt verwendet wird; namentlich gilt dies f^ur die erstmalige $0116.33 Aufstellung, da Fehler hierbei in der ganzen Geb^audeh^ohe sich fortsetzen und mit $0116.34 zunehmender H^ohe immer mehr zur Geltung gelangen.

$0116.35

__F^ur Oeffnungen in den Mauern werden entweder besondere, sp^ater wieder zu $0116.36 beseitigende Brettformen aufgestellt, welche mit den Formkasten verbunden werden $0116.37 und gegen welche der Beton angestampft wird; oder die Umfassungen derselben $0116.38 werden aus Ziegeln {1/2} oder 1 Stein stark aufgemauert, bezw. gew^olbt, oder sie $0116.39 werden aus Betonquadern hergestellt. Zu diesen, sowie zu den St^urzen im ersten $0116.40 Falle wird eine fettere Kiesbetonmischung (1 : 3) verwendet. Die Th^ur- und Fenster- $0116.41 nischen werden h^aufig mit Ueberlagsh^olzern (Deckh^olzern) ^uberdeckt, um Vorh^ange, $0116.42 Rollvorh^ange und dergl. bequem befestigen zu k^onnen. Da der Beton rasch so fest $0116.43 wird, da^s er nur mit dem Mei^sel bearbeitet werden kann, so stampft man bei der $0116.44 Ausf^uhrung der Mauern wohl auch Holzd^ubel zur Befestigung von Th^ur- und Fenster- $0116.45 futtern, sowie von Vert^afelungen ein. Aus dem gleichen Grunde m^ussen f^ur die $0116.46 Balkenk^opfe der Geb^alke L^ocher in den W^anden ausgespart werden, ebenso Nuten<-P> $0 @@3@ ---------- $0116.47

__#H:222#G:) Siehe: Centralbl. d. Bauverw. 1886, S. 96.

$0116.48

__#H:223#G:) Siehe: Baugwksztg. 1880, S. 96; 1872, S. 263.

@@1@ $0117.01 <-P>f^ur weit ausladende Gesimse, welche einer Vormauerung aus Backsteinen bed^urfen. $0117.02 Die Nuten erh^alt man durch Einlegen von wieder zu beseitigenden Holzst^ucken. $0117.03 Schwach ausladende Gesimse zieht man aus Cementm^ortel.

$0117.04 Fig. 124#H:224#G:).#(IMAGE) $0117.05

__Ein im Bau begriffenes Betonhaus zeigt Fig. 124#H:224#G:).

$0117.06

__Schornsteinrohre kann man leicht durch Einsetzen von Blechcylindern aus- $0117.07 sparen. Diese sind gew^ohnlich gespalten und k^onnen durch Bewegung eines Doppel- $0117.08 hebels verengert werden, um sie leicht aus der Mauermasse herausziehen und h^oher $0117.09 aufstellen zu k^onnen. Zu demselben Zwecke k^onnen diese Cylinder auch nach $0117.10 #/+Drake#/-'s Erfindung aus zwei keilf^ormigen St^ucken zusammengesetzt werden.

$0117.11

__Aufsteigende Hohlr^aume k^onnen auch mit Hilfe von Holzformen ausgespart $0117.12 werden. Eine Anwendung von solchen in gro^ser Ausdehnung ist in untenstehender $0117.13 Quelle angegeben#H:225#G:).

$0117.14

__Ein ^au^serer Putz der Umfassungsmauern mit Portlandcementm^ortel erscheint $0117.15 mit R^ucksicht auf das Durchschlagen der Feuchtigkeit bei der gew^ohnlich geringen $0117.16 Mauerdicke und der Porigkeit des mageren Betons zweckm^a^sig; dagegen werden $0117.17 die inneren Wandfl^achen, wenn sie tapeziert werden sollen, h^aufig nicht geputzt.

$0117.18

__Zur Ausf^uhrung der Betonw^ande kann man sich derselben Formenger^uste be-135.|Formenger^uste. $0117.19 dienen, wie sie beim Erd- und Kalksandstampfbau Anwendung finden und in Art. 120 $0117.20 (S. 103) u. 126 (S. 110) beschrieben worden sind.

$0117.21

__So ist man auch fr^uher verfahren, und ^ahnliche Einrichtungen benutzt man $0117.22 wohl auch noch in manchen Gegenden, so z. B. in Nordamerika#H:226#G:). Das geringe $0117.23 Schwinden und das rasche Erh^arten des Cementbetons gestatten jedoch ein schnelleres $0117.24 Bauen, als dies mit Erde und Kalksandmasse m^oglich ist, so da^s die Anwendung $0117.25 von Formenger^usten, die diesen Eigenschaften Rechnung tragen, erw^unscht sein mu^s.<-P> $0 @@3@ ---------- $0117.26

__#H:224#G:) Die Unterlage zu Fig. 124 ist der G^ute des Herrn Architekten #/+B. Liebold#/- zu verdanken.

$0117.27

__#H:225#G:) Centralbl. d. Bauverw. 1888, S. 181.

$0117.28

__#H:226#G:) Siehe: #/+Scient. American,#/- Bd. 54, S. 329. -- Ueber einen russischen Betonbau siehe: Centralbl. d. Bauverw. $0117.29 1888, S. 181.

@@1@ $0118.01 <-P>Solche sind auch in gro^ser Zahl in England erfunden und patentiert worden#H:227#G:), $0118.02 entsprechend der ziemlich ausgedehnten Anwendung, die dort der Betonbau ge- $0118.03 funden hat. Von denselben sollen sich jedoch nur wenige bew^ahrt haben. In $0118.04 Deutschland scheinen namentlich die Einrichtungen von #/+Drake#/- und von #/+Tall#/- benutzt $0118.05 zu werden.

$0118.06

__Man kann die Formenger^uste in eiserne und h^olzerne unterscheiden. Die ersteren $0118.07 haben sich jedoch als widerstandsf^ahiger erwiesen und erfordern weniger Aus- $0118.08 besserungen#H:228#G:).

$0118.09

__Beide Arten bestehen, wie oben schon angedeutet wurde, aus lotrecht aufzu- $0118.10 stellenden Leitst^andern, an denen die als Tafeln gebildeten Wandungen der Form- $0118.11 kasten befestigt und h^oher ger^uckt werden. Die Leitst^ander k^onnen in der L^angen- $0118.12 richtung der Mauern und seitw^arts verstrebt werden, um ihren Stand zu sichern, wenn $0118.13 dies f^ur notwendig gehalten wird. Sie werden ebenso, wie die Formtafeln, durch $0118.14 geeignete Querst^ucke verbunden, die zugleich zur Feststellung der Mauerdicke dienen. $0118.15 Diese Querst^ucke sind in der Regel entweder durchlochte Flachschienen oder Bolzen, $0118.16 die durch Rohre gesteckt sind. Letztere haben als L^ange die Mauerdicke. Alle $0118.17 Verbindungen m^ussen leicht l^osbar sein.

$0118.18

__Da alle Mauern gleichzeitig einger^ustet werden, so ergibt sich daraus ein $0118.19 h^oherer Kostenaufwand f^ur die Formenger^uste, als bei denen f^ur Erd- und Kalksand- $0118.20 stampfbauten, der ^uberdies schon in der gr^o^seren Konstruktionsh^ohe begr^undet ist $0118.21 und sich noch vermehrt, wenn Eisen f^ur dieselben gew^ahlt wird.

$0118.22

__Die Leitst^ander werden 3 bis 4#H:m#G: hoch gemacht, zweckm^a^sigerweise aber etwa $0118.23 10#H:cm#G: h^oher als das h^ochste Stockwerk des betreffenden Hauses (Rummelsburg). An $0118.24 denselben werden mitunter eiserne Konsolen zur Unterst^utzung von Ger^ustb^oden f^ur $0118.25 die Arbeiter befestigt.

$0118.26

__Die eisernen Leitst^ander kommen in verschiedenen Querschnittsformen in An- $0118.27 wendung: {#(PR)} {T} {I} {%-#(GES)}, welche die Verschiedenheit der Querverbindungen und der $0118.28 Verbindungen mit den Formtafeln u. a. mitbedingen. Die letzteren werden ent- $0118.29 weder durch Schraubenbolzen oder Durchsteckbolzen oder Haken oder Klammern etc. $0118.30 hergestellt. Die Tafeln des Formenger^ustes von #/+Henley#/-#H:229#G:) sind zu diesem Zwecke $0118.31 seitlich oben und unten mit Zapfen versehen, um welche sie zur Bildung des Form- $0118.32 kastens einer neuen Schicht gedreht werden k^onnen, w^ahrend sie bei den anderen $0118.33 Einrichtungen emporgehoben werden m^ussen. Zum Zwecke der H^oheraufstellung $0118.34 der Leitst^ander l^a^st man in der Regel die obersten Querverbindungsst^ucke in der $0118.35 Mauer stecken und befestigt an ihnen die St^ander mit ihren unteren Enden.

$0118.36

__Verschiedenheiten der Formger^uste sind auch bez^uglich der Bildung der Ecken $0118.37 vorhanden. Mitunter werden an den ^au^seren Ecken Leitst^ander aufgestellt und mit $0118.38 denen am inneren Winkel diagonal verbunden. Gew^ohnlich stellt man aber solche $0118.39 nur mehr oder weniger nahe dem inneren Winkel auf, denen an den Au^senseiten $0118.40 andere gegen^uberstehen, und benutzt besondere Eckformen. Besondere Vorkehrungen $0118.41 sind auch erforderlich, wenn an den Mauern Vorspr^unge angeordnet sind.

$0118.42

__Einige der bekannteren Einrichtungen sollen in nachfolgendem besprochen $0118.43 werden.

$0 @@3@ ---------- $0118.44

__#H:227#G:) Einige englische Patente seien hier verzeichnet: #/+Ch. Drake,#/- 1868, Nr. 1364; #/+J. Tall,#/- 1868, Nr. 2612: #/+Osborn,#/- $0118.45 1869, Nr. 1003; #/+Ch. Drake,#/- 1870, Nr. 9; #/+W. Murphy,#/- 1873, Nr. 1941; #/+J. M. Tall,#/- 1873, Nr. 2733; #/+Ch. W. Corpe,#/- 1874, $0118.46 Nr. 141; #/+T. Brougthon,#/- 1874, Nr. 819; #/+T. Potter,#/- 1874, Nr. 3945; #/+M. Macleod,#/- 1874, Nr. 3994.

$0118.47

__#H:228#G:) Nach einer Mitteilung des Herrn #/+B. Liebold#/- an den Verfasser.

$0118.48

__#H:229#G:) Siehe: #k+Reid,#k- H. #/+A practical treatise on natural and artificial concrete.#/- London 1879. S. 320.

@@1@ $0119.01

__Das eiserne Formenger^uste von #/+Charles Drake#/-#H:230#G:) hat Leitst^ander von {#(PR)}-f^ormigem Querschnitt und $0119.02 von ungef^ahr 3#H:m#G: L^ange. Die Formtafeln sind aus Blech mit einem Rahmen von Winkeleisen hergestellt; $0119.03 sie sind 0,66#H:m#G: hoch und 2,4 bis 3,0#H:m#G: lang (Fig. 125 u. 126). Sie sind zwei- bis dreimal auf ihre L^ange $0119.04 mit den gegen^uber stehenden durch Flachschienen verbunden, ebenso wie die Leitst^ander, auf deren H^ohe $0119.05 5 bis 6 solcher kommen. Um f^ur verschiedene Mauerdicken benutzt werden zu k^onnen, haben die Flach- $0119.06 schienen eine Anzahl von L^ochern, durch welche zum Zweck der Befestigung Bolzen gesteckt werden. Die $0119.07 Art der Verbindung zeigt Fig. 127 bis 129. Die Verbindung der Formtafeln mit den Leitst^andern erfolgt $0119.08 durch Schraubenbolzen (Fig. 127 u. 128) oder durch Klammern und Bolzen (Fig. 130).

$0119.09 Fig. 125.#(IMAGE){1/40} w. Gr.Fig. 126.#(IMAGE)Fig. 127.#(IMAGE)Fig. 128.#(IMAGE)Fig. 129.#(IMAGE)Fig. 130.#(IMAGE){1/10} w. Gr. $0119.10

__F^ur verschiedene Mauerst^arken sind verschieden gro^se Eckformen oder schmale Tafeln von ent- $0119.11 sprechender Breite zum Einschalten (Fig. 125) erforderlich. #/+Drake#/- verwendet zum Anpassen an verschieden- $0119.12 artige Mauerl^angen auch Tafeln mit einer beweglichen Platte, deren wagrechte Winkeleisen sich ^uber denen $0119.13 des festen Teiles verschieben lassen.

$0119.14

__Die Formtafeln sind an der Wandseite glasiert oder emailliert; doch h^alt #/+Drake#/- einen guten Oelfarben- $0119.15 anstrich f^ur ausreichend.

$0119.16

__Zur Ausf^uhrung der von der Berliner Cementbauaktiengesellschaft in Rummelsburg bei Berlin her- $0119.17 gestellten H^auser wurde das in Fig. 131 mitgeteilte Formenger^uste benutzt#H:231#G:). Die Leitst^ander von $0119.18 {#(PR)}-Querschnitt (5#H:cm#G: breit, mit 3,5#H:cm#G: breiten Flanschen und im Eisen 7#H:mm#G: dick) werden auf Querschienen $0119.19 (6#H:cm#G: breit und 1#H:cm#G: stark) einander gegen^uber aufgestellt (Fig. 132), wobei die ersteren mit Zapfen in $0119.20 Schlitze der letzteren eingreifen. Diese Schlitze sind, um die Formkasten f^ur verschiedene Wandst^arken $0119.21 einrichten zu k^onnen, in Abst^anden von 2#H:cm#G: angebracht. Zur Querverbindung der Leitst^ander dienen, $0119.22 ^ahnlich wie bei dem #/+Drake#/-'schen Ger^uste, Flachschienen, die hier aber hochkantig gelegt sind und, wie die $0119.23 Grundschienen, in Abst^anden von 2#H:cm#G: durchlocht sind. Diesen L^ochern entsprechen andere in den Flanschen $0119.24 der Leitst^ander, so da^s die Besestigung durch einen durchgesteckten Bolzen erfolgen kann. Durch gleiche $0119.25 Querschienen, aber flach liegend, werden die Formtafeln unten und oben miteinander verbunden. Die $0119.26 Formtafeln sind 0,65#H:m#G: hoch, aus 2#H:mm#G: starken Blechplatten zusammengenietet und an den wagrechten $0119.27 R^andern durch Winkeleisen von 2,5#H:cm#G: Breite versteift. Die Bleche greifen bis auf die Mitte der Breite $0119.28 der Leitst^ander ^uber, so da^s sie allein die Wandung der Formkasten bilden. Die Leitst^ander werden im<-P> $0 @@3@ ---------- $0119.29

__#H:230#G:) #/+Letters Fatent to Charles Drake,#/- 1868, Nr. 1364.

$0119.30

__#H:231#G:) Nach: Baugwksztg. 1872, S. 262.

@@1@ $0120.01 Fig. 131.#(IMAGE){1/40} w. Gr. $0120.02 Fig. 132.#(IMAGE){1/10} w. Gr. $0120.03 <-P>allgemeinen in Entfernungen von $0120.04 1,75#H:m#G: aufgestellt; doch kommen $0120.05 auch solche zu beiden Seiten des $0120.06 inneren Winkels und neben den $0120.07 Scheidewandanschl^ussen zu stehen $0120.08 (siehe den Grundri^s in Fig. 131). $0120.09 Sie werden durch Schienen mit- $0120.10 einander in Richtung der Mauer- $0120.11 flucht verkreuzt und nach den $0120.12 Seiten hin verstrebt. Auch k^on- $0120.13 nen Tr^ager f^ur 80#H:cm#G: breite Ge- $0120.14 r^ustb^oden, wie beim #/+Drake#/-'schen Ger^ust, angebracht werden. Diese leichte Anordnung soll gen^ugen, weil $0120.15 die B^oden nicht zur Lagerung von Materialien dienen, sondern dieselben nur die Arbeiter zu tragen haben.

$0120.16

__Die ganze Einrichtung erscheint zweckm^a^sig und besitzt vor der #/+Drake#/-'schen einige Vorz^uge; doch $0120.17 ist nicht klar, wie die Formtafeln in gehobener Lage an den Leitst^andern befestigt, bezw. wo dieselben $0120.18 getragen werden.

$0120.19

__Wahrscheinlich werden zu diesem Zwecke an den lotrechten R^andern der Formtafeln Winkeleisen $0120.20 unentbehrlich sein, welche mit den Flanschen der Leitst^ander verschraubt oder in einer anderen Weise $0120.21 verbunden werden. Alsdann d^urften aber die gewi^s die Arbeit st^orenden L^angsverkreuzungen entbehrt $0120.22 werden k^onnen.

$0120.23

__#/+Liebold#/-#H:232#G:) gibt die in Fig. 133 u. 134 dargestellte Verbin- $0120.24 Fig. 133.#(IMAGE){1/40} w. Gr.Fig. 134.#(IMAGE){1/10} w. Gr. $0120.25 dungsweise zu dem eben erw^ahnten Zwecke an. Zur Erzielung $0120.26 gr^o^serer Steifigkeit wird mit den an den Winkeln der Mauerecke $0120.27 zusammentretenden beiden Leitst^andern ein Holz von 5#H:cm#G: St^arke $0120.28 verbolzt. Zu demselben Zwecke sind die bis zu 3#H:m#G: langen Form- $0120.29 tafeln in Abst^anden von etwa 1#H:m#G: mit {#(BUM)}- oder {L}-Eisen vernietet.

$0120.30

__#/+Liebold#/-#H:233#G:) teilt auch die in Fig. 135 u. 136 dargestellte $0120.31 Konstruktion eines h^olzernen Formenger^ustes mit. Bei demselben $0120.32 bestehen die Leitst^ander aus 10#H:cm#G: breiten Flacheisen, auf welche $0120.33 5#H:cm#G: starke Holzst^ucke aufgeschraubt sind. Dieselben sind durch $0120.34 die Querverbindungen in vier Abteilungen von je 50#H:cm#G: H^ohe, $0120.35 den Formtafeln entsprechend, zerlegt. Die Formtafeln werden aus $0120.36 St^ucken von 1#H:m#G: L^ange und solchen von 25#H:cm#G:, 10#H:cm#G: und 5#H:cm#G: $0120.37 L^ange zusammengesetzt, so da^s man dieselben, dem Bed^urfnis ent- $0120.38 sprechend, bequem k^urzer oder l^anger machen kann. Zu diesem $0120.39 Zwecke sind sie auf Rundeisenst^aben aufgereiht, welche in den am $0120.40 oberen und unteren Rande der Bretter angenagelten Bohlen liegen $0120.41 und sich in die 1#H:m#G: langen Tafeln nach Bedarf hineinschieben<-P> $0 @@3@ ---------- $0120.42

__#H:232#G:) In: #k+Liebold,#k- B. Der Zement etc. Halle a. S. 1875. S. 63.

$0120.43

__#H:233#G:) A. a. O., S. 65.

@@1@ $0121.01 Fig. 135.#(IMAGE)ca. {1/40} w. Gr.Fig. 136.#(IMAGE) $0121.02 <-P>lassen. An dem einen Ende wird der Stab durch $0121.03 einen Stift fest gemacht, am anderen mit einer $0121.04 Schraubenmutter angezogen. An den Enden der $0121.05 Formtafeln sind lotrechte Winkeleisen angebracht, $0121.06 welche Laschen tragen, durch die sie an den Leit- $0121.07 st^andern befestigt werden.

$0121.08

__Bei #/+Rittel#/-'s patentiertem Formenger^uste#H:234#G:) $0121.09 sind die 45#H:cm#G: hohen Formkasten aus Tafeln von $0121.10 1#H:m#G: L^ange zusammengesetzt, welche aus leichtem $0121.11 Holzrahmenwerk bestehen, dessen Wand durch $0121.12 Eisenblech geschlossen ist. Diese Formtafeln wer- $0121.13 den mit ^uber Rollen gef^uhrten Leinen an den an $0121.14 den Enden aufgestellten Leitst^andern aufgezogen, $0121.15 sind an diesen aber nicht befestigt. Die letzteren $0121.16 sind 5,5 bis 7,5#H:m#G: hoch und haben drei durch $0121.17 Scharnier mit ihnen verbundene Beine, durch $0121.18 welche sie fest gestellt werden. Diese Formen- $0121.19 ger^uste scheinen sich nur f^ur einfache, einst^ockige $0121.20 Geb^aude zu eignen.

$0121.21

__Die besprochenen Formenger^uste sind mit $0121.22 R^ucksicht auf eine ^oftere Anwendung derselben $0121.23 gestaltet; sie setzen auch eine verh^altnism^a^sig $0121.24 einfache Bildung der Geb^aude voraus. Bei Bau- $0121.25 werken von verwickelterer Grundform und in au^ser- $0121.26 gew^ohnlichen F^allen wird man daher sich Formen $0121.27 herstellen m^ussen, die den besonderen Verh^altnissen $0121.28 angepa^st sind, und wird mit R^ucksicht auf die nur $0121.29 einmalige Verwendung f^ur dieselben das Holz w^ahlen. $0121.30 Beschreibung und Abbildung einer derartigen Ausf^uhrung finden sich in der unten angegebenen Quelle#H:235#G:).

$0121.31

__Die dauernde und zugleich den Ersatz f^ur ein Formenger^uste bildende Ver-136.|Betonw^ande|mit|Verkleidung. $0121.32 kleidung einer Betonmauer kann aus den verschiedenen nat^urlichen und k^unstlichen $0121.33 Steinmaterialien hergestellt werden. Ueber die Verkleidung mit Quadern ist schon $0121.34 in Art. 7 (S. 11), ^uber die mit regelm^a^sigen kleinen Steinen in Art. 62 (S. 69) $0121.35 gesprochen worden, und zwar besonders ^uber die von den R^omern angewendeten $0121.36 Ausf^uhrungsweisen. Zwar ist bei diesen der Mauerkern als Bruchsteinmauerwerk aus $0121.37 kleinen St^ucken zu bezeichnen; doch ist dasselbe so verwandt mit unserem Beton $0121.38 mit Packung, da^s f^ur diesen dieselben Regeln, wie f^ur jenes gelten m^ussen. Ein $0121.39 Rammen des Betons ist daher nur bei Verkleidungen aus schweren Quadern aus- $0121.40 f^uhrbar, in allen anderen F^allen aber zu unterlassen; im ^ubrigen m^ussen die Grund- $0121.41 s^atze zur Anwendung gelangen, die f^ur Mauern aus gemischtem Mauerwerk (siehe $0121.42 den vorhergehenden Band dieses #.>Handbuches#.<, 2. Aufl., Art. 81 bis 85, S. 67 $0121.43 bis 72) aufgestellt wurden. Als Verkleidungsmaterial kommen f^ur den Hochbau $0121.44 namentlich Backsteine und andere geeignete k^unstliche Steine in Betracht#H:236#G:); doch $0121.45 verdienen einige f^ur diesen Zweck gemachte Erfindungen der Erw^ahnung.

$0121.46

__Von der #/+Broomhall Tile {et} Brick Co.#/- werden winkelf^ormige, langkantige Steine hergestellt, deren $0121.47 Anwendung Fig. 137 zeigt. Der eine Schenkel bildet die Wandverkleidung, so da^s diese das Ansehen $0121.48 einer im L^auferverband aufgef^uhrten Backsteinmauer liefert; der andere Schenkel wird durch den Beton $0121.49 festgehalten. Gesimse und andere Zierteile werden aus Formst^ucken eingef^ugt#H:237#G:).

$0 @@3@ ---------- $0121.50

__#H:234#G:) N^aheres in: Deutsche Bauz. 1879, S. 345 -- und: Zeitschr. f. Bauhdw. 1880, S. 76.

$0121.51

__#H:235#G:) #k+Grosch,#k- G. Ueber die Verwendung von in Holzmodellen geformtem Cementbeton zu Turbinenwasserbauten $0121.52 u. s. w. Civiling. 1885, S. 65.

$0121.53

__#H:236#G:) Ueber Verblendungen der Betonmauern, allerdings nur von Futtermauern, Schleusenmauern u. dergl., siehe: $0121.54 Centralbl. d. Bauverw. 1886, S. 433, 453.

$0121.55

__#H:237#G:) Siehe: #/+Builder,#/- Bd. 26, S. 658 -- und: Deutsche Bauz. 1871, S. 322.

@@1@ $0122.01

__#/+F. {et} J. P. West#/- verwenden zur $0122.02 Fig. 137.#(IMAGE) $0122.03 Verkleidung der Mauern Betonplatten $0122.04 von rechteckiger oder polygoner Form $0122.05 mit einer Vertiefung auf der Innenseite $0122.06 (Fig. 138). Dieselben haben in den $0122.07 Lagerfl^achen H^ohlungen und ringsum $0122.08 Nuten, die mit einem schnell bindenden $0122.09 Cement ausgegossen werden#H:238#G:). Die $0122.10 rechteckigen Platten sind ungef^ahr 45#H:cm#G: $0122.11 lang, 30#H:cm#G: hoch und 37#H:mm#G: dick. Klei- $0122.12 nere Gesimse werden mit den Platten $0122.13 hergestellt; gr^o^sere werden aus beson- $0122.14 deren St^ucken gebildet. Die Platten $0122.15 k^onnen an ihrer Au^senfl^ache beliebig $0122.16 verziert werden.

$0122.17 137.|W^ande|aus|Betonsteinen.

__Die Betonsteine und Beton- $0122.18 quader geh^oren zu den Kunst- $0122.19 steinen, welche schon kurz in $0122.20 Art. 33 (S. 43) und in Teil I, $0122.21 Band 1, erste H^alfte dieses #.>Hand- $0122.22 buches#.< behandelt wurden. Sie $0122.23 werden entweder hergestellt, in- $0122.24 dem man die fertig bereitete $0122.25 Betonmasse in Formen stampft, $0122.26 oder nach Art des Betons mit $0122.27 Packung, oder als kunstgerechte Mauerwerksbl^ocke mit viel M^ortelzusatz. Auf die $0122.28 erste Weise wird man die innerlich gleichf^ormigsten und festesten Betonsteine erzielen $0122.29 k^onnen. Dieselben haben sich auch zumeist bew^ahrt; doch erscheint es auch bei $0122.30 ihnen zweckm^a^sig, zu ihrer Herstellung den mit langsam bindendem Portlandcement $0122.31 Fig. 138.#(IMAGE) $0122.32 bereiteten Beton ziemlich trocken in die Formen zu stampfen und fettere Mischungen $0122.33 f^ur die Au^senfl^achen zu vermeiden. Ueberz^uge von fettem Cementm^ortel oder reinem $0122.34 Cement geben zu Schwindungsrissen Veranlassung. Glatte Fl^achen kann man auch $0122.35 durch Verwendung von feinem Sand erzielen. Aus fl^ussigem Cementm^ortel oder<-P> $0 @@3@ ---------- $0122.36

__#H:238#G:) Siehe: #/+Builder,#/- Bd. 48, S. 826, 884.

@@1@ $0123.01 <-P>Beton gegossene Steine werden so porig, da^s sie keine Witterungsbest^andigkeit in $0123.02 ausgesetzten Lagen erwarten lassen. Vor der Verwendung sollten die Betonsteine $0123.03 vollst^andig abgebunden haben#H:239#G:).

$0123.04

__Das Vermauern der in Quader- oder Backsteinform hergestellten Betonsteine $0123.05 bedarf keiner besonderen Er^orterung. Dagegen m^ogen einige besondere Formen $0123.06 von Betonsteinen hier Erw^ahnung finden.

$0123.07

__Dies sind die von #/+J. J. Lish#/- erfundenen {Z}-f^ormigen Betonsteine#H:240#G:), welche $0123.08 sich gut zur Herstellung hohler Mauern eignen (Fig. 139). Der Verband in solchen $0123.09 Mauern ist ein guter; auch lassen sich die Steine f^ur die Versendung leicht inein- $0123.10 ander packen, wenngleich sich dabei viel Bruch ergeben d^urfte. Durch Einschaltung $0123.11 Fig. 139.#(IMAGE)ca. {1/30} w. Gr. $0123.12 von gew^ohnlichen Betonplatten, welche die doppelte L^ange der Fl^ugel der {Z}-f^ormigen $0123.13 Steine haben, k^onnen Mauern mit gr^o^seren Hohlr^aumen erzielt werden. Volle $0123.14 Mauern sind selbstverst^andlich leicht durch Ausf^ullung der Hohlr^aume mit Beton $0123.15 herzustellen.

$0123.16

__Diesen Platten verwandt sind die von #/+W. Weyhe#/- in Bremen erfundenen#H:241#G:), $0123.17 welche an ihrer R^uckseite hakenf^ormige Rippen haben, die zur Bildung von d^unnen $0123.18 W^anden ineinander greifen oder bei st^arkeren Mauern durch Drahtklammern mit- $0123.19 einander verbunden werden. Die Platten werden auch mit Drahtgewebe- oder $0123.20 Juteeinlage hergestellt, wobei diese Einlagen auch als Ersatz f^ur die Rippen ver- $0123.21 wendet werden k^onnen. Einfacher und brauchbarer sind hohle Betonquader, welche $0123.22 in Verband vermauert werden.

$0123.23

__Als Beispiel m^ogen die von #/+B. Liebold {et} Co.#/- zum Bau einer Villa angewendeten hohlen Beton- $0123.24 quader mitgeteilt werden (Fig. 140), welche in zwei Gr^o^sen, 50 ^* 50#H:cm#G: und 50 ^* 25#H:cm#G:, 31#H:cm#G: hoch $0123.25 hergestellt wurden, mit einer Wanddicke von 5#H:cm#G: und einer Mischung von 1 Teil Cement auf 7 Teile<-P> $0 @@3@ ---------- $0123.26

__#H:239#G:) Eine lehrreiche Er^orterung ^uber die Ausf^uhrung von Turmhelmen in Cementbeton sindet sich in: Deutsche Bauz. $0123.27 1884, S. 351, 362, 384, 399, 419, 508, 627; 1886, S. 84, 524, 547. -- Ueber Ausf^uhrungen in Betonsteinen vergl. auch: Zeitschr. $0123.28 f. Baukde. 1881, S. 522.

$0123.29

__#H:240#G:) Siehe: #/+Building news,#/- Bd. 37, S. 411.

$0123.30

__#H:241#G:) D. R.-P. Nr. 73_938 u. 77_963. -- Siehe auch: Baugwksztg. 1895, S. 389.

@@1@ $0124.01 <-P>Kiessand. Zu den Fenster-, $0124.02 Fig. 140#H:242#G:).#(IMAGE) $0124.03 Th^ur- und Hausecken, sowie $0124.04 zu den Gesimsen wurden Voll- $0124.05 steine verwendet, als M^ortel $0124.06 Cementm^ortel#H:242#G:).

$0124.07 138.|Formale|Behandlung.

__Die formale Aus- $0124.08 bildung der Betonw^ande $0124.09 bietet keine besonderen $0124.10 Schwierigkeiten, wenn $0124.11 dieselben mit einer Ver- $0124.12 kleidung oder aus Be- $0124.13 tonsteinen hergestellt $0124.14 werden; sie wird sich $0124.15 an die der W^ande aus nat^urlichen oder k^unstlichen Steinen anschlie^sen; dagegen $0124.16 ist sie eine beschr^anktere, wenn die W^ande ganz aus Beton aufgestampft werden. $0124.17 Sie wird in diesem Falle erleichtert, wenn die W^ande einen Putz^uberzug erhalten $0124.18 und sich dann innerhalb der Grenzen bewegen m^ussen, welche f^ur den Putzbau gelten $0124.19 (vergl. Art. 109, S. 97). F^ur $0124.20 etwas reicher auszustattende Ge- $0124.21 Fig. 141#H:243#G:).#(IMAGE) $0124.22 b^aude wird man hierbei in der $0124.23 Regel Gesimse und Umrahmun- $0124.24 gen der Oeffnungen aus Kunst- $0124.25 stein bilden oder aus Backsteinen $0124.26 vormauern und in Cementm^ortel $0124.27 ziehen (vergl. Art 134, S. 116).

$0124.28

__Da^s bei geeigneter Behand- $0124.29 lung des ^au^seren Putzes und an- $0124.30 gemessenen einfachen Gliederun- $0124.31 gen auch ansprechende Wirkun- $0124.32 gen von Betongeb^auden sich $0124.33 erzielen lassen, zeigt das nach $0124.34 den Pl^anen #/+Dollinger#/-'s errichtete, $0124.35 in Fig. 141#H:243#G:) dargestellte W^ar- $0124.36 terhaus der oberschw^abischen $0124.37 Eisenbahn.

$0124.38

__Die plastische Fl^achenbe- $0124.39 handlung ist schwierig, wenn die $0124.40 W^ande keinen Putz erhalten $0124.41 sollen, und wohl nur bei h^ol- $0124.42 zernen Formkasten ausf^uhrbar. $0124.43 Bei solchen lassen sich f^ur Bil- $0124.44 dung von F^ullungen oder Nuten $0124.45 an den Formtafeln entsprechend $0124.46 gestaltete Brettst^ucke, bezw. Lei- $0124.47 sten von rechteckigem oder dreieckigem Querschnitt befestigen.

$0124.48

__Aber auch dies setzt eine fettere und feinsandigere Beschaffenheit des Betons<-P> $0 @@3@ ---------- $0124.49

__#H:242#G:) Nach: Zeitschr. f. Bauhdw. 1893, S. 2.

$0124.50

__#H:243#G:) Faks -Repr. nach: Deutsche Bauz. 1870, S. 45.

@@1@ $0125.01 <-P>voraus, als in der Regel angewendet wird. Nur bei st^arkeren Mauern wird man zu $0125.02 diesem Zwecke eine bessere Mischung als ^au^sere Verblendung in die Formen mit $0125.03 einstampfen k^onnen.

$0125.04

__Auf letztere Weise wurde der Leuchtturm auf La Corbi%\ere bei Jersey aufgef^uhrt. W^ahrend die $0125.05 Mauer in der Hauptmasse aus Beton von 1 Teil Cement auf 6 Teile Kies bestand, wurden f^ur die 5 bis $0125.06 8#H:cm#G: starke Verblendung auf 1 Teil Cement 3 Teile Kies genommen und auf die Formen Keilleisten zur $0125.07 Bildung eines Fugennetzes genagelt. Dieses Verfahren liefert jedenfalls ein dauerhafteres Ergebnis, als $0125.08 das nachtr^agliche Auftragen eines Cementputzes. Um das Anhaften des Betons an die Form zu verhindern, $0125.09 ward dieselbe bei jeder neuen Verwendung mit B^urste und Wasser gereinigt und dann mit einer aus Seife $0125.10 und Wasser dickfl^ussig gekochten Mischung angestrichen. Als Holzart f^ur die Form hat sich die fette Harz- $0125.11 tanne bew^ahrt#H:244#G:).

$0125.12

__F^ur die Ausf^uhrung der Betonbauten eignen sich die Jahreszeiten mit mittlerer139.|Zeit der|Ausf^uhrung. $0125.13 W^arme, also Fr^uhjahr und Herbst. Gro^se Hitze und K^alte wirken im Beginn der $0125.14 Erh^artungszeit des Betons sch^adigend, w^ahrend sie dem erh^arteten Beton nicht nach- $0125.15 teilig sind. Frischer Beton wird durch gro^se W^arme zu rasch seines zur Erh^artung $0125.16 notwendigen Wassers beraubt, durch Frost aber in derselben verlangsamt oder ganz $0125.17 gest^ort. Die Gefahr f^ur den Beton durch au^sergew^ohnliche Temperaturen h^ort etwa $0125.18 7 Tage nach seiner Anfertigung auf. Es empfiehlt sich daher, bei Betonausf^uhrungen $0125.19 im Sommer und Winter entsprechende Schutzvorrichtungen zu treffen: starke Be- $0125.20 feuchtung bei Hitze, Abdecken mit Sand und Bereitung mit warmem Wasser $0125.21 bei K^alte#H:245#G:).

$0125.22

__Von den Vertretern des Betonbaues werden demselben neben anderen nament-140.|Wertsch^atzung. $0125.23 lich die folgenden Vorteile zugeschrieben#H:246#G:): Schnelligkeit der Ausf^uhrung; leichte $0125.24 und erfolgreiche Verwendung von gew^ohnlichen Arbeitern zur Bereitung und Ver- $0125.25 wendung der Betonmasse; verh^altnism^a^sig geringer Verbrauch von Baumaterial und $0125.26 Verwertung aller sonst nicht allein unbrauchbaren, sondern auch oft l^astigen stein- $0125.27 und schlackenartigen Abf^alle jeder Art; ^uberaus leichte und billige Anlage von $0125.28 Rauch- und L^uftungsrohren; gro^se Sicherheit der Mauern gegen Schlagregen und $0125.29 Feuchtigkeit ^uberhaupt und die hierdurch bedingte gr^o^sere W^arme der Woh- $0125.30 nungen w^ahrend der feuchtkalten Jahreszeiten; gro^se Sicherheit gegen Gew^urm und $0125.31 anderes Ungeziefer, welches sich in anderen Mauern hinter dem Putz dauernd ein- $0125.32 nistet oder die Mauern, namentlich solche von Bruchstein, mit den vielen und oft $0125.33 offenen Fugen durchbricht; auch bei feuchter Witterung vorhandene ausreichende $0125.34 L^uftung und schnelle Bewohnbarkeit der aus Beton hergestellten Geb^aude. Au^ser- $0125.35 dem wird vielfach die gr^o^sere Billigkeit des Betonbaues gegen^uber dem Ziegelbau $0125.36 ger^uhmt.

$0125.37

__Einzelne der angef^uhrten Vorteile werden auch von den Gegnern des Beton- $0125.38 baues zugestanden werden k^onnen; andere werden jedoch nur bedingungsweife zu- $0125.39 gegeben, bezw. beanstandet und auch Nachteile desselben, die seiner ausgedehnteren $0125.40 Anwendung entgegenstehen, werden angef^uhrt. Solche sollen sein: Unbequemlich- $0125.41 keit der Ausf^uhrung in Formen, die bei engen und beschr^ankten Baustellen, wie sie $0125.42 in St^adten die Regel bilden, sich geltend macht; Starrheit der Betonkonstruktionen, $0125.43 welche einer durch ver^anderte Bed^urfnisse so h^aufig notwendig werdenden Ver^ande-<-P> $0 @@3@ ---------- $0125.44

__#H:244#G:) Nach: Deutsche Bauz. 1881, S. 440.

$0125.45

__#H:245#G:) Nach den Erfahrungen amerikanischer Ingenieure hat sich bei Bauausf^uhrungen in Frostwetter im allgemeinen der $0125.46 Portlandcement besser bew^ahrt, als der nat^urliche amerikanische Cement (Rosendale-Cement); auch haben dieselben gefunden, $0125.47 da^s der Zusatz von Salz bei der M^ortelbereitung alle Cemente widerstandsf^ahiger gegen K^alte macht. (Vergl.: #/+Nouv. annales $0125.48 de la constr.#/- 1887, S. 159.) -- Diese Wirkung des Kochsalzzusatzes ist auch durch deutsche Versuche best^atigt. (Vergl.: $0125.49 Deutsche Bauz. 1887, S. 148.)

$0125.50

__#H:246#G:) Siehe: #k+Liebold,#k- B. Gutachten ^uber Betonbauten im Hochbau. Zeitschr. f. Bauhdw. 1880, S. 106.

@@1@ $0126.01 <-P>rung der Anlage sich widersetzt und dieselben gegen Ziegelbau entschieden zur^uck- $0126.02 stehen l^a^st; mangelhafte ^au^sere Erscheinung#H:247#G:).

$0126.03

__Bei der Verschiedenheit der Beurteilung, die der Betonbau demnach erf^ahrt, $0126.04 erscheinen einige Er^orterungen geboten.

$0126.05

__Die M^oglichkeit sehr schneller Ausf^uhrung ist durch glaubw^urdige Angaben $0126.06 nachgewiesen. Dieselbe scheint jedoch nur gesichert, wenn die Leitung des Baues $0126.07 einem Sonderfachmann ^ubergeben ist und die Ausf^uhrung durch ge^ubte Arbeiter $0126.08 erfolgt; denn es liegen auch Mitteilungen ^uber eine gegenteilige Erfahrung vor#H:248#G:). $0126.09 Die Verwendung von ge^ubten und in ihrer Zuverl^assigkeit erprobten Arbeitern, also $0126.10 nicht blo^s von gew^ohnlichen Arbeitern, ist aber auch noch deshalb notwendig, weil $0126.11 davon die G^ute der Arbeit und die Vermeidung von nachteiligen Erscheinungen $0126.12 abh^angen. Insbesondere ist hiervon auch die geringste f^ur einen gegebenen Fall in $0126.13 Bezug auf Festigkeit zul^assige Wandst^arke und damit auch der Stoffverbrauch ab- $0126.14 h^angig. Da nun aus anderen, nachher und in Kap. 11 zu besprechenden Gr^unden $0126.15 die geringsten St^arken von Betonumfassungsw^anden, wenigstens in Wohngeb^auden, $0126.16 nicht unter denen von Ziegelmauern in gleicher Lage gehalten werden sollten, so $0126.17 ergibt sich eine Ersparnis an Baustoff h^aufig nur aus dem, was sich etwa durch ge- $0126.18 ringere Vermehrung an Wanddicke in unteren Stockwerken gegen^uber den {1/2} Stein $0126.19 starken Abs^atzen bei Ziegelmauern erzielen l^a^st. Eine Kostenersparnis gegen^uber $0126.20 dem Ziegelbau kann daher in der Hauptsache nur dann erreicht werden, wenn die $0126.21 Betonf^ullstoffe wesentlich billiger als die Mauerziegel zu haben sind; denn dem ge- $0126.22 w^ohnlich f^ur letztere verwendeten Luftkalkm^ortel steht der teuerere Cementm^ortel $0126.23 beim Betonbau, dem bei diesem etwa geringeren Arbeitslohn die Bereithaltung der $0126.24 kostspieligen Formenger^uste gegen^uber.

$0126.25

__Die Feuchtigkeit und K^alte von Wohnr^aumen in Betongeb^auden, welche in $0126.26 einzelnen F^allen beobachtet wurden#H:249#G:), scheint von der zu geringen Dicke der $0126.27 betreffenden Umfassungsw^ande herzur^uhren. Die Ursache der unangenehmen Er- $0126.28 scheinung kann dabei zweierlei Art sein. Entweder der Beton besitzt eine zu gute $0126.29 W^armeleitungsf^ahigkeit, so da^s sich bei Abk^uhlung der Au^senluft die Feuchtigkeit $0126.30 der Innenluft an den W^anden niederschl^agt, da diese rasch dem W^armewechsel $0126.31 folgen; oder der Beton ist zu wenig dicht und wird vom Schlagregen ganz durch- $0126.32 feuchtet. In beiden F^allen verh^alt sich eine dickere Wand g^unstiger, als eine d^unnere. $0126.33 Die Erfahrung hat auch gezeigt, da^s die erw^ahnten Uebelst^ande bei Betonw^anden $0126.34 nicht auftreten, welche die St^arke erhalten, die man Ziegelmauern geben w^urde. $0126.35 Da bei einer gr^o^seren Mauerdicke die Festigkeit des Betons eine verh^altnism^a^sig $0126.36 geringere sein kann, so erscheint auch deshalb die Anwendung eines porigen Betons $0126.37 f^ur W^ande gut zul^assig, wobei es nur w^unschenswert bleibt, da^s die Au^senfl^achen $0126.38 vor der Durchfeuchtung durch Schlagregen durch einen Putz oder einen Behang $0126.39 gesch^utzt werden, was ^ubrigens f^ur W^ande aus porigen Backsteinen ebenso gilt#H:250#G:). $0126.40 Wenn man bei d^unnen W^anden aus dichtem Beton geeignete Verkleidungen an- $0126.41 wendet, um die W^armeleitungsf^ahigkeit zu verringern, was allerdings mit einer Er- $0126.42 h^ohung des Kostenaufwandes verbunden ist, und dabei f^ur gen^ugende L^uftung der $0126.43 R^aume sorgt, bezw. Anordnungen f^ur k^unstliche L^uftung trifft, so werden sich mit<-P> $0 @@3@ ---------- $0126.44

__#H:247#G:) Siehe: Deutsche Bauz. 1877, S. 160.

$0126.45

__#H:248#G:) Siehe: Centralbl. d. Bauverw. 1886, S. 139.

$0126.46

__#H:249#G:) Siehe: Zeitschr. f. Baukde. 1881, S. 546. -- Wochbl. f. Arch. u. Ing. 1882, S. 157.

$0126.47

__#H:250#G:) Ueber eine eigent^umliche Art von Betonhohlmauern, welche in Ru^sland mit R^ucksicht auf m^oglichsten Warm- $0126.48 halten von R^aumen errichtet werden, siehe: Centralbl. d. Bauverw. 1888, S. 181.

@@1@ $0127.01 <-P>Sicherheit auch mit solchen W^anden behagliche Wohnungen herstellen lassen. Zu $0127.02 beachten ist, da^s Beton bei l^angerer Durchfeuchtung dauernd luftundurchl^assig $0127.03 wird#H:251#G:). Andererseits trocknen Betonmauern rasch aus, liefern also rasch bewohn- $0127.04 bare R^aume, da zur Bereitung des Betons nur wenig mehr Wasser, als unbedingt $0127.05 erforderlich, zu verwenden ist. Ein Vorzug des dichten Betons in gesundheitlicher $0127.06 Beziehung m^ochte hier noch anzuf^uhren sein. Derselbe besteht darin, da^s der Beton $0127.07 f^ur die Aufspeicherung von Krankheitsstoffen wenig Gelegenheit bietet, ein Vorzug, $0127.08 den man in manchen F^allen bei anderen Mauerwerksgattungen durch m^oglichst dichte $0127.09 Ueberz^uge oder Verkleidungen zu erreichen sucht.

$0127.10

__Die Forderung der Trockenheit, welche man aus R^ucksicht auf die Gesundheit $0127.11 der Bewohner an alle Mauern von Wohngeb^auden, also auch an Betonmauern stellen $0127.12 mu^s, steht einigerma^sen mit dem Umstande in Widerspruch, da^s die hydraulischen $0127.13 Bindemittel, auch der Portlandcement, dauernder Feuchtigkeit f^ur sicheren Bestand $0127.14 bed^urfen. Hieraus ergibt sich ein Bedenken gegen die Anwendung des H^auser- $0127.15 baues aus Beton, zum mindesten f^ur L^ander mit trockenem Klima, w^ahrend er f^ur $0127.16 feuchte Himmelsstriche sich deshalb besser eignet.

$0127.17

__Einer Beschr^ankung unterliegt der Betonbau, wie der Erd- und Kalksand- $0127.18 stampfbau, in der R^ucksichtnahme auf m^oglichst einfache Planbildung. Vor- und $0127.19 R^uckspr^unge in den Mauerz^ugen veranlassen immer umst^andliche und kostspielige $0127.20 Anordnungen an den Formenger^usten. Dagegen nehmen die letzteren nicht mehr $0127.21 Raum, als andere Bauger^uste in Anspruch.

$0127.22

__Ver^anderungen lassen sich an Betonw^anden nur mit mehr Arbeit ausf^uhren, als $0127.23 bei anderen Mauerwerksarten; auch ist das gewonnene Material nur in geringem $0127.24 Ma^se weiter verwendbar. Sichere Angaben ^uber die Unterhaltungskosten von Beton- $0127.25 bauten liegen noch nicht vor; doch k^onnen dieselben f^ur Mauern aus gutem Beton $0127.26 und von sorgf^altiger Ausf^uhrung nur unerheblich sein; auch l^a^st bei Verwendung $0127.27 von gutem Cement eine lange Dauer sich erwarten.

$0127.28

__Cementbeton hat sich als sehr feuerbest^andig erwiesen und ^uberragt in dieser $0127.29 Beziehung die meisten nat^urlichen Steine#H:252#G:). Dies mag den Wert des Beton auch $0127.30 f^ur den Mauerbau erh^ohen.

$0127.31

__Wenn nun auch Beton den eben erw^ahnten Vorzug besitzt, so ist doch auch $0127.32 sicher, da^s wegen der allgemeinen Eigenschaften der Cementbeton in seiner Er- $0127.33 h^artung durch h^ohere W^armegrade gest^ort wird und derselben Trockenheit der Luft $0127.34 nicht f^orderlich ist, da^s daher auch das erw^ahnte gute Verhalten von Beton gegen $0127.35 Erhitzung nur nach vollst^andiger Erh^artung zu erwarten ist. Bei Erhitzung ^uber $0127.36 200 Grad nimmt ^ubrigens auch die Festigkeit eines gut erh^arteten Cementm^ortels $0127.37 ab#H:253#G:). Dennoch hat man bisher keine Bedenken getragen, Rauchrohre von Wohn- $0127.38 geb^auden, ja sogar gro^se Fabrikschornsteine, aus Beton aufzuf^uhren#H:254#G:).

$0127.39

__Den Betonmauern wird nachger^uhmt, da^s sie monolithe Massen in ihrer ganzen $0127.40 Ausdehnung bilden. Es ist die Frage, ob dies wirklich der Fall ist. Vor dem Auf- $0127.41 tragen einer neuen Schicht, bezw. dem Anschlu^s an ein in derselben H^ohe befind- $0127.42 liches St^uck einer solchen hat die darunter oder daneben liegende Schichtenstrecke<-P> $0 @@3@ ---------- $0127.43

__#H:251#G:) Siehe: #k+Lang,#k- C. Ueber nat^urliche Ventilation. Stuttgart 1877. S. 95.

$0127.44

__#H:252#G:) Dies best^atigen die #/+Bauschinger#/-'schen Versuche. (Siehe: Mittheilungen aus dem Mechanisch-Technischen Labo- $0127.45 ratorium der kgl. techn. Hochschule in M^unchen. Heft 12. 1885. S. 29.)

$0127.46

__#H:253#G:) Siehe: #k+Feichtinger,#k- G. Die chemische Technologie der M^ortelmaterialien. Braunschweig 1885. S. 308.

$0127.47

__#H:254#G:) Durch Brandproben wurde nachgewiesen, da^s durch Hitzegrade, wie sie bei jedem gr^o^seren Brande vorzukommen $0127.48 pflegen, alle M^ortelmaterialien, namentlich Kalk, Gips und Tripolith, und auch Cement, ganz m^urbe gebrannt werden, so $0127.49 da^s ihre Festigkeit zum gr^o^sten Teile verloren geht. (Vergl.: Deutsches Baugwksbl. 1889, S. 195.)

@@1@ $0128.01 <-P>schon abgebunden. Eine Verbindung wird allerdings erm^oglicht, indem man die $0128.02 ^alteren Schichtenstrecken aufkratzt und von lockeren Teilen s^aubert und dadurch die $0128.03 Adh^asionsfl^achen vermehrt, noch besser durch gleichzeitiges Auftragen von Cement- $0128.04 m^ortel. Aber ein einheitlicher K^orper wird dadurch nicht erzielt, und deshalb $0128.05 kann sich Betonmauerwerk in dieser Beziehung nur insoweit besser verhalten, als gutes $0128.06 anderes Mauerwerk, als die Schichtenabteilungen des ersteren gr^o^ser sind als die Steine $0128.07 des letzteren. Erfahrungen hier^uber sind von deutschen Ausf^uhrungen nicht bekannt $0128.08 gemacht worden, vergl. jedoch die unten angegebene Quelle#H:255#G:).

$0128.09

__Der Vorwurf mangelhafter ^au^serer Erscheinung der Betonbauten trifft wohl f^ur $0128.10 die meisten Ausf^uhrungen zu, da^s dies aber nicht unbedingt n^otig ist, geht aus $0128.11 dem in Art. 138 (S. 124) Gesagten hervor. Allerdings bleibt der Beton ein Stein- $0128.12 ersatzstoff; doch wird man auch einem solchen bei nach anderen Richtungen hin $0128.13 vorhandenen guten Eigenschaften seine Berechtigung in ^asthetischer Hinsicht zu- $0128.14 gestehen m^ussen, wenn sich seine Formenausbildung innerhalb verst^andiger und den $0128.15 Eigenschaften des Stoffes entsprechender Grenzen bewegt.

$0128.16

__Seit auf Veranlassung des #.>Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur- $0128.17 Vereine#.< eine Zusammenstellung der im Gebiete desselben ^uber Betonbauten ge- $0128.18 machten Erfahrungen ver^offentlicht wurde#H:256#G:), ist wesentlich Neues ^uber diesen Gegen- $0128.19 stand nicht bekannt geworden, so da^s das Gesamtergebnis in der Hauptsache noch $0128.20 G^ultigkeit haben d^urfte und deshalb hier abgedruckt werden mag:

$0128.21

__#.>Die Herstellung von Hochbauten aus Beton hat sich in einer Anzahl von F^allen $0128.22 als eine brauchbare Bauweise bew^ahrt, durch welche unter g^unstigen Preisverh^altnissen $0128.23 der dazu zu verwendenden Materialien, besonders, wenn Kies und Sand in guter $0128.24 Beschaffenheit in der N^ahe der Baust^atte gewonnen werden kann, nicht unerhebliche $0128.25 Ersparungen gegen^uber der gew^ohnlichen Bauweise herbeigef^uhrt werden k^onnen. $0128.26 Immerhin sind aber die bisher gewonnenen Erfahrungen noch nicht so allgemein $0128.27 g^unstige, da^s eine uneingeschr^ankte Empfehlung der Bauweise angezeigt w^are.

$0128.28

__Es stellt sich nach den bisherigen Ergebnissen der Betonbau f^ur Au^senmauern $0128.29 von Hochbauten doch nur als ein Surrogatbau dar, welcher nur in Einzelf^allen An- $0128.30 wendung gefunden hat und der voraussichtlich auch f^ur die Folge nur dann umfang- $0128.31 reichere Verwendung finden wird, wenn nach den bestehenden Preisverh^altnissen von $0128.32 Cement und Mauersteinen Betonbauten sich erheblich billiger, als gew^ohnliche Bau- $0128.33 ausf^uhrungen stellen#.<#H:257#G:).

$0128.34 @z d) W^ande aus sonstigen Stampf- und Gu^smassen. $0128.35 141.|#/+B%/eton#/-|#/+agglom%/er%/e.#/-

__In Frankreich und auch in Amerika sind die #/+B%/etons agglom%/er%/es#/- von #/+Coignet#/- $0128.36 zu einer gewissen Ber^uhmtheit gelangt und zu zahlreichen Ausf^uhrungen gro^ser $0128.37 Ingenieurbauwerke und auch von Hochbauten (so zum Bau der Kirche zu V%/esinet $0128.38 und einer Anzahl vielst^ockiger Wohnh^auser in Paris) verwendet worden. Das #/+Coignet-#/- $0128.39 sche Verfahren hat jedoch in Frankreich auch heftige Angriffe erfahren, die zun^achst $0128.40 durch den erw^ahnten, nicht ganz gegl^uckten Kirchenbau hervorgerufen wurden, und $0128.41 scheint jetzt nur noch zur Herstellung k^unstlicher Steine und von Ornamenten ben^utzt $0128.42 zu werden#H:258#G:).

$0 @@3@ ---------- $0128.43

__#H:255#G:) #/+Revue g%/en. de l'arch.#/- 1868, S. 171.

$0128.44

__#H:256#G:) Siehe: Zeitschr. f. Baukde. 1881, S. 522.

$0128.45

__#H:257#G:) Mitteilungen ^uber die geschichtliche Entwickelung des Betonbaues brachte die 1. Auflage dieses Heftes (Art. 142, $0128.46 S. 144). -- Eine ausf^uhrliche Besprechung findet der Beton und seine Verwendung, wenn auch weniger diejenige zum H^auser- $0128.47 bau, in: Der Portlandcement und seine Anwendungen im Bauwesen. Berlin 1892.

$0128.48

__#H:258#G:) Mitteilungen ^uber den #/+Coignet#/-'schen Beton finden sich in: #/+Nouv. annales de la constr.#/- 1857, S. 48. -- Polyt.<-P> @@1@ $0129.01

__Der #s+verdichtete Beton#s- von #/+Coignet#/- ist eigentlich nichts anderes als eine $0129.02 ^au^serst sorgf^altig gemischte und stark gestampfte Kalksandmasse, der nur die unbe- $0129.03 dingt n^otige Wassermenge zugesetzt wurde. Da ein kleiner Wasser^uberschu^s sich $0129.04 nicht vermeiden l^a^st, so werden geringe Mengen Wasser ansaugende Stoffe zuge- $0129.05 geben, wie Asche, Steinkohlengries, Ziegelmehl, Puzzolane oder statt letzterer, wenn $0129.06 besondere H^arte oder Widerstandsf^ahigkeit erreicht werden soll, etwas Portlandcement. $0129.07 Als Kalk wird Fettkalk oder besser hydraulischer Kalk in Pulverform verwendet#H:259#G:).

$0129.08

__#/+Coignet#/- begann seine Th^atigkeit im Stampfbau mit der nachher zu besprechenden142.|#/+Coignet#/-'s|wohlfeiler|Beton. $0129.09 Aschestampfmasse. Da er Steinkohlenasche und Schlacken nicht mehr billig erhalten $0129.10 konnte, ging er dazu ^uber, dieselben durch ^uberall zu erhaltende Stoffe zu ersetzen. $0129.11 Sein sog. #s+wohlfeiler Beton#s- besteht aus 7 Teilen Sand, Kies und Ger^olle, 3 Teilen $0129.12 fettem, ungebranntem Thon und 1 Teil ungel^oschtem Kalk. Wenn n^otig, verwendet $0129.13 #/+Coignet#/- auch gew^ohnliche reine Erde. In beiden F^allen hat man es also mit einer $0129.14 Erd- oder Lehmstampfmasse zu thun, welcher etwas Kalk zugesetzt ist. Das Verlassen $0129.15 des Schlackenzusatzes war keine Verbesserung; denn vom wohlfeilen Beton ist nicht $0129.16 viel mehr als vom Erd- oder Lehmstampfbau zu erwarten#H:260#G:).

$0129.17

__Eine zum Stampfbau geeignete Masse liefert eine Mischung von Steinkohlen-143.|Asche-|stampfbau. $0129.18 asche oder Steinkohlenschlacke mit Kalk. Es handelt sich hierbei zumeist um eine $0129.19 Verwertung von oft l^astig werdenden Abfallstoffen, um Ersatz des Sandes im Kalk- $0129.20 m^ortel durch einen billiger zu habenden oder wohl auch zu beseitigenden Stoff, den $0129.21 man nicht weiter verwendet, wenn seine Beschaffung Schwierigkeiten oder erhebliche $0129.22 Kosten verursacht. Doch besitzt derselbe Eigenschaften, die ihn an sich oft zur Be- $0129.23 reitung von hydraulischem M^ortel geeignet erscheinen lassen. Schon #/+Vicat#/-#H:261#G:) unter- $0129.24 suchte ihn daraufhin und fand, da^s die bei einem langsamen Feuer zu Asche ge- $0129.25 brannte Steinkohle besser ist als die harten und zerreiblichen, schweren oder leichten $0129.26 Schlacken. Er fand auch, da^s die Asche und die Schlacken, je nach der mehr $0129.27 oder weniger kr^aftigen Wirkung der Puzzolane, besser mit Fettkalk, bezw. schwach $0129.28 hydraulischem Kalk oder mit stark hydraulischem Kalk zu mischen sind.

$0129.29

__Der Aschestampfbau oder Cendrinbau ist seit etwa Mitte dieses Jahrhunderts $0129.30 in ziemlicher Ausdehnung in der Gegend von Lyon verwendet worden. Ein Be- $0129.31 richt #/+Louvier#/-'s an die #/+Soci%/et%/e centrale des architectes#/- macht dar^uber n^ahere Mit- $0129.32 teilungen#H:262#G:). Nach demselben ist das ^ubliche Mischungsverh^altnis: 4 Teile Schlacke $0129.33 auf 1 Teil Kalk. Man hat gefunden, da^s mit Fettkalk bei etwas h^oherem Kalk- $0129.34 zusatz mehr Festigkeit erzielt wird als mit hydraulischem Kalk in dem angegebenen $0129.35 Verh^altnis. Die Herstellung der Mauern aus Aschestampfmasse erfolgt in derselben $0129.36 Weise wie beim Erdstampfbau, wobei die H^ohe der zu stampfenden Schichten zu $0129.37 12#H:cm#G: angenommen wird. Da die gew^ohnliche St^arke von Au^senmauern 50#H:cm#G:, die $0129.38 von Scheidemauern 15 bis 20#H:cm#G: ist, so kann die Festigkeit der Masse keine sehr $0129.39 bedeutende sein; sie ist offenbar wesentlich geringer als die des beim Betonbau be- $0129.40 sprochenen Schlackenbetons mit Portlandcement. Die Mauern sollen sich sehr gut $0129.41 im Feuer gehalten haben.

$0 @@3@ ---------- $0129.42 <-P>Journ., Bd. 140, S. 101. -- #/+Moniteur des arch.#/- 1867, S. 210. -- Zeitschr. d. ^ost. Ing.- u. Arch.-Ver. 1864, S. 279. -- Allg. Bauz. $0129.43 1865, S. 1. -- #/+Revue g%/en. de l'arch.#/- 1868, S. 116, 167. -- #/+La semaine des constr.,#/- Jahrg. 1, S. 87; Jahrg. 10, S. 270, 484. -- $0129.44 Eisenb. 1876, S. 244. -- #k+Reid,#k- H. #/+A practical treatise#/- etc. London 1879. S. 163.

$0129.45

__#H:259#G:) Weitere Mitteilungen in der 1. Auflage dieses Heftes (Art. 143, S. 146).

$0129.46

__#H:260#G:) Desgl. Art. 144, S. 146.

$0129.47

__#H:261#G:) Siehe: Neue Versuche ^uber den Kalk und M^ortel. Aus dem Franz^osischen ^ubersetzt. Berlin u. Posen 1825.

$0129.48

__#H:262#G:) Siehe: #/+La semaine des constr.,#/- Jahrg. 9, S. 560. -- Wochbl. f. Baukde. 1885, S. 275. -- #/+Le g%/enie civile#/- 1885, $0129.49 Bd. 7, S. 10.

@@1@ $0130.01

__Nach unten stehender Quelle#H:263#G:) ist in M%/enilmontant ein vierst^ockiges Haus $0130.02 aus #/+M%0 bis $0130.04 1,5#H:cbcm#G: gro^s, wurden in 4 bis 5#H:cm#G: dicken Schichten in die Formkasten gesch^uttet; $0130.05 darauf folgte der ziemlich fl^ussige, rasch bindende Kalk, und dann wurde gestampft $0130.06 und in derselben Reihenfolge fortgefahren. Die Ersparnis soll 35 bis 40 Prozent $0130.07 gegen Ziegelmauerwerk betragen haben. F^ur die Scheidew^ande scheinen aus der- $0130.08 selben Masse geformte Platten in Anwendung gekommen zu sein.

$0130.09

__Auch in Deutschland ist der Aschestampfbau in Anwendung gekommen und $0130.10 nach den Mitteilungen #/+Berndt#/-'s#H:265#G:) mit gro^sem Erfolg. Derselbe mischt Stein- $0130.11 kohlenasche, Kalk und Stra^senschmand (Kot). Frische Steinkohlenasche wird nur $0130.12 empfohlen bei Zumengung von trockenem Stra^senschmand (2 Teile Asche auf 1 Teil $0130.13 von letzterem). Vorgezogen wird alte ausgewitterte Asche, bei welcher auf 3 Teile $0130.14 1 Teil Stra^senschmand genommen wird. Der zur Verwendung kommende hydrau- $0130.15 lische Kalk mu^s sehr gut zu Staub gel^oscht sein. Es werden von demselben 1 Teil $0130.16 auf 3 Teile Mischung von Asche mit Stra^senschmand gerechnet. Das Mengen mu^s $0130.17 sehr innig erfolgen, und die Masse darf nur so feucht werden, da^s sie sich in der $0130.18 Hand zu festen Klumpen ballen l^a^st. Die Ausf^uhrung der Mauern erfolgt genau, $0130.19 wie beim Erdstampfbau. Wegen der Einzelheiten ist auf das in Fu^snote 265 er- $0130.20 w^ahnte Schriftchen zu verweisen.

$0130.21

__Nach einer anderen Mitteilung#H:266#G:) ist die Verwendung von Asche und Kohlen- $0130.22 schlacke zum H^auserbau auch in Westfalen und im Braunschweigischen weit ver- $0130.23 breitet, f^uhrt aber Mi^sst^ande mit sich und gilt nur als ein Notbehelf bei Mangel $0130.24 an Sand und Kies. Die Bedenken gegen die Verwendung von Kohlenschlacke zum $0130.25 H^auserbau erscheinen gerechtfertigt, wenn man das gro^se Wasserfassungsverm^ogen $0130.26 der Schlacken und deren Neigung zur Wasseraufnahme in das Auge fa^st.

$0130.27 144.|Gipsbeton

__Die vielen ^ublen Erfahrungen, die man mit aus Gips angefertigten Bauteilen $0130.28 bez^uglich ihrer Witterungsbest^andigkeit gemacht hat, haben es mit sich gebracht, $0130.29 da^s man den Gipsm^ortel im allgemeinen nur zu Konstruktionen im Inneren von $0130.30 Geb^auden verwendet und auch da nur mit Vorsicht, weil die verh^altnism^a^sig starke $0130.31 Ausdehnung, die derselbe beim Erstarren erleidet, zu erheblichen Nachteilen f^uhren $0130.32 kann. Die ausgedehntere Verwendung des Gipses zu Baukonstruktionen ist, trotz $0130.33 seiner gro^sen Bindekraft und raschen Erh^artung und der auf letzterer beruhenden $0130.34 Verwendungsf^ahigkeit bei geringeren K^altegraden, wohl auch durch sein begrenztes $0130.35 Vorkommen und das rasche Verderben bei ungen^ugender Verpackung, beschr^ankt $0130.36 worden. Doch auch da, wo der Gips in gro^sen Mengen vorkommt, wo also die $0130.37 Schwierigkeiten und Kosten des Verschickens geringer sind, hat man meist, wie in $0130.38 Paris, W^ande nur im Inneren von Geb^auden daraus hergestellt.

$0130.39

__In Paris werden die Scheidew^ande der Geb^aude sehr viel aus gegossenen Gipsplatten (#/+Carreaux de $0130.40 pl%4#H:cm#G: bis 16,0#H:cm#G: Dicke $0130.41 sind. Dieselben werden mitunter auch hohl gegossen, um sie leichter und schalld^ampfender zu machen. $0130.42 Sie werden mit Gipsm^ortel vermauert, f^ur dessen Aufnahme die Fugenfl^achen mit Nuten versehen sind#H:267#G:). $0130.43 Dem Gipsm^ortel setzt man bis zu {1/4} der Menge #/+Musique#/- zu, d. i. Staub von Gipsabf^allen, um die Aus- $0130.44 dehnung zu verringern#H:268#G:).

$0 @@3@ ---------- $0130.45

__#H:263#G:) #/+Nouv. annales de la constr.#/- 1880, S. 36.

$0130.46

__#H:264#G:) #/+M%

$0130.47

__#H:265#G:) In: Der Asche- und Erd-Stampfbau. 2. Aufl. Leipzig 1875.

$0130.48

__#H:266#G:) In: #k+Haarmann#k-'s Zeitschr. f. Bauhdw. 1885, S. 105.

$0130.49

__#H:267#G:) Siehe: #k+Chabat,#k- P. #/+Dictionnaire des termes employ%/es dans la construction.#/- Bd. I. Paris 1881. S. 387.

$0130.50

__#H:268#G:) Siehe: #k+Bosc,#k- E. #/+Dictionnaire raisonn%/e d'architecture.#/- Bd. 3. Paris 1879. S. 279.

@@1@ $0131.01

__Nach dem Verfahren #/+Goupil#/-'s#H:269#G:) sollen auch Umfassungsmauern aus hohlen $0131.02 oder vollen Gipsbl^ocken hergestellt werden k^onnen, indem man sie mit einem Ueber- $0131.03 zuge von Cement und anderen wasserundurchl^assigen Stoffen versieht. Der Cement- $0131.04 putz soll sich infolge eines vom Erfinder angewendeten besonderen Mittels fest mit $0131.05 dem Gips verbinden.

$0131.06

__Die geringe Best^andigkeit des Gipses gegen Witterung und Feuchtigkeit r^uhrt $0131.07 wohl haupts^achlich davon her, da^s man ihn ohne geeigneten Zusatz und zu fl^ussig $0131.08 zum Gie^sen verwendet und in solcher Weise sehr porige und wenig feste Massen $0131.09 erzielt. Denn in einigen Gegenden, insbesondere im Harz, wo der Gips schon im $0131.10 fr^uhen Mittelalter sehr ausgedehnt und in Mischung mit Grand benutzt wurde, hat $0131.11 man sehr gute Erfahrungen mit ihm als Baustoff gemacht. So findet man ihn in $0131.12 Ruinen, z. B. an der Burg von Osterode, welche schon 1350 in Tr^ummern lag, jetzt $0131.13 noch fester als die Steine, die er verbindet. Dies hat in neuerer Zeit zur Anwendung $0131.14 des #s+Gipsbetons#s- oder #s+Annaliths#s- zum Bau von H^ausern, Einfriedigungsmauern $0131.15 und Fabrikschornsteinen veranla^st. Derselbe besteht aus scharf gebranntem (lang- $0131.16 sam bindendem) Osteroder Gips, reinem, scharfem, grobk^ornigem Sand oder Grand $0131.17 und gr^o^seren (erdfreien) Steinen (Flu^skieseln, Abf^allen von Bruchsteinen, Back- $0131.18 steinen u. s. w.) und wird in Formen gef^ullt, die entweder als feste Form f^ur das $0131.19 ganze Bauwerk, oder als bewegliche Form, ganz ^ahnlich denjenigen f^ur die Stampf- $0131.20 bauten, oder als eine Verbindung dieser beiden Weisen hergestellt werden. Das $0131.21 Bauen geht in der Weise vor sich, da^s man in die Formen zun^achst die Steine $0131.22 f^ullt und dann die Zwischenr^aume mit einer Mischung aus 2 Teilen Gips, 1 Teil $0131.23 Sand und {1{1/2}} Teil Flu^s- oder Regenwasser ausgie^st. Bei den beweglichen Formen $0131.24 (etwa 1#H:m#G: hoch und 2 bis 3#H:m#G: lang) werden, nachdem dieselben gef^ullt sind, in die $0131.25 fl^ussige Masse gr^o^sere Steinst^ucke eingedr^uckt, welche zur H^alfte vorstehen und so $0131.26 eine gute Verbindung mit dem dar^uber folgenden H^ohenabschnitte liefern. Die Schorn- $0131.27 steine erhalten ein Backsteinfutter. Die W^ande k^onnen auch hohl hergestellt werden. $0131.28 Wagrechte Vorspr^unge sind m^oglichst zu vermeiden, so da^s die architektonische $0131.29 Ausbildung noch schwieriger als bei den Cementbetonbauten ist.

$0131.30

__Zur Abdeckung von Sockeln und Einfriedigungsmauern werden gew^ohnlich $0131.31 Sand- oder Backsteine verwendet; auch h^alt man es f^ur zweckm^a^sig, die Gipsbeton- $0131.32 mauern durch Isolierschichten von den Grundmauern zu trennen; doch nimmt man $0131.33 keinen Anstand, diese auch aus Annalith herzustellen. Eine ausf^uhrliche Darstellung $0131.34 dieser Bauweise findet sich in unten angegebener Quelle#H:270#G:). Nach derselben sind zum $0131.35 Bau von W^anden im Harz auch volle und hohle Quader aus Annalith gefertigt worden.

$0131.36

__Von Einflu^s auf die Festigkeit und Wetterbest^andigkeit des Gipsm^ortels scheint $0131.37 auch der Hitzegrad beim Brennen des Gipses zu sein. Der gew^ohnlich zur Ver- $0131.38 wendung kommende Gips (Stuckgips) wird bei 120 bis 130 Grad gebrannt und ver- $0131.39 liert nur etwa {3/4} seines Wassers; er erh^artet beim Anmachen mit Wasser sehr rasch, $0131.40 erlangt aber nur wenig Festigkeit und Wetterbest^andigkeit. Anders ist es mit dem $0131.41 bei 400 bis 500 Grad, bezw. Rotglut gebrannten und vollst^andig entw^asserten Gips; $0131.42 derselbe nimmt Wasser nur sehr langsam (erst im Verlaufe von Wochen) und in ge- $0131.43 ringerer Menge wieder auf; er wird aber sehr fest, dicht und wetterbest^andig#H:271#G:).<-P> $0 @@3@ ---------- $0131.44

__#H:269#G:) Siehe: #/+La maison %/economique et hygi%/enique. L'architecture#/- 1888, S. 60.

$0131.45

__#H:270#G:) #k+Heusinger v. Waldegg,#k- E. Der Gypsbrenner, Gypsgie^ser und Gypsbaumeister, sowie T^unch- und Stuckarbeiter. $0131.46 Leipzig 1867. S. 283 u. ff.

$0131.47

__#H:271#G:) Siehe: Deutsche Bauz. 1889, S. 415, 461 -- ferner: #k+Feichtinger,#k- G. Die chemische Technologie der M^ortel- $0131.48 materialien. Braunschweig 1885. S. 371.

@@1@ $0132.01 <-P>Beim Erh^arten findet eine Ausdehnung nicht statt. Zu Konstruktionen, die der $0132.02 Witterung oder Abnutzung ausgesetzt sind, sollte daher nur dieser sog. Estrich-, $0132.03 Boden- oder Mauergips, am S^udharz auch #.>Gipskalk#.< genannte Gips verwendet $0132.04 werden.

$0132.05 145.|Asphaltbeton.

__Der Asphaltbeton wird bis jetzt nur zur Herstellung von Maschinengr^undungen $0132.06 benutzt. Die Ausf^uhrungsweise derselben ist im vorhergehenden Bande (Art. 411, $0132.07 S. 293 [2. Aufl.: Art. 421, S. 327]) dieses #.>Handbuches#.< besprochen worden.

$0132.08 @z ------ $0132.09 @Z 6. #s+Kapitel.#s- $0132.10 @Z W^ande aus Holz und Stein. $0132.11 @Z (Holzfachwerkbau.) $0132.12 146.|Vor-|bemerkungen.

__Im Hinblick auf den Baustoff sind von W^anden, die mit Hilfe von Holz er- $0132.13 richtet werden, zwei Hauptgattungen zu unterscheiden: solche, die nur aus Holz be- $0132.14 stehen, und solche, die aus Holz und anderen festen oder fest werdenden Stoffen $0132.15 zusammengesetzt werden. Die ersteren nennen wir #s+Holzw^ande,#s- die letzteren, der $0132.16 ^ublichsten Bezeichnungsweise folgend, #s+Holzfachwerkw^ande.#s- Bei den letzteren, $0132.17 wie bei der Mehrzahl der ersteren, werden Gerippe aus beschlagenem oder ge- $0132.18 schnittenem Bauholz gebildet und die Zwischenr^aume derselben, die F^acher oder $0132.19 Gefache, in irgend einer geeigneten Weise ausgef^ullt oder ^uberdeckt, um eine ge- $0132.20 schlossene Wand herzustellen. Beide Gattungen von W^anden haben also in vielen $0132.21 F^allen einen wichtigen Bauteil, das Holzgerippe oder Holzger^ust, gemeinsam und $0132.22 k^onnten demnach, was auch meist der Fall ist, zusammenfassend besprochen werden. $0132.23 Wir haben jedoch die in diesem Teile des #.>Handbuches der Architektur#.< durch- $0132.24 gef^uhrte Trennung der in Beziehung auf den Zweck in Gruppen vereinigten Kon- $0132.25 struktionen nach den wichtigsten Baustoffen vorgezogen. Der geschichtlichen Ent- $0132.26 wickelung entsprechend w^urden allerdings die ganz aus Holz gebildeten W^ande den $0132.27 Fachwerkw^anden im engeren Sinne voranzustellen gewesen sein. Bei den letzteren $0132.28 tritt jedoch das erw^ahnte Holzgerippe am deutlichsten und ausgebildetsten auf, wes- $0132.29 halb die vorangehende Besprechung derselben zweckdienlich erschien.

$0132.30 @z a) Holzgerippe. $0132.31 147.|Gattungen.

__F^ur die Anordnung der Fachwerkw^ande, welche oft auch mit den Namen $0132.32 #.>Fachw^ande, Riegelw^ande, Bundw^ande#.< bezeichnet werden, ergeben sich Verschieden- $0132.33 heiten, je nachdem dieselben nur ein Gescho^s hoch sind oder in mehreren Stock- $0132.34 werken aufeinander folgen, je nachdem sie einen Unterbau haben oder ^uber dem $0132.35 Hohlen auszuf^uhren sind, und je nachdem ihr Holzwerk verh^ullt wird oder sichtbar $0132.36 bleibt. Abgesehen von R^ucksichten, die auf die Einwirkung von Witterung und $0132.37 Feuchtigkeit zu nehmen sind, werden nach letzterer Richtung hin auch Unterschiede $0132.38 zwischen Umfassungsw^anden und Scheidew^anden zu machen sein. W^ahrend bei $0132.39 diesen das Holzgerippe fast immer verh^ullt wird und daher auf die n^otigen Teile $0132.40 einzuschr^anken ist, bleibt es bei jenen h^aufig ^au^serlich sichtbar und wird deshalb $0132.41 nur des Aussehens wegen oft noch mit Bestandteilen ausgestattet, die f^ur die Aus- $0132.42 f^uhrung nicht unbedingt n^otig sind.

@@1@ $0133.01

__Bei allen Gattungen von Fachwerkw^anden kehren gewisse Konstruktionsteile $0133.02 immer wieder und auch sehr h^aufig in derselben allgemeinen Anordnung des Ge- $0133.03 rippes, so da^s es sich empfiehlt, zun^achst diese zu besprechen.

$0133.04

__Die Holzgerippe der Fachwerkw^ande bestehen aus lotrechten und wagrechten148.|Allgemeine|Anordnung. $0133.05 H^olzern, zu denen h^aufig noch schr^ag gerichtete hinzutreten, um die W^ande in ihrer $0133.06 L^angenrichtung in sich unverschieblich zu machen. Ein Umfallen der Wand wird $0133.07 gew^ohnlich durch die quer zu ihr gestellten anderen W^ande des Geb^audes verhindert. $0133.08 Zwischen diesen