<book>
<page no="2"/>
<line no="1" page="2"/>   <center><fontsize change="+2"><spacing>DIE HOCHBAUKONSTRUKTIONEN.</spacing></fontsize>
<line/>  <hr/>
<line no="2" page="2"/>   <fontsize change="+2">DRITTE ABTEILUNG.</fontsize>
<line no="3" page="2"/>   <fontsize change="+3"><spacing>RAUMBEGRENZENDE
<line no="4" page="2"/>   KONSTRUKTIONEN.</spacing></fontsize>
<line no="5" page="2"/>   <hr/></center>
<page no="3"/>
<line no="1" page="3"/>   <center><fontsize change="+1">Allgemeines.</fontsize></center>
<line no="2" page="3"/>  <P> Wenn man von gewissen Denkmälern und einigen anderen Schöpfungen des
<line no="3" page="3"/>  Architekten absieht, so haben die Bauwerke fast ausnahmslos den Zweck, <spacing>begrenzte
<line no="4" page="3"/>  Räume</spacing> zu schaffen. Hierdurch sowohl, als auch durch die Anforderungen der
<line no="5" page="3"/>  Zweckmäßigkeit und durch die Gesetze der Statik sind für alle Gebäudearten gewisse
<line no="6" page="3"/>  Grundbestandteile bedingt, die man nicht selten als die »Elemente der Baukunst«<footnote to="1"/>
<line no="7" page="3"/>  bezeichnet hat. Dazu gehören die <spacing>begrenzende Wand</spacing> und das <spacing>schützende Dach.</spacing></P>
<line no="8" page="3"/>  <P> Bei manchen Bauwerken ist das Dach zugleich <spacing>raumbegrenzende Decke;</spacing>
<line no="9" page="3"/>  meistens findet aber eine Trennung beider Elemente statt, und das Dach erscheint
<line no="10" page="3"/>  alsdann als schützende Konstruktion der <spacing>eigentlichen raumbegrenzenden
<line no="11" page="3"/>  Decke.</spacing></P>
<line no="12" page="3"/>  <P> Die raumbegrenzende Konstruktion (Wand und Decke) kann als <spacing><break>raumabschließend</break>
<line no="13" page="3"/>  </spacing> oder als <spacing>raumtrennend</spacing> auftreten, je nachdem sie den Raum nach
<line no="14" page="3"/>  außen hin <spacing>abschließt</spacing> oder denselben von einem daneben, bezw. einem darüber
<line no="15" page="3"/>  gelegenen Innenraume <spacing>trennt</spacing><footnote to="2"/>.</P>
<line no="16" page="3"/>  <P> Manche Bauwerke bedingen bloß eine <spacing>seitliche Begrenzung</spacing> des von ihnen
<line no="17" page="3"/>  eingeschlossenen Raumes, so daß alsdann nur die volle oder gegliederte Wand, die
<line no="18" page="3"/>  Einfriedigung, das Geländer, die Brüstung etc. als raumabschließende Konstruktion
<line no="19" page="3"/>  auftreten. In den weitaus meisten Fällen wird aber auch eine <spacing>nach oben <break>begrenzende</break>
<line no="20" page="3"/>  </spacing> Konstruktion erforderlich: das Dach, bezw. die Decke.</P>
<line no="21" page="3"/>  <P> Die Ausdehnung der Raumanlage, die zu Gebote stehenden Baustoffe und die
<line no="22" page="3"/>  verfügbaren mechanischen Hilfsmittel bedingen hauptsächlich die verschiedenen <break>Konstruktionen.</break>
<line no="23" page="3"/>   Besonders ist es die Gestaltung der Decke, bezw. des Daches, welche
<line no="24" page="3"/>  durch jene Faktoren die mannigfaltigsten Anordnungen erfährt und die alsdann
<line no="25" page="3"/>  wiederum bestimmend auf die Bildung der tragenden oder stützenden Wand <break>einwirkt.</break>
<line no="26" page="3"/>   Doch sind auch auf die Konstruktion der letzteren die genannten Faktoren
<line no="27" page="3"/>  von bedeutendem und unmittelbarem Einfluß. Große Räume erfordern häufig <break>innerhalb</break>
<line no="28" page="3"/>   der Wandbegrenzung noch frei stehende Stützen, sog. <spacing>Freistützen,</spacing> als <break>besondere</break>
<line no="29" page="3"/>   Träger der raumbegrenzenden Decke, bezw. des raumbegrenzenden Daches.</P>
<line no="30" page="3"/>  <P> Die der in Rede stehenden Abteilung des »Handbuches der Architektur« <break>angehörenden</break>
<line no="31" page="3"/>   baulichen Anlagen und Einrichtungen werden im nachstehenden wie
<line no="32" page="3"/>  folgt gruppiert:</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="33" page="3"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="1"/> Siehe: <smallcaps>Semper,</smallcaps> G. Die vier Elemente der Baukunst. Braunschweig 1851.</fontsize></P>
<line no="34" page="3"/>  <indent level="1"><P><fontsize change="-2"><smallcaps>Adler,</smallcaps> F. Die Weltstädte in der Baukunst. Berlin 1868.</fontsize></P></indent>
<line no="35" page="3"/>  <indent level="1"><P><fontsize change="-2"><smallcaps>Bühlmann,</smallcaps> A. Die Architektur des klassischen Altertums und der Renaissance. 1. Abt. Stuttgart 1872&#8211;75.</fontsize></P></indent>
<line no="36" page="3"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="2"/> Siehe auch: Teil IV, Halbband 1 (Abt. 1, Abschn. 3, Kap. 2: Raumbildung) dieses »Handbuches«.</fontsize></P>
<page no="4"/>
<line no="1" page="4"/>  <P> 1) Wände und Wandöffnungen (siehe das vorliegende Heft).</P>
<line no="2" page="4"/>  <P> 2) Einfriedigungen, Brüstungen und Geländer; Balkone, Altane und Erker
<line no="3" page="4"/>  (siehe Teil III, Band 2, Heft 2).</P>
<line no="4" page="4"/>  <P> 3) Gesimse (siehe Teil III, Band 2, Heft 2).</P>
<line no="5" page="4"/>  <P> 4) Balkendecken; gewölbte Decken; verglaste Decken und Deckenlichter; sonstige
<line no="6" page="4"/>  Decken-Konstruktionen (siehe Teil III, Band 2, Heft 3).</P>
<line no="7" page="4"/>  <P> 5) Dächer im allgemeinen; Dachformen; Dachstuhl-Konstruktionen (siehe Teil III,
<line no="8" page="4"/>  Band 2, Heft 4).</P>
<line no="9" page="4"/>  <P> 6) Dachdeckungen; verglaste Dächer und Dachlichter; massive Steindächer;
<line no="10" page="4"/>  Nebenanlagen der Dächer (siehe Teil III, Band 2, Heft 5).</P>
<line no="11" page="4"/>   <center><hr/></center>
<page no="5"/>
<line no="1" page="5"/>   <center><spacing>RAUMBEGRENZENDE KONSTRUKTIONEN.</spacing>
<line no="2" page="5"/>   <fontsize change="+1">1. Abschnitt.</fontsize>
<line no="3" page="5"/>   <fontsize change="+2">Seitlich begrenzende Konstruktionen.</fontsize>
<line no="4" page="5"/>   <fontsize change="+1">A. Wände.</fontsize>
<line no="5" page="5"/>   Von <smallcaps>Erwin Marx.</smallcaps></center>
<line no="6" page="5"/>  <P> Die nachstehend zu besprechenden Konstruktionen sind unter der Bezeichnung<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">1.|Vor-|bemerkungen.</fontsize></sidenote>
<line no="7" page="5"/>  »Wände« zusammengefaßt worden, weil diese für stehende Raumabschlüsse aus allen
<line no="8" page="5"/>  möglichen Baustoffen gilt, also z. B. auch für solche aus Textilstoffen. Der Name
<line no="9" page="5"/>  »Mauer« dagegen hat eine weit eingeschränktere Bedeutung und ist im allgemeinen
<line no="10" page="5"/>  nur anwendbar bei Benutzung von Mineralstoffen, die gewöhnlich durch den Maurer
<line no="11" page="5"/>  zusammengefügt werden. Die Mauern bilden daher bloß einen, wenn auch sehr
<line no="12" page="5"/>  wichtigen Teil der hier zu behandelnden Wandbauweisen; sie sind nur eine Art
<line no="13" page="5"/>  der Wände, wenn wir diese nach dem Baustoff einteilen, wie hier geschieht.</P>
<line no="14" page="5"/>  <P> Die Wände lassen sich aber auch noch nach anderen Gesichtspunkten <break>unterscheiden,</break>
<line no="15" page="5"/>   die hier Erwähnung finden müssen, da sie für die Benennungen derselben
<line no="16" page="5"/>  bestimmend sind.</P>
<line no="17" page="5"/>  <P> Dies sind die Beanspruchungen durch physikalische Einflüsse und die Beziehungen
<line no="18" page="5"/>  zur räumlichen Begrenzung und Teilung der Bauwerke und Grundstücke.</P>
<line no="19" page="5"/>  <P> In ersterer Hinsicht unterscheidet man nach der Beanspruchung durch <break>Belastungen</break>
<line no="20" page="5"/>   &#8212; Tragwände, durch seitliche Drücke &#8212; Stütz- oder Widerlagswände,
<line no="21" page="5"/>  durch Feuchtigkeit, hohe oder niedere Temperaturen und Schall &#8212; Isolierungswände,
<line no="22" page="5"/>  durch Feuer &#8212; Brand- und Feuermauern. Die physikalischen Einflüsse können einzeln
<line no="23" page="5"/>  oder zu mehreren gleichzeitig auftreten; die Benennung erfolgt aber nach dem
<line no="24" page="5"/>  hauptsächlich in Betracht kommenden. Hier gelangen nur die Wände insoweit zur
<line no="25" page="5"/>  Besprechung, als dies nicht wegen ihrer engen Beziehung zu sonstigen Konstruktionen
<line no="26" page="5"/>  in anderen Abschnitten dieses »Handbuches« geschieht.</P>
<line no="27" page="5"/>  <P> Nach der Teilung der Gebäude in lotrechter Richtung spricht man von
<line no="28" page="5"/>  Grund- oder Fundamentmauern, Sockel- oder Plinthenmauern, Geschoß- und <break>Kniestockwänden.</break>
<line no="29" page="5"/>  </P>
<line no="30" page="5"/>  <P pagebreak="firstpart"> Die Umgrenzung und Teilung der Gebäude in Beziehung auf ihre wagrechte
<line no="31" page="5"/>  Erstreckung veranlaßt die Bezeichnungen: Hauptwände und Nebenwände, <break>Umfassungs-,</break>
<line no="32" page="5"/>   Mittel-, Scheide- und Zwischenwände, äußere und innere Wände. <break>Dieselben</break>
<line no="33" page="5"/>   haben zum Teile die gleiche Bedeutung. Die Umfassungswände zerfallen
<line no="34" page="5"/>  nach ihrer Lage zur Umgebung in Front- oder Stirn- und in Seiten- oder Giebel-</P>
<page no="6"/>
<line no="1" page="6"/>  <P pagebreak="secondpart">wände. Gehören die letzteren zwei Nachbarn zusammen, so spricht man von <break>gemeinschaftlichen</break>
<line no="2" page="6"/>   oder Kommunwänden. Die besondere Lage der Wände bedingt
<line no="3" page="6"/>  die Benennungen: Keller-, Brüstungs-, Treppen- und Schornsteinwände.</P>
<line no="4" page="6"/>  <P> Die Wände zur Umgrenzung der Grundstücke heißen Einfriedigungs- oder
<line no="5" page="6"/>  Umgrenzungswände (siehe unter C).</P>
<line no="6" page="6"/>  <P> Alle diese Bezeichnungen erklären sich selbst. Die besondere Bestimmung der
<line no="7" page="6"/>  Wände und die physikalischen Einflüsse, denen sie unterliegen, bedingen die jeweilige
<line no="8" page="6"/>  Bauweise und Wahl des Stoffes.</P>
<line no="9" page="6"/>  <P> Wenn nun auch die Wandkonstruktionen im nachstehenden nach den einzelnen
<line no="10" page="6"/>  Baustoffen und Baustoffzusammenstellungen getrennt zur Besprechung gelangen, so
<line no="11" page="6"/>  lassen sich doch gewisse Dinge, wie die Wandstärken und -Verstärkungen und der
<line no="12" page="6"/>  Schutz der Wände gegen Feuchtigkeit in der Hauptsache zusammenfassend <break>behandeln,</break>
<line no="13" page="6"/>   weshalb dieselben in besondere Kapitel verwiesen sind.</P>
<line no="14" page="6"/>   <hr/>
<chapter no="1" title="Mauern aus Quadern. (Hausteinbau.)"> <line no="15" page="6"/>   <title> 1. <spacing>Kapitel.</spacing>
<line no="16" page="6"/>   <fontsize change="+1">Mauern aus Quadern.</fontsize>
<line no="17" page="6"/>  (Hausteinbau.)  </title>
<line no="18" page="6"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">2.|Stoff.</fontsize></sidenote><P> Unter Quadern versteht man regelmäßig geformte Steine von solch ansehnlichen
<line no="19" page="6"/>  Abmessungen (siehe den vorhergehenden Band dieses »Handbuches«, S. 9 u. 60
<line no="20" page="6"/>  [2. Aufl.: S. 10 u. 61]), daß man sie gewöhnlich und zweckmäßigerweise mit Hilfe
<line no="21" page="6"/>  von Hebemaschinen versetzt. Nur bei den Quadern von natürlichen Steinen spricht
<line no="22" page="6"/>  man von Hausteinbau; künstliche Quader, die übrigens im Hochbau nur <break>ausnahmsweise</break>
<line no="23" page="6"/>   Anwendung finden, sind daher hier außer Betracht gelassen.</P>
<line no="24" page="6"/>  <P> Zur Herstellung der Quader, über deren Bearbeitung in Teil I, Band 1, erste
<line no="25" page="6"/>  Hälfte (Art. 30 u. ff., S. 91 u. ff. [2. Aufl.: Art. 42 u. ff., S. 100 u. ff.]) dieses »<break>Handbuches«</break>
<line no="26" page="6"/>   das Nötige mitgeteilt wurde, werden zumeist die verschiedenen Sand- und
<line no="27" page="6"/>  Kalksteine verwendet; doch werden aus örtlicher Veranlassung oder <break>Zweckmäßigkeitsgründen</break>
<line no="28" page="6"/>   auch viele andere Felsarten, wie besonders Granit, Syenit, Diorit, Gneis,
<line no="29" page="6"/>  Trachyt, Lava etc. benutzt. Manche der letzteren Steinarten werden häufig auch
<line no="30" page="6"/>  wegen ihrer Politurfähigkeit und dadurch bedingten schönen Erscheinung bei <break>Prachtbauten</break>
<line no="31" page="6"/>   herangezogen. Uebrigens ist man heutigentags infolge der entwickelten <break>Verkehrsmittel</break>
<line no="32" page="6"/>   wenig mehr an die Gesteine des Bauortes gebunden. Diesen gegenüber
<line no="33" page="6"/>  können oft solche in weit entfernten Gegenden vorkommende durch ihre Schönheit
<line no="34" page="6"/>  bei geringerem Preise in Wettbewerb treten. Besonders kommt dieser Wettbewerb
<line no="35" page="6"/>  in Frage bei Orten, in deren unmittelbarer Nähe selbst sich keine verwendbaren
<line no="36" page="6"/>  natürlichen Steine finden<footnote to="3"/>.</P>
<line no="37" page="6"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">3.|Anwendung.</fontsize></sidenote><P pagebreak="firstpart"> Sichtbares Quadermauerwerk kommt zumeist nur bei den Umfassungsmauern
<line no="38" page="6"/>  (äußere und Hofseiten) zur Anwendung. Monumentale Gebäude machen hiervon
<line no="39" page="6"/>  öfters eine Ausnahme; so läßt man oft im Inneren der Kirchen, in Eingangs- und
<line no="40" page="6"/>  anderen Hallen, Treppenhäusern von öffentlichen Bauwerken und Palästen den Stein
<line no="41" page="6"/>  in seiner natürlichen Farbe und Fügung sichtbar und erhöht wohl auch den Reiz
<line no="42" page="6"/>  seiner Erscheinung durch Politur. Namentlich häufig findet man diese sog. »reine</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="43" page="6"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="3"/> So kommen in Berlin neben allen besseren deutschen Sandsteinen und verschiedenen französischen Kalksteinen neuerer
<line no="44" page="6"/>  Zeit sogar Sandsteine aus der Schweiz für Hausteinbauten zur Verwendung.</fontsize></P>
<page no="7"/>
<line no="1" page="7"/>  <P pagebreak="secondpart">Arbeit« im Inneren von Monumentalbauten in Frankreich, und dadurch mag wohl
<line no="2" page="7"/>  der dortige hohe Stand der Kunst des Steinschnittes mit herbeigeführt worden sein.
<line no="3" page="7"/>  Für Räume, in denen sich längere Zeitabschnitte hindurch Menschen aufzuhalten
<line no="4" page="7"/>  haben, eignet sich jedoch diese Behandlung der Wandfläche nicht, da derselben das
<line no="5" page="7"/>  wohnliche Gepräge abgeht. Dieser Mangel ist auch physikalisch dadurch begründet,
<line no="6" page="7"/>  daß die in Frage kommenden natürlichen Steine meist gute Wärmeleiter sind und
<line no="7" page="7"/>  daher mehr oder weniger zum Niederschlag von Feuchtigkeit Veranlassung geben.</P>
<line no="8" page="7"/>  <P> Wie schon im vorhergehenden Bande (Art. 8, S. 9 u. Art. 81, S. 66 [2. Aufl.:
<line no="9" page="7"/>  Art. 8, S. 10 u. Art. 81, S. 67]) dieses »Handbuches« ausgeführt wurde, kommen die
<line no="10" page="7"/>  Quader entweder für sich allein (<spacing>volle Quadermauer</spacing>) oder in Verbindung mit
<line no="11" page="7"/>  anderen Steinmaterialien zur Herstellung von Mauern in Anwendung. Im zweiten
<line no="12" page="7"/>  Falle war zu unterscheiden zwischen <spacing>Quaderverblendung</spacing> und <spacing>Steinfachwerk.</spacing>
<line no="13" page="7"/>  Bei ersterem bilden die Quader zumeist die äußere, zur Ansicht gelangende Schale der
<line no="14" page="7"/>  Mauer; beim zweiten dienen sie zur Herstellung der lotrechten Teilungspfeiler und
<line no="15" page="7"/>  bezw. von deren wagrechten Verbindungen, welche zusammen die aus geringerem
<line no="16" page="7"/>  oder kleinstückigerem Stoff aufgeführten Hauptflächen der Mauer einschließen.</P>
<line no="17" page="7"/>  <P> Quaderwerk ist im allgemeinen teuerer, als anderes Mauerwerk. Die vollen
<line no="18" page="7"/>  Quadermauern werden daher nur in denjenigen Gegenden zur Anwendung kommen
<line no="19" page="7"/>  können, wo dieser Preisunterschied gering ist. Aber auch da wird sich der Kosten
<line no="20" page="7"/>  wegen die Anwendung desselben nur für schwächere Mauern empfehlen, die man
<line no="21" page="7"/>  aus ein oder zwei Läuferreihen in der Stärke herstellen kann, weil bei solchen die
<line no="22" page="7"/>  Ausführung von gemischtem Mauerwerk in der Form von Quaderverblendung <break>entweder</break>
<line no="23" page="7"/>   nicht möglich ist oder keine nennenswerte Ersparnis an Kosten liefern würde,
<line no="24" page="7"/>  bei Verringerung der Festigkeit. Bei stärkeren Mauern ist aber durch Einführung
<line no="25" page="7"/>  des Verfahrens der Verblendung immer eine wesentliche Ersparnis zu erzielen. Nur
<line no="26" page="7"/>  müssen selbstverständlich bei Ausführung derselben die früher schon angedeuteten
<line no="27" page="7"/>  und später noch weiter zu erörternden, behufs Erzielung genügender Festigkeit <break>notwendigen</break>
<line no="28" page="7"/>   Vorsichtsmaßregeln zur Anwendung gelangen.</P>
<line no="29" page="7"/>  <P> Die Quaderverblendungen sind auch noch von einem anderen Gesichtspunkte
<line no="30" page="7"/>  aus bei starken Mauern vorzuziehen. Bei einer solchen würde das Quaderwerk
<line no="31" page="7"/>  nämlich in den allermeisten Fällen nur an der Außenseite zur Ansicht kommen, da
<line no="32" page="7"/>  es ja die Regel ist, die Wände auf der Innenseite mit irgend einer Verkleidung aus
<line no="33" page="7"/>  anderem Stoff, z. B. Holz, oder irgend einem Ueberzug zu versehen. Abgesehen
<line no="34" page="7"/>  von denjenigen Fällen, in denen das volle Quadermauerwerk aus konstruktiven
<line no="35" page="7"/>  Gründen geboten ist, würden daher die vermehrten Kosten ganz unnütz ausgegeben
<line no="36" page="7"/>  sein, wozu noch kommt, daß sich diese Verkleidungen und Ueberzüge auf einem
<line no="37" page="7"/>  kleinstückigen Steinmaterial besser anbringen lassen, als auf Quadern. Erwähnung
<line no="38" page="7"/>  muß hier auch finden, daß volle Quadermauern von geringer Stärke Mauern aus
<line no="39" page="7"/>  anderen Materialien in gesundheitlicher Beziehung, wegen des Durchschlagens der
<line no="40" page="7"/>  Feuchtigkeit, nachstehen.</P>
<line no="41" page="7"/>  <P> Die Steinfachwerke mit Verwendung von Quadern kommen insbesondere wegen
<line no="42" page="7"/>  der konstruktiven oder architektonischen Gesamtanordnung der Bauwerke zur <break>Anwendung,</break>
<line no="43" page="7"/>   häufig aber auch, um durch den Farbenwechsel verschiedener Steinarten
<line no="44" page="7"/>  zu wirken. Ersparnisrücksichten spielen jedoch oft auch hierbei eine Rolle.</P>
<line no="45" page="7"/>  <P pagebreak="firstpart"> Zum Steinverband werden die Steinverbindungen hinzugezogen, um gesonderte<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">4.|Verbindung|der|Quader.</fontsize></sidenote>
<line no="46" page="7"/>  Bewegungen einzelner Steine oder Schichten zu verhindern (vergl. den vorhergehenden
<line no="47" page="7"/>  Band dieses »Handbuches«, Kap. 3, S. 70). Eine der gebräuchlichsten Verbindungs-</P>
<page no="8"/>
<line no="1" page="8"/>  <P pagebreak="secondpart">weisen ist die durch die Mörtel. Als Vorteile derselben waren anzuführen: <break>Möglichkeit</break>
<line no="2" page="8"/>   vollständiger Ausfüllung aller Fugenräume, dadurch Vermehrung der Reibung
<line no="3" page="8"/>  zwischen den Steinflächen, gleichmäßige Verteilung des Druckes im Mauerwerk, <break>sowie</break>
<line no="4" page="8"/>   Zusammenkittung der Steine infolge der chemischen Eigenschaften gewisser
<line no="5" page="8"/>  Mörtel. Die beiden ersteren Vorteile lassen sich auch durch genaue Bearbeitung
<line no="6" page="8"/>  der Fugenflächen erreichen; der letztere dagegen ist bei Quaderverbänden in <break>Wirklichkeit</break>
<line no="7" page="8"/>   nicht zu erzielen, da man auf ein ungestörtes Abbinden des Mörtels wegen
<line no="8" page="8"/>  der Schwierigkeit des raschen Versetzens der schweren Stücke nicht rechnen kann.
<line no="9" page="8"/>  Daraus ergiebt sich, daß Quadermauerwerke auch recht gut ohne Mörtel zur <break>Ausführung</break>
<line no="10" page="8"/>   kommen können, wenn man Mühe und Kosten guter Bearbeitung nicht scheut.</P>
<line no="11" page="8"/>  <P> Das Nichtvorhandensein des Mörtels hat außer der günstigen Wirkung für die
<line no="12" page="8"/>  Erhaltung der Metalle noch den Vorteil der Beseitigung einer Ursache für die <break>Verwitterung</break>
<line no="13" page="8"/>   der Steine. Die Salze, welche sich in den Mörteln, insbesondere in den
<line no="14" page="8"/>  hydraulischen, unter der Einwirkung der Feuchtigkeit entwickeln, tragen
<line no="15" page="8"/>  zur rascheren Zersetzung mancher Steinarten, wie der Kalksteine und
<line no="16" page="8"/>  <Grafik beginn="#.,15#." ende="#.,28#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 1<footnote to="4"/> </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="17" page="8"/>  kalkhaltigen Sandsteine, wesentlich bei.</P>
<line no="18" page="8"/>  <P> <fontsize change="-1">Man kann dies an manchen mittelalterlichen mit Mörtel aufgeführten Bauten beobachten.
<line no="19" page="8"/>  Die Mörtelbänder sind mitunter unverletzt, während die Kanten der Steinhäupter abgewittert
<line no="20" page="8"/>  sind (Fig. 1<footnote to="4"/>).</fontsize></P>
<line no="21" page="8"/>  <P> Bezüglich der Besonderheiten in der Anwendung der verschiedenen
<line no="22" page="8"/>  Verbindungsmittel kann auf das im vorhergehenden Bande (Abt. I, <break>Abschn.</break>
<line no="23" page="8"/>   1, Kap. 3) Gesagte verwiesen werden.</P>
<line no="24" page="8"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">5.|Fugen-|bearbeitung.</fontsize></sidenote><P> In Zusammenhang mit der Verwendung oder Nichtverwendung des
<line no="25" page="8"/>  Mörtels steht die Art der Fugenbearbeitung.</P>
<line no="26" page="8"/>  <P pagebreak="firstpart"> Wir bewundern noch heute die scharfe Fugung der Quader an antiken
<line no="27" page="8"/>  und vielen mittelalterlichen Bauwerken. Sie war wegen der <break>Nichtverwendung</break>
<line no="28" page="8"/>   des Mörtels notwendig. Das Mittel, welches die Griechen zur
<line no="29" page="8"/>  Erzielung des scharfen Fugenschlusses anwendeten, ist bekannt<footnote to="5"/>. Die
<line no="30" page="8"/>  Quader von Marmor oder Kalkstein berühren sich nur in den aufeinander
<line no="31" page="8"/>  geschliffenen Fugenrändern<footnote to="6"/>. Natürlich ist eine solche Bauweise nur bei sehr festem
<line no="32" page="8"/>  Gestein ausführbar und würde sich für die bei uns gebräuchlichen Steinarten <break>durchaus</break>
<line no="33" page="8"/>   nicht eignen. Daß man genügend feine Fugen auch ohne dieses Mittel erzielen
<line no="34" page="8"/>  kann, lehren uns spätere Bauten anderer Völker. Auch heutigestags ist man in
<line no="35" page="8"/>  der Regel bestrebt, die Fugenlinien auf den Maueransichten so dünn als möglich
<line no="36" page="8"/>  zu machen, und zwar auch bei gleichzeitiger Verwendung von Mörtel, der entweder
<line no="37" page="8"/>  gleich beim Versetzen der Steine aufgetragen oder nachträglich durch Ausgießen
<line no="38" page="8"/>  in die Fugenräume gebracht wird. Das Mittel, welches jetzt dabei häufig zur <break>Anwendung</break>
<line no="39" page="8"/>   gelangt, besteht in der Hinterarbeitung (Unterwinkelung) der Steine. Man
<line no="40" page="8"/>  läßt die Fugen von der Stirn nach innen zu sich erweitern. Bei den Stoßfugen
<line no="41" page="8"/>  geringerer Bauten kann dieses Mittel ohne wesentliche Beeinträchtigung der <break>Festigkeit</break>
<line no="42" page="8"/>   des Mauerwerkes wohl zur Anwendung kommen. Auch ist es dabei leicht,
<line no="43" page="8"/>  durch Zusammensägen die sichtbar bleibende Fugendicke auf ein sehr geringes Maß</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="44" page="8"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="4"/> Siehe: <smallcaps>Viollet-le-Duc,</smallcaps> E. E. <i>Entretiens sur l&#39;architecture.</i> Paris 1872. Bd. 2, S. 27 u. ff.</fontsize></P>
<line no="45" page="8"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="5"/> Siehe Teil II, Band 1 (Art. 31, S. 56) dieses »Handbuches«.</fontsize></P>
<line no="46" page="8"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="6"/> Ueber die außerordentliche Sorgfalt, welche die Griechen auf die Bearbeitung und Versetzung ihrer Hausteine <break>verwendeten,</break>
<line no="47" page="8"/>   erhält man Aufschluß aus einer griechischen Inschrift, die sich auf die Verbreiterung eines Plattenbelages um den
<line no="48" page="8"/>  Tempel von Livadia bezieht und die nach <i>Fabricius</i> zwischen 174&#8211;164 v. Chr. angefertigt wurde. Den Wortlaut mit <break>französischer</break>
<line no="49" page="8"/>   Uebersetzung und Erläuterungen veröffentlichte <i>Choisy</i> in seinen »<i>Études sur l&#39;architecture grecque</i>«, und zwar in
<line no="50" page="8"/>  <i>4<highlow type="high">e</highlow> étude</i>: <i>Un devis de travaux publics à Livadie</i> (Paris 1884).</fontsize></P>
<page no="9"/>
<line no="1" page="9"/>  <P pagebreak="secondpart">zu verkleinern. Etwas anderes ist es bei den Lagerfugen. Eine keilförmige <break>Erweiterung</break>
<line no="2" page="9"/>   der Fugen nach innen ist bei diesen als sehr unzweckmäßig zu bezeichnen,
<line no="3" page="9"/>  da sie zu einem Absplittern
<line no="4" page="9"/>  <Grafik beginn="#.,4#." ende="#.,41#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 2 Von einem Miethause zu Chalon<footnote to="8"/>.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="5" page="9"/>  der Steinkanten infolge des
<line no="6" page="9"/>  auf dieselben vereinigten
<line no="7" page="9"/>  Druckes führen muß. <break>Derartige</break>
<line no="8" page="9"/>   Ausführungen sind
<line no="9" page="9"/>  daher stets zu vermeiden,
<line no="10" page="9"/>  so daß es also gewöhnlich
<line no="11" page="9"/>  unthunlich scheint, bei <break>Verwendung</break>
<line no="12" page="9"/>   von Mörtel die
<line no="13" page="9"/>  Lagerfugen auch in der
<line no="14" page="9"/>  Ansicht unter ein <break>Mindestmaß</break>
<line no="15" page="9"/>   (etwa 5 bis 6<highlow type="high">mm</highlow>)
<line no="16" page="9"/>  herunterzubringen<footnote to="7"/>.</P>
<line no="17" page="9"/>  <P> Aus dem in Art. 3<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">6.|Volle Quader-|mauern.</fontsize></sidenote>
<line no="18" page="9"/>  (S. 6) Gesagten geht schon
<line no="19" page="9"/>  hervor, daß volle <break>Quadermauern</break>
<line no="20" page="9"/>   beim <break>Wohnhausbau</break>
<line no="21" page="9"/>   nur selten zur <break>Anwendung</break>
<line no="22" page="9"/>   gelangen, <break>häufiger</break>
<line no="23" page="9"/>   wohl nur in Gegenden,
<line no="24" page="9"/>  die sehr reich an <break>geeigneten</break>
<line no="25" page="9"/>   Hausteinen sind.
<line no="26" page="9"/>  Aber auch da sind mit
<line no="27" page="9"/>  ihnen die schon <break>angedeuteten</break>
<line no="28" page="9"/>   Nachteile in <break>gesundheitlicher</break>
<line no="29" page="9"/>   Beziehung <break>verbunden.</break>
<line no="30" page="9"/>   Diese hängen mit
<line no="31" page="9"/>  dem andererseits zu <break>betonenden</break>
<line no="32" page="9"/>   Vorteil zusammen,
<line no="33" page="9"/>  daß man vollen <break>Quadermauern</break>
<line no="34" page="9"/>   eine geringere
<line no="35" page="9"/>  Stärke geben kann, als
<line no="36" page="9"/>  Mauern aus irgend einem
<line no="37" page="9"/>  anderen Material. Aber
<line no="38" page="9"/>  diese schwachen, aus einer
<line no="39" page="9"/>  oder zwei hintereinander
<line no="40" page="9"/>  liegenden Läuferreihen,
<line no="41" page="9"/>  bezw. durchgreifenden <break>Bindern</break>
<line no="42" page="9"/>   gebildeten Schichten
<line no="43" page="9"/>  lassen die Feuchtigkeit
<line no="44" page="9"/>  durchschlagen und machen daher die Innenräume der Gebäude unwohnlich und ungesund.</P>
<line no="45" page="9"/>  <P pagebreak="firstpart"> <fontsize change="-1">Die vorkommenden Verbandanordnungen sind im vorhergehenden Bande (Abt. I, Abschn. 1, Kap. 2)</fontsize></P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="46" page="9"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="7"/> Ueber die Fugendicke siehe den vorhergehenden Band dieses »Handbuches«, Art. 88, S. 72 (2. Aufl.: S. 74). &#8212; Bei
<line no="47" page="9"/>  der Fertigstellung des Münsters zu Ulm wurden Lager- und Stoßfugen nur 4<highlow type="high">mm</highlow> dick gehalten. (Siehe: Deutsche Bauz.
<line no="48" page="9"/>  1895, S. 402.)</fontsize></P>
<page no="10"/>
<line no="1" page="10"/>  <P pagebreak="secondpart"><fontsize change="-1">dieses »Handbuches« genügend erörtert worden, so daß Beispiele für Schichtenpläne hier entbehrlich sind.
<line no="2" page="10"/>  Dagegen ist in Fig. 2<footnote to="8"/> ein Beispiel eines ganzen Gebäudes im vollen Quaderbau gegeben worden.</fontsize></P>
<line no="3" page="10"/>  <P> Vollständig am Platze, ja häufig unentbehrlich ist der volle Quaderbau bei
<line no="4" page="10"/>  Errichtung von Denkmälern, Türmen, Pfeilern, überhaupt bei allen Architekturen
<line no="5" page="10"/>  und Architekturteilen, die im Verhältnis zu ihrer Höhe geringe Querschnittsfläche
<line no="6" page="10"/>  erhalten.</P>
<line no="7" page="10"/>  <P> <fontsize change="-1">Als Beispiel sei in Fig. 3 bis 5 der untere Teil des Turmhelmes der Oberhoven-Kirche zu Göppingen
<line no="8" page="10"/>  (Arch.: <i>v. Beyer</i>) in Ansicht, Diagonalschnitt und zwei Schichtenplänen zur Anschauung gebracht.</fontsize></P>
<line no="9" page="10"/>  <Grafik>Vom Turmhelm der Oberhoven-Kirche zu Göppingen. &#8212; <sup>1</sup>/<sub>100</sub> w. Gr. <fontsize change="-2">Arch.: <i>Beyer.</i></fontsize><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 3 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 4 </fontsize></Fig><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 5 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="10" page="10"/>  <P> Den Uebergang von den vollen Quadermauern zu den Verblendungen bilden
<line no="11" page="10"/>  diejenigen Mauern, bei denen im Aeußeren ein kostbareres Material als im Inneren
<line no="12" page="10"/>  verwendet wird.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="13" page="10"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="8"/> Faks.-Repr. nach: <smallcaps>Viollet-le-Duc,</smallcaps> E. E. <i>Habitations modernes.</i> Bd. I. Paris 1875. Taf. 12.</fontsize></P>
<page no="11"/>
<line no="1" page="11"/>  <Grafik beginn="#.,1#." ende="#.,32#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 6 Vom sog. Vesta-Tempel zu Rom<footnote to="9"/>.</fontsize> <fontsize change="-2">ca. <sup>1</sup>/<sub>50</sub> w. Gr.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="2" page="11"/>  <P> <fontsize change="-1">Ein schönes Beispiel hierfür bietet der unter dem
<line no="3" page="11"/>  Namen Vesta-Tempel bekannte Rundbau in der Nähe des
<line no="4" page="11"/>  Tiber in Rom. In Fig. 6 ist ein Mauerstück desselben
<line no="5" page="11"/>  in Ansicht und Schnitt wiedergegeben<footnote to="9"/>. Die <break>Durchbinder</break>
<line no="6" page="11"/>   <i>A</i> und die Verkleidungsplatten <i>B</i> sind aus Marmor
<line no="7" page="11"/>  hergestellt, die Steine <i>C</i> aus Travertin. Alle Stücke sind
<line no="8" page="11"/>  durch eiserne Klammern verbunden. Die Innenseite war
<line no="9" page="11"/>  mit bemaltem Stuckputz überzogen. Die zweckmäßige
<line no="10" page="11"/>  und sparsame Anordnung kommt im Aeußeren vollständig
<line no="11" page="11"/>  und dabei in geschmackvoller Weise zum Ausdruck, so
<line no="12" page="11"/>  daß wir es hier mit einer wahren und zugleich schönen
<line no="13" page="11"/>  Konstruktion zu thun haben. Die erstere Eigenschaft
<line no="14" page="11"/>  würde sofort verloren gehen, wollte man eine ebensolche
<line no="15" page="11"/>  Mauer aus gleichmäßigem Material oder etwa aus größeren
<line no="16" page="11"/>  Stücken mit teilweise blinden Fugen herstellen. <i>Viollet-
<line no="17" page="11"/>  le-Duc</i> nennt mit Recht diese Konstruktion eine stilvolle.</fontsize></P>
<line no="18" page="11"/>  <P> Bei den Quaderverblendungen müssen<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">7.|Quader-|verblendung.</fontsize></sidenote>
<line no="19" page="11"/>  die im vorhergehenden Bande (Art. 82, S. 66)
<line no="20" page="11"/>  dieses »Handbuches« besprochenen <break>Vorsichtsmaßregeln</break>
<line no="21" page="11"/>   zur Anwendung gebracht werden,
<line no="22" page="11"/>  um Längsspaltungen infolge ungleichen Setzens
<line no="23" page="11"/>  im Mauerkörper zu verhüten. Das ungleiche
<line no="24" page="11"/>  Setzen ergibt sich aus der verschiedenen Menge
<line no="25" page="11"/>  von Mörtel in den Lagerfugen beider <break>Mauerteile,</break>
<line no="26" page="11"/>   und dieser Unterschied ist am größten,
<line no="27" page="11"/>  wenn der Mauerkern aus Beton oder aus
<line no="28" page="11"/>  Mauerwerk von kleinen Bruchsteinen besteht.
<line no="29" page="11"/>  Die Römer verwendeten namentlich die <break>letztere</break>
<line no="30" page="11"/>   Bauweise im großartigsten Maßstabe, und
<line no="31" page="11"/>  die Erfahrung hat deren Dauerhaftigkeit <break>bewiesen.</break>
<line no="32" page="11"/>   Es wird sich daher empfehlen, zunächst
<line no="33" page="11"/>  einen Blick auf die entsprechenden römischen
<line no="34" page="11"/>  Ausführungsweisen zu werfen.</P>
<line no="35" page="11"/>  <P pagebreak="firstpart"> <fontsize change="-1">Nach den zuverlässigen Untersuchungen von <i>Choisy</i><footnote to="10"/> verwendeten die Römer zur Herstellung des
<line no="36" page="11"/>  Mauerkernes aus Bruchsteinen und Mörtel zwei Verfahrungsweisen: sie stellten ihn mit Verdichtung durch
<line no="37" page="11"/>  Rammen oder ohne solche her. Das
<line no="38" page="11"/>  <Grafik beginn="#.,37#." ende="#.,47#."><Fig no="1">Fig. 7<footnote to="11"/> </Fig></Grafik>
<line no="39" page="11"/>  erstere Verfahren kam nur bei den
<line no="40" page="11"/>  Mauern mit Quaderverkleidung,
<line no="41" page="11"/>  wohl auch bei Grundmauern, das
<line no="42" page="11"/>  zweite bei den Mauern mit einer
<line no="43" page="11"/>  Verkleidung von Ziegeln oder
<line no="44" page="11"/>  kleinen Steinwürfeln zur <break>Anwendung.</break>
<line no="45" page="11"/>   Hier haben wir es zunächst
<line no="46" page="11"/>  nur mit dem ersteren zu thun.
<line no="47" page="11"/>  Dieses Verfahren bestand in <break>folgendem.</break>
<line no="48" page="11"/>   Zwischen den beiden
<line no="49" page="11"/>  Quaderverkleidungen der Mauer
<line no="50" page="11"/>  wurde eine sehr dicke Lage
<line no="51" page="11"/>  von Mörtel (mindestens 10 bis 15<highlow type="high">cm</highlow> dick) ausgebreitet, welcher in Rom aus Kalk und Puzzolane,
<line no="52" page="11"/>  anderwärts aus Kalk und grobem Sand hergestellt wurde. Darauf wurden mit der Schaufel Steinstücke</fontsize></P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="53" page="11"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="9"/> Nach: <smallcaps>Viollet-le-Duc,</smallcaps> E. E. <i>Entretiens sur l&#39;architecture.</i> Bd. I. Paris 1863. S. 187.</fontsize></P>
<line no="54" page="11"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="10"/> <i>L&#39;art de bâtir ches les Romains.</i> Paris 1873. S. 13 u. ff.</fontsize></P>
<page no="12"/>
<line no="1" page="12"/>  <P pagebreak="secondpart"><fontsize change="-1">von 8 bis 10<highlow type="high">cm</highlow> Durchmesser (entsprechend der Größe des Steinschlages für unsre Chausseen) in der Höhe
<line no="2" page="12"/>  der Mörtelschicht oder weniges darüber aufgeschüttet und dann in den Mörtel hineingestampft, so daß dieser
<line no="3" page="12"/>  in die Zwischenräume der Steine hineingetrieben wurde. Solche wechselnde Schichten von Mörtel und
<line no="4" page="12"/>  Steinen wurden übereinander gebracht, bis die Höhe einer Quaderschicht erreicht war. Auf der letzten
<line no="5" page="12"/>  Steinschicht wurde nun der bei der Bearbeitung der Quader gewonnene Steinstaub ausgebreitet und noch
<line no="6" page="12"/>  kräftiger, als bei den vorhergehenden Schichten, gerammt; der Steinstaub verhinderte das Anhaften
<line no="7" page="12"/>  des empordringenden Mörtels an den Werkzeugen und Füßen der Arbeiter. Auf diese Weise wurde
<line no="8" page="12"/>  bei jeder Quaderschicht verfahren und so ein Mauerkern erzielt, der sich nur noch wenig setzen konnte.
<line no="9" page="12"/>  Mit demselben wurden die Quaderverkleidungen, um ein Ablösen derselben zu verhindern, in Verband
<line no="10" page="12"/>  gebracht.</fontsize></P>
<line no="11" page="12"/>  <P> <fontsize change="-1">Die Römer verwendeten dabei nur zwei Verbandanordnungen. Sie ließen entweder Läuferschichten
<line no="12" page="12"/>  mit Binderschichten abwechseln (Fig. 7<footnote to="11"/>) oder Läuferschichten mit aus Läufern und Bindern <break>zusammengesetzten</break>
<line no="13" page="12"/>   Schichten) Fig. 8<footnote to="11"/>. <break>Nirgends</break>
<line no="14" page="12"/>   finden sich römische <break>Quaderverkleidungen,</break>
<line no="15" page="12"/>  <Grafik beginn="#.,14#." ende="#.,26#."><Fig no="1">Fig. 8<footnote to="11"/> </Fig></Grafik>
<line no="16" page="12"/>   bei denen in allen
<line no="17" page="12"/>  Schichten Binder enthalten sind. <break>Abgesehen</break>
<line no="18" page="12"/>   von der erzielten Ersparnis,
<line no="19" page="12"/>  hat diese Konstruktion noch den
<line no="20" page="12"/>  Vorzug der Sicherheit, die durch
<line no="21" page="12"/>  eine zu große Vermehrung der
<line no="22" page="12"/>  Binderzahl nicht erhöht, sondern
<line no="23" page="12"/>  eher verringert wird, indem die zu
<line no="24" page="12"/>  nahe liegenden Binder den <break>Zusammenhang</break>
<line no="25" page="12"/>   des Mauerkernes <break>beeinträchtigen.</break>
<line no="26" page="12"/>   Die Erfahrung hat <break>gezeigt,</break>
<line no="27" page="12"/>   daß der römische Verband
<line no="28" page="12"/>  vollständig ausreichend war. So
<line no="29" page="12"/>  kann man denselben z. B. am Unterbau des Grabmales der <i>Caecilia Metella</i> an der <i>Via Appia</i> bei Rom
<line no="30" page="12"/>  beobachten<footnote to="12"/>. Die Quaderverkleidung ist dort gewaltsam beseitigt worden, um die Steine zu gewinnen.
<line no="31" page="12"/>  Dabei sind die Binderköpse abgebrochen, und die Querschnitte derselben zeichnen sich noch jetzt als
<line no="32" page="12"/>  weiße und abgesonderte Rechtecke vom grauen Mauerwerk des Kernes ab.</fontsize></P>
<line no="33" page="12"/>  <P> Unter ähnlichen Verhältnissen ist gewiß auch heute noch
<line no="34" page="12"/>  <Grafik beginn="#.,32#." ende="#.,45#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 9<footnote to="13"/> </fontsize><fontsize change="-2">ca. <sup>1</sup>/<sub>25</sub> w. Gr.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="35" page="12"/>  das römische Verfahren des Rammens des Füllmauerwerkes,
<line no="36" page="12"/>  um ein ungleichmäßiges Setzen zu verhüten, zur Nachahmung
<line no="37" page="12"/>  zu empfehlen. Es erscheint aber nur da anwendbar, wo beide
<line no="38" page="12"/>  Häupter der Mauern aus Quadern hergestellt werden und diese
<line no="39" page="12"/>  stark genug sind, um durch den beim Rammen erzeugten <break>Seitenschub</break>
<line no="40" page="12"/>   nicht verschoben zu werden.</P>
<line no="41" page="12"/>  <P> <fontsize change="-1">Beispielsweise wurden die Quaderbankette der Kellermauern der <i>Annen-</i>
<line no="42" page="12"/>  Realschule in Dresden, wie auch an anderen Gebäuden daselbst, als <break>Kästelmauerwerk</break>
<line no="43" page="12"/>   aus großen Grundquadern hergestellt, die Zwischenräume mit
<line no="44" page="12"/>  Beton schichtenweise ausgefüllt und jede Schicht fest abgerammt.</fontsize></P>
<line no="45" page="12"/>  <P> Einen gut gelungenen Versuch, dieses Verfahren auch
<line no="46" page="12"/>  bei schwachen, nur einseitig verblendeten Mauern zur <break>Ausführung</break>
<line no="47" page="12"/>   zu bringen, zeigt das Frontmauerwerk des 1865 <break>errichteten</break>
<line no="48" page="12"/>   Gerichtshauses zu Hagen (Fig. 9<footnote to="13"/>).</P>
<line no="49" page="12"/>  <P pagebreak="firstpart"> <fontsize change="-1">Die Frontmauer war 40,</fontsize><fontsize change="-2">8</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow> lang und 13,</fontsize><fontsize change="-2">8</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow> über dem Sockel hoch, in drei Stockwerken zu 4,</fontsize><fontsize change="-2">08</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow>
<line no="50" page="12"/>  und einer Drempelwand aus Ziegeln mit Quaderverblendung, im Erdgeschoß 0,</fontsize><fontsize change="-2">785</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow>, in beiden <break>Obergeschossen</break>
<line no="51" page="12"/>   0,</fontsize><fontsize change="-2">628</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow> und in der Drempelwand 0,</fontsize><fontsize change="-2">418</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow> stark auszuführen. In der Verblendung ließ man
<line no="52" page="12"/>  Läuferschichten von 0,</fontsize><fontsize change="-2">157</fontsize> <fontsize change="-1">bis 0,</fontsize><fontsize change="-2">183</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow> Stärke mit Binderschichten von 0,</fontsize><fontsize change="-2">288</fontsize> <fontsize change="-1">bis 0,</fontsize><fontsize change="-2">314</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow> Stärke abwechseln.</fontsize></P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="53" page="12"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="11"/> Faks.-Repr. nach: <smallcaps>Choisy,</smallcaps> a. a. O., S. 113.</fontsize></P>
<line no="54" page="12"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="12"/> Siehe hierüber auch Teil II, Band 2 (Art. 124, S. 133) dieses »Handbuches«</fontsize></P>
<line no="55" page="12"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="13"/> Mitgeteilt in: Zeitschr. f. Bauw. 1866, S. 83.</fontsize></P>
<page no="13"/>
<line no="1" page="13"/>  <P pagebreak="secondpart"><fontsize change="-1">Die Architektur bedingte eine Abnahme der Schichthöhen nach oben zwischen 0,</fontsize><fontsize change="-2">472</fontsize> <fontsize change="-1">bis 0,</fontsize><fontsize change="-2">288</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow>. Die
<line no="2" page="13"/>  geringen Mauerstärken verlangten besondere Sorgfalt in der Herstellung, um Verblendung und <break>Hintermauerung</break>
<line no="3" page="13"/>   gleich tragfähig zu machen und zu einem zusammenwirkenden Ganzen zu vereinigen. Cement
<line no="4" page="13"/>  war für die Mörtelbereitung ausgeschlossen. Um nun das Maß des Setzens beider Mauerteile möglichst
<line no="5" page="13"/>  auszugleichen, wurde in der folgenden Weise verfahren.</fontsize></P>
<line no="6" page="13"/>  <P> <fontsize change="-1">Die Quader einer Schicht wurden in gewöhnlicher Weise mit Lager- und Stoßfugen von 13<highlow type="high">mm</highlow>
<line no="7" page="13"/>  Dicke versetzt und mit Backsteinen in der Art hintermauert, daß zwischen letzteren und der rauhen <break>lotrechten</break>
<line no="8" page="13"/>   Innenfläche des Quaders ein Spielraum von ca. 26<highlow type="high">mm</highlow> (= 1 Zoll) vorläufig verblieb. Nach der
<line no="9" page="13"/>  Aufmauerung ungefähr bis zur Oberfläche der betreffenden Blendschicht ging ein Junge mit einem <break>Schornsteinholz</break>
<line no="10" page="13"/>   (0,</fontsize><fontsize change="-2">13</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow> dick bei 1,</fontsize><fontsize change="-2">25</fontsize> <fontsize change="-1">bis 1,</fontsize><fontsize change="-2">4</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow> Länge) auf der Hintermauerung entlang und rammte in <break>wiederholten</break>
<line no="11" page="13"/>   leichten Schlägen die ganze Mauer vorsichtig so lange ab, bis kein Weichen mehr stattfand, ein
<line no="12" page="13"/>  Zeitpunkt, welchen derselbe bald sehr genau erkannte. Jetzt wurde der vorerwähnte lotrechte <break>Zwischenraum</break>
<line no="13" page="13"/>   zwischen Quader und Hintermauerung sorgfältig mit Mörtel ausgeschlagen und dann das Ganze mit
<line no="14" page="13"/>  dünner Kalkmilch ausgegossen. Nachdem die so behandelte Schicht ein paar Tage Ruhe gehabt hatte,
<line no="15" page="13"/>  konnte dasselbe Verfahren mit der nächstfolgenden vorgenommen werden, ohne daß, trotz sorgfältiger
<line no="16" page="13"/>  Beobachtung, jemals ein nachteiliger Einfluß oder auch nur die geringste Veränderung in dem darunter
<line no="17" page="13"/>  liegenden Mauerwerk wahrgenommen worden wäre.</fontsize></P>
<line no="18" page="13"/>  <P> <fontsize change="-1">Der Mörtel wurde aus gesiebter Steinkohlenasche (mit und ohne Zusatz von Ziegelmehl) und dem
<line no="19" page="13"/>  vorgeschriebenen frisch gelöschten Wasserkalk naß, aber so mager als möglich, bereitet. Er ist ungeachtet
<line no="20" page="13"/>  der schnellen Bindung sehr hart geworden. In jedem Stockwerk wurde eine bis auf 0,</fontsize><fontsize change="-2">16</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow> durch die
<line no="21" page="13"/>  ganze Mauerstärke reichende Binderschicht vom Material der Blendquader angeordnet. Die Mauer soll
<line no="22" page="13"/>  nicht die geringste Unregelmäßigkeit im Setzen gezeigt haben; keine der sofort geschlossenen Fugen der
<line no="23" page="13"/>  Verblendung hätte sich geöffnet, und die aus sehr weichem,
<line no="24" page="13"/>  <Grafik beginn="#.,24#." ende="#.,46#."><Fig no="1">Fig. 10 Von der Burg Münzenberg<footnote to="14"/>.</Fig></Grafik>
<line no="25" page="13"/>  beim geringsten ungleichen Druck zerbrechenden Sandsteine
<line no="26" page="13"/>  hergestellten Gesimse und Gewände sollen ihre vollkommene
<line no="27" page="13"/>  Regelmäßigkeit behalten haben.</fontsize></P>
<line no="28" page="13"/>  <P> In der Regel wird von einer <break>Zusammenpressung</break>
<line no="29" page="13"/>   des Mörtels bei der Ausführung der
<line no="30" page="13"/>  gemischten Mauerwerke abgesehen; man <break>begnügt</break>
<line no="31" page="13"/>   sich bei guten Ausführungen mit der
<line no="32" page="13"/>  Durchführung der Lagerfugen der Verblendung
<line no="33" page="13"/>  durch die ganze Mauerstärke, mit der <break>Einschaltung</break>
<line no="34" page="13"/>   von durchgehenden Binderschichten,
<line no="35" page="13"/>  mit sorgfältiger Verbandanordnung und mit <break>möglichster</break>
<line no="36" page="13"/>   Ausgleichung der Fugendickensummen
<line no="37" page="13"/>  in Verblendung und Hintermauerung. In Fällen,
<line no="38" page="13"/>  die besondere Vorsicht erheischen, verwendet
<line no="39" page="13"/>  man wohl auch den nicht erheblich <break>schwindenden</break>
<line no="40" page="13"/>   Portlandcementmörtel.</P>
<line no="41" page="13"/>  <P> <fontsize change="-1">Ein Beispiel einer Quaderverblendung mit <break>Bruchsteinhintermauerung</break>
<line no="42" page="13"/>   und durchgehender Schicht vom <break>Material</break>
<line no="43" page="13"/>   der Quader, welche alle 1,</fontsize><fontsize change="-2">5</fontsize> <fontsize change="-1">bis 2,</fontsize><fontsize change="-2">0</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow> Höhe <break>anzuordnen</break>
<line no="44" page="13"/>   wäre, gibt Fig. 10<footnote to="14"/>.</fontsize></P>
<line no="45" page="13"/>  <P> <fontsize change="-1">Eine ausgedehnte nachträgliche Quaderverblendung
<line no="46" page="13"/>  (beim Umbau des Zeughauses in Dresden) ist in unten <break>genannter</break>
<line no="47" page="13"/>   Quelle besprochen<footnote to="15"/>.</fontsize></P>
<line no="48" page="13"/>  <P pagebreak="firstpart"> In sehr vielen Fällen muß man mit dem<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">8.|Platten-|verblendung.</fontsize></sidenote>
<line no="49" page="13"/>  Hausteinmaterial sparsam umgehen und beschränkt sich dann auf eine Verkleidung
<line no="50" page="13"/>  der aus Bruchstein oder Ziegeln hergestellten Mauern mit Steinplatten von geringer
<line no="51" page="13"/>  Dicke, wobei zweckmäßigerweise hochkantig gestellte Schichten mit flach liegenden</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="52" page="13"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="14"/> Nach: <smallcaps>Gladbach,</smallcaps> E. Vorlegeblätter zur Baukonstruktionslehre. Zürich 1868&#8211;71.</fontsize></P>
<line no="53" page="13"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="15"/> Deutsche Bauz. 1886, S. 27.</fontsize></P>
<page no="14"/>
<line no="1" page="14"/>  <P pagebreak="secondpart">abwechseln, wie im vorhergehenden Bande (Fig. 201 u. 202, S. 68 [2. Aufl.: S. 70])
<line no="2" page="14"/>  dieses »Handbuches« dargestellt wurde. Durch eine solche Verblendung wird die
<line no="3" page="14"/>  Konstruktion der Mauer nicht verstärkt. Die Dicke der Platten muß der als notwendig
<line no="4" page="14"/>  erachteten Mauerdicke zugegeben werden.</P>
<line no="5" page="14"/>  <P> <fontsize change="-1">In sehr großer Ausdehnung ist u. a. eine Plattenverblendung beim Bau des Opernhauses in <break>Frankfurt</break>
<line no="6" page="14"/>   a. M. zur Ausführung gekommen. Die Stärken der Platten sind hier auf das geringst mögliche Maß
<line no="7" page="14"/>  festgestellt worden. Im Unterbau haben sie 14<highlow type="high">cm</highlow>, bezw. 25<highlow type="high">cm</highlow> Lagerbreite, im Oberbau sogar nur 8,
<line no="8" page="14"/>  bezw. 15<highlow type="high">cm</highlow>. Verwendet wurde der weiche
<line no="9" page="14"/>  Kalkstein von Savonnières en Perthois. Die
<line no="10" page="14"/>  <Grafik beginn="#.,9#." ende="#.,38#."><Fig no="1">Fig. 11 <i>Nicolai</i>&#39;s Entwurf zum Doublettensaal in Dresden.</Fig></Grafik>
<line no="11" page="14"/>  Steine wurden in Weißkalk versetzt, während
<line no="12" page="14"/>  die Hintermauerung mit Feldbrandsteinen in
<line no="13" page="14"/>  schwarzem Kalk unter Zusatz von Cement
<line no="14" page="14"/>  erfolgte<footnote to="16"/>.</fontsize></P>
<line no="15" page="14"/>  <P> Gewöhnlich erhalten so <break>verblendete</break>
<line no="16" page="14"/>   Mauern das Aussehen, als
<line no="17" page="14"/>  hätten sie eine wirkliche <break>Quaderverkleidung.</break>
<line no="18" page="14"/>   Richtiger würde es sein,
<line no="19" page="14"/>  die Anordnungen und Maße so zu
<line no="20" page="14"/>  wählen, daß die Anwendung von
<line no="21" page="14"/>  Platten auch äußerlich zum <break>Ausdruck</break>
<line no="22" page="14"/>   gelangt, wie in Fig. 11 <break>angedeutet</break>
<line no="23" page="14"/>   ist.</P>
<line no="24" page="14"/>  <P> Auch bei Plattenverblendungen
<line no="25" page="14"/>  hat man es versucht, die Gefahren
<line no="26" page="14"/>  des ungleichmäßigen Setzens zu <break>beseitigen.</break>
<line no="27" page="14"/>  </P>
<line no="28" page="14"/>  <P> <fontsize change="-1">Ein dahin zielender Vorschlag ist <i>John
<line no="29" page="14"/>  Taylor</i> patentiert worden<footnote to="17"/>.</fontsize></P>
<line no="30" page="14"/>  <P> <fontsize change="-1">Die betreffende Konstruktion zeigt
<line no="31" page="14"/>  Fig. 12. Die Platten und Simsstücke werden
<line no="32" page="14"/>  mit einer Leiste versehen, mit welcher sie an
<line no="33" page="14"/>  der bis zur richtigen Höhe aufgemauerten
<line no="34" page="14"/>  Ziegelschicht aufgehängt werden. Die <break>Lagerfugen</break>
<line no="35" page="14"/>   der Verblendung werden offen gelassen,
<line no="36" page="14"/>  bis ein Setzen nicht mehr zu befürchten
<line no="37" page="14"/>  steht. Die über der Leiste folgenden <break>Ziegelschichten</break>
<line no="38" page="14"/>   belasten die Platten und verbinden
<line no="39" page="14"/>  sie fest mit der Mauer. Fig. 13 zeigt die
<line no="40" page="14"/>  Art und Weise, wie die Platten mit <break>möglichst</break>
<line no="41" page="14"/>   wenig Verlust aus größeren Blöcken herausgeschnitten werden können. Zuerst werden die Schnitte
<line no="42" page="14"/>  <i>a, a, a</i> und <i>b, b, b</i> ausgeführt und dann die Schnitte <i>c, d, e</i> etc.</fontsize></P>
<line no="43" page="14"/>  <P> <fontsize change="-1"><i>Vogdt</i> in Potsdam schlägt<footnote to="18"/> vor, ebenso gestaltete Steine zur nachträglichen Verblendung der
<line no="44" page="14"/>  Mauern, nachdem sich dieselben gesetzt haben, zu verwenden und dazu im Mauerwerk Nuten für die
<line no="45" page="14"/>  Leisten auszusparen. Er hängt die Platten auch nicht auf, sondern legt die Leiste nach unten. Das
<line no="46" page="14"/>  Hintergießen der Platten mit Mörtel ist dabei leicht zu bewerkstelligen; dennoch dürfte das <i>Taylor</i>&#39;sche
<line no="47" page="14"/>  Verfahren den Vorzug verdienen.</fontsize></P>
<line no="48" page="14"/>  <P> Eine nachträgliche Verblendung mit Sandsteinplatten in größerem Umfange ist
<line no="49" page="14"/>  am Königl. Schauspielhause zu Berlin als Ersatz für den Putz zur Ausführung gelangt<footnote to="19"/>.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="50" page="14"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="16"/> Siehe: Zeitschr. f. Bauw. 1883, S. 147.</fontsize></P>
<line no="51" page="14"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="17"/> Siehe: <i>Builder,</i> Bd. 7, S. 137.</fontsize></P>
<line no="52" page="14"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="18"/> In: Deutsche Bauz. 1884, S. 360.</fontsize></P>
<line no="53" page="14"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="19"/> Nach: Centralbl. d. Bauverw. 1883, S. 229.</fontsize></P>
<page no="15"/>
<line no="1" page="15"/>  <P> <fontsize change="-1">Um das geeignete Verfahren festzustellen, wurde zuerst im November 1878 bei kaltem Wetter an
<line no="2" page="15"/>  einer allen Witterungseinflüssen ausgesetzten Stelle eine Probeverblendung ausgeführt. Nach der Beseitigung
<line no="3" page="15"/>  des Putzes und Wegstemmen des Mauerwerkes versetzte man die mit der Steinsäge aus Rackwitzer Sandstein
<line no="4" page="15"/>  geschnittenen Platten in abwechselnden Läuferschichten von 2 bis 3<highlow type="high">cm</highlow> Dicke und Binderschichten von
<line no="5" page="15"/>  4 bis 6<highlow type="high">cm</highlow> Dicke. Sie waren an der Vorderseite ge-</fontsize>
<line no="6" page="15"/>  <Grafik beginn="#.,6#." ende="#.,28#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 12 </fontsize><fontsize change="-2">ca. <sup>1</sup>/<sub>20</sub> w. Gr.</fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 13 </fontsize><fontsize change="-2">ca. <sup>1</sup>/<sub>20</sub> w. Gr.</fontsize></Fig><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 14<footnote to="19"/> </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>5</sub> w. Gr.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="7" page="15"/>  <fontsize change="-1">schliffen, ringsum scharf gefugt und mit Gußnuten
<line no="8" page="15"/>  von etwa 1<highlow type="high">cm</highlow> Seite versehen. Die Verbindung der
<line no="9" page="15"/>  trocken gestellten Platten mit dem Ziegelmauerwerk
<line no="10" page="15"/>  erfolgte durch eingegipste Messingdrahtklammern von
<line no="11" page="15"/>  8 bis 10<highlow type="high">cm</highlow> Länge und 3<highlow type="high">mm</highlow> Stärke (Fig. 14). <break>Hierauf</break>
<line no="12" page="15"/>   wurden die Fugen einer Schicht ringsum mit
<line no="13" page="15"/>  Thon verstrichen und die erste Lage von dünnflüssigem
<line no="14" page="15"/>  Mörtel &#8212; Weißkalk mit Gips &#8212; hinter die Platten
<line no="15" page="15"/>  gegossen. Nachdem der erste Mörtelaufguß eingezogen
<line no="16" page="15"/>  war und sich gesetzt hatte, erfolgte der zweite u. s. f.,
<line no="17" page="15"/>  wobei gleichzeitig größere Hohlräume zwischen <break>Sandstein</break>
<line no="18" page="15"/>   und Hintermauerung durch klein geschlagene
<line no="19" page="15"/>  Ziegelbrocken ausgefüllt wurden. Jede Platte erhielt
<line no="20" page="15"/>  im Oberlager zwei Klammern; eine Verbindung der
<line no="21" page="15"/>  Steine unter sich &#8212; am Stoß &#8212; hat nicht <break>stattgefunden.</break>
<line no="22" page="15"/>  </fontsize></P>
<line no="23" page="15"/>  <P> <fontsize change="-1">Die Verkleidung einer an der Probestelle <break>befindlichen</break>
<line no="24" page="15"/>   Fensteröffnung von 1,</fontsize><fontsize change="-2">1</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow> Breite und 0,</fontsize><fontsize change="-2">95</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow>
<line no="25" page="15"/>  Höhe erfolgte in der Weise, daß die mit Wasserschlag
<line no="26" page="15"/>  versehene gemauerte Sohlbank mit einer <break>Schieferplatte</break>
<line no="27" page="15"/>   abgedeckt und die 0,</fontsize><fontsize change="-2">27</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow> breiten Laibungen,
<line no="28" page="15"/>  der durchgeführten Quaderung entsprechend, in drei
<line no="29" page="15"/>  Schichten aus 2 bis 3<highlow type="high">cm</highlow> starken Sandsteinplatten <break>hergestellt</break>
<line no="30" page="15"/>   wurden. Der Fenstersturz ist nur an der <break>Stirnseite</break>
<line no="31" page="15"/>   mit einer 4<highlow type="high">cm</highlow> starken Sandsteinplatte verkleidet, während die Unteransicht des scheitrechten Bogens
<line no="32" page="15"/>  mit gewöhnlichem Kalkmörtel geputzt wurde (Fig. 15<footnote to="19"/>).</fontsize></P>
<line no="33" page="15"/>  <P> <fontsize change="-1">Nach fünfjährigem Bestehen wurde diese Probeverblendung beseitigt und als bewährt befunden.
<line no="34" page="15"/>  Aus Grund des Gutachtens der Akademie des Bauwesens<footnote to="20"/> wurde aber die wirkliche Ausführung in etwas
<line no="35" page="15"/>  anderer Weise bewerkstelligt. Die Läuferfrontplatten in den oberen Geschossen</fontsize>
<line no="36" page="15"/>  <Grafik beginn="#.,35#." ende="#.,41#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 15<footnote to="19"/> </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>10</sub> w. Gr.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="37" page="15"/>  <fontsize change="-1">sind nicht unter 6<highlow type="high">cm</highlow>, die Binderplatten 12<highlow type="high">cm</highlow>, im Untergeschoß teils 12, teils
<line no="38" page="15"/>  18<highlow type="high">cm</highlow> stark; an den Ecken kamen, der vorhandenen Fugenteilung entsprechend,
<line no="39" page="15"/>  größere Werkstücke zur Verwendung; die kleineren Pfeiler wurden voll aus
<line no="40" page="15"/>  Quadern hergestellt; Gesimse erhielten die durch das Profil bedingten <break>Abmessungen.</break>
<line no="41" page="15"/>   Die Gußnut im Ober- und Unterlager hat 1,</fontsize><fontsize change="-2">5</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">cm</highlow> Seite; in den
<line no="42" page="15"/>  Stoßfugen ist dieselbe angemessen vergrößert. Die Ansichtsflächen wurden
<line no="43" page="15"/>  sauber geschliffen, die Rückseiten möglichst rauh gehalten. Die Steine wurden
<line no="44" page="15"/>  sämmtlich trocken &#8212; auf Bleiplatten &#8212; versetzt und durch Bronzeklammern
<line no="45" page="15"/>  mit einem quadratischen Querschnitt von mindestens 4<highlow type="high">mm</highlow> Seite in der erforderlichen Länge mit dem
<line no="46" page="15"/>  Mauerkerne verbunden. Auf jedes Meter verwendete man 2 bis 3 Klammern, auf jeden Stein mindestens 2.
<line no="47" page="15"/>  Außerdem sind die Steine an den Ecken durchgängig und auch sonst an geeigneten Stellen mit <break>Stoßklammern</break>
<line no="48" page="15"/>   aus gegossener Bronze unter sich verbunden. Die Klammern wurden in das Ziegelmauerwerk
<line no="49" page="15"/>  eingegipst, in den Sandsteinen mit Blei vergossen. Die sonstige Verwendung von Gips, wie auch die
<line no="50" page="15"/>  von Fettkalk und von Cement ist grundsätzlich ausgeschlossen worden. An Stelle des Gipskalkmörtels
<line no="51" page="15"/>  wurde Mörtel von hydraulischem Kalk zum Ausgießen verwendet. Zur Ausfüllung größerer Hohlräume
<line no="52" page="15"/>  benutzte man klein geschlagene Ziegelbrocken und Mörtel in sorgfältiger Weise. Das Quadratmeter glatter
<line no="53" page="15"/>  Frontverblendung stellte sich in den unteren Geschossen auf durchschnittlich 25 Mark, in den oberen auf
<line no="54" page="15"/>  etwa 20 Mark, einschl. aller Nebenkosten.</fontsize></P>
<line no="55" page="15"/>  <P pagebreak="firstpart"> An dieser Stelle sind auch die Verblendungen mit dünnen <spacing>Marmorplatten</spacing>
<line no="56" page="15"/>  und die <spacing>Plattenmosaike</spacing> von verschiedenfarbigen Steinen anzuführen. Die ersteren</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="57" page="15"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="20"/> Siehe: Centralbl. d. Bauverw. 1882, S. 359.</fontsize></P>
<page no="16"/>
<line no="1" page="16"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 16 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 17 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="2" page="16"/>  <P pagebreak="secondpart">kommen bei uns fast nur bei Ausstattung von Innenräumen zur Anwendung; deren
<line no="3" page="16"/>  Besprechung gehört daher in Abt. IV, Abschn. 3 dieses Teiles des vorliegenden
<line no="4" page="16"/>  »Handbuches« (Teil III, Bd. 3, Heft 3), und die letzteren bieten in technischer <break>Beziehung</break>
<line no="5" page="16"/>   keinen besonderen Anlaß zu Erörterungen.</P>
<line no="6" page="16"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">9.|Quader-|fachwerk.</fontsize></sidenote><P> Den Uebergang zu den Quaderfachwerken bilden die aus großen Quadern
<line no="7" page="16"/>  hergestellten Ecken von sonst nur mit einer Verblendung versehenen Mauern. Man
<line no="8" page="16"/>  sollte es nämlich immer der Festigkeit wegen vermeiden, auch an den Ecken die
<line no="9" page="16"/>  Bekleidung mit dünnen Platten durchzuführen. Die Quaderecken treten daher als
<line no="10" page="16"/>  Verstärkungen (Armierungen) auf, was mit Recht in solchen Fällen gewöhnlich auch
<line no="11" page="16"/>  in der Form zum Ausdruck gebracht wird. Im Sinne eines guten Verbandes bildet
<line no="12" page="16"/>  man, wie bei den eigentlichen Steinfachwerken (siehe darüber den vorhergehenden
<line no="13" page="16"/>  Band [Abt. I, Abschn. 1, Kap. 2, Art. 85, S. 69] dieses »Handbuches«), die Ecken
<line no="14" page="16"/>  mit Verzahnung aus, wobei die an der einen Seite als Läufer erscheinenden Steine
<line no="15" page="16"/>  an der anderen als Binder auftreten (Fig. 16).</P>
<line no="16" page="16"/>  <P> Ebenso verfährt man, wenn an die Quaderecken die Mauern auch äußerlich
<line no="17" page="16"/>  mit anderem Material anschließen (Fig. 17).</P>
<line no="18" page="16"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 18 Vom <i>Palazzo Farnese</i> in Rom<footnote to="21"/>.</fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 19 Vom <i>Palazzo Bartolini</i> in Florenz<footnote to="21"/>.</fontsize></Fig></Grafik>
<page no="17"/>
<line no="1" page="17"/>  <P> Mit dieser konstruktiv richtigen Behandlung der Ecke ist eine etwas unruhige
<line no="2" page="17"/>  Wirkung derselben verbunden. Ruhigere Erscheinung erzielt man mit einem Wechsel
<line no="3" page="17"/>  von kleineren und größeren Quadern (Fig. 18<footnote to="21"/>), der nicht minder konstruktiv
<line no="4" page="17"/>  richtig ist. Allerdings werden dabei die größeren Quader häufig aus kleineren
<line no="5" page="17"/>  Stücken unter möglichster Unterdrückung der Stoßfugen zusammengesetzt. Oft sieht
<line no="6" page="17"/>  man davon ab, den Verband der Ecken mit den benachbarten Wandflächen zum
<line no="7" page="17"/>  Ausdruck zu bringen und begnügt sich mit lisenenartigen Streifen (Fig. 19<footnote to="21"/>).</P>
<line no="8" page="17"/>  <P> Ein Beispiel für ein Quaderfachwerk mit Ziegelfüllungen, bei welchem diese
<line no="9" page="17"/>  Anordnung des Farbenwechsels wegen gewählt wurde, bietet Fig. 21<footnote to="23"/>; Fig. 20<footnote to="22"/>
<line no="10" page="17"/>  zeigt dagegen ein Gebäude, bei dem reiner Quaderbau und Quaderfachwerk, wohl
<line no="11" page="17"/>  hauptsächlich nur wegen Vermehrung der malerischen Erscheinung, zur Anwendung
<line no="12" page="17"/>  gelangten. Wie die gemischten Mauerwerke oft nur mit lotrechten Streifen von
<line no="13" page="17"/>  Quadern versehen sind, so finden sich sehr oft auch solche, in denen bloß wagrechte
<line no="14" page="17"/>  Quader- oder Hausteinschichten zur Anwendung kommen. Der Zweck ist entweder
<line no="15" page="17"/>  der, die Festigkeit durch durchbindende Schichten von großen Steinen zu erhöhen,
<line no="16" page="17"/>  oder der, einen malerischen Farbenwechsel zu erzielen.</P>
<line no="17" page="17"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 20 Landhaus bei Creil<footnote to="22"/>.</fontsize> <fontsize change="-2">Arch.: <i>Viollet-le-Duc.</i></fontsize></Fig></Grafik>
<footnotes> </footnotes>
<line no="18" page="17"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="21"/> Faks.-Repr. nach: Zeitschr. d. öst. Ing.- u. Arch.-Ver. 1887, Taf. 33.</fontsize></P>
<line no="19" page="17"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="22"/> Faks.-Repr. nach: <smallcaps>Viollet-le-Duc,</smallcaps> E. E. <i>Habitations modernes.</i> Bd. 2. Paris 1877. Taf. 158.</fontsize></P>
<line no="20" page="17"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="23"/> Faks.-Repr. nach: <smallcaps>Licht,</smallcaps> H. Architektur Deutschlands. Bd. II. Berlin 1882. Taf. 161.</fontsize></P>
<page no="18"/>
<line no="1" page="18"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">10.|Gestalt|der|Quaderstirn.</fontsize></sidenote><P> Obgleich die Besprechung der Formengebung der Quader in die »<break>Bauformenlehre«</break>
<line no="2" page="18"/>   gehört, so kann dieselbe hier doch nicht ganz übergangen werden, weil die
<line no="3" page="18"/>  Form der Quader &#8212; es handelt sich
<line no="4" page="18"/>  hier um die Behandlung der <break>Stirnflächen</break>
<line no="5" page="18"/>  <Grafik beginn="#.,4#." ende="#.,41#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 21 Vom Palais <i>Reichenheim</i> zu Berlin<footnote to="23"/>.</fontsize> <fontsize change="-2">Arch: <i>Kayser &amp; v. Groszheim.</i></fontsize></Fig></Grafik>
<line no="6" page="18"/>   &#8212; in zu engem <break>Zusammenhange</break>
<line no="7" page="18"/>   mit der Bearbeitungsweise der
<line no="8" page="18"/>  Werkstücke steht und sich zum Teile
<line no="9" page="18"/>  auch aus dem Baubetrieb <break>geschichtlich</break>
<line no="10" page="18"/>   entwickelt hat.</P>
<line no="11" page="18"/>  <P> Die Bearbeitung der Quader
<line no="12" page="18"/>  und überhaupt der Werkstücke <break>besteht</break>
<line no="13" page="18"/>   bei harten Steinen im Bossieren,
<line no="14" page="18"/>  Stocken, Schleifen und Polieren;
<line no="15" page="18"/>  bei weicheren Steinen im Bossieren,
<line no="16" page="18"/>  Spitzen oder Flächen, Kröneln,
<line no="17" page="18"/>  Scharrieren und Schleifen. Diese
<line no="18" page="18"/>  Bearbeitungen werden entweder alle
<line no="19" page="18"/>  hintereinander vorgenommen, oder
<line no="20" page="18"/>  man bleibt bei einer derselben stehen.
<line no="21" page="18"/>  Dies hängt teils von der <break>beabsichtigten</break>
<line no="22" page="18"/>   Wirkung, teils von den zur
<line no="23" page="18"/>  Verfügung stehenden Mitteln ab. Die
<line no="24" page="18"/>  kräftigste und monumentalste <break>Wirkung</break>
<line no="25" page="18"/>   erreicht man mit den bossierten
<line no="26" page="18"/>  Quadern (Buckelquader, Bossage,
<line no="27" page="18"/>  Rustika), bei welchen innerhalb eines
<line no="28" page="18"/>  Randschlages die natürliche <break>Bruchfläche</break>
<line no="29" page="18"/>   oder dieselbe mit einer etwas
<line no="30" page="18"/>  weitergehenden Zurichtung (durch
<line no="31" page="18"/>  Spitzeisen und Bossierschlägel) stehen
<line no="32" page="18"/>  bleibt. Verfeinerungen der <break>Bossenquader</break>
<line no="33" page="18"/>   sind die Spiegelquader, bei
<line no="34" page="18"/>  welchen der vorstehende Bossen eine
<line no="35" page="18"/>  regelmäßige Form erhält, die häufig
<line no="36" page="18"/>  mit einem Profil umzogen ist und
<line no="37" page="18"/>  welche dann in der Regel auch glatt
<line no="38" page="18"/>  bearbeitet sind. Bei sehr aufwändigen
<line no="39" page="18"/>  Bauten findet man sogar die <break>Spiegelflächen</break>
<line no="40" page="18"/>   mitunter noch verziert.</P>
<line no="41" page="18"/>  <P pagebreak="firstpart"> Durch das Spitzen erhält man
<line no="42" page="18"/>  zwar ebene, aber noch rauhe Flächen
<line no="43" page="18"/>  mit unregelmäßigen Vertiefungen
<line no="44" page="18"/>  (den Spitzenhieben). Je nach der Sorgfalt, mit der das Spitzen ausgeführt wird,
<line no="45" page="18"/>  spricht man von grob (ordinär) oder fein gespitzter Arbeit; bei letzterer müssen
<line no="46" page="18"/>  die Spitzenhiebe parallel laufen. Mit gespitzten Flächen begnügt man sich bei
<line no="47" page="18"/>  geringeren Ausführungen oder bei Bauten, die durch ihre Massen wirken sollen.
<line no="48" page="18"/>  Durch das Kröneln werden die Vertiefungen zwar gleichmäßiger und kleiner;</P>
<page no="19"/>
<line no="1" page="19"/>  <P pagebreak="secondpart">aber das Aussehen der Fläche wird nicht verbessert. Bessere Ergebnisse erzielt
<line no="2" page="19"/>  man durch das Stocken bei den härteren Steinen, welche man in den meisten
<line no="3" page="19"/>  Fällen in dieser Arbeitsstufe beläßt, da eine weiter gehende Bearbeitung bis zum
<line no="4" page="19"/>  Polieren nur bei größten Mitteln möglich ist. Bei den weicheren Steinen geht man
<line no="5" page="19"/>  bis zum Scharrieren und meist auch zum Schleifen weiter. Das letztere ist aber im
<line no="6" page="19"/>  allgemeinen nicht zu empfehlen, weil durch dasselbe das Spiel des Lichtes auf den
<line no="7" page="19"/>  Flächen verloren geht und die Wirkung eine stumpfere wird. Man thäte meist
<line no="8" page="19"/>  besser, sich mit glatt scharrierten Flächen zu begnügen, wie dies auch im Mittelalter
<line no="9" page="19"/>  üblich war. Das Scharrieren kann übrigens zu einer sehr kostspieligen Bearbeitung
<line no="10" page="19"/>  werden, wenn man die Flächen in regelmäßigen parallelen oder radialen, geraden
<line no="11" page="19"/>  Linien aufschlägt, um dadurch Zierwirkungen zu erzielen. Diese Bearbeitungsweise
<line no="12" page="19"/>  war in der Spätrenaissance und Barockzeit sehr beliebt. Der Marmor wird durch
<line no="13" page="19"/>  das Zahnen mit dem Zahneisen zum Schleifen vorbereitet.</P>
<line no="14" page="19"/>  <P> Durch das Scharrieren geht den Quadern der Randschlag verloren, welcher die
<line no="15" page="19"/>  Stirnflächen in gleicher, dem Schlageisen entsprechender Breite umzieht und die
<line no="16" page="19"/>  Steine als Einzelteile der Mauer kennzeichnet. Bei den Bossenquadern ist er des
<line no="17" page="19"/>  Versetzens wegen wünschenswert; bei den gespitzten Steinen ist er notwendig, um
<line no="18" page="19"/>  eine ebene Fläche herstellen zu können. Will man den glatt bearbeiteten Steinen
<line no="19" page="19"/>  wieder zu einer stärkeren Betonung als Einzelteile verhelfen, als dies durch die
<line no="20" page="19"/>  Fugenlinien geschieht, so muß man zu besonderer Bearbeitung derselben greifen.
<line no="21" page="19"/>  Dies kann geschehen, indem man den Steinen ringsum eine Fase gibt, so daß
<line no="22" page="19"/>  zwischen ihnen dreieckige, in den Mauergrund eingetiefte Einschnitte sich ergeben.
<line no="23" page="19"/>  Gewöhnlich läßt man die Fasen unter rechtem Winkel <break>zusammenstoßen</break>
<line no="24" page="19"/>  <Grafik beginn="#.,24#." ende="#.,27#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 22 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 23 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="25" page="19"/>   (Fig. 22). Eine ausgeprägtere Trennung erzielt man mit
<line no="26" page="19"/>  dem Winkel von 60 Grad (Fig. 23), während ein stumpferer
<line no="27" page="19"/>  Winkel als 90 Grad die Fugen zwar breit, aber schwächlich
<line no="28" page="19"/>  macht. Für weiche Steine hat diese Abfasung den großen <break>Vorteil,</break>
<line no="29" page="19"/>   daß die Kanten durch dieselbe vor dem Abstoßen und
<line no="30" page="19"/>  Absplittern geschützt werden.</P>
<line no="31" page="19"/>  <P pagebreak="firstpart"> Die Fugen kann man auch dadurch betonen, daß man einen vertieften <break>Randschlag</break>
<line no="32" page="19"/>   um die Quader ausführt, dessen Ebene dann den Mauergrund bestimmt,
<line no="33" page="19"/>  während die Flächen der Quader &#8212; die Spiegel &#8212; vor den Mauergrund vortreten.
<line no="34" page="19"/>  Bei einfachster Ausführungsweise setzen sich die Spiegel rechtwinkelig vom <break>Mauergrund</break>
<line no="35" page="19"/>   ab (Fig. 24). Eine breitere Fuge
<line no="36" page="19"/>  <Grafik beginn="#.,35#." ende="#.,43#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 24 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 25 </fontsize></Fig><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 26 </fontsize></Fig><Fig no="4"><fontsize change="-1">Fig. 27 </fontsize></Fig><Fig no="5"><fontsize change="-1">Fig. 28 </fontsize></Fig><Fig no="6"><fontsize change="-1">Fig. 29 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="37" page="19"/>  wird durch schräges Absetzen erzielt
<line no="38" page="19"/>  (Fig. 25). Bereichert wird die erste Form
<line no="39" page="19"/>  durch eine Fase (Fig. 26) oder ein Profil
<line no="40" page="19"/>  (Fig. 27). Sehr beliebt ist es, den Spiegel
<line no="41" page="19"/>  mit einem Viertelstab zu begrenzen, der
<line no="42" page="19"/>  entweder unmittelbar in die Spiegelfläche
<line no="43" page="19"/>  übergeht (Fig. 28) oder von dieser mit
<line no="44" page="19"/>  einem Plättchen sich absetzt (Fig. 29).
<line no="45" page="19"/>  Die reicheren Formen, von denen hier
<line no="46" page="19"/>  nur die einfachsten mitgeteilt wurden,
<line no="47" page="19"/>  verteuern das Quadermauerwerk und werden daher gewöhnlich auf solche Teile
<line no="48" page="19"/>  der Fassaden beschränkt, bei denen eine Steigerung der Wirkung erwünscht ist,
<line no="49" page="19"/>  so z. B. auf die Ecken, Sockel und vielleicht ein unteres Stockwerk. Durch weise</P>
<page no="20"/>
<line no="1" page="20"/>  <P pagebreak="secondpart">Sparsamkeit sind oft größere Wirkungen zu erzielen, als durch einen gleichmäßig
<line no="2" page="20"/>  verteilten Reichtum.</P>
<line no="3" page="20"/>  <P> Wir nahmen bisher an, daß der Randschlag sich rings um den Spiegel jedes
<line no="4" page="20"/>  Quaders herum zieht, so daß die Fugenlinie in die Mitte des Streifens zwischen
<line no="5" page="20"/>  den Spiegeln fällt. Dies war auch früher die
<line no="6" page="20"/>  üblichste Anordnung. Jetzt führt man den
<line no="7" page="20"/>  <Grafik beginn="#.,6#." ende="#.,12#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 30 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="8" page="20"/>  Randschlag nur am oberen Lager und an einer
<line no="9" page="20"/>  der Stoßfugen aus (Fig. 30). Dadurch werden
<line no="10" page="20"/>  kleine zweckdienliche Vorteile erzielt. Die Fuge
<line no="11" page="20"/>  wird gedeckt und dadurch mehr vor dem <break>Eindringen</break>
<line no="12" page="20"/>   des Regenwassers geschützt, auch kommen
<line no="13" page="20"/>  kleine Unregelmäßigkeiten derselben in eine <break>verstecktere</break>
<line no="14" page="20"/>   Lage. Diese Behandlungsweise wird
<line no="15" page="20"/>  aber nur dann in Anwendung kommen können, wenn die Steine nach vorher
<line no="16" page="20"/>  genau festgesetzten Schichtenplänen bestellt, geliefert und bearbeitet werden.</P>
<line no="17" page="20"/>  <P> <fontsize change="-1">Der einseitige vertiefte Saum ist schon bei griechischen und römischen Bauwerken zur Anwendung
<line no="18" page="20"/>  gekommen, so beim Monument des <i>Lysikrates</i> in Athen (unten) und beim Grabmal der <i>Caecilia Metella</i> in
<line no="19" page="20"/>  Rom (unten und rechts).</fontsize></P>
<line no="20" page="20"/>  <P> Von den frühesten Zeiten an betrachtete man es in der Regel als <break>selbstverständlich,</break>
<line no="21" page="20"/>   Fugen nur da zu kennzeichnen, wo solche nur durch das Maß der Steine
<line no="22" page="20"/>  sich ergaben.</P>
<line no="23" page="20"/>  <P> <fontsize change="-1">Vereinzelte Beispiele von Scheinfugen finden sich schon im Altertum, so ganz planmäßig am Grabmal
<line no="24" page="20"/>  der <i>Caecilia Metella</i> in Rom<footnote to="24"/>, so an einem auf dem <i>Forum Romanum</i> gefundenen Werkstück<footnote to="25"/>, so an
<line no="25" page="20"/>  der Terrassenmauer von Pasargadae.</fontsize></P>
<line no="26" page="20"/>  <P> Namentlich die Renaissancezeit durchbrach diesen natürlichen und allein <break>richtigen</break>
<line no="27" page="20"/>   Grundsatz. Man fing an, der Verzierung zuliebe, Fugeneinschnitte auch da
<line no="28" page="20"/>  zu machen, wo in Wirklichkeit gar keine Fugen vorhanden waren, große <break>Werkstücke</break>
<line no="29" page="20"/>   scheinbar in eine Anzahl kleinerer zu zerlegen. Leider huldigt man vielfach
<line no="30" page="20"/>  auch jetzt dieser Verirrung; Bequemlichkeit der Steinhauer, Mangel an prüfender
<line no="31" page="20"/>  Ueberlegung seitens der Architekten fördern diese Scheinarchitektur.</P>
<line no="32" page="20"/>  <P> Ist es verwerflich, Fugen anzudeuten, wo keine sind, so führt es nicht minder
<line no="33" page="20"/>  zu Geschmacklosigkeiten, Fugen dort zu unterdrücken, wo sie hervorgehoben werden
<line no="34" page="20"/>  sollten. So findet man oft Bossen- oder Spiegel-Quadermauerwerke, bei welchen
<line no="35" page="20"/>  nur die wagrechten Fugen betont, die lotrechten dagegen möglichst zum <break>Verschwinden</break>
<line no="36" page="20"/>   gebracht sind und die dadurch Brettverkleidungen ähnlich werden.</P>
<line no="37" page="20"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">11.|Plastischer|Schmuck am|Quaderbau.</fontsize></sidenote><P pagebreak="firstpart"> Zur Aufnahme bildnerischen Schmuckes bei Fassadenbildungen werden häufig
<line no="38" page="20"/>  die Wandflächen, auch von Quaderbauten, hinzugezogen. Wird eine solche <break>Schmuckform</break>
<line no="39" page="20"/>   den einzelnen Quadern oder Verkleidungsplatten so zugeteilt, daß sie sich
<line no="40" page="20"/>  innerhalb der Umgrenzung derselben bewegt, so haben wir es mit einer streng mit
<line no="41" page="20"/>  dem Verband in Einklang stehenden Verzierungsweise zu thun, möge sie sich auch
<line no="42" page="20"/>  bis zum Reichtum der Fassade der Certosa von Pavia oder des sog. Kaiserhauses
<line no="43" page="20"/>  in Hildesheim versteigen, wenn sie sich nur sonst rechtfertigen läßt. Eine solche
<line no="44" page="20"/>  bauliche und oft sehr berechtigte Verwendung des bildnerischen Schmuckes haben
<line no="45" page="20"/>  wir bei der Zuteilung desselben an einzelne an geeigneten Stellen befindliche
<line no="46" page="20"/>  Quader, z. B. Binderköpfe, oder an Tafeln oder Scheiben, die in der Mitte von
<line no="47" page="20"/>  Wandfeldern angeordnet werden, oder an wagrecht die Wand teilende Streifen oder</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="48" page="20"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="24"/> Siehe Teil II, Bd. 2 (Art. 119, S. 130) dieses »Handbuches«.</fontsize></P>
<line no="49" page="20"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="25"/> Siehe: Zeitschr. d. öst. Ing.- u. Arch.-Ver. 1887, S. 183.</fontsize></P>
<page no="21"/>
<line no="1" page="21"/>  <P pagebreak="secondpart">an gewisse, für den Verband bedeutungslose Stellen. Es ist dabei für die Wahrung
<line no="2" page="21"/>  des konstruktiven Gepräges gleichgültig, welcher Art die betreffende Zierde ist, wenn
<line no="3" page="21"/>  man sich nur davor hütet, die Quaderstirnen mit stark vertieften Füllungen zu <break>versehen,</break>
<line no="4" page="21"/>   weil diese widersinnig sein würden. Wie die Schmuckformen nach den <break>Gesetzen</break>
<line no="5" page="21"/>   der Aesthetik beschaffen sein müssen, ist eine hier nicht zu behandelnde
<line no="6" page="21"/>  Frage; das Erforderliche hierüber ist in Teil I, Band 3 dieses »Handbuches« zu finden.</P>
<line no="7" page="21"/>  <P> Der streng konstruktive Boden wird verlassen, wenn die Schmuckformen sich
<line no="8" page="21"/>  über mehrere Steine hinweg erstrecken, so daß dieselben von Fugen durchschnitten
<line no="9" page="21"/>  werden. Davor ist man nun allerdings zu keiner Zeit zurückgeschreckt, und mit
<line no="10" page="21"/>  Recht; denn eine so ängstliche Beschränkung, die Entwickelung eines Ornamentes
<line no="11" page="21"/>  nur auf die knappe Fläche eines Steines zulassen zu wollen, ist gar nicht <break>durchführbar.</break>
<line no="12" page="21"/>   Am zurückhaltendsten hat sich in dieser Beziehung wohl die Gotik <break>gezeigt;</break>
<line no="13" page="21"/>   aber auch sie konnte das Durchschneiden des Zierwerkes durch Fugen nicht
<line no="14" page="21"/>  vermeiden. Doch ist zu bestätigen, daß sie zu allermeist auf eine zweckmäßige
<line no="15" page="21"/>  Lage der Fugen Rücksicht nahm.</P>
<line no="16" page="21"/>  <P> Diese Maßregel ist es auch, die als Richtschnur für die Gestaltung von <break>Schmuckformen</break>
<line no="17" page="21"/>   empfohlen werden muß, insbesondere dann, wenn härtere Steine zur <break>Anwendung</break>
<line no="18" page="21"/>   gelangen, die eine nachträgliche Herstellung des Ornamentes an der Fassade
<line no="19" page="21"/>  nicht gestatten, oder wenn die Fertigstellung vor dem Versetzen der Werkstücke das
<line no="20" page="21"/>  anzuwendende Arbeitsverfahren ist. Gestattet es die Beschaffenheit des Steines, die
<line no="21" page="21"/>  Werkstücke mit dem für die Verzierung bestimmten Bossen zu versetzen und diesen
<line no="22" page="21"/>  erst nachher auszumeißeln, so ist dies von großem Vorteil; man ist in Bezug auf
<line no="23" page="21"/>  die Zeit vom Bildhauer nicht abhängig; das Versetzen ist leichter, weil die Sorge
<line no="24" page="21"/>  vor Beschädigungen der zarten Arbeiten wegfällt; unbedingt genaues Passen der
<line no="25" page="21"/>  Profile und Ornamentteile in den aufeinander folgenden Schichten oder aneinander
<line no="26" page="21"/>  gereihten Steinen ist zu erzielen möglich, und schließlich ist man eben durch den
<line no="27" page="21"/>  Fugenschnitt in der Erfindung der Form nicht behindert. Aber diese Freiheit ist
<line no="28" page="21"/>  auch die Klippe, an der so häufig das monumentale und konstruktive Gepräge zu
<line no="29" page="21"/>  Grunde geht. Selbstbeschränkung kann auch hier nur vor Verwilderung bewahren.
<line no="30" page="21"/>  Auf einen Nachteil der nachträglichen Fertigstellung der Werkstücke bezüglich der
<line no="31" page="21"/>  Dauerhaftigkeit derselben werden wir später zurückzukommen haben.</P>
<line no="32" page="21"/>  <P> So umfassend die alten Völker, selbst die Griechen bei ihren Bauten aus<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">12.|Färbung|und|Bemalung.</fontsize></sidenote>
<line no="33" page="21"/>  weißem Marmor, einen farbigen Schmuck der Außenflächen durch Bemalung und
<line no="34" page="21"/>  Färbung in Anwendung brachten, so selten ist derselbe jetzt geworden. Man begnügt
<line no="35" page="21"/>  sich jetzt zumeist, farbige Wirkung der Fassaden durch geschickte Auswahl der Steine
<line no="36" page="21"/>  zu erzielen, und kann damit auch recht schöne, wenn auch in Kraft und Tiefe der
<line no="37" page="21"/>  Farben beschränkte Erfolge erreichen. Bunteren Wechsel sucht man durch <break>Hinzuziehen</break>
<line no="38" page="21"/>   anderer Baustoffe (vergl. Kap. 2 u. 4) herbeizuführen. Daß die <break>unmittelbare</break>
<line no="39" page="21"/>   Färbung und Bemalung der Steinflächen ganz in den Hintergrund getreten ist,
<line no="40" page="21"/>  hat wohl seinen Grund in dem Mangel eines Verfahrens, dieselbe dauerhaft <break>herzustellen,</break>
<line no="41" page="21"/>   und in dem Verluste des Sinnes für derartigen Schmuck. Die Alten <break>verwendeten</break>
<line no="42" page="21"/>   zur Ausführung desselben auf Marmor und Holz die <spacing>enkaustische
<line no="43" page="21"/>  Malerei,</spacing> deren Kenntnis verloren gegangen ist. Mannigfache Versuche, dieselbe
<line no="44" page="21"/>  wieder zu entdecken, sind gemacht worden. Sie haben zur Auffindung der für
<line no="45" page="21"/>  Innenausstattungen wichtigen Wachsölmalerei geführt, die oft fälschlich enkaustische
<line no="46" page="21"/>  Malerei genannt wird.</P>
<line no="47" page="21"/>  <P pagebreak="firstpart"> <i>Hansen</i> in Wien soll an den Fassaden des neuen Parlamentshauses daselbst</P>
<page no="22"/>
<line no="1" page="22"/>  <P pagebreak="secondpart">Versuche mit einer wirklichen Enkaustik gemacht haben. Die Ausführungsweise
<line no="2" page="22"/>  derselben scheint aber erst durch <i>Donner von Richter</i> wieder entdeckt worden zu
<line no="3" page="22"/>  sein<footnote to="26"/>. Danach bestand dieselbe im Auftragen von geschmolzenem, mit Farbe und
<line no="4" page="22"/>  Olivenöl gemengtem, punischem Wachse (Wachs, welches etwas durch kohlensaures
<line no="5" page="22"/>  Natron verseift ist) mittels des Pinsels und nachherigem Einbrennen. Das letztere
<line no="6" page="22"/>  war notwendig, um der Oberfläche eine gleichmäßige Erscheinung zu geben.</P>
<line no="7" page="22"/>  <P> Die <spacing>Kausis</spacing> war nach derselben Quelle ein Ueberziehen von Freskomalereien
<line no="8" page="22"/>  mit geschmolzenem punischem Wachs, dem etwas Olivenöl zugemischt war und
<line no="9" page="22"/>  welches auch eingebrannt wurde. Diese Methode wurde nur des Zinnobers wegen
<line no="10" page="22"/>  angewendet, welches im Licht die Farbe verändert.</P>
<line no="11" page="22"/>  <P> Unter den neueren Malmethoden ist die <spacing>Stereochromie</spacing> auf Steinflächen
<line no="12" page="22"/>  anwendbar. Mitteilungen über dieselbe folgen in Kap. 4<footnote to="27"/>.</P>
<line no="13" page="22"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">13.|Behandlung|von geböschten|Wandflächen.</fontsize></sidenote><P pagebreak="firstpart"> Außer Mauern mit lotrechter Außenseite
<line no="14" page="22"/>  kommen auch öfters solche mit Anlauf, <break>Dossierung</break>
<line no="15" page="22"/>  <Grafik beginn="#.,14#." ende="#.,25#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 31 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 32 </fontsize></Fig><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 33 </fontsize></Fig><Fig no="4"><fontsize change="-1">Fig. 34 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="16" page="22"/>   oder Böschung &#8212; die geböschten Mauern
<line no="17" page="22"/>  &#8212; zur Anwendung. Werden dieselben aus
<line no="18" page="22"/>  Quadern hergestellt, so nimmt man gewöhnlich
<line no="19" page="22"/>  <sup>1</sup>/<sub>12</sub> der Höhe als größtes Maß des Anlaufes
<line no="20" page="22"/>  an; indessen kommen auch viel stärkere <break>Neigungen</break>
<line no="21" page="22"/>   vor. Das einfachste Mittel, den Anlauf
<line no="22" page="22"/>  herzustellen, besteht im Zurücksetzen der <break>Schichten</break>
<line no="23" page="22"/>   um den auf die Höhe jeder Schicht <break>kommenden</break>
<line no="24" page="22"/>   Teil des Gesamtmaßes. Verfährt man
<line no="25" page="22"/>  dabei nach der in Fig. 31 dargestellten Weise,
<line no="26" page="22"/>  so bleibt auf den wagrechten Absätzen Wasser
<line no="27" page="22"/>  stehen, dringt von da in die Fugen ein und trägt zur rascheren Zerstörung der Mauer
<line no="28" page="22"/>  bei. Es ist deshalb immer anzuraten, die Kanten am oberen Lager der Quader
<line no="29" page="22"/>  abzufasen (Fig. 32) oder abzurunden (Fig. 33). Noch
<line no="30" page="22"/>  besser ist es, diese Fase oder Abrundung ein Stück unter
<line no="31" page="22"/>  <Grafik beginn="#.,29#." ende="#.,44#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 35 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="32" page="22"/>  die Lagerfuge zu rücken (Fig. 34). Die Quader einer
<line no="33" page="22"/>  solchen Mauer können selbstredend auch mit Bossen oder
<line no="34" page="22"/>  Spiegeln versehen werden (Fig. 35). Soll das Haupt der
<line no="35" page="22"/>  Mauer eine ebene Fläche bilden, so ergeben sich am
<line no="36" page="22"/>  unteren Lager der Quader spitzwinkelige Kanten, die
<line no="37" page="22"/>  man bekanntlich zu vermeiden sucht. Man wird dieselben
<line no="38" page="22"/>  nur bei sehr geringer Böschung zulassen dürfen. Als
<line no="39" page="22"/>  Auskunftsmittel hat man ein Brechen der Lagerfugen
<line no="40" page="22"/>  auf 9 bis 10<highlow type="high">cm</highlow> Breite, wie in Fig. 36, zur Anwendung
<line no="41" page="22"/>  gebracht. Abgesehen von dem dabei sich um das <break>Höhenmaß</break>
<line no="42" page="22"/>   <i>a</i> ergebenden Mehraufwand an Werkstein, ist auch
<line no="43" page="22"/>  eine sehr genaue und daher teuere Bearbeitung <break>erforderlich;</break>
<line no="44" page="22"/>   das Versetzen ist schwierig und doch ist das <break>Ergebnis</break>
<line no="45" page="22"/>   kein vollkommenes, weil die nach innen zu <break>geneigten</break>
<line no="46" page="22"/>   Lagerfugen das Eindringen des Regenwassers</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="47" page="22"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="26"/> Ausführliche Mitteilungen desselben in: <smallcaps>Keim,</smallcaps> A. Praktische und chemische Mittheilungen für Malerei u. s. w.
<line no="48" page="22"/>  Jahrg. 2 (1885), S. 37 u. ff.</fontsize></P>
<line no="49" page="22"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="27"/> Ueber die sog. Lavamalerei siehe die 1. Auflage dieses Heftes (Art. 12, S. 22).</fontsize></P>
<page no="23"/>
<line no="1" page="23"/>  <P pagebreak="secondpart">befördern. Gute Dichtung der Fugen und dauernde Beaufsichtigung derselben sind
<line no="2" page="23"/>  daher dringend notwendig. Vorzuziehen ist in solchen Fällen, die Lagerflächen
<line no="3" page="23"/>  in ihrer ganzen Ausdehnung senkrecht zum geböschten Mauerhaupt zu legen, wobei
<line no="4" page="23"/>  die spitzen Winkel nach innen kommen (Fig. 37). Wie im vorhergehenden Bande
<line no="5" page="23"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 36 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 37 </fontsize></Fig><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 38 </fontsize></Fig><Fig no="4"><fontsize change="-1">Fig. 39 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="6" page="23"/>  (Art. 13, S. 12) dieses »Handbuches« ausgeführt wurde, wird diese Anordnung auch
<line no="7" page="23"/>  mitunter des Fugendruckes wegen notwendig. Zusammenstellungen von geneigten
<line no="8" page="23"/>  und wagrechten Lagerflächen kommen gleichfalls zur Anwendung (Fig. 38).</P>
<line no="9" page="23"/>  <P> Für wagrechte Lagerflächen ist die in Fig. 39 dargestellte Behandlung des
<line no="10" page="23"/>  Mauerhauptes eine sehr zweckmäßige. Um rechtwinkelige Kanten am unteren Lager
<line no="11" page="23"/>  zu erhalten, sind schmale lotrechte Abstumpfungen angeordnet und die Quaderhäupter
<line no="12" page="23"/>  etwas flacher geböscht, als die angenommene Gesamtböschung.</P>
<line no="13" page="23"/>  <P pagebreak="firstpart"> Bei den unter freiem Himmel befindlichen Mauern ist die oberste Quaderschicht<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">14.|Wagrechte|Mauerabschlüsse.</fontsize></sidenote>
<line no="14" page="23"/>  so zu gestalten, daß das Regenwasser abgeführt wird, also nicht stehen bleiben und
<line no="15" page="23"/>  in die Stoßfugen eindringen kann. Bei den einhäuptigen Mauern, wie Stütz- und
<line no="16" page="23"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 40 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 41 </fontsize></Fig><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 42 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="17" page="23"/>  Terrassenmauern, wird dies in einfachster Weise durch eine Abrundung der etwas
<line no="18" page="23"/>  geneigten Oberfläche bewirkt, wenn das Gelände sich nahezu wagrecht anschließt
<line no="19" page="23"/>  (Fig. 40). Aus ästhetischen Gründen wird an dieser Stelle häufig auch ein <break>vorspringendes</break>
<line no="20" page="23"/>   Gesims notwendig, dessen Traufkante bei lotrechter Mauerflucht diese</P>
<page no="24"/>
<line no="1" page="24"/>  <P pagebreak="secondpart">vor dem Regen etwas schützt. Dieser Schutz
<line no="2" page="24"/>  <Grafik beginn="#.,1#." ende="#.,12#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 43 Festungsmauer in Pompeji<footnote to="28"/>.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="3" page="24"/>  entfällt bei geböschten Mauern. Eine <break>Ueberfalzung</break>
<line no="4" page="24"/>   mit der nächstunteren Schicht erscheint
<line no="5" page="24"/>  zweckmäßig, um Verschiebungen zu verhindern
<line no="6" page="24"/>  (Fig. 41). Diese letztere Maßregel ist noch
<line no="7" page="24"/>  wünschenswerter, wenn der Boden über der
<line no="8" page="24"/>  Mauer ansteigt (Fig. 42). Auf diesen Umstand
<line no="9" page="24"/>  ist auch in der Bildung des oberen Lagers
<line no="10" page="24"/>  Rücksicht zu nehmen.</P>
<line no="11" page="24"/>  <P> Bei Terrassenmauern ist auf dem oberen
<line no="12" page="24"/>  Lager gewöhnlich eine wagrechte <break>Aufstandsfläche</break>
<line no="13" page="24"/>   für eine Brüstungsmauer oder Balustrade
<line no="14" page="24"/>  zu beschaffen.</P>
<line no="15" page="24"/>  <P> Die zweihäuptigen Mauern, wie frei endigende Umfassungsmauern, Einfriedigungs-
<line no="16" page="24"/>  und Festungsmauern, Brustwehren u. dergl. erfordern ebenfalls Rücksichtnahme auf
<line no="17" page="24"/>  rasche Wasserabführung, und zwar mit oder ohne Verbindung mit einem Gesims oder
<line no="18" page="24"/>  einfachem Vorsprung vor den <break>Mauerfluchten.</break>
<line no="19" page="24"/>   In einfachster Weise erfolgt
<line no="20" page="24"/>  <Grafik beginn="#.,18#." ende="#.,23#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 44 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 45 </fontsize></Fig><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 46 </fontsize></Fig><Fig no="4"><fontsize change="-1">Fig. 47 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="21" page="24"/>  die Wasserabführung nach den in
<line no="22" page="24"/>  Fig. 44 u. 45 angedeuteten Weisen.
<line no="23" page="24"/>  Verbindung des Wasserschlages mit
<line no="24" page="24"/>  einem Vorsprung oder Gesims geben
<line no="25" page="24"/>  in antiker, mittelalterlicher und <break>neuzeitlicher</break>
<line no="26" page="24"/>   Weise Fig. 43, 46 u. 47.</P>
<line no="27" page="24"/>  <P> Da das Eindringen des Wassers in die Stoßfugen zuerst die Verwitterung <break>einleitet</break>
<line no="28" page="24"/>   und befördert, so ist es für die Abdeckungen zweckmäßig, die Stoßfugen
<line no="29" page="24"/>  möglichst davor zu sichern. Eine gute Maßregel ist, <break>dieselben</break>
<line no="30" page="24"/>   mit schmalen Stegen einzufassen und so die Flächen,
<line no="31" page="24"/>  <Grafik beginn="#.,28#." ende="#.,33#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 48 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="32" page="24"/>  von denen Wasser zugeführt werden kann, einzuschränken
<line no="33" page="24"/>  (Fig. 48). Die Flächen zwischen den überhöhten Rändern
<line no="34" page="24"/>  können dabei eben (Fig. 49) oder noch besser rinnenförmig
<line no="35" page="24"/>  (Fig. 50) gestaltet werden.</P>
<line no="36" page="24"/>  <P> Die Befestigung der Deckschicht auf der nächst darunter
<line no="37" page="24"/>  befindlichen Schicht und die der Steine der Deckschicht
<line no="38" page="24"/>  untereinander kann nach einer der im vorhergehenden Bande (Abschn. 1, Kap.)
<line no="39" page="24"/>  dieses »Handbuches« angegebenen Arten erfolgen.</P>
<line no="40" page="24"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">15.|Schräge|Mauerausläufe.</fontsize></sidenote><P pagebreak="firstpart"> Die schräg ansteigenden Abschlüsse von Mauern, welche Freitreppen oder
<line no="41" page="24"/>  Rampen seitlich <break>begrenzen,</break>
<line no="42" page="24"/>   oder von <break>Flügelmauern</break>
<line no="43" page="24"/>  <Grafik beginn="#.,39#." ende="#.,41#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 49 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 50 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="44" page="24"/>   oder <break>Strebepfeilern</break>
<line no="45" page="24"/>   oder Giebelmauern
<line no="46" page="24"/>  unterliegen denselben
<line no="47" page="24"/>  Witterungseinflüssen, wie die wagrechten Abschlüsse von anderen im Freien <break>befindlichen</break>
<line no="48" page="24"/>   Mauern und erfordern daher ähnliche Behandlung. Die rasche <break>Wasserabführung</break>
<line no="49" page="24"/>   ergibt sich bei ihnen allerdings von selbst; dagegen entstehen aus der</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="50" page="24"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="28"/> Nach: <smallcaps>Viollet-le-Duc,</smallcaps> E. E. <i>Dictionnaire raisonné de l&#39;architecture française etc.</i> Band 4. Paris
<line no="51" page="24"/>  1861. S. 375.</fontsize></P>
<page no="25"/>
<line no="1" page="25"/>  <P pagebreak="secondpart">Verbindung der Abdeckung mit den wagrechten Quaderschichten ähnliche <break>Schwierigkeiten</break>
<line no="2" page="25"/>   für den Fugenschnitt, wie bei den geböschten Mauern. Die Lösung <break>derselben</break>
<line no="3" page="25"/>   erfolgt auch im allgemeinen in der gleichen Weise, wie bei diesen. Wegen
<line no="4" page="25"/>  der flacheren Neigung der in Rede stehenden Abschlüsse muß jedoch noch mehr
<line no="5" page="25"/>  von der Durchführung wagrechter Lagerfugen abgesehen werden, da die unteren
<line no="6" page="25"/>  Kantenwinkel immer zu spitz ausfallen. Hier ist aber anzuführen, daß das <break>Mittelalter</break>
<line no="7" page="25"/>   dies nicht immer beachtete.</P>
<line no="8" page="25"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 51 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 52 </fontsize></Fig><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 53 </fontsize></Fig><Fig no="4"><fontsize change="-1">Fig. 54 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="9" page="25"/>  <P> Fig. 51 bis 54 geben Beispiele, wie die Abschlüsse von Wangen- und <break>Flügelmauern</break>
<line no="10" page="25"/>   hergestellt werden können. Am Fuße derselben ist in der Regel ein größerer
<line no="11" page="25"/>  Stein anzuordnen, um dem Schub der darüber befindlichen Steine genügenden
<line no="12" page="25"/>  Widerstand zu bieten. Insbesondere wird dieser notwendig bei der in Fig. 54 <break>dargestellten</break>
<line no="13" page="25"/>   Abdeckung mit Platten, unter denen die wagrechten Schichten spitz <break>auslaufen;</break>
<line no="14" page="25"/>   das letztere ist hierbei zulässig,
<line no="15" page="25"/>  <Grafik beginn="#.,15#." ende="#.,25#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 55 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 56 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="16" page="25"/>  und diese Anordnung hat den Vorteil,
<line no="17" page="25"/>  daß die Anzahl der Stoßfugen, in welche
<line no="18" page="25"/>  Wasser eindringen kann, verringert wird.</P>
<line no="19" page="25"/>  <P> Fig. 55 u. 56 geben Abdeckungen
<line no="20" page="25"/>  von Strebepfeilern. Die bessere <break>Anordnung</break>
<line no="21" page="25"/>   ist jedenfalls die in Fig. 56 <break>wiedergegebene.</break>
<line no="22" page="25"/>  </P>
<line no="23" page="25"/>  <P> In Fig. 57 u. 58 sind <break>Giebelmauerabschlüsse</break>
<line no="24" page="25"/>   dargestellt; der Abschluß in
<line no="25" page="25"/>  Fig. 58 ist vorzuziehen, weil bei <break>demselben</break>
<line no="26" page="25"/>   die Werkstücke eine Abwässerung
<line no="27" page="25"/>  nach der Seite hin haben, wodurch das
<line no="28" page="25"/>  Wasser in diagonaler Richtung geführt und von den Stoßfugen etwas abgeleitet wird.</P>
<line no="29" page="25"/>  <P pagebreak="firstpart"> Die Quader und bearbeiteten Werkstücke werden an ihren Platz in der Mauer<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">16.|Versetzen|der Hausteine.</fontsize></sidenote>
<line no="30" page="25"/>  entweder bei geringerer Höhe mühsam auf schiefen Ebenen (Fahrbrücken) hinauf-</P>
<page no="26"/>
<line no="1" page="26"/>  <P pagebreak="secondpart">befördert, oder sie werden an denselben mittels der Hebezeuge (Hebegeschirre)
<line no="2" page="26"/>  gehoben. Im letzteren Falle faßt man sie mittels des Wolfes (Kropfeisen, Klaue)
<line no="3" page="26"/>  oder der Zange oder des Kranztaues oder anderer geeigneter Vorrichtungen. Diese,
<line no="4" page="26"/>  sowie die Hebezeuge werden in Teil I, Band 5 (Bauführung) dieses »Handbuches«
<line no="5" page="26"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 57 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 58<footnote to="29"/> </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="6" page="26"/>  Besprechung finden. Nur bei Anwendung des Wolfes können die Steine über ihrem
<line no="7" page="26"/>  künftigen Platz unter allen Umständen schwebend erhalten werden, wodurch die
<line no="8" page="26"/>  Arbeit des Versetzens sehr erleichtert wird und dieselbe genauer und sauberer
<line no="9" page="26"/>  vollendet werden kann, als wenn dies bei Benutzung einer der anderen <break>Faßvorrichtungen</break>
<line no="10" page="26"/>   aus freier Hand geschehen muß.</P>
<line no="11" page="26"/>  <P> Bei jeder Art des Versetzens müssen die Quader oder die Werkstücke, <break>nachdem</break>
<line no="12" page="26"/>   das Lager genau wagrecht abgerichtet worden ist, zunächst probeweise versetzt
<line no="13" page="26"/>  werden, um nachsehen zu können, ob sie passen, was mit der Wasser- oder Setzwage,
<line no="14" page="26"/>  dem Lot (Senkel), dem Winkelmaß und Richtscheit geschieht. Ungenauigkeiten
<line no="15" page="26"/>  werden dann möglichst beseitigt. Das Verrücken der Steine auf ihrem Lager erfolgt
<line no="16" page="26"/>  mittels eiserner Stangen mit flacher Schneide, den Setzeisen (Brechstangen). Diese
<line no="17" page="26"/>  müssen möglichst vorsichtig, wo möglich nur unter den Stoßfugenseiten, zur <break>Anwendung</break>
<line no="18" page="26"/>   gebracht werden. Beim Versetzen aus freier Hand ist dies nicht immer
<line no="19" page="26"/>  möglich, woraus sich sehr häufig starke Beschädigungen der sichtbar bleibenden
<line no="20" page="26"/>  Kanten ergeben. Um diese Verletzungen der Kanten zu vermeiden, legt man <break>gewöhnlich</break>
<line no="21" page="26"/>   unter die Lagerfläche, auch wenn die Mauer ohne volle Mörtelfugen <break>ausgeführt</break>
<line no="22" page="26"/>   wird, kleine Keile von weichem Holz, Pappdeckelstücke, Bleistreifen etc.,
<line no="23" page="26"/>  die nach dem Versetzen wieder beseitigt werden, was leicht durch das Lüften mit
<line no="24" page="26"/>  dem Setzeisen geschehen kann. Man verwendet auch wohl nur eine dünne Schicht
<line no="25" page="26"/>  von Weißkalk, die über das ganze Lager ausgebreitet wird. Am sichersten ist es
<line no="26" page="26"/>  jedoch, unter die ganze Lagerfläche eine dünne Bleiplatte (von Rollen- oder <break>Dachblei),</break>
<line no="27" page="26"/>   welche um etwa 3<highlow type="high">cm</highlow> vom Rande wegbleibt, zu legen. Kann das Blei
<line no="28" page="26"/>  mit Kalk- oder Cementmörtel in Berührung kommen, so soll es vor der <break>zersetzenden</break>
<line no="29" page="26"/>   Einwirkung derselben durch Anstrich mit Kautschukfirnis geschützt werden
<line no="30" page="26"/>  können.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="31" page="26"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="29"/> Nach: <smallcaps>Chabat,</smallcaps> P. <i>La brique et la terre cuite.</i> Paris 1881. Taf. 55.</fontsize></P>
<page no="27"/>
<line no="1" page="27"/>  <P> <fontsize change="-1">Die Griechen verwendeten zum Schutz der Kanten an besonders wichtigen Stellen einen Schutzsteg
<line no="2" page="27"/>  (<i>Scamillus</i><footnote to="30"/>, oder sie ließen an denselben Bossen stehen, die später weggearbeitet wurden<footnote to="31"/>, und zwar
<line no="3" page="27"/>  nicht bloß an den Kanten der Lagerfugen, sondern auch an denen der Stoßfugen. Einen ähnlichen Zweck
<line no="4" page="27"/>  haben die schon oben erwähnten Absafungen der Kanten.</fontsize></P>
<line no="5" page="27"/>  <P> Außer aus dem angegebenen Grunde kommen die Bleiplatten auch zur <break>Herbeiführung</break>
<line no="6" page="27"/>   gleichmäßiger Druckverteilung in Anwendung. Eben deshalb verwendet
<line no="7" page="27"/>  man bekanntlich auch den Mörtel. Am besten ist es, diesen satt auf Lager- und
<line no="8" page="27"/>  Stoßflächen der benachbarten Steine aufzutragen und den Quader gleichmäßig <break>einzusetzen.</break>
<line no="9" page="27"/>   Deshalb hebt oder kantet man nach dem Probesetzen den Quader wieder
<line no="10" page="27"/>  auf, reinigt und benetzt alle Fugenflächen gut mit Wasser, trägt einen feinsandigen
<line no="11" page="27"/>  Mörtel auf, setzt in denselben dann endgültig den Stein in der ausgeprobten Lage
<line no="12" page="27"/>  und rammt diesen vorsichtig mit hölzernen Stößern, bis er mit den Nachbarsteinen
<line no="13" page="27"/>  der Schicht in Wage liegt. Diese Art des Versetzens macht bei Benutzung von
<line no="14" page="27"/>  Hebezeug und Wolf keine Schwierigkeiten. Trotzdem drückt sich, wie die Erfahrung
<line no="15" page="27"/>  lehrt, der Quader sehr häufig nicht gleichmäßig in das Mörtelbett ein; die untere
<line no="16" page="27"/>  Lagerfläche des versetzten Steines kommt nicht vollständig mit dem Mörtel in <break>Berührung,</break>
<line no="17" page="27"/>   und es verbleiben Höhlungen.</P>
<line no="18" page="27"/>  <P> <fontsize change="-1">Mit gutem Erfolge wurde zur Vermeidung dieses Uebelstandes beim Bau der Albertbrücke zu
<line no="19" page="27"/>  Dresden folgendes Verfahren in Anwendung gebracht<footnote to="32"/>. Siebförmig durchbohrte Eisenbleche wurden
<line no="20" page="27"/>  auf die Lagerflächen gelegt und über diese der Mörtel ausgebreitet. Wurde sodann das Blech abgehoben,
<line no="21" page="27"/>  so fanden sich auf der Lagerfläche eine große Anzahl kegelförmiger Mörtelberge und eine Anzahl <break>unausgesüllter</break>
<line no="22" page="27"/>   Thäler vor; der nun aufgesetzte Stein verschob die Bergspitzen nach Maßgabe der Beschaffenheit
<line no="23" page="27"/>  seiner unteren Lagerfläche, und wenn man jetzt den versetzten Stein wieder emporhob, so zeigte es sich,
<line no="24" page="27"/>  daß die untere Lagerfläche sehr gleichmäßig sich in den Mörtel eingesetzt hatte und Hohlräume kaum
<line no="25" page="27"/>  zu bemerken waren; die Stärke der Lagerfugen betrug hierbei rund 5<highlow type="high">mm</highlow>.</fontsize></P>
<line no="26" page="27"/>  <P> Noch unvollkommener wird die Mörtelverteilung beim Umkanten der aus freier
<line no="27" page="27"/>  Hand zu versetzenden Quader. Um ein einseitiges Herausdrücken des Mörtels hierbei
<line no="28" page="27"/>  zu verhindern, ist man immer gezwungen, Holz- oder Eisenkeile oder Schiefer <break>unterzulegen,</break>
<line no="29" page="27"/>   die nach dem Versetzen wieder herausgezogen werden müssen. Am <break>zweckmäßigsten</break>
<line no="30" page="27"/>   dürfte hierbei das Unterlegen von Holzkeilen in der Nähe der vier Ecken
<line no="31" page="27"/>  des Steines sein.</P>
<line no="32" page="27"/>  <P> Am unvollkommensten wird die Ausfüllung der Fugen beim nachträglichen
<line no="33" page="27"/>  Ausgießen mit dünnem Mörtel. Die Fugenränder werden dabei vorher mit Mörtel,
<line no="34" page="27"/>  Thon oder Werg gedichtet und der <break>dünnflüssige</break>
<line no="35" page="27"/>  <Grafik beginn="#.,35#." ende="#.,43#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 59<footnote to="33"/> </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 60 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="36" page="27"/>   Mörtel unter Druck, d. h. von einer
<line no="37" page="27"/>  gewissen Höhe aus in die <break>Stoßfugenhöhlungen</break>
<line no="38" page="27"/>   eingegossen. Da immer mörtelleere
<line no="39" page="27"/>  Räume bleiben, so muß man diese zu <break>beseitigen</break>
<line no="40" page="27"/>   suchen. Dies kann mit der Mörtelsäge
<line no="41" page="27"/>  (Fig. 59<footnote to="33"/>) geschehen. Bei den Lagerfugen
<line no="42" page="27"/>  verwendet man dieselbe in der in Fig. 60
<line no="43" page="27"/>  dargestellten Weise.</P>
<line no="44" page="27"/>  <P pagebreak="firstpart"> <fontsize change="-1">Man befestigt in der Höhe der Fuge <i>F F</i> das
<line no="45" page="27"/>  Brett <i>A,</i> welches an der Unterseite mit den eisernen
<line no="46" page="27"/>  Winkeln <i>C</i> versehen ist, die sich an die Steinfläche anlegen. Das Brett wird durch die in die Fuge <break>eingeschobenen</break>
<line no="47" page="27"/>   Eisenschienen <i>B</i> gehalten. Der auf das Brett aufgebrachte Mörtel wird vom Maurer mit der</fontsize></P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="48" page="27"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="30"/> Siehe Teil II, Bd. 1 (Art. 42, S. 71) dieses »Handbuches«.</fontsize></P>
<line no="49" page="27"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="31"/> Siehe: <smallcaps>Choisy,</smallcaps> A. <i>L&#39;art de bâtir chez les Romains.</i> Paris 1873. S. 106 u. ff.</fontsize></P>
<line no="50" page="27"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="32"/> Siehe: Protokolle des Sächsischen Ingenieur- u. Architckten-Vereins. 87. ordentl. Hauptversammlung 1875. S. 75.</fontsize></P>
<line no="51" page="27"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="33"/> Nach: <smallcaps>Viollet-le-Duc,</smallcaps> a. a. O., Bd. 5, S. 421.</fontsize></P>
<page no="28"/>
<line no="1" page="28"/>  <P pagebreak="secondpart"><fontsize change="-1">Kelle und der Mörtelsäge so lange in die Fuge eingeschoben, bis nichts mehr hineingeht. Hat der Mörtel
<line no="2" page="28"/>  angefangen abzubinden, so wird er fest zusammengestoßen. Gut ist es, die Fuge bis auf 2 bis 3<highlow type="high">cm</highlow> Tiese
<line no="3" page="28"/>  offen zu lassen, namentlich bei weichen Steinen und bei Verwendung von Cement, damit ein Absprengen
<line no="4" page="28"/>  der Kanten durch den Druck auf den härter als der Stein gewordenen Mörtel beim Setzen des <break>Mauerwerkes</break>
<line no="5" page="28"/>   nicht eintreten kann.</fontsize></P>
<line no="6" page="28"/>  <P> Die Stoßfugenhöhlungen werden in der Regel nachträglich ausgegossen, um
<line no="7" page="28"/>  sie zusammensägen und dadurch fein (scharf) machen zu können. Man verwendet
<line no="8" page="28"/>  dazu bei weichen Steinen gezahnte, bei härteren Steinen ungezahnte Sägeblätter
<line no="9" page="28"/>  von Stahl oder Kupfer unter Zuführung von Wasser und feinem Sand.</P>
<line no="10" page="28"/>  <P> Besondere Vorsichtsmaßregeln erheischen solche mit Wänden in Verbindung
<line no="11" page="28"/>  stehende Werkstücke, die wegen ihrer beträchtlichen Länge bei geringer <break>Querschnittsfläche</break>
<line no="12" page="28"/>   mit dem natürlichen Lager in aufrechte Stellung kommen und infolgedessen
<line no="13" page="28"/>  schon bei geringem durch das Setzen des Mauerwerkes herbeigeführten Drucke <break>Absplitterungen</break>
<line no="14" page="28"/>   erleiden können. Dies ist beispielsweise bei dünnen, vor die Mauer
<line no="15" page="28"/>  gestellten Säulenschäften oder Diensten der Fall, die mit derselben nur durch einzelne
<line no="16" page="28"/>  Binder verbunden sind. Man nimmt nach dem Einpassen die Säulchen <break>zweckmäßigerweise</break>
<line no="17" page="28"/>   ganz weg und versetzt sie erst endgültig, wenn kein merkliches Setzen mehr
<line no="18" page="28"/>  zu erwarten steht.</P>
<line no="19" page="28"/>  <P> In solchen Fällen ist eine Verbindung der nachträglich eingeschobenen <break>Werkstücke</break>
<line no="20" page="28"/>   mit den schon früher versetzten durch Dübel wünschenswert, um sie in ihrem
<line no="21" page="28"/>  Stande zu sichern. Um dies zu ermöglichen, schlägt
<line no="22" page="28"/>  man im oberen Lager des unteren Stückes ein <break>Dübelloch</break>
<line no="23" page="28"/>  <Grafik beginn="#.,22#." ende="#.,35#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 61 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="24" page="28"/>   von der ganzen Länge des Dübels und steckt
<line no="25" page="28"/>  diesen hinein, nachdem man ihn an ein Pferdehaar,
<line no="26" page="28"/>  einen dünnen Draht oder eine dünne Schnur <break>gebunden</break>
<line no="27" page="28"/>   hat<footnote to="34"/>. Mittels der beiden Enden dieses
<line no="28" page="28"/>  Drahtes oder dergleichen (Fig. 61) zieht man nach
<line no="29" page="28"/>  dem Versetzen den Dübel in das Loch des oberen
<line no="30" page="28"/>  Werkstückes in die Höhe und hält ihn so fest, bis
<line no="31" page="28"/>  er vergossen ist, was durch die an einer oder <break>mehreren</break>
<line no="32" page="28"/>   Seiten angebrachten sog. Nester aus Thon
<line no="33" page="28"/>  oder Letten erfolgt. Zur Erleichterung des <break>Ausgießens</break>
<line no="34" page="28"/>   werden auf dem oberen Lager des unteren
<line no="35" page="28"/>  Werkstückes Gußrinnen eingearbeitet, die in der
<line no="36" page="28"/>  Nähe der Kante beginnen und mit etwas Gefälle
<line no="37" page="28"/>  nach dem Dübelloch geführt sind.</P>
<line no="38" page="28"/>  <P> Ueber die Verbindungsstücke und die zum Ausgießen zu verwendenden Stoffe
<line no="39" page="28"/>  vergleiche man das im vorhergehenden Bande (Art. 104 u. ff., S. 82 u. ff. [2. Aufl.:
<line no="40" page="28"/>  S. 85]) dieses »Handbuches« Gesagte.</P>
<line no="41" page="28"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">17.|Ausbesserungen.</fontsize></sidenote><P pagebreak="firstpart"> Trotz aller Vorsicht werden beim Versetzen oder schon vorher Kanten und
<line no="42" page="28"/>  Ecken von den bearbeiteten Quadern und Werkstücken abgestoßen; auch bei der
<line no="43" page="28"/>  Bearbeitung durch den Steinhauer ergeben sich öfters derartige Beschädigungen.
<line no="44" page="28"/>  Die Arbeiter suchen dieselben in der Regel zu verheimlichen und die abgesprungenen
<line no="45" page="28"/>  Stücke mit in Spiritus aufgelöstem Schellack anzukitten. Diese Ausbesserungen
<line no="46" page="28"/>  haben aber keine lange Dauer. Ist es daher der Bauleitung nicht möglich, derartige
<line no="47" page="28"/>  Werkstücke zurückzuweisen oder wieder zu beseitigen, so ist eine Ausbesserung durch</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="48" page="28"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="34"/>. Siehe auch: <smallcaps>König,</smallcaps> G. Einige praktische Winke beim Versetzen der Hausteine. <smallcaps>Haarmann</smallcaps>&#39;s Zeitschr. f. Bauhdw.
<line no="49" page="28"/>  1877, S. 31.</fontsize></P>
<page no="29"/>
<line no="1" page="29"/>  <P pagebreak="secondpart">einzusetzende sog. <spacing>Führungen</spacing> oder <spacing>Vierungen</spacing> vorzuziehen. Diese Führungen
<line no="2" page="29"/>  sind so anzubringen, daß sie möglichst wenig sichtbar und nicht bloß durch den
<line no="3" page="29"/>  Kitt festgehalten werden. Deshalb muß der Führungsstein von derselben Art und
<line no="4" page="29"/>  Farbe des Werkstückes sein; die Fugen müssen an geschickte Stellen gelegt und
<line no="5" page="29"/>  das Stück mit Schwalbenschwanz oder mit Zapfen eingesetzt werden. Das Einkitten
<line no="6" page="29"/>  erfolgt mit einer Auflösung von Schellack in Spiritus, wobei es gut ist, den Stein
<line no="7" page="29"/>  vorher anzuwärmen, oder mit Steinkitt oder mit Portlandcement.</P>
<line no="8" page="29"/>  <P> Kleine Ausbesserungen an Flächen und Kanten werden in der Regel mit
<line no="9" page="29"/>  Portlandcement gemacht, dem man die Farbe des Steines durch Zusetzen von Staub
<line no="10" page="29"/>  derselben Steinart gibt. Auch Steinkitt wird zu demselben Zwecke verwendet.
<line no="11" page="29"/>  Leider werden die fehlerhaften Stellen durch derartige Ausbesserungen oft nach
<line no="12" page="29"/>  Verlauf einiger Zeit erst recht bemerklich, also das Gegenteil von dem erreicht,
<line no="13" page="29"/>  was man beabsichtigte.</P>
<line no="14" page="29"/>  <P> Bei der Ausführung der Gebäude ist es nicht zu verhindern, daß aus höheren<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">18.|Schutz|der Hausteine|nach dem|Versetzen.</fontsize></sidenote>
<line no="15" page="29"/>  Gerüststockwerken Werkzeuge oder Steinstücke infolge von Zufällen oder <break>Nachlässigkeit</break>
<line no="16" page="29"/>   herabstürzen und die schon versetzten Hausteine gefährden. Vorspringende Teile
<line no="17" page="29"/>  oder wagrechte Flächen (z. B. Fenstersohlbänke) sind daher durch eine Abdeckung
<line no="18" page="29"/>  mit Brettern oder in Lehm verlegten Backsteinen zu schützen oder unter Umständen
<line no="19" page="29"/>  wohl auch ganz in eine Bretterverkleidung einzuschließen. Auch die lotrechten
<line no="20" page="29"/>  Wandflächen sind schwer entfernbaren Verunreinigungen durch Kalk- oder <break>Cementmörtel</break>
<line no="21" page="29"/>   ausgesetzt. Gegen diese sucht man sich häufig durch einen Anstrich der
<line no="22" page="29"/>  Steinflächen mit Lehmwasser zu sichern. Dieser dünne Lehmüberzug verhindert das
<line no="23" page="29"/>  feste Anhaften und die ätzenden Wirkungen des angespritzten Mörtels; auch kann
<line no="24" page="29"/>  derselbe nach der Fertigstellung der Fassaden gewöhnlich leicht durch Abwaschen
<line no="25" page="29"/>  beseitigt werden. Man hat jedoch beobachtet, daß manchmal die Farbe der Steine
<line no="26" page="29"/>  dauernd durch den Lehm verändert wird.</P>
<line no="27" page="29"/>  <P> Trotz der eben besprochenen Schutzmaßregeln werden die Steinflächen nach<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">19.|Reinigung|der|Haustein-|arbeiten.</fontsize></sidenote>
<line no="28" page="29"/>  ihrer Fertigstellung einer Reinigung bedürfen und von Flecken verschiedener Art
<line no="29" page="29"/>  befreit werden müssen.</P>
<line no="30" page="29"/>  <P> Die allgemeine Reinigung erfolgt bei Sandsteinbauten durch Abschleifen mit
<line no="31" page="29"/>  feinkörnigen Sandsteinstücken oder durch Abwaschen mit Wasser und scharfen
<line no="32" page="29"/>  Bürsten. Diese letztere Maßregel empfiehlt sich in rußigen Städten zur jährlichen
<line no="33" page="29"/>  Wiederholung. Das Abspülen der Fassaden mit dem Strahle einer Feuerspritze
<line no="34" page="29"/>  genügt nicht.</P>
<line no="35" page="29"/>  <P> Kalkflecke werden durch mehrmaliges Abspülen mit verdünnter Salzsäure
<line no="36" page="29"/>  (1<highlow type="high">kg</highlow> Salzsäure auf 9<highlow type="high">kg</highlow> Wasser) und rasches Nachwaschen mit Sodalösung beseitigt.
<line no="37" page="29"/>  Das Abwaschen ganzer Sandsteinfassaden mit verdünnter Salzsäure empfiehlt sich
<line no="38" page="29"/>  nicht, weil mancher Sandstein durch die Säure angegriffen wird, was sich durch
<line no="39" page="29"/>  einen braunen Ueberzug oder Beschlag später bemerklich macht<footnote to="35"/>. Auch durch
<line no="40" page="29"/>  sofortiges Nachwaschen mit Sodalösung wird diese Gefahr nicht ganz ausgeschlossen.
<line no="41" page="29"/>  Bei Kalk- oder kalkhaltigen Steinen darf selbstverständlich Säure zur Reinigung nicht
<line no="42" page="29"/>  benutzt werden.</P>
<line no="43" page="29"/>  <P pagebreak="firstpart"> Fettflecke lassen sich durch Auflegen von Fließpapier und geschabter Kreide
<line no="44" page="29"/>  oder Speckstein und Darüberfahren mit heißen Eisenstücken (Plättstahl u. dergl.)
<line no="45" page="29"/>  entfernen. Gleiche Dienste leistet Abspülen mit Benzin oder Petroleum, welches
<line no="46" page="29"/>  dann durch gelinde Wärme (nicht über 35 Grad) zum rascheren Verdunsten</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="47" page="29"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="35"/> Siehe: Baugwksztg. 1884, S. 340.</fontsize></P>
<page no="30"/>
<line no="1" page="30"/>  <P pagebreak="secondpart">gebracht wird. Auch oberflächliche Verseifung (Kali- oder Natronbehandlung) ist
<line no="2" page="30"/>  von Nutzen<footnote to="36"/>.</P>
<line no="3" page="30"/>  <P> Die Reinigung von Kalkstein und Marmor bewirkt man durch Abwaschen mit
<line no="4" page="30"/>  Wasser und Seife. Stärker wirkt eine Mischung aus Kalkmilch und Seifensiederlauge.</P>
<line no="5" page="30"/>  <P> <fontsize change="-1">Zur Reinigung der Pariser Hausteinfassaden hat <i>de Liebhaber</i> ein Verfahren erfunden, das wesentlich
<line no="6" page="30"/>  billiger, als das gewöhnliche Abwaschen sein soll. Nach demselben werden die Steine durch Auftragen
<line no="7" page="30"/>  eines Gemisches von Soda und gelöschtem Kalk in Pulverform mit Chlorcalcium oder Eisenchlorid <break>vorbereitet</break>
<line no="8" page="30"/>   und dann mit einer Mischung von Salzsäure und Schwefelsäure behandelt. Der Stein soll dabei
<line no="9" page="30"/>  nur auf eine geringe Tiefe angegriffen werden<footnote to="37"/>.</fontsize></P>
<line no="10" page="30"/>  <P> Es empfiehlt sich, hier auch die Mittel anzugeben, die zur Beseitigung von altem
<line no="11" page="30"/>  Oelfarbenanstrich auf Stein benutzt werden. Dazu genügt meist ein mehrmaliger
<line no="12" page="30"/>  reichlicher Anstrich mit warmer Lauge. Das Ablösen erfolgt schon nach einigen
<line no="13" page="30"/>  Stunden. In Vertiefungen ist mit dem Stemmeisen oder Spitzmeißel nachzuhelfen<footnote to="38"/>.</P>
<line no="14" page="30"/>  <P> Zu demselben Zwecke wird auch die Anwendung einer Lauge empfohlen, die
<line no="15" page="30"/>  aus 2 Teilen Holzasche, 6 Teilen Salpeter und 6 Teilen Alaun in der Weise <break>bereitet</break>
<line no="16" page="30"/>   wird, daß man diese Stoffe mit Wasser überschüttet, bei gelindem Feuer
<line no="17" page="30"/>  zum Sieden bringt und dann ein Stückchen Seife hinzusetzt. Die Farbenflecke
<line no="18" page="30"/>  werden mit der geklärten Lauge wiederholt mit einem Schwamm bestrichen und
<line no="19" page="30"/>  dann mit Wasser abgewaschen<footnote to="39"/>.</P>
<line no="20" page="30"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">20.|Dichten|der|Quaderfugen.</fontsize></sidenote><P> Um die Mauern, welche den Witterungseinflüssen ausgesetzt sind, vor dem <break>Eindringen</break>
<line no="21" page="30"/>   der Feuchtigkeit durch die Fugen zu schützen, ist es zweckmäßig, die <break>letzteren</break>
<line no="22" page="30"/>   mit einem geeigneten Dichtungsmörtel zu verstreichen, wenn nicht mit ganz
<line no="23" page="30"/>  vollen Fugen gemauert worden war. Insbesondere ist dies bei allen Abdeckungen
<line no="24" page="30"/>  notwendig. Das Ausfugen erfolgt in der Regel vor dem Abrüsten der Mauern.
<line no="25" page="30"/>  Waren die Quader in Mörtel versetzt, so kratzt man denselben aus den Fugen bis
<line no="26" page="30"/>  auf etwa 3<highlow type="high">cm</highlow> Tiefe heraus, beseitigt den Staub durch Auskehren und Ausspülen und
<line no="27" page="30"/>  streicht dann den Fugenmörtel, der bei geringeren Arbeiten aus hydraulischem Kalk
<line no="28" page="30"/>  oder Cement hergestellt wird, mit einer kleinen Kelle ein. Mit dem Fug- oder
<line no="29" page="30"/>  Fummeleisen wird derselbe dann so lange bearbeitet, bis er poliert erscheint. Beim
<line no="30" page="30"/>  Ausfugen von Mauerwerk aus weichen Steinen mit Cement ist Vorsicht insofern nötig,
<line no="31" page="30"/>  als durch das rasche Erhärten des Cementes über die Härte der Steine hinaus bei
<line no="32" page="30"/>  weiterem Setzen des Mauerwerkes die Kanten abgedrückt werden können (vergl.
<line no="33" page="30"/>  Art. 16, S. 28). Hier muß noch die Bemerkung Platz finden, daß, wenn die
<line no="34" page="30"/>  Quader in Mörtel verlegt werden, es für die Verfestigung desselben von Vorteil ist,
<line no="35" page="30"/>  die Fugen nicht zu dünn zu machen.</P>
<line no="36" page="30"/>  <P> Bei besseren Arbeiten verwendet man zum Ausfugen einen Steinkitt. Für
<line no="37" page="30"/>  Mauerwerk, welches dem Witterungswechsel ausgesetzt ist, wird folgende <break>Zusammensetzung</break>
<line no="38" page="30"/>   nach Gewichtsteilen angegeben: 5<sup>1</sup>/<sub>4</sub> Teile Mehlkalk, 5<sup>1</sup>/<sub>4</sub> Teile Ziegelmehl,
<line no="39" page="30"/>  <sup>1</sup>/<sub>4</sub> Teil Glaspulver und 2 Teile Leinölfirnis; für Mauerwerk, welches beständig
<line no="40" page="30"/>  unter Wasser ist, dagegen: 5 Teile Kalk, 2<sup>1</sup>/<sub>2</sub> Teile Ziegelmehl, <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Teil <break>Hammerschlag,</break>
<line no="41" page="30"/>   <sup>1</sup>/<sub>4</sub> Teil Glaspulver und 2 Teile Leinölfirnis<footnote to="40"/>.</P>
<line no="42" page="30"/>  <P pagebreak="firstpart"> <fontsize change="-1">Kalk und Ziegelmehl müssen so trocken als möglich sein. Von dem Oele, welches man vorher noch
<line no="43" page="30"/>  zu kochen pflegt, nimmt man anfänglich nur so viel, daß die Masse beim Schlagen oder Stampfen nicht</fontsize></P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="44" page="30"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="36"/> Nach: <smallcaps>Romberg</smallcaps>&#39;s Zeitschr. f. prakt. Bauk. 1880, S. 14.</fontsize></P>
<line no="45" page="30"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="37"/> Siehe: <i>La semaine des constr.</i> 1885&#8211;86, S. 210 &#8212; Centralbl. d. Bauverw. 1885, S. 340 &#8212; Wochbl. f. Baukde.
<line no="46" page="30"/>  1885, S. 507.</fontsize></P>
<line no="47" page="30"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="38"/> <i>Schmidt</i> reinigte auf diese Weise die Kanzel des <i>Stephans-</i>Doms in Wien. (Nach der in Fußnote 36 angegebenen Quelle.)</fontsize></P>
<line no="48" page="30"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="39"/> Siehe: Baugwksztg. 1883, S. 636.</fontsize></P>
<line no="49" page="30"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="40"/> Siehe: <smallcaps>Schmidt,</smallcaps> F. X. Die Chemie der Baugewerbe. Stuttgart 1878. S. 162 &#8212; wo auch noch andere Kitte für
<line no="50" page="30"/>  Steinwerk mitgeteilt sind.</fontsize></P>
<page no="31"/>
<line no="1" page="31"/>  <P pagebreak="secondpart"><fontsize change="-1">stäubt. Ein Mann kann in einem Tage höchstens 5<highlow type="high">kg</highlow> schlagen, und zwar auf folgende Weise. Die vorher
<line no="2" page="31"/>  in einem Mörser gestoßene Masse wird gesiebt, von neuem in einen Mörser gethan, sodann <sup>3</sup>/<sub>4</sub> des Oeles
<line no="3" page="31"/>  hinzugethan und alles zu einem steifen Teig verarbeitet. Nachdem das letzte Viertel Oel zugesetzt worden
<line no="4" page="31"/>  ist, wird die Masse aus dem Mörser gekratzt, auf eine Steinplatte gelegt und mit einem besonderen, etwa
<line no="5" page="31"/>  10<highlow type="high">kg</highlow> schweren Eisen oder einer gewöhnlichen Brechstange einen Tag lang geschlagen, unter öfterem
<line no="6" page="31"/>  Wenden und Zusammenlegen des breit geschlagenen Kuchens. Bei starkem Verbrauch des Kittes kann man
<line no="7" page="31"/>  bis zu 12,</fontsize><fontsize change="-2">5</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">kg</highlow> zusammen herstellen; doch sollte man davon nicht mehr machen, als in 2 bis 3 Tagen <break>verwendet</break>
<line no="8" page="31"/>   werden kann. Auf 8 bis 12 Tage kann man den Kitt durch Einschlagen in feuchtes Papier und
<line no="9" page="31"/>  Aufbewahren an einem kühlen Orte, ohne daß er eine Rinde bekommt, erhalten.</fontsize></P>
<line no="10" page="31"/>  <P> <fontsize change="-1">Vor dem Verkitten müssen die Fugen vollkommen trocken und staubfrei sein und mit Oel einigemal
<line no="11" page="31"/>  ausgestrichen werden. Der Kitt wird mit hölzernen oder eisernen Spateln mit Gewalt so tief als möglich
<line no="12" page="31"/>  eingepreßt. Entstehen in den ersten Tagen nach diesem Einstreichen
<line no="13" page="31"/>  <Grafik beginn="#.,13#." ende="#.,30#."><Fig no="1">Fig. 62<footnote to="42"/> </Fig></Grafik>
<line no="14" page="31"/>  kleine Risse, so müssen diese mit Oel bestrichen und mit dem Spatel
<line no="15" page="31"/>  wieder zugedrückt werden. Gewöhnlich ist der Kitt nach 8 Tagen
<line no="16" page="31"/>  trocken und nach Jahresfrist steinhart. Man kann dem Kitt durch Zusatz
<line no="17" page="31"/>  von etwas Schwarz oder Bolus eine graue oder rötliche Farbe geben<footnote to="41"/>.</fontsize></P>
<line no="18" page="31"/>  <P> Als Fugenkitt benutzt man mit Vorteil auch <break>hydraulischen</break>
<line no="19" page="31"/>   Kalk mit Zusatz von Wasserglas. Der aus beiden
<line no="20" page="31"/>  Stoffen gemengte Brei darf nur in kleinen Mengen <break>angefertigt</break>
<line no="21" page="31"/>   und muß rasch verbraucht werden.</P>
<line no="22" page="31"/>  <P> <fontsize change="-1">Beiläufig mag hier noch eine Schutzmaßregel erwähnt werden,
<line no="23" page="31"/>  die im Mittelalter an einigen Bauwerken des Elsaß Anwendung fand,
<line no="24" page="31"/>  unter anderen an den dem Wetter besonders ausgesetzten Strebepfeilern
<line no="25" page="31"/>  des Querschiffes des Münsters zu Straßburg. Wie Fig. 62<footnote to="42"/> zeigt,
<line no="26" page="31"/>  sind um die Stoßfugen herum kleine Rinnen in die Quaderhäupter <break>eingearbeitet,</break>
<line no="27" page="31"/>   um das an der Mauer herunterlaufende Wasser an dem <break>Eindringen</break>
<line no="28" page="31"/>   in dieselben zu verhindern.</fontsize></P>
<line no="29" page="31"/>  <P> Im Bauwesen wird das Dichten der Fugen nicht
<line no="30" page="31"/>  nur notwendig, um das Regenwasser von denselben fern
<line no="31" page="31"/>  zu halten, sondern es wird auch zu vielen anderen
<line no="32" page="31"/>  Zwecken erforderlich. So um die Erdfeuchtigkeit abzuhalten, worüber in Kap. 12
<line no="33" page="31"/>  die Rede sein wird, ferner bei Herstellung von wasserdichten Behältern oder bei
<line no="34" page="31"/>  Ableitung von Wasser oder anderen Flüssigkeiten. Bei diesen Arbeiten wird es sich,
<line no="35" page="31"/>  abgesehen von anderen Maßregeln, die hier nicht weiter zu erörtern
<line no="36" page="31"/>  <Grafik beginn="#.,35#." ende="#.,47#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 63 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>40</sub> w. Gr.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="37" page="31"/>  sind, darum handeln, die Fugen entweder in ihrer ganzen <break>Ausdehnung</break>
<line no="38" page="31"/>   nur mit geeignetem Mörtel (Portlandcement, Asphalt<footnote to="43"/>
<line no="39" page="31"/>  auszufüllen, oder in Verbindung damit, oder auch diese allein, eine
<line no="40" page="31"/>  der im vorhergehenden Bande (Abt. I, Abschn. 1, Kap. 3, unter b)
<line no="41" page="31"/>  dieses »Handbuches« besprochenen Anordnungen des Fugenschnittes,
<line no="42" page="31"/>  wie Ueberfalzungen, Mörtelnuten u. s. w. zu treffen.</P>
<line no="43" page="31"/>  <P> Als Beispiele für Ueberfalzungen diene die in Fig. 63 <break>dargestellte</break>
<line no="44" page="31"/>   englische Konstruktion eines Regenfallrohres von Stein.</P>
<line no="45" page="31"/>  <P pagebreak="firstpart"> Ist das Dichten der Fugen für die Erhaltung der Mauerwerke,<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">21.|Schutz|der Hausteine|gegen|Verwittern.</fontsize></sidenote>
<line no="46" page="31"/>  namentlich an den der Witterung ausgesetzten Stellen, von <break>Wichtigkeit,</break>
<line no="47" page="31"/>   so ist es nicht minder die Beschaffenheit der Steine selbst.
<line no="48" page="31"/>  Die Frage, welche der beiden Steinarten, die hauptsächlich zum
<line no="49" page="31"/>  Bauen Verwendung finden, Sandstein oder Kalkstein, in Bezug</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="50" page="31"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="41"/> Nach: <smallcaps>Menzel,</smallcaps> C. A. Der Steinbau. 8. Aufl. Leipzig 1882. S. 141.</fontsize></P>
<line no="51" page="31"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="42"/> Nach: <smallcaps>Viollet-le-Duc,</smallcaps> a. a. O., Bd. 6, S. 146.</fontsize></P>
<line no="52" page="31"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="43"/> Die Beschreibung der Herstellung eines Silo (unterirdischen Getreidebehälters) mit Asphaltmörtel findet sich in:
<line no="53" page="31"/>  <smallcaps>Malo,</smallcaps> L. <i>Guide pratique pour la fabrication et l&#39;application de l&#39;asphalte et des bitumes.</i> Paris 1866. S. 93.</fontsize></P>
<page no="32"/>
<line no="1" page="32"/>  <P pagebreak="secondpart">auf Dauerhaftigkeit den Vorzug verdienen, läßt sich in dieser Allgemeinheit nicht
<line no="2" page="32"/>  entscheiden, weil beide in den verschiedensten Graden der Güte vorkommen, sowohl
<line no="3" page="32"/>  in den beständigsten, als auch geringsten. Die Auswahl wird bei gleichem Preise
<line no="4" page="32"/>  sich nach den Eigenschaften der besonderen Steinsorte zu richten haben. Günstiger
<line no="5" page="32"/>  zeigt sich der Sandstein häufig in Bezug auf Farbebeständigkeit. Während derselbe
<line no="6" page="32"/>  öfters im Laufe der Zeit eine schönere Farbe erhält, wie z. B. der rheinische <break>Buntsandstein,</break>
<line no="7" page="32"/>   ist bei vielen Kalksteinen das Umgekehrte der Fall. Die Farbeveränderung
<line no="8" page="32"/>  geht dabei oft rasch vor sich. Der Pariser Kalkstein erhält bald einen grauen, stumpfen
<line no="9" page="32"/>  Farbton; vieler Jurakalk wird schwärzlich, namentlich an vorspringenden Teilen, durch
<line no="10" page="32"/>  Flechtenansatz. Allerdings gibt es auch glänzende Beispiele für das Gegenteil, so
<line no="11" page="32"/>  am römischen Kalktuff (Travertin), der einen schönen, goldbraunen Ton bekommt.</P>
<line no="12" page="32"/>  <P> Auf die Dauer der Hausteine scheint auch die Art der Bearbeitung von <break>Einfluß</break>
<line no="13" page="32"/>   zu sein. Bekannt ist, daß das Polieren als eines der besten Erhaltungsmittel
<line no="14" page="32"/>  wirkt. Aber auch schon eine glatte Bearbeitung muß förderlich für die Dauer sein,
<line no="15" page="32"/>  da an glatten Flächen weniger Gelegenheit zum Festhalten der Feuchtigkeit geboten
<line no="16" page="32"/>  wird und die Verdunstung der letzteren gleichmäßig an ihnen erfolgen kann. Auch
<line no="17" page="32"/>  Staub und Ruß, die in ihren Ansammlungen Behälter für die Feuchtigkeit bilden,
<line no="18" page="32"/>  können sich an glatten Flächen weniger gut festsetzen, als an rauhen und mit vielen
<line no="19" page="32"/>  Gliederungen versehenen. Für rußige Städte wird sich aus demselben Grunde für
<line no="20" page="32"/>  die längere Erhaltung eines sauberen Ansehens und der ursprünglichen Farbe eine
<line no="21" page="32"/>  glatte Bearbeitung der Quader empfehlen.</P>
<line no="22" page="32"/>  <P> Es scheint auch, als wenn die feineren Formbildungen infolge der zerstörenden
<line no="23" page="32"/>  Einwirkung der Steinhauerwerkzeuge gegen Frostschäden empfindlicher seien, als
<line no="24" page="32"/>  die kräftigen Gliederungen. Nachgewiesen ist die Schädigung der Frostbeständigkeit
<line no="25" page="32"/>  der weicheren Steine durch Bearbeitung mit schweren Werkzeugen, so z. B. von
<line no="26" page="32"/>  Sandsteinen durch das Stocken<footnote to="44"/>.</P>
<line no="27" page="32"/>  <P> Ein Umstand, der auf die dauernde Erhaltung mancher Sandsteine von Einfluß
<line no="28" page="32"/>  ist, verdient hier noch Erwähnung. Die verdunstende Bruchfeuchtigkeit scheidet
<line no="29" page="32"/>  kittartige Bestandteile aus, die auf der Oberfläche eine feste Kruste bilden, welche
<line no="30" page="32"/>  die Witterungsbeständigkeit wesentlich fördert. Einmal beseitigt, erzeugt sich dieser
<line no="31" page="32"/>  schützende Ueberzug niemals wieder. Es ist deshalb zweckmäßig, die Werkstücke
<line no="32" page="32"/>  nicht lange unbearbeitet liegen zu lassen und nur fertig zu versetzen oder, wenn
<line no="33" page="32"/>  dies nicht möglich ist, die Nacharbeiten bald nach dem Versetzen auszuführen.</P>
<line no="34" page="32"/>  <P> Wegen der Ursachen der Verwitterung und der Mittel zur Dauerhaftmachung
<line no="35" page="32"/>  der Hausteine muß auf das in Teil I, Band 1, erste Hälfte (Art. 8, S. 62 u. Art. 43,
<line no="36" page="32"/>  S. 105) dieses »Handbuches« Gesagte verwiesen werden. Zur Ergänzung sei hier
<line no="37" page="32"/>  noch hinzugefügt, daß neuerer Zeit für Sandsteine das saure holzessigsaure <break>Eisenoxydul</break>
<line no="38" page="32"/>  <footnote to="45"/> und für erdige oder poröse Kalksteine die Fluorsilikate der Erd- und
<line no="39" page="32"/>  Schwermetalle<footnote to="46"/> benutzt werden.</P>
<line no="40" page="32"/>  <P pagebreak="firstpart"> Aufmerksam machen wir hier auch auf die wichtigen Untersuchungen <i>Tetmajer</i>&#39;s
<line no="41" page="32"/>  über die Beständigkeitsverhältnisse der schweizerischen Bausteine<footnote to="47"/>, welche sich <break>besonders</break>
<line no="42" page="32"/>   auf Sandsteine und oolithische erdige Kalksteine erstreckten. Die Ver-</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="43" page="32"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="44"/> Siehe: Zeitschr. f. Bauw. 1887, S. 479.</fontsize></P>
<line no="44" page="32"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="45"/> Siehe: Deutsche Bauz. 1884, S. 146.</fontsize></P>
<line no="45" page="32"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="46"/> D. R.-P. Nr. 27_803 für <i>Faure &amp; Keßler</i> in Clermont-Ferrand. &#8212; Siehe auch: Deutsche Bauz. 1884, S. 470
<line no="46" page="32"/>  ferner: <i>La semaine des constr.</i> 1884&#8211;85, S. 184.</fontsize></P>
<line no="47" page="32"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="47"/> Mittheilungen der Anstalt zur Prüfung von Baumaterialien am eidgen. Polytechnikum in Zürich. Zürich 1884.
<line no="48" page="32"/>  Heft 1, S. 30 u. ff.</fontsize></P>
<page no="33"/>
<line no="1" page="33"/>  <P pagebreak="secondpart">witterungserscheinungen lassen sich nach <i>Tetmajer</i> auf die Wirkung der Krystallisation
<line no="2" page="33"/>  des kapillar festgehaltenen Wassers, der Porenfeuchtigkeit, zurückführen.</P>
<line no="3" page="33"/>  <P> <fontsize change="-1">An Stellen eines und desselben Steines, wo das kapillar festgehaltene Wasser der Porenräume durch
<line no="4" page="33"/>  Mangel an Zugluft und unmittelbarer Einwirkung der Sonnenstrahlen nicht genügend stark verdunsten kann,
<line no="5" page="33"/>  bezw. durch Nachsickern sich erneuert, entsteht eine Lockerung des stofflichen Gefüges, eine Verminderung
<line no="6" page="33"/>  der Kohäsion durch Ausdehnung, hauptsächlich aber durch Erweichen des Kittstoffes (der Sandsteine) oder
<line no="7" page="33"/>  der Körpermasse selbst (der oolithischen, erdigen Kalksteine). Trifft den durchfeuchteten Stein eine <break>Frostwirkung,</break>
<line no="8" page="33"/>   so werden an jenen Stellen desselben, wo die Porenfeuchtigkeit der Oberfläche zunächst sitzt,
<line no="9" page="33"/>  von außen nach innen fortschreitend kleine Körperteilchen abgelöst, so oft die Ausdehnungskraft des Eises
<line no="10" page="33"/>  größer ist, als die Zugfestigkeit des erweichten Steines. Bezeichnende Beispiele für diesen Vorgang sind
<line no="11" page="33"/>  die häufig beobachtete Erscheinung, daß Balkonplatten und Hängeplatten stark ausladender Gesimse an
<line no="12" page="33"/>  ihrer Unterseite zuerst verwittern, ferner die Wahrnehmung, daß die Deckplatten von Stützmauern <break>gewöhnlich</break>
<line no="13" page="33"/>   an den unteren Plattenflächen zwischen Wassernase und Auflagerfläche, am häufigsten aber zu beiden
<line no="14" page="33"/>  Seiten der Stoßfugen, Schaden leiden, endlich die Zerstörungen, welche an geschützt liegenden Gliedern
<line no="15" page="33"/>  von Gesimsen oder an solchen Teilen derselben auftreten, an denen der Wasserablauf gehemmt ist u. a. m.</fontsize></P>
<line no="16" page="33"/>  <P> Besonders sind es also die geschützt liegenden Teile der Hausteine, welche
<line no="17" page="33"/>  infolge von Mangel an Luftzug und Sonne nicht austrocknen können, die zuerst
<line no="18" page="33"/>  der Verwitterung anheim fallen. Beispiele dafür, daß Steine, die infolge öfterer
<line no="19" page="33"/>  Wasserzuführung nicht austrocknen, auch zunächst zerstört werden, bieten <break>Durchbinder</break>
<line no="20" page="33"/>   von nicht gut entwässerten Stützmauern, und Sockelgesimsteile, die unter den
<line no="21" page="33"/>  rinnenförmigen Stoßfugen von Spiegelquadern sich befinden.</P>
<line no="22" page="33"/>  <P> Aus den mitgeteilten Beobachtungen geht hervor, daß man zur dauernden
<line no="23" page="33"/>  Erhaltung der Quaderarbeiten anhaltende Feuchtigkeitsquellen von denselben fern
<line no="24" page="33"/>  halten und die atmosphärischen Niederschläge rasch abführen muß. Auf das letztere
<line no="25" page="33"/>  ist namentlich bei den gotischen Profilen Rücksicht genommen; doch auch bei den
<line no="26" page="33"/>  antikisierenden Profilen läßt sich durch zweckmäßige Gestaltung derselben, <break>namentlich</break>
<line no="27" page="33"/>   der Wassernasen, vieles erzielen. Das erstere ist bei wagrechten oder wenig
<line no="28" page="33"/>  geneigten Flächen nur durch Fugendichtung und Abdeckung mit Metall oder anderen
<line no="29" page="33"/>  geeigneten Stoffen zu erreichen<footnote to="48"/>. Selbstverständlich muß auch die Auswahl der
<line no="30" page="33"/>  Steinarten eine vorsichtige sein. An gefährdeten Stellen dürfen nur als <break>witterungsbeständig</break>
<line no="31" page="33"/>   bekannte Steine Verwendung finden. So können z. B. die meisten Sand-
<line no="32" page="33"/>  und Kalksteine nicht für Bauteile als geeignet betrachtet werden, welche in Berührung
<line no="33" page="33"/>  mit der Bodenoberfläche treten. Sind nicht ganz sichere Steinsorten zu benutzen,
<line no="34" page="33"/>  so müssen diese durch geeignete Anstriche oder Tränkungen mit wirksamen <break>Schutzmitteln</break>
<line no="35" page="33"/>   dauerhafter gemacht werden<footnote to="49"/>.</P>
<line no="36" page="33"/>  <P pagebreak="firstpart"> Daß man in der Verwendung von wetterfesten Steinsorten aber auch vorsichtig
<line no="37" page="33"/>  sein muß, lehren die Beobachtungen von <i>Viollet-le-Duc</i><footnote to="50"/>, die übrigens mit denen
<line no="38" page="33"/>  <i>Tetmajer</i>&#39;s recht gut übereinstimmen. Derselbe teilt mit, daß
<line no="39" page="33"/>  <Grafik beginn="#.,39#." ende="#.,46#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 64 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="40" page="33"/>  Mauerabdeckungen oder Dachrinnen von hartem, <break>wetterfestem</break>
<line no="41" page="33"/>   Stein über weicherem, porigem Material, das an sich
<line no="42" page="33"/>  sehr gut witterungsbeständig ist, wesentlich die Schuld an
<line no="43" page="33"/>  der raschen Zerstörung des letzteren tragen, und zwar <break>dadurch,</break>
<line no="44" page="33"/>   daß die durch die Abdeckung sickernde Feuchtigkeit
<line no="45" page="33"/>  sich dem darunter befindlichen Steine mitteilt, aus diesem
<line no="46" page="33"/>  nicht verdunsten kann und daher von innen nach außen zu
<line no="47" page="33"/>  fortschreitende Zersetzungen herbeiführt. <i>Viollet-le-Duc</i> em-</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="48" page="33"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="48"/> Überer den Schutz der Wände gegen Feuchtigkeit ist in Kap. 12 Ausführlicheres zu finden.</fontsize></P>
<line no="49" page="33"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="49"/> Siehe hierüber Teil I, Bd. 1, erste Hälfte, Art. 43, S. 105 (2. Aufl.: Art. 54, S. 114) dieses »Handbuches«. &#8212; Ueber
<line no="50" page="33"/>  die Eignung von »Testalin« für diesen Zweck siehe: Baugwksztg. 1896, S. 833 &#8212; und: <smallcaps>Haarmann</smallcaps>&#39;s Zeitschr. f. Bauhdw. 1897, S. 117.</fontsize></P>
<line no="51" page="33"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="50"/> <i>Entretiens sur l&#39;architecture.</i> Bd. 2. Paris 1872. S. 25 u. ff.</fontsize></P>
<page no="34"/>
<line no="1" page="34"/>  <P pagebreak="secondpart">pfiehlt an Stelle solcher steinerner Abdeckungen die Verwendung von Metall und
<line no="2" page="34"/>  bei steinernen Dachrinnen trennende, aber gelüftete Höhlungen unter denselben.
<line no="3" page="34"/>  Fig. 64 zeigt eine derartige Anordnung.</P>
<line no="4" page="34"/>  <P> Außer der Feuchtigkeit und der mit dieser zusammenhängenden Ausdehnung des
<line no="5" page="34"/>  gefrierenden Wassers in den Steinen ist eine der wirksamsten Verwitterungsursachen
<line no="6" page="34"/>  der rasche und häufige Wechsel von Wärme und Kälte. Durch die Wärme werden
<line no="7" page="34"/>  die Steine ausgedehnt, durch die Kälte wieder zusammengezogen, so daß hierdurch
<line no="8" page="34"/>  allmählig eine Lockerung des Gefüges eintreten muß. Hierdurch erklärt sich auch
<line no="9" page="34"/>  die oft beobachtete Thatsache, daß an den Sonnenseiten, namentlich von reich <break>verzierten</break>
<line no="10" page="34"/>   Gebäuden, an welchen doch das Auftrocknen der Feuchtigkeit rascher vor
<line no="11" page="34"/>  sich geht, als an den Nordseiten, die Verwitterung rascher eintritt, als an letzteren.
<line no="12" page="34"/>  Schutzmittel hiergegen gibt es nicht; doch liegt in dieser Erfahrung die Anregung,
<line no="13" page="34"/>  auch an diesen, nach vielfacher Annahme weniger gefährdeten Gebäudeseiten der
<line no="14" page="34"/>  Auswahl der Steinsorten die größte Sorgfalt zu schenken<footnote to="51"/>.</P>
<line no="15" page="34"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">22.|Wertschätzung|des|Hausteinbaues.</fontsize></sidenote><P> Im vorhergehenden sind schon die Vorzüge und Nachteile des Quaderbaues
<line no="16" page="34"/>  mit zur Erörterung gekommen, so daß dieselben nur noch kurz zusammengefaßt
<line no="17" page="34"/>  zu werden brauchen.</P>
<line no="18" page="34"/>  <P> Als Hauptvorteile desselben sind zu bezeichnen, daß mit ihm die <break>monumentalsten</break>
<line no="19" page="34"/>   Wirkungen, die festesten, standsichersten und, bei geeigneter Auswahl des
<line no="20" page="34"/>  Materials und geschickten Anordnungen, auch sehr dauerhafte Bauwerke zu erzielen sind.</P>
<line no="21" page="34"/>  <P> Als Nachteile treten auf: bei vollen Quadermauern für Wohngebäude das
<line no="22" page="34"/>  Durchschlagen der Feuchtigkeit, bei gemischten Mauerwerken die große Sorgfalt,
<line no="23" page="34"/>  die auf die Verbindung der verschiedenen Steingattungen zu verwenden ist. Als
<line no="24" page="34"/>  Hauptnachteil des Hausteinbaues möchte wohl aber dessen Kostspieligkeit bezeichnet
<line no="25" page="34"/>  werden, die ihn im allgemeinen nur für monumentale und aufwändige Bauten in
<line no="26" page="34"/>  voller Ausdehnung als zulässig erscheinen läßt. Dies kann man dagegen nicht von
<line no="27" page="34"/>  dem mit Haustein gemischten Mauerwerk sagen, namentlich nicht von der Bauweise,
<line no="28" page="34"/>  bei welcher die sog. Strukturteile von Haustein, die Flächen von Backsteinen oder
<line no="29" page="34"/>  Bruchsteinen mit oder ohne einen Putzüberzug hergestellt werden und die zu den
<line no="30" page="34"/>  Quaderfachwerken im weiteren Sinne zu rechnen ist. Es spricht für die gesundere
<line no="31" page="34"/>  Richtung unserer heutigen Architektur, daß man immer mehr von jenem <break>Scheinwesen</break>
<line no="32" page="34"/>   zurückkommt, welches die für die Ausführung in Stein geschaffenen Formen
<line no="33" page="34"/>  in allen möglichen Ersatzmitteln nachahmt. Der Mehraufwand für Steinausführung
<line no="34" page="34"/>  ist oft nicht sehr groß, ja manchmal kaum vorhanden und lohnt sich stets durch die
<line no="35" page="34"/>  größere Dauer und die geringeren Unterhaltungskosten.</P>
<line no="36" page="34"/>   <hr/>
</chapter>
<chapter no="2" title="Mauern aus Backsteinen und anderen künstlichen Steinen. (Backsteinrohbau.)"> <line no="37" page="34"/>   <title> 2. <spacing>Kapitel.</spacing>
<line no="38" page="34"/>   <fontsize change="+1">Mauern aus Backsteinen und anderen künstlichen Steinen.</fontsize>
<line no="39" page="34"/>  (Backsteinrohbau.)  </title>
<section level="1" title="a) Mauern aus Backsteinen."> <H1>a) Mauern aus Backsteinen.</H1>
<line no="41" page="34"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">23.|Allgemeines.</fontsize></sidenote><P pagebreak="firstpart"> Die Backsteine kennzeichnen sich den Quadern gegenüber, abgesehen vom Stoff,
<line no="42" page="34"/>  durch ihre geringe Größe und durch die fabrikmäßig hergestellte regelmäßige Form,</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="43" page="34"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="51"/> Beachtenswerte Mitteilungen über das Verhalten der Bausteine gegen Verwitterung und deren Konservierung finden
<line no="44" page="34"/>  sich ferner in: Wochbl. f. Baukde. 1885, S. 443; 1887, S. 419. &#8212; <i>American architect,</i> Bd. 18, S. 19, 113. &#8212; Centralbl. d.
<line no="45" page="34"/>  Bauverw. 1885, S. 362; 1887, S. 371; 1888, S. 491. &#8212; Deutsche Bauz. 1887, S. 503.</fontsize></P>
<page no="35"/>
<line no="1" page="35"/>  <P pagebreak="secondpart">deren Maße in ganz bestimmten, aus der Möglichkeit der Herstellung regelrechter
<line no="2" page="35"/>  Verbände abgeleiteten Verhältnissen stehen. Aus diesen Eigenschaften ergibt sich
<line no="3" page="35"/>  eine große Bequemlichkeit für die Herstellung der Mauerwerke, die nur in geringem
<line no="4" page="35"/>  Grade durch das Gebundensein an bestimmte Mauerstärken (siehe den <break>vorhergehenden</break>
<line no="5" page="35"/>   Band dieses »Handbuches«, Art. 22, S. 21) beschränkt wird. Es kann
<line no="6" page="35"/>  deshalb nicht in Erstaunen setzen, wenn man findet, daß der Backstein in so <break>ausgedehntem</break>
<line no="7" page="35"/>   Maße selbst in Gegenden zur Anwendung gelangt, wo gute natürliche
<line no="8" page="35"/>  Steine in Ueberfluß vorhanden sind. Diese Bevorzugung wird allerdings, außer durch
<line no="9" page="35"/>  die Bequemlichkeit in der Verwendung, noch durch andere gute Eigenschaften der
<line no="10" page="35"/>  Backsteine gerechtfertigt.</P>
<line no="11" page="35"/>  <P> Wie schon im vorhergehenden Kapitel ausgeführt wurde, benutzt man in den
<line no="12" page="35"/>  weitaus meisten Fällen das Hausteinmaterial nur als äußere Verkleidung der im
<line no="13" page="35"/>  Inneren aus anderem Material hergestellten Mauern. Ganz besonders eignet sich
<line no="14" page="35"/>  nun der Backstein zu diesen Hintermauerungen; er wird aus dieser Rolle von den
<line no="15" page="35"/>  Bruchsteinen nur da verdrängt, wo diese billigere Ausführung ergeben, als jene.
<line no="16" page="35"/>  Doch auch zur unverhüllten äußeren Erscheinung gelangt der Backstein als Stoff des
<line no="17" page="35"/>  Mauerwerkes, insbesondere da, wo geeigneter natürlicher Stein für diesen Zweck
<line no="18" page="35"/>  fehlt oder sich teuerer als jener stellt. Im letzteren Falle ergibt sich häufig eine
<line no="19" page="35"/>  Verbindung in der Weise, daß die sog. Strukturteile (Sockel, Gesimse, Ecken, <break>Umrahmungen)</break>
<line no="20" page="35"/>   aus Haustein, die Flächen dagegen aus Backsteinen hergestellt werden
<line no="21" page="35"/>  (vergl. den vorhergehenden Artikel). Im ersteren Falle werden auch zu den <break>Strukturteilen</break>
<line no="22" page="35"/>   fast oder ganz ausschließlich Backsteine oder andere Ziegelwaren verwendet,
<line no="23" page="35"/>  und man spricht dann gewöhnlich von Ziegelrohbau, Backsteinrohbau oder <break>Rohziegelbau,</break>
<line no="24" page="35"/>   im Gegensatze zum Hausteinbau und dem Bau aus gemischtem Material.</P>
<line no="25" page="35"/>  <P> <fontsize change="-1">Die Versuche<footnote to="52"/>, die Bezeichnung »Backsteinrohbau« durch eine andere zu ersetzen, in welcher das
<line no="26" page="35"/>  anstößige »roh« nicht vorkommt, haben bisher zu einem befriedigenden Ergebnisse noch nicht geführt.
<line no="27" page="35"/>  Wir haben uns daher entschlossen, bei der alten eingebürgerten und allgemein verstandenen Benennung zu
<line no="28" page="35"/>  bleiben. Das Wörtchen »roh« ist in dieselbe nicht hineingekommen, um damit eine Kritik an den <break>betreffenden</break>
<line no="29" page="35"/>   Bauten zu üben; sondern es ist aus der üblichen Bezeichnung Rohbau, dem Gegensatz von
<line no="30" page="35"/>  Ausbau, für diejenigen Mauerwerke übernommen worden, die noch keinen Putzüberzug erhalten haben.
<line no="31" page="35"/>  Diese Hinzufügung war der Deutlichkeit wegen notwendig, weil die Backsteinmauern noch häufiger geputzt,
<line no="32" page="35"/>  als in ihrem Material sichtbar gelassen werden. Das Gleiche gilt für Bruchsteinmauern, während die <break>Benennung</break>
<line no="33" page="35"/>   »Hausteinbau« kein Mißverständnis aufkommen läßt. Die aus Hausteinen aufgeführten <break>Mauerkörper</break>
<line no="34" page="35"/>   nennt man oft als »in reiner Arbeit« hergestellt, deshalb würde die Annahme der zum Teile
<line no="35" page="35"/>  schon angewendeten Bezeichnung »Backsteinreinbau« für Mauern, deren Backsteinmaterial sichtbar bleibt,
<line no="36" page="35"/>  eine gewisse Berechtigung haben, wohl auch bald allgemein verständlich werden und nicht zu <break>Mißverständnissen</break>
<line no="37" page="35"/>   führen können, wie dies bei der in Vorschlag gebrachten Benennung »gefugter Backsteinbau« der
<line no="38" page="35"/>  Fall ist. In letzterer ist wohl ein kennzeichnendes Merkmal des Backsteinrohbaues, das Sichtbarbleiben
<line no="39" page="35"/>  des Fugennetzes, ausgesprochen; aber es bleibt dabei die Möglichkeit, nur an das nachträgliche Fugen zu
<line no="40" page="35"/>  denken, das im Gegensatz zu dem beim Mauern gleich in den Fugen fertig gestellten Mauerwerk steht.
<line no="41" page="35"/>  Wir haben die Einführung des Wortes »Backsteinreinbau« unterlassen, weil uns das Bedürsnis zur <break>Beseitigung</break>
<line no="42" page="35"/>   von »Rohbau« nicht dringend genug vorzuliegen schien.</fontsize></P>
<line no="43" page="35"/>  <P pagebreak="firstpart"> Daß der Backstein im Backsteinrohbau oder überhaupt da, wo er den <break>Witterungseinflüssen</break>
<line no="44" page="35"/>   ausgesetzt ist, besondere Eigenschaften haben muß, die in geschützter
<line no="45" page="35"/>  Lage weniger in Betracht kommen, ist klar, und in der Schwierigkeit, ihm diese
<line no="46" page="35"/>  Eigenschaften zu verleihen, wozu noch Schwierigkeiten ästhetischer Natur treten,
<line no="47" page="35"/>  liegt der Grund, warum der Backsteinrohbau im Hausteinbau einen schwer oder
<line no="48" page="35"/>  nicht besiegbaren Mitbewerber für bessere Bauten findet. Die fraglichen Eigenschaften
<line no="49" page="35"/>  werden später noch eingehend zu erörtern sein. Ueber die beim Backsteinbau zur</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="50" page="35"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="52"/> Siehe: Deutsche Bauz. 1889, S. 15, 35, 46, 52, 87, 109, 147.</fontsize></P>
<page no="36"/>
<line no="1" page="36"/>  <P pagebreak="secondpart">Anwendung kommenden verschiedenen Ziegelwaren und die sonstigen keramischen
<line no="2" page="36"/>  Erzeugnisse finden sich Mitteilungen in Teil I, Band 1, erste Hälfte (Art. 16 u. ff.,
<line no="3" page="36"/>  S. 72 u. ff. u. Art. 44 u. ff., S. 106 u. ff. [2. Aufl.: Art. 35 u. ff., S. 92 u. ff. u.
<line no="4" page="36"/>  Art. 55 u. ff., S. 119 u. ff.]) dieses »Handbuches«. Format und Backsteinverbände
<line no="5" page="36"/>  wurden im vorhergehenden Bande (Abt. I, Abschn. 1: »Konstruktionselemente in
<line no="6" page="36"/>  Stein«) dieses »Handbuches« besprochen.</P>
<line no="7" page="36"/>  <P> Zur Herstellung der äußeren Wandflächen verwendet man im Backsteinrohbau
<line no="8" page="36"/>  jetzt ziemlich allgemein besonders gut hergestellte Steine: die Verblendsteine mit
<line no="9" page="36"/>  glatten und möglichst gleichmäßig gefärbten Außenflächen; zur Ausführung der
<line no="10" page="36"/>  Hintermauerung jedoch und zu allen Mauern, die geputzt werden, die ordinären
<line no="11" page="36"/>  Backsteine, Hintermauerungssteine oder kurzweg Mauersteine. Diese fallen nun im
<line no="12" page="36"/>  Brande nicht gleichmäßig aus und werden in der Regel auch nicht nach ihrer <break>Beschaffenheit</break>
<line no="13" page="36"/>   gesondert auf die Bauten geliefert. Es ist daher zweckmäßig, das <break>Aussuchen</break>
<line no="14" page="36"/>   auf der Baustelle selbst nach drei Sorten vorzunehmen. Die scharf <break>gebrannten</break>
<line no="15" page="36"/>   Steine benutzt man zur Herstellung der Mauerkörper, welche dem Wetter oder
<line no="16" page="36"/>  der Feuchtigkeit ausgesetzt sind oder besonders hohe Belastungen erhalten, also zu
<line no="17" page="36"/>  Grundmauern, Kellermauern, Sockeln, Pfeilern etc., die mittelgebrannten zu den <break>Umfassungen,</break>
<line no="18" page="36"/>   Tragmauern, Bogen, Gewölben und Brandmauern, die schwach gebrannten
<line no="19" page="36"/>  zu den Scheidewänden und überall da, wo dieselben bei trockener Lage keine <break>Belastungen</break>
<line no="20" page="36"/>   erhalten.</P>
<line no="21" page="36"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">24.|Verbindung|durch den|Mörtel.</fontsize></sidenote><P> Die Festigkeit der Backsteinmauer beruht, außer auf dem richtigen Verbande,
<line no="22" page="36"/>  auf der Verkittung durch den zwischen die Fugen gebrachten Mörtel. Die <break>allgemeinen</break>
<line no="23" page="36"/>   Grundsätze hierfür wurden schon im vorhergehenden Bande (Abt. I, Abschn. 1,
<line no="24" page="36"/>  Kap. 3) dieses »Handbuches« erörtert; hier würden dem jedoch einige Einzelheiten
<line no="25" page="36"/>  hinzuzufügen sein.</P>
<line no="26" page="36"/>  <P> Ein Mauerkörper wird um so fester sein, je mehr er sich einer monolithen
<line no="27" page="36"/>  Masse nähert. Daher wird bei einer Quadermauer die Festigkeit verhältnismäßig
<line no="28" page="36"/>  mit der Größe der Quader, mit der Verminderung der Zahl der Fugen zunehmen.
<line no="29" page="36"/>  Je kleiner die Steine sind, um so größer ist die Zahl der Fugen, um so mehr nimmt
<line no="30" page="36"/>  der Zusammenhang ab. Diesen Mangel kann man durch die Verbindung mittels der
<line no="31" page="36"/>  Bindemittel ersetzen, woraus die Bedeutsamkeit des Mörtels für das <break>Backsteinmauerwerk</break>
<line no="32" page="36"/>   hervorgeht. Der Mörtel soll hierbei die Backsteine durch ein fest geschlossenes
<line no="33" page="36"/>  Fugennetz wie mit einem Maschenwerk umklammern. Er darf dabei aber nicht
<line no="34" page="36"/>  bloß zu einer in sich zusammenhängenden Masse erstarren, sondern er muß auch
<line no="35" page="36"/>  möglichst fest an den Backsteinen haften. Deshalb ist auch die Wahl des Mörtels
<line no="36" page="36"/>  durchaus nicht gleichgültig. Diese kann durch verschiedene Umstände beeinflußt
<line no="37" page="36"/>  werden.</P>
<line no="38" page="36"/>  <P pagebreak="firstpart"> Die für Backsteinmauerwerk häufiger zur Anwendung gelangenden Mörtel sind
<line no="39" page="36"/>  fetter und hydraulischer Kalkmörtel, Cementmörtel (vorzugsweise von <break>Portlandcement),</break>
<line no="40" page="36"/>   Cementkalkmörtel und Gipsmörtel. Diese Mörtelarten sind in Teil I,
<line no="41" page="36"/>  Band 1, erste Hälfte (Abt. I, Abschn. 1, Kap. 3) dieses »Handbuches« ausführlich
<line no="42" page="36"/>  behandelt worden. Der Luftkalkmörtel kann nur bei trockener Lage des <break>Mauerwerkes</break>
<line no="43" page="36"/>   benutzt werden; er braucht aber eine ausreichende Menge von Feuchtigkeit
<line no="44" page="36"/>  und darf diese nur langsam von sich geben, um fest zu werden. Deshalb sind die
<line no="45" page="36"/>  Backsteine vor dem Vermauern genügend anzunässen, und deshalb ist das künstliche
<line no="46" page="36"/>  Austrocknen des Mauerwerkes schädlich. Eben darauf beruht es auch, wenn dünne
<line no="47" page="36"/>  Backsteinmauern, welche man in der Sommerhitze aufführt, nicht fest werden. Die</P>
<page no="37"/>
<line no="1" page="37"/>  <P pagebreak="secondpart">porenreichen Backsteine saugen das Mörtelwasser mit dem in ihm enthaltenen <break>Kalkhydrat</break>
<line no="2" page="37"/>   auf; dieses erhärtet daselbst, unter Einwirkung der in den Poren enthaltenen
<line no="3" page="37"/>  kohlensäurehaltigen Luft und kohlensäurehaltigen Feuchtigkeit, und bildet so ein
<line no="4" page="37"/>  Bindeglied mit dem in den Fugen verbleibenden und ebenfalls fest werdenden Mörtel.
<line no="5" page="37"/>  Außerdem entstehen unter der chemischen Einwirkung des Kalkhydrates auf die
<line no="6" page="37"/>  an der Oberfläche der Backsteine vorhandene, durch das Brennen aufgeschlossene
<line no="7" page="37"/>  Kieselerde und Thonerde Kalksilikate, welche wesentlich zur Erhöhung der Festigkeit
<line no="8" page="37"/>  der Mörtelverbindung und der Dauerhaftigkeit derselben beitragen<footnote to="53"/>. Dieser <break>Vorgang</break>
<line no="9" page="37"/>   kann sehr lange andauern, wirkt aber fortdauernd auf Erhöhung der Festigkeit.
<line no="10" page="37"/>  In demselben liegt die Begründung für die innige Verbindung, welche zwischen guten
<line no="11" page="37"/>  Backsteinen und gutem Kalkmörtel erzielt werden kann. Durch denselben wird
<line no="12" page="37"/>  auch erklärlich, warum mit schon einmal gebrauchten, wenn auch gut abgeputzten
<line no="13" page="37"/>  Backsteinen diese innige Verbindung nicht mehr zu erreichen ist. Die Poren <break>derselben</break>
<line no="14" page="37"/>   sind schon mit kohlensaurem Kalk ausgefüllt, und die Oberflächen bieten nicht
<line no="15" page="37"/>  mehr die Bedingungen für die Bildung der Silikate.</P>
<line no="16" page="37"/>  <P> Luftmörtel aus Fettkalk kann man, wie schon erwähnt, nur bei trockener Lage
<line no="17" page="37"/>  des Mauerwerkes verwenden. Sind dauernde Feuchtigkeitsquellen vorhanden, so sind
<line no="18" page="37"/>  die hydraulischen Mörtel, die Cement- und Kalk-Cement-Mörtel oder die Kalkmörtel
<line no="19" page="37"/>  mit hydraulischen Zuschlägen (Puzzolanmörtel) zu benutzen. Die Cement- und
<line no="20" page="37"/>  Puzzolanmörtel haben zur Erhaltung ihrer Festigkeit dauernd den Zutritt der <break>Feuchtigkeit</break>
<line no="21" page="37"/>   notwendig.</P>
<line no="22" page="37"/>  <P> Gipsmörtel kann man nur im Trockenen zur Verwendung bringen. Er erhärtet
<line no="23" page="37"/>  sehr rasch (unter Volumvermehrung) und kann deshalb auch wie Cementmörtel zur
<line no="24" page="37"/>  Verwendung gelangen, wenn ein Setzen der Mauerkörper vermieden werden soll;
<line no="25" page="37"/>  immerhin ist diese Verwendung aber wegen der Volumvermehrung eine bedenkliche.
<line no="26" page="37"/>  Infolge dieses raschen Erhärtens ist der Gipsmörtel auch brauchbar, wenn Mauerwerk
<line no="27" page="37"/>  bei Frostwetter ausgeführt werden muß. Dabei darf aber dem Gips nur das zur
<line no="28" page="37"/>  Erhärtung gerade notwendige Wasser zugesetzt werden. Viel verwendungsfähiger
<line no="29" page="37"/>  wird scharf gebrannter Gips als Mauermörtel, wenn man ihm bis zur Hälfte seiner
<line no="30" page="37"/>  Menge Sand zusetzt.</P>
<line no="31" page="37"/>  <P> Frischer Cementmörtel kann schon durch geringe Kälte zerstört werden. Auch
<line no="32" page="37"/>  die Kalkmörtel widerstehen dem raschen Wechsel von Frost und Tauwetter nicht.
<line no="33" page="37"/>  Weniger nachteilig wirkt eine anhaltende mäßige Kälte, besonders bei verfüllten
<line no="34" page="37"/>  Grundmauern. Man will sogar beobachtet haben, daß Mörtel, der bei andauernder
<line no="35" page="37"/>  Kälte seine Feuchtigkeit verloren hat, besonders fest geworden ist. Um bei <break>Frostwetter</break>
<line no="36" page="37"/>   mit Kalkmörtel sicher mauern zu können, soll man ungelöschten Kalk nur
<line no="37" page="37"/>  in geringen Mengen zu Mörtel bereiten, denselben möglichst steif herstellen, die
<line no="38" page="37"/>  Ziegel und den Sand nur trocken und angewärmt verwenden und das Mauerwerk
<line no="39" page="37"/>  vor der Einwirkung von Feuchtigkeit oder Schnee schützen. Die Durchführung
<line no="40" page="37"/>  dieser Maßregeln dürfte für gewöhnlich nur im kleinen Maßstabe möglich sein.
<line no="41" page="37"/>  Cementmörtel wird durch Zusatz von Kochsalz oder Soda weniger empfindlich gegen
<line no="42" page="37"/>  Kälte; auch Verwendung von warmem Wasser zum Anmachen ist vorteilhaft<footnote to="54"/>.</P>
<line no="43" page="37"/>  <P pagebreak="firstpart"> Das Legen der Backsteine im richtigen Verbande und das Verbinden derselben</P><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">25.|Das Mauern.</fontsize></sidenote>
<footnotes> </footnotes>
<line no="44" page="37"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="53"/> Siehe: <smallcaps>Ziurek,</smallcaps> O. A. Ueber Mörtel in baupolizeilicher, technischer und chemischer Beziehung. Zeitschr. f. Bauw.
<line no="45" page="37"/>  1861, S. 41.</fontsize></P>
<line no="46" page="37"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="54"/> Ueber das Mauern bei Frostwetter vergl.: Deutsche Bauz. 1880, S. 74; 1886, S. 501, 520, 536; 1887, S. 148;
<line no="47" page="37"/>  1888, S. 112, 184, 203. &#8212; Baugwksztg. 1885, S. 35; 1886, S. 860, 880; 1897, S. 97. &#8212; Gesundh.-Ing. 1893, S. 357. &#8212; Deutsches
<line no="48" page="37"/>  Baugwksbl. 1894, S. 517. &#8212; <i>Building news,</i> Bd. 54, S. 67. &#8212; <i>Nouv. annales de la constr.</i> 1887, S. 148.</fontsize></P>
<page no="38"/>
<line no="1" page="38"/>  <P pagebreak="secondpart">durch den Mörtel nennt man das Mauern. Da das Gelingen der Mörtelverbindung
<line no="2" page="38"/>  schnelles Mauern voraussetzt, so ist die Güte des Ziegelmauerwerkes wesentlich von
<line no="3" page="38"/>  der Geschicklichkeit der betreffenden Maurer abhängig. Man findet daher in den
<line no="4" page="38"/>  Gegenden des vorherrschenden Backsteinbaues, wegen der größeren Uebung, besseres
<line no="5" page="38"/>  und dabei mit geringerem Zeitaufwand hergestelltes Mauerwerk, als da, wo der <break>Backstein</break>
<line no="6" page="38"/>   mit den natürlichen Steinen in Wettbewerb steht. Blockverband und <break>namentlich</break>
<line no="7" page="38"/>   Kreuzverband erfordern mehr Aufmerksamkeit, als der Binderverband. Der
<line no="8" page="38"/>  letztere empfiehlt sich deshalb dann, wenn man nur weniger geübte Maurer an die
<line no="9" page="38"/>  Arbeit stellen kann, besonders für 1 Stein starke Mauern<footnote to="55"/>.</P>
<line no="10" page="38"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">26.|Hohlmauern.</fontsize></sidenote><P> Im vorhergehenden Bande (Art. 56, S. 51 [2. Aufl.: S. 52]) dieses »Handbuches«
<line no="11" page="38"/>  wurden als beabsichtigte Zwecke bei Ausführung von Hohlmauern die Herstellung
<line no="12" page="38"/>  isolierender Luftschichten und Materialverminderung angegeben. Namentlich das erstere
<line no="13" page="38"/>  ist häufig der Grund zur Wahl dieser Anordnungen. Die in den Mauern enthaltenen
<line no="14" page="38"/>  ruhenden Luftschichten sollen die umschlossenen Räume dem Einfluß von außerhalb
<line no="15" page="38"/>  stattfindenden Wärmeänderungen entziehen<footnote to="56"/> oder die Ueberleitung des Schalles von
<line no="16" page="38"/>  einem Raume in einen benachbarten verhindern<footnote to="57"/>. Außerdem verwendet man <break>Hohlmauern</break>
<line no="17" page="38"/>   oft als Umfassungsmauern von Gebäuden, um das Durchschlagen von <break>Feuchtigkeit</break>
<line no="18" page="38"/>   zu verhüten. Das letztere ist sehr schwierig zu erreichen und erfordert ganz
<line no="19" page="38"/>  besondere Vorsichtsmaßregeln. Man hat daher vor der Wahl der Konstruktion sich
<line no="20" page="38"/>  den hauptsächlich vorliegenden Zweck klar zu machen. Gewöhnlich liegt für <break>Umfassungsmauern</break>
<line no="21" page="38"/>   das Bedürfnis vor, das Durchschlagen von Feuchtigkeit zu verhindern.
<line no="22" page="38"/>  Erreicht man diese Absicht, so kann man bis zu einem gewissen Grade auch mit die
<line no="23" page="38"/>  Sicherung vor dem Eindringen der Kälte erzielen, wogegen eine warm haltende
<line no="24" page="38"/>  Mauer nicht immer gleichzeitig auch als eine trocken haltende konstruiert zu sein
<line no="25" page="38"/>  braucht, da hierfür besondere Schutzvorkehrungen an der Außenseite angebracht
<line no="26" page="38"/>  werden können. Wir werden uns daher nur kurz mit den Vorkehrungen bei <break>Hohlmauern</break>
<line no="27" page="38"/>   zu beschäftigen haben, die ein Trockenhalten bezwecken, und zwar gegen
<line no="28" page="38"/>  Schlagregen, der bekanntlich besonders die sog. Wetterseiten der Gebäude trifft.
<line no="29" page="38"/>  Die Schutzmaßregeln gegen Feuchtigkeiten aller Art werden in Kap. 12 besprochen
<line no="30" page="38"/>  werden, wo auch auf die Hohlmauern zurückzukommen sein wird.</P>
<line no="31" page="38"/>  <P pagebreak="firstpart"> Vorbedingung für das Trockenhalten ist die Wahl eines Ziegelmaterials für
<line no="32" page="38"/>  den äußeren Teil der Mauer, welches selbst genügend undurchdringlich ist. Es
<line no="33" page="38"/>  darf also nur wenig porenhaltig sein und muß eine angesinterte Oberfläche haben,
<line no="34" page="38"/>  was beides durch scharfen Brand erreicht wird. Ebenso muß aber auch der <break>Fugenmörtel</break>
<line no="35" page="38"/>   wasserdicht sein, weshalb sich für diesen Zweck ein guter hydraulischer Mörtel
<line no="36" page="38"/>  empfiehlt. Da nun zweckentsprechende Materialien nicht immer in ausreichender
<line no="37" page="38"/>  Güte zur Verfügung stehen, die Ausführung oft mangelhaft erfolgt und die Erfahrung
<line no="38" page="38"/>  gezeigt hat, daß schwache Mauern von ganz gutem Material doch gegen einen
<line no="39" page="38"/>  kräftigen Schlagregen nicht genügen, so muß weiter gefordert werden, daß <break>Feuchtigkeit,</break>
<line no="40" page="38"/>   welche durch den äußeren Teil der Mauer gedrungen ist, nicht auf die
<line no="41" page="38"/>  innere Wand übergeleitet werde. Deshalb sollte die Luftschicht durch die ganze
<line no="42" page="38"/>  Länge und Höhe der Wand ununterbrochen durchgeführt werden. Die Rücksicht
<line no="43" page="38"/>  auf Standfestigkeit der Mauer erfordert nun aber wenigstens eine Verbindung beider</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="44" page="38"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="55"/> Ueber die Art des Mauerns selbst und die dabei zu beachtenden Regeln vergl. die 1. Auflage dieses Heftes (Art. 25, S. 38).</fontsize></P>
<line no="45" page="38"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="56"/> Die Erschwerung des Wärmedurchganges durch Hohlmauern aus Backsteinen ist übrigens nicht sehr erheblich, wie
<line no="46" page="38"/>  in Teil III, Band 4 (Art. 62, S. 54 [2. Aufl.: Art. 112, S. 107]) dieses »Handbuches« nachgewiesen wird. &#8212; Vergl. auch:
<line no="47" page="38"/>  Deutsche Bauz. 1897, S. 619.</fontsize></P>
<line no="48" page="38"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="57"/> Es ist jedoch sehr fraglich, ob diese Absicht erreicht wird, da die Luft die Schallwellen sehr leicht fortleitet.</fontsize></P>
<page no="39"/>
<line no="1" page="39"/>  <P pagebreak="secondpart">Hälften durch eine Anzahl von Bindern oder Klammern. Diese dürfen daher selbst
<line no="2" page="39"/>  nicht zu Feuchtigkeitsleitern werden; sie müssen also ebenfalls von dichtem Material
<line no="3" page="39"/>  sein oder besonders geschützt werden. Sie sollten aber auch eine Form erhalten,
<line no="4" page="39"/>  die ein Ablagern des beim Mauern herabfallenden Mörtels unschädlich macht oder
<line no="5" page="39"/>  verhindert. Dieser herabgefallene Mörtel ist nämlich häufig die nicht immer erkannte
<line no="6" page="39"/>  Ursache der Ueberleitung der Feuchtigkeit. Besondere Sorgfalt ist auf die <break>Konstruktion</break>
<line no="7" page="39"/>   der Laibungen der Oeffnungen zu verwenden, da an diesen Stellen zumeist
<line no="8" page="39"/>  volle Mauerkörper ohne Hohlräume gebildet werden müssen.</P>
<line no="9" page="39"/>  <P> Sehr verschieden sind die Ansichten über die dem äußeren Mauerteile zu
<line no="10" page="39"/>  gebende Dicke. Vielfach wird verlangt, denselben immer mindestens 1 Stein stark
<line no="11" page="39"/>  zu machen, so daß bei der vielfach verwendeten Gesamtmauerstärke von 1<sup>1</sup>/<sub>2</sub> Stein
<line no="12" page="39"/>  für den inneren Teil nur <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Stein übrig bleibt. Dies ist für Wände, welche zugleich
<line no="13" page="39"/>  als Tragmauern von Balkenlagen zu dienen haben, zu wenig, namentlich wenn, wie
<line no="14" page="39"/>  dies aus angegebenen Gründen verlangt werden muß, der Hohlraum in der ganzen
<line no="15" page="39"/>  Höhe der Frontmauern durchlaufen soll, also eine Anzahl von durchbindenden
<line no="16" page="39"/>  Schichten unter der Balkengleiche vermieden werden müssen. Andererseits wird
<line no="17" page="39"/>  angeführt, daß eine <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Stein starke Wand gewöhnlich sorgfältiger gemauert werde,
<line no="18" page="39"/>  als eine 1 Stein starke, und daher ebenso viel Wert für die Trockenhaltung besitze,
<line no="19" page="39"/>  als letztere. Für Hohlmauern, welche Gebälke zu tragen haben, wird es sich daher
<line no="20" page="39"/>  empfehlen, den inneren Teil 1 Stein stark zu machen, wenn dadurch auch für den
<line no="21" page="39"/>  äußeren Teil nur <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Stein übrig bleibt. Bei dickeren Mauern ist es aber <break>zweifellos</break>
<line no="22" page="39"/>   richtiger, den äußeren Teil stärker als <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Stein zu halten; denn es ist zu <break>beachten,</break>
<line no="23" page="39"/>   daß diese geringere Dicke bei einer Höhe von mehreren Stockwerken <break>ebenfalls</break>
<line no="24" page="39"/>   zu Bedenken in Bezug auf Standsicherheit Veranlassung gibt und außerdem
<line no="25" page="39"/>  der architektonischen Ausbildung der Fassaden Schwierigkeiten bereitet. Eine <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Stein
<line no="26" page="39"/>  starke Mauer kann auch gegen Durchschlagen der Nässe ohne besondere <break>Schutzvorkehrungen</break>
<line no="27" page="39"/>   keine Sicherheit bieten. Erwähnung finde hier noch der Einwand
<line no="28" page="39"/>  gegen stärkere Außenmauern, daß diese mehr Feuchtigkeit in sich aufspeichern, als
<line no="29" page="39"/>  <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Stein starke. Sicher ist aber auch, daß eine gut ausgeführte starke Mauer
<line no="30" page="39"/>  weniger Feuchtigkeit bis zur isolierenden Luftschicht dringen lassen wird, als eine
<line no="31" page="39"/>  schwache. Für nicht Balken tragende Mauern empfiehlt es sich daher, den inneren
<line no="32" page="39"/>  Teil nur <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Stein stark zu machen, wo nicht konstruktive Bedenken dagegen <break>vorliegen.</break>
<line no="33" page="39"/>   Damit ist der Vorteil verbunden, daß die isolierende Luftschicht rasch
<line no="34" page="39"/>  durchwärmt wird und dadurch die Warmhaltung fördert.</P>
<line no="35" page="39"/>  <P pagebreak="firstpart"> In der Regel wird der Hohlraum <sup>1</sup>/<sub>4</sub> Steinlänge (6 bis 7<highlow type="high">cm</highlow>) breit gehalten.
<line no="36" page="39"/>  Dieser Zwischenraum ist ungenügend, wenn der äußere Wandteil Feuchtigkeit
<line no="37" page="39"/>  durchläßt. Die Luft in demselben wird bald mit Feuchtigkeit gesättigt werden
<line no="38" page="39"/>  und diese der inneren Wandhälfte mitteilen. Die eingeschlossene feuchte Luft wird
<line no="39" page="39"/>  außerdem dumpfig, was sich ebenfalls in den umschlossenen Räumen mit der Zeit
<line no="40" page="39"/>  bemerklich machen muß. Es ist daher angezeigt, die Hohlräume im allgemeinen
<line no="41" page="39"/>  breiter als <sup>1</sup>/<sub>4</sub> Steinlänge (etwa <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Stein) zu halten und dieselben durch geeignete
<line no="42" page="39"/>  Oeffnungen zu lüsten, was bei weiteren Zwischenräumen leichter zu bewerkstelligen
<line no="43" page="39"/>  ist, als bei engen. Durch diese Lüftung geht allerdings der Vorteil der <break>Warmhaltung</break>
<line no="44" page="39"/>   verloren, was aber gegen den Vorteil in gesundheitlicher Beziehung und
<line no="45" page="39"/>  in der gewährten Sicherung der Dauerhaftigkeit der auf dem inneren Wandteil <break>auflagernden</break>
<line no="46" page="39"/>   Balken weniger besagen will. Auch ist zu beachten, daß in Hohlräumen
<line no="47" page="39"/>  von einiger Höhe abkühlende Luftströmungen entstehen werden, welche die be-</P>
<page no="40"/>
<line no="1" page="40"/>  <P pagebreak="secondpart">absichtigte schlechtere Wärmeleitung ebenfalls beeinträchtigen und die Bildung von
<line no="2" page="40"/>  schädlichem Schwitzwasser begünstigen.</P>
<line no="3" page="40"/>  <P> Die Meinungen über den Wert der Hohlmauern gehen zur Zeit <break>außerordentlich</break>
<line no="4" page="40"/>   auseinander<footnote to="58"/>. Wir verzichten daher hier auf eine Besprechung der <break>verschiedenartigen</break>
<line no="5" page="40"/>   Konstruktionen derselben<footnote to="59"/>.</P>
<line no="6" page="40"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">27.|Mauern|aus|Hohlsteinen.</fontsize></sidenote><P> Ohne Schwierigkeiten lassen sich Mauern mit Hohlräumen mit Hilfe von <break>Hohlsteinen</break>
<line no="7" page="40"/>  <footnote to="60"/> herstellen.</P>
<line no="8" page="40"/>  <P> Dieselben werden in der Regel in der Gestalt und in den Maßen der <break>gewöhnlichen</break>
<line no="9" page="40"/>   Backsteine, bezw. Verblendsteine gebrannt, weshalb sie ohne alle <break>Schwierigkeiten</break>
<line no="10" page="40"/>   mit diesen in Verband gebracht werden können. Außer diesen sind in den
<line no="11" page="40"/>  verschiedenen Ländern, namentlich in England, aber auch in Deutschland, sehr <break>verschiedenartige</break>
<line no="12" page="40"/>   Formen der Hohlsteine in Anwendung gebracht worden, deren <break>Besprechung</break>
<line no="13" page="40"/>   aber hier zu weit führen würde. Erwähnung verdient, daß vielfach
<line no="14" page="40"/>  empfohlen wird, die Hohlsteine größer als das Normalformat herzustellen, weil sie
<line no="15" page="40"/>  dann bei gleicher Tragfähigkeit in der Herstellung billiger würden. Weiter ist darauf
<line no="16" page="40"/>  aufmerksam zu machen, daß Hohlsteine mit lotrechten Durchlochungen viel Mörtel
<line no="17" page="40"/>  schlucken und ein stärkeres Setzen des Mauerwerkes veranlassen, weil sich der Mörtel
<line no="18" page="40"/>  in die Höhlungen hineindrückt. Man soll diese Durchlochungen daher rund und
<line no="19" page="40"/>  höchstens 1<sup>1</sup>/<sub>2</sub><highlow type="high">cm</highlow> im Durchmesser halten.</P>
<line no="20" page="40"/>  <P> Eingehender wird die gewöhnliche Form der Hohlsteine in Art. 38 behandelt
<line no="21" page="40"/>  werden, weil sie mit der der Verblendsteine übereinstimmt. Bemerkt mag hier nur
<line no="22" page="40"/>  sein, daß man drei Sorten zur Herstellung regelrechter Verbände gebraucht: Läufer,
<line no="23" page="40"/>  Binder und Ecksteine. Teilstücke lassen sich zwar durch Behauen herstellen; <break>zweckmäßiger</break>
<line no="24" page="40"/>   ist es aber immer, solche aus der Ziegelei mit zu beziehen. Infolge der
<line no="25" page="40"/>  Höhlungen brennen die Hohlsteine gleichmäßiger und schärfer durch als Vollsteine, die
<line no="26" page="40"/>  in derselben Hitze gebrannt werden, sind daher fester und auch weniger porig, als
<line no="27" page="40"/>  diese, nehmen also auch weniger Wasser auf; sie sind auch schlechtere Wärmeleiter, als
<line no="28" page="40"/>  Vollsteine. Dagegen sind sie weniger fest, als ebenso scharf gebrannte Vollsteine,
<line no="29" page="40"/>  haben jedoch durchschnittlich die Druckfestigkeit mittelguter Backsteine. Da sie etwas
<line no="30" page="40"/>  teurer sind, als gewöhnliche Hintermauerungssteine, so verwendet man sie in der
<line no="31" page="40"/>  Regel nur zur äußeren Verkleidung der Mauern, bei Mauern aus natürlichen Steinen
<line no="32" page="40"/>  wohl auch zur inneren Verblendung derselben. Ferner benutzt man sie zur <break>Ausführung</break>
<line no="33" page="40"/>   von Wänden, die ein geringeres Gewicht haben sollen oder zu denjenigen
<line no="34" page="40"/>  Zwecken, welchen Hohlmauern dienen sollen. Der Erfolg ist jedoch, wie bei den
<line no="35" page="40"/>  letzteren, sehr fraglich, da die kleinen Hohlräume der Feuchtigkeit-, Wärme- und
<line no="36" page="40"/>  Schallübertragung kein wesentliches Hindernis bieten können und diese durch die
<line no="37" page="40"/>  Wandungen der Steine und die Mörtelfugen stattfinden wird<footnote to="61"/>.</P>
<line no="38" page="40"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">28.|Mauern|aus|porigen Steinen.</fontsize></sidenote><P pagebreak="firstpart"> An Stelle der Hohlsteine werden häufig die porigen Steine mit Vorteil <break>angewendet</break>
<line no="39" page="40"/>  <footnote to="62"/>. Sie sind sehr leicht<footnote to="63"/>, haben aber geringe Druckfestigkeit<footnote to="64"/> und</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="40" page="40"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="58"/> Vergl.: Centralbl. d. Bauverw. 1898, S. 98, 178, 261, 316, 359, 554, 630.</fontsize></P>
<line no="41" page="40"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="59"/> Ausführlich wurden sie in der 1. Auflage dieses Heftes (S. 42&#8211;45) besprochen.</fontsize></P>
<line no="42" page="40"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="60"/> Siehe über dieselben Teil I, Band 1, erste Hälfte (Art. 18, S. 73 [2. Aufl.: Art. 37, S. 95]) dieses »Handbuches«.</fontsize></P>
<line no="43" page="40"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="61"/> Vergl. hierüber: Deutsche Bauz. 1897, S. 437.</fontsize></P>
<line no="44" page="40"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="62"/> Siehe über dieselben Teil I, Band 1, erste Hälfte (Art. 17, S. 73 [2. Aufl.: Art. 36, S. 93]) dieses »<break>Handbuches«.</break>
<line no="45" page="40"/>  </fontsize></P>
<line no="46" page="40"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="63"/> Die porigen Steine im deutschen Normalformat aus den Greppiner Werken, Aktiengesellschaft für Baubedarf und
<line no="47" page="40"/>  Braunkohlen (vorm. <i>C. Aug. Stange</i>) wiegen 2,<highlow type="low">27</highlow><highlow type="high">kg</highlow>; die porigen Lochsteine von da, mit 2 Längslöchern von 30<highlow type="high">mm</highlow> <break>Durchmesser,</break>
<line no="48" page="40"/>   1,<highlow type="low">7</highlow><highlow type="high">kg</highlow>.</fontsize></P>
<line no="49" page="40"/>  <P pagebreak="firstpart"> <fontsize change="-2"><footnote from="64"/> Nach <i>Böhme</i> (Die Festigkeit der Baumaterialien. Berlin 1876. S. 32) beträgt die Druckfestigkeit von porigen
<line no="50" page="40"/>  Steinen 52,<highlow type="low">70</highlow> bis 110,<highlow type="low">4</highlow><highlow type="high">kg</highlow> für 1<highlow type="high">qcm</highlow>, bei 10-facher Sicherheit die zulässige Beanspruchung von 8,<highlow type="low">8</highlow> bis 7,<highlow type="low">5</highlow><highlow type="high">kg</highlow> für 1<highlow type="high">qcm</highlow>. Nach dem-</fontsize></P>
<page no="41"/>
<line no="1" page="41"/>  <P pagebreak="secondpart">dürfen den Einflüssen der Feuchtigkeit nicht ausgesetzt werden. Eine für manche
<line no="2" page="41"/>  Zwecke sehr wertvolle Eigenschaft ist ihre große Porosität<footnote to="65"/>. Vermöge derselben
<line no="3" page="41"/>  sind sie schlechte Wärmeleiter und begünstigen wegen ihrer bedeutenden <break>Luftdurchlässigkeit</break>
<line no="4" page="41"/>   außerordentlich die für die Gesundheit der Bewohner so wertvoll
<line no="5" page="41"/>  erachtete zufällige Lüftung der Räume, wenn diese nicht auf künstlichem Wege <break>beschafft</break>
<line no="6" page="41"/>   worden ist.</P>
<line no="7" page="41"/>  <P> <fontsize change="-1">Nach <i>Wolpert</i><footnote to="66"/> ist eine belangreiche Luftverbesserung und Lufterneuerung vermöge der Diffusion
<line no="8" page="41"/>  der Gase und des unmittelbaren Luftdurchganges durch die Wände von folgenden Bedingungen abhängig:
<line no="9" page="41"/>  nicht zu große Dicke der Mauern, poriges Material, Wärme und Trockenheit der Wände; große <break>Wärmeunterschiede</break>
<line no="10" page="41"/>   und nicht zu große Feuchtigkeit der zu wechselnden Luftmassen; heftige Luftströmungen,
<line no="11" page="41"/>  Winde; freie Lage gegen die Richtung des Windes. Da diese Bedingungen nicht immer genügend, häufig
<line no="12" page="41"/>  gar nicht erfüllt sind, so wird man die Luftdurchlässigkeit der Wände als Ursache der hinreichenden <break>Luftverbesserung</break>
<line no="13" page="41"/>   im allgemeinen nicht betrachten dürfen, wenigstens nicht bei der üblichen Bauweise. (Vergl.
<line no="14" page="41"/>  hierüber auch Teil III, Band 4 [Abt. IV, Abschn. 4, B, Kap. 2, d, 1: Zufällige Lüftung] dieses »<break>Handbuches«.)</break>
<line no="15" page="41"/>  </fontsize></P>
<line no="16" page="41"/>  <P> <fontsize change="-1">Zweifellos ist es aber, daß sich mit Hilfe der porigen Ziegel die erwähnten konstruktiven <break>Bedingungen</break>
<line no="17" page="41"/>   erreichen lassen, wenigstens für Wohnhäuser von geringer Stockwerkszahl, bei denen die Belastung
<line no="18" page="41"/>  der Steine im Erdgeschoß niemals die zulässigen Grenzen übersteigen wird. Die ausgedehntere Anwendung
<line no="19" page="41"/>  der porigen Steine würde demnach in gesundheitlicher Hinsicht als ein Fortschritt bezeichnet werden
<line no="20" page="41"/>  können, wenn man auch nicht an dieselben die übertriebenen Hoffnungen von <i>Meiners</i><footnote to="67"/> knüpfen darf,
<line no="21" page="41"/>  da ein Einfluß auf die nicht konstruktiven Bedingungen für die Wirksamkeit der zulässigen Lüftung durch
<line no="22" page="41"/>  die Wände ausgeschlossen ist.</fontsize></P>
<line no="23" page="41"/>  <P> Die durch Brennen des mit verbrennlichen Stoffen gemischten Thones erzeugten
<line no="24" page="41"/>  porigen Steine erleiden unter Einfluß der Feuchtigkeit der Dauerhaftigkeit <break>schädliche</break>
<line no="25" page="41"/>   Zersetzungen; sie dürfen daher auch nicht zur äußeren Verkleidung von <break>Umfassungsmauern</break>
<line no="26" page="41"/>   benutzt werden, wenn man sie nicht gegen die Feuchtigkeit schützt.
<line no="27" page="41"/>  Dies kann, ohne der Luftdurchlässigkeit großen Eintrag zu thun, durch einige der
<line no="28" page="41"/>  in Kap. 12 zu besprechenden Behänge geschehen. Kalkmörtelputz ist hierzu nicht
<line no="29" page="41"/>  geeignet, weil er die Feuchtigkeit durchläßt. Ist die Anwendung eines solchen <break>Behanges</break>
<line no="30" page="41"/>   aus architektonischen Rücksichten nicht zulässig, so muß man eben einen
<line no="31" page="41"/>  dichten Stein zur Herstellung der äußeren Bekleidung verwenden.</P>
<line no="32" page="41"/>  <P> <fontsize change="-1">Die mit Hilfe von Infusorienerde hergestellten porigen Steine<footnote to="68"/> sind jedenfalls widerstandsfähig
<line no="33" page="41"/>  gegen Feuchtigkeit; sie können aber wegen der noch seltenen Ausnutzung der Infusorienerde nicht in
<line no="34" page="41"/>  Betracht kommen. Auch die Herstellung der oben besprochenen porigen Steine ist an die Orte gefesselt,
<line no="35" page="41"/>  wo die Beschassung der dem Thone zuzumischenden brennbaren Stosse nicht besondere Kosten verursacht.</fontsize></P>
</section> <section level="1" title="b) Mauern aus ungebrannten künstlichen Steinen."> <H1>b) Mauern aus ungebrannten künstlichen Steinen.</H1>
<line no="37" page="41"/>  <P pagebreak="firstpart"> Außer den Backsteinen kommen vielerlei andere künstliche, nicht durch Brennen<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">29.|Allgemeines.</fontsize></sidenote>
<line no="38" page="41"/>  von Ziegelerde erzeugte künstliche Steine zur Anwendung, die hier insofern <break>Berücksichtigung</break>
<line no="39" page="41"/>   finden sollen, als sie in gleicher oder ähnlicher Größe, wie die der
<line no="40" page="41"/>  Backsteine, zur Herstellung von Mauern benutzt werden. Die Anfertigung solcher
<line no="41" page="41"/>  Steine ist teils eine seit uralten Zeiten bekannte, wie die der Lehmsteine und <break>Lehmpatzen;</break>
<line no="42" page="41"/>   teils ist sie aus dem Bestreben hervorgegangen, billigere Steine durch die</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="43" page="41"/>  <P pagebreak="secondpart"><fontsize change="-2">selben (Zeitschr. f. Bauw. 1880, S. 556) beträgt die mittlere Festigkeit von porigen Vollsteinen 184<highlow type="high">kg</highlow>, von porigen Lochsteinen
<line no="44" page="41"/>  84<highlow type="high">kg</highlow>. Ueber die Druckfestigkeit von Mauerwerkskörpern aus porigen Steinen siehe den vorhergehenden Band (Art. 91, S. 75
<line no="45" page="41"/>  |2. Aufl.: S. 77i) dieses »Handbuches«.</fontsize></P>
<line no="46" page="41"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="65"/> Siehe hierüber Teil 1, Band 1, erste Hälfte (Art. 28, S. 90 [2. Aufl.: Art. 21, S. 81]) dieses »Handbuches«.</fontsize></P>
<line no="47" page="41"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="66"/> Theorie und Praxis der Ventilation und Heizung. Braunschweig 1880. S. 334.</fontsize></P>
<line no="48" page="41"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="67"/> Siehe: <smallcaps>Meiners,</smallcaps> H. Das städtische Wohnhaus der Zukunft. Stuttgart 1879. S. 74 u. ff.</fontsize></P>
<line no="49" page="41"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="68"/> Vergl.: <smallcaps>Heusinger v. Waldegg,</smallcaps> E. Die Ziegelfabrikation. 3. Aufl. Leipzig 1876. S. 238.</fontsize></P>
<page no="42"/>
<line no="1" page="42"/>  <P pagebreak="secondpart">Ersparnis des Brennens zu beschaffen, wie bei den Kalksandziegeln und den <break>Kunstsandsteinen.</break>
<line no="2" page="42"/>   Teils sollen sie Ersatz bieten für einen nicht vorhandenen, zum Brennen
<line no="3" page="42"/>  geeigneten Thon; teils will man andere billige, anders nicht ausreichend <break>verwertbare</break>
<line no="4" page="42"/>   Rohstoffe ausnutzen; teils hat man die Absicht, sie mit besonderen <break>Eigenschaften,</break>
<line no="5" page="42"/>   wie Leichtigkeit, geringe Wärme- und Schallleitungsfähigkeit, auszustatten,
<line no="6" page="42"/>  wie sie in so hohem Grade bei Backsteinen nicht erreichbar sind; teils ist auch nur
<line no="7" page="42"/>  Erfindungslust dabei im Spiele. Zumeist haben daher diese künstlichen Steine mehr
<line no="8" page="42"/>  nur örtliche Bedeutung; doch gestatten manche wegen ihres geringen Gewichtes
<line no="9" page="42"/>  auch weitere Versendung, wie die rheinischen Schwemmsteine und die Korksteine.
<line no="10" page="42"/>  Bei der großen Zahl, die namentlich in den letzten Jahren durch Neuerfindungen
<line no="11" page="42"/>  vermehrt worden ist, können hier nur die bekanntesten oder durch besondere <break>Eigenschaften</break>
<line no="12" page="42"/>   hervorragenden Berücksichtigung finden und dies auch nur insoweit, als
<line no="13" page="42"/>  eine Ergänzung des in Teil I, Band 1, erste Hälfte (S. 78 [2. Aufl.: S. 100]) <break>Mitgeteilten</break>
<line no="14" page="42"/>   wünschenswert erscheint.</P>
<line no="15" page="42"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">30.|Lehmsteine|oder Luftziegel.</fontsize></sidenote><P> Die Lehmsteine oder Luftziegel sind wohl das älteste künstliche Baumaterial
<line no="16" page="42"/>  überhaupt, haben aber heute in Kulturländern nur noch Bedeutung für <break>landwirtschaftliche</break>
<line no="17" page="42"/>   Bauten. Sie werden genau wie zu brennende Ziegel hergestellt, aber
<line no="18" page="42"/>  länger an der Luft getrocknet. Sie schwinden dabei um <sup>1</sup>/<sub>20</sub>. Sandigem Lehm soll
<line no="19" page="42"/>  man beim Einstampfen 4 bis 6 Prozent gelöschten Kalk zusetzen, um den Steinen
<line no="20" page="42"/>  größere Festigkeit und Wasserbeständigkeit zu geben. Unvollkommen getrocknete
<line no="21" page="42"/>  Steine geben nasse und sich senkende Wände. Nach <i>Engel</i><footnote to="69"/> werden sie in zwei
<line no="22" page="42"/>  Größen hergestellt: 30 &amp;times; 14 &amp;times; 8 bis 10<highlow type="high">cm</highlow>, wobei sie 5 bis 7<highlow type="high">kg</highlow> schwer sind, und
<line no="23" page="42"/>  26 &amp;times; 12,<fontsize change="-1">5</fontsize> &amp;times; 8<highlow type="high">cm</highlow>, wobei sie 4,<fontsize change="-1">0</fontsize> bis 4,<fontsize change="-1">5</fontsize><highlow type="high">kg</highlow> wiegen. Sie leisten der Nässe keinen
<line no="24" page="42"/>  Widerstand und können daher nur im Inneren der Gebäude Verwendung finden oder
<line no="25" page="42"/>  da im Aeußeren, wo sie durch hohe Sockelmauern, weit überhängende Dächer und
<line no="26" page="42"/>  Putzüberzug oder eine andere Verkleidung geschützt sind. Gewöhnlich wird ein
<line no="27" page="42"/>  Lehmputz auf ihnen angebracht. Der besser schützende Kalkputz haftet nur, <break>nachdem</break>
<line no="28" page="42"/>   ein sorgfältiger Anstrich der Wände mit heißem Teer vorausgegangen ist<footnote to="70"/>
<line no="29" page="42"/>  oder andere in Kap. 4 zu besprechende Anordnungen getroffen worden sind. Die
<line no="30" page="42"/>  Lehmsteine werden mit Lehmmörtel vermauert, dürfen aber dabei nicht angenäßt
<line no="31" page="42"/>  werden. Verwendet man sie in Verband mit gebrannten Backsteinen, die dann die
<line no="32" page="42"/>  äußere schützende Bekleidung zu bilden haben, so müssen sie selbstredend in
<line no="33" page="42"/>  Form und Größe der letzteren angefertigt werden. Da Verblendung und Kern
<line no="34" page="42"/>  derartiger Mauern sich sehr verschieden setzen, sind sie sehr wenig empfehlenswert;
<line no="35" page="42"/>  jedenfalls sollte man sie nur einstöckig ausführen. Zweckmäßig ist es, die Mauern
<line no="36" page="42"/>  unter den Balkenlagen mit Schichten aus gebrannten Steinen in Kalkmörtel <break>abzuschließen</break>
<line no="37" page="42"/>  <footnote to="71"/>.</P>
<line no="38" page="42"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">31.|Lehmpatzen.</fontsize></sidenote><P pagebreak="firstpart"> Aehnliche Mängel wie die Lehmsteine haben die sog. Lehmpatzen; sie erfordern
<line no="39" page="42"/>  deshalb auch dieselben Schutzmaßregeln gegen Feuchtigkeit. Sie werden aus mit
<line no="40" page="42"/>  Wasser erweichtem Lehm mit Zusatz von 10 bis 20 Prozent geeigneten <break>Pflanzenteilen</break>
<line no="41" page="42"/>   hergestellt, wodurch das schnelle und gleichmäßige Trocknen begünstigt,
<line no="42" page="42"/>  jedoch die Festigkeit vermindert wird. An ihnen haftet der Putz besser, als an
<line no="43" page="42"/>  Luftsteinen; durch den Gehalt an Pflanzenteilen wird aber das Aufsaugen der</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="44" page="42"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="69"/> Siehe: <smallcaps>Engel,</smallcaps> F. Die Bauausführung. Berlin 1881. S. 70.</fontsize></P>
<line no="45" page="42"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="70"/> Siehe: Der Bau landwirtschaftlicher Gebäude mit ungebrannten und an der Luft getrockneten Lehmziegeln. <break>Baugwksztg.</break>
<line no="46" page="42"/>   1885, S. 200.</fontsize></P>
<line no="47" page="42"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="71"/> Ueber den Bau mit Lehmsteinen finden sich ausführliche Mitteilungen in <smallcaps>Haarmann</smallcaps>&#39;s Zeitschr. f. Bauhdw. 1858,
<line no="48" page="42"/>  S. 33; 1866, S. 193.</fontsize></P>
<page no="43"/>
<line no="1" page="43"/>  <P pagebreak="secondpart">Feuchtigkeit befördert. Nach <i>Engel</i><footnote to="72"/> fertigt man sie in großem und kleinem
<line no="2" page="43"/>  Format: 39 &amp;times; 20 &amp;times; 16<highlow type="high">cm</highlow> mit 18,<fontsize change="-1">5</fontsize><highlow type="high">kg</highlow> Gewicht und 37 &amp;times; 15 &amp;times; 16<highlow type="high">cm</highlow> mit 9,<fontsize change="-1">0</fontsize> bis
<line no="3" page="43"/>  9,<fontsize change="-1">5</fontsize><highlow type="high">kg</highlow> Gewicht an.</P>
<line no="4" page="43"/>  <P> Ebenfalls hauptsächlich für landwirtschaftliche Bauten bestimmt, jedoch bei weitem<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">32.|Kalksandziegel.</fontsize></sidenote>
<line no="5" page="43"/>  wertvoller, als Lehmsteine und Lehmpatzen, sind die Kalksandziegel (vergl. Teil I,
<line no="6" page="43"/>  Bd. 1, erste Hälfte [Art. 64, S. 125; 2. Aufl.: Art. 97, S. 141] dieses »Handbuches«).
<line no="7" page="43"/>  Sie sind billig, dauerhaft und leicht anzufertigen. Gewöhnlich werden sie am Ort des
<line no="8" page="43"/>  Baues hergestellt und sollen 40 bis 50 Prozent Ersparnis gegen gebrannte Backsteine
<line no="9" page="43"/>  ergeben<footnote to="73"/>. Man kann sie zu allen Arten von Mauern verwenden, nur nicht zu <break>Feuermauern,</break>
<line no="10" page="43"/>   weil sie der Glühhitze nicht widerstehen. Vorspringende, stark durchfeuchtete
<line no="11" page="43"/>  Mauerteile zerfrieren; dagegen sollen die ebenen Mauerflächen durch den Frost nicht
<line no="12" page="43"/>  beschädigt werden können. Empfohlen wird jedoch, sie der Erdfeuchtigkeit durch
<line no="13" page="43"/>  Bruchsteinsockel zu entziehen. Sie lassen sich nicht gut zuhauen, weshalb man die
<line no="14" page="43"/>  erforderlichen Teilsteine besonders formen muß. Nach <i>Böhme</i> beträgt die zulässige
<line no="15" page="43"/>  Belastung von Kalksandziegeln (28<highlow type="high">cm</highlow> lang, 13<highlow type="high">cm</highlow> breit, 8<highlow type="high">cm</highlow> stark aus 8 Teilen Sand
<line no="16" page="43"/>  und 1 Teil Kalk) <i>Bernhardi</i>&#39;s in Eilenburg, durch welchen dieselben namentlich
<line no="17" page="43"/>  eingeführt und verbreitet worden sind, 4,<fontsize change="-1">2</fontsize><highlow type="high">kg</highlow> für 1<highlow type="high">qcm</highlow> bei 10-facher Sicherheit; sie
<line no="18" page="43"/>  sind indessen spröde und vertragen daher nicht Schlag und Stoß<footnote to="74"/>. Eine Ersparnis
<line no="19" page="43"/>  wird beim Bau mit Kalksandziegeln außer durch die billige Herstellung noch <break>dadurch</break>
<line no="20" page="43"/>   möglich, daß sie keines Putzüberzuges bedürfen. Auch im Inneren kann man
<line no="21" page="43"/>  genügend glatte Wandflächen durch einfaches Verreiben der Fugen und Kalkanstrich
<line no="22" page="43"/>  erzielen.</P>
<line no="23" page="43"/>  <P> Verwandt mit den Kalksandziegeln sind die außerordentlich zahlreichen »<break>Kunststeine«,</break><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">33.|Kunststeine.</fontsize></sidenote>
<line no="24" page="43"/>   die unter den verschiedensten Namen gehen, in der Hauptsache aber aus
<line no="25" page="43"/>  Sand oder Steinbrocken oder wohl auch Straßenstaub unter Zusatz von hydraulischem
<line no="26" page="43"/>  Kalk, Gips oder irgend einem Cement und oft noch anderen Zumengungen, wie
<line no="27" page="43"/>  Wasserglas, Harzen u. s. w. hergestellt werden. Sie haben bei <i>Böhme</i>&#39;s <break>Untersuchungen</break>
<line no="28" page="43"/>  <footnote to="75"/> zum Teile beträchtliche Festigkeitszahlen ergeben. Mitteilungen über
<line no="29" page="43"/>  derartige Steine finden sich u. a. in den unten angegebenen Quellen<footnote to="76"/>.</P>
<line no="30" page="43"/>  <P pagebreak="firstpart"> Sehr viel Anerkennung haben sich die aus gekörnter (granulierter) <break>Hochofenschlacke</break><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">34.|Schlackensteine.</fontsize></sidenote>
<line no="31" page="43"/>   und gelöschtem Kalk in großen Mengen gewonnenen Schlackensteine
<line no="32" page="43"/>  erworben. Sie werden im Normalformat hergestellt, haben einen feinen, lichtgrauen
<line no="33" page="43"/>  Farbton, sind wetterbeständig und verbinden sich mit dem Kalkmörtel, wenn diesem
<line no="34" page="43"/>  Schlackensand beigemengt wird, zu einer monolithen Masse, deren Festigkeit mit
<line no="35" page="43"/>  der Zeit zunimmt. Das Mauerwerk aus Schlackensteinen trocknet rasch aus, hält
<line no="36" page="43"/>  warm und trocken, wobei vorausgesetzt wird, daß die Steine vor der Anwendung
<line no="37" page="43"/>  6 Monate Zeit zum Austrocknen gehabt haben. Die zulässige Belastung der Steine</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="38" page="43"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="72"/> A. a. O. &#8212; Vergl. auch Teil I, Bd. 1, erste Hälfte (Art. 16, S. 72  [2. Aufl.: Art. 35, S. 93]) dieses »<break>Handbuches«.</break>
<line no="39" page="43"/>  </fontsize></P>
<line no="40" page="43"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="73"/> Siehe: <smallcaps>Heusinger v. Waldegg,</smallcaps> E. Die Kalk- und Cementfabrikation. 3. Aufl. Leipzig 1875. S. 195.</fontsize></P>
<line no="41" page="43"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="74"/> Siehe: <smallcaps>Böhme.</smallcaps> Die Festigkeit der Baumaterialien. Berlin 1876. S. 12.</fontsize></P>
<line no="42" page="43"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="75"/> Siehe a. a. O., S. 28&#8211;32; &#8212; ferner: Mittheilungen aus den kgl. technischen Versuchsanstalten zu Berlin 1891,
<line no="43" page="43"/>  S. 151&#8211;239; 1894, S. 236&#8211;293.</fontsize></P>
<line no="44" page="43"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="76"/> <smallcaps>Gottgetreu,</smallcaps> R. Physische und chemische Beschaffenheit der Baumaterialien. 3. Aufl. Berlin 1880. Bd. I, S. 399 u. ff.
<line no="45" page="43"/>  &#8212; <smallcaps>Romberg&#39;s</smallcaps> Zeitschr. f. prakt. Bauk. 1879, S. 211. &#8212; Baugwksztg. 1880, S. 374; 1881, S. 626. &#8212; Wochbl. f. Arch. u. Ing.
<line no="46" page="43"/>  1880, S. 215. &#8212; Deutsche Bauz. 1881, S. 199; 1884, S. 60. &#8212; Thonind.-Ztg. 1892, Nr. 48. &#8212; <smallcaps>Heusinger v. Waldegg,</smallcaps> E.
<line no="47" page="43"/>  Die Kalk- und Cementfabrikation. 3. Aufl. Leipzig 1875. S. 210 u. ff. &#8212; Eine sehr große Zahl von künstlichen Steinen sind
<line no="48" page="43"/>  besprochen in: <smallcaps>Feichtinger,</smallcaps> G. Die chemische Technologie der Mörtelmaterialien. Braunschweig 1885. S. 416 u. ff. &#8212;
<line no="49" page="43"/>  Ueber Kunststeine aus Beton siehe: Zeitschr. f. Bauk. 1881, S. 544. &#8212; Ueber künstliche Sandsteine der Sandsteingießerei
<line no="50" page="43"/>  »Ischyrota« siehe: Deutsches Baugwksbl. 1887, S. 476. &#8212; Baugwksztg. 1887, S. 1014. &#8212; Ueber Kunststein aus Kalksteinabfällen
<line no="51" page="43"/>  siehe: Baumaterialienkunde, Jahrg. 1, S. 10.</fontsize></P>
<page no="44"/>
<line no="1" page="44"/>  <P pagebreak="secondpart">beträgt nach <i>Böhme</i><footnote to="77"/> bei 10-facher Sicherheit 4,<fontsize change="-1">5</fontsize> bis 9,<fontsize change="-1">0</fontsize><highlow type="high">kg</highlow> für 1<highlow type="high">qcm</highlow>. Sonach
<line no="2" page="44"/>  sind die Schlackensteine ebenso verwendungsfähig wie die Backsteine, zeichnen sich
<line no="3" page="44"/>  jedoch vor den gewöhnlichen Backsteinen durch sehr große Luftdurchlässigkeit aus.
<line no="4" page="44"/>  Sie zählen nach <i>Lang</i><footnote to="78"/> zu den porigsten Baustoffen und müssen daher wegen ihrer
<line no="5" page="44"/>  sonstigen guten Eigenschaften den porigen Backsteinen weit vorgezogen werden<footnote to="79"/>. Auch
<line no="6" page="44"/>  größere Baustücke und Gesimse werden aus granulierter Hochofenschlacke hergestellt.
<line no="7" page="44"/>  Durch Abwaschen mit verdünnter Schwefelsäure läßt sich die Farbe etwas verändern.</P>
<line no="8" page="44"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">35.|Bimssandsteine.</fontsize></sidenote><P> Noch poriger, wie die Schlackensteine, aber von weit geringerem Gewichte,
<line no="9" page="44"/>  dabei allerdings auch von geringerer Druckfestigkeit sind die Bimssandsteine, auch
<line no="10" page="44"/>  rheinische Schwemmsteine oder Tuffsteine genannt. (Vergl. Teil I, Bd. 1, erste Hälfte
<line no="11" page="44"/>  [Art. 81, S. 135; 2. Aufl.: Art. 101, S. 142] dieses »Handbuches«.) Sie sind <break>besonders</break>
<line no="12" page="44"/>   für das Ausführen von leichten Wänden im Inneren der Gebäude geeignet; doch
<line no="13" page="44"/>  werden sie vielfach auch zur Herstellung von Außenmauern benutzt, obgleich ihre
<line no="14" page="44"/>  Wetterbeständigkeit anzuzweifeln ist. Bewährt haben sie sich in besonders geformten
<line no="15" page="44"/>  Stücken bei Errichtung von russischen Schornsteinröhren.</P>
<line no="16" page="44"/>  <P> Nach einem dem preußischen Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche
<line no="17" page="44"/>  Arbeiten von <i>Neumann, Schnitzler</i> und <i>Zweck</i> erstatteten kommissarischen Gutachten
<line no="18" page="44"/>  vom 5. Mai 1879 war zu dieser Zeit ein endgültiges Urteil über die Brauchbarkeit
<line no="19" page="44"/>  der Bimssandsteinerzeugnisse noch nicht abzugeben, da Erfahrungen und Versuche
<line no="20" page="44"/>  über die Steine noch nicht genügend vorlagen; doch wurde erklärt, daß sie ein
<line no="21" page="44"/>  höchst beachtens- und schätzenswertes Baumaterial bilden, wenn auf ihre Herstellung
<line no="22" page="44"/>  ausreichende Sorgfalt verwendet wird.</P>
<line no="23" page="44"/>  <P> Daß letzteres notwendig ist, beweisen Erfahrungen, die mit wahrscheinlich
<line no="24" page="44"/>  mangelhaft angefertigten Steinen nach unten genannter Quelle<footnote to="80"/> gemacht worden
<line no="25" page="44"/>  sind. Nach derselben zersetzten sich auf Bimssandsteinwänden, auch auf verputzten
<line no="26" page="44"/>  Flächen, die Anstrichfarben, namentlich an solchen Stellen, an denen sich die am
<line no="27" page="44"/>  meisten verwitterten und lockeren Steine befanden. Als Abhilfemittel werden Tränken
<line no="28" page="44"/>  der Steine und Fugen mit heißem Teer, nachheriger Bewurf mit scharfem Kiessand
<line no="29" page="44"/>  und Verputz nach vollständigem Abtrocknen des Teers empfohlen. Die Steine sollen
<line no="30" page="44"/>  dadurch auch in Außenwänden dauerhafter werden. Zu beachten ist aber, daß
<line no="31" page="44"/>  dadurch ein Vorteil derselben, die Luftdurchlässigkeit, verloren geht.</P>
<line no="32" page="44"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">36.|Korksteine.</fontsize></sidenote><P> Die leichtesten bis jetzt bekannten Bausteine sind die von <i>Grünzweig &amp; Hartmann</i>
<line no="33" page="44"/>  in Ludwigshafen am Rhein hergestellten Korksteine<footnote to="81"/>. Dieselben bestehen in der <break>Hauptsache</break>
<line no="34" page="44"/>   aus durch Kalk verbundenem, zerkleinertem Korkholz und erhalten die Größe der
<line no="35" page="44"/>  deutschen Normalbacksteine oder die Form von Platten von 4<highlow type="high">cm</highlow> Dicke, 30<highlow type="high">cm</highlow> Länge und
<line no="36" page="44"/>  25<highlow type="high">cm</highlow> Breite, werden jedoch auch in anderen Größen und Formen hergestellt. Ein Stein
<line no="37" page="44"/>  im Normalziegelformat wiegt etwa 500<highlow type="high">g</highlow>; das Einheitsgewicht ist durchschnittlich 0,<fontsize change="-1">3.</fontsize></P>
<line no="38" page="44"/>  <P> Neben dem geringen Gewichte ist die wertvollste Eigenschaft die geringe
<line no="39" page="44"/>  Wärmeleitungsfähigkeit. Diese soll geringer, als die aller anderen, zu ähnlichen
<line no="40" page="44"/>  Zwecken verwendbaren Baustoffe sein<footnote to="82"/>.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="41" page="44"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="77"/> Siehe: <smallcaps>Böhme.</smallcaps> Die Festigkeit der Baumaterialien. Berlin 1876. S. 13, 28, 29.</fontsize></P>
<line no="42" page="44"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="78"/> Siehe: <smallcaps>Lang,</smallcaps> C. Ueber natürliche Ventilation und die Porosität der Baumaterialien. Stuttgart 1877. S. 83.</fontsize></P>
<line no="43" page="44"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="79"/> Nach der Baugwksztg. 1885, S. 275 sollen mit der steigenden Nachfrage die Schlackensteine leider schlechter <break>hergestellt</break>
<line no="44" page="44"/>   worden sein, so daß sie z. B. in der Gegend von Osnabrück nicht mehr gekauft wurden und deshalb dort nicht mehr
<line no="45" page="44"/>  angefertigt werden.</fontsize></P>
<line no="46" page="44"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="80"/> <smallcaps>Romberg</smallcaps>&#39;s Zeitschr. f. prakt. Bauk. 1877, S. 138.</fontsize></P>
<line no="47" page="44"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="81"/> D. R.-P. Nr. 13_107.</fontsize></P>
<line no="48" page="44"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="82"/> Vergl. die Mitteilungen über die bezüglichen Versuche <i>Grünzweig</i>&#39;s in: Gesundh.-Ing. 1886, S. 506, 538 &#8212; sowie
<line no="49" page="44"/>  in: Deutsche Bauz. 1885, S. 330.</fontsize></P>
<page no="45"/>
<line no="1" page="45"/>  <P> Sie reißen und verziehen sich nicht in der Wärme und sollen bis zu 180 Grad C.
<line no="2" page="45"/>  Hitze vertragen, auch nicht feuergefährlich sein, da sie wohl durch Feuer zerstört
<line no="3" page="45"/>  werden, dasselbe aber nicht weiter leiten.</P>
<line no="4" page="45"/>  <P> Sie sind der Fäulnis nicht unterworfen, sind aber gegen Nässe zu schützen.
<line no="5" page="45"/>  Durch einen guten Putzüberzug sollen sie jedoch gegen die Einwirkungen der
<line no="6" page="45"/>  Witterung genügend geschützt sein. Um sie gegen Nässe widerstandsfähiger zu
<line no="7" page="45"/>  machen, tränkt man sie mit Teer oder überzieht sie mit einer Pechschicht.</P>
<line no="8" page="45"/>  <P> Ihre Druckfestigkeit beträgt im Mittel 2,<fontsize change="-1">8</fontsize><highlow type="high">kg</highlow> für 1<highlow type="high">qcm</highlow> <footnote to="83"/>.</P>
<line no="9" page="45"/>  <P> Die Steine lassen sich mit dem scharfen Maurerhammer behauen; man kann sie
<line no="10" page="45"/>  beschneiden und zersägen, mit Nägeln und Schrauben befestigen. Sie werden mit
<line no="11" page="45"/>  Kalkmörtel, dem Gips zugesetzt ist, oder auch in Gipsmörtel vermauert. Für feuchte
<line no="12" page="45"/>  Lage, wie beim Eiskellerbau, bei dem die besonders hergerichteten Korksteine sehr
<line no="13" page="45"/>  vielfach Verwendung finden, benutzt man als Bindemittel Pech oder Cement.</P>
<line no="14" page="45"/>  <P> Nach den geschilderten Eigenschaften sind die Korksteine insbesondere zur <break>Herstellung</break>
<line no="15" page="45"/>   leichter Wände und zur Bildung schlecht wärmeleitender Umfassungen, welche
<line no="16" page="45"/>  keinen erheblichen Drücken oder Witterungseinflüssen unterworfen sind, brauchbar.</P>
</section> <section level="1" title="c) Backsteinrohbau."> <H1>c) Backsteinrohbau.</H1>
<line no="18" page="45"/>  <P pagebreak="firstpart"> Will man die Außenflächen von Gebäuden in Backsteinrohbau herstellen, so<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">37.|Allgemeines.</fontsize></sidenote>
<line no="19" page="45"/>  müssen die dazu zu verwendenden Steine vor allem witterungsbeständig sein. Hierzu
<line no="20" page="45"/>  ist nicht nur eine gewisse Dichtigkeit der Stirnflächen erforderlich; sondern die
<line no="21" page="45"/>  Steine dürfen auch keine Gemengteile enthalten, welche unter dem Einflusse der
<line no="22" page="45"/>  Feuchtigkeit eine Zerstörung herbeiführen. Dasselbe gilt auch vom Mörtel, welcher
<line no="23" page="45"/>  sonst ganz geeigneten Steinen schädliche Stoffe zuführen kann; hiervon wird weiter
<line no="24" page="45"/>  in Art. 55 die Rede sein. Bei der Kleinheit der Steine würde durch <break>ungleichmäßige</break>
<line no="25" page="45"/>   Färbung derselben eine sehr unruhige Wirkung der Wandflächen sich ergeben.
<line no="26" page="45"/>  Auch wünscht man für einen Rohbau einen schönen, klaren Farbton der Steine und
<line no="27" page="45"/>  eine gewisse Glätte der Stirnflächen, damit derselbe für die Dauer erhalten bleibe
<line no="28" page="45"/>  und nicht durch sich festsetzenden Staub und Flechten geschädigt werde. Weiter
<line no="29" page="45"/>  muß man zur Erzielung eines guten Aussehens scharfe, unbeschädigte Kanten, genau
<line no="30" page="45"/>  gleiche Größe und ebene Stirnen der Steine verlangen. Alle diese Eigenschaften
<line no="31" page="45"/>  vereinigt findet man bei den gewöhnlichen Backsteinen nicht, auch wenn man die
<line no="32" page="45"/>  besten sorgfältig aussucht. Früher hat man sich wohl hiermit begnügt und vor allem
<line no="33" page="45"/>  auf die Dauerhaftigkeit gesehen. Heute stellt man aber in der Regel höhere <break>Ansprüche</break>
<line no="34" page="45"/>   an den Baustoff und ist hierdurch dazu gekommen, für die Herstellung der
<line no="35" page="45"/>  Wandflächen besonders gute Steine, die sog. <spacing>Verblender,</spacing> anzufertigen. Diese sind
<line no="36" page="45"/>  nun sehr schwierig ganz vollkommen herzustellen; sie sind daher entsprechend teurer
<line no="37" page="45"/>  als gewöhnliche Steine, und es ist deshalb nicht zu verwundern, daß man öfters
<line no="38" page="45"/>  auch mißlungene Verblendungen findet. Wegen der Schwierigkeit, die Verblender
<line no="39" page="45"/>  ganz gleichmäßig gut herzustellen, kommen durch Aussuchen geschaffene verschiedene
<line no="40" page="45"/>  Sorten derselben in den Handel, und dadurch ist die Möglichkeit geboten, je nach
<line no="41" page="45"/>  den zur Verfügung stehenden Mitteln mehr oder weniger gute Verblendungen <break>herzustellen.</break>
<line no="42" page="45"/>   Auch bei den besten Blendsteinen sind kleine Schwankungen in der Farbe</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="43" page="45"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="83"/> Nach: Centralbl. d. Bauverw. 1884, S. 239. &#8212; Nur 1,<highlow type="low">6</highlow> bis 1,<highlow type="low">9</highlow><highlow type="high">kg</highlow> Druckfestigkeit besitzen die Korksteine nach
<line no="44" page="45"/>  der Rigaschen Ind.-Ztg. 1882, wo sie überhaupt nicht günstig beurteilt werden.</fontsize></P>
<page no="46"/>
<line no="1" page="46"/>  <P pagebreak="secondpart">nicht zu vermeiden; deshalb mag hier die Bemerkung Platz finden, daß Ruhe in
<line no="2" page="46"/>  die auch durch die vielen Fugen zerrissenen Flächen nur durch Einführung eines
<line no="3" page="46"/>  regelmäßigen Verbandmusters und gleichmäßige Fugendicke gebracht werden kann.
<line no="4" page="46"/>  Dagegen ist durch absichtlich verschiedene Färbung der Steine mehr als mit <break>natürlichen</break>
<line no="5" page="46"/>   Steinen die Möglichkeit zur polychromen Ausstattung der Architektur <break>vorhanden.</break>
<line no="6" page="46"/>   Mit den Verblendsteinen werden zwar zumeist nur ebene Wandflächen <break>hergestellt;</break>
<line no="7" page="46"/>   doch lassen sich mit denselben leicht reichere und kräftigere Wirkungen
<line no="8" page="46"/>  durch vor- und rückspringende Schichten oder Umrahmungen von vertieft liegenden
<line no="9" page="46"/>  Wandfeldern oder dergl. Anordnungen erzielen.</P>
<line no="10" page="46"/>  <P> Einen vollständigen Backsteinrohbau erhält man erst, wenn nicht bloß die
<line no="11" page="46"/>  Wandflächen, sondern auch die Strukturteile, wie Gesimse, Umrahmungen von <break>Oeffnungen</break>
<line no="12" page="46"/>   u. s. w. aus gebranntem Thon hergestellt werden. Dies geschieht mit Hilfe
<line no="13" page="46"/>  besonders geformter Steine, der <spacing>Formsteine,</spacing> die in ihrer Größe nicht wesentlich
<line no="14" page="46"/>  von den Verblendsteinen abweichen, oder mit Hilfe häufig größerer, dann meist
<line no="15" page="46"/>  hohl gebrannter und oft mit vorspringenden Verzierungen versehener Stücke, der
<line no="16" page="46"/>  <spacing>Terracotten.</spacing> Diese Teile der Backsteinrohbauten werden in den betreffenden
<line no="17" page="46"/>  Kapiteln behandelt werden, während hier hauptsächlich von den eigentlichen <break>Verblendungen</break>
<line no="18" page="46"/>   und den zum konstruktiven Abschluß von Wandteilen und gewissen
<line no="19" page="46"/>  besonderen Wänden notwendigen Formstücken die Rede sein soll.</P>
<line no="20" page="46"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">38.|Form|und Größe der|Verblendsteine.</fontsize></sidenote><P> Die Verblendsteine werden mit der Hand als <spacing>Klopf-</spacing> oder <spacing>Preßsteine</spacing> (mit
<line no="21" page="46"/>  Maschinen nachgepreßt) und als die noch besseren <spacing>Oel-</spacing> oder <spacing>Schneidesteine</spacing>
<line no="22" page="46"/>  hergestellt. Diese Handschlagsteine sind jetzt meist durch die mit Maschinen <break>angefertigten</break>
<line no="23" page="46"/>   verdrängt worden. Auch diese stellte man früher als <spacing>Vollsteine</spacing> her, ist
<line no="24" page="46"/>  jetzt aber fast durchweg zur Anfertigung der Verblendsteine als <spacing>Hohlsteine</spacing> <break>übergegangen,</break>
<line no="25" page="46"/>   was als ein Fortschritt bezeichnet werden kann, weil diese einen besser
<line no="26" page="46"/>  ausgewählten und besser zubereiteten Rohstoff, außerdem auch eine Vermehrung
<line no="27" page="46"/>  des Wasserzusatzes beim Formen erfordern. Durch letzteres erzielt man wieder die
<line no="28" page="46"/>  dichte und gleichmäßige Masse, welche die naß zubereiteten Handschlagsteine hatten,
<line no="29" page="46"/>  welche aber die trockener zubereiteten Maschinenvollsteine oft nicht besitzen und
<line no="30" page="46"/>  sich bei diesen auch nicht durch Nachpressen herbeiführen läßt. Bei den Hohlsteinen
<line no="31" page="46"/>  ergibt sich schon durch das engere Mundstück der Pressen eine dichtere und <break>gleichmäßigere</break>
<line no="32" page="46"/>   Beschaffenheit des Scherbens, sowie infolge der Höhlungen ein besseres
<line no="33" page="46"/>  und gleichmäßigeres Durchbrennen derselben<footnote to="84"/>. Selbstredend können ebenso gute
<line no="34" page="46"/>  Maschinenvollsteine hergestellt werden, und solche sind auch für stärkere <break>Druckbeanspruchungen</break>
<line no="35" page="46"/>   unentbehrlich.</P>
<line no="36" page="46"/>  <P> Für die Verblender sind wie für die Formsteine Vorschriften aufgestellt worden,
<line no="37" page="46"/>  welche in Teil I, Band 1, erste Hälfte (Art. 19, S. 74  [2. Aufl.: Art. 38, S. 95])
<line no="38" page="46"/>  dieses »Handbuches« Mitteilung fanden. Nach diesen sollten die ganzen Steine
<line no="39" page="46"/>  (<sup>4</sup>/<sub>4</sub>-Steine) 252 &amp;times; 122 &amp;times; 69<highlow type="high">mm</highlow> messen, unter Annahme einer gleichmäßigen <break>Fugendicke</break>
<line no="40" page="46"/>   von 8<highlow type="high">mm</highlow> in der Verblendung und einer Lagerfugendicke von 12<highlow type="high">mm</highlow> in der
<line no="41" page="46"/>  Hintermauerung. Die zulässigen Abweichungen von diesen Maßen sollen bei feinen
<line no="42" page="46"/>  Verblendern 1<highlow type="high">mm</highlow> nicht übersteigen. Diese geringe Abweichung scheint sich für
<line no="43" page="46"/>  größere Lieferungen als nicht durchführbar erwiesen zu haben.</P>
<line no="44" page="46"/>  <P> Die Teilstücke müssen für Verblendungen besonders und in den <sup>4</sup>/<sub>4</sub>-Steinen
<line no="45" page="46"/>  entsprechenden Maßen geformt werden. Die Wandungen der Hohlverblender sollen
<line no="46" page="46"/>  mindestens 20<highlow type="high">mm</highlow> stark sein.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="47" page="46"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="84"/> Siehe: Deutsche Bauz. 1881, S. 259.</fontsize></P>
<page no="47"/>
<line no="1" page="47"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 65 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>10</sub> w. Gr.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="2" page="47"/>  <P> In Fig. 65 sind Läufer und Binder in den üblichen Maßen dargestellt. Die
<line no="3" page="47"/>  Löcher laufen wagrecht und parallel der Mauerflucht. Fig. 66 zeigt die lotrecht
<line no="4" page="47"/>  durchlochten Normalecksteine; bei ihnen sollte die Weite der Löcher 15<highlow type="high">mm</highlow> nicht
<line no="5" page="47"/>  übersteigen (vergl. Art. 27, S. 40). Man hat übrigens auch Langlochecksteine mit
<line no="6" page="47"/>  5 geschlossenen Seiten hergestellt. Fig. 67 zeigt einen für Herstellung von <break>Rollschichten</break>
<line no="7" page="47"/>   bestimmten <sup>1</sup>/<sub>2</sub>-Stein. Die Vollsteine werden in denselben Maßen angefertigt.</P>
<line no="8" page="47"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 66 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>10</sub> w. Gr.</fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 67 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="9" page="47"/>  <P> <fontsize change="-1">Bei den auf den Berliner Markt gelangenden Verblendsteinen lassen sich 3 Sorten unterscheiden.
<line no="10" page="47"/>  Die feineren Sorten kommen fast ausschließlich in den kleineren Stücken (<sup>1</sup>/<sub>4</sub>- und <sup>1</sup>/<sub>2</sub>-Steine), die <break>mittelguten</break>
<line no="11" page="47"/>   meist in <sup>4</sup>/<sub>4</sub>-Steinen und die geringeren nur in <sup>4</sup>/<sub>4</sub>-Steinen in den Handel<footnote to="85"/>.</fontsize></P>
<line no="12" page="47"/>  <P> Sehr feine Verblendsteine werden zuweilen auch als <sup>1</sup>/<sub>8</sub>- und <sup>3</sup>/<sub>8</sub>-Steine angefertigt.</P>
<line no="13" page="47"/>  <P> <fontsize change="-1">So sind bei Straßenunterführungen und im Inneren von Bahnhöfen und Haltestellen der Berliner
<line no="14" page="47"/>  Stadtbahn in großer Menge weiße Verblendsteine in den in Fig. 68 dargestellten Größen mit einer <break>Fugendicke</break>
<line no="15" page="47"/>   von 5<highlow type="high">mm</highlow> zur Verwendung gekommen. Sie haben ein sehr sauberes Ansehen, bestehen aus einer</fontsize>
<line no="16" page="47"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 68 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 69 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>10</sub> w. Gr.</fontsize></Fig><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 70 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="17" page="47"/>  <fontsize change="-1">durchweg porzellanartig versinterten Masse, lassen sich daher leicht abwaschen und versprechen große <break>Dauerhaftigkeit.</break>
<line no="18" page="47"/>   Zum Teile waren sie nur 20, bezw. 70<highlow type="high">mm</highlow> breit. Sie wurden an Stelle der sonst zu ähnlichen
<line no="19" page="47"/>  Zwecken üblichen glasierten Fliesen verwendet, sind diesen aber wegen des Verbandes mit dem Mauerwerk
<line no="20" page="47"/>  jedenfalls vorzuziehen. 1<highlow type="high">qm</highlow> kostete, einschl. Cementmörtel, 26,</fontsize><fontsize change="-2">72</fontsize> <fontsize change="-1">Mark; bei Verwendung von ausschließlich
<line no="21" page="47"/>  Steinen I. Qualität würde 1<highlow type="high">qm</highlow> 35 Mark gekostet haben<footnote to="86"/>.</fontsize></P>
<line no="22" page="47"/>  <P> <fontsize change="-1"><i>Villeroy &amp; Boch</i> in Mettlach stellen glasierte Verblender dieser Art, auch Eck- und Gesimstücke
<line no="23" page="47"/>  in den Maßen: 120 &amp;times; 70 &amp;times; 20 bis 120 &amp;times; 70 &amp;times; 60<highlow type="high">mm</highlow> her.</fontsize></P>
<line no="24" page="47"/>  <P pagebreak="firstpart"> Es ist nicht zu verkennen, daß die Notwendigkeit, für die Verblendungen die
<line no="25" page="47"/>  verschiedenen Teilstücke anfertigen zu müssen, die Herstellung gleicher Maße und
<line no="26" page="47"/>  Farben erschwert, bezw. verteuert. Oft ist dies auch die Ursache von störenden
<line no="27" page="47"/>  Ungenauigkeiten und Ungleichmäßigkeiten im Mauerwerk; auch wird dadurch eine</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="28" page="47"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="85"/> Nach: Deutsches Baugwksbl. 1884, S. 264.</fontsize></P>
<line no="29" page="47"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="86"/> Nach: Centralbl. d. Bauverw. 1883, S. 169.</fontsize></P>
<page no="48"/>
<line no="1" page="48"/>  <P pagebreak="secondpart">der Zahl nach genau überlegte Bestellung der einzelnen Sorten, bezw. eines größeren
<line no="2" page="48"/>  Ueberschusses über den Bedarf hinaus bedingt, um für alle Fälle gedeckt zu sein,
<line no="3" page="48"/>  da ein Verhauen der größeren Steinstücke in kleinere mit Schwierigkeiten und
<line no="4" page="48"/>  Stoffverschwendung verbunden ist.</P>
<line no="5" page="48"/>  <P> <fontsize change="-1">Es ist daher ein glücklicher Gedanke der »Helmstedter Thonwerke (<i>Rühne &amp; Cie.</i> in Helmstedt)«,
<line no="6" page="48"/>  Steine anzufertigen, welche dem Maurer ein bequemes Teilen durch Zerschlagen und deshalb die Bestellung
<line no="7" page="48"/>  nur ganz weniger Sorten gestatten sollen. Diese beschränken sich auf <sup>2</sup>/<sub>4</sub>-Steine für die Flächen und
<line no="8" page="48"/>  <sup>3</sup>/<sub>4</sub>-Steine für die Bildung der Ecken.</fontsize></P>
<line no="9" page="48"/>  <P> <fontsize change="-1">Zu diesem Zwecke sind die <sup>2</sup>/<sub>4</sub>-Steine mit einem Spaltschlitz zwischen den beiden Hohlräumen und
<line no="10" page="48"/>  mit einer entsprechenden Nut auf einer Breitseite versehen (Fig. 69), wodurch die Trennung in zwei
<line no="11" page="48"/>  brauchbare <sup>1</sup>/<sub>4</sub>-Steine mittels eines Schlages mit dem Maurerhammer ermöglicht ist.</fontsize></P>
<line no="12" page="48"/>  <P> <fontsize change="-1">Dieselbe Ziegelei stellt auch nach dem gleichen Gedanken <sup>3</sup>/<sub>4</sub>-Steine her, die sich in ein <sup>1</sup>/<sub>2</sub>-<break>Steinstück</break>
<line no="13" page="48"/>   und ein <sup>1</sup>/<sub>4</sub>-Steinstück teilen lassen (Fig. 70) und die sie »Universalsteine« nennt, weil man mit
<line no="14" page="48"/>  dieser einen Sorte für Verblendungen auskommen soll. Dieselben haben aber den Nachteil, daß sie <break>senkrecht</break>
<line no="15" page="48"/>   zu den Lagerflächen durchlocht sind, was sonst nur bei den Ecksteinen notwendig und mit <break>vermehrtem</break>
<line no="16" page="48"/>   Mörtelaufwande verbunden ist. (Vergl. hierüber Art. 27, S. 40.)</fontsize></P>
<line no="17" page="48"/>  <P> <fontsize change="-1">Erfahrungen über die Bewährung der Helmstedter Steine sind noch nicht genügend bekannt geworden,
<line no="18" page="48"/>  namentlich was den für Bruch infolge des Zerschlagens zu machenden Ansatz betrifft. Dieser kann <break>selbstredend</break>
<line no="19" page="48"/>   den an sich nicht billigen Preis der Steine stark beeinflussen.</fontsize></P>
<line no="20" page="48"/>  <P> Die wagrecht gelochten Verblender versieht man auf den Lagerflächen mit
<line no="21" page="48"/>  Riefen, um bei den engen Fugen dem Mörtel mehr Raum zu schaffen (siehe Fig. 65).
<line no="22" page="48"/>  Oft werden zu demselben Zwecke wirkliche Vertiefungen angeordnet (Fig. 71).</P>
<line no="23" page="48"/>  <P> Bei der Anfertigung der Steine läuft der aus dem Thonschneider austretende
<line no="24" page="48"/>  Thonstrang auf Rollen, durch welche die unteren Kanten der Verblendflächen leicht
<line no="25" page="48"/>  beschädigt werden. Zur Vermeidung dieses Uebelstandes wird mitunter der als <break>Laufseite</break>
<line no="26" page="48"/>   dienenden Lagerfläche eine kleine Erhöhung gegeben (Fig. 72), durch welche
<line no="27" page="48"/>  die Kanten geschützt werden sollen<footnote to="87"/>.</P>
<line no="28" page="48"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 71 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 72 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>10</sub> w. Gr.</fontsize></Fig><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 73 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="29" page="48"/>  <P> Die Langlochverblender erhalten gewöhnlich zwei Verblendflächen, werden
<line no="30" page="48"/>  aber nur nach einer ausgesucht. Daraus ergeben sich beim Vermauern leicht <break>Verwechselungen.</break>
<line no="31" page="48"/>   Dem ist in den Ziegeleien ohne Mühe durch Bezeichnen oder <break>Untauglichmachen</break>
<line no="32" page="48"/>   der nicht ausgesuchten Verblendfläche abzuhelfen, wie dies auch in
<line no="33" page="48"/>  neuerer Zeit geschieht<footnote to="87"/>.</P>
<line no="34" page="48"/>  <P> Erwähnung mag hier noch der Vorschlag <i>v. Hagen</i>&#39;s finden, wonach die Kanten
<line no="35" page="48"/>  der Verblendsteine eine Abfasung von 1<highlow type="high">cm</highlow> erhalten sollen, um sie zu schützen und
<line no="36" page="48"/>  dauerhaft zu machen (Fig. 73).</P>
<line no="37" page="48"/>  <P> <fontsize change="-1">Der Erfinder verspricht sich von diesen Steinen gegenüber den gewöhnlichen eine kräftigere und
<line no="38" page="48"/>  reichere Wirkung. Es fragt sich, ob diese nicht wegen des kleinen Ziegelformates kleinlich und unruhig
<line no="39" page="48"/>  ausfällt.</fontsize></P>
<line no="40" page="48"/>  <P pagebreak="firstpart"> Eine beachtenswerte Neuerung in der Form bieten hakenförmig gestaltete <break>Verblender</break>
<line no="41" page="48"/>  <footnote to="88"/>, bei denen der vordere lotrechte, nur 3<highlow type="high">cm</highlow> starke Teil die doppelte oder</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="42" page="48"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="87"/> Siehe: <smallcaps>Eckhart,</smallcaps> A. Die Technik des Verblendsteins. Halle 1884. Teil II, S. 5.</fontsize></P>
<line no="43" page="48"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="88"/> Sog. Quaderverblender der Gewerkschaft Grube »Theresia« in Hermülheim bei Köln a. Rh. D. R.-P. Nr. 77_373.
<line no="44" page="48"/>  (Vergl.: Deutsche Bauz. 1895, S. 169.)</fontsize></P>
<page no="49"/>
<line no="1" page="49"/>  <Grafik beginn="#.,1#." ende="#.,6#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 74 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="2" page="49"/>  <P pagebreak="secondpart">mehrfache Schichtenhöhe hat und der hintere Teil in die Mauer <break>einbindet</break>
<line no="3" page="49"/>   (Fig. 74), wodurch der Stein in seiner Lage gesichert wird, wegen
<line no="4" page="49"/>  der Herabsetzung der Zahl der sichtbaren Lagerfugen. Sie sind verwandt
<line no="5" page="49"/>  mit den in Art. 8 (S. 14) besprochenen <i>Taylor</i>&#39;schen Verblendplatten
<line no="6" page="49"/>  aus natürlichem Stein.</P>
<line no="7" page="49"/>  <P> Die konstruktiv vollkommenste Verblendung wird man erzielen,<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">39.|Verband|zwischen Ver-|blendung und|Hintermauerung.</fontsize></sidenote>
<line no="8" page="49"/>  wenn man die als beste erkannten Backsteinverbände (siehe den <break>vorhergehenden</break>
<line no="9" page="49"/>   Band dieses »Handbuches«, Abt. I, Abschn. 1, Kap. 2) mit Verblendsteinen
<line no="10" page="49"/>  in den Mauerhäuptern zur Ausführung bringt. Dazu sind aber <sup>4</sup>/<sub>4</sub>-Läufer und
<line no="11" page="49"/>  <sup>4</sup>/<sub>4</sub>-Binder erforderlich, was nach dem vorhergehenden Artikel nicht nur sehr teuer,
<line no="12" page="49"/>  sondern auch in Steinen I. Sorte bei den dermaligen Verhältnissen des Handels mit
<line no="13" page="49"/>  Verblendsteinen nicht einmal ohne besondere Bestellung durchführbar wäre.</P>
<line no="14" page="49"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 75 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 76 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>25</sub> w. Gr.</fontsize></Fig><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 77 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="15" page="49"/>  <P> <fontsize change="-1">Fig. 75 zeigt eine auf diese Weise im Kreuzverband ausgeführte 1<sup>1</sup>/<sub>2</sub> Stein starke Mauer.</fontsize></P>
<line no="16" page="49"/>  <P> Man verzichtet daher in der Regel auf diese Art der Ausführung und <break>verwendet</break>
<line no="17" page="49"/>   entweder die <sup>4</sup>/<sub>4</sub>-Steine der Läufer abwechselnd mit Schichten aus <sup>1</sup>/<sub>4</sub>-Steinen
<line no="18" page="49"/>  oder, wie es das Gebräuchlichste ist, abwechselnde Schichten aus <sup>1</sup>/<sub>2</sub>-Steinen und
<line no="19" page="49"/>  <sup>1</sup>/<sub>4</sub>-Steinen im Binderverband (Fig. 76). Will man einen regelrechten Verband fest
<line no="20" page="49"/>  halten, so ergibt sich bei Verwendung von <sup>1</sup>/<sub>4</sub>-Steinen als Köpfen die Notwendigkeit,
<line no="21" page="49"/>  entweder hinter denselben zu Dreiquartieren verhauene ganze Steine oder geformte
<line no="22" page="49"/>  <sup>3</sup>/<sub>4</sub>-Steine zu benutzen. Das letztere ist jedenfalls das zweckmäßigere, erfordert
<line no="23" page="49"/>  aber, wie dies auch für manche andere Fälle wünschenswert erscheint, das <break>Vorrätighalten</break>
<line no="24" page="49"/>   solcher Hintermauerungssteine in den Ziegeleien. Diese sind der Fuge
<line no="25" page="49"/>  wegen nur 17<highlow type="high">cm</highlow> lang zu machen. Sehr verwerflich würde die Anwendung von
<line no="26" page="49"/>  ganzen Läufern hinter den <sup>1</sup>/<sub>4</sub>-Steinen sein, weil diese den Maurern zur Ausfüllung
<line no="27" page="49"/>  des verbleibenden <sup>1</sup>/<sub>4</sub>-Stein breiten Zwischenraumes mit Ziegelabfall Veranlassung
<line no="28" page="49"/>  geben würde.</P>
<line no="29" page="49"/>  <P> Ein regelrechter Verband, und zwar der Binderverband im Aeußeren, wird
<line no="30" page="49"/>  möglich, wenn man zur Verblendung abwechselnd die Schichten aus <sup>1</sup>/<sub>4</sub>- und <sup>3</sup>/<sub>4</sub>-<break>Verblendsteinen</break>
<line no="31" page="49"/>   (Fig. 77) herstellt. Diese Art der Verblendung ist aber teuerer, als
<line no="32" page="49"/>  die vorhergehend beschriebene; sie nötigt auch zur Abweichung von den üblichen,
<line no="33" page="49"/>  nach Abstufungen von <sup>1</sup>/<sub>2</sub>-Steinlängen bemessenen Mauerstärken, wodurch eine <break>Vermehrung</break>
<line no="34" page="49"/>   oder eine Verringerung der als notwendig erkannten Mauerdicke um
<line no="35" page="49"/>  <sup>1</sup>/<sub>4</sub> Stein herbeigeführt werden würde. In vielen Fällen wird das letztere <break>allerdings</break>
<line no="36" page="49"/>   zulässig erscheinen können.</P>
<line no="37" page="49"/>  <P pagebreak="firstpart"> Ganz zu verwerfen ist die aus Ersparnisrücksichten mitunter beliebte <break>Ausführung</break>
<line no="38" page="49"/>   der Verblendung vorwiegend aus <sup>1</sup>/<sub>4</sub>-Verblendsteinen, so daß eine größere</P>
<page no="50"/>
<line no="1" page="50"/>  <P pagebreak="secondpart">Anzahl von Verblendschichten ohne allen Verband mit der Hintermauerung bleibt.
<line no="2" page="50"/>  Dagegen ist die aus übergroßer Aengstlichkeit mitunter zur Anwendung kommende
<line no="3" page="50"/>  Verblendung aus <sup>1</sup>/<sub>4</sub>-, <sup>1</sup>/<sub>2</sub>- und <sup>3</sup>/<sub>4</sub>-Verblendern
<line no="4" page="50"/>  (Fig. 78) ebenfalls nicht empfehlenswert wegen
<line no="5" page="50"/>  <Grafik beginn="#.,4#." ende="#.,14#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 78 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="6" page="50"/>  der unnötigen Verteuerung und Erschwerung des
<line no="7" page="50"/>  Mauerns<footnote to="89"/>.</P>
<line no="8" page="50"/>  <P> <fontsize change="-1">Nach <i>Lange</i><footnote to="90"/> werden in den Vereinigten Staaten von
<line no="9" page="50"/>  Nordamerika die Backsteinhäuser mit meist vortrefflich geformten
<line no="10" page="50"/>  und gebrannten Ziegeln und Terracotten verblendet, und zwar
<line no="11" page="50"/>  nur mit Läufern von <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Stein Stärke, welche in jeder fünften
<line no="12" page="50"/>  oder sechsten Schicht in die in regelmäßigem Verbande <break>ausgeführte</break>
<line no="13" page="50"/>   Hintermauerung eingebunden werden, eine <break>Ausführungsweise,</break>
<line no="14" page="50"/>   die oben als verwerflich bezeichnet werden mußte. Sie
<line no="15" page="50"/>  wird dadurch wenig verbessert, daß zur Befestigung der Schale
<line no="16" page="50"/>  Bandeisenstücke, Blechabschnitte u. s. w. eingebunden werden.
<line no="17" page="50"/>  Mit dem meist roten oder schwarzen Mörtel, in den die Verblendsteine verlegt werden, wird gleich beim
<line no="18" page="50"/>  Mauern ausgefugt; dann wird die Fuge glatt gebügelt oder in eine Form geschnitten. Nach der <break>Vollendung</break>
<line no="19" page="50"/>   wäscht man die Mauerfläche mit Scheidewasser ab und bringt sogleich einen zweimaligen <break>Oelanstrich</break>
<line no="20" page="50"/>   darauf, dem, wenn die Ziegel nicht sehr gleichmäßig sind, ein Farbenzusatz gegeben wird.</fontsize></P>
<line no="21" page="50"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">40.|Ausführung|der|Verblendung.</fontsize></sidenote><P> Die Ausführung der Verblendungen erfolgt nach zweierlei Verfahrungsarten,
<line no="22" page="50"/>  entweder gleichzeitig mit der Hintermauerung oder nachträglich nach der Vollendung
<line no="23" page="50"/>  der letzteren. Die erstere ist unstreitig die konstruktiv bessere und billigere. Mit
<line no="24" page="50"/>  der zweiten lassen sich zwar bei großer Vorsicht auch gute Erfolge erzielen, wie die
<line no="25" page="50"/>  von <i>Schinkel</i> erbaute Bauakademie in Berlin beweist; aber sie erfordert bedeutend
<line no="26" page="50"/>  mehr Zeit- und Geldaufwand, abgesehen von anderen Nachteilen, die bei <break>ungenügender</break>
<line no="27" page="50"/>   Vorsicht eintreten können. Zum nachträglichen Einbinden der Verblendsteine
<line no="28" page="50"/>  muß die Kernmauer mit einer äußeren Verzahnung ausgeführt werden. Die Anlage
<line no="29" page="50"/>  der rohen Mauer muß daher schon sehr genau, und zwar mit Rücksicht auf die <break>Verblendung,</break>
<line no="30" page="50"/>   erfolgen, wenn die Binder der letzteren in die Zahnlücken passen sollen.
<line no="31" page="50"/>  Dies ist bei der ungenauen Form der Hintermauerungssteine und dem Mangel eines
<line no="32" page="50"/>  Anhaltes, wie ihn eine ebene Mauerflucht bietet, schwierig. Das Ergebnis besteht
<line no="33" page="50"/>  daher häufig darin, daß die vorspringenden Schichten abgehauen werden müssen,
<line no="34" page="50"/>  wodurch der Verband zwischen Verblendung und Mauerkern verloren geht. Dazu
<line no="35" page="50"/>  kommt, daß auch die Verbindung durch den Mörtel leicht eine mangelhafte wird,
<line no="36" page="50"/>  da selbst bei unausgesetzter Aufsicht eine vollständige Füllung der Zwischenfugen
<line no="37" page="50"/>  schwer zu erreichen ist. Wird nun schon durch das zweimalige genaue Ausmessen
<line no="38" page="50"/>  und Anlegen sämtlicher Mauerteile die Arbeit bei doch zweifelhafter Güte verteuert,
<line no="39" page="50"/>  so ergibt sich der Hauptmehraufwand noch dadurch, daß die Verblendung nicht
<line no="40" page="50"/>  als tragender Mauerteil betrachtet werden kann, sondern als Zuschuß zu der <break>konstruktiv</break>
<line no="41" page="50"/>   erforderlichen Mauerdicke hinzugefügt werden muß.</P>
<line no="42" page="50"/>  <P> Die Notwendigkeit der nachträglichen Verblendung ergab sich in der <break>Anfangszeit</break>
<line no="43" page="50"/>   des neuerlichen Aufblühens des Ziegelgewerbes aus dem Umstande, daß die
<line no="44" page="50"/>  erforderlichen Blendsteinmengen nicht rechtzeitig beschafft werden konnten. Führt
<line no="45" page="50"/>  doch auch die aufhältliche Bearbeitung der natürlichen Steine mitunter zu ähnlichem
<line no="46" page="50"/>  Verfahren im Hausteinbau. Bei dem heutigen Stande der Ziegelerzeugung und nach
<line no="47" page="50"/>  der Einführung gewisser allgemeiner Vorschriften für Größe und Form der Steine
<line no="48" page="50"/>  sällt jedoch dieser Grund zumeist fort.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="49" page="50"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="89"/> Hier, wie mehrfach im vorhergehenden, wurde das in der Fußnote 87 genannte Werk benutzt.</fontsize></P>
<line no="50" page="50"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="90"/> Siehe: Centralbl. d. Bauverw. 1884, S. 358. &#8212; Ueber eine andere Art der Ausführung von Backsteinmauern in
<line no="51" page="50"/>  Amerika siehe: <i>Building</i> Bd. 7, S. 6.</fontsize></P>
<page no="51"/>
<line no="1" page="51"/>  <P> Auch ein anderer Hauptgrund für die Anwendung der nachträglichen <break>Verblendung,</break>
<line no="2" page="51"/>   die Möglichkeit, recht saubere Backsteinrohbauten mit derselben zu <break>erzielen,</break>
<line no="3" page="51"/>   kann nach Einführung eines vervollkommneten Mauerverfahrens nicht mehr
<line no="4" page="51"/>  als stichhaltig bezeichnet werden.</P>
<line no="5" page="51"/>  <P> Bei der früher allgemein üblichen Art der gleichzeitigen Ausführung von <break>Verblendung</break>
<line no="6" page="51"/>   und Hintermauerung war allerdings mannigfach Gelegenheit zur <break>Beschmutzung</break>
<line no="7" page="51"/>   und Beschädigung der Verblendsteine geboten. Die Fugen wurden, und
<line no="8" page="51"/>  dies ist ja in konstruktiver Beziehung sehr zweckmäßig, voll gemauert, dann <break>dieselben</break>
<line no="9" page="51"/>   wieder auf eine gewisse Tiefe ausgekratzt, ausgewaschen und endlich wieder
<line no="10" page="51"/>  mit farbigem Mörtel ausgefüllt.</P>
<line no="11" page="51"/>  <P> Bei dem Vollmauern der Fugen werden durch das Vorquellen und nachherige
<line no="12" page="51"/>  Abstreichen des Mörtels die Mauerstirnen beschmutzt; durch das Auskratzen der
<line no="13" page="51"/>  Fugen werden leicht die Steinkanten beschädigt und durch das Einstreichen des
<line no="14" page="51"/>  farbigen Fugenmörtels neue Beschmutzungen herbeigeführt.</P>
<line no="15" page="51"/>  <P> Die Unsauberkeiten der Mauerflächen beseitigt man zwar durch Abwaschen mit
<line no="16" page="51"/>  verdünnter Salzsäure, was aber für die Bewahrung der Dauerhaftigkeit und des guten
<line no="17" page="51"/>  Aussehens der Ziegel häufig recht bedenklich ist; die Beschädigungen der Steinkanten
<line no="18" page="51"/>  sind nicht wieder wegzubringen. Auch setzt sich in die gewöhnlich an den Kanten
<line no="19" page="51"/>  vorhandenen feinen Haarrisse der Mörtel so fest, daß das Waschen dort nichts hilft.</P>
<line no="20" page="51"/>  <P> Diesen Unannehmlichkeiten entgeht man zum Teile durch das Mauern mit
<line no="21" page="51"/>  nicht vollen Fugen, was aber andere Nachteile mit sich führt, die im nächsten
<line no="22" page="51"/>  Artikel besprochen werden sollen. Die Sauberkeit der Ausführung, welche durch
<line no="23" page="51"/>  die nachträgliche Verblendung begünstigt wird, läßt sich auch durch die Anwendung
<line no="24" page="51"/>  des von <i>v. Fisenne</i><footnote to="91"/> beschriebenen Verfahrens, die Verblendung gleichzeitig mit
<line no="25" page="51"/>  der Hintermauerung auszuführen, erzielen.</P>
<line no="26" page="51"/>  <P> Bei einer guten Verblendung sollen nicht nur die Fugen gleich dick und <break>wagrecht</break>
<line no="27" page="51"/>   werden; sondern sie sollen auch richtig verteilt sein. Darauf muß nun <break>allerdings</break>
<line no="28" page="51"/>   schon im Entwurf und bei der Bearbeitung der Bauzeichnungen Rücksicht
<line no="29" page="51"/>  genommen werden, insbesondere, wenn die Schichten mit Hausteinteilen in Verband
<line no="30" page="51"/>  zu treten haben. Aber auch da, wo dies nicht der Fall ist, müssen dieselben für
<line no="31" page="51"/>  gewisse Höhenabschnitte, welche durch die gegebene Lage von Oeffnungen oder <break>Gesimsen</break>
<line no="32" page="51"/>   bestimmt sind, ganz ausgehen; gehauene Schichten dürfen nicht vorkommen.
<line no="33" page="51"/>  Ebenso ist die Verteilung der Fugen in wagrechter Richtung durch die Entfernungen
<line no="34" page="51"/>  von Oeffnungen, Lisenen oder Vorlagen u. s. w. bedingt<footnote to="92"/>.</P>
<line no="35" page="51"/>  <P> Die Ausführung einer nachträglichen Verblendung darf erst unternommen werden,
<line no="36" page="51"/>  nachdem sich die Hintermauerung vollständig gesetzt hat. Zur Verblendung muß
<line no="37" page="51"/>  dann ein wenig schwindender Mörtel Anwendung finden; denn schon geringe
<line no="38" page="51"/>  Setzungen derselben würden eine Abtrennung herbeiführen<footnote to="93"/>.</P>
<line no="39" page="51"/>  <P> Um bei nachträglichen Verblendungen recht scharfe Fugen zu erzielen, <break>verwendet</break>
<line no="40" page="51"/>   man in München schlank sich verjüngende Steine (geschnittene <break>Verblendsteine)</break>
<line no="41" page="51"/>   (Fig. 80), welche sich nur in den schmalen rechtwinkeligen Kanten berühren
<line no="42" page="51"/>  (Fig. 79). Mitteilungen über solche Ausführungen finden sich in den unten <break>angegebenen</break>
<line no="43" page="51"/>   Quellen<footnote to="94"/>.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="44" page="51"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="91"/> Ueber dasselbe siehe die 1. Auslage dieses Heftes (Art. 40, S. 56) &#8212; serner: Wochbl. f. Arch. u. Ing. 1879, S. 69.</fontsize></P>
<line no="45" page="51"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="92"/> Hierauf bezügliche Maßregeln wurden in der 1. Auflage dieses Heftes (Art. 40, S. 57) besprochen.</fontsize></P>
<line no="46" page="51"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="93"/> Ueber die Herstellung einer nachträglichen Verblendung an der Jerusalemer Kirche in Berlin als Ersatz für den
<line no="47" page="51"/>  früheren Verputz und die Kosten dieser Ausführung siehe: Deutsche Bauz. 1879, S. 114.</fontsize></P>
<line no="48" page="51"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="94"/> Allg. Bauz. 1850, S. 12. &#8212; <smallcaps>Haarmann</smallcaps>&#39;s Zeitschr. f. Bauhdw. 1862, S. 15.</fontsize></P>
<page no="52"/>
<line no="1" page="52"/>  <P> Um die Gefahr des Absprengens der scharfen Kanten in den unteren Schichten
<line no="2" page="52"/>  hoher Mauern zu verringern, schlagen <i>Fleischinger</i> und <i>Becker</i><footnote to="95"/> vor, die Steine
<line no="3" page="52"/>  in <sup>1</sup>/<sub>2</sub> bis 1 Zoll breiten Flächen
<line no="4" page="52"/>  sich berühren zu lassen (Fig. 81
<line no="5" page="52"/>  <Grafik beginn="#.,4#." ende="#.,16#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 79 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>25</sub> w. Gr.</fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 80 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>10</sub> w. Gr.</fontsize></Fig><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 81 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>25</sub> w. Gr.</fontsize></Fig><Fig no="4"><fontsize change="-1">Fig. 82 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>10</sub> w. Gr.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="6" page="52"/>  u. 82). Nimmt man eine solche
<line no="7" page="52"/>  Abstumpfung auch bei den sich
<line no="8" page="52"/>  verjüngenden Backsteinen an, so
<line no="9" page="52"/>  möchten diese fester erscheinen.</P>
<line no="10" page="52"/>  <P> In Oberitalien und in der
<line no="11" page="52"/>  italienischen Schweiz verwendet
<line no="12" page="52"/>  man zu den Verblendungen die
<line no="13" page="52"/>  gewöhnlichen Steine, schleift die
<line no="14" page="52"/>  Stirnflächen derselben auf einer
<line no="15" page="52"/>  Sandsteinfläche mit. Wasser ab,
<line no="16" page="52"/>  erweitert die Fugen nach <break>einwärts</break>
<line no="17" page="52"/>   mit scharfem Hammer,
<line no="18" page="52"/>  schleift auch die Kanten und <break>vermauert</break>
<line no="19" page="52"/>   die so vorbereiteten Steine gleichzeitig mit der Hintermauerung. Alte auf diese
<line no="20" page="52"/>  Weise hergestellte Bauwerke sollen die Vortrefflichkeit dieses Verfahrens beweisen<footnote to="96"/>.
<line no="21" page="52"/>  Für unser Klima und für das meiste Backsteinmaterial ist dasselbe jedenfalls nicht <break>geeignet,</break>
<line no="22" page="52"/>   da durch das Abschleifen die dichte Brandhaut der Steine entfernt, die Poren <break>geöffnet</break>
<line no="23" page="52"/>   und Quarzkörner u. dergl. im Thone enthaltene Unreinigkeiten bloßgelegt werden.</P>
<line no="24" page="52"/>  <P> Die eben angeführten Mittel zur Erzielung sehr scharfer Fugen sind nur zu
<line no="25" page="52"/>  ausnahmsweiser Anwendung zu empfehlen; denn mit der Unterdrückung der <break>sichtbaren</break>
<line no="26" page="52"/>   Mörtelfugen gibt man einen sehr wichtigen Bestandteil des Backsteinbaues auf.</P>
<line no="27" page="52"/>  <P> Aussehen und Beständigkeit eines Backsteinrohbaues sind wesentlich von der
<line no="28" page="52"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">41.|Ausfugen.</fontsize></sidenote>Fugenbehandlung abhängig. Regelmäßigkeit, Sauberkeit und Dauerhaftigkeit der
<line no="29" page="52"/>  Fugen sind Hauptbedingungen. Regelmäßigkeit und Sauberkeit hängen von der
<line no="30" page="52"/>  Güte der Steine und von der Sorgfalt des Maurers ab, die Dauerhaftigkeit <break>außerdem</break>
<line no="31" page="52"/>   von der Beschaffenheit des Mörtels und der Art der Ausführung.</P>
<line no="32" page="52"/>  <P> Bei der großen Zahl von Fugen eines Backsteinmauerwerkes können auch
<line no="33" page="52"/>  Form und Farbe derselben von großem Einfluß auf die Erscheinung sein.</P>
<line no="34" page="52"/>  <P> Die haltbarste Art des Fugens ist jedenfalls die, bei welcher die Fugen gleich
<line no="35" page="52"/>  beim Mauern fertig gemacht werden, da dann der Mörtel durch die ganze <break>Ausdehnung</break>
<line no="36" page="52"/>   der Fugenflächen in innigem Zusammenhange bleibt. Dabei kann man die
<line no="37" page="52"/>  Fugen als <spacing>Vollfugen</spacing> oder als <spacing>Hohlfugen</spacing> behandeln, die letzteren am besten
<line no="38" page="52"/>  nach dem erwähnten <i>Fisenne</i>&#39;{?A}schen Verfahren.</P>
<line no="39" page="52"/>  <P pagebreak="firstpart"> Die Vortrefflichkeit des vollen Fugens hat sich an den mittelalterlichen Bauten
<line no="40" page="52"/>  erwiesen. Dabei werden die Steine ganz voll in Mörtel gesetzt; der überquellende
<line no="41" page="52"/>  Teil wird mit der Kelle abgeschnitten und mit dieser die Fuge geglättet,
<line no="42" page="52"/>  und etwaige Lücken werden gleich ausgefüllt. Auch kann man die Fuge
<line no="43" page="52"/>  <Grafik beginn="#.,41#." ende="#.,44#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 83 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>2</sub> w. Gr.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="44" page="52"/>  dabei leicht mit der Kelle nach dem in Fig. 83 dargestellten Profil <break>zuschneiden.</break>
<line no="45" page="52"/>   Allerdings ist es bei diesem Verfahren schwierig, das <break>Mauerwerk</break>
<line no="46" page="52"/>   sauber zu erhalten, weshalb man dasselbe sehr häufig durch das</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="47" page="52"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="95"/> In: Der Backstein-Rohbau in seinem ganzen Umfange. Berlin 1862. S. 16.</fontsize></P>
<line no="48" page="52"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="96"/> Siehe: Wochschr. d. öst. Ing.- u. Arch.-Ver. 1882, S. 304. &#8212; Ueber das ähnliche Verfahren in England siehe:
<line no="49" page="52"/>  Centralbl. d. Bauverw. 1898, S. 581, 593, 605, 622.</fontsize></P>
<page no="53"/>
<line no="1" page="53"/>  <P pagebreak="secondpart">nachträgliche Ausfugen ersetzt. Unbedingt empfehlenswert ist aber die Anwendung
<line no="2" page="53"/>  desselben, wenn zum Mauern hydraulischer Mörtel verwendet wird, wenn auf <break>Dauerhaftigkeit</break>
<line no="3" page="53"/>   besonderer Wert zu legen ist und wenn das Mauerwerk mit Erde verfüllt
<line no="4" page="53"/>  wird, wie bei den Grundmauern.</P>
<line no="5" page="53"/>  <P> Die Hohlfugen oder zurückgelegten Fugen geben dem Mauerwerk ein genaueres
<line no="6" page="53"/>  und saubereres Aussehen, als die Vollfugen; doch dürfen sie nicht zu tief <break>zurückgelegt</break>
<line no="7" page="53"/>   werden, weil sie zur Ansammlung von Feuchtigkeit Gelegenheit bieten. Das
<line no="8" page="53"/>  beim <i>Fisenne</i>&#39;schen. Verfahren sich ergebende Tiefenmaß von ca. 7<highlow type="high">mm</highlow> sollte nicht
<line no="9" page="53"/>  überschritten werden. Da aber auch hierbei Wasser auf den oberen Lagerflächen
<line no="10" page="53"/>  der Steine stehen bleibt und gewöhnlicher Kalkmörtel porig bleibt und die <break>Feuchtigkeit</break>
<line no="11" page="53"/>   aufsaugt, so sollte man letzterem, um ihn zu dichten, etwas Portlandcement
<line no="12" page="53"/>  zusetzen. Bei vollen Fugen ist dies nicht so nötig, und die <break>verbleibende</break>
<line no="13" page="53"/>  <Grafik beginn="#.,13#." ende="#.,20#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 84 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>10</sub> w. Gr.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="14" page="53"/>   porige Beschaffenheit bietet dann den Vorteil, daß das
<line no="15" page="53"/>  Mauerwerk rascher austrocknen kann und der Mörtel im Inneren
<line no="16" page="53"/>  desselben früher fest wird.</P>
<line no="17" page="53"/>  <P> Besonders schädlich können die tiefen Fugen bei <break>Verblendsteinen</break>
<line no="18" page="53"/>   mit Vertiefungen auf den Lagerflächen (Fig. 84) werden. Das
<line no="19" page="53"/>  angesammelte Wasser zieht sich allmählich auch in die Steine hinein
<line no="20" page="53"/>  und kann unter Umständen Ausschläge oder Zerstörung durch den
<line no="21" page="53"/>  Frost bewirken. Namentlich sind die Ecksteine, wenn diese auch
<line no="22" page="53"/>  keine vertieften Lager haben, gefährdet, weil bei denselben die
<line no="23" page="53"/>  Lagerflächen infolge des Schnittes an der Maschine meist poriger sind als die anderen
<line no="24" page="53"/>  Steinflächen und bei ihnen das Wasser sich in die lotrechten Durchlochungen <break>hineinziehen</break>
<line no="25" page="53"/>   kann<footnote to="97"/>.</P>
<line no="26" page="53"/>  <P> Wie schon erwähnt, wird sehr häufig das nachträgliche Ausfugen in <break>Anwendung</break>
<line no="27" page="53"/>   gebracht. Dies kann nach zwei Weisen zur Ausführung gelangen.</P>
<line no="28" page="53"/>  <P> Nach der gewöhnlichen Art vollendet man zunächst die Verblendung und
<line no="29" page="53"/>  beginnt dann von oben herab die Fugen auszukratzen, zu reinigen und mit Mörtel
<line no="30" page="53"/>  auszustreichen. Gleichzeitig wird dabei das Mauerwerk mit abgewaschen.</P>
<line no="31" page="53"/>  <P> Das Auskratzen der Fugen erfolgt auf 12
<line no="32" page="53"/>  <Grafik beginn="#.,31#." ende="#.,37#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 85<footnote to="98"/> </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 86<footnote to="98"/> </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="33" page="53"/>  bis 18<highlow type="high">mm</highlow> Tiefe entweder mit einer Fugenkelle
<line no="34" page="53"/>  (Fig. 85<footnote to="98"/>) oder mit einem besonders <break>zugerichteten</break>
<line no="35" page="53"/>   Fugholz (Fig. 86<footnote to="98"/>), das nach vorn zu sich
<line no="36" page="53"/>  etwas verjüngt. Die eiserne Fugenkelle glättet
<line no="37" page="53"/>  beim Auskratzen den Mauermörtel zu sehr, so
<line no="38" page="53"/>  daß sich der später eingebrachte Fugenmörtel mit
<line no="39" page="53"/>  dem ersteren nicht gut verbindet. Das Fugholz ist
<line no="40" page="53"/>  vorzuziehen, weil dieses die Fugen rauher erhält.</P>
<line no="41" page="53"/>  <P> Nach dem zweiten Verfahren wird das Auskratzen, Reinigen und Ausfugen
<line no="42" page="53"/>  nach Vollendung aller 4 bis 5 Schichten vorgenommen, also ehe der Mauermörtel
<line no="43" page="53"/>  erhärtet ist und so lange etwaige Schmutzflecken noch feucht sind und leicht <break>abgewischt</break>
<line no="44" page="53"/>   werden können.</P>
<line no="45" page="53"/>  <P pagebreak="firstpart"> Die erstere Art fördert mehr, da die Maurer nicht zugleich zwei verschiedene
<line no="46" page="53"/>  Arbeiten vorzunehmen genötigt sind, und liefert saubereres Mauerwerk. Die zweite
<line no="47" page="53"/>  Weise hat den großen Vorzug, daß für das Ausfugen keine neue Rüstung erforder-</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="48" page="53"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="97"/> Siehe: Deutsche Bauz. 1881, S. 267 &#8212; sowie die 1. Auflage dieses Heftes (Art. 41, S. 60).</fontsize></P>
<line no="49" page="53"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="98"/> Nach: <smallcaps>Fleischinger</smallcaps> &amp; <smallcaps>Becker,</smallcaps> a. a. O., S. 13.</fontsize></P>
<page no="54"/>
<line no="1" page="54"/>  <P pagebreak="secondpart">lich ist und der Fugenmörtel sich mit dem noch frischen Mauermörtel gut <break>verbindet.</break>
<line no="2" page="54"/>  </P>
<line no="3" page="54"/>  <P> Auf das letztere ist ein besonderer Wert zu legen; deshalb sollte auch bei dem
<line no="4" page="54"/>  ersten Verfahren wenigstens das Auskratzen der Fugen gleich nach dem Mauern
<line no="5" page="54"/>  vorgenommen werden; später wird es gar zu gern von den Maurern unterlassen
<line no="6" page="54"/>  oder nicht genügend ausgeführt. Durch das spätere Auskratzen oder Aufhauen der
<line no="7" page="54"/>  Fugen werden auch leicht die Steinkanten beschädigt. Nicht gut ausgeführte <break>nachträgliche</break>
<line no="8" page="54"/>   Ausfugungen wittern sehr bald aus und bilden mit eine Ursache baldiger
<line no="9" page="54"/>  Zerstörung des Mauerwerkes. Um der Dauerhaftigkeit versichert zu sein, sollte <break>deshalb</break>
<line no="10" page="54"/>   das Ausfugen nur zu einer Jahreszeit vorgenommen werden, wo Frost oder
<line no="11" page="54"/>  Hitze nicht zu erwarten steht.</P>
<line no="12" page="54"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">42.|Form der|Fugen.</fontsize></sidenote><P> Wie schon erwähnt, werden die Fugen als Voll- oder Hohlfugen hergestellt;
<line no="13" page="54"/>  diese können nun noch weiter <spacing>geschnittene</spacing> oder <spacing>vorgelegte</spacing> Fugen sein. In
<line no="14" page="54"/>  Fig. 87 <i>a</i> bis 87 <i>k</i> sind verschiedene gebräuchliche <break>Fugenformen</break>
<line no="15" page="54"/>   dargestellt, die entweder mit der in Fig. 85
<line no="16" page="54"/>  <Grafik beginn="#.,15#." ende="#.,24#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 87 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="17" page="54"/>  dargestellten Fugenkelle oder mit besonders gestalteten
<line no="18" page="54"/>  Fugeisen ausgeführt werden.</P>
<line no="19" page="54"/>  <P> <fontsize change="-1">Die für gewöhnliche Rohbauten gebräuchlichste Fugenform
<line no="20" page="54"/>  ist die nach Fig. 87 <i>a</i>; es ist dies eine Vollfuge, die sich eng an
<line no="21" page="54"/>  die Steinkanten anschließt und durch das Eindrücken mit der <break>Fugenkelle</break>
<line no="22" page="54"/>   etwas ausgerundet ist. Fig. 87 <i>b</i> zeigt dieselbe Form, nur
<line no="23" page="54"/>  etwas zurückgelegt. Fig. 87 <i>c</i> stellt die ebene Hohlfuge dar; sie
<line no="24" page="54"/>  wird mit dem Fugeisen Fig. 88<footnote to="99"/> ausgeführt und verleiht den <break>Bauwerken</break>
<line no="25" page="54"/>   ein sehr sauberes, genaues Aussehen. Die Formen in Fig. 87 <i>d</i>
<line no="26" page="54"/>  bis 87 <i>g</i> sind sog. vorgelegte Fugen mit Rundstäbchen, zu deren
<line no="27" page="54"/>  Herstellung man sich eines Fugeisens nach Art des in Fig. 89<footnote to="99"/> wiedergegebenen bedient. Das vor die
<line no="28" page="54"/>  Mauerflucht vorgelegte Rundstäbchen besitzt wenig Dauer. Fig. 87 <i>h</i> bis 87 <i>k</i> zeigen geschnittene Fugen,
<line no="29" page="54"/>  welche man mit der Schärfe der Kelle herstellt; unter
<line no="30" page="54"/>  diesen verdient jene nach Fig. 87 <i>k</i> den Vorzug, nicht allein
<line no="31" page="54"/>  <Grafik beginn="#.,29#." ende="#.,38#."><Fig no="1">Fig. 88<footnote to="99"/> </Fig><Fig no="2">Fig. 89<footnote to="99"/> </Fig></Grafik>
<line no="32" page="54"/>  des Aussehens wegen, sondern auch deshalb, weil bei ihr
<line no="33" page="54"/>  das Regenwasser mit den Lagerflächen der Steine gar nicht
<line no="34" page="54"/>  in Berührung kommt und rasch abgeführt wird.</fontsize></P>
<line no="35" page="54"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">43.|Fugenmörtel.</fontsize></sidenote><P> Guter Luftkalkmörtel, welcher unter <break>günstigen</break>
<line no="36" page="54"/>   Umständen sich verfestigen konnte, hat
<line no="37" page="54"/>  sich zwar auch als Fugenmörtel dauerhaft <break>bewährt;</break>
<line no="38" page="54"/>   immerhin bleibt er aber porig, was
<line no="39" page="54"/>  allerdings mitunter als vorteilhaft erachtet <break>werden</break>
<line no="40" page="54"/>   kann (vergl. Art. 41, S. 52), im allgemeinen
<line no="41" page="54"/>  aber wegen des Wasseraufsaugungsvermögens für
<line no="42" page="54"/>  bedenklich angesehen wird. Frischer Kalkmörtel wird vom Regen durch Ausspülen
<line no="43" page="54"/>  seines Kalkgehaltes beraubt und verliert infolgedessen alle Festigkeit. Man zieht
<line no="44" page="54"/>  deshalb einen hydraulischen oder durch Cementzusatz hydraulisch gemachten Mörtel
<line no="45" page="54"/>  (Cementkalkmörtel) oder Cement zum Ausfugen meist vor. Der Sand des Mörtels
<line no="46" page="54"/>  muß gleichmäßig feinkörnig und rein sein.</P>
<line no="47" page="54"/>  <P pagebreak="firstpart"> Damit der nachträglich eingebrachte Fugenmörtel mit dem in der Mauer <break>enthaltenen</break>
<line no="48" page="54"/>   gut binde, müssen die Fugen vorher von allem Staube durch Ausbürsten
<line no="49" page="54"/>  und Ausschwemmen gereinigt werden. Der hydraulische Mörtel ist auch noch
<line no="50" page="54"/>  nach dem Einstreichen einige Zeit feucht zu halten, besonders der Cement. Dieser</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="51" page="54"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="99"/> Nach: <smallcaps>Fleischinger</smallcaps> &amp; <smallcaps>Becker</smallcaps>, a. a. O.</fontsize></P>
<page no="55"/>
<line no="1" page="55"/>  <P pagebreak="secondpart">wird mit der Fugenkelle oder dem Fugeisen so lange bearbeitet, bis er Glanz
<line no="2" page="55"/>  bekommt.</P>
<line no="3" page="55"/>  <P> Nicht unwichtig ist für die Erscheinung eines Backsteinrohbaues die Farbe des<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">44.|Farbe|des|Fugenmörtels.</fontsize></sidenote>
<line no="4" page="55"/>  Fugenmörtels. Früher (und noch jetzt in manchen Gegenden, so in Holland) ließ
<line no="5" page="55"/>  man dem Kalkmörtel seine weiße Farbe, was namentlich bei dunkelroten Steinen
<line no="6" page="55"/>  das düstere Aussehen der betreffenden Gebäude mildert. In Deutschland hat man
<line no="7" page="55"/>  sich jetzt sehr an gefärbten Mörtel gewöhnt. Es ist aber nicht leicht, diese Färbung
<line no="8" page="55"/>  richtig zu treffen, und da die Ziegel selbst so verschiedenfarbig vorkommen, so
<line no="9" page="55"/>  müssen dementsprechend auch die Fugenmörtel gefärbt werden.</P>
<line no="10" page="55"/>  <P> Als allgemein giltige Regel ist nur die aufzustellen: Der Farbton der Fuge
<line no="11" page="55"/>  muß zu dem des Steines stimmen. Etwa ließen sich als Erfahrungsergebnisse noch
<line no="12" page="55"/>  anführen, daß ein Fugenmörtel, welcher mit dem Backstein gleiche Farbe hat, nicht
<line no="13" page="55"/>  günstig wirkt, und daß dunkle Steine hell, helle Steine dunkel gefugt werden sollten.</P>
<line no="14" page="55"/>  <P> Zur Feststellung des Farbtones und dessen Stärke dient am zweckmäßigsten
<line no="15" page="55"/>  eine Probeausführung, aber nicht in zu geringer Ausdehnung, da namentlich die
<line no="16" page="55"/>  Tonstärke in kleinen Flächen nicht gut beurteilt werden kann.</P>
<line no="17" page="55"/>  <P> Ueber Erfahrungen mit verschiedenen Farbtönen findet man einige Mitteilungen
<line no="18" page="55"/>  in unten angegebener Quelle<footnote to="100"/>.</P>
<line no="19" page="55"/>  <P> Die Farbstoffe müssen so gewählt werden, daß sie nicht schädigend auf die
<line no="20" page="55"/>  Bindekraft des Mörtels einwirken können.</P>
<line no="21" page="55"/>  <P> Gleichzeitig mit dem nachträglichen Ausfugen wird das Mauerwerk von allen<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">45.|Reinigung|des|Backstein-|Mauerwerkes.</fontsize></sidenote>
<line no="22" page="55"/>  Verunreinigungen gesäubert. Ist die Verfugung mit dem Mauerwerk zu derselben
<line no="23" page="55"/>  Zeit hergestellt worden, so erfolgt die Reinigung erst nach gänzlicher Vollendung
<line no="24" page="55"/>  der Schauseiten. In der Regel benutzt man dazu verdünnte Salzsäure, weil fest
<line no="25" page="55"/>  gewordene Kalkflecken mit Wasser allein nicht zu beseitigen sind. In Art. 40 (S. 50)
<line no="26" page="55"/>  wurde schon darauf hingewiesen, daß dies bedenklich werden kann, weil die <break>Salzsäure</break>
<line no="27" page="55"/>   manche Steine angreift. Man sollte daher mindestens für vollständiges <break>Abwaschen</break>
<line no="28" page="55"/>   der Säure sorgen, das Absäuren auf die dringendsten Fälle einschränken
<line no="29" page="55"/>  und mit dem Abwaschen mit scharfen Bürsten und Reisbesen auszukommen suchen.</P>
<line no="30" page="55"/>  <P> Sehr verwerflich ist das mitunter beliebte Abschleifen der Fassaden mit <break>Ziegelstücken,</break>
<line no="31" page="55"/>   weil dadurch die für die Dauerhaftigkeit der Steine so wichtige Oberhaut
<line no="32" page="55"/>  derselben zerstört wird (vergl. Art. 40, S. 52).</P>
<line no="33" page="55"/>  <P> Unter Terracotten versteht man im Bauwesen aus gebranntem Thon hergestellte,<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">46.|Schmuck|durch|Terracotten.</fontsize></sidenote>
<line no="34" page="55"/>  oft plastisch verzierte Architekturteile, Zierstücke oder figürlichen Schmuck. Ueber
<line no="35" page="55"/>  dieselben vergl. Teil I, Band 1, erste Hälfte (Art. 47, S. 109 [2. Aufl.: Art. 57,
<line no="36" page="55"/>  S. 120]) dieses »Handbuches«<footnote to="101"/>.</P>
<line no="37" page="55"/>  <P pagebreak="firstpart"> Dieselben werden, ihrer hauptsächlichsten Verwendung entsprechend, im <break>nächstfolgenden</break>
<line no="38" page="55"/>   Hefte (unter D, bei Besprechung der Gesimse aus künstlichem Steinmaterial)
<line no="39" page="55"/>  eingehendere Behandlung erfahren; doch ist schon hier ihrer Verwendung zum
<line no="40" page="55"/>  Schmücken von Wandflächen Erwähnung zu thun. Dieses kann entweder im <break>Bekleiden</break>
<line no="41" page="55"/>   geeigneter Wandfelder oder im Einsetzen einzelner Reliefplatten oder Medaillons
<line no="42" page="55"/>  an passenden Stellen bestehen, oder im Einfügen von verzierten Friesen. <break>Entsprechen</break>
<line no="43" page="55"/>   dieselben in ihrer Höhe derjenigen von 1 oder 2 Backsteinschichten, so
<line no="44" page="55"/>  kann man sie, wenn man eine spätere Beschädigung nicht zu fürchten hat, gleich</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="45" page="55"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="100"/> <smallcaps>Fleischinger</smallcaps> &amp; <smallcaps>Becker,</smallcaps> a. a. O., S. 14.</fontsize></P>
<line no="46" page="55"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="101"/> Ueber die neuere Terracottabauweise in England finden sich Mitteilungen von <i>Muthesius</i> in: Centralbl. d. <break>Bauverw.</break>
<line no="47" page="55"/>   1898, S. 277.</fontsize></P>
<page no="56"/>
<line no="1" page="56"/>  <P pagebreak="secondpart">bei der Ausführung der Mauern mit versetzen. Sind sie jedoch, wie wohl die Regel,
<line no="2" page="56"/>  höher, so thut man stets besser, sie erst nach vollendetem Setzen des Mauerwerkes
<line no="3" page="56"/>  einzufügen.</P>
<line no="4" page="56"/>  <P> <fontsize change="-1">An dem nicht sowohl als architektonisches Kunstwerk, sondern auch durch seine musterhafte <break>Ausführung</break>
<line no="5" page="56"/>   der Verblendung mit verschiedenartigen Materialien hoch bedeutenden neuen Kunstgewerbemuseum
<line no="6" page="56"/>  zu Berlin sind Terracottafriese beiderlei Art zur Verwendung gekommen. Auf je 8 Backsteinschichten
<line no="7" page="56"/>  folgen 2 Schichten hohe Reliefstreifen, und unter den Fenstersohlbanksimsen ziehen sich breite ornamentale
<line no="8" page="56"/>  Friese herum<footnote to="102"/>. Die letzteren sind in einer dem daneben befindlichen Sandstein täuschend ähnlichen
<line no="9" page="56"/>  Farbe und Flächenbehandlung ausgeführt.</fontsize></P>
<line no="10" page="56"/>  <P> Wenn bei derartigen Reliefverzierungen die Lage der Fugen nicht durch eine
<line no="11" page="56"/>  etwaige architektonische Teilung gegeben ist, so sind dieselben möglichst in die
<line no="12" page="56"/>  Schatten des Ornamentes, den Umrissen desselben folgend, zu legen, Nicht bloß
<line no="13" page="56"/>  für das Formen, sondern auch aus Fürsorge für die Dauerhaftigkeit ist es notwendig,
<line no="14" page="56"/>  bei den Reliefs Unterschneidungen zu vermeiden.</P>
<line no="15" page="56"/>  <P> In neuerer Zeit sind mehrfach gelungene Versuche zur Wiederaufnahme des
<line no="16" page="56"/>  schon im Mittelalter geübten Verfahrens gemacht worden, Ornamente, die nur einmal
<line no="17" page="56"/>  Verwendung finden sollen, unmittelbar in den zu brennenden Thon einzuschneiden
<line no="18" page="56"/>  oder aus demselben nach Art der Steinhauerarbeiten herauszumeißeln<footnote to="103"/>.</P>
<line no="19" page="56"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">47.|Schmuck|durch Farbe.</fontsize></sidenote><P> Der Backsteinbau zeichnet sich vor dem Bau mit natürlichen Steinen dadurch
<line no="20" page="56"/>  aus, daß bei ihm leichter und mit verhältnismäßig wenig Kosten die Farbe in
<line no="21" page="56"/>  entschiedener Weise zur Dekoration hinzugezogen werden kann. Hausteine und
<line no="22" page="56"/>  Bruchsteine werden zwar auch in verschiedenen Farben nebeneinander verwendet,
<line no="23" page="56"/>  um die Architektur zu beleben; die Farben sind aber milder und gebrochener, daher
<line no="24" page="56"/>  auch die Gegensätze weniger entschieden, als dies bei Backsteinen möglich ist, die
<line no="25" page="56"/>  viel leuchtendere und kräftigere Farbtöne aufweisen. Aehnliches läßt sich bei <break>polierbaren</break>
<line no="26" page="56"/>   natürlichen Steinen nur durch die Politur erzielen. Aber auch die Politur
<line no="27" page="56"/>  leidet unter dem Einfluß der Witterung; der Glanz und damit die Farbe schwinden;
<line no="28" page="56"/>  noch viel mehr werden die meisten weniger dichten Steine durch Ansetzen von
<line no="29" page="56"/>  Staub, Ruß und Flechten unansehnlich in der Farbe, während die scharf gebrannten,
<line no="30" page="56"/>  gesinterten Backsteine in dieser Beziehung unverwüstlich sind. In diesen verschiedenen
<line no="31" page="56"/>  Eigenschaften von Haustein und Backstein liegt es auch begründet, warum <break>gewöhnlich</break>
<line no="32" page="56"/>   mit Hausteinen von verschiedener Farbe ohne besondere Vorsicht sich doch
<line no="33" page="56"/>  ruhige und harmonische Wirkungen erzielen lassen, und warum dies bei <break>verschiedenfarbigen</break>
<line no="34" page="56"/>   Backsteinen schwierig ist. Die Gefahr unruhiger Wirkung ist auch bei <break>Backsteinen</break>
<line no="35" page="56"/>   von einer Farbe vorhanden durch die kleinen Verschiedenheiten, die sich
<line no="36" page="56"/>  beim Brennen und auch schon beim Formen mit Maschinen ergeben, und die wegen
<line no="37" page="56"/>  der kleinen Abmessungen der Steine in ihrer Häufung sich leicht unangenehm <break>bemerkbar</break>
<line no="38" page="56"/>   machen.</P>
<line no="39" page="56"/>  <P> Diesem letzteren Uebelstande kann man durch sehr sorgfältiges Aussuchen und
<line no="40" page="56"/>  durch Wahl des Binderverbandes (Läufer und Binderstirnen unterscheiden sich oft
<line no="41" page="56"/>  im Farbtone) begegnen; man kann ihm aber auch in sehr wirksamer Weise <break>entgegenarbeiten</break>
<line no="42" page="56"/>   &#8212; allerdings ist große Vorsicht dabei erforderlich, um die Unruhe
<line no="43" page="56"/>  nicht zu verstärken &#8212; durch farbige Musterung der Wandflächen, mag diese nun
<line no="44" page="56"/>  mit wagrechter Streifung oder mit irgend einem reicheren Muster zur Ausführung
<line no="45" page="56"/>  gelangen.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="46" page="56"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="102"/> Ueber deren Inhalt siehe man: Centralbl. d. Bauverw. 1882, S. 382.</fontsize></P>
<line no="47" page="56"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="103"/> Siehe: Herstellung von in Thon modellierten und unmittelbar danach gebrannten Ornamenten. Deutsche Bauz.
<line no="48" page="56"/>  1887, S. 222 &#8212; ferner ebendas., S. 44, 68, 91.</fontsize></P>
<page no="57"/>
<line no="1" page="57"/>  <P> <fontsize change="-1">Solche Muster lassen sich in großer Mannigfaltigkeit mit den verschiedenen Verbänden und in zwei
<line no="2" page="57"/>  oder mehr Farben herstellen, wofür die schon früher angeführten Werke von <i>Fleischinger {et cetera} Becker, Adler,
<line no="3" page="57"/>  Gruner, Degen, Bethke, Chabat, Lacroux</i> u. a. zahlreiche Beispiele bieten.</fontsize></P>
<line no="4" page="57"/>  <P> Die Farbe der Backsteine nach dem Brennen ist bekanntlich verschieden, je nach
<line no="5" page="57"/>  dem Vorhandensein gewisser Beimischungen des Thones, und bei demselben Thone nach
<line no="6" page="57"/>  dem Grade des Brandes. Bestimmte Farben lassen sich entweder durch Mischen oder
<line no="7" page="57"/>  Wählen verschiedener Thone erzielen oder durch das sog. »Engobieren« (siehe Teil I,
<line no="8" page="57"/>  Band 2, erste Hälfte [Art. 16, S. 73; 2. Aufl.: Art. 35, S. 93] dieses »Handbuches«).</P>
<line no="9" page="57"/>  <P> Geben nun schon die gewöhnlichen Backsteine die Mittel zu einer vielfarbigen
<line no="10" page="57"/>  Architektur an die Hand, so läßt sich dies in noch viel höherem Grade durch <break>Hinzuziehen</break>
<line no="11" page="57"/>   anderer keramischer Erzeugnisse, wie glasierter Steine, vielfarbiger Terracotten,
<line no="12" page="57"/>  von Fayence, Majolika und Porzellan in ihren verschiedenen Abarten erreichen (über
<line no="13" page="57"/>  dieselben vergl. an der eben genannten Stelle [Art. 48, S. 110; 2. Aufl.: Art. 60
<line no="14" page="57"/>  u. ff., S. 121 u. ff.] dieses »Handbuches«). Durch dieselben ist es möglich geworden,
<line no="15" page="57"/>  eine sehr reiche und dabei dauerhafte Polychromie in das Bauwesen wieder <break>einzuführen.</break>
<line no="16" page="57"/>   Voran stehen in dieser Anwendung zwar noch Frankreich und England;
<line no="17" page="57"/>  aber auch in Oesterreich und Deutschland machen der Sinn dafür und die Erzeugung
<line no="18" page="57"/>  solcher Waren große Fortschritte.</P>
<line no="19" page="57"/>  <P> Als höchstes Mittel zu gleichem Zwecke würde man hier auch das in neuerer
<line no="20" page="57"/>  Zeit wieder mit Recht in der Monumentalarchitektur zur Anwendung gebrachte
<line no="21" page="57"/>  Mosaik einreihen können.</P>
<line no="22" page="57"/>  <P> Durch den Glasglanz wird ähnlich wie durch die Politur die Leuchtkraft der<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">48.|Glasursteine.</fontsize></sidenote>
<line no="23" page="57"/>  Farben ganz wesentlich erhöht; deshalb kann man auch durch die Anwendung der
<line no="24" page="57"/>  glasierten Ziegel große Farbenwirkungen erzielen. Besondere Vorsicht ist dabei <break>allerdings</break>
<line no="25" page="57"/>   geboten, weil mit dem Glasglanz sehr störende Reflexe verbunden sind. <break>Deshalb</break>
<line no="26" page="57"/>   soll man in der Verzierung mit Glasursteinen sparsam sein und sie nur am
<line no="27" page="57"/>  rechten Orte anwenden, d. h. nur an architektonisch neutralen Flächen und wo
<line no="28" page="57"/>  möglich im Schatten. Am ungünstigsten wirken, wegen ihrer kalten Glanzlichter,
<line no="29" page="57"/>  diejenigen bunten Glasuren, welche die Farbe des Steines ganz decken, besser solche,
<line no="30" page="57"/>  welche diese durchscheinen lassen, wie z. B. eine durchsichtige braune Glasur bei
<line no="31" page="57"/>  roten Steinen.</P>
<line no="32" page="57"/>  <P> Die Dauerhaftigkeit der Glasursteine wird durch die zahlreichen mit ihrer Hilfe
<line no="33" page="57"/>  aufgeführten mittelalterlichen Bauten Norddeutschlands bewiesen. Falsch und sehr
<line no="34" page="57"/>  schädlich würde es aber sein, anzunehmen, daß jeder Ziegel durch eine Glasur
<line no="35" page="57"/>  dauerhafter gemacht werden könnte. Neuere Erfahrungen<footnote to="104"/> haben bewiesen, daß
<line no="36" page="57"/>  Glasursteine nur dann dauerhaft sind, wenn die Steinmasse selbst die allerbeste und
<line no="37" page="57"/>  witterungsbeständigste ist, daß aber die Glasur bei solchen Steinen, die dieser <break>Bedingung</break>
<line no="38" page="57"/>   nicht entsprechen, geradezu schädigend wirkt, indem das rasche Verdunsten
<line no="39" page="57"/>  des auf irgend einem Wege in den Stein gedrungenen Wassers durch die Glasur
<line no="40" page="57"/>  verhindert wird. Ein Zerfrieren wird bei solchen Steinen weit leichter eintreten,
<line no="41" page="57"/>  als bei solchen, deren porige Oberfläche nicht glasiert ist.</P>
<line no="42" page="57"/>  <P> Das Glasieren der Steine für den Fassadenbau ist daher nur als ein <break>Schmuckmittel</break>
<line no="43" page="57"/>   und allenfalls als ein Schutzmittel gegen Schmutz aufzufassen. Bei Abdeckungen
<line no="44" page="57"/>  und Abwässerungen, die an und für sich das beste Material erfordern, ist sie der
<line no="45" page="57"/>  raschen Abführung des Wassers förderlich und deshalb nützlich.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="46" page="57"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="104"/> Beispiele werden mitgeteilt von <i>Olschewsky</i> in: Schäden an Backsteinrohbauten. Notizbl. d. Ziegler- und <break>Kalkbrenner-Ver.</break>
<line no="47" page="57"/>   1881, S. 87&#8211;89. &#8212; Siehe auch: Deutsche Bauz. 1881, S. 266. &#8212; Baugwksztg. 1886, S. 659.</fontsize></P>
<page no="58"/>
<line no="1" page="58"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">49.|Wandfliesen.</fontsize></sidenote><P> Zur Bekleidung der Wände im Aeußeren und Inneren der Gebäude werden
<line no="2" page="58"/>  häufig kleine Platten verwendet, die man oft Fliesen nennt. An den Fassaden <break>benutzt</break>
<line no="3" page="58"/>   man sie vorzugsweise zur farbigen Ausstattung derselben in Friesen oder
<line no="4" page="58"/>  umrahmten Wandfeldern, weniger zur Bekleidung ausgedehnter Wandflächen. Doch
<line no="5" page="58"/>  kommt auch das letztere am Aeußeren vor, mehr jedoch im Inneren der Gebäude,
<line no="6" page="58"/>  nicht bloß zur Zierde, sondern oft auch aus Nützlichkeitsgründen, zur Erhaltung
<line no="7" page="58"/>  der Sauberkeit und zum Schutze der Wände gegen Feuchtigkeit und Dünste, die in
<line no="8" page="58"/>  den betreffenden Räumen erzeugt werden. So finden sie ihre passende Verwertung
<line no="9" page="58"/>  in Hausfluren, Speisesälen, Küchen, Badezimmern, Aborten, Stallungen u. s. w.</P>
<line no="10" page="58"/>  <P> Solche Fliesen sind entweder glasiert &#8212; und dies ist die Regel &#8212; oder matt
<line no="11" page="58"/>  gefärbt; sie sind entweder einfarbig oder mit einem vielfarbigen Muster versehen.
<line no="12" page="58"/>  Bei diesen letzteren können die Ornamente vertiefte Umrißlinien erhalten oder sich
<line no="13" page="58"/>  in schwachem Relief voneinander abheben. Auch werden Fliesen mit eingepreßten
<line no="14" page="58"/>  Ornamenten hergestellt, welche das Mosaik aus kleinen Steinstücken nachahmen.
<line no="15" page="58"/>  Mit den einfarbigen Fliesen bildet man Flächen von einem Ton oder mit <break>schachbrettartigen</break>
<line no="16" page="58"/>   Mustern. Die vielfarbigen Fliesen geben entweder ein gleichförmig
<line no="17" page="58"/>  sich wiederholendes Muster, dessen Einzelmotiv der Größe einer Platte entspricht,
<line no="18" page="58"/>  oder durch Zusammensetzen zu einander passender Fliesen größere Muster, zu deren
<line no="19" page="58"/>  Bildung mehr oder weniger Platten gehören. Zum Abschluß oder zur Einrahmung
<line no="20" page="58"/>  der Felder erhält man besondere Friesstücke.</P>
<line no="21" page="58"/>  <P> Das Material der Fliesen ist entweder ein mehr oder weniger hart gebrannter
<line no="22" page="58"/>  Thon, oder es ist eine festere Steinzeugmasse, die mitunter durch starken Druck noch
<line no="23" page="58"/>  mehr verdichtet wird, oder gar wirkliches Porzellan. Diese festeren Erzeugnisse sind
<line no="24" page="58"/>  ihrer großen Dauerhaftigkeit wegen meist vorzuziehen.</P>
<line no="25" page="58"/>  <P> Die Befestigung der Fliesen erfolgt auf einem vorher aufgetragenen und
<line no="26" page="58"/>  erhärteten Wandputz aus Kalk- oder Cementmörtel mit einem eben solchen Mörtel,
<line no="27" page="58"/>  in den die Platten gedrückt werden. Am meisten kommt Cementmörtel in <break>Anwendung</break>
<line no="28" page="58"/>   (1 Teil Portlandcement und 2 Teile Sand). Damit die Platten besser haften,
<line no="29" page="58"/>  sind sie auf der Rückseite oft mit Rippen oder, bei größeren Abmessungen, mit
<line no="30" page="58"/>  Höhlungen versehen. Auch ist es zweckmäßig, die Oberfläche des Wandputzes
<line no="31" page="58"/>  rauh zu halten. Die Fugenränder der Fliesen werden, wenn nötig, geschliffen und
<line no="32" page="58"/>  im Inneren der Gebäude die Fugen gewöhnlich mit Gips oder weißem Cement
<line no="33" page="58"/>  verstrichen. Daß diese Arbeiten mit aller Vorsicht und regelrecht ausgeführt werden
<line no="34" page="58"/>  müssen, bedarf keiner besonderen Erörterung.</P>
<line no="35" page="58"/>  <P> Bei inneren Verkleidungen werden vorkommende Eckkanten entweder mit den
<line no="36" page="58"/>  Fliesen selbst hergestellt, indem diese auf Gehrung zusammengeschliffen werden, oder
<line no="37" page="58"/>  man deckt dieselben durch Holzleisten oder Messingröhren, welche ihre Befestigung
<line no="38" page="58"/>  an Dübeln mit Schrauben finden. Die Messingröhren werden vor dem Ansetzen der
<line no="39" page="58"/>  Platten, die Holzleisten nachher angebracht.</P>
<line no="40" page="58"/>  <P> Bei äußeren Verkleidungen werden die Fliesen in Vertiefungen eingesetzt,
<line no="41" page="58"/>  welche vorher am Mauerwerk ausgespart wurden. In der Bemessung der Tiefe dieser
<line no="42" page="58"/>  Aussparungen ist auf die Dicke der Platten und des Mörtelauftrages Rücksicht zu
<line no="43" page="58"/>  nehmen.</P>
<line no="44" page="58"/>  <P> Die glasierten Wandfliesen sind ungefähr 1<highlow type="high">cm</highlow>, die enkaustischen Fliesen (z. B.
<line no="45" page="58"/>  die Mettlacher Mosaikplatten) 1,<fontsize change="-1">5</fontsize> bis 2,<fontsize change="-1">5</fontsize><highlow type="high">cm</highlow> stark<footnote to="105"/>.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="46" page="58"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="105"/> Ueber die Erzeugnisse von <i>Villeroy &amp; Boch</i> in Mettlach und Merzig a. d. Saar vergl. die 1. Auflage dieses Heftes
<line no="47" page="58"/>  (Art. 49, S. 66) und über Thonerzeugnisse überhaupt Teil I, Bd. 1, erste Hälfte (Abt. I, Abschn. 1, Kap. 2) dieses »Handbuches«.</fontsize></P>
<page no="59"/>
<line no="1" page="59"/>  <P> Eine allen Ansprüchen genügende Herstellung von geböschten Wandflächen<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">50.|Behandlung|geböschter|Wandflächen.</fontsize></sidenote>
<line no="2" page="59"/>  ist aus Backsteinen noch schwieriger herzustellen, als aus Hausteinen, weil die <break>Bearbeitung</break>
<line no="3" page="59"/>   der Stirnflächen aus schon besprochenen Gründen unzulässig ist. Man ist
<line no="4" page="59"/>  wegen der parallelepipedischen Gestalt der gewöhnlichen Backsteine gezwungen, <break>entweder</break>
<line no="5" page="59"/>   in geneigten oder in nach oben zu zurückgesetzten Schichten zu mauern.
<line no="6" page="59"/>  Beide Verfahren haben den schon in Art. 13 (S. 22) angeführten Nachteil, das
<line no="7" page="59"/>  Eindringen von Feuchtigkeit in das Mauerwerk zu befördern, und zwar wegen der
<line no="8" page="59"/>  großen Zahl von Fugen in verstärktem Maße. Bei ausgedehnteren Bauten dieser
<line no="9" page="59"/>  Art wird es sich daher lohnen, besondere Formsteine anfertigen zu lassen, deren
<line no="10" page="59"/>  Stirnflächen unter dem vorgeschriebenen Böschungswinkel gegen die wagrecht <break>auszuführenden</break>
<line no="11" page="59"/>   Schichten geneigt sind.</P>
<line no="12" page="59"/>  <P> Eine der wichtigsten Bedingungen für die dauernde Erhaltung von frei in die<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">51.|Wagrechter|Mauerabschluß.</fontsize></sidenote>
<line no="13" page="59"/>  Luft ragenden Mauerwerken ist die Herstellung eines geeigneten oberen Abschlusses
<line no="14" page="59"/>  derselben. Wenn nun auch für diesen Zweck die Backsteine nicht als ein geeignetes
<line no="15" page="59"/>  Material betrachtet werden können, so sind sie doch oft genug dazu zu verwenden,
<line no="16" page="59"/>  und deshalb ist dabei besondere Vorsicht notwendig. Dichte, glatte und stark
<line no="17" page="59"/>  geneigte Abdeckungsflächen mit möglichst wenigen, aber voll gemörtelten Fugen
<line no="18" page="59"/>  sind Grundbedingung, um das Wasser am Eindringen zu hindern und dessen Ablauf
<line no="19" page="59"/>  zu beschleunigen.</P>
<line no="20" page="59"/>  <P> Zunächst ist also das beste Ziegelmaterial erforderlich, dessen Glätte zwar durch
<line no="21" page="59"/>  eine Glasur erhöht, dessen Dauerhaftigkeit aber durch eine solche nicht befördert
<line no="22" page="59"/>  werden kann (siehe hierüber Art. 48, S. 57). Wegen der großen Fugenzahl sind
<line no="23" page="59"/>  Rollschichten ohne eine weitere Schutzdecke unzweckmäßig. Besser sind, wegen der
<line no="24" page="59"/>  geringeren Zahl der Fugen, Abdeckungen mit Backsteinplatten in geneigter Lage.
<line no="25" page="59"/>  Mitunter werden diese Platten, in Nachahmung von Hausteinformen, als größere
<line no="26" page="59"/>  Baustücke, massiv oder mit Höhlungen, hergestellt und namentlich bei flach geneigten
<line no="27" page="59"/>  Abwässerungsflächen in Anwendung gebracht.</P>
<line no="28" page="59"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 90 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 91 </fontsize></Fig><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 92 </fontsize></Fig><Fig no="4"><fontsize change="-1">Fig. 93 </fontsize></Fig><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>10</sub> w. Gr.</fontsize></Grafik>
<line no="29" page="59"/>  <P> Für die Herstellung der vorteilhafteren, stark geneigten Abdeckungen erscheinen
<line no="30" page="59"/>  die unter die deutschen Normalformsteine aufgenommenen Schrägsteine (Fig. 90),
<line no="31" page="59"/>  besonders jene mit Wassernase (Nasensteine, Fig. 91) geeignet. Dieselben werden
<line no="32" page="59"/>  als Läufer, Binder, <sup>1</sup>/<sub>2</sub>-Steine und <sup>3</sup>/<sub>4</sub>-Steinbinder, auch als Ecksteine, mit verschiedenen
<line no="33" page="59"/>  Neigungswinkeln geliefert.</P>
<line no="34" page="59"/>  <P pagebreak="firstpart"> Die schräge Fläche der Nasensteine erhält gewöhnlich eine Neigung von
<line no="35" page="59"/>  45 Grad gegen die Wagrechte oder mehr. Dies gestattet aber keinen regelrechten
<line no="36" page="59"/>  Verband mit den anschließenden Schichten bei richtiger Lage der Nasensteine,
<line no="37" page="59"/>  welche verlangt, daß die Oberkante der schrägen Fläche den darüber folgenden
<line no="38" page="59"/>  Stein an der tiefsten Linie des Rundstabes berührt. Der regelrechte Verband erfordert
<line no="39" page="59"/>  eine Verschiebung der übereinander folgenden Steine um 65<highlow type="high">mm</highlow>, was bei der an-</P>
<page no="60"/>
<line no="1" page="60"/>  <P pagebreak="secondpart">geführten Bedingung für die richtige Lage
<line no="2" page="60"/>  <Grafik beginn="#.,1#." ende="#.,17#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 94 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 95 </fontsize></Fig><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>25</sub> w. Gr.</fontsize><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 96 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>10</sub> w. Gr.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="3" page="60"/>  der Nasensteine eine etwas geringere <break>Neigung</break>
<line no="4" page="60"/>   der Vorderfläche als 45 Grad <break>voraussetzt.</break>
<line no="5" page="60"/>   In diesem Sinne gestaltete Nasensteine
<line no="6" page="60"/>  sind in Fig. 92 u. 93 für Breiten von 122<highlow type="high">mm</highlow>
<line no="7" page="60"/>  und 130<highlow type="high">mm</highlow> dargestellt worden. Die letztere
<line no="8" page="60"/>  Breite ist dann wünschenswert, wenn, wie
<line no="9" page="60"/>  dies später noch erörtert werden wird, ein
<line no="10" page="60"/>  guter Anschluß von geneigten Abdeckungen
<line no="11" page="60"/>  an lotrechte Flächen erreicht werden soll.</P>
<line no="12" page="60"/>  <P> Fig. 94 u. 95<footnote to="106"/> geben Beispiele von
<line no="13" page="60"/>  Mauerabdeckungen mit Schrägsteinen und
<line no="14" page="60"/>  mit Nasensteinen. Für die Firste sind <break>besondere</break>
<line no="15" page="60"/>   Formsteine notwendig, die zur engeren
<line no="16" page="60"/>  Verbindung und Deckung der unter ihnen
<line no="17" page="60"/>  befindlichen Zwischenfugen nach Fig. 96<footnote to="106"/>
<line no="18" page="60"/>  gebildet werden können.</P>
<line no="19" page="60"/>  <P> Unter dem Einfluß der <break>Wärmeunterschiede</break>
<line no="20" page="60"/>   lockern sich die Stoßfugen und werden dadurch zur Aufnahme von Wasser
<line no="21" page="60"/>  immer empfänglicher, welches dann durch Gefrieren weitere Zerstörungen herbeiführt.
<line no="22" page="60"/>  Ist deshalb die Verringerung der Stoßfugenzahl sehr wünschenswert, so ist dies <break>gleichfalls</break>
<line no="23" page="60"/>   die Vorsichtsmaßregel,
<line no="24" page="60"/>  an denjenigen Stellen, wo
<line no="25" page="60"/>  <Grafik beginn="#.,23#." ende="#.,28#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 97 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 98 </fontsize></Fig><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>25</sub> w. Gr.</fontsize></Grafik>
<line no="26" page="60"/>  ein vermehrter Wasserzufluß
<line no="27" page="60"/>  stattfindet, keine Stoßfugen
<line no="28" page="60"/>  anzuordnen.</P>
<line no="29" page="60"/>  <P> Bei den größeren <break>Abdeckungsplatten</break>
<line no="30" page="60"/>   mit ihren
<line no="31" page="60"/>  flach geneigten <break>Abwässerungen</break>
<line no="32" page="60"/>   ist dies leicht zu erreichen. So ist z. B. die fehlerhafte Anordnung in Fig. 97
<line no="33" page="60"/>  ohne Schwierigkeit durch die richtige in Fig. 98 zu ersetzen. Ebenso ist es bei
<line no="34" page="60"/>  denselben nicht besonders schwierig, an den Anschlußstellen von lotrechten <break>Mauerflächen</break>
<line no="35" page="60"/>   Stoßfugen zu vermeiden, indem man die Ab.
<line no="36" page="60"/>  deckungsplatten ein Stück in das anschließende <break>Mauerwerk</break>
<line no="37" page="60"/>  <Grafik beginn="#.,34#." ende="#.,45#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 99 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>25</sub> w. Gr.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="38" page="60"/>   eingreifen läßt (Fig. 99<footnote to="107"/>).</P>
<line no="39" page="60"/>  <P> Schwieriger ist dies bei stark geneigten <break>Abwässerungen,</break>
<line no="40" page="60"/>   weil bei diesen an den Anschlußstellen eine
<line no="41" page="60"/>  größere Anzahl von Schichten zu verhauen sein würde,
<line no="42" page="60"/>  wenn man nicht besondere Formsteine zur Anwendung
<line no="43" page="60"/>  bringt. Fig. 100 u. 101 bieten Vorschläge zu solchen
<line no="44" page="60"/>  für Nasensteine aufeinander folgender Schichten und
<line no="45" page="60"/>  Fig. 102 eine Anwendung derselben.</P>
<line no="46" page="60"/>  <P pagebreak="firstpart"> Um die Stoßfugen von Abdeckungsplatten zu
<line no="47" page="60"/>  dichten, läßt man sie wohl auch mit Falzen (wie bei den
<line no="48" page="60"/>  Falzdachziegeln) übereinander greifen, oder, um das Wasser</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="49" page="60"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="106"/> Nach: <smallcaps>Schmidt,</smallcaps> O. Die Ausbildung der Giebel für den Backsteinrohbau. Berlin 1882.</fontsize></P>
<line no="50" page="60"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="107"/> Siehe über diesen Gegenstand: <smallcaps>Eckhart,</smallcaps> A. Die Technik des Verblendsteins. Halle a. S. 1884. Bd. 2, S. 24 u. ff.</fontsize></P>
<page no="61"/>
<line no="1" page="61"/>  <Grafik beginn="#.,1#." ende="#.,7#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 100 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 101 </fontsize></Fig><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>10</sub> w. Gr.</fontsize></Grafik>
<line no="2" page="61"/>  <P pagebreak="secondpart">von denselben abzuleiten, versieht
<line no="3" page="61"/>  man sie auf ihrer oberen Fläche
<line no="4" page="61"/>  mit einer Aushöhlung (Fig. 103<footnote to="108"/>).</P>
<line no="5" page="61"/>  <P> Abdeckungen der <break>Ziegelmauerwerke</break>
<line no="6" page="61"/>   mit anderen Materialien <break>werden</break>
<line no="7" page="61"/>   in Kap. 12 (Schutz der Wände
<line no="8" page="61"/>  gegen Feuchtigkeit) besprochen
<line no="9" page="61"/>  werden.</P>
<line no="10" page="61"/>  <P> Ansteigende Mauerabschlüsse, wie sie bei Giebeln, Strebepfeilern, Rampen u. s. w.<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">52.|Ansteigender|Mauerabschluß.</fontsize></sidenote>
<line no="11" page="61"/>  vorkommen, unterliegen denselben Einflüssen und sind daher ähnlich zu behandeln,
<line no="12" page="61"/>  wie die im vorhergehenden Artikel besprochenen wagrechten. Eine Abwässerung
<line no="13" page="61"/>  der oberen Fläche nach den Mauerfluchten hin ist bei ihnen aber weniger notwendig,
<line no="14" page="61"/>  obgleich bei Verwendung von größeren Platten ausführbar und zweckmäßig wegen
<line no="15" page="61"/>  der Ableitung des Wassers von den Stoßfugen. Unausführbar und entbehrlich ist
<line no="16" page="61"/>  sie bei Benutzung der sehr geeigneten, in Fig. 90 und 91 schon abgebildeten Schräg-
<line no="17" page="61"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 102 </fontsize></Fig><Fig no="2"><fontsize change="-1">Fig. 103 </fontsize></Fig><Fig no="3"><fontsize change="-1">Fig. 104 </fontsize></Fig><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>25</sub> w. Gr.</fontsize></Grafik>
<line no="18" page="61"/>  und Nasensteine. Eine Anwendung der letzteren zeigt Fig. 104. In derselben <break>Abbildung</break>
<line no="19" page="61"/>   ist auch die Möglichkeit angedeutet, mit einer und derselben Sorte <break>Nasensteine</break>
<line no="20" page="61"/>   durch Vorschieben derselben über die normale Lage, steilere Neigungen des
<line no="21" page="61"/>  Abschlusses zu erzielen.</P>
<line no="22" page="61"/>  <P pagebreak="firstpart"> Durchbrochene Mauern kommen häufig da zur Anwendung, wo es sich um<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">53.|Durchbrochene|Mauern.</fontsize></sidenote>
<line no="23" page="61"/>  Herstellung von Luftzug handelt, so bei Gebäuden zu Trockenzwecken, Getreide-
<line no="24" page="61"/>  und Futterspeichern u. s. w. Auch bei Einfriedigungsmauern, gemauerten Geländern
<line no="25" page="61"/>  von Terrassen, Balkons (siehe das nächstfolgende Heft dieses »Handbuches«) u. s. w.
<line no="26" page="61"/>  ist neben Erzielung reicheren Aussehens das Erhalten des Luftzuges erwünscht,
<line no="27" page="61"/>  damit die Bodenflächen hinter denselben nach Regengüssen rasch wieder abtrocknen
<line no="28" page="61"/>  können. Mit den Backsteinen und den übrigen Ziegelwaren, wie Dachziegeln, <break>Formsteinen,</break>
<line no="29" page="61"/>   Terracotten, lassen sich beide Zwecke leicht und höchst mannigfaltig erreichen.
<line no="30" page="61"/>  Auch mit den gewöhnlichen Backsteinverbänden sind durch Weglassen einzelner
<line no="31" page="61"/>  Steine vielerlei hübsche Muster zu erzielen, ebenso durch teilweise Verwendung von</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="32" page="61"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="108"/> Siehe hierüber: <smallcaps>Heusinger v. Waldegg,</smallcaps> E. Die Ziegelfabrikation. 3. Aufl. Leipzig 1876. S. 142.</fontsize></P>
<page no="62"/>
<line no="1" page="62"/>  <P pagebreak="secondpart">Hohlsteinen in sonst vollen Mauerkörpern. Weit reichere und zierlichere Bildungen
<line no="2" page="62"/>  gewähren aber die erwähnten anderen Ziegelwaren, die deshalb auch zu diesen
<line no="3" page="62"/>  Zwecken häufig Verwendung finden. Zahlreiche Beispiele für Anordnung <break>durchbrochener</break>
<line no="4" page="62"/>   Mauern bieten die im vorhergehenden Bande (Fußnote 26, S. 30 [2. Aufl.:
<line no="5" page="62"/>  Fußnote 25, S. 30]) dieses »Handbuches« angeführten Werke.</P>
<line no="6" page="62"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">54.|Backstein-|fachwerk.</fontsize></sidenote><P> Das Backsteinfachwerk ergibt sich bei gemischten Mauerwerken durch <break>Herstellung</break>
<line no="7" page="62"/>   der Ecken, Lisenen, Fenstergewände, wagrechten Streifen und Gesimse aus
<line no="8" page="62"/>  Backsteinen, der verbleibenden Wandflächen aus Bruchsteinmauerwerk. In der Regel
<line no="9" page="62"/>  werden dabei an den lotrechten unter den aufgeführten Bauteilen die im <break>vorhergehenden</break>
<line no="10" page="62"/>   Bande (Art. 85, S. 69 [2. Aufl.: S. 70]) dieses »Handbuches« besprochenen
<line no="11" page="62"/>  Verzahnungen zur Anwendung gebracht. Veranlassung zu dieser Bauweise gibt <break>einerseits</break>
<line no="12" page="62"/>   das Bedürfnis zu regelmäßigem Baumaterial an den erwähnten Stellen, <break>andererseits</break>
<line no="13" page="62"/>   dasjenige nach malerischer Wirkung. Das letztere führt oft zu Uebertreibungen.</P>
<line no="14" page="62"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">55.|Schutz|gegen|Verwitterung.</fontsize></sidenote><P> Die Ursachen der Verwitterung der Backsteine sind zum Teile die gleichen,
<line no="15" page="62"/>  wie bei den Hausteinen, also hauptsächlich eindringende Feuchtigkeit, die nicht rasch
<line no="16" page="62"/>  genug verdunsten kann und bei eintretendem Frost ungenügend festes oder vielleicht
<line no="17" page="62"/>  auch erweichtes Material zersprengt. Dies kann durch die Art der Anfertigung
<line no="18" page="62"/>  begünstigt werden, welche das stoffliche Gefüge der Steine schädlich zu beeinflussen
<line no="19" page="62"/>  vermag<footnote to="109"/>. Von großer Wichtigkeit für die Frostbeständigkeit ist hierbei der
<line no="20" page="62"/>  richtige Magerungsgrad der Ziegelerde<footnote to="110"/>. Bei den Backsteinen treten als <break>Zerstörungsursachen</break>
<line no="21" page="62"/>   aber noch das Vorhandensein von löslichen Salzen, von gebranntem
<line no="22" page="62"/>  kohlensaurem Kalk oder Schwefelmetallen in der Steinmasse hinzu. Die ersteren
<line no="23" page="62"/>  führen durch Auswittern unter Einwirkung der Feuchtigkeit zunächst die sog. <break>Ausblühungen</break>
<line no="24" page="62"/>   (Efflorescenzen), welche nicht immer schädlich zu sein brauchen, herbei,
<line no="25" page="62"/>  dann aber auch Abblätterungen und häufig sogar den Mauerfraß. Eingesprengter
<line no="26" page="62"/>  Aetzkalk kann die Steine durch die Volumvergrößerung beim allmählichen <break>Ablöschen</break>
<line no="27" page="62"/>   zersprengen, ebenso die Schwefelmetalle bei der Oxydation<footnote to="111"/>. Aber auch
<line no="28" page="62"/>  bei diesen letzteren Vorgängen ist es die Feuchtigkeit, mag diese nun den Steinen
<line no="29" page="62"/>  von außen oder aus dem Mörtel zugeführt werden, welche den Zerstörungsvorgang
<line no="30" page="62"/>  einleitet. Abgesehen also von der Wahl eines Materials, welches von den genannten
<line no="31" page="62"/>  Stoffen möglichst wenig enthält (auch der Mörtel ist in dieser Beziehung zu beachten,
<line no="32" page="62"/>  da aus ihm lösliche Salze in die Steine übergeführt werden können) und welches
<line no="33" page="62"/>  als wetterbeständig bekannt ist, müssen die Schutzmaßregeln zur Erhaltung der <break>Backsteinbauwerke</break>
<line no="34" page="62"/>   ganz besonders auf Abhaltung und Abführung der Feuchtigkeit <break>gerichtet</break>
<line no="35" page="62"/>   sein; sie sind also wesentlich konstruktiver Natur. Hiervon ist schon mehrfach
<line no="36" page="62"/>  im vorhergehenden die Rede gewesen; besondere Ausführungsmaßregeln werden
<line no="37" page="62"/>  noch in Kap. 12 (Schutz der Wände gegen Feuchtigkeit) besprochen werden<footnote to="112"/>.</P>
<line no="38" page="62"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">56.|Bedeutung des|Backsteinbaues.</fontsize></sidenote><P pagebreak="firstpart"> Die schon im Eingang dieses Kapitels erwähnte, ausgedehnte Anwendung,
<line no="39" page="62"/>  welche der Backstein im Hochbauwesen erlangt hat, ist in seiner geringen, handlichen</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="40" page="62"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="109"/> Siehe: Deutsche Bauz. 1884, S. 53.</fontsize></P>
<line no="41" page="62"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="110"/> Siehe: <smallcaps>Olschewsky,</smallcaps> W. Die Ursachen der Verwitterung bei Verblendsteinen und Terracotten. Halle a. S. 1885.</fontsize></P>
<line no="42" page="62"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="111"/> Zur Beurteilung der Verwitterungserscheinungen an Backsteinbauten und der Wetterbeständigkeit der Backsteine
<line no="43" page="62"/>  wird das Studium folgender Quellen empfohlen: Deutsche Bauz. 1873, S. 272; 1881, S. 122, 258, 265. &#8212; <smallcaps>Olschewsky,</smallcaps> W.
<line no="44" page="62"/>  Schäden an Backsteinrohbauten. Notizbl. d. Ziegler- und Kalkbrenner-Vereins. Berlin 1881. S. 79. &#8212; <smallcaps>Kuhnow,</smallcaps> A. <break>Verwitterungen</break>
<line no="45" page="62"/>   an Berliner Rohbauten. Berlin 1884. &#8212; <smallcaps>Eckhart,</smallcaps> A. Die Technik des Verblendsteins. Bd. II. Halle a. S.
<line no="46" page="62"/>  S. 19, 41. &#8212; <smallcaps>Tetmajer,</smallcaps> L. Mitteilungen der Anstalt zur Prüfung von Baumaterialien am eidgen. Polytechnikum in Zürich.
<line no="47" page="62"/>  Heft 1. Zürich 1884. &#8212; Baugwksztg. 1883, S. 189, 384. &#8212; <smallcaps>Olschewsky,</smallcaps> W. Die Ursachen der Verwitterung bei <break>Verblendsteinen</break>
<line no="48" page="62"/>   und Terracotten. Halle a. S. 1885.</fontsize></P>
<line no="49" page="62"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="112"/> Ueber Schutz- und Vorsichtsmaßregeln gegen rasche Verwitterung von Backsteinverblendungen siehe die 1. <break>Auflage</break>
<line no="50" page="62"/>   dieses Heftes (Art. 55, S. 70).</fontsize></P>
<page no="63"/>
<line no="1" page="63"/>  <P pagebreak="secondpart">Größe begründet, welche ein rasches, wenig umständliches Bauen gestattet, womit
<line no="2" page="63"/>  nicht unwesentliche Kostenersparnisse gegenüber den Hausteinen durch die bequeme
<line no="3" page="63"/>  Beförderung und die zulässigen leichten Rüstungen verbunden sind. Dazu treten die
<line no="4" page="63"/>  schon mehrfach berührten Vorteile der Backsteine und mancher ähnlicher künstlicher
<line no="5" page="63"/>  Steine in gesundheitlicher Beziehung und gegenüber dem Bau mit unregelmäßigen
<line no="6" page="63"/>  oder wenig bearbeiteten Bruchsteinen, die durch die Regelmäßigkeit der Form <break>bedingte</break>
<line no="7" page="63"/>   größere Festigkeit des Mauerwerkes bei gleicher Dicke. Die aus der geringen
<line no="8" page="63"/>  Größe der Backsteine hervorgehenden baulichen Schwierigkeiten für Abdeckungen
<line no="9" page="63"/>  sind ebenso, wie die im Rohstoff und in der Anfertigungsweise liegenden Gefahren
<line no="10" page="63"/>  für die Dauer der Backsteinbauten schon zur Erörterung gelangt.</P>
<line no="11" page="63"/>  <P> Ist nun auch die geringe Größe, in welcher der Backstein zur Anwendung
<line no="12" page="63"/>  kommt und kommen muß, im allgemeinen von großem Vorteile, so wird dieselbe
<line no="13" page="63"/>  doch zur Quelle großer Schwierigkeiten für die ästhetische Behandlung und Wirkung
<line no="14" page="63"/>  der Backsteinrohbauten, so daß diese den Hausteinbauten gegenüber für <break>monumentale</break>
<line no="15" page="63"/>   Zwecke immer im Nachteile bleiben müssen. Trotzdem ist zuzugeben, daß
<line no="16" page="63"/>  sich bei einer dem Baustoff entsprechenden Formenbehandlung und Hinzuziehung
<line no="17" page="63"/>  von Terracotten, deren Größe sich innerhalb vernünftiger Grenzen bewegt, sowie
<line no="18" page="63"/>  unter Anwendung der reichen, der Keramik möglichen Farbenreihe sehr erfreuliche
<line no="19" page="63"/>  Wirkungen auch mit dem Backsteinrohbau erzielen und denselben für mancherlei
<line no="20" page="63"/>  Zwecke geeignet erscheinen lassen.</P>
<line no="21" page="63"/>  <P> Unerreicht ist der Backstein als Baustoff bisher in Bezug auf <break>Feuerbeständigkeit,</break>
<line no="22" page="63"/>   ein Vorzug von ungemeiner Wichtigkeit, der allein schon seine ausgedehnte
<line no="23" page="63"/>  Anwendung rechtfertigen würde. Bauten aus guten Backsteinen widerstehen nicht
<line no="24" page="63"/>  nur länger einem Feuer; sie erleiden gewöhnlich auch geringeren Schaden durch
<line no="25" page="63"/>  ein solches, als Bauwerke aus anderen Werkstoffen.</P>
<line no="26" page="63"/>   <hr/>
</section> </chapter>
<chapter no="3" title="Mauern aus Bruchsteinen. (Bruchsteinrohbau.)"> <line no="27" page="63"/>   <title> 3. <spacing>Kapitel.</spacing>
<line no="28" page="63"/>   <fontsize change="+1">Mauern aus Bruchsteinen.</fontsize>
<line no="29" page="63"/>  (Bruchsteinrohbau.)  </title>
<line no="30" page="63"/>  <P pagebreak="firstpart"> Das Mauerwerk aus Bruchsteinen und Feldsteinen (über den bezüglichen <break>Unterschied</break><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">57.|Allgemeines.</fontsize></sidenote>
<line no="31" page="63"/>   vergl. den vorhergehenden Band [2. Aufl., Art. 74, S. 65] dieses »Handbuches«)
<line no="32" page="63"/>  wird überall da zur Anwendung gelangen, das Vorhandensein genannter Steinsorten
<line no="33" page="63"/>  natürlich vorausgesetzt, wo man zur Herstellung steinerner Bauwerke bessere Stoffe
<line no="34" page="63"/>  nur mit Schwierigkeiten oder mit besonderen Kosten beschaffen kann. Man findet
<line no="35" page="63"/>  es aber auch dort, wo dies nicht der Fall ist, oft in großer Ausdehnung in einzelnen
<line no="36" page="63"/>  seiner Gattungen benutzt, wenn es sich um möglichst billige Herstellung handelt.
<line no="37" page="63"/>  Dieses billige Mauerwerk ist selbstredend entsprechend schlechter, als das teuerere
<line no="38" page="63"/>  Quader- oder Backsteinmauerwerk. Es läßt sich aber, allerdings unter Aufwendung
<line no="39" page="63"/>  von mehr Kosten, auf zwei Weisen verbessern, entweder durch Anwendung von
<line no="40" page="63"/>  Cement- oder Cementkalkmörtel oder durch Bearbeitung in regelmäßigen Formen
<line no="41" page="63"/>  bei dazu geeigneten Steinsorten. Auf dem ersten Wege erhält man das <break>Bruchsteincementmörtelmauerwerk,</break>
<line no="42" page="63"/>   welches, da in demselben die Verbindung durch den Mörtel
<line no="43" page="63"/>  die Hauptrolle spielt, dem Betonmauerwerk nahe steht; die zweite Weise liefert den
<line no="44" page="63"/>  Uebergang zum Quaderbau, oder wenn man den möglichen, ganz regelrechten Ver-</P>
<page no="64"/>
<line no="1" page="64"/>  <P pagebreak="secondpart">band berücksichtigt, zum Backsteinbau. Wir haben im vorhergehenden Bande dieses
<line no="2" page="64"/>  »Handbuches« diese Bauweise als Schichtsteinmauerwerk kennen gelernt.</P>
<line no="3" page="64"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">58.|Material.</fontsize></sidenote><P> Die Feldsteine (Gerölle, Geschiebe, Lesesteine, Findlinge) liefern im allgemeinen
<line no="4" page="64"/>  den schlechtesten Werkstoff für Mauerwerk wegen der rundlichen Form, die sie durch
<line no="5" page="64"/>  die natürliche Bewegung im Wasser oder durch Abwitterung ihrer Kanten und Ecken
<line no="6" page="64"/>  erhalten haben. Festes Mauerwerk läßt sich daher mit solchen nur durch einen
<line no="7" page="64"/>  vorzüglichen Mörtel erzielen. Größere Steine dieser Art kann man zwar durch
<line no="8" page="64"/>  Spalten, Sprengen oder Zerschlagen in kleinere Stücke zerlegen und durch <break>Bearbeitung</break>
<line no="9" page="64"/>   in regelmäßige Form bringen. Das letztere ist aber mühsam, da die
<line no="10" page="64"/>  Findlinge ihre Bergfeuchtigkeit ganz verloren haben und häufig die härtesten und
<line no="11" page="64"/>  festesten Reste eines verwitterten Felsens sind.</P>
<line no="12" page="64"/>  <P> Wo man die Wahl hat, zieht man daher die von anstehenden Felsen <break>gebrochenen</break>
<line no="13" page="64"/>   Bruchsteine vor. Hier kommen alle witterungsbeständigen Felsarten in
<line no="14" page="64"/>  Betracht, wenn sie auch nur unregelmäßig brechen, da das Bruchsteinmauerwerk
<line no="15" page="64"/>  meist aus Sparsamkeit gewählt wird und man daher zunächst auf das der Baustelle
<line no="16" page="64"/>  mit den geringsten Kosten zuzuführende Gestein angewiesen ist. Immerhin wird man
<line no="17" page="64"/>  bei der Wahl desselben seine Eigenschaften und den zu erreichenden Zweck im
<line no="18" page="64"/>  Auge behalten müssen, so z. B. für Herstellung von Wohnräumen die dichten, bei
<line no="19" page="64"/>  Wärmeerniedrigungen stark zu Wasserniederschlägen Veranlassung gebenden Gesteine
<line no="20" page="64"/>  vermeiden. Insbesondere muß man mit den Kalksteinen vorsichtig sein, da diese
<line no="21" page="64"/>  nicht nur oft die letztere Eigenschaft besitzen, sondern auch leicht durch Mauerfraß
<line no="22" page="64"/>  unter diesen begünstigenden Verhältnissen zersetzt werden.</P>
<line no="23" page="64"/>  <P> Die Bruchsteine enthalten, frisch gebrochen, eine ziemliche Menge von <break>Feuchtigkeit,</break>
<line no="24" page="64"/>   die teils, im Mauerwerk lange verbleibend, in mancher Weise schädlich wirken,
<line no="25" page="64"/>  teils die Frostbeständigkeit ungünstig beeinflussen kann. Es empfiehlt sich daher immer,
<line no="26" page="64"/>  die Steine vor der Vermauerung ablagern zu lassen, damit sie austrocknen und die
<line no="27" page="64"/>  nicht frostbeständigen durch Zerfrieren sich selbst ausscheiden können. Besondere <break>Vorsicht</break>
<line no="28" page="64"/>   ist bei Steinen geboten, die aus gegen Norden liegenden Brüchen gewonnen werden.</P>
<line no="29" page="64"/>  <P> Die Bruchsteine werden entweder als Haupt- oder als Nebenerzeugnis in den
<line no="30" page="64"/>  Steinbrüchen gewonnen. Im letzteren Falle sind sie die kleineren, zur Herrichtung
<line no="31" page="64"/>  von Quadern oder Hausteinen nicht geeigneten Stücke, die sich beim Sprengen oder
<line no="32" page="64"/>  als Abfall ergeben, sowie die Ausbeute der etwa vorhandenen schwächeren Bänke.
<line no="33" page="64"/>  Bei lagerhaften Gesteinen findet man hierbei häufig eine Zurichtung auf gewisse <break>gebräuchliche</break>
<line no="34" page="64"/>   Abmessungen.</P>
<line no="35" page="64"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">59.|Arten|des Bruchstein-|mauerwerkes.</fontsize></sidenote><P> Je nach der mehr oder weniger regelmäßigen Form der Bruchsteine haben wir
<line no="36" page="64"/>  im vorhergehenden Bande (Art. 75, S. 64 [2. Aufl. S. 65]) dieses »Handbuches«
<line no="37" page="64"/>  unterschieden: Mauerwerk aus Schichtsteinen, Mauerwerk aus lagerhaften Bruchsteinen
<line no="38" page="64"/>  mit abgesetzten Schichten und ordinäres Bruchsteinmauerwerk, wozu noch einige
<line no="39" page="64"/>  andere Arten von untergeordneterer Bedeutung treten.</P>
<line no="40" page="64"/>  <P> Weitere Unterschiede ergeben sich, je nachdem Mörtel zur Verbindung <break>hinzugezogen</break>
<line no="41" page="64"/>   wird oder nicht: Mörtelmauerwerk und Trockenmauerwerk (siehe an gleicher
<line no="42" page="64"/>  Stelle, Art. 93, S. 78).</P>
<line no="43" page="64"/>  <P> Von Einfluß auf die Ausführung wird, wie beim Backsteinmauerwerk, der <break>Umstand</break>
<line no="44" page="64"/>   sein, ob man es mit einem Rohbau oder einem Putzbau zu thun hat.</P>
<line no="45" page="64"/>  <P> Dem im gleichen Bande (Art. 76 bis 80, S. 64 u. 65 [2. Aufl.: S. 65 bis 67])
<line no="46" page="64"/>  dieses »Handbuches« früher über die Verbandweise der verschiedenen Arten Gesagten
<line no="47" page="64"/>  ist hier nur wenig hinzuzufügen.</P>
<page no="65"/>
<line no="1" page="65"/>  <P> Das regelmäßigste Bruchsteinmauerwerk ist das aus Schichtsteinen. Werden<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">60.|Schichtstein-|mauerwerk.</fontsize></sidenote>
<line no="2" page="65"/>  die Schichten nicht bloß äußerlich, sondern auch der Mauerstärke nach aus gleich
<line no="3" page="65"/>  hohen und regelmäßig bearbeiteten Steinen in richtigem Verbande hergestellt, so
<line no="4" page="65"/>  ist es durchaus gleichförmig beschaffen und entspricht allen Anforderungen, die man
<line no="5" page="65"/>  an ein gutes Mauerwerk stellen kann. Zwar wird in demselben der einzelne Stein
<line no="6" page="65"/>  nicht in dem Grade, wie in der Quadermauer durch sein Eigengewicht in seiner
<line no="7" page="65"/>  Lage festgehalten; dafür kann aber der Mörtel um so wirksamer seine Bindekraft
<line no="8" page="65"/>  zur Geltung bringen, wenn auch nicht so stark, wie beim Ziegelmauerwerk. Die
<line no="9" page="65"/>  mittlere Größe der Steine gestattet unter allen Umständen, sofern nicht die Architektur
<line no="10" page="65"/>  anderes verlangt, von der Anwendung größerer Steine an den Ecken abzusehen,
<line no="11" page="65"/>  was nur als Vorteil für die Konstruktion zu betrachten ist.</P>
<line no="12" page="65"/>  <P> Bleibt die Außenfläche ungeputzt, wie dies bei wetterbeständigen, gut <break>aussehenden</break>
<line no="13" page="65"/>   Steinen empfohlen werden muß, so wird man die Häupter derselben in
<line no="14" page="65"/>  der Regel sorgfältiger, als die Fugenflächen behandeln; während diese gewöhnlich
<line no="15" page="65"/>  nur rauh gespitzt werden, versieht man jene häufig mit einem Randschlag und
<line no="16" page="65"/>  krönelt oder stockt die Spiegelflächen<footnote to="113"/>. Mitunter werden die Häupter auch
<line no="17" page="65"/>  scharriert oder geschliffen, oder man läßt die Bossen in der Hauptsache stehen und
<line no="18" page="65"/>  schlägt nur die Kanten unter 45 Grad flüchtig ab. Im letzteren Falle gibt man
<line no="19" page="65"/>  den Kanten der Ecken und Mauerstreifen gern einen glatten Randschlag, um die
<line no="20" page="65"/>  architektonische Gliederung der Wand klar hervorzuheben. Oft findet man auch
<line no="21" page="65"/>  den Bossen jedes einzelnen Steines von einem sauberen Randschlag umzogen. Die
<line no="22" page="65"/>  Bearbeitung dieser Schichtsteine erfolgt häufig nicht durch Steinhauer, sondern durch
<line no="23" page="65"/>  besonders im Spitzen geübte Maurer, die Spitzmaurer.</P>
<line no="24" page="65"/>  <P> Ein durchaus gleichförmiges Schichtsteinmauerwerk läßt sich in manchen <break>Gegenden</break>
<line no="25" page="65"/>   leichter beschaffen, wenn man von der gleichen Höhe aller Schichten absieht.</P>
<line no="26" page="65"/>  <P> <fontsize change="-1">Ein Beispiel hierfür bietet der in Fig. 105 dargestellte Mauerwerksteil der Blindenanstalt zu <break>Stuttgart.</break>
<line no="27" page="65"/>   Die Frontmauern sind im Sockel- und Erdgeschoß nur aus Schichtsteinen, dort »Mauersteine« genannt,
<line no="28" page="65"/>  von nicht ganz gleicher Schichthöhe, welche mit Bossen zwischen Randschlag versehen sind, hergestellt.
<line no="29" page="65"/>  Im Obergeschoß und in den Dachgiebeln sind die äußeren Häupter der Steine zwischen aufgezogenen
<line no="30" page="65"/>  Schlägen sauber gespitzt. Das Mauerwerk ist daselbst durch eingelegte Backsteinstreifen in gleiche <break>Höhenabteilungen</break>
<line no="31" page="65"/>   zerlegt. Bei der Sockelgeschoßmauer besteht <sup>1</sup>/<sub>4</sub> bis <sup>1</sup>/<sub>3</sub>, bei der 0,</fontsize><fontsize change="-2">57</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow> starken <break>Erdgeschoßmauer</break>
<line no="32" page="65"/>   <sup>1</sup>/<sub>3</sub>, bei der 0,</fontsize><fontsize change="-2">43</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow> starken Obergeschoßmauer <sup>1</sup>/<sub>2</sub> des Rauminhaltes aus Durchbindern. Die 0,</fontsize><fontsize change="-2">29</fontsize><fontsize change="-1"><highlow type="high">m</highlow>
<line no="33" page="65"/>  starken Dachgiebel sind ganz aus Durchbindern hergestellt. Die Lagerfugen waren zu 9<highlow type="high">mm</highlow>, die Stoßfugen
<line no="34" page="65"/>  zu 6<highlow type="high">mm</highlow> dick vorgeschrieben. Bei den stärkeren Mauern sollten die Stoßfugenflächen auf 12<highlow type="high">cm</highlow> Breite
<line no="35" page="65"/>  aneinander anschließen, bei den schwächeren durchaus.</fontsize></P>
<line no="36" page="65"/>  <P> Wieder an anderen Orten macht die Beschaffung eines Mauerwerkes aus gleich
<line no="37" page="65"/>  hohen Schichten, das auch im Inneren gleichförmig und ohne Füllmauerwerk <break>gebildet</break>
<line no="38" page="65"/>   ist, durchaus keine Schwierigkeiten, wenn nur bei der Dickenbestimmung auf
<line no="39" page="65"/>  die üblichen Steinabmessungen Rücksicht genommen wird.</P>
<line no="40" page="65"/>  <P pagebreak="firstpart"> <fontsize change="-1">Dies gilt z. B. für die Waren aus den sächsischen Elbsandsteinbrüchen. Die Schichtsteine, welche
<line no="41" page="65"/>  von denselben als parallelepipedisch behauene Stücke von quadratischem Querschnitt geliefert werden,
<line no="42" page="65"/>  führen dort den Namen »Grundstücke«. Für die Staatsbauten hat auf Anregung des sächsischen Ingenieur-
<line no="43" page="65"/>  und Architektenvereines und der Dresdener Maurer- und Zimmerinnung das sächsische Finanzministerium
<line no="44" page="65"/>  unter dem 1. Juli 1872 die Maße dieser Grundstücke auf 30, 23, 20 und 17<highlow type="high">cm</highlow> Breite und Stärke <break>festgesetzt.</break>
<line no="45" page="65"/>   Der Verkauf erfolgt nach laufenden Metern, da die Steine keine Normallänge erhalten. Die Länge
<line no="46" page="65"/>  wechselt zwischen 50 bis 100<highlow type="high">cm</highlow>; mit der größeren Stärke werden sie auch durchschnittlich länger geliefert.
<line no="47" page="65"/>  Die stärkeren Sorten werden gewöhnlich dann genommen, wenn Mauerwerk aus gespitzten Steinen her-</fontsize></P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="48" page="65"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="113"/> In Frankreich heißen die bearbeiteten Schichtsteine: <i>moellons piqués</i> oder <i>moellons smillés.</i> In Westdeutschland
<line no="49" page="65"/>  hat sich daraus die Handwerksbezeichnung: »Mollenbek, Mollebok, Mollepik« gebildet. Mitunter spricht man auch von
<line no="50" page="65"/>  »Quäderchen, Paramentsteinen, Vorsetzsteinen«. (Vergl. auch Fußnote 6 in Teil I, Band 1, erste Hälfte [S. 67; 2. Aufl.: S. 84]
<line no="51" page="65"/>  dieses »Handbuches«).</fontsize></P>
<page no="66"/>
<line no="1" page="66"/>  <Grafik><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 105 Von der Blindenanstalt zu Stuttgart. &#8212; <sup>1</sup>/<sub>50</sub> w. Gr.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="2" page="66"/>  <P pagebreak="secondpart"><fontsize change="-1">gestellt werden soll. Zur Hintermauerung der letzteren und für zu putzendes Mauerwerk bedient man sich
<line no="3" page="66"/>  häufig der schwächeren Steine, welche nur wenig zugerichtet werden, um ihnen ein besseres Lager zu
<line no="4" page="66"/>  verschaffen. Höhlungen in den Fugen werden sorgfältig mit Steinsplittern (in Dresden verwendet man
<line no="5" page="66"/>  dazu den schiefrigen Pläner) ausgefüllt (ausgezwickt). Auf einen Läufer läßt man in der Regel einen
<line no="6" page="66"/>  Binder (wo möglich Durchbinder) folgen, so daß also hier der polnische Verband zur Anwendung gelangt.</fontsize></P>
<line no="7" page="66"/>  <P pagebreak="firstpart"> Für die Festigkeit des Mauerwerkes ist es vorteilhaft, wenn viele Durchbinder
<line no="8" page="66"/>  verwendet werden; aber es ist hier, wie bei den Quadermauern (siehe Art. 3, S. 7)</P>
<page no="67"/>
<line no="1" page="67"/>  <P pagebreak="secondpart">anzuführen, daß dieselben die Gefahr des Durchschlagens der Feuchtigkeit <break>vermehren.</break>
<line no="2" page="67"/>  </P>
<line no="3" page="67"/>  <P> Ein billigeres Schichtsteinmauerwerk erhält man, wenn man nur die <break>Mauerhäupter</break>
<line no="4" page="67"/>   aus gespitzten oder wenigstens annähernd regelmäßig behauenen Steinen
<line no="5" page="67"/>  herstellt, das Innere dagegen aus Füllsteinen, d. h. mehr oder weniger <break>unregelmäßigen</break>
<line no="6" page="67"/>   Stücken. Diese Gattung kommt sehr häufig zur Anwendung und gehört
<line no="7" page="67"/>  eigentlich unter die gemischten Mauerwerke, insbesondere die verblendeten, ist daher
<line no="8" page="67"/>  auch nach den Regeln dieser und mit der nötigen Vorsicht zur Ausführung zu
<line no="9" page="67"/>  bringen (siehe den vorhergehenden Band dieses »Handbuches«, Art. 82, S. 66
<line no="10" page="67"/>  [2. Aufl.: S. 68]). Außer der im gleichen Bande (Art. 76, S. 64 [2. Aufl.: S. 66])
<line no="11" page="67"/>  empfohlenen Anwendung vieler Binder sind zunächst noch die Füllsteine möglichst
<line no="12" page="67"/>  groß zu nehmen, gut zu lagern, in regelrechten Verband zu legen und ausreichend
<line no="13" page="67"/>  mit Mörtel zu versehen, dann aber entweder nach den Lagerfugen aller Schichten
<line no="14" page="67"/>  auszugleichen oder wenigstens nach einer kleinen Anzahl von Schichten. Oft kommt
<line no="15" page="67"/>  es vor, daß die Zwischenräume zwischen den die Mauerhäupter bildenden Läufern
<line no="16" page="67"/>  nur gering sind. Auch dann ist es aber verwerflich, nur Steinbrocken und sehr
<line no="17" page="67"/>  viel gewöhnlichen Mörtel in die Fülle zu thun; eine sorgfältige Auspackung mit
<line no="18" page="67"/>  passenden Steinen ist notwendig, um ungleichmäßiges Setzen zu verhüten.</P>
<line no="19" page="67"/>  <P> Die geringste Art von Schichtsteinmauerwerk ist diejenige, bei welcher zwar
<line no="20" page="67"/>  lagerhafte Steine zur Verwendung gelangen, diese aber in den Häuptern nur durch
<line no="21" page="67"/>  geringe Zurichtung mit dem Hammer eine annähernd
<line no="22" page="67"/>  <Grafik beginn="#.,22#." ende="#.,30#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 106 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="23" page="67"/>  rechteckige Gestalt erhalten, im Grundriß aber mehr
<line no="24" page="67"/>  oder weniger unregelmäßig sind (Fig. 106<footnote to="114"/>). Die <break>regelmäßigsten</break>
<line no="25" page="67"/>   Steine (Vorsetzsteine) werden für die Ecken
<line no="26" page="67"/>  und Mauerhäupter ausgesucht. Viele Binder sind <break>erwünscht,</break>
<line no="27" page="67"/>   ebenso das Durchlaufen einer Binderstoßfuge
<line no="28" page="67"/>  durch die Mauerdicke. Das beste Lager der Steine ist
<line no="29" page="67"/>  nach unten zu nehmen.</P>
<line no="30" page="67"/>  <P> Das Mauerwerk mit abgesetzten Schichten (vergl.<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">61.|Mauerwerk|mit abgesetzten|Schichten.</fontsize></sidenote>
<line no="31" page="67"/>  den vorhergehenden Band dieses »Handbuches«, Art. 77,
<line no="32" page="67"/>  S. 66 [2. Aufl.: S. 66]) kommt besonders da zur <break>Anwendung,</break>
<line no="33" page="67"/>   wo die Steinbrüche zwar lagerhafte, aber sehr ungleich dicke Steine
<line no="34" page="67"/>  liefern. Sie werden in der früher angegebenen Weise möglichst verbandgerecht und
<line no="35" page="67"/>  mit vielen Bindern vermauert (Fig. 107<footnote to="115"/>). Eine Zurichtung erfolgt in der Regel
<line no="36" page="67"/>  nur mit dem Hammer. Gewöhnlich <break>werden</break>
<line no="37" page="67"/>  <Grafik beginn="#.,36#." ende="#.,40#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 107 </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="38" page="67"/>   auch die größten und regelmäßigsten
<line no="39" page="67"/>  Steine an den Ecken verwendet, und solche
<line no="40" page="67"/>  mit ebenen, lotrechten Stirnflächen zum
<line no="41" page="67"/>  Mauerhaupt genommen. Man sucht sich
<line no="42" page="67"/>  überhaupt dem Schichtsteinmauerwerk <break>möglichst</break>
<line no="43" page="67"/>   zu nähern; doch ist es nicht zu vermeiden, daß Stoßfugen aufeinander treffen.</P>
<line no="44" page="67"/>  <P> <fontsize change="-1">Diese Art des Mauerns ist schon in sehr alten Zeiten geübt worden, wie die lydischen Gräber zu
<line no="45" page="67"/>  Sardes beweisen<footnote to="116"/>.</fontsize></P>
<line no="46" page="67"/>  <P pagebreak="firstpart"> Dasselbe gilt auch vom ordinären Bruchsteinmauerwerk (vergl. den <break>vorhergehenden</break><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">62.|Ordinäres|Bruchstein-|mauerwerk.</fontsize></sidenote>
<line no="47" page="67"/>   Band dieses »Handbuches«, Art. 78, S. 65 [2. Aufl.: S. 66]) oder Rauh-</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="48" page="67"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="114"/> Nach: <smallcaps>Möllinger,</smallcaps> K. Die Elemente des Steinbaues. Halle 1869. Taf. 2, Fig. 3.</fontsize></P>
<line no="49" page="67"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="115"/> Nach: <smallcaps>Möllinger,</smallcaps> a. a. O., Taf. 2, Fig. 4.</fontsize></P>
<line no="50" page="67"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="116"/> Siehe: <smallcaps>Choisy,</smallcaps> A. <i>L&#39;art de bâtir chez les Byzantins.</i> Paris 1882. S. 8.</fontsize></P>
<page no="68"/>
<line no="1" page="68"/>  <P pagebreak="secondpart">mauerwerk. Zu den Mauerhäuptern sucht man Steine mit zwei, wo möglich unter
<line no="2" page="68"/>  rechtem Winkel zusammentreffenden ebenen Flächen aus; nötigenfalls muß man
<line no="3" page="68"/>  solche durch Zurichtung mit dem Hammer zu gewinnen trachten. Die Häupter
<line no="4" page="68"/>  sollen in ihren Umrißlinien möglichst zusammenpassen und kleine Steine zwischen
<line no="5" page="68"/>  denselben (Zwicker) vermieden werden. Bei ganz unregelmäßigen Steinen ist man <break>genötigt,</break>
<line no="6" page="68"/>   zur Herstellung von Ecken
<line no="7" page="68"/>  und Oeffnungen bessere Steinsorten:
<line no="8" page="68"/>  <Grafik beginn="#.,7#." ende="#.,19#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 108 </fontsize><fontsize change="-2"><sup>1</sup>/<sub>50</sub> w. Gr.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="9" page="68"/>  lagerhafte Steine, Quader oder
<line no="10" page="68"/>  Backsteine zu benutzen, also das
<line no="11" page="68"/>  Steinfachwerk (siehe a. a. O., Art. 85,
<line no="12" page="68"/>  S. 69 [2. Aufl.: S. 70]) zur <break>Anwendung</break>
<line no="13" page="68"/>   zu bringen. Ein Beispiel
<line no="14" page="68"/>  hierfür bietet Fig. 108, wo die
<line no="15" page="68"/>  Ecken und die Plinthe aus <break>Quadern,</break>
<line no="16" page="68"/>   die Fenstereinfassungen, <break>sowie</break>
<line no="17" page="68"/>   der Sockelgurt aus Backsteinen
<line no="18" page="68"/>  hergestellt sind. Hier sind die <break>Quaderketten</break>
<line no="19" page="68"/>   der Ecken ganz <break>regelmäßig</break>
<line no="20" page="68"/>   gebildet; im Mittelalter ließ
<line no="21" page="68"/>  man dagegen die Stoßfugen der
<line no="22" page="68"/>  Quader in ganz unregelmäßiger Form an das Bruchsteinmauerwerk anschließen und
<line no="23" page="68"/>  erzielte dadurch eine malerische Erscheinung des Mauerwerkes, die zur größeren
<line no="24" page="68"/>  Wirkung sparsam auszuführender Bauwerke wesentlich beiträgt.</P>
<line no="25" page="68"/>  <P> Zur größeren Festigkeit des Mauerwerkes aus unregelmäßigen Bruchsteinen
<line no="26" page="68"/>  trägt die mehrfach in der Höhe sich wiederholende Anordnung von durchlaufenden
<line no="27" page="68"/>  Schichten regelmäßig
<line no="28" page="68"/>  geformten Materials
<line no="29" page="68"/>  <Grafik beginn="#.,27#." ende="#.,40#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 109<footnote to="117"/> </fontsize></Fig></Grafik>
<line no="30" page="68"/>  wesentlich bei (vergl.
<line no="31" page="68"/>  a. a. O., Art. 78,
<line no="32" page="68"/>  S. 65 [2. Aufl.: S. 66]).</P>
<line no="33" page="68"/>  <P> Ein Beispiel
<line no="34" page="68"/>  einer solchen <break>Anordnung</break>
<line no="35" page="68"/>   mit <break>eingebundenen</break>
<line no="36" page="68"/>   <break>Backsteinschichten</break>
<line no="37" page="68"/>   bietet Fig.
<line no="38" page="68"/>  109<footnote to="117"/>.</P>
<line no="39" page="68"/>  <P> Zum ordinären
<line no="40" page="68"/>  Bruchsteinmauerwerk
<line no="41" page="68"/>  gehört auch der <break>Fischgrätenverband,</break>
<line no="42" page="68"/>   bei
<line no="43" page="68"/>  welchem nach Art
<line no="44" page="68"/>  des römischen <i>opus spicatum,</i> dem ährenförmigen, aus Backsteinen hergestellten <break>Verbande,</break>
<line no="45" page="68"/>   dünne Bruchsteine in geneigter Stellung des hochkantig genommenen Hauptes
<line no="46" page="68"/>  aneinander gereiht werden<footnote to="118"/>.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="47" page="68"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="117"/> Nach: <smallcaps>Chabat,</smallcaps> P. <i>La brique et la terre cuite.</i> Paris 1881. Taf. 70.</fontsize></P>
<line no="48" page="68"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="118"/> Ueber das Fischgrätenmauerwerk, sowie über die römische Bauweise der Verkleidung von Bruchsteinmauerwerk
<line no="49" page="68"/>  mit kleinen regelmäßigen Steinen oder Backsteinen vergl. die 1. Auflage dieses Heftes (Art. 62, S. 78 u. 79).</fontsize></P>
<page no="69"/>
<line no="1" page="69"/>  <P> Zu den Bruchsteinmauerwerken müssen auch die mit kleinen, regelmäßig <break>bearbeiteten</break>
<line no="2" page="69"/>   Steinen in verschiedener Weise oder mit dreieckigen Ziegeln verkleideten,
<line no="3" page="69"/>  aus kleinen Steinen mit sehr reichlicher Mörtelverwendung hergestellten Mauern der
<line no="4" page="69"/>  Römer nach <i>Choisy</i><footnote to="119"/> gerechnet werden. Die kleinen Steine wurden alle <break>wagrecht</break>
<line no="5" page="69"/>   mit der flachen Seite in den mit der Schaufel aufgetragenen Mörtel gelegt.
<line no="6" page="69"/>  Dies war offenbar weniger umständlich, als die Mischung eines Betons, der übrigens
<line no="7" page="69"/>  den Römern sehr wohl bekannt war. Die Wahl kleiner Steine für die zur Bildung
<line no="8" page="69"/>  von ebenen Wandflächen und als Lehre dienenden Verkleidungen erfolgte jedenfalls
<line no="9" page="69"/>  mit Rücksicht auf das starke Setzen des Mauerkernes. Dieser wurde durch die in
<line no="10" page="69"/>  Abständen durchgeführten Binderschichten aus quadratischen Backsteinplatten in
<line no="11" page="69"/>  einzelne Abschnitte zerlegt; die Verkleidungen wurden gleichzeitig mit dem Inneren
<line no="12" page="69"/>  von geübteren, das letztere von geringeren Arbeitskräften ausgeführt. Eine <break>ausführliche</break>
<line no="13" page="69"/>   Besprechung der römischen Mauertechnik findet sich in Teil II, Band 2
<line no="14" page="69"/>  dieses »Handbuches«.</P>
<line no="15" page="69"/>  <P> Das gewöhnliche Bruchsteinmauerwerk aus größeren Steinen ohne besondere
<line no="16" page="69"/>  Verkleidungen führte bei den Römern den Namen <i>opus incertum,</i> dasjenige mit
<line no="17" page="69"/>  Binderschichten aus Ziegelplatten <i>opus mixtum.</i></P>
<line no="18" page="69"/>  <P> Vom ordinären Bruchsteinmauerwerk unterscheidet sich das sog. <break>Cyklopenmauerwerk</break><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">63.|Cyklopen-|mauerwerk.</fontsize></sidenote>
<line no="19" page="69"/>   durch die bedeutendere Größe der Steine. Die mit diesem Namen <break>bezeichneten</break>
<line no="20" page="69"/>   Mauerwerke der Pelasger und Phöniker sind immer ohne Mörtel ausgeführt
<line no="21" page="69"/>  und lassen sich nach der geringeren und größeren Sorgfalt der Herstellung und nach
<line no="22" page="69"/>  der Form der Steine in drei Gattungen teilen, worüber ausführliche Mitteilungen in
<line no="23" page="69"/>  Teil II, Band 1 (Art. 5 u. ff., S. 21 u. ff.) dieses »Handbuches« gebracht worden sind.
<line no="24" page="69"/>  Wenn von neuzeitlichem Cyklopenmauerwerk die Rede ist, so versteht man darunter
<line no="25" page="69"/>  wohl meist ein Mauerwerk aus großen, unregelmäßigen Stücken, die nur wenig
<line no="26" page="69"/>  zugerichtet, aber möglichst gut zusammengepaßt und mit oder meist ohne Mörtel
<line no="27" page="69"/>  vermauert sind. Die Steinhäupter erhalten zweckmäßigerweise dabei wenig oder
<line no="28" page="69"/>  gar keine Bearbeitung; höchstens sollten sie mit einem Randschlag versehen werden,
<line no="29" page="69"/>  um das derbe, dem natürlichen Gefüge der Felsen ähnelnde Gepräge dieses <break>Mauerwerkes</break>
<line no="30" page="69"/>   nicht zu beeinträchtigen, welche Eigenschaft dasselbe als besonders für <break>gebirgige</break>
<line no="31" page="69"/>   Gegenden geeignet
<line no="32" page="69"/>  <Grafik beginn="#.,32#." ende="#.,43#."><Fig no="1"><fontsize change="-1">Fig. 110 Von der Schwarzwaldbahn bei Hornberg.</fontsize></Fig></Grafik>
<line no="33" page="69"/>  erscheinen läßt. <break>Selbstverständlich</break>
<line no="34" page="69"/>   darf dasselbe nur aus
<line no="35" page="69"/>  Steinarten hergestellt werden,
<line no="36" page="69"/>  die in unregelmäßiger, <break>rundlicher</break>
<line no="37" page="69"/>   Form brechen, aber
<line no="38" page="69"/>  nie künstlich aus lagerhaften
<line no="39" page="69"/>  Steinen.</P>
<line no="40" page="69"/>  <P> Fig. 110 gibt ein <break>Beispiel</break>
<line no="41" page="69"/>   von <break>Cyklopenmauerwerk</break>
<line no="42" page="69"/>   von der <break>Widerlagsmauer</break>
<line no="43" page="69"/>   einer Eisenbahnbrücke
<line no="44" page="69"/>  im Kinzigthale im <break>Schwarzwald.</break>
<line no="45" page="69"/>  </P>
<line no="46" page="69"/>  <P pagebreak="firstpart"> Die Bezeichnungen Polygon- und Cyklopenmauerwerk werden häufig als <break>gleichbedeutend</break><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">64.|Polygon-|mauerwerk.</fontsize></sidenote>
<line no="47" page="69"/>   gebraucht. Wir wollen aber unter Polygonmauerwerk nur solches ver-</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="48" page="69"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="119"/> <i>L&#39;art de bâtir chez les Romains.</i> Paris 1873.</fontsize></P>
<page no="70"/>
<line no="1" page="70"/>  <P pagebreak="secondpart">stehen, welches aus Steinen mit geradlinig begrenzten, scharf aneinander passenden
<line no="2" page="70"/>  Stirnen besteht. Es erfordert also, wenn die Steine nicht eine ähnliche, oft sich
<line no="3" page="70"/>  wiederholende Begrenzungsform, wie beispielsweise der Säulenbasalt, von Natur aus
<line no="4" page="70"/>  haben, eine kostspielige, mit Stoffverlust verbundene Bearbeitung der Steine und
<line no="5" page="70"/>  findet daher nur eingeschränkte Anwendung, am häufigsten noch bei Sockel- und
<line no="6" page="70"/>  Terrassenmauern. Vom ästhetischen Standpunkte betrachtet, kann man es nur für
<line no="7" page="70"/>  große, wenig unterbrochene Flächen zur malerischen Belebung derselben geeignet
<line no="8" page="70"/>  finden; für kleine würde es zu unruhig wirken. Am wenigsten paßt es für stark
<line no="9" page="70"/>  von Oeffnungen durchbrochene Mauern, da Fenster- und andere Pfeiler von solchem
<line no="10" page="70"/>  Mauerwerk wegen der geneigten Fugenflächen nicht bloß nicht standfest scheinen,
<line no="11" page="70"/>  sondern auch sein müssen<footnote to="120"/>.</P>
<line no="12" page="70"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">65.|Ausführung|des|Mauerwerkes.</fontsize></sidenote><P> Die Bruchsteine werden, wie die Quader, entweder durch Mörtel miteinander
<line no="13" page="70"/>  verbunden oder trocken, unter Zuziehung von Moos, Erde, Sand u. dergl., <break>aufeinander</break>
<line no="14" page="70"/>   gesetzt. Man unterscheidet danach Mörtelmauerwerk und <break>Trockenmauerwerk.</break>
<line no="15" page="70"/>   Das erstere ist das bei weitem gebräuchlichere; das letztere kommt nur in
<line no="16" page="70"/>  besonderen Fällen, so beispielsweise bei Futtermauern oder bei ganz untergeordneten
<line no="17" page="70"/>  Bauwerken (Schutzhütten im Gebirge, rohen Einfriedigungen) jetzt noch zur <break>Anwendung,</break>
<line no="18" page="70"/>   während es früher häufiger vorkam.</P>
<line no="19" page="70"/>  <P> Dem im vorhergehenden Bande dieses »Handbuches« über die Verbandregeln
<line no="20" page="70"/>  und die Verbindung der Steine durch Bindemittel Gesagten ist hier wenig mehr
<line no="21" page="70"/>  hinzuzufügen. Die Einhaltung der wagrechten und lotrechten Richtung wird mit
<line no="22" page="70"/>  denselben Hilfsmitteln bewirkt, wie bei Quader- und Backsteinmauerwerk. Das
<line no="23" page="70"/>  richtige Verlegen der Steine in Mörtel und die Einhaltung eines regelrechten <break>Verbandes</break>
<line no="24" page="70"/>   bedürfen aber fast noch größerer Aufsicht als bei letzterem, namentlich bei
<line no="25" page="70"/>  den ordinären und Füllmauerwerken, da hier die regelmäßige Form der Steine nicht
<line no="26" page="70"/>  der Konstruktion zu Hilfe kommt; es bedarf daher zur Herstellung von <break>Bruchsteinmauern</break>
<line no="27" page="70"/>   ganz gewissenhafter und besonders geübter Arbeiter. Leider wird auf das
<line no="28" page="70"/>  saubere Aussehen der Mauerhäupter von den Maurern nur zu häufig zu viel Wert
<line no="29" page="70"/>  gelegt, auch wenn dieselben geputzt werden, während das Innere wenig sorgfältig
<line no="30" page="70"/>  behandelt ist, die Steine nicht fest und ungenügend in Mörtel gelagert sind, die
<line no="31" page="70"/>  Ausfüllung dagegen fast nur aus Mörtel mit wenigen kleinen Steinen hergestellt
<line no="32" page="70"/>  wird. Eine derartige Mauer kann daher im Aeußeren recht gut aussehen, aber
<line no="33" page="70"/>  doch wenig Festigkeit besitzen.</P>
<line no="34" page="70"/>  <P> Wichtig für die Dauerhaftigkeit von Mauern aus geschichteten Gesteinen ist die
<line no="35" page="70"/>  Festhaltung der Regel, die Steine auf ihr natürliches Lager (Bruchlager) zu legen.
<line no="36" page="70"/>  Je schichtiger das Gestein ist, um so weicher ist es auch in der Regel, und um
<line no="37" page="70"/>  so wichtiger ist auch die Befolgung dieser Vorsicht. Die aufrecht gestellten Steine
<line no="38" page="70"/>  haben in dieser Lage eine geringere Druckfestigkeit und verwittern leichter. Auch
<line no="39" page="70"/>  bei geputzten Mauern kommt das erstere in Betracht; dazu tritt noch, daß an der
<line no="40" page="70"/>  als Haupt genommenen glatteren Lagerfläche der Putz schlechter haftet.</P>
<line no="41" page="70"/>  <P> <fontsize change="-1">Es ist hier darauf aufmerksam zu machen, daß <i>Choisy</i><footnote to="121"/> ein altes orientalisches Herkommen <break>beobachtet</break>
<line no="42" page="70"/>   hat, wonach man die Binder absichtlich mit aufrecht gestelltem Lager verlegte, um die hierbei
<line no="43" page="70"/>  größere Biegungsfestigkeit ausnutzen und dieselben schmaler machen zu können.</fontsize></P>
<line no="44" page="70"/>  <P pagebreak="firstpart"> Eine häufig vorkommende Untugend der Maurer ist die, sofort beim Mauern
<line no="45" page="70"/>  die Stoßfugen, über die Breite derselben hinaus, und auch die oberen Lager-</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="46" page="70"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="120"/> Siehe hierüber: Wochbl. f. Arch. u. Ing. 1879, S. 157.</fontsize></P>
<line no="47" page="70"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="121"/> In: <i>L&#39;art de bâtir chez les Byzantins.</i> Paris 1883. S. 12.</fontsize></P>
<page no="71"/>
<line no="1" page="71"/>  <P pagebreak="secondpart">flächen mit Mörtel zu verstreichen, so daß nicht mehr beobachtet werden kann,
<line no="2" page="71"/>  wie gemauert worden ist; gewöhnlich sind dabei die Stoßfugen nicht genügend mit
<line no="3" page="71"/>  Mörtel ausgefüllt, sondern nur außen zugestrichen. Für Mauerwerk, das geputzt
<line no="4" page="71"/>  werden soll, ist es sogar wegen des festen Anhaftens des Putzes erforderlich, daß
<line no="5" page="71"/>  die Stoßfugen außen offen gehalten werden. Jedoch soll das im allgemeinen für
<line no="6" page="71"/>  Rohbauten zu empfehlende Vollmauern der Fugen oder das gleich beim Mauern
<line no="7" page="71"/>  erfolgende Ausstreichen der Fugen so geschehen, daß dieselben als saubere Linien
<line no="8" page="71"/>  erscheinen.</P>
<line no="9" page="71"/>  <P> Bei dichten Steinen ist ein steiferer, bei porigen ein flüssigerer, bei stark <break>belastetem</break>
<line no="10" page="71"/>   Mauerwerk ein magerer, im anderen Falle ein fetterer Mörtel zu <break>verwenden.</break>
<line no="11" page="71"/>   Schwache, einer dauernden Feuchtigkeitsquelle nicht ausgesetzte Mauern
<line no="12" page="71"/>  können mit Luftmörtel ausgeführt werden. Starke Mauern trocknen, wegen des
<line no="13" page="71"/>  großen Mörtelgehaltes und der gewöhnlich noch vorhandenen Bergfeuchtigkeit der
<line no="14" page="71"/>  Steine, nur sehr langsam aus, weshalb man sie zweckmäßigerweise mit <break>hydraulischem</break>
<line no="15" page="71"/>   Mörtel mauert.</P>
<line no="16" page="71"/>  <P> Der Mörtelbedarf ist je nach der Art der Steine sehr verschieden. Dünnplattige
<line no="17" page="71"/>  und unregelmäßige Steine erfordern viel mehr Mörtel, als regelmäßige und mehr
<line no="18" page="71"/>  würfelförmig gestaltete.</P>
<line no="19" page="71"/>  <P> Wesentliche Vorteile sind für das Bruchsteinmauerwerk durch Anwendung von
<line no="20" page="71"/>  magerem Cementmörtel zu erreichen. Es wird nicht wesentlich teuerer, als <break>gewöhnliches</break>
<line no="21" page="71"/>   Kalkmörtelmauerwerk; Kostenersparnisse lassen sich aber durch <break>Verringerung</break>
<line no="22" page="71"/>   der Massen wegen der größeren Festigkeit des Mauerwerkes erzielen.
<line no="23" page="71"/>  Mit Cementmörtel läßt sich, allerdings unter der Voraussetzung sehr gewissenhafter,
<line no="24" page="71"/>  auf Einhaltung guten Verbandes und Füllung aller Fugen mit Mörtel bedachter
<line no="25" page="71"/>  Maurer und richtiger Mörtelbereitung, ein Mauerwerk herstellen, das gleichförmiger,
<line no="26" page="71"/>  als vieles Quadermauerwerk ist, weil bei letzterem wegen der Ungefügigkeit der
<line no="27" page="71"/>  Stücke auf Verkittung durch den Fugenmörtel nicht gerechnet werden kann, das
<line no="28" page="71"/>  gegenüber dem Backsteinmauerwerk den Vorteil besitzt, mit der größten <break>Leichtigkeit</break>
<line no="29" page="71"/>   stetige Querschnittsveränderungen eintreten zu lassen, und das billiger, als die
<line no="30" page="71"/>  genannten Mauerwerksarten ist. Zu beachten ist auch der Vorteil, der durch die
<line no="31" page="71"/>  Schnelligkeit der Ausführung, welche keine großen Vorbereitungen erfordert, <break>erwachsen</break>
<line no="32" page="71"/>   kann.</P>
<line no="33" page="71"/>  <P> Mitteilungen von <i>Liebold</i> über Erfahrungen mit aus <break>Cementbruchsteinmauerwerk</break>
<line no="34" page="71"/>   ausgeführten Kanälen und Brückengewölben finden sich in unten genannten
<line no="35" page="71"/>  Quellen<footnote to="122"/>.</P>
<line no="36" page="71"/>  <P pagebreak="firstpart"> Bei den Trockenmauerwerken beruht die Festigkeit nur auf der richtigen und
<line no="37" page="71"/>  sicheren Lagerung der Steine, wenn auch nicht geleugnet werden kann, daß durch
<line no="38" page="71"/>  das in der zum Ausstopfen der Fugen benutzten Erde sich ausbreitende und <break>verfilzende</break>
<line no="39" page="71"/>   Wurzelwerk von Pflanzen allmählich eine wirkliche Verbindung der Steine
<line no="40" page="71"/>  herbeigeführt wird. Da diese Wurzelbildung zugleich aber die Verwitterung der
<line no="41" page="71"/>  Steine befördert und bei frei stehenden Mauern weniger eintritt, als bei <break>Futtermauern,</break>
<line no="42" page="71"/>   denen von der Bergseite immer Feuchtigkeit zugefügt wird, so kann im
<line no="43" page="71"/>  allgemeinen von Trockenmauern aus kleinen und mittelgroßen Steinen keine große
<line no="44" page="71"/>  Dauer erwartet werden. Während die aus mächtigen Blöcken aufgebauten <break>cyklopischen</break>
<line no="45" page="71"/>   Mauern Griechenlands und Italiens zum Teile außerordentlich dauerhaft sich</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="46" page="71"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="122"/> Baugwksztg. 1880, S. 295. &#8212; Zeitschr. f. Bauhdw. 1882, S. 9. &#8212; Wochbl. f. Arch. u. Ing. 1883, S. 401. &#8212;
<line no="47" page="71"/>  Zeitschr. f. Baukde. 1881, S. 519.</fontsize></P>
<page no="72"/>
<line no="1" page="72"/>  <P pagebreak="secondpart">gezeigt haben, sind die aus kleineren Stücken hergestellten germanischen <break>Befestigungsmauern</break>
<line no="2" page="72"/>   von Bergkuppen in Deutschland zu wüsten Trümmerhaufen, die unter dem
<line no="3" page="72"/>  Namen »Ringwälle« bekannt sind, geworden<footnote to="123"/>.</P>
<line no="4" page="72"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">66.|Bruchstein-|rohbau.</fontsize></sidenote><P> Hat man zur Herstellung von Mauern oder Mauerflächen, welche der Witterung
<line no="5" page="72"/>  ausgesetzt bleiben, ein wetterfestes, gut aussehendes Material zur Verfügung, so ist
<line no="6" page="72"/>  die Behandlung desselben als Rohbau empfehlenswert; dies ist um so mehr der
<line no="7" page="72"/>  Fall, je dichter und glatter in den Bruchflächen das betreffende Gestein ist, um so
<line no="8" page="72"/>  weniger gut also ein Mörtelputz auf demselben haften würde. Für die Herstellung
<line no="9" page="72"/>  solcher Bruchsteinrohbauten kann im allgemeinen auf dasjenige verwiesen werden,
<line no="10" page="72"/>  was in Art. 19 u. 20 (S. 29 bis 31) u. Art. 41 bis 45 (S. 52 bis 55) über das
<line no="11" page="72"/>  Ausfugen, den Fugenmörtel und die Reinigung der Mauerflächen bei Besprechung
<line no="12" page="72"/>  der Quader- und Backsteinrohbauten gesagt wurde; es bleibt dem hier wenig nur
<line no="13" page="72"/>  hinzuzufügen.</P>
<line no="14" page="72"/>  <P> Noch mehr, als bei Backsteinrohbauten wird es bei Mauern aus <break>unregelmäßigen</break>
<line no="15" page="72"/>   Steinen notwendig sein, darauf zu sehen, daß durch die Art der <break>Behandlung</break>
<line no="16" page="72"/>   der Fugen nicht die unruhige Wirkung des Fugennetzes verstärkt werde. <break>Deshalb</break>
<line no="17" page="72"/>   wird man dem Fugenmörtel in der Regel einen Farbenzusatz geben müssen,
<line no="18" page="72"/>  um ihn in Einklang, wenn auch nicht immer gerade in Uebereinstimmung, mit der
<line no="19" page="72"/>  Steinfarbe zu bringen; deshalb sind auch die mitunter zur Ausführung kommenden
<line no="20" page="72"/>  vorgelegten Fugen nicht gerade empfehlenswert. Noch weniger ist dies aber die
<line no="21" page="72"/>  schon in Art. 65 (S. 70) aus anderen Gründen gerügte Unart vieler Maurer, beim
<line no="22" page="72"/>  Mauern die Fugen über die Breite derselben hinaus mit Mörtel zu verstreichen und
<line no="23" page="72"/>  dabei die Steinflächen zu beschmutzen. Die nachträgliche Reinigung ist immer eine
<line no="24" page="72"/>  mühsame, nicht immer ganz durchführbare und auch mit Nachteilen verknüpfte
<line no="25" page="72"/>  Arbeit. Untergeordnete Mauern pflegt man allerdings auf diese Weise in den Fugen
<line no="26" page="72"/>  zu dichten, aber dieses sog. »Bestechen« sollte immer erst einige Monate nach <break>Fertigstellung</break>
<line no="27" page="72"/>   der Mauer erfolgen, um derselben Zeit zum Austrocknen zu gewähren.</P>
<line no="28" page="72"/>  <P> <fontsize change="-1">Durch ein ähnliches Verfahren suchten die Römer und nach ihnen das frühe Mittelalter Mauern aus
<line no="29" page="72"/>  unregelmäßigen Bruchsteinen das Ansehen von regelmäßig geschichteten zu verleihen, indem sie in den
<line no="30" page="72"/>  frischen Bestich der Fugen nach dem Lineal Fugenlinien mit der Kelle einschnitten.</fontsize></P>
<line no="31" page="72"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">67.|Oberer|Abschluß der|Mauern.</fontsize></sidenote><P> Für die dauernde Erhaltung von der Witterung ausgesetzten Bruchsteinmauern
<line no="32" page="72"/>  ist es ebenso wichtig, wie bei solchen Quader- und Backsteinmauern den oberen
<line no="33" page="72"/>  Abschluß so zu bilden, daß alles Regen- und Tauwasser rasch abgeführt und am
<line no="34" page="72"/>  Eindringen in das Mauerwerk verhindert wird. Auch hier kommen dieselben Mittel,
<line no="35" page="72"/>  wie beim Quaderbau zur Anwendung und kann daher auf das in Art. 14 u. 15
<line no="36" page="72"/>  (S. 23 bis 25) Gesagte verwiesen werden.</P>
<line no="37" page="72"/>  <P> Am unvollkommensten und von sehr geringer Dauer ist die bei ordinären
<line no="38" page="72"/>  Bruchsteinmauern oft angewendete Bildung eines Kammes mit ein- oder zweiseitigem
<line no="39" page="72"/>  Gefälle von Mörtel und eben solchen unregelmäßigen Steinen, wie sie zur Mauer
<line no="40" page="72"/>  verwendet wurden. Für alle Bruchsteinmauern empfiehlt sich die Anwendung
<line no="41" page="72"/>  von Abdeckungsplatten oder, bei geneigtem Abschluß, auch von geeignet <break>geformten</break>
<line no="42" page="72"/>   Stücken aus natürlichem Stein oder gebranntem Thon mit genügendem
<line no="43" page="72"/>  seitlichem Gefälle, wenn nicht eine der noch in Kap. 12 (Schutz der Wände gegen
<line no="44" page="72"/>  Feuchtigkeit) zu besprechenden anderen Abdeckungsarten gleichfalls in Betracht
<line no="45" page="72"/>  kommen kann.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="46" page="72"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="123"/> Ueber Ringwälle und die »gallischen« Mauern <i>Cäsar</i>&#39;s vergl. die 1. Auflage dieses Heftes (Art. 65, S. 82),
<line no="47" page="72"/>  sowie: Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1883, S. 237. &#8212; Zeitschr. f. Bauw. 1887, S. 239. &#8212; <smallcaps>Cohausen,</smallcaps> A. v. Die <break>Befestigungen</break>
<line no="48" page="72"/>   der Vorzeit. Wiesbaden 1898. S. 36, 46 u. 50.</fontsize></P>
<page no="73"/>
<line no="1" page="73"/>  <P> Der Kostenersparnis wegen werden zumeist die Grund- und Kellermauern,<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">68.|Grundmauern.</fontsize></sidenote>
<line no="2" page="73"/>  weil dieselben nicht sichtbar oder wenigstens in versteckter Lage bleiben, aus <break>Bruchsteinmauerwerk</break>
<line no="3" page="73"/>   hergestellt, auch wenn anderes Material leicht zu beschaffen ist.</P>
<line no="4" page="73"/>  <P> Obgleich nun jede Bruchsteinmauer, wenn sie fest sein soll, in sorgfältigem
<line no="5" page="73"/>  Verband ausgeführt werden muß, so ist doch diese Sorgfalt und auch noch manche
<line no="6" page="73"/>  andere Rücksichtnahme bei den Fundamentmauern ganz besonders notwendig, weil
<line no="7" page="73"/>  sie die am stärksten belasteten Mauern der Bauwerke und schädlichen Einflüssen
<line no="8" page="73"/>  des sich an sie anlagernden Erdbodens ausgesetzt sind; deshalb erscheint es auch
<line no="9" page="73"/>  angezeigt, auf diese einzelne Mauergattung in Ergänzung des im vorhergehenden
<line no="10" page="73"/>  Bande (Art. 388 bis 390, S. 273 bis 275 [2. Aufl.: Art. 397 bis 400, S. 306 bis 308])
<line no="11" page="73"/>  in dieser Richtung Gesagten hier gesondert einzugehen, und zwar in Vergleichung mit
<line no="12" page="73"/>  anderen Steinmaterialien.</P>
<line no="13" page="73"/>  <P> Der starken Belastung wegen und um die Last des Bauwerkes auf eine <break>entsprechend</break>
<line no="14" page="73"/>   große Fläche des Baugrundes zu übertragen, macht man die Grundmauern
<line no="15" page="73"/>  stärker, als die Geschoßmauern. Man erreicht dadurch auch, wenn die Grundmauern
<line no="16" page="73"/>  zugleich Kellermauern sind, eine von äußeren Einflüssen möglichst unabhängige und
<line no="17" page="73"/>  gleichmäßige Wärme der Kellerräume, sowie genügende Widerlager für die etwa
<line no="18" page="73"/>  anzuwendenden Ueberwölbungen. Diese Mauerverstärkung wird nun entweder in
<line no="19" page="73"/>  der Weise beschafft, daß die Grundmauer bis zur Bodenoberfläche die gleiche, für
<line no="20" page="73"/>  die Druckübertragung auf den Baugrund genügende Stärke erhält, oder indem man
<line no="21" page="73"/>  die Aufmauerung in von unten nach oben an Stärke abnehmenden Absätzen <break>ausführt.</break>
<line no="22" page="73"/>   Das letztere ist häufig das Zweckmäßigere; man beschränkt sich aber in der
<line no="23" page="73"/>  Regel darauf, nur einen untersten breiten Absatz, das sog. Bankett, auszuführen,
<line no="24" page="73"/>  namentlich dann, wenn man es mit Kellermauern zu thun hat, die auf der <break>Innenseite</break>
<line no="25" page="73"/>   eine ungebrochene Ebene bilden müssen. Von besonderer Wichtigkeit und in
<line no="26" page="73"/>  der Form schwierig zu bemessen ist die Absatzbildung oder Abtreppung von <break>Gründungen</break>
<line no="27" page="73"/>   für stark belastete Pfeiler. Uebrigens sollten Abtreppungen oder Bankette
<line no="28" page="73"/>  nur da angewendet werden, wo sie der Beschaffenheit des Baugrundes wegen <break>wirklich</break>
<line no="29" page="73"/>   erforderlich sind; denn sie verhindern immer an den Außenseiten der Gebäude
<line no="30" page="73"/>  das rasche Versickern des in den Boden eindringenden Wassers. Das letztere wird
<line no="31" page="73"/>  sich gerade nach den Mauern hinziehen, weil an diesen der Boden frisch aufgefüllt,
<line no="32" page="73"/>  also lockerer als im benachbarten gewachsenen Erdreich ist. Jedenfalls wird sich
<line no="33" page="73"/>  bei Mauerabsätzen die obere Abschrägung zur Beförderung des Wasserabflusses
<line no="34" page="73"/>  empfehlen.</P>
<line no="35" page="73"/>  <P pagebreak="firstpart"> Bei vollem Quaderwerk mit regelmäßigem Verband macht die Herstellung der
<line no="36" page="73"/>  Grundmauern keine Schwierigkeit; bei Ziegelmauerwerk ist schon darauf Rücksicht
<line no="37" page="73"/>  zu nehmen, daß die geringe Dicke der Steine eine gleichförmige Abtreppung mit
<line no="38" page="73"/>  jeder Schicht als unzulässig und die geringe Lagerfläche der Steine dieselben für
<line no="39" page="73"/>  eine gleichmäßige Druckübertragung auf den Baugrund als ungeeignet erscheinen
<line no="40" page="73"/>  läßt. Man wird daher bei Verwendung von Backsteinen die Absätze aus einer <break>Anzahl</break>
<line no="41" page="73"/>   von Schichten zusammensetzen müssen und, um den für den Verband <break>nachteiligen</break>
<line no="42" page="73"/>   Verbrauch an Quartierstücken einzuschränken, die Absätze bei beiderseitiger
<line no="43" page="73"/>  Abtreppung <sup>1</sup>/<sub>4</sub> Stein, bei einseitiger Abtreppung <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Stein breit machen, so daß die
<line no="44" page="73"/>  Veränderung der Mauerstärke in jedem Absatz <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Stein beträgt. Für das Bankett
<line no="45" page="73"/>  ist aber der Anwendung von Backsteinen die eines großstückigeren Materials <break>vorzuziehen.</break>
<line no="46" page="73"/>   Das letztere gilt auch für Grundmauern aus Bruchsteinen. Man stellt
<line no="47" page="73"/>  entweder das Bankett aus Quadern, vielleicht in Kästelverband, oder aus großen</P>
<page no="74"/>
<line no="1" page="74"/>  <P pagebreak="secondpart">lagerhaften Platten oder in Ermangelung dieser geeigneteren Materialien aus den
<line no="2" page="74"/>  größten und lagerhaftesten der vorhandenen Bruchsteine her. Wo möglich sucht man
<line no="3" page="74"/>  Binderschichten zu bilden. Die Verwendung vieler Binder ist nun auch notwendig
<line no="4" page="74"/>  bei der Aufmauerung der Abtreppungen; ein Füllmauerwerk ohne guten Verband
<line no="5" page="74"/>  ist unzulässig, da für den Bestand der Mauer nichts schädlicher sein würde, als wenn
<line no="6" page="74"/>  ein oberer Absatz in der Hauptsache nur auf die Fülle des darunter befindlichen
<line no="7" page="74"/>  zu stehen käme. Bei Anwendung von gewöhnlichem Kalkmörtel müßten Spaltungen,
<line no="8" page="74"/>  die Trennung des Kernes von der Schale, die Folge sein. Nach der Größe der
<line no="9" page="74"/>  Vorsetzsteine sind denn auch hier die Breiten der Absätze zu bemessen. Bei <break>ordinärem</break>
<line no="10" page="74"/>   Bruchsteinmauerwerk macht es keine Schwierigkeiten, die Mauerhäupter
<line no="11" page="74"/>  mit Böschungen zu versehen, und deshalb ist auch die Anordnung von solchen an
<line no="12" page="74"/>  Stelle von Abtreppungen vorzuziehen. Bei der auch hierbei immer anzustrebenden
<line no="13" page="74"/>  wagrechten Schichtung ist nur eine geringe Zurichtung der Steinhäupter nach dem
<line no="14" page="74"/>  Böschungswinkel mit dem Hammer erforderlich, während Schichtsteine mit <break>rechteckigem</break>
<line no="15" page="74"/>   Querschnitt mehr Arbeit verursachen würden.</P>
<line no="16" page="74"/>  <P> Für die Ausführung der Grundmauern werden Fundamentgräben hergestellt, die
<line no="17" page="74"/>  unten auf der Sohle um den Bankettvorsprung oder, wenn dieser fehlt, je nach der
<line no="18" page="74"/>  Tiefe 30 bis 45<highlow type="high">cm</highlow> breiter als die Mauerstärke gemacht werden. In manchen
<line no="19" page="74"/>  Gegenden ist es auch üblich, bei nicht zu großer Höhe der Grundmauern die
<line no="20" page="74"/>  Gräben der Ersparnis halber nur gerade so breit wie die Mauern zu machen. Die
<line no="21" page="74"/>  Wandungen der Gräben sind je nach der Bodenart mit mehr oder weniger Böschung
<line no="22" page="74"/>  zu versehen. Diese Fundamentgräben werden nun mit wachsender Höhe der Mauern
<line no="23" page="74"/>  gewöhnlich gleich zugeschüttet, das Mauerwerk also verfüllt, um den Maurern die
<line no="24" page="74"/>  Rüstung zu ersparen und um sonstigen mit den offenen Gräben verknüpften <break>Unannehmlichkeiten</break>
<line no="25" page="74"/>   zu entgehen. Dies hat nun aber den großen Nachteil zur Folge,
<line no="26" page="74"/>  daß das Grundmauerwerk nicht austrocknen und der Mörtel wegen mangelnden
<line no="27" page="74"/>  Luftzutrittes nur langsam abbinden kann. Demnach bleibt einesteils eine <break>Feuchtigkeitsquelle</break>
<line no="28" page="74"/>   im Mauerwerk zurück; anderenteils erhält das Mauerwerk erst nach
<line no="29" page="74"/>  längerer Zeit diejenige Festigkeit, auf welche bei der Bemessung der Mauerdicke
<line no="30" page="74"/>  in Bezug auf die zu tragenden Lasten gerechnet wurde. Bei der raschen Bauweise
<line no="31" page="74"/>  unserer Zeit ist es nicht mehr, wie früher, üblich, das Grundmauerwerk dem <break>Luftzutritt</break>
<line no="32" page="74"/>   ausgesetzt stehen zu lassen, bis dieser Zeitpunkt erreicht ist und man mit
<line no="33" page="74"/>  Sicherheit weiter bauen kann; deshalb ist es notwendig, um den aus unserer <break>Bauweise</break>
<line no="34" page="74"/>   entspringenden Gefahren zu entgehen, auch dann, wenn die Grundmauern in
<line no="35" page="74"/>  trockenem, dem Zutritt von Feuchtigkeit nicht ausgesetztem Boden ausgeführt
<line no="36" page="74"/>  werden, zum mindesten dieselben mit hydraulischem Mörtel, besser noch mit <break>Kalkcementmörtel</break>
<line no="37" page="74"/>   oder magerem Cementmörtel aufzumauern und so ein rasches <break>Abbinden</break>
<line no="38" page="74"/>   zu erzielen.</P>
<line no="39" page="74"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">69.|Bedeutung|des|Bruchsteinbaues.</fontsize></sidenote><P> Die Vorteile des Bruchsteinbaues sind wirtschaftlicher Natur, die Nachteile
<line no="40" page="74"/>  teils konstruktiver, teils gesundheitlicher Art, je nach der Beschaffenheit des <break>Gesteines.</break>
<line no="41" page="74"/>   In konstruktiver Beziehung werden die Nachteile sich verringern, ja ganz
<line no="42" page="74"/>  verschwinden können bei Verwendung von regelmäßig bearbeiteten Bruchsteinen
<line no="43" page="74"/>  (Schichtsteinen) und Heranziehung von Cement als Bindemittel, wobei immerhin
<line no="44" page="74"/>  noch Kostenersparnisse gegenüber Quader- und Backsteinbau erzielt werden können;
<line no="45" page="74"/>  besonders gilt dies vom Bruchsteincementmauerwerk. Das letztere kann indes keinen
<line no="46" page="74"/>  höheren ästhetischen Anforderungen genügen, während dies beim <break>Schichtsteinmauerwerk</break>
<line no="47" page="74"/>   möglich ist. Dieses nähert sich in dieser Beziehung dem Quaderbau.</P>
<page no="75"/>
<line no="1" page="75"/>  <P> Anders liegen die Verhältnisse beim Rohbau aus unregelmäßigen Bruchsteinen.
<line no="2" page="75"/>  Mit diesem wird nur eine befriedigende Wirkung erzielt werden können, wenn es
<line no="3" page="75"/>  sich um malerische Belebung größerer Flächen handelt, die in Einklang mit der
<line no="4" page="75"/>  umgebenden Landschaft stehen sollen. Dies wird am ehesten mit den einfachsten,
<line no="5" page="75"/>  in der Natur des Materials begründeten Mitteln zu erreichen sein.</P>
<line no="6" page="75"/>  <P> Dem Backsteinbau gegenüber hat das Bruchsteinmauerwerk den Vorteil, daß
<line no="7" page="75"/>  über die natürlichen Steine meist ausreichende Erfahrungen in Bezug auf ihre <break>Eigenschaften,</break>
<line no="8" page="75"/>   namentlich Wetterbeständigkeit, vorliegen, während bei den Backsteinen
<line no="9" page="75"/>  dieselben ganz von der Herstellungsweise abhängig sind. Man wird also im allgemeinen
<line no="10" page="75"/>  mit Bruchsteinen mit größerem Sicherheitsgefühl in Hinsicht auf Verwitterung bauen,
<line no="11" page="75"/>  als mit Backsteinen.</P>
<line no="12" page="75"/>  <P> Nachteile in gesundheitlicher Beziehung ergeben sich bei der Verwendung der
<line no="13" page="75"/>  konstruktiv so vorteilhaften Durchbinder durch das Durchschlagen der <break>Feuchtigkeit,</break>
<line no="14" page="75"/>   ferner durch die in der Regel in den Bruchsteinen noch in Menge enthaltene
<line no="15" page="75"/>  Bruchfeuchtigkeit, wenn denselben vor der Vermauerung nicht Zeit zum Austrocknen
<line no="16" page="75"/>  gelassen wurde, endlich bei den dichten Steinen in dem Mangel an Durchlässigkeit,
<line no="17" page="75"/>  welcher die Lufterneuerung durch die Wände verhindert und <break>Feuchtigkeitsniederschläge</break>
<line no="18" page="75"/>   veranlaßt. Zum Teile lassen sich diese Nachteile durch Verblendung mit
<line no="19" page="75"/>  Backsteinmauerwerk verringern.</P>
<line no="20" page="75"/>   <hr/>
</chapter>
<chapter no="4" title="Geputzte Mauern aus Bruch- und Backsteinen. (Putzbau.)"> <line no="21" page="75"/>   <title> 4. <spacing>Kapitel.</spacing>
<line no="22" page="75"/>   <fontsize change="+1">Geputzte Mauern aus Bruch- und Backsteinen.</fontsize>
<line no="23" page="75"/>  (Putzbau.)  </title>
<section level="1" title="a) Putz."> <H1>a) Putz.</H1>
<line no="25" page="75"/>  <P> Putz, Verputz, Abputz, Bewurf, Bemörtelung, Tünche (letzterer Ausdruck wird<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">70.|Allgemeines.</fontsize></sidenote>
<line no="26" page="75"/>  mitunter nur für einen einfachen Anstrich gebraucht) ist die Bekleidung einer Wand-
<line no="27" page="75"/>  oder Deckenfläche mit einem Mörtel. Diese wird von besonderen Handwerkern,
<line no="28" page="75"/>  den Tünchern oder Weißbindern, in manchen Gegenden von den Maurern, mitunter
<line no="29" page="75"/>  von besonders auf diese Arbeiten geübten sog. Putzmaurern, ausgeführt.</P>
<line no="30" page="75"/>  <P> Zweck des Putzes ist Herstellung einer Schutzdecke gegen Witterungseinflüsse,
<line no="31" page="75"/>  bei nicht witterungsbeständigem Mauermaterial, oder gegen das Eindringen von
<line no="32" page="75"/>  Feuchtigkeit in die Wände oder Verhüllung von schlecht aussehendem Mauerwerk.
<line no="33" page="75"/>  In inneren Räumen verwendet man den Putz hauptsächlich, um glatte Wand- und
<line no="34" page="75"/>  Deckenflächen zu erzielen und zur weiteren Ausschmückung vorzubereiten (hierüber
<line no="35" page="75"/>  siehe Teil III, Band 3, Heft 3 dieses »Handbuches«). Hier haben wir es zunächst
<line no="36" page="75"/>  nur mit dem Putz auf steinernen Außenwänden zu thun, müssen jedoch bemerken,
<line no="37" page="75"/>  daß die Herstellung von Putz auf den Innenwänden im allgemeinen die gleiche
<line no="38" page="75"/>  ist und nur noch häufig Verfeinerungen erfährt. Die Ausführung des Putzes auf in
<line no="39" page="75"/>  den Wänden enthaltenen Holzteilen wird in Kap. 6 besprochen werden.</P>
<line no="40" page="75"/>  <P> Auch bei den Außenwänden kann die geputzte Fläche noch weitere <break>Behandlungen</break>
<line no="41" page="75"/>   zum Zweck des Schutzes oder des Schmuckes erfahren. Zu diesen gehören
<line no="42" page="75"/>  Anstriche, malerische, musivische und plastische Ausschmückungen, welche in <break>technischer</break>
<line no="43" page="75"/>   Beziehung kurz mit durchzusprechen sind.</P>
<page no="76"/>
<line no="1" page="76"/>  <P> Der Putz kann unterschieden werden nach dem Mörtel, aus dem er hergestellt
<line no="2" page="76"/>  wird, nach der Art des Mauerwerkes, auf welches er aufgetragen wird und nach der
<line no="3" page="76"/>  Art der Herstellung.</P>
<line no="4" page="76"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">71.|Mörtel|für|den Putz.</fontsize></sidenote><P> Die Bildung der Putzschicht erfolgt hauptsächlich mit Luft-, hydraulischem,
<line no="5" page="76"/>  Cement- oder Kalkcementmörtel. Als weitere Stoffe kommen noch Lehm, Gips
<line no="6" page="76"/>  und Tripolith in Betracht. Erstere beide können wegen ihrer geringen <break>Dauerhaftigkeit</break>
<line no="7" page="76"/>   nur in ganz geschützter Lage zur Anwendung gelangen; doch wird mitunter
<line no="8" page="76"/>  Gips, wenn auch nicht mit Vorteil, als Zusatz zum Kalkmörtel zur Herstellung des
<line no="9" page="76"/>  Stuckputzes auch an Außenwänden benutzt. Ueber den Tripolith, dessen <break>Hauptbestandteil</break>
<line no="10" page="76"/>   auch Gips ist, sind die Meinungen in Bezug auf seine <break>Wetterbeständigkeit</break>
<line no="11" page="76"/>   noch sehr geteilt<footnote to="124"/>.</P>
<line no="12" page="76"/>  <P> Mit den Kalk- und Cementmörteln lassen sich bei richtiger Bereitung und <break>zweckentsprechendem</break>
<line no="13" page="76"/>   Auftrag gute und dauernde Erfolge erzielen. Diese Vorbedingungen
<line no="14" page="76"/>  sind aber auch zu erfüllen, wenn der Putz eine wirkliche und zugleich dichte <break>Schutzdecke</break>
<line no="15" page="76"/>   bilden soll.</P>
<line no="16" page="76"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">72.|Portland-|cementputz.</fontsize></sidenote><P> Theoretisch betrachtet müßte den dichtesten und deshalb zugleich <break>wetterbeständigsten</break>
<line no="17" page="76"/>   Ueberzug reiner Portlandcement (ohne Sandzusatz) liefern; auch würde
<line no="18" page="76"/>  man im stande sein, demselben auf Verlangen eine glänzende Politur zu geben.
<line no="19" page="76"/>  Aber reiner Cementputz ist nicht allein sehr schwierig gut herzustellen; er ist auch
<line no="20" page="76"/>  im Freien sehr der Bildung von Haarrissen, infolge des ungleichmäßigen plötzlichen
<line no="21" page="76"/>  Dehnens und Schwindens und des raschen Trocknens der Oberfläche, ausgesetzt.
<line no="22" page="76"/>  Diese Gefahr ist auch noch bei fetten Cementsandmörteln vorhanden, weshalb es
<line no="23" page="76"/>  unrichtig erscheint, mageren Mörtelüberzügen durch Aufbringen einer oberen Schicht
<line no="24" page="76"/>  aus fetterem Mörtel größere Dichtigkeit verschaffen zu wollen. Mehr dürfte sich
<line no="25" page="76"/>  das umgekehrte Verfahren empfehlen, den fetteren, dichteren Mörtelbewurf durch
<line no="26" page="76"/>  einen mageren zu schützen<footnote to="125"/>.</P>
<line no="27" page="76"/>  <P> Durch Sandzusatz wird die Arbeit des Putzens mit Cement erleichtert und
<line no="28" page="76"/>  sicherer gemacht, wobei aber die Dichtigkeit mit der Menge desselben abnimmt.
<line no="29" page="76"/>  Für Putzarbeiten, die wetterbeständig sein sollen, verwendet man in der Regel einen
<line no="30" page="76"/>  Mörtel aus 1 Raumteil Cement und 3 bis 4 Teilen Sand; dagegen für solche, die
<line no="31" page="76"/>  wasserdicht sein sollen, wie bei Cisternen und anderen Behältern, auf 1 Teil Cement
<line no="32" page="76"/>  1 bis 2 Teile Sand, wobei man die Oberfläche gewöhnlich noch mit etwas seinem
<line no="33" page="76"/>  Cement abschleift und glättet.</P>
<line no="34" page="76"/>  <P> Nach <i>Dyckerhoff</i><footnote to="126"/> erzielt man aber bessere Ergebnisse, wenn man auf
<line no="35" page="76"/>  1 Teil Cement 2 Teile Sand und <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Teil Kalkteig nimmt, weil dann das <break>Einschleifen</break>
<line no="36" page="76"/>   mit reinem Cement unterbleiben kann, das, wie oben bemerkt, die Ursache
<line no="37" page="76"/>  zur Bildung von Schwindungsrissen liefert. Glatte Putzflächen, die nicht wasserdicht
<line no="38" page="76"/>  zu sein brauchen, erhält man bei Anwendung von seinem Sand mit einem Mörtel
<line no="39" page="76"/>  von 1 Teil Cement auf 2 bis 3 Teile Sand. Bei mehr Sandzusatz, also bei <break>Putzarbeiten,</break>
<line no="40" page="76"/>   von denen man nur geringere Festigkeit beansprucht, muß man jedoch
<line no="41" page="76"/>  nach <i>Dyckerhoff</i> Fettkalk zusetzen, wenn man schöne Oberflächen erhalten will. Man
<line no="42" page="76"/>  hat es dann mit Kalkcementmörtel zu thun, von dem später die Rede sein wird.</P>
<line no="43" page="76"/>  <P pagebreak="firstpart"> Die Erfahrung hat oft gezeigt, daß von bestem Portlandcement hergestellter
<line no="44" page="76"/>  Putz nicht dauerhaft ist. Derselbe löst sich entweder in dünnen Schalen oder</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="45" page="76"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="124"/> Ueber Tripolith siehe: <smallcaps>Feichtinger,</smallcaps> G. Chemische Technologie der Mörtelmaterialien. Braunschweig 1885. S. 414.</fontsize></P>
<line no="46" page="76"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="125"/> Siehe: Deutsche Bauz. 1883, S. 529.</fontsize></P>
<line no="47" page="76"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="126"/> Siehe ebendas., 1882, S. 434.</fontsize></P>
<page no="77"/>
<line no="1" page="77"/>  <P pagebreak="secondpart">ganzen Platten von der Wand ab, oder es bilden sich Blasen und Buckel, die später
<line no="2" page="77"/>  auch abfallen. Die Ursache davon liegt entweder im Auftragen oder im zu raschen
<line no="3" page="77"/>  Austrocknen. Gewöhnlich trägt die Schuld die zu geringe Annässung von trockenen
<line no="4" page="77"/>  Mauern, infolge deren dem Cement zu rasch seine zum Erhärten erforderliche
<line no="5" page="77"/>  Feuchtigkeit entzogen wird; deshalb empfiehlt sich überhaupt der Cement mehr
<line no="6" page="77"/>  für den Abputz von feuchtem Mauerwerk, während umgekehrt Luftkalkmörtel nur
<line no="7" page="77"/>  bei ganz trockenen Wänden angewendet werden darf. Dagegen bewährt sich der
<line no="8" page="77"/>  Cement ebenso wenig, wie andere Mörtel für die Herstellung von geputzten <break>Gebäudesockeln,</break>
<line no="9" page="77"/>   in welche wegen mangelnder Isolierung Bodenfeuchtigkeit aufsteigen
<line no="10" page="77"/>  kann, die ein Zerfrieren im Winter veranlaßt<footnote to="127"/>. In solchen Fällen gewährt eine
<line no="11" page="77"/>  Putzdicke von 2<highlow type="high">cm</highlow> gegenüber der sonst gebräuchlichen von 13 bis 15<highlow type="high">mm</highlow> etwas
<line no="12" page="77"/>  Sicherung.</P>
<line no="13" page="77"/>  <P> Das Rissigwerden und Abblättern des Putzes wird auch oft veranlaßt durch
<line no="14" page="77"/>  das Auftragen desselben in dünnen Schichten, deren oberste aus fetterem Mörtel
<line no="15" page="77"/>  hergestellt werden. Dies ist nach <i>Dyckerhoff</i> zu verhüten, wenn man dünne Schichten
<line no="16" page="77"/>  aus fettem Cementmörtel vermeidet und die Putzmasse möglichst einheitlich bildet.</P>
<line no="17" page="77"/>  <P> Für das Gelingen von Cementputzarbeiten ist Schutz gegen Sonnenhitze und
<line no="18" page="77"/>  Frost, sowie einige Zeit fortgesetzte Anfeuchtung von Wichtigkeit. Das Behängen
<line no="19" page="77"/>  mit feuchten Tüchern oder Matten leistet gegen den Sonnenbrand gute Dienste.
<line no="20" page="77"/>  Der zum Putzen verwendete Cement muß ein langsam bindender sein. Um sich
<line no="21" page="77"/>  dessen zu versichern, ist es gut, denselben vorher einige Zeit auslüften zu lassen,
<line no="22" page="77"/>  d. h. ihn auf trockener Unterlage, geschützt vor Feuchtigkeit, in dünner Schicht zu
<line no="23" page="77"/>  lagern, damit der vorhandene freie Aetzkalk ablösche<footnote to="128"/>.</P>
<line no="24" page="77"/>  <P> Daß die allgemeinen Regeln für die Mörtelbereitung und für die Beschaffenheit
<line no="25" page="77"/>  der Hilfsmaterialien Sand und Wasser streng beachtet werden müssen, bedarf <break>eigentlich</break>
<line no="26" page="77"/>   keiner besonderen Erwähnung.</P>
<line no="27" page="77"/>  <P> Romancement<footnote to="129"/> wird auch oft mit Vorteil bei Beobachtung der nötigen <break>Vorsicht,</break><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">73.|Roman-|cementputz</fontsize></sidenote>
<line no="28" page="77"/>   zu der ebenfalls tüchtiges Annässen der Mauern gehört, zur Herstellung von
<line no="29" page="77"/>  Putz verwendet. Man soll mit demselben eine angenehme Sandsteinfarbe der <break>Wandflächen</break>
<line no="30" page="77"/>   ohne Farbenzusatz erzielen. Gewöhnlich nimmt man auf 1 Teil Cement
<line no="31" page="77"/>  6 Teile Sand.</P>
<line no="32" page="77"/>  <P pagebreak="firstpart"> Der Mörtel von Luft- oder Fettkalk muß bekanntlich stets mit Sandzusatz<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">74.|Putz von|Luftkalkmörtel.</fontsize></sidenote>
<line no="33" page="77"/>  bereitet werden, dessen Menge der Güte des Kalkes entsprechend zu nehmen ist
<line no="34" page="77"/>  und für Putzarbeiten 3 bis 5 Raumteile Sand auf 1 Teil Kalk betragen kann; denn
<line no="35" page="77"/>  für diese darf er nicht zu fett genommen werden, da er sonst leicht Risse bekommt
<line no="36" page="77"/>  (entsprechend denjenigen des Kalkbreies in den Sümpfen) und auch nicht die <break>genügende</break>
<line no="37" page="77"/>   Dichte erhält. Je dünner die Kalkhydrathaut innerhalb der zulässigen
<line no="38" page="77"/>  Grenzen ausfällt, welche das einzelne Sandkorn umhüllt, desto dichter und inniger
<line no="39" page="77"/>  kann die Ablagerung der Sandkörner stattfinden, und um so rascher kann jene
<line no="40" page="77"/>  Haut durch Aufnahme von Kohlensäure in kohlensauren Kalk sich umwandeln<footnote to="130"/>.
<line no="41" page="77"/>  Mit der Dichtigkeit wächst aber die Dauerhaftigkeit des Putzes. Dieses Ziel wird</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="42" page="77"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="127"/> Ueber die Ursachen der Mißerfolge bei Verwendung von Portlandcement zum Putz siehe: <smallcaps>Heusinger v. Waldegg,</smallcaps> E.
<line no="43" page="77"/>  Die Kalk- und Cementfabrikation. Leipzig 1875. S. 172 u. ff.</fontsize></P>
<line no="44" page="77"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="128"/> Ueber die Veränderungen beim Lagern des Cementes siehe Ausführliches: <smallcaps>Feichtinger,</smallcaps> G. Chemische Technologie
<line no="45" page="77"/>  der Mörtelmaterialien. Braunschweig 1885. S. 166 u. ff. &#8212; Ueber Cementputz siehe Teil I, Band 1, erste Hälfte, 2. Aufl.
<line no="46" page="77"/>  (Art. 143, S. 163) dieses »Handbuches«.</fontsize></P>
<line no="47" page="77"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="129"/> Ueber denselben und seine Verwendung zu Putz siehe Teil I, Band 1, erste Hälfte (Art. 68, S. 127 [2. Aufl.
<line no="48" page="77"/>  Art. 122 u. 123, S. 150&#8211;152]) dieses »Handbuches«.</fontsize></P>
<line no="49" page="77"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="130"/> Siehe: Deutsche Bauz. 1874, S. 179.</fontsize></P>
<page no="78"/>
<line no="1" page="78"/>  <P pagebreak="secondpart">aber auch nicht erreicht, wenn man den Putzmörtel zu mager macht, da in diesem
<line no="2" page="78"/>  Falle nicht genügend Kittstoff vorhanden ist, der Putz also nicht fest werden kann,
<line no="3" page="78"/>  und derselbe überdies viel zu porig wird.</P>
<line no="4" page="78"/>  <P> Ueber die Beschaffenheit der Grundstoffe und die Herstellung des Putzmörtels,
<line no="5" page="78"/>  sowie die Bereitung desselben siehe Teil I, Band 1, erste Hälfte (Art. 57 bis 61,
<line no="6" page="78"/>  S. 119 bis 124 [2. Aufl.: Art. 78 bis 94, S. 129 bis 140]) dieses »Handbuches«.
<line no="7" page="78"/>  Doch mag hier besonders darauf aufmerksam gemacht werden, daß der Fettkalk
<line no="8" page="78"/>  vor der Verwendung zur Herstellung von Putz immer eingesumpst werden muß und
<line no="9" page="78"/>  mindestens 14 Tage, besser aber 1 bis 2 Monate alt sein soll. Dies ist deshalb
<line no="10" page="78"/>  notwendig, weil nicht vollständig gelöschte Kalkstückchen im Wandputz nachträglich
<line no="11" page="78"/>  sich löschen und Blasen im Putz bilden, welche aufbrechen und trichterförmige
<line no="12" page="78"/>  Löcher verursachen.</P>
<line no="13" page="78"/>  <P> Günstige Ergebnisse sind nur beim Putz von ganz ausgetrocknetem <break>Mauerwerk</break>
<line no="14" page="78"/>   zu erwarten; doch darf auch die Feuchtigkeit des Luftmörtels nicht zu rasch
<line no="15" page="78"/>  verdunsten, wenn der Putz Festigkeit erhalten und ein festes Anhaften desselben am
<line no="16" page="78"/>  Mauerwerk erreicht werden soll. Die Ausführung im Sonnenbrand ist also <break>schädlich.</break>
<line no="17" page="78"/>   Zu starkes Austrocknen verursacht die Bildung von Haarrissen, welche Wasser
<line no="18" page="78"/>  aufnehmen und dadurch dem Frost Gelegenheit zur Zerstörung geben. Die <break>Haarrisse</break>
<line no="19" page="78"/>   entstehen infolge des zu raschen Schwindens des Mörtels, wobei auch der
<line no="20" page="78"/>  zwar in sich fest werdende Putz sich vom Mauerwerk teilweise ablöst. Die Bildung
<line no="21" page="78"/>  von Haarrissen soll durch Zusatz von Sägespänen zum Mörtel verhindert werden
<line no="22" page="78"/>  können<footnote to="131"/>.</P>
<line no="23" page="78"/>  <P> Da der Luftmörtel, je nach der Zubereitung, eine mehr oder weniger, aber
<line no="24" page="78"/>  immer porige Masse bildet, so ist seine Verwendung an solchen Stellen auszuschließen,
<line no="25" page="78"/>  wo dauernde Gelegenheit zur Aufsaugung von Feuchtigkeit geboten ist, also z. B.
<line no="26" page="78"/>  an den Sockeln von Gebäuden.</P>
<line no="27" page="78"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">75.|Putz von|hydraulischem|Kalkmörtel.</fontsize></sidenote><P> Zum Putz äußerer Wandflächen wird im allgemeinen und mit Recht der <break>hydraulische</break>
<line no="28" page="78"/>   Kalkmörtel dem Fettkalkmörtel vorgezogen, da er auch unter dem <break>Einfluß</break>
<line no="29" page="78"/>   der Nässe erhärtet und fest bleibt, auch bei weniger sorgfältiger Herstellung und
<line no="30" page="78"/>  Auftragung wetterbeständiger ist, als unter gleichen Umständen der letztere. Es ist
<line no="31" page="78"/>  aber eine falsche Maßregel, hydraulischen Kalk oder Cement nur zum Abputz der
<line no="32" page="78"/>  sog. Wetterseite der Gebäude (gewöhnlich die Westseite) zu benutzen, da starke
<line no="33" page="78"/>  Schlagregen oft auch die anderen Seiten treffen und z. B. nach von Regen <break>begleitetem</break>
<line no="34" page="78"/>   Ostwinde häufig Kälte eintritt, infolgedessen der von Regenwasser <break>durchdrungene,</break>
<line no="35" page="78"/>   nicht oder nur wenig hydraulische Mörtel abfriert.</P>
<line no="36" page="78"/>  <P> Je hydraulischer der zum Putz verwendete Kalk ist, um so weniger Sand
<line no="37" page="78"/>  braucht demselben zugesetzt zu werden, um eine Umhüllung der Sandkörner mit
<line no="38" page="78"/>  Kalkhydrat zu erzielen, ohne dabei Ablagerungen von freiem Kalk im Putz befürchten
<line no="39" page="78"/>  zu müssen. Mit zunehmender Menge des letzteren nimmt die Dauerhastigkeit ab<footnote to="132"/>.
<line no="40" page="78"/>  Es ist daher, da die hydraulischen Kalke sehr verschieden sind, vor der Verwendung
<line no="41" page="78"/>  immer erst durch Versuche festzustellen, welche Sandzusatzmengen dieselben vertragen.</P>
<line no="42" page="78"/>  <P> Auch dem Putz von hydraulischem Kalkmörtel ist zu rasches Austrocknen
<line no="43" page="78"/>  schädlich und bei demselben starkes Annässen des Mauerwerkes notwendig.</P>
<line no="44" page="78"/>  <P> Damit nicht ungelöschte Kalkstücke in den Putz gelangen, empfiehlt es sich,
<line no="45" page="78"/>  das Kalkpulver und die Kalkmilch durch ein Haarsieb laufen zu lassen.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="46" page="78"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="131"/> Siehe: Wiener Bauindustrie-Ztg., Jahrg. 7, S. 311.</fontsize></P>
<line no="47" page="78"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="132"/> Siehe: Deutsche Bauz. 1874, S. 179.</fontsize></P>
<page no="79"/>
<line no="1" page="79"/>  <P> <fontsize change="-1">Die mageren und hydraulischen Kalke werden in der Regel trocken gelöscht und frisch verwendet.
<line no="2" page="79"/>  Das letztere soll von besonderem Vorteil für die Dauerhaftigkeit des Putzes sein. Mehrfach wird sogar
<line no="3" page="79"/>  die Wiedereinführung einer älteren Methode empfohlen, nämlich dem frischen Mörtel einen Teil ungelöschten
<line no="4" page="79"/>  Kalkpulvers hinzuzusetzen<footnote to="133"/>.</fontsize></P>
<line no="5" page="79"/>  <P> Farbenanstriche sind auf Putz aus hydraulischem Kalkmörtel erst nach dem
<line no="6" page="79"/>  Ausblühen desselben, also nach Verlauf von 2 bis 3 Monaten, auszuführen.</P>
<line no="7" page="79"/>  <P> Dem Fettkalk und den schwach hydraulischen Kalken können durch Zusatz<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">76.|Putz von|Kalk-|cementmörtel.</fontsize></sidenote>
<line no="8" page="79"/>  von geeigneten Stoffen stark hydraulische Eigenschaften verliehen werden. Für den
<line no="9" page="79"/>  Putz kommt als solcher Zuschlag hauptsächlich der Portlandcement in Betracht,
<line no="10" page="79"/>  welcher zu diesem Zwecke wegen seiner Vorteile immer mehr in Aufnahme gelangt
<line no="11" page="79"/>  und namentlich mageren Cementmörteln gegenüber große Vorzüge besitzt, von denen
<line no="12" page="79"/>  die größere Adhäsion an den Steinflächen besonders wichtig ist<footnote to="134"/>. Für den Putz
<line no="13" page="79"/>  von Hochbauten dürfte er aber auch den fetten Cementmörteln vorzuziehen sein,
<line no="14" page="79"/>  da er bei genügender Festigkeit und Dichtigkeit größere Sicherheit bietet.</P>
<line no="15" page="79"/>  <P> Zur Herstellung von Kalkcementmörtel benutzte <i>Tetmajer</i><footnote to="135"/> bei seinen <break>Untersuchungen</break>
<line no="16" page="79"/>   an Stelle des von <i>Dyckerhoff</i> empfohlenen Kalkteiges trocken gelöschten
<line no="17" page="79"/>  Aetzkalk (Staubhydrat), da derselbe sich viel besser und inniger mit dem <break>Cementpulver</break>
<line no="18" page="79"/>   mengen läßt und auch höhere Bindekraft besitzen soll als ersterer. Die
<line no="19" page="79"/>  <i>Tetmajer</i>&#39;schen Versuche bestätigten die Ansicht, daß magere Portlandcementmörtel
<line no="20" page="79"/>  durch Kalkzuschläge verbessert werden.</P>
<line no="21" page="79"/>  <P> Durch Zusatz von etwas Gips (es genügen schon 2 Procent) oder Schwefelsäure<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">77.|Selenitmörtel.</fontsize></sidenote>
<line no="22" page="79"/>  beim Löschen des Fettkalkes erhält derselbe hydraulische Eigenschaften und liefert
<line no="23" page="79"/>  den <i>Scott</i>&#39;schen Selenitmörtel, welcher härter und fester als gewöhnlicher <break>Luftkalkmörtel</break>
<line no="24" page="79"/>   ist und mehr Sandzusatz als dieser vertragen soll<footnote to="136"/>.</P>
<line no="25" page="79"/>  <P> Terranova ist eine farbige Putzmasse, welche in Pulverform in den drei Farben<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">78.|Terranova.</fontsize></sidenote>
<line no="26" page="79"/>  Gelb, Hellrot und Dunkelrot in den Handel gebracht wird und einen Anstrich <break>entbehrlich</break>
<line no="27" page="79"/>   macht. Die Farbtöne sind kräftig und warm; auch hat der fertige Putz
<line no="28" page="79"/>  ein ziegelartiges Korn, weshalb man ihn zu Nachahmungen von Backsteinrohbau
<line no="29" page="79"/>  verwenden kann. Die Rohstoffe derselben gehören zum Teile der Gruppe der
<line no="30" page="79"/>  hydraulischen Bindemittel an; die Farben sind Metalloxyde. Ueber seine <break>Wetterbeständigkeit</break>
<line no="31" page="79"/>   liegen verschiedene Urteile vor<footnote to="137"/>.</P>
<line no="32" page="79"/>  <P pagebreak="firstpart"> Der Putz soll nicht zu dick und nicht zu dünn aufgetragen werden, da <break>derselbe</break><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">79.|Dicke|des Putzes.</fontsize></sidenote>
<line no="33" page="79"/>   erfahrungsgemäß im ersten Falle leicht rissig wird und abfällt, im zweiten
<line no="34" page="79"/>  auch nicht dauerhaft ist, da er zu rasch trocknet und auch nicht genügend Schutz
<line no="35" page="79"/>  gewährt. Als obere Grenze der Dicke sieht man 20 bis 25<highlow type="high">mm</highlow>, als untere 10<highlow type="high">mm</highlow> an.
<line no="36" page="79"/>  Ein gebräuchliches Mittelmaß ist 13 bis 15<highlow type="high">mm</highlow>. Wichtig ist, daß der Putzauftrag
<line no="37" page="79"/>  eine gleichmäßige Dicke erhält; deshalb müssen die Wandflächen möglichst lotrecht
<line no="38" page="79"/>  und eben ausgeführt werden; denn Abweichungen vom Lot und von der Ebene
<line no="39" page="79"/>  können nur durch verschiedene Stärke des Putzes ausgeglichen werden. Dies <break>veranlaßt</break>
<line no="40" page="79"/>   einesteils an einzelnen Stellen übermäßige Dicke des Putzes; andererseits
<line no="41" page="79"/>  findet an den verschieden dicken Stellen ungleichmäßiges Trocknen und Schwinden</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="42" page="79"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="133"/> Siehe über diesen Gegenstand: Deutsche Bauz. 1883, S. 120, 135, 208 &#8212; sowie: Deutsches Baugwksbl. 1885,
<line no="43" page="79"/>  S. 476 &#8212; sowie Teil I, Band 1, erste Hälfte, 2. Aufl. (Art. 115 u. 116, S. 148) dieses »Handbuches«.</fontsize></P>
<line no="44" page="79"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="134"/> Mitteilungen über gelungene Versuche mit Ueberzügen von solchem Mörtel an Uferbekleidungsmauern, zum Teile
<line no="45" page="79"/>  auf Basalt, finden sich in: Deutsche Bauz. 1883, S. 529. (Vergl. auch Teil I, Band 1, erste Hälfte [Art. 75, S. 132; 2. Aufl.:
<line no="46" page="79"/>  Art. 142, S. 162] dieses »Handbuches«.)</fontsize></P>
<line no="47" page="79"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="135"/> Siehe: Die Baumaterialien der Schweiz. Zürich 1884. 4. Aufl. S. 159, 177.</fontsize></P>
<line no="48" page="79"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="136"/> Näheres in: <smallcaps>Gottgetreu,</smallcaps> R. Physische und chemische Beschaffenheit der Baumaterialien. 3. Aufl. Berlin 1881.
<line no="49" page="79"/>  Bd. 2, S. 304 &#8212; sowie in: <smallcaps>Haarmann</smallcaps>&#39;s Zeitschr. f. Bauhdw. 1878, S. 19.</fontsize></P>
<line no="50" page="79"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="137"/> Siehe: Baugwksztg. 1895, S. 597. &#8212; Thonind.-Ztg. 1896, S. 60. &#8212; Deutsche Bauz. 1898, S. 180, 204.</fontsize></P>
<page no="80"/>
<line no="1" page="80"/>  <P pagebreak="secondpart">des Putzes statt. Deshalb ist es auch nicht zweckmäßig, die Fugen des <break>Mauerwerkes</break>
<line no="2" page="80"/>   zu tief hohl zu lassen, weil über diesen der Putz langsamer trocknen wird,
<line no="3" page="80"/>  als über den Steinen. Rasch abgetrocknete Putzflächen werden die Fugen noch
<line no="4" page="80"/>  lange als dunkle Linien erkennen lassen.</P>
<line no="5" page="80"/>  <P> Bei starken Abweichungen von der lotrechten Ebene hilft man sich zur <break>Verringerung</break>
<line no="6" page="80"/>   der Putzdicke durch Eindrücken von Dachziegeln.</P>
<line no="7" page="80"/>  <P> <fontsize change="-1">Die Römer stellten ihren durch große Dauer ausgezeichneten Wandputz bekanntlich sehr stark her,
<line no="8" page="80"/>  7 bis 8<highlow type="high">cm</highlow> bei besseren Ausführungen; doch kommen noch größere Putzstärken vor. Derselbe bestand
<line no="9" page="80"/>  nach <i>Vitruv</i><footnote to="138"/> außer dem Berapp aus 3 Schichten feinsandigen Kalkmörtels und 3 Schichten nach außen
<line no="10" page="80"/>  feiner gemachten Marmorstucks, welche letztere tüchtig mit Stöcken geschlagen wurden.</fontsize></P>
<line no="11" page="80"/>  <P> <fontsize change="-1">Die Herstellung so dicken Putzes war wohl nur mit einem Mörtel von vorzüglicher Adhäsionskraft
<line no="12" page="80"/>  möglich und wenn man mit dem Auftrag einer neuen Schicht so lange wartete, bis die vorhergehende fest
<line no="13" page="80"/>  geworden war. Das Rissigwerden der Stucküberzüge wurde durch die tüchtige Bearbeitung derselben mit
<line no="14" page="80"/>  Stöcken verhindert. Aber auch die unteren Mörtelaufträge, denen bei großer Dicke Ziegelstücke <break>beigemengt</break>
<line no="15" page="80"/>   waren, scheinen stark zusammengepresst worden zu sein, wie aus den Beobachtungen <i>Rondelet</i>&#39;s<footnote to="139"/>
<line no="16" page="80"/>  hervorgeht. Dies hatte vielleicht den Zweck, zu verhindern, daß der Bewurf an der Oberfläche früher
<line no="17" page="80"/>  trocknete, als im Innern.</fontsize></P>
<line no="18" page="80"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">80.|Putz auf|Mauerwerk im|Allgemeinen.</fontsize></sidenote><P> Will man einen dauerhaften Putz erzielen, so gilt für alle Arten von <break>Mauerwerk</break>
<line no="19" page="80"/>   die Regel, daß die zu putzenden Flächen frei von Staub sein müssen, da
<line no="20" page="80"/>  dieser trennend zwischen Mauer und Putz wirken und das feste Anhaften des <break>letzteren</break>
<line no="21" page="80"/>   verhindern würde. Zur Beseitigung desselben genügt das Abkehren mit
<line no="22" page="80"/>  Besen oder Abreiben mit scharfen Bürsten nicht; sondern es muß Besprengen mit
<line no="23" page="80"/>  Wasser stattfinden, was allerdings auch wieder nicht zu weit getrieben werden darf,
<line no="24" page="80"/>  um den Mauern nicht zu viel Feuchtigkeit zuzuführen. Dieses Annässen ist, wie
<line no="25" page="80"/>  schon mehrfach angeführt wurde, bei den ausgetrockneten Mauern auch notwendig,
<line no="26" page="80"/>  um zu verhindern, daß dem Mörtel zu rasch sein zur Erhärtung notwendiges Wasser
<line no="27" page="80"/>  entzogen werde.</P>
<line no="28" page="80"/>  <P> Bei den aus Steinen aufgebauten Mauern ist ferner die Beseitigung aller lockeren
<line no="29" page="80"/>  Mörtelteile aus den Fugen notwendig, ebenso wie das Aufhauen der letzteren, wenn
<line no="30" page="80"/>  nicht mit offenen Fugen gemauert wurde. Im letzteren Falle dürfen aber aus schon
<line no="31" page="80"/>  im vorhergehenden Artikel angegebenem Grunde die Fugen nicht zu tief von Mörtel
<line no="32" page="80"/>  frei bleiben.</P>
<line no="33" page="80"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">81.|Putz auf|Bruchstein-|mauern.</fontsize></sidenote><P> Je rauher, poriger und kleinstückiger die natürlichen Steine sind, um so besser
<line no="34" page="80"/>  wird der Putz auf denselben haften.</P>
<line no="35" page="80"/>  <P> Auf dichten und glatten Steinen, wie Granit, Basalt, Quarz u. s. w., hält er
<line no="36" page="80"/>  schlecht und um so schlechter, je größer die Stücke dabei sind, je weniger Fugen
<line no="37" page="80"/>  das Mauerwerk also enthält. Man muß sich alsdann möglichst auf einen <break>Fugenbestich</break>
<line no="38" page="80"/>   zu beschränken suchen; am besten scheint sich noch in diesen Fällen zum
<line no="39" page="80"/>  Putz Kalkcementmörtel zu bewähren; auch darf er nur in dünner Schicht aufgetragen
<line no="40" page="80"/>  werden. Einen besseren Halt für den Putz sucht man mitunter durch Einmauern
<line no="41" page="80"/>  von einzelnen Ziegeln zu erzielen, deren Köpfe bündig mit der Putzoberfläche liegen.</P>
<line no="42" page="80"/>  <P> <fontsize change="-1">Nach <i>Schäfer</i><footnote to="140"/> wurden im Mittelalter Bruchsteinmauern immer geputzt. Den Anschluß an <break>vorhandene</break>
<line no="43" page="80"/>   Eckquader, welche stets mit der Bruchsteinfläche in einer Flucht liegen, stellte man so her, daß
<line no="44" page="80"/>  der Putz entweder noch 15<highlow type="high">mm</highlow> weit über die Anschlußfuge hinweg auf den Quader gelegt und dort scharf
<line no="45" page="80"/>  abgeschnitten wurde, oder daß man ihn auf der Quaderfläche flach auslaufen ließ, oder daß man auch
<line no="46" page="80"/>  noch den Quader mit einer sehr dünnen Mörtelschicht etwa von der Stärke eines Messerrückens bedeckte,
<line no="47" page="80"/>  welche so glatt gerieben wurde, daß sie wie poliert aussah.</fontsize></P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="48" page="80"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="138"/> Lib. VII, Kap. 3.</fontsize></P>
<line no="49" page="80"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="139"/> In: Theoretisch-praktische Anleitung zur Kunst zu bauen. Leipzig, Darmstadt und Wien 1834. Band 2, S. 339,
<line no="50" page="80"/>  Anmerkung.</fontsize></P>
<line no="51" page="80"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="140"/> In: Deutsche Bauz. 1880, S. 560.</fontsize></P>
<page no="81"/>
<line no="1" page="81"/>  <P> Der geeignetste Untergrund für Putz ist Backsteinmauerwerk, nicht allein wegen<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">82.|Putz auf|Backstein-|mauern.</fontsize></sidenote>
<line no="2" page="81"/>  der vielen Fugen, in denen derselbe Halt findet, sondern auch wegen der innigen
<line no="3" page="81"/>  Verbindung, welche ein normaler Mörtel durch Silikatbildung mit gut gebrannten
<line no="4" page="81"/>  Backsteinen eingeht. Dies befördert aber die Erzielung eines dauerhaften Putzes
<line no="5" page="81"/>  sowohl bei Fettkalk-, hydraulischem, als Cementmörtel, und deshalb ist es eine
<line no="6" page="81"/>  irrige Ansicht, zu glauben, für die Herstellung von zu putzenden Mauern wären noch
<line no="7" page="81"/>  die schlechtesten Steine gut genug. Nicht gar gebrannte Steine haben diese <break>Eigenschaft</break>
<line no="8" page="81"/>   nicht, weil sie nicht genügende Hitze erhielten, um Kieselsäure und Thonerde
<line no="9" page="81"/>  zum Aufschließen zu bringen. Sie verhalten sich nicht besser, als viele natürliche
<line no="10" page="81"/>  Steine, und werden vom Putz nur umhüllt.</P>
<line no="11" page="81"/>  <P> Machen sich auf Bruchstein- oder Backsteinmauern Ausbesserungen oder <break>Erneuerungen</break><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">83.|Erneuerung|des Putzes.</fontsize></sidenote>
<line no="12" page="81"/>   des Putzes notwendig, so müssen die geputzt gewesenen Flächen zur
<line no="13" page="81"/>  Aufnahme des neuen Ueberzuges genügend vorbereitet werden, um dem letzteren
<line no="14" page="81"/>  Dauer zu sichern. Alle Poren der Steine sind mit Bindemittel gefüllt, so daß also
<line no="15" page="81"/>  bloße Reinigung und Aufhauen der Fugen nicht genügen, sondern eine <break>Ueberarbeitung</break>
<line no="16" page="81"/>   mit dem scharfen Hammer oder der Zweispitze, oder bei Backsteinen
<line no="17" page="81"/>  ein Abreiben notwendig ist, um frische Steinflächen bloß zu legen.</P>
<line no="18" page="81"/>  <P> Der Kalkmörtel haftet auf Mauern aus Lehmsteinen (Luftziegeln) schlecht, und<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">84.|Putz auf|Lehmstein-|mauern.</fontsize></sidenote>
<line no="19" page="81"/>  doch ist für diese das Bedürfnis nach einem witterungsbeständigen Putz besonders
<line no="20" page="81"/>  vorhanden, weil der Lehm der Nässe nicht lange Widerstand leistet und unter deren
<line no="21" page="81"/>  Einfluß zerfällt. Für innere, in trockener Lage befindliche derartige Mauern genügt
<line no="22" page="81"/>  ein Lehmputz; für äußere könnte sich ein Cementputz anwenden lassen, da <break>Portlandcementmörtel</break>
<line no="23" page="81"/>   auf Lehm haftet, wenn nicht infolge des starken Setzens der <break>Lehmwände</break>
<line no="24" page="81"/>   der rasch erhärtete und spröde Cementputz Sprünge erhalten und sich <break>ablösen,</break>
<line no="25" page="81"/>   und wenn nicht durch das Gefrieren und Wiederauftauen des unter dem
<line no="26" page="81"/>  Cement immer etwas feuchten Lehmes der Ueberzug abgesprengt werden würde.
<line no="27" page="81"/>  Die Verwendung von Cementlehmputz hat bessere Ergebnisse geliefert<footnote to="141"/>.</P>
<line no="28" page="81"/>  <P> Um auch dem Kalkputz mehr Halt auf Lehmsteinmauern zu verschaffen, hat
<line no="29" page="81"/>  man nach allerhand Mitteln gesucht, von denen einige hier angeführt werden sollen.</P>
<line no="30" page="81"/>  <P> <fontsize change="-1">Das kostspieligste und bei Anwendung von weiteren Vorsichtsmaßregeln wohl auch am meisten
<line no="31" page="81"/>  Aussicht auf Erfolg versprechende Mittel ist das, alle 3 bis 4 Lehmsteinschichten eine Schicht gebrannte
<line no="32" page="81"/>  Steine anzuwenden. Außerdem ist mit offenen Fugen zu mauern und den Steinen der Fassadenflächen
<line no="33" page="81"/>  gehacktes Stroh oder Flachsabgänge oder dergl. beizumengen (man hat es dann mit Lehmpatzen zu thun),
<line no="34" page="81"/>  oder das Haupt beim Streichen der Steine mit scharfem Sande zu bestreuen. Ist der Lehm sehr mager,
<line no="35" page="81"/>  so verschafft man den Steinen etwas mehr Wasserbeständigkeit durch Zusatz von gelöschtem Kalk. Vor
<line no="36" page="81"/>  dem Auftragen des Kalkputzes müssen die Lehmsteine vollständig trocken sein; sie sind aber bei Beginn
<line no="37" page="81"/>  des Putzens stark zu nässen, weil der trockene Lehm mit Begierde Wasser ansaugt.</fontsize></P>
<line no="38" page="81"/>  <P> <fontsize change="-1">Von anderen Mitteln, um dem Putz auf Lehmsteinen mehr Halt zu geben, sollen sich die folgenden
<line no="39" page="81"/>  gut bewährt haben: Einschlagen von kleinen Dachziegelstücken in die Fugen, oder Eindrücken, bezw. <break>Einschlagen</break>
<line no="40" page="81"/>   von Stücken Kalktuff oder poröser Ziegel in die Häupter der angefeuchteten Steine<footnote to="142"/>, oder
<line no="41" page="81"/>  mehrmaliges heißes Teeren vor dem Kalkputzauftrag<footnote to="143"/>, oder Zusatz von Sägespänen zum Mörtel<footnote to="144"/>.</fontsize></P>
<line no="42" page="81"/>  <P> <fontsize change="-1">Die sichersten Ergebnisse, allerdings keinen eigentlichen Putz, erzielt man, wenn man die <break>Wandflächen</break>
<line no="43" page="81"/>   mit Wasser und dem Reibebrett abreibt und dann mit Kalkweiße abfilzt.</fontsize></P>
<line no="44" page="81"/>  <P pagebreak="firstpart"> Diese verschiedenen Behandlungsweisen der Lehmsteinwände bieten nur dann
<line no="45" page="81"/>  eine Gewähr für einige Dauer, wenn neben sorgfältiger Ausführung dafür gesorgt
<line no="46" page="81"/>  wird, daß der Regen von den Wänden, die möglichst nur einstöckig aufzuführen</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="47" page="81"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="141"/> Siehe: <smallcaps>Liebold,</smallcaps> B. Der Zement. Halle a. S. 1875. S. 11.</fontsize></P>
<line no="48" page="81"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="142"/> Hierüber siehe: <smallcaps>Haarmann</smallcaps>&#39;s Zeitschr. f. Bauhdw. 1858, S. 37.</fontsize></P>
<line no="49" page="81"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="143"/> Ausführliches hierüber ebendas., 1866, S. 193.</fontsize></P>
<line no="50" page="81"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="144"/> Nach: Baugwksztg. 1890, S. 535.</fontsize></P>
<page no="82"/>
<line no="1" page="82"/>  <P pagebreak="secondpart">sind, durch weit vorspringende Dächer abgehalten und das Aufsteigen der <break>Erdfeuchtigkeit</break>
<line no="2" page="82"/>   durch Isolierungen verhindert wird.</P>
<line no="3" page="82"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">85.|Putz auf|Lehmpisé-|mauern.</fontsize></sidenote><P> Auf Lehmpisémauern ist es noch schwieriger, einen haltbaren Kalkmörtelputz
<line no="4" page="82"/>  herzustellen, als auf Lehmsteinmauern, da die Fugen fehlen. Man hat es auch bei
<line no="5" page="82"/>  diesen Wänden versucht, dieselben mit Ziegelsteinstücken zu spicken, um dem <break>Kalkputz</break>
<line no="6" page="82"/>   Halt zu schaffen; infolge des Schwindens des Lehmes beim Trocknen werden
<line no="7" page="82"/>  aber die Steinstücke locker. Besser soll die Arbeit gelingen, wenn man die Wand
<line no="8" page="82"/>  vor dem Spicken mit porigen Steinen mit einem Strohlehmüberzug versieht. Das
<line no="9" page="82"/>  gewöhnlichste Verfahren besteht darin, daß die Wandflächen durch Bearbeiten mit
<line no="10" page="82"/>  einem stumpfen Besen rauh gemacht oder schräg von oben nach unten mit einem
<line no="11" page="82"/>  eisernen, rechenartigen Werkzeug Löcher in dieselben geschlagen werden. Dann
<line no="12" page="82"/>  wird ein dünner Rappbewurf von einem Mörtel aufgetragen, welcher aus 1 Teil
<line no="13" page="82"/>  Kalk, 3 Teilen Lehm und 2 Teilen Sand gemischt ist, und schließlich über diesem
<line no="14" page="82"/>  mit gewöhnlichem Kalkmörtel geputzt, am besten als Spritzbewurf. Auch der im
<line no="15" page="82"/>  vorhergehenden Artikel erwähnte Zusatz von Sägespänen zum Kalkmörtel soll sich
<line no="16" page="82"/>  bewährt haben.</P>
<line no="17" page="82"/>  <P> Hauptsache für Herstellung eines dauerhaften Putzes ist die vorher auch innen
<line no="18" page="82"/>  vollendete Austrocknung der Mauer. Die nach dem Putzauftrag nach außen sich
<line no="19" page="82"/>  ziehende Nässe tritt zwischen Mauer und Putz und löst denselben in großen Tafeln ab.</P>
<line no="20" page="82"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">86.|Zeitpunkt|des Putzens.</fontsize></sidenote><P> Von nicht geringer Wichtigkeit für die Erzielung eines dauerhaften Putzes auf
<line no="21" page="82"/>  den verschiedenen Mauerwerksarten ist die richtige Wahl der Zeit für die <break>Ausführung.</break>
<line no="22" page="82"/>   Wie schon mehrfach betont, ist es notwendig, die Trockenheit der Mauern
<line no="23" page="82"/>  abzuwarten, und zwar deshalb, weil durch den Putzüberzug das Austrocknen <break>erschwert</break>
<line no="24" page="82"/>   und verlangsamt wird. Es ist deswegen ein gerechtfertigtes Verfahren, das
<line no="25" page="82"/>  äußere Putzen der Gebäude erst einige Zeit nach Vollendung derselben vorzunehmen,
<line no="26" page="82"/>  so daß, wenn auch die Innenwände verputzt sind, doch die Feuchtigkeit nach außen
<line no="27" page="82"/>  entweichen kann. Sind die Mauersteine sehr wenig witterungsbeständig, so wird es
<line no="28" page="82"/>  sich allerdings empfehlen, den äußeren Putz zuerst auszuführen und mit dem inneren
<line no="29" page="82"/>  zu warten.</P>
<line no="30" page="82"/>  <P> Das Verschieben des Putzens bis einige Zeit nach Vollendung des Baues hat
<line no="31" page="82"/>  noch den weiteren Vorteil, daß das Setzen desselben in der Hauptsache bis dahin
<line no="32" page="82"/>  vorüber sein wird und deshalb dieses nicht mehr die Veranlassung von Rissebildung
<line no="33" page="82"/>  im Putz sein kann.</P>
<line no="34" page="82"/>  <P> Mit dem Zuwarten ist aber auch ein Nachteil verbunden. Je länger man
<line no="35" page="82"/>  wartet, um so mehr werden sich die für das feste Haften des Putzes wichtigen
<line no="36" page="82"/>  Poren der Steine mit Staub füllen, worauf man bei der Reinigung vor dem Beginn
<line no="37" page="82"/>  des Putzens gebührende Rücksicht zu nehmen hat.</P>
<line no="38" page="82"/>  <P> Die günstigsten Jahreszeiten für die Ausführung des Putzes sind Frühjhar und
<line no="39" page="82"/>  Herbst. Der Winter ist unzulässig wegen des Frostes; die heißen Sommermonate
<line no="40" page="82"/>  sind wegen des zu raschen Austrocknens nicht zu empfehlen. Das zeitige Frühjahr
<line no="41" page="82"/>  hat den Nachteil, daß die Mauern der während des Herbstes im Rohbau vollendeten
<line no="42" page="82"/>  Bauten noch zu viel Feuchtigkeit enthalten, die im Winter nicht genügend <break>verdunsten</break>
<line no="43" page="82"/>   konnte; auch können zu dieser Zeit leicht Schäden durch Nachtfröste <break>entstehen;</break>
<line no="44" page="82"/>   das letztere gilt auch für den Spätherbst.</P>
<line no="45" page="82"/>  <P pagebreak="firstpart"> Besonders vorsichtig muß man bei Cementputz in der Wahl der Jahreszeit
<line no="46" page="82"/>  sein, da dieser gegen Hitze und Frost sehr empfindlich ist. Ist derselbe zu einer
<line no="47" page="82"/>  Zeit auszuführen, wo Frost leicht eintreten kann, so muß man ihn möglichst steif</P>
<page no="83"/>
<line no="1" page="83"/>  <P pagebreak="secondpart">verwenden, damit er nicht viel mehr als das zum Abbinden erforderliche Wasser
<line no="2" page="83"/>  enthält.</P>
<line no="3" page="83"/>  <P> Man kann den Putz nach der Anzahl der bis zur Vollendung aufeinander<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">87.|Arten|des Putzens.</fontsize></sidenote>
<line no="4" page="83"/>  folgenden Mörtelaufträge in <spacing>ein-, zwei-, drei-</spacing> und <spacing>vierschichtigen Putz</spacing> <break>unterscheiden</break>
<line no="5" page="83"/>  <footnote to="145"/>. Wir wollen hier aber die gebräuchlichen Arten unter den üblichen
<line no="6" page="83"/>  Namen vorführen. Es sind dies Berapp-, gestippter Putz, Rieselbewurf, ordinärer
<line no="7" page="83"/>  Putz, Spritzbewurf, feiner (glatter) Putz, Stuckputz.</P>
<line no="8" page="83"/>  <P> Der <spacing>Berapp, Rappputz</spacing> oder <spacing>rauhe Bewurf</spacing> unterscheidet sich vom Bestich,<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">88.|Berapp.</fontsize></sidenote>
<line no="9" page="83"/>  d. h. vom Auswerfen oder Ausschweißen der Fugen in allen ihren Vertiefungen
<line no="10" page="83"/>  mit einem groben, dünnen Mörtel (siehe Art. 66, S. 72), dadurch, daß nicht nur die
<line no="11" page="83"/>  Fugen und deren nähere Umgebung mit Mörtel beworfen werden, sondern dies in
<line no="12" page="83"/>  dünner Schicht über die ganze Ausdehnung der Mauer erfolgt. Der an einzelnen
<line no="13" page="83"/>  Stellen zu stark aufgetragene, grobsandige Mörtel wird mit der Kelle abgestrichen.
<line no="14" page="83"/>  Der Putz behält seine rauhe Oberfläche oder wird mit der Kelle geglättet.</P>
<line no="15" page="83"/>  <P> Die Herstellung eines guten Berappes erfordert eine ziemlich kunstfertige <break>Handhabung</break>
<line no="16" page="83"/>   der Kelle. Diese muß noch größer sein, wenn dem Mörtel grobe Kiesel <break>beigemengt</break>
<line no="17" page="83"/>   werden, da der Anwurf dann so erfolgen muß, daß später nichts wieder <break>weggenommen</break>
<line no="18" page="83"/>   zu werden braucht. Man nennt diese Art der Ausführung wohl auch <spacing><break>Spritzbewurf,</break>
<line no="19" page="83"/>  </spacing> der sich aber von dem nachher zu besprechenden wesentlich unterscheidet.</P>
<line no="20" page="83"/>  <P> In manchen Gegenden wird der Berapp in der Weise ausgeführt, daß die
<line no="21" page="83"/>  Kellenwürfe an der Wand aneinander gereihte Häufchen bilden; dies ist der <spacing>Kraus-,
<line no="22" page="83"/>  Tüpfel-</spacing> oder <spacing>Häufchenputz,</spacing> der mitunter bis zur Bildung von regelmäßigen
<line no="23" page="83"/>  Mustern (Rosetten u. dergl.) getrieben wird.</P>
<line no="24" page="83"/>  <P> Der <spacing>gestippte, gestäppte</spacing> oder <spacing>Besenputz</spacing> ist ein Berapp, dessen <break>Oberfläche</break><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">89.|Gestippter Putz.</fontsize></sidenote>
<line no="25" page="83"/>   ein gleichmäßig gekörntes Aussehen dadurch erhält, daß man ihn vor dem
<line no="26" page="83"/>  Erstarren mit einem stumpfen Reisigbesen stippt oder stupft.</P>
<line no="27" page="83"/>  <P> Den <spacing>Rieselbewurf</spacing> erhält man, wenn über einem Berapp ein Anwurf mit<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">90.|Rieselbewurf.</fontsize></sidenote>
<line no="28" page="83"/>  einem Mörtel ausgeführt wird, der mit gesiebten Kieseln von der Größe einer kleinen
<line no="29" page="83"/>  Haselnuß gemengt ist.</P>
<line no="30" page="83"/>  <P> Der <spacing>ordinäre Putz</spacing> besteht aus zwei Schichten. Nachdem die Fugen des<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">91.|Ordinärer Putz.</fontsize></sidenote>
<line no="31" page="83"/>  Mauerwerkes bestochen (ausgeschweißt) worden sind, wird ein erster rauher und
<line no="32" page="83"/>  dünner Anwurf ausgeführt, den man etwas erstarren läßt, bis er kleine Risse <break>bekommt.</break>
<line no="33" page="83"/>   Darüber kommt dann ein zweiter, etwas magerer Bewurf, der durch <break>Abreiben</break>
<line no="34" page="83"/>   weniger oder mehr geglättet wird<footnote to="146"/>.</P>
<line no="35" page="83"/>  <P> Beim <spacing>Spritzbewurf,</spacing> auch <spacing>Besenbewurf</spacing> genannt, wird wie bei Herstellung<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">92.|Spritzbewurf.</fontsize></sidenote>
<line no="36" page="83"/>  des ordinären Putzes verfahren, nachdem aber der zweite Bewurf oberflächlich <break>abgerieben</break>
<line no="37" page="83"/>   ist, ein dritter von einem dünnen, aus Kalk, nicht zu feinem Quarzsand
<line no="38" page="83"/>  von gleichmäßigem Korn und der Farbe, nach welcher die Fassade abgetönt werden
<line no="39" page="83"/>  soll, zusammengesetzten Mörtel angespritzt. Dies geschieht, indem man einen mit
<line no="40" page="83"/>  der rechten Hand geführten stumpfen Besen gegen ein in der linken gehaltenes
<line no="41" page="83"/>  Holz so anschlägt, daß der Inhalt des Besens an die Wand geworfen wird.</P>
<line no="42" page="83"/>  <P> Der <spacing>feine Putz</spacing> wird wie der ordinäre hergestellt, der zweite Auftrag aber nur<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">93.|Feiner Putz.</fontsize></sidenote>
<line no="43" page="83"/>  mit der Kardätsche &#8212; einem großen, länglichen Reibebrett &#8212; abgerieben und dann
<line no="44" page="83"/>  ein dritter von etwas fetterem, mit ganz feinem Sande hergestelltem Mörtel aufgezogen.
<line no="45" page="83"/>  Dieser wird dann sorgfältig mit dem nur leicht angedrückten Reibebrettchen abgerieben.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="46" page="83"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="145"/> Siehe: <smallcaps>Mothes,</smallcaps> O. Illustrirtes Baulexikon. 3. Aufl. Leipzig und Berlin 1876. Band 3, S. 482: Art. »Putz«.</fontsize></P>
<line no="47" page="83"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="146"/> Näheres über die Ausführung des ordinären Putzes wurde mitgeteilt in der 1. Auflage dieses Heftes (Art. 90, S. 93).</fontsize></P>
<page no="84"/>
<line no="1" page="84"/>  <P> Jeder Auftrag darf erst erfolgen, nachdem der vorhergehende etwas angezogen
<line no="2" page="84"/>  hat, d. h. einen Teil seines Wassergehaltes verloren hat und steif geworden ist, so
<line no="3" page="84"/>  daß er durch das Gewicht des neu angetragenen Mörtels nicht von der Wand <break>abgelöst</break>
<line no="4" page="84"/>   werden kann. Das Abreiben muß unter Benetzung mit Wasser stattfinden.
<line no="5" page="84"/>  Will man ganz feinen Putz erzielen, so verwendet man mit Filz beschlagene <break>Reibebrettchen,</break>
<line no="6" page="84"/>   was aber eigentlich nur bei innerem Wandputz vorkommt.</P>
<line no="7" page="84"/>  <P> <fontsize change="-1"><i>Bües</i><footnote to="147"/> stellt als oberste Regel zu Erlangung eines dauerhaften Mauerputzes, mag derselbe nun
<line no="8" page="84"/>  aus Portlandcement, hydraulischem oder fettem Kalk hergestellt werden, die auf, zu der ganzen Dicke des
<line no="9" page="84"/>  Putzes nur eine, und zwar die für den jedesmal vorliegenden besonderen Fall geeignetste Mörtelmischung
<line no="10" page="84"/>  zur Anwendung zu bringen, nicht aber, wie es häufig geschieht, mehrere Lagen von ungleicher Mischung
<line no="11" page="84"/>  übereinander aufzutragen. Jede der Mischungen hätte ihren eigenartigen Adhäsions-, Kohäsions-, Bindungs-
<line no="12" page="84"/>  und Schwindungsvorgang, so daß bei gleichzeitiger Anwendung derselben die Erzielung eines wirklich <break>einheitlichen</break>
<line no="13" page="84"/>   äußeren Mauerputzes mindestens sehr erschwert würde.</fontsize></P>
<line no="14" page="84"/>  <P> <fontsize change="-1">Weiter verlangt <i>Bües,</i> daß die ganze Dicke der Putzschicht, die man an den schwächsten Stellen
<line no="15" page="84"/>  nicht unter 15<highlow type="high">mm</highlow> nehmen sollte, in sehr kurzen Zwischenräumen, womöglich »in einer Hitze«, wie der
<line no="16" page="84"/>  Maurer sich ausdrückt, aufgetragen wird, um ein Wiederaufweichen abgebundener Teile infolge von <break>Anwendung</break>
<line no="17" page="84"/>   vielen Wassers zu vermeiden.</fontsize></P>
<line no="18" page="84"/>  <P> <fontsize change="-1">Diesen Anforderungen kann bei äußerem Mauerputz entsprochen werden, wo es sich in der Regel
<line no="19" page="84"/>  nicht um Herstellung sehr glatter Wandflächen handelt, und wenn die »sehr kurzen« Zwischenräume so
<line no="20" page="84"/>  lang bemessen sind, daß der erste Putzauftrag, wie oben besprochen wurde, so weit abgestorben ist, daß
<line no="21" page="84"/>  er den zweiten ertragen kann.</fontsize></P>
<line no="22" page="84"/>  <P> <fontsize change="-1">Mit diesen Forderungen etwas in Widerspruch steht der <i>Ambroselli</i>&#39;sche preisgekrönte Wandputz<footnote to="148"/>
<line no="23" page="84"/>  für Ziegelmauern. Derselbe verlangt außer den sonst allgemein als richtig anerkannten Bedingungen eines
<line no="24" page="84"/>  Mauerwerkes aus guten Backsteinen, vollständig reiner Mörtelbestandteile und der genügenden Annässung
<line no="25" page="84"/>  des Mauerwerkes die Anwendung von drei verschiedenen Sorten von Mörteln, zu deren Bereitung drei
<line no="26" page="84"/>  verschiedene Sandsorten und verschieden große Zusätze von Portlandcement benutzt werden.</fontsize></P>
<line no="27" page="84"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">94.|Stuckputz.</fontsize></sidenote><P> Unter dem Namen Stuck <i>(Stucco)</i> begreift man sehr verschiedenartige Mörtel:
<line no="28" page="84"/>  man nennt so reinen Gipsmörtel, aber ebenso auch Gemisch von Sand, Kalk und
<line no="29" page="84"/>  Gips (Kalkstuck) oder Kalk, Sand und Marmorstaub (Marmorstuck). Auch Mörtel
<line no="30" page="84"/>  mit anderen Zusätzen, wie Steinkohlenstaub, Ziegelmehl, Eisenfeilspänen u. dergl.
<line no="31" page="84"/>  werden Stuck genannt. Mit dem Stuck bezweckt man die Erzielung sehr glatter
<line no="32" page="84"/>  und dichter, häufig sogar polierbarer Flächen, oder man verwendet ihn zum Formen
<line no="33" page="84"/>  von Ornamenten oder Herstellen von Gesimsen an den Wänden selbst.</P>
<line no="34" page="84"/>  <P> Für die Anwendung am Aeußeren der Gebäude eignen sich, wegen ihrer
<line no="35" page="84"/>  geringen Wetterbeständigkeit, diejenigen Stuckarten sehr wenig, welche Gips <break>enthalten.</break>
<line no="36" page="84"/>   Hie und da braucht man sie aber doch hierzu und sucht sie dann durch
<line no="37" page="84"/>  Oelfarbenanstrich zu schützen. Ein Kalkstuckputz zu diesem Zwecke besteht nach
<line no="38" page="84"/>  <i>Fink</i><footnote to="149"/> aus fertigem Kalkmörtel und Gips zu gleichen Teilen, oder aus 3 Teilen
<line no="39" page="84"/>  Kalk, 3 bis 4 Teilen Gips und 3 bis 4 Teilen Sand. Die sorgfältig gemischte
<line no="40" page="84"/>  und mit Wasser angemachte Masse erhärtet nur langsam, läßt sich also bequem <break>verarbeiten,</break>
<line no="41" page="84"/>   erlangt aber keine große Härte.</P>
<line no="42" page="84"/>  <P> Nach <i>Rondelet</i><footnote to="150"/> verwendet man zu Stuckarbeiten im Freien für den <break>Untergrund</break>
<line no="43" page="84"/>   ein Puzzolanmörtel oder an Stelle dessen, der schnelleren Erhärtung wegen,
<line no="44" page="84"/>  Zusätze von Ziegelmehl und Kreide oder gepulvertem Kalk, oder man nimmt ein
<line no="45" page="84"/>  Gemenge von 6 Teilen Kalk, 3 Teilen Sand, 2 Teilen Hammerschlag, 1 Teil
<line no="46" page="84"/>  Ziegelmehl und 1 Teil Weinstein. Der Ueberzug wird aus 2 Teilen Kalk und
<line no="47" page="84"/>  1 Teil gepulvertem Marmor hergestellt.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="48" page="84"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="147"/> Siehe: Deutsche Bauz. 1874, S. 179.</fontsize></P>
<line no="49" page="84"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="148"/> Nähere Angaben in: Deutsche Bauz. 1875, S. 13.</fontsize></P>
<line no="50" page="84"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="149"/> In: Der Tüncher, Stubenmaler, Stukkator und Gypser. Leipzig 1866. S. 162.</fontsize></P>
<line no="51" page="84"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="150"/> In der in Fußnote 139 angegebenen Quelle, S. 364.</fontsize></P>
<page no="85"/>
<line no="1" page="85"/>  <P> In Venedig bedient man sich für Fassaden und für das Innere von Gebäuden
<line no="2" page="85"/>  eines marmorähnlichen, sehr dauerhaften Putzes, der den Namen <i>Marmorino</i> führt
<line no="3" page="85"/>  <i>(intonacco a marmorino).</i> Bei diesem wird der erste Bewurf mit einem Mörtel aus
<line no="4" page="85"/>  Kalk und Ziegelmehl ausgeführt; darüber kommt ein zweiter zur Ausgleichung der
<line no="5" page="85"/>  Unebenheiten des ersten, aus Kalk und feinem Sande bestehend, und schließlich
<line no="6" page="85"/>  ein dritter von Marmormörtel, der aus bestem weißem Kalk und Marmorpulver <break>bereitet</break>
<line no="7" page="85"/>   wird. Diese letzte Schicht wird nur 2,<fontsize change="-1">5</fontsize><highlow type="high">mm</highlow> dick aufgetragen und, wenn sie
<line no="8" page="85"/>  zu trocknen beginnt, aber noch dehnbar ist, mit einer stählernen, an den Ecken
<line no="9" page="85"/>  abgerundeten Polierkelle geglättet, während man die Fläche mit dünnem <break>Seifenwasser</break>
<line no="10" page="85"/>   annetzt<footnote to="151"/>.</P>
<line no="11" page="85"/>  <P> Aehnlich ist der in Mailand, Parma und anderen Orten angewendete <i>Stucco a
<line no="12" page="85"/>  lucido</i> (auch <i>Marmorino</i> oder <i>Scaliolo</i> genannt), dessen äußerste Schicht aus 3 Teilen
<line no="13" page="85"/>  Marmormehl und 1 Teil durchgesiebtem Kalk hergestellt wird<footnote to="152"/>.</P>
<line no="14" page="85"/>  <P> <fontsize change="-1">Der von der Hannoverschen Portlandcementfabrik-Aktiengesellschaft (vorm. <i>Kuhlemann &amp; Meyerstein</i>)
<line no="15" page="85"/>  in Hannover hergestellte <i>Mühlenbruch</i>&#39;sche Marmorkitt<footnote to="153"/> ist, wie es scheint, auch nur eine Mischung von
<line no="16" page="85"/>  Marmormehl mit reinem gebranntem Kalk, dem man zur Herstellung von Putz nach Bedarf Sand oder
<line no="17" page="85"/>  Marmorkleinschlag zumischt, oder welchen man zur Verbesserung gewöhnlichem Putzmörtel zusetzt. Der
<line no="18" page="85"/>  Marmorkittmörtel soll von Wasser nicht zersetzt werden, soll eine glänzende Oberfläche auch ohne Polieren
<line no="19" page="85"/>  erhalten und einen guten Untergrund für Malereien und <i>Sgraffito</i> abgeben.</fontsize></P>
<line no="20" page="85"/>  <P> Sehr häufig findet man die Fassaden von Putzbauten mit der Nachahmung<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">95.|Quaderputz.</fontsize></sidenote>
<line no="21" page="85"/>  eines Quaderfugenwerkes ausgestattet; man spricht dann von »Quaderputz«. So
<line no="22" page="85"/>  lange diese Verzierungsweise sich innerhalb der Grenzen hält, welche Werkstoff und
<line no="23" page="85"/>  Stilgesetze ziehen, ist sie als eine berechtigte zu betrachten und wohl geeignet, große
<line no="24" page="85"/>  Wandflächen zu beleben und Mängel in der Färbung derselben zu verdecken. Sie
<line no="25" page="85"/>  wird aber unzulässig und verwerflich, wenn sie Nachahmung der Wirkungen von
<line no="26" page="85"/>  derbem Quaderwerk bezweckt, also das Gebiet der Flächenverzierung verläßt und
<line no="27" page="85"/>  besondere bauliche Vorkehrungen, wie Vormauern der Quaderspiegel in Backsteinen,
<line no="28" page="85"/>  veranlaßt. Die Herstellung der Fugen muß sich auf ein Einreißen derselben <break>beschränken,</break>
<line no="29" page="85"/>   ohne eine übermäßige Dicke des Putzes nötig zu machen.</P>
<line no="30" page="85"/>  <P> Die wagrechten Fugen werden zuerst auf der Putzfläche eingeteilt und <break>vorgezeichnet,</break>
<line no="31" page="85"/>   dann erst die lotrechten. Man reißt sie mit einem Grabstichel oder <break>Fugeisen</break>
<line no="32" page="85"/>   in den noch nicht ganz erhärteten Putz ein, indem man diese Werkzeuge an
<line no="33" page="85"/>  einem Richtscheite hinführt. Erhalten die Fugen ein Profil, so setzt man das <break>entsprechend</break>
<line no="34" page="85"/>   geformte Eisen in eine Art Hobel ein und führt dasselbe an einer mit
<line no="35" page="85"/>  Putzhaken befestigten, geradlinig gehobelten Latte hin<footnote to="154"/>.</P>
<line no="36" page="85"/>  <P pagebreak="firstpart"> Bei der Wahl einer der verschiedenen Putzarten wird einesteils der <break>Kostenpunkt,</break><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">96.|Wert der|verschiedenen|Putzarten.</fontsize></sidenote>
<line no="37" page="85"/>   anderenteils die gewünschte Zierwirkung entscheidend sein. Weniger oft
<line no="38" page="85"/>  kommt leider die Frage nach der Dauerhaftigkeit in Betracht. Mit Recht nimmt man
<line no="39" page="85"/>  wohl im allgemeinen an, daß der Putz mit rauher Oberfläche dauerhafter, als der
<line no="40" page="85"/>  glatte sei. Der Grund hierfür liegt darin, daß bei letzterem durch das Abreiben
<line no="41" page="85"/>  das Abbinden des Mörtels gestört wird. Dagegen kommt allerdings in Betracht,
<line no="42" page="85"/>  daß an der glatten Putzfläche sich weniger Staub ansetzt und das Wasser schneller
<line no="43" page="85"/>  abfließt, als an der rauhen. Gewiß ist die dauerhafteste und dabei eine sehr billige
<line no="44" page="85"/>  Putzart mit Kalkmörtel der im Mittelalter durchweg angewendete, mit der Kelle
<line no="45" page="85"/>  geglättete Berapp, der zumeist allerdings unseren verfeinerten neuzeitlichen Ansprüchen</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="46" page="85"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="151"/> Nähere Mitteilungen in der in Fußnote 149 angeführten Quelle, S. 164.</fontsize></P>
<line no="47" page="85"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="152"/> Siehe: Notizbl. des Arch.-Ver. zu Berlin. Neue Folge, Band I. Berlin 1847. S. 15.</fontsize></P>
<line no="48" page="85"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="153"/> D. R.-P. Nr. 48_614.</fontsize></P>
<line no="49" page="85"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="154"/> Ausführlicheres über Quaderputz in der in Fußnote 149 angeführten Quelle, S. 137 u. ff.</fontsize></P>
<page no="86"/>
<line no="1" page="86"/>  <P pagebreak="secondpart">im Aussehen nicht genügt. Gerühmt wird die Haltbarkeit des Spritzbewurfes, mit
<line no="2" page="86"/>  welchem man, beiläufig bemerkt, einfache verzierende Flächenteilungen durch
<line no="3" page="86"/>  Wechsel von glatten und rauhen Feldern oder Streifen auf leichte Weise erzielen
<line no="4" page="86"/>  kann. Die Erfahrung hat übrigens gezeigt, daß auch bei entsprechender Sorgfalt
<line no="5" page="86"/>  ein dauerhafter glatter Putz hergestellt zu werden vermag.</P>
</section> <section level="1" title="b) Anstriche."> <H1>b) Anstriche.</H1>
<line no="7" page="86"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">97.|Allgemeines.</fontsize></sidenote><P> Die Putzflächen werden in sehr vielen Fällen mit einem Ueberzug oder Anstrich
<line no="8" page="86"/>  versehen, entweder um sie in ihrem Ansehen zu verbessern, um sie abzufärben oder
<line no="9" page="86"/>  um sie selbst vor der Einwirkung der Witterung zu schützen und fester zu machen,
<line no="10" page="86"/>  oder um beides gleichzeitig zu erreichen. An den Fassaden kommen namentlich
<line no="11" page="86"/>  die Kalkfarben- und die Oelfarbenanstriche zur Anwendung. Die ersteren sind <break>wesentlich</break>
<line no="12" page="86"/>   nur Abfärbungsmittel, deren eigene Dauer man wohl etwas erhöhen kann, die
<line no="13" page="86"/>  aber nicht als schützende Ueberzüge gelten können und die man oft erneuern
<line no="14" page="86"/>  muß, um den Gebäuden, namentlich in den Städten, ein reinliches Aussehen zu <break>bewahren;</break>
<line no="15" page="86"/>   sie sind aber billig. Die Oelfarbenanstriche schützen den Putz <break>vortrefflich;</break>
<line no="16" page="86"/>   mit ihnen lassen sich beliebige Färbungen herstellen, die allerdings im ersten
<line no="17" page="86"/>  Jahre durch ihren Glanz stören, und sie lassen sich durch Abwaschen reinigen; aber
<line no="18" page="86"/>  sie sind teuer. Ihre Dauer ist ebenfalls eine beschränkte; denn sie bedürfen auch,
<line no="19" page="86"/>  besonders in dem Wetter ausgesetzter Lage, alle 5 bis 6 Jahre einer Erneuerung,
<line no="20" page="86"/>  da das Oel derselben, welches wesentlich die schützende Wirkung hervorbringt, in
<line no="21" page="86"/>  dieser Zeit sich verzehrt. In gesundheitlicher Beziehung haben sie den Nachteil,
<line no="22" page="86"/>  daß sie die Poren des Mauerwerkes vollständig verschließen und daher die zufällige
<line no="23" page="86"/>  Lüftung durch die Wände ganz aufheben. Namentlich wegen der hohen Kosten
<line no="24" page="86"/>  der Oelfarbenanstriche hat man vielfache Ersatzmittel für dieselben erfunden, <break>dieselben</break>
<line no="25" page="86"/>   aber doch noch nicht ganz zu ersetzen vermocht. Das Ideal eines solchen
<line no="26" page="86"/>  würde ein Anstrich sein, der bei großer Dauerhaftigkeit eine gleich schützende
<line no="27" page="86"/>  Wirkung wie jener mit Oelfarbe besitzt, und mit dem sich ohne Schwierigkeit gute
<line no="28" page="86"/>  Färbungen erzielen lassen, der dabei indes genügend durchlässig für Luft, aber nicht
<line no="29" page="86"/>  für Wasser bleibt.</P>
<line no="30" page="86"/>  <P> Eine verschönernde Abfärbung der Putzflächen wird meistens erforderlich, weil
<line no="31" page="86"/>  diese, besonders bei Herstellung aus hydraulischem Kalk oder Cement, eine <break>unangenehme</break>
<line no="32" page="86"/>   graue Farbe haben, die durch den sich festsetzenden Staub immer
<line no="33" page="86"/>  schlechter und unfreundlicher wird; auch ist sie selten gleichförmig genug wegen
<line no="34" page="86"/>  der gewöhnlich nicht gleichmäßig zu erzielenden Mörtelmischung. Aus letzterem
<line no="35" page="86"/>  Grunde ist auch eine Färbung des Putzmörtels in seiner Masse schwierig, abgesehen
<line no="36" page="86"/>  davon, daß viele Farben schädigend auf die Festigkeit des Mörtels wirken. Am
<line no="37" page="86"/>  besten gelingen derartige Färbungen noch mit von Natur lebhaft gefärbten Sanden.</P>
<line no="38" page="86"/>  <P> Als Farbe des Anstriches empfiehlt sich meistens ein heller, warmer Steinton.</P>
<line no="39" page="86"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">98.|Kalkfarben-|anstrich.</fontsize></sidenote><P pagebreak="firstpart"> Die Putzflächen bereitet man zur Aufnahme eines Kalkfarbenüberzuges durch
<line no="40" page="86"/>  dreimaligen Anstrich mit dünner Kalkmilch (1 Teil Weißkalk auf 4 bis 5 Teile
<line no="41" page="86"/>  Wasser) vor. Der Auftrag, das sog. Schlämmen, geschieht mit langstieligen Pinseln
<line no="42" page="86"/>  und muß dünn erfolgen, weil ein dicker Ueberzug abblättert. Die einfachste Färbung
<line no="43" page="86"/>  würde nun die mit reiner Kalkweiße sein, wenn das blendende Weiß derselben im
<line no="44" page="86"/>  Sonnenscheine nicht den Augen nachteilig wäre. Deshalb werden der Kalkmilch
<line no="45" page="86"/>  für mindestens zwei weitere Anstriche Farben, meist Erdfarben, zugesetzt, im <break>Verhältnis</break>
<line no="46" page="86"/>   von 1 : 1 oder, wenn Kalk das einzige Bindemittel ist, noch besser von 2 : 1.</P>
<page no="87"/>
<line no="1" page="87"/>  <P pagebreak="secondpart">Ist der Putz sehr scharf und rauh, so muß der Auftrag dreimal erfolgen. Dabei
<line no="2" page="87"/>  muß die Farbe recht flüssig gehalten, voll aufgetragen und mit dem Pinsel so <break>durchgezogen</break>
<line no="3" page="87"/>   werden, daß sie auf der Fläche nicht mehr fließt.</P>
<line no="4" page="87"/>  <P> Zur Herstellung von steinfarbigen Tönen kann man hellen Ocker, geschlämmte
<line no="5" page="87"/>  Umbra, Frankfurterschwarz und Englischrot in verschiedenen Mischungsverhältnissen,
<line no="6" page="87"/>  sowohl unter sich als zur Kalkweiße, verwenden. Englischrot und Umbra sind aber
<line no="7" page="87"/>  mit Vorsicht zu benutzen, da sie, der Mischung in zu großer Menge zugesetzt, ein
<line no="8" page="87"/>  unangenehmes, brandiges Aussehen geben<footnote to="155"/>. Zu einem Eimer Farbe soll man
<line no="9" page="87"/>  für den ersten Anstrich 375<highlow type="high">g</highlow> in heißem Wasser aufgelöste Schmierseife, zu den
<line no="10" page="87"/>  folgenden nur 125<highlow type="high">g</highlow> davon zusetzen. Die Farben werden in weichem Wasser <break>eingeweicht</break>
<line no="11" page="87"/>   und dann der Kalkmilch zugemischt.</P>
<line no="12" page="87"/>  <P> Will man einen fleckenlosen Anstrich erzielen, so muß der Putz vollständig
<line no="13" page="87"/>  trocken sein; auch muß man einen zwar warmen Tag wählen, aber eine Zeit, in
<line no="14" page="87"/>  welcher die Sonne nicht auf die Fläche brennt; dabei muß die Anstricharbeit rasch
<line no="15" page="87"/>  ausgeführt werden.</P>
<line no="16" page="87"/>  <P> Um die Kalkfarbenanstriche dauerhafter zu machen, setzt man ihnen mitunter
<line no="17" page="87"/>  Alaun oder Kochsalz oder Seifensiederlauge zu, oder man nimmt an Stelle des
<line no="18" page="87"/>  Wassers Milch (Milchfarbenanstriche).</P>
<line no="19" page="87"/>  <P> <fontsize change="-1">Zur Herstellung eines Milchfarbenanstriches, der auch auf Cementputz gut haftet, wird der frisch
<line no="20" page="87"/>  gebrannte Kalk in so viel reiner Milch gelöscht, als man sonst Wasser nimmt. Nach 24 Stunden Stehen
<line no="21" page="87"/>  wird der dicke Brei mit Milch verdünnt und die ebenfalls mit Milch für sich angeriebene Farbe zugesetzt.
<line no="22" page="87"/>  Zwei bis drei Anstriche sind notwendig; Verdünnungen sollen nur mit Milch erfolgen.</fontsize></P>
<line no="23" page="87"/>  <P> Sehr dünn mit Wasser angemachter Portlandcement soll einen dauerhaften, <break>sandsteinfarbigen</break>
<line no="24" page="87"/>   Anstrich geben.</P>
<line no="25" page="87"/>  <P> Lehmputz ist vor einem Kalkfarbenanstrich mit Milch oder mit Wasser unter
<line no="26" page="87"/>  Zusatz von Alaun oder Schmierseife zu schlämmen<footnote to="156"/>.</P>
<line no="27" page="87"/>  <P> <fontsize change="-1">Ein haltbarer Anstrich auf Lehmputz soll auch auf folgende Weise erzielt werden: Zuerst Anstrich
<line no="28" page="87"/>  mit einer Mischung von Cement und Lehm, dann nach dem Trocknen Anstrich mit reinem Cement und
<line no="29" page="87"/>  zuletzt mit einer Milchkalkfarbe.</fontsize></P>
<line no="30" page="87"/>  <P> Vor dem Auftrag eines Oelfarbenanstriches müssen die Wände »grundiert«<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">99.|Oelfarben-|anstrich.</fontsize></sidenote>
<line no="31" page="87"/>  werden. Diese Grundierung besteht in einem Tränken des Putzes mit Leinölfirniß.
<line no="32" page="87"/>  Derselbe muß dabei so dünnflüssig sein, daß er alle Poren durchziehen kann, weil
<line no="33" page="87"/>  hierauf das feste Haften der Oelfarbe beruht; doch ist für Fassadenanstriche eine
<line no="34" page="87"/>  Verdünnung mit Terpentinöl nicht zu empfehlen. Da das ungekochte Leinöl flüssiger
<line no="35" page="87"/>  ist, als der Firniß, so wird auch dieses oft verwendet; doch muß es vorher geklärt
<line no="36" page="87"/>  worden sein. Wird der Firniß ganz vom Putz aufgesogen, so muß die Grundierung
<line no="37" page="87"/>  wiederholt werden. Verkehrt ist es aber, der Kostenersparnis wegen die Grundierung
<line no="38" page="87"/>  mit Oelfirniß durch eine solche mit Leimwasser oder einer dünnen Leimfarbe zu
<line no="39" page="87"/>  ersetzen; das Oel der nachfolgenden Anstriche wird dadurch am Eindringen in den
<line no="40" page="87"/>  Putz verhindert und der Anstrich nicht dauerhaft.</P>
<line no="41" page="87"/>  <P pagebreak="firstpart"> Auf den Grundanstrich folgen drei dünne Oelfarbenanstriche, denen Bleiweiß
<line no="42" page="87"/>  zugesetzt ist, von denen aber jeder erst ganz trocken sein muß, ehe ein folgender
<line no="43" page="87"/>  aufgetragen werden darf. Zusatz von etwas geschlämmter Kreide soll den Anstrich
<line no="44" page="87"/>  dauerhafter machen, ist aber für die letzten Anstriche nicht zu empfehlen. Um
<line no="45" page="87"/>  den unangenehmen Glanz des Anstriches zu beseitigen, nimmt man oft zum letzten</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="46" page="87"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="155"/> Siehe die Mitteilungen <i>Hempel</i>&#39;s in: <smallcaps>Romberg</smallcaps>&#39;s Zeitschr. f. prakt. Bauk. 1853, S. 315.</fontsize></P>
<line no="47" page="87"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="156"/> Ueber Kalkfarbenanstriche finden sich weitere Angaben u. a. in: <smallcaps>Fink,</smallcaps> F. Der Tüncher, Stubenmaler, Stuccator
<line no="48" page="87"/>  und Gypser. Leipzig 1866. S. 241.</fontsize></P>
<page no="88"/>
<line no="1" page="88"/>  <P pagebreak="secondpart">Auftrag etwas Wachsfarbe, was aber die Dauerhaftigkeit beeinträchtigt. Besser ist
<line no="2" page="88"/>  das Bestreuen mit feinem Sand.</P>
<line no="3" page="88"/>  <P> Oelfarbenanstriche dürfen nur auf ganz trockenen Wänden ausgeführt werden;
<line no="4" page="88"/>  denn feuchter Putz nimmt das Oel nicht an. Die Mauer muß aber auch innen
<line no="5" page="88"/>  trocken sein, weil durch die Oelfarbe ein weiteres Verdunsten der Feuchtigkeit <break>verhindert</break>
<line no="6" page="88"/>   wird und dies schädliche Folgen hat, sowohl für Mauer als Anstrich. Man
<line no="7" page="88"/>  soll daher den letzteren erst einige Jahre nach Vollendung der ersteren herstellen.</P>
<line no="8" page="88"/>  <P> Für die Ausführung empfehlen sich zwar besonders die Sommermonate wegen
<line no="9" page="88"/>  ihrer Trockenheit; indessen ist staubiges Wetter zu vermeiden.</P>
<line no="10" page="88"/>  <P> Schwierigkeiten bereitet das Anbringen von Oelfarbenanstrichen auf <break>Cementputz.</break>
<line no="11" page="88"/>   Derselbe bedarf dazu einer Vorbereitung, die am besten in mehrjährigem
<line no="12" page="88"/>  Stehenlassen besteht; auch bewährt sich Cement mit Kalkhydratzusatz besser, als
<line no="13" page="88"/>  reiner Cementputz. Vor allen Dingen darf letzterer keine neuen Ausblühungen
<line no="14" page="88"/>  mehr erzeugen, da diese ein Haften der Oelfarbe verhindern und dieselbe zersetzen
<line no="15" page="88"/>  würden; auch muß die Oberfläche etwas porig geworden sein, was beides durch
<line no="16" page="88"/>  die längere Einwirkung der Witterung zumeist erreicht wird. Die vorhandenen <break>Ausschläge</break>
<line no="17" page="88"/>   müssen dann vor dem Anstrich beseitigt werden. Dies geschieht durch <break>Abwaschen</break>
<line no="18" page="88"/>   mit verdünnter Schwefel-, Salz- oder Essigsäure (höchstens 5-prozentige
<line no="19" page="88"/>  Lösungen), wodurch der Putz auch eine feinkörnige Rauheit erhält, was das <break>Anhaften</break>
<line no="20" page="88"/>   des Anstriches befördert. Schwefelsäure ist den anderen beiden Säuren
<line no="21" page="88"/>  vorzuziehen, da die letzteren mit dem ausgeblühten kohlensauren Kalke <break>wasseranziehende</break>
<line no="22" page="88"/>   Salze bilden. Besser, als mit Säuren, soll sich eine Behandlung des
<line no="23" page="88"/>  Putzes mit einer Lösung von kohlensaurem Ammoniak (1 : 100) bewähren<footnote to="157"/>; auch
<line no="24" page="88"/>  soll dann der Anstrich schon kürzere Zeit nach der Vollendung des Putzes <break>aufgetragen</break>
<line no="25" page="88"/>   werden können.</P>
<line no="26" page="88"/>  <P> Vor dem Anstreichen, das einige Tage nach dem Abwaschen mit den Lösungen
<line no="27" page="88"/>  von Säuren oder kohlensaurem Ammoniak erfolgen kann, müssen die Wandflächen
<line no="28" page="88"/>  mit Wasser sorgfältig abgespült werden. Nachdem dieselben abgetrocknet sind, können
<line no="29" page="88"/>  die möglichst dünnen Oelfarbenanstriche aufgetragen werden.</P>
<line no="30" page="88"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">100.|Stereochromische|Anstriche.</fontsize></sidenote><P> Für Kalkmörtelputz kommen an Stelle der Oelfarben- auch die Wasserglas-
<line no="31" page="88"/>  oder stereochromischen Anstriche zur Anwendung. Die Urteile über dieselben sind
<line no="32" page="88"/>  zwar verschieden; doch scheinen sie bei vorsichtiger Behandlung gute Erfolge zu
<line no="33" page="88"/>  liefern und sind wesentlich billiger als die ersteren, wenn auch nicht so haltbar.</P>
<line no="34" page="88"/>  <P pagebreak="firstpart"> Die Behandlung besteht in einem Tränken der Putzflächen mit verdünntem
<line no="35" page="88"/>  Wasserglas (1 Gewichtsteil 33-gradiges Wasserglas auf 3 Gewichtsteile Regen- oder
<line no="36" page="88"/>  destilliertes Wasser) und nachfolgenden zwei Anstrichen aus Wasserglas mit <break>Farbezusatz.</break>
<line no="37" page="88"/>   Reiner Wasserglasanstrich wird  durch anhaltenden Regen aufgeweicht; durch
<line no="38" page="88"/>  Zusatz von gewissen Farben wird er aber im Wasser unlöslich. Nur Erd- und <break>Mineralfarben</break>
<line no="39" page="88"/>   sind hierzu geeignet, doch auch von diesen nur solche, welche durch das
<line no="40" page="88"/>  alkalische Wasserglas nicht zersetzt werden. Als passend werden bezeichnet: <break>Zinkweiß,</break>
<line no="41" page="88"/>   Chromgrün, Kobaltgrün, Chromrot, Zinkgelb, Eisenoxyd, Schwefelkadmium,
<line no="42" page="88"/>  Ultramarin, Ocker, Terra di Siena, Umbra, Kienruß, Beinschwarz, Graphit. Die
<line no="43" page="88"/>  Farben werden sehr fein mit Wasserglaslösung oder mit abgerahmter Milch, die mit
<line no="44" page="88"/>  gleich viel Wasser verdünnt ist, abgerieben. Die mit Wasserglas bereiteten Farben
<line no="45" page="88"/>  kommen unter dem Namen »Silikatfarben« in den Handel; sie sind vor Berührung
<line no="46" page="88"/>  mit Luft zu schützen, da sich sonst Kieselsäure gallertartig ausscheidet. Zur Her-</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="47" page="88"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="157"/> Ausführlicheres hierüber in: Deutsche Bauz. 1870, S. 349.</fontsize></P>
<page no="89"/>
<line no="1" page="89"/>  <P pagebreak="secondpart">stellung der Farben sowohl, als der Anstriche soll reines Kaliwasserglas oder doch
<line no="2" page="89"/>  solches, welches nur ganz wenig Natron enthält, verwendet werden, weil das letztere
<line no="3" page="89"/>  Veranlassung zu Auswitterungen von kohlensaurem Natron gibt. Diese sollen <break>allerdings</break>
<line no="4" page="89"/>   unschädlich sein und leicht durch Abwischen mit einem nassen Schwamme
<line no="5" page="89"/>  beseitigt werden können.</P>
<line no="6" page="89"/>  <P> Die Putzflächen, welche Wasserglasanstriche erhalten sollen, müssen ausgetrocknet
<line no="7" page="89"/>  sein, da etwa vorhandener Aetzkalk das Wasserglas rasch zersetzt; der Putzgrund
<line no="8" page="89"/>  muß andererseits aber auch rein sein, also noch nicht andere Anstriche gehabt
<line no="9" page="89"/>  haben. Auf der Vernachlässigung dieser Vorsichtsmaßregeln mögen viele Mißerfolge
<line no="10" page="89"/>  der stereochromischen Anstriche beruhen.</P>
<line no="11" page="89"/>  <P> Die letzteren bekommen Glanz, wenn man sie ein- oder zweimal mit reinem
<line no="12" page="89"/>  Wasserglas überzieht. Mit Vorteil kann man solche Ueberzüge auch über <break>Kalkweiße</break>
<line no="13" page="89"/>   und Kalkfarbenanstrichen anbringen, die dadurch viel haltbarer und fester
<line no="14" page="89"/>  werden; doch muß vorher eine Probe angestellt werden, da manche Farben sich
<line no="15" page="89"/>  unter der Einwirkung des Wasserglases ablösen.</P>
<line no="16" page="89"/>  <P> Stereochromische Anstriche können auch auf ungeputzten Quader- und <break>Backsteinmauern</break>
<line no="17" page="89"/>   ausgeführt werden; jedoch ist auch hierbei vorher zu untersuchen, wie
<line no="18" page="89"/>  das Steinmaterial sich zum Wasserglas verhält.</P>
<line no="19" page="89"/>  <P> Um dem Mauerputz Schutz gegen die Einwirkungen der Luft und des <break>Regenwassers</break><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">101.|Sonstige|Anstriche.</fontsize></sidenote>
<line no="20" page="89"/>   zu bieten, also um das Gleiche, wie mit Oelfarbenanstrichen ohne deren
<line no="21" page="89"/>  Mangel und billiger, als mit diesen, zu erreichen, sind, wie schon in Art. 97 (S. 86)
<line no="22" page="89"/>  erwähnt wurde, eine große Zahl von anderen Anstrichmitteln teils schon seit langer
<line no="23" page="89"/>  Zeit im Gebrauche, teils in neuerer Zeit erfunden worden. Ueber die meisten liegen
<line no="24" page="89"/>  leider keine ausreichenden oder zuverlässigen Mitteilungen vor<footnote to="158"/>.</P>
</section> <section level="1" title="c) Malerischer Schmuck."> <H1>c) Malerischer Schmuck.</H1>
<line no="26" page="89"/>  <P> Die eben besprochenen Anstriche werden, außer in der Absicht zu schützen,<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">102.|Allgemeines.</fontsize></sidenote>
<line no="27" page="89"/>  zwar auch in der zu verschönern angebracht; aber diese einfachste Art des Schmuckes
<line no="28" page="89"/>  geht nicht über das gewöhnliche Bedürfnis hinaus und ist in Rücksicht auf die
<line no="29" page="89"/>  Sauberkeit der Erscheinung selbst bei den geringsten, in Putz ausgeführten Gebäuden
<line no="30" page="89"/>  als notwendig geboten. Anders liegt es bei den nun zu besprechenden <break>Behandlungsweisen,</break>
<line no="31" page="89"/>   die nur zur Anwendung gelangen, wenn es sich um künstlerische <break>Ausschmückung</break>
<line no="32" page="89"/>   von Gebäudefassaden durch Malerei handelt. Von diesen sollen hier
<line no="33" page="89"/>  aber nur diejenigen kurz vorgeführt werden, die eines Putzes als Untergrund <break>bedürfen,</break>
<line no="34" page="89"/>   der also auch selbst dann bei malerischer Ausstattung von Fassaden <break>angebracht</break>
<line no="35" page="89"/>   werden muß, wenn diese sonst in Rohbau ausgeführt sind.</P>
<line no="36" page="89"/>  <P pagebreak="firstpart"> Die Mittel, deren die malerische Ausschmückung zu ihrer Ausführung bedarf,
<line no="37" page="89"/>  sind zwar zum großen Teile dieselben, wie sie bei den Anstricharten angewendet
<line no="38" page="89"/>  werden; in der Regel bedient man sich aber ausgedehnterer Vorkehrungen, um den
<line no="39" page="89"/>  durch Künstlerhand ausgeführten ornamentalen oder figürlichen Malereien die <break>größtmöglichste</break>
<line no="40" page="89"/>   Dauer zu verschaffen. Leider ist es für unser nordisches Klima bis jetzt
<line no="41" page="89"/>  nicht gelungen, diese in Verhältnis zu bringen zu der der monumentalen Bauwerke
<line no="42" page="89"/>  selbst, in deren architektonischen Ausstattung dieselben ein nicht unwesentliches Glied
<line no="43" page="89"/>  zu bilden bestimmt sind. Auch die viel versprechende <i>Keim</i>&#39;sche Mineralmalerei
<line no="44" page="89"/>  muß in dieser Beziehung noch die Probe bestehen. Unerreichbar in ihrer Dauer</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="45" page="89"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="158"/> Eine Anzahl solcher Anstrichmittel, auch für Cementputz, wurde mit Quellenangaben in der 1. Auflage dieses
<line no="46" page="89"/>  Heftes (Art. 100, S. 100) besprochen.</fontsize></P>
<page no="90"/>
<line no="1" page="90"/>  <P pagebreak="secondpart">und deshalb die monumentalste Malerei bleibt die nicht durch Farbenauftrag, sondern
<line no="2" page="90"/>  durch Zusammensetzung in der Masse gefärbter Stücke erzielte: das Mosaik.</P>
<line no="3" page="90"/>  <P> Ueber die malerische Ausschmückung in Oelfarben, über die in bautechnischer
<line no="4" page="90"/>  Beziehung hier nichts Neues weiter beizubringen ist, kann ganz hinweggegangen
<line no="5" page="90"/>  werden; ebenso können wir uns mit der Freskomalerei, die für die Anwendung im
<line no="6" page="90"/>  Freien sich als zu wenig dauerhaft erwiesen hat, sehr kurz fassen.</P>
<line no="7" page="90"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">103.|<i>Sgraffito.</i></fontsize></sidenote><P> Eine vorzüglich für den künstlerischen Schmuck von Putzflächen geeignete <break>Malweise</break>
<line no="8" page="90"/>   ist die des <i>Sgraffito</i><footnote to="159"/>. Bei demselben wird ein dunkler Putzgrund mit einer
<line no="9" page="90"/>  hellen Tünche überzogen und aus dieser letzteren, solange der Putz noch feucht
<line no="10" page="90"/>  ist, die Zeichnung herausgekratzt, so daß dieselbe sich in dunklen Umrissen abhebt
<line no="11" page="90"/>  und durch Schraffierungen Körperschatten erhalten kann. Es ist aber nicht <break>ausgeschlossen,</break>
<line no="12" page="90"/>   namentlich bei Ornamenten, durch Flächenabhebung die Zeichnung
<line no="13" page="90"/>  dunkel auf hell oder umgekehrt erscheinen zu lassen. Es darf, wie bei der <break>Freskomalerei,</break>
<line no="14" page="90"/>   an einem Tag nur so viel Putz fertig gestellt werden, als man mit Malerei
<line no="15" page="90"/>  zu bedecken vermag. Dies bedingt rasches, nicht ängstliches Arbeiten und einfache,
<line no="16" page="90"/>  nicht kleinliche Behandlung des Kartons, was aber gerade monumentaler und zur
<line no="17" page="90"/>  architektonischen Gliederung der Fassaden passender Wirkung förderlich ist.</P>
<line no="18" page="90"/>  <P> Die Dauer der <i>Sgraffito-</i>Malereien ist abhängig zunächst von der des <break>Kalkweißeüberzuges,</break>
<line no="19" page="90"/>   also von dem Haften dieses auf dem Untergrunde, und dann vom
<line no="20" page="90"/>  festen Zusammenhang der einzelnen Schichten dieses letzteren. Demnach muß der
<line no="21" page="90"/>  gesamte Putz eine innig zusammenhängende feste Masse bilden, die nur langsam
<line no="22" page="90"/>  trocknen darf, um Zeit zur Ausführung größerer Bildflächen zu gewähren. Dies
<line no="23" page="90"/>  bedingt aber übrigens wie bei allen malerischen Ausschmückungen, abgesehen von
<line no="24" page="90"/>  den Maßnahmen zur Erzielung eines dunklen Untergrundes, eine besonders <break>vorsichtige</break>
<line no="25" page="90"/>   Behandlung des Putzes. Hierin, wohl aber auch oft in dem Bestreben, die
<line no="26" page="90"/>  einfache Kunstweise der schwarzen Zeichnung auf weißem Grunde durch bunte
<line no="27" page="90"/>  Farbenwirkungen zu ersetzen, mag der Grund für die häufig zu treffende geringe
<line no="28" page="90"/>  Dauer moderner <i>Sgraffiti</i> liegen. Das Verfahren der italienischen Erfinder (wie
<line no="29" page="90"/>  man annimmt, des XV. Jahrhundertes) ist uns nicht genügend bekannt; es wäre
<line no="30" page="90"/>  vielleicht auch für unser Klima nicht passend. Wir thun daher gut, uns an <break>diejenigen</break>
<line no="31" page="90"/>   neueren Ausführungsweisen zu halten, die wirklich dauerhafte Ergebnisse
<line no="32" page="90"/>  geliefert haben. Unter diesen steht immer noch obenan diejenige <i>G. Semper</i>&#39;s,
<line no="33" page="90"/>  welcher auch das Verdienst hat, das <i>Sgraffito</i> zuerst wieder in Deutschland <break>eingeführt</break>
<line no="34" page="90"/>   zu haben.</P>
<line no="35" page="90"/>  <P> <fontsize change="-1">Sein auf dem Wege des Versuches gefundenes Verfahren, einen für <i>Sgraffito</i> geeigneten, glashart,
<line no="36" page="90"/>  nicht rissig werdenden und nicht abblätternden Putz zu erzeugen, ist kurz das folgende<footnote to="160"/>.</fontsize></P>
<line no="37" page="90"/>  <P pagebreak="firstpart"> <fontsize change="-1">Das Mauerwerk wird zuerst auf gewöhnliche Weise mit einem Mörtel berappt, dem, um ihm eine
<line no="38" page="90"/>  schärfere Rauhigkeit zu geben, 10 Prozent des groben Kiessandes an grob gestoßener Steinkohlenschlacke
<line no="39" page="90"/>  zugesetzt ist. Auf diesen trocken gewordenen Untergrund wird ein zweiter Auftrag gebracht, der dick
<line no="40" page="90"/>  genug ist, die Unebenheiten des ersten zu decken und auszugleichen, und welcher glatt geebnet und fest
<line no="41" page="90"/>  gedrückt wird. Derselbe besteht aus 5 Teilen gepulvertem Wetterkalk (schwach hydraulischer Kalk, der
<line no="42" page="90"/>  langsam unter Sanddecke gelöscht wurde), 6 Teilen schwarzem scharfem Flußsande, 2 Teilen grob <break>gestoßenen</break>
<line no="43" page="90"/>   Steinkohlenschlacken (unter welchen sich Körner von der Größe kleiner Schrote befinden können).
<line no="44" page="90"/>  Auf diesen noch feuchten Auftrag kommt ein dritter, dessen Zusammensetzung die folgende ist: 4 Teile
<line no="45" page="90"/>  gepulverten Kalk (wie vorher), 3 Teile schwarzer Sand, 4 Teile Schlacken (so fein wie Sand gestoßen),
<line no="46" page="90"/>  1 Teil Holzkohlenstaub und Frankfurterschwarz nach Belieben zur Verstärkung der Schwärze des Mörtels.
<line no="47" page="90"/>  Dieses, sowie die Holzkohle sind in der Menge vorsichtig zu bemessen. Ist diese Schicht fest angedrückt</fontsize></P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="48" page="90"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="159"/> Siehe hierüber auch Teil IV, Halbband 1 (Art. 137, S. 135 [2. Aufl.: Art. 143, S. 155]).</fontsize></P>
<line no="49" page="90"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="160"/> Nach: <smallcaps>Semper,</smallcaps> G. Kleine Schriften. Berlin und Stuttgart 1884, S. 508 u. ff.</fontsize></P>
<page no="91"/>
<line no="1" page="91"/>  <P pagebreak="secondpart"><fontsize change="-1">und geebnet, so folgt, ehe sie trocken ist, eine vierte dünne Oberschicht aus 3<sup>1</sup>/<sub>4</sub> Teilen Kalk (wie oben),
<line no="2" page="91"/>  2 Teilen Sand, 4 Teilen Schlacken, 1 Teil Holzkohlenstaub und <sup>1</sup>/<sub>4</sub> Teil Frankfurter Schwarz &#8212; alles
<line no="3" page="91"/>  durch ein Haarsieb gesiebt. Zuletzt nimmt man zum Abglätten die gleiche Mischung, jedoch nur mit 1 Teil
<line no="4" page="91"/>  Sand. Auf den feuchten, sorgfältig geglätteten Putz kommt dann ein dreimaliger Anstrich mit Kalkmilch,
<line no="5" page="91"/>  der nur den schwarzen Grund zu decken bestimmt ist und etwa 3<highlow type="high">mm</highlow> dick ist.</fontsize></P>
<line no="6" page="91"/>  <P> <fontsize change="-1"><i>Semper</i> hält das Zusetzen von Erdfarbe zur Kalkmilch, um das grelle Weiß zu dämpfen, weil
<line no="7" page="91"/>  leicht Flecken entstehen, für gefährlich. Bei der Sternwarte in Zürich hat er diese Dämpfung durch eine
<line no="8" page="91"/>  nach dem Erhärten des Putzes aufgetragene Lösung von Asphalt in Lauge gut erreicht.</fontsize></P>
<line no="9" page="91"/>  <P> <fontsize change="-1"><i>Mothes</i> hat dieses Verfahren, welches wegen des viermaligen Putzauftrages etwas kostspielig ist und
<line no="10" page="91"/>  sonst auch noch einige Schwächen besitzen soll, zu verbessern gesucht. Indem hierüber auf die unten
<line no="11" page="91"/>  angeführten Quellen<footnote to="161"/> verwiesen wird, sei hier nur so viel mitgeteilt, daß nach <i>Mothes</i> der Berapp im
<line no="12" page="91"/>  Sommer oder Herbst ausgeführt und über den Winter stehen bleiben soll, daß dann nur noch zwei weitere
<line no="13" page="91"/>  Putzaufträge außer den drei Kalkweißeanstrichen notwendig sind und daß dann später noch Schutzanstriche
<line no="14" page="91"/>  von heißem Leinölfirniß oder einer Lösung von Asphalt in einem flüchtigen Oel folgen sollen. Die <break>Mörtelbewürfe</break>
<line no="15" page="91"/>   sind etwas anders gemischt, als die <i>Semper</i>&#39;schen; besonders ist auf die verschiedene Fettigkeit des
<line no="16" page="91"/>  Kalkes Rücksicht genommen; auch können dem obersten Putzgrund verschiedenartige Farben zugesetzt
<line no="17" page="91"/>  werden. Der Kalkmilchanstrich soll nicht unter 1<sup>3</sup>/<sub>4</sub> und nicht über 1<sup>3</sup>/<sub>4</sub><highlow type="high">mm</highlow> stark sein.</fontsize></P>
<line no="18" page="91"/>  <P> <fontsize change="-1">Schließlich sei hier noch das Verfahren mitgeteilt, nach welchem die <i>Sgraffito</i> - Malerei der
<line no="19" page="91"/>  <i>Augustus-</i>Straßenfront des kgl. Stallhofes in Dresden, eine der ausgedehntesten Ausführungen dieser Art
<line no="20" page="91"/>  in neuerer Zeit (Anfang der siebenziger Jahre), hergestellt worden ist<footnote to="162"/>. Die Mauer wird tüchtig genäßt
<line no="21" page="91"/>  und mit einem Mörtel aus Spitzgrundkalk (hydraulischer Kalk), scharfkantigem Elbkies und gestoßenen,
<line no="22" page="91"/>  reinen Steinkohlenschlacken (<sup>1</sup>/<sub>2</sub> Kies, <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Schlacken) berappt und einige Wochen stehen gelassen. Vor
<line no="23" page="91"/>  dem Auftrag des zweiten Putzes werden mit einem stumpfen Rutenbesen alle Staub- und losen Mörtelteile
<line no="24" page="91"/>  beseitigt und der Untergrund stark angenäßt. Der zweite Putz besteht aus 2 Raumteilen sein gestoßenen,
<line no="25" page="91"/>  gesiebten Schlacken, 1<sup>1</sup>/<sub>2</sub> Raumteilen feinem Kies oder grobem Sand, 1 Raumteil steifem Kalk und <sup>1</sup>/<sub>4</sub> <break>Raumteil</break>
<line no="26" page="91"/>   Frankfurter Schwarz (I. Qualität), 1<highlow type="high">cm</highlow> stark aufgetragen, abgezogen und etwa 1<sup>1</sup>/<sub>2</sub> bis 2 Stunden stehen
<line no="27" page="91"/>  gelassen. Der dritte Putz hat dieselbe Mischung, wie der zweite; nur müssen der feine gewaschene Sand
<line no="28" page="91"/>  und die gepulverten Schlacken durch ein Haarsieb gesiebt werden. Derselbe wird mit der Tünchscheibe
<line no="29" page="91"/>  und vorzüglich mit der Kelle, mit Anwendung aller Kraft, solange bearbeitet, bis eine ganz glatte <break>Oberfläche</break>
<line no="30" page="91"/>   erscheint. Dann wird sofort die mit einer Erdsarbe (Ocker) gemischte Kalkweiße mittels eines breit
<line no="31" page="91"/>  gebundenen Borstenpinsels aufgetragen. Beim ersten Strich nimmt man nur Kalkweiße, beim zweiten <break>Kalkweiße</break>
<line no="32" page="91"/>   mit etwas Farbe, beim dritten soviel Farbe, als der gewünschte Ton verlangt. Um einen <break>gleichmäßigen</break>
<line no="33" page="91"/>   Grund zu erhalten, muß möglichst viel von jeder Mischung vorrätig gehalten werden. Nach
<line no="34" page="91"/>  Verlauf einer Stunde wird die Zeichnung aufgepaust, am besten erst die Umrisse, dann die Körperschatten
<line no="35" page="91"/>  (Schlagschatten nur, wenn es die Klarheit der Zeichnung erfordert).</fontsize></P>
<line no="36" page="91"/>  <P> Die auf den sorgfältigst hergestellten Putzgrund aufgepauste Zeichnung wird mit
<line no="37" page="91"/>  eisernen Griffeln eingegraben. Die Form der letzteren ist nach dem Belieben des
<line no="38" page="91"/>  Malers verschieden, entweder meißel-, löffel- oder messerartig. Auch wendet man
<line no="39" page="91"/>  besondere Werkzeuge zum Ziehen von parallelen Linien oder konzentrischen Kreisen
<line no="40" page="91"/>  an. Fortlaufende Ornamente, wie Mäander, Flechtbänder u. s. w., können mit Hilfe
<line no="41" page="91"/>  von Blechschablonen ausgeschnitten werden. Zweckmäßig ist es jedenfalls, die
<line no="42" page="91"/>  unteren Kanten der eingeschnittenen oder eingekratzten Linien nach außen schräg
<line no="43" page="91"/>  abfallen zu lassen, damit das Regenwasser nicht auf den Vorsprüngen stehen
<line no="44" page="91"/>  bleiben kann.</P>
<line no="45" page="91"/>  <P> <fontsize change="-1">Nach <i>Mothes</i> soll man die Umrisse und Schraffierungen der Zeichnung mehr ausschneiden, als kratzen,
<line no="46" page="91"/>  so z. B. starke Umrißstriche von etwa 4 bis 6<highlow type="high">mm</highlow> Breite in der Weise herstellen, daß man von beiden
<line no="47" page="91"/>  Seiten Schnitte mit etwas nach dem Inneren des Striches gekehrter Messerspitze führt, damit der <break>benachbarte,</break>
<line no="48" page="91"/>   stehen bleibende Kalkmilchüberzug nicht untergraben wird. Der zwischen beiden Schnitten liegende
<line no="49" page="91"/>  Teil soll dann vorsichtig mit einem meißelartigen Werkzeug von stumpfer Schneide herausgehoben werden,
<line no="50" page="91"/>  um den schwarzen Untergrund möglichst wenig zu verletzen.</fontsize></P>
<line no="51" page="91"/>  <P pagebreak="firstpart"> Eine der ältesten Malweisen mit bunten Farben ist die der Freskomalerei, welche</P><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">104.|Freskomalerei.</fontsize></sidenote>
<footnotes> </footnotes>
<line no="52" page="91"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="161"/> Mitteilungen hierüber in: <smallcaps>Romberg</smallcaps>&#39;s Zeitschr. f. prakt. Bauk. 1875, S. 3 &#8212; und: <smallcaps>Mothes,</smallcaps> O. Illustrirtes <break>Baulexikon.</break>
<line no="53" page="91"/>   3. Aufl. Leipzig und Berlin 1877.</fontsize></P>
<line no="54" page="91"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="162"/> Nach gütiger Mitteilung des bauleitenden Architekten, Herrn Geh. Hofrat Professor <i>K. Weißbach</i> in Dresden.</fontsize></P>
<page no="92"/>
<line no="1" page="92"/>  <P pagebreak="secondpart">sich dadurch kennzeichnet, daß, wie beim <i>Sgraffito,</i> nur so lange gemalt werden
<line no="2" page="92"/>  kann, als der Putz noch feucht, frisch <i>(fresco)</i> ist, und daß diejenigen Putzflächen,
<line no="3" page="92"/>  die an einem Arbeitstage nicht bemalt werden konnten, beseitigt werden müssen. Es
<line no="4" page="92"/>  kommt also auch bei dieser Art der Malerei darauf an, einen dauerhaften, dabei
<line no="5" page="92"/>  langsam trocknenden Putz als Malgrund herzustellen.</P>
<line no="6" page="92"/>  <P> Die Herstellung desselben unterscheidet sich übrigens nicht von der des <break>gewöhnlichen.</break>
<line no="7" page="92"/>   Nachdem die Fugen ausgeschweißt sind, wird ein Berapp aus grobem,
<line no="8" page="92"/>  womöglich mit Kieseln vermengtem Kalkmörtel aufgetragen, auf welchen, nachdem
<line no="9" page="92"/>  derselbe vollständig trocken, aufgekratzt und angefeuchtet worden ist, ein zweiter
<line no="10" page="92"/>  Ueberzug kommt. Auf diesen folgt nach starker Anfeuchtung der eigentliche <break>Malgrund</break>
<line no="11" page="92"/>   aus einem sehr sorgfältig mit geschlämmtem und fein gesiebtem Sande und
<line no="12" page="92"/>  sehr lange (1 Jahr) eingesumpftem Kalke bereiteten Mörtel. Nach dem vollständigen
<line no="13" page="92"/>  Ebnen, bezw. Glätten des Malgrundes wird die Zeichnung aufgepaust und das <break>Auftragen</break>
<line no="14" page="92"/>   der Farben (Wasserfarben, die durch Aetzkalk nicht verändert werden) <break>möglichst</break>
<line no="15" page="92"/>   rasch vorgenommen. Die Farben dringen in den Putz ein und werden beim
<line no="16" page="92"/>  Trocknen desselben mit einer dünnen Haut von kohlensaurem Kalk überzogen, welche
<line no="17" page="92"/>  wesentlich die Dauer desselben bedingt. <i>Gottgetreu</i><footnote to="163"/> hält das Glätten des Putzes
<line no="18" page="92"/>  der Dauerhaftigkeit der Malerei nicht förderlich; dem widerspricht die Uebung der
<line no="19" page="92"/>  Römer, welche für ihre Freskomalereien einen möglichst glatten, förmlich polierten
<line no="20" page="92"/>  Putz aus Marmorstuck anwendeten<footnote to="164"/>.</P>
<line no="21" page="92"/>  <P> Die Freskomalerei erlaubt, wie das <i>Sgraffito,</i> keine ängstliche, sondern verlangt
<line no="22" page="92"/>  einfache, große Behandlung und setzt eine genaue Kenntnis des Verhaltens der
<line no="23" page="92"/>  Farben voraus, die beim Auftragen einen anderen Ton zeigen, als später. Prüfen
<line no="24" page="92"/>  kann man die gemischten Farben auf einem Stück Umbra, welche das Wasser <break>derselben</break>
<line no="25" page="92"/>   rasch anzieht und sie sogleich im Zustande der Trockenheit zeigt.</P>
<line no="26" page="92"/>  <P> Verbesserungen von verfehlten Stellen sind nicht gut möglich; dieselben müssen
<line no="27" page="92"/>  beseitigt und neu auf frischem Putze wiederholt werden.</P>
<line no="28" page="92"/>  <P> Die Freskomalereien haben nicht die störenden Glanzlichter, wie die in <break>Oelfarben</break>
<line no="29" page="92"/>   ausgeführten; leider haben die neueren Ausführungen in unserem Klima,
<line no="30" page="92"/>  namentlich an den Wetterseiten, nur verhältnismäßig geringe Dauer bewiesen. Sie
<line no="31" page="92"/>  können nur in den Sommermonaten ausgeführt werden.</P>
<line no="32" page="92"/>  <P> Gut bewährt haben sich nach Art des Fresko hergestellte Fassadenanstriche.
<line no="33" page="92"/>  Nach <i>Gottgetreu</i> soll es zweckmäßig sein, solche Anstriche nicht gleichmäßig, sondern
<line no="34" page="92"/>  mit einer Quader- oder sonstigen Feldereinteilung auszuführen<footnote to="165"/>.</P>
<line no="35" page="92"/>  <P> <fontsize change="-1">Ueber die verschiedenen Verfahrungsarten zur Abnahme und Wiederanbringung von Freskomalereien
<line no="36" page="92"/>  sind in den unten angeführten Quellen Angaben enthalten<footnote to="166"/>.</fontsize></P>
<line no="37" page="92"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">105.|Stereochromie.</fontsize></sidenote><P pagebreak="firstpart"> Um die Schwierigkeiten der Freskomalerei zu vermeiden und um <break>witterungsbeständigere</break>
<line no="38" page="92"/>   Malereien zu erzielen, wurde die Stereochromie, die Malerei mit Hilfe
<line no="39" page="92"/>  des Wasserglases, erfunden. Während man bei den stereochromischen Anstrichen</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="40" page="92"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="163"/> In: Lehrbuch der Hochbauconstructionen. Teil I. Berlin 1880. S. 288.</fontsize></P>
<line no="41" page="92"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="164"/> Nach <i>Donner</i> (Die erhaltenen antiken Wandmalereien in technischer Beziehung. Leipzig 1869) sind die meisten
<line no="42" page="92"/>  Wandgemälde von Pompeji und Herculanum <i>al fresco</i> hergestellt. Auch <i>Schmidt</i> (in seinem Gutachten über die Restauration
<line no="43" page="92"/>  des Rathauses in Breslau: Wochbl. f. Arch. u. Ing. 1880, S. 245) hält die Dauer alter Wandmalereien außer in dem <break>Ueberzug</break>
<line no="44" page="92"/>   von Kalksinter in der streng durchgeführten Glättung der oberen, nur 3 bis 5<highlow type="high">mm</highlow> dicken, mit Marmorstaub hergestellten
<line no="45" page="92"/>  Putzschicht begründet. Diese dürfte aber nicht mit einem hölzernen Reibebrett erfolgt sein, sondern mit flach gerundeten
<line no="46" page="92"/>  Marmor- oder Glasplättchen. Die Glätte soll das Anhaften des Staubes und der Niederschläge auf ein Minimum beschränken
<line no="47" page="92"/>  und dadurch die Dauer befördern. &#8212; <i>Kronner</i> hält eine genügende Entwickelung von Kalksinterüberzug nur durch <break>beträchtliche</break>
<line no="48" page="92"/>   Putzdicke gesichert. Derselbe verwirft auch die Verwendung von Kalkdeckfarben. (Genaue Schilderung seines Verfahrens
<line no="49" page="92"/>  in: Techn. Mittheilungen f. Malerei, Jahrg. 5, S. 124.)</fontsize></P>
<line no="50" page="92"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="165"/> Ueber Freskofarbenanstriche siehe: <smallcaps>Hüttmann,</smallcaps> L. Der Gipser etc. Weimar 1883. S. 260.</fontsize></P>
<line no="51" page="92"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="166"/> Techn. Mittheilungen f. Malerei, Jahrg. 3, S. 13, 15; Jahrg. 5, S. 5, 13. &#8212; Centralbl. d. Bauverw. 1887, S. 206.</fontsize></P>
<page no="93"/>
<line no="1" page="93"/>  <P pagebreak="secondpart">(siehe Art. 100, S. 88) sich mit einer Vorbereitung des Putzes durch Tränken mit
<line no="2" page="93"/>  Wasserglas begnügt, bedarf es für wertvollere Malereien eines besonders zubereiteten
<line no="3" page="93"/>  Malgrundes, dessen Herstellung im Anfang Schwierigkeiten verursachte und Mängel
<line no="4" page="93"/>  aufwies<footnote to="167"/>.</P>
<line no="5" page="93"/>  <P> Ein für die Stereochromie geeigneter Malgrund soll eine durch und durch
<line no="6" page="93"/>  gleiche, steinartige Festigkeit besitzen, soll mit der Mauer unzertrennbar verbunden
<line no="7" page="93"/>  und weiß sein, sowie gut und überall gleichmäßig die Farben einsaugen. Diesen
<line no="8" page="93"/>  Forderungen soll der in Bayern 1866 patentierte, von <i>Schweizer</i> erfundene Malgrund
<line no="9" page="93"/>  entsprechen.</P>
<line no="10" page="93"/>  <P> <fontsize change="-1">Der <i>Schweizer</i>&#39;sche Malgrund besteht aus kohlensaurem Kalk, Cement und Quarzsand, vermischt mit
<line no="11" page="93"/>  einer Kaliwasserglaslösung, von welcher so viel zugesetzt wird, daß die Masse mit dem Pinsel aufgetragen
<line no="12" page="93"/>  werden kann. Je poriger der Untergrund ist, um so mehr muß Wasserglas zugesetzt werden. Als <break>kohlensaurer</break>
<line no="13" page="93"/>   Kalk kann Kreide oder Marmorpulver verwendet werden. Der Sand muß rein gewaschen und
<line no="14" page="93"/>  gleichkörnig sein. Das Korn kann für Bilder, die aus der Nähe betrachtet werden, feiner genommen
<line no="15" page="93"/>  werden, als für entferntere. Die Menge des kohlensauren Kalkes und Quarzsandes zusammen soll das 3- bis
<line no="16" page="93"/>  4fache vom Rauminhalt des Cementes betragen, weil sonst leicht Sprünge im Malgrunde entstehen. Infolge
<line no="17" page="93"/>  des im Cement enthaltenen freien Aetzkalkes erstarrt die Masse sehr rasch und darf deshalb nur in kleinen
<line no="18" page="93"/>  Mengen angemacht und muß rasch aufgetragen werden. Als Untergrund kann man gewöhnlichen Kalk-
<line no="19" page="93"/>  oder Cementputz verwenden.</fontsize></P>
<line no="20" page="93"/>  <P> <fontsize change="-1">Dieser Malgrund kann auch auf gebrannten Thonplatten ausgeführt werden, da diese porig sind,
<line no="21" page="93"/>  auch verträgt er die Hitze<footnote to="168"/>.</fontsize></P>
<line no="22" page="93"/>  <P> Auf den fertigen Malgrund wird unter öfterem Anfeuchten desselben mit in
<line no="23" page="93"/>  Wasser angeriebenen Farben gemalt, welche mit Rücksicht auf ihr Verhalten zum
<line no="24" page="93"/>  Wasserglas vorsichtig gewählt werden müssen. Schließlich wird das Gemälde durch
<line no="25" page="93"/>  Bespritzen mit Wasserglas (sog. Fixierungswasserglas) gefestigt, und zwar mittels
<line no="26" page="93"/>  Spritzen, die dasselbe staubartig verteilen.</P>
<line no="27" page="93"/>  <P> Die stereochromischen Malereien sind glanzlos, wie die <i>al fresco</i> ausgeführten;
<line no="28" page="93"/>  sie sind aber bei weitem bequemer herzustellen, wie diese und mit geringeren
<line no="29" page="93"/>  Schwierigkeiten in der Farbengebung, als bei der letzteren. Immerhin macht sich
<line no="30" page="93"/>  unangenehm bemerklich, daß viele Farben infolge des freien Alkalis im Wasserglas
<line no="31" page="93"/>  nachträglich nach dem Fixieren einen dunkleren oder helleren Ton annehmen<footnote to="169"/>.</P>
<line no="32" page="93"/>  <P> Die Beschränkungen, welche die Fresko- und stereochromische Malerei in Bezug<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">106.|Kaseïnmalerei.</fontsize></sidenote>
<line no="33" page="93"/>  auf die Wahl der Farben auferlegt, fallen bei der Kaseïnmalerei weg, welche Farben
<line no="34" page="93"/>  verwendet, deren Bindemittel Kaseïn (Käsestoff) ist. Obgleich eine solche Benutzung
<line no="35" page="93"/>  des Käsestoffes schon lange bekannt ist, hat diese Art des Malens doch erst seit
<line no="36" page="93"/>  der Einführung der von <i>Jacobsen</i> auf besondere Weise angefertigten Kaseïnfarben
<line no="37" page="93"/>  mehr Verbreitung gefunden. Diese können lasierend und deckend Verwendung finden,
<line no="38" page="93"/>  bedürfen keines besonders vorbereiteten Untergrundes, sondern sollen am günstigsten
<line no="39" page="93"/>  sich auf gewöhnlichem Kalkmörtelputz verwerten lassen. Die Wirkung derselben ist
<line no="40" page="93"/>  kräftig und satt und verändert sich mit der Zeit nicht. Auch der Witterung soll
<line no="41" page="93"/>  diese Malerei nach gemachten Erfahrungen Widerstand leisten; doch sind diese wohl
<line no="42" page="93"/>  noch nicht in ausreichendem Grade vorhanden, um ein sicheres Urteil hierüber zu
<line no="43" page="93"/>  haben<footnote to="170"/>. Vielfach wird die Witterungsbeständigkeit verneint<footnote to="171"/>.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="44" page="93"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="167"/> Mitteilungen über die von <i>v. Fuchs</i> und <i>v. Pettenkofer</i> angegebenen Malgründe finden sich in der 1. Auflage
<line no="45" page="93"/>  dieses Heftes (Art. 104, S. 104).</fontsize></P>
<line no="46" page="93"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="168"/> Die Mitteilungen über den Malgrund nach: Deutsche Bauz. 1871, S. 316.</fontsize></P>
<line no="47" page="93"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="169"/> Die Reinigung stercochromischer Bilder von Staub hat neuerer Zeit mit Erfolg durch Behandlung mit Preßluft
<line no="48" page="93"/>  oder durch Abspritzen mit Regenwasser bewirkt werden können (siehe: Techn. Mittheilungen f. Malerei, Jahrg. 3, S. 8).</fontsize></P>
<line no="49" page="93"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="170"/> Ausführlicheres über Kafeïnmalerei in: Praktische und chemisch-technische Mittheilungen für Malerei 1885; Beilage
<line no="50" page="93"/>  zu Nr. 9 &#8212; sowie ebendas. 1886, S. 2 &#8212; ferner in: Deutsche Bauz. 1885, S. 339; 1886, S. 528.</fontsize></P>
<line no="51" page="93"/>  <P pagebreak="firstpart"> <fontsize change="-2"><footnote from="171"/> Vergl.: Baugwksztg. 1886, S. 974. &#8212; <i>Otzen</i> hat (nach: Deutsche Bauz. 1897, S. 590) die Erfahrung gemacht,</fontsize></P>
<page no="94"/>
<line no="1" page="94"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">107.|<i>Keim</i>&#39;sche|Mineralmalerei.</fontsize></sidenote><P> Eine ganz wesentliche Verbesserung der Stereochromie ist die auf deren <break>Grundlage</break>
<line no="2" page="94"/>   beruhende, von <i>Keim</i> erfundene sog. Mineralmalerei. Wie bei ersterer zerfällt
<line no="3" page="94"/>  das neue Verfahren in die drei Teile: Herstellung eines Untergrundes und eines <break>Malgrundes,</break>
<line no="4" page="94"/>   Malen und Fixieren der Farben. Die Verbesserungen erstrecken sich auf
<line no="5" page="94"/>  alle drei Abschnitte der Ausführung und lassen größere Wetterbeständigkeit, einen
<line no="6" page="94"/>  sehr gut und gleichmäßig saugenden, weißen Malgrund, durch das Fixieren nicht
<line no="7" page="94"/>  veränderliche Farben, welche infolge ihrer Zusammensetzung selbst zur <break>Verfestigung</break>
<line no="8" page="94"/>   der Malerei beitragen, und Vermeidung des Auswitterns freier Alkalien <break>erreichen.</break>
<line no="9" page="94"/>  </P>
<line no="10" page="94"/>  <P> <fontsize change="-1">Diese Vorzüge wurden durch das Gutachten einer von der kgl. Akademie der bildenden Künste in
<line no="11" page="94"/>  München berufenen Kommission vom 2. Mai 1882, sowie durch ein weiteres Gutachten einer Anzahl von
<line no="12" page="94"/>  bedeutenden Künstlern vom 10. Januar 1884 als vorhanden bestätigt. Aus dem ersteren Gutachten<footnote to="172"/>,
<line no="13" page="94"/>  welches in einen chemisch-technischen, bautechnischen und einen kunsttechnischen Teil zerfällt, machen wir
<line no="14" page="94"/>  hier die nachstehenden Mitteilungen.</fontsize></P>
<line no="15" page="94"/>  <P> <fontsize change="-1">Der Untergrund wird, wie bei der Stereochromie, mit Kalkmörtel ausgeführt und nach dem Trocknen
<line no="16" page="94"/>  mit Wasserglas getränkt. Dabei sind folgende Punkte zu beachten. Der Mauergrund muß vollständig
<line no="17" page="94"/>  trocken sein. Altes Mauerwerk ist bis auf den Stein bloßzulegen und in den Fugen auszukratzen. Die
<line no="18" page="94"/>  Putzmaterialien müssen vollständig rein sein, um alle den Putz lockernden Auswitterungen zu verhüten;
<line no="19" page="94"/>  daher ist reiner gewaschener Quarzsand und nach dem Ablöschen gesiebter und ausgelaugter Kalk zu <break>verwenden.</break>
<line no="20" page="94"/>   Zur Anwendung hat reines Fluß- oder Regenwasser, sowie scharfkörniger, nicht blätteriger Sand
<line no="21" page="94"/>  zu gelangen; auch ist der Bewurf gut naß und nicht zu dick aufzutragen. Nach völligem Austrocknen und
<line no="22" page="94"/>  Erhärten wird er mit einem rauhen Sandstein abgerieben, um den oberflächlich gebildeten krystallinischen
<line no="23" page="94"/>  kohlensauren Kalk zu entfernen und die Aufsaugungsfähigkeit desselben für Flüssigkeiten wieder herzustellen.
<line no="24" page="94"/>  Hiernach wird er mit Kaliwasserglaslösung von bestimmtem Eindickungsgrade durchtränkt, jedoch möglichst
<line no="25" page="94"/>  gleichmäßig und nur in dem Maße, daß hierdurch seine Porigkeit nicht vollständig aufgehoben wird;
<line no="26" page="94"/>  denn nur so ist er fähig, mit dem Malgrunde sich innig zu verbinden. Das Wasserglas muß rein sein und
<line no="27" page="94"/>  darf namentlich keine Schwefelverbindungen enthalten.</fontsize></P>
<line no="28" page="94"/>  <P> <fontsize change="-1">Der Malgrund wird aus 4 Teilen Quarzsand, 3<sup>1</sup>/<sub>2</sub> Teilen Marmorsand, <sup>1</sup>/<sub>2</sub> Teil Infusorienerde und
<line no="29" page="94"/>  1 Teil Aetzkalk (mit destilliertem Wasser angerührt) gebildet. Der Zusatz von Marmorsand soll nicht nur
<line no="30" page="94"/>  die Festigkeit erhöhen, sondern auch dem Malgrund eine möglichst gleichförmige, rauhe und porige <break>Beschaffenheit</break>
<line no="31" page="94"/>   geben. Die Infusorienerde (fein zerteilte und lösliche Kieselsäure) bewirkt mit dem Aetzkalk
<line no="32" page="94"/>  und dem Wasserglas die für die Erhöhung der Härte und Widerstandsfähigkeit so wichtige Bildung von
<line no="33" page="94"/>  Silikaten. Der vollständig ausgetrocknete Malgrund wird vor der Tränkung mit Wasserglas mit <break>Kieselfluorwasserstoffsäure</break>
<line no="34" page="94"/>   behandelt, welche die Haut von kohlensaurem Kalk zerstört, mit dem letzteren <break>Erzeugnisse</break>
<line no="35" page="94"/>   bildet, welche mit dem Wasserglas eine sehr widerstandsfähige chemische Verbindung einzugehen im
<line no="36" page="94"/>  stande sind, und die Poren des Malgrundes öffnet.</fontsize></P>
<line no="37" page="94"/>  <P> <fontsize change="-1">Ein Hauptunterschied zwischen der <i>Keim</i>&#39;schen Malerei und der stereochromischen besteht in der
<line no="38" page="94"/>  Anwendung und Zubereitung der Farben, denen je nach der Farbe verschiedene, durch Versuche <break>festgestellte</break>
<line no="39" page="94"/>   Zusätze gegeben werden, um dadurch in den Farben selbst, unter der Einwirkung des <break>Fixierungsmittels,</break>
<line no="40" page="94"/>   die Bildung von Silikaten zu ermöglichen und so die Dauerhaftigkeit wesentlich zu befördern. Alle
<line no="41" page="94"/>  Farben und Zusätze sind auf das seinste verrieben und werden fertig zubereitet in dickem, breiigem <break>Zustande</break>
<line no="42" page="94"/>   in Zinntuben oder Blechdosen in den Handel gebracht. Sie brauchen vom Maler nur nach Bedürfnis
<line no="43" page="94"/>  mit Wasser verdünnt und gut naß in naß auf den stark angefeuchteten Malgrund aufgetragen zu werden.
<line no="44" page="94"/>  Fehler lassen sich mit Leichtigkeit wieder verbessern. Um den Farben die unangenehme Eigenschaft zu
<line no="45" page="94"/>  benehmen, unter der Einwirkung des Fixierungswasserglases ihren Ton zu verändern, werden sie von <i>Keim</i>
<line no="46" page="94"/>  mit Kali oder Ammoniak digeriert.</fontsize></P>
<line no="47" page="94"/>  <P> <fontsize change="-1">Die fertigen Gemälde werden, nachdem sie bis auf den Stein ausgetrocknet sind, was bei ungünstigem
<line no="48" page="94"/>  Wetter durch eigens hergestellte Kokeöfen möglichst gleichmäßig zu bewirken ist, fixiert, indem man mit
<line no="49" page="94"/>  Aetzkali und Aetzammoniak versetztes Kaliwasserglas in heißem Zustande mittels einer Staubspritze aufträgt.
<line no="50" page="94"/>  Nach dem Fixieren wird das Bild mit kohlensaurem Ammoniak behandelt, um das als weißlicher staubartiger
<line no="51" page="94"/>  Ueberzug auftretende kohlensaure Alkali zu zerstören und dann durch Abwaschen beseitigen zu können.</fontsize></P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="52" page="94"/>  <P pagebreak="secondpart"><fontsize change="-2">daß die Kaseïnmalerei auch im Innern von solchen Räumen; z. B. Kirchen, in welchen durch längeren Aufenthalt zahlreicher
<line no="53" page="94"/>  Menschen Niederschläge der Atmungsfeuchtigkeit an den Wänden sich bilden, keine Dauer hat.</fontsize></P>
<line no="54" page="94"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="172"/> Abgedruckt in: Deutsches Kunstbl., Jahrg. 1 (1882), S. 145.</fontsize></P>
<page no="95"/>
<line no="1" page="95"/>  <P> <fontsize change="-1">Die Wetterbeständigkeit von nach dem <i>Keim</i>&#39;schen Verfahren hergestellten Gemälden ist durch <break>verschiedene</break>
<line no="2" page="95"/>   strenge Proben untersucht und dargethan worden<footnote to="173"/>.</fontsize></P>
<line no="3" page="95"/>  <P> Unter Mosaik in engerem Sinne verstehen wir die Herstellung von farbigen<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">108.|Mosaik.</fontsize></sidenote>
<line no="4" page="95"/>  Bildern oder Ornamenten durch Zusammensetzen von verschieden getärbten, <break>gewöhnlich</break>
<line no="5" page="95"/>   der Würfelform sich mehr oder weniger nähernden, kleinen Stücken von Stein,
<line no="6" page="95"/>  gebranntem Thon oder Glas, welche unter sich und mit der Wand durch einen
<line no="7" page="95"/>  Mörtel oder Kitt verbunden werden. Im weiteren Sinne rechnet man zu in Stein
<line no="8" page="95"/>  ausgeführtem Mosaik auch die Bekleidung (Inkrustation) mit buntfarbigen Steinplatten
<line no="9" page="95"/>  (von Marmor, Serpentin u. s. w.) oder Thonfliesen; darüber ist das Nötige schon
<line no="10" page="95"/>  in Kap. 1 u. 2 mitgeteilt worden. Auch haben hier nur diejenigen Mosaikarten
<line no="11" page="95"/>  zur Besprechung zu gelangen, die an äußeren Wandflächen angewendet werden.</P>
<line no="12" page="95"/>  <P> Die einfachste Art des Mosaik ist jene, bei welcher in einen starken <break>Kalkmörtelputz</break>
<line no="13" page="95"/>   kleine Steine, wie Stücke von zerschlagenem Granit, Porphyr, <break>Feuerstein</break>
<line no="14" page="95"/>   u. s. w. mit der Hand so eingedrückt werden, daß sie eng aneinander
<line no="15" page="95"/>  schließen und in eine Ebene zu liegen kommen. Dabei können auch Muster erzeugt
<line no="16" page="95"/>  werden. Man nennt diese Art der Wandausschmückung häufig <spacing>Mosaik-</spacing> oder
<line no="17" page="95"/>  <spacing>musivischen Putz.</spacing></P>
<line no="18" page="95"/>  <P> Von dieser Art unterscheidet sich das <spacing>Würfelmosaik</spacing> nur dadurch, daß
<line no="19" page="95"/>  die Steine die Gestalt von 8 bis 12<highlow type="high">mm</highlow> breiten Würfeln erhalten, die sich nach der
<line no="20" page="95"/>  Unterseite etwas verjüngen. Je nach der Linienführung oder Modellierung des <break>darzustellenden</break>
<line no="21" page="95"/>   Gegenstandes zerschlägt man jedoch die Steine auch in andere geeignetere
<line no="22" page="95"/>  Formen. Man verwendet dazu besonders Marmor, Jaspis, Basalt, Serpentin, Porphyr,
<line no="23" page="95"/>  Granit, Syenit u. s. w. und drückt sie in einen frischen Putz nach Maßgabe der
<line no="24" page="95"/>  vorher aufgepausten Zeichnung. Es steht aber nichts im Wege, die Anfertigung des
<line no="25" page="95"/>  Bildes in der bequemeren neuen Weise des nachher zu besprechenden Glasmosaiks
<line no="26" page="95"/>  vorzunehmen. Sollten die Gemälde dem Auge des Beschauers nahe stehen, so kann
<line no="27" page="95"/>  man sie schleifen.</P>
<line no="28" page="95"/>  <P> An Stelle der natürlichen Steine kommen auch Stücke von gebranntem Thon
<line no="29" page="95"/>  von verschiedenen Farben zur Anwendung. Ein außerordentlich festes und <break>dauerhaftes</break>
<line no="30" page="95"/>   Material dieser Art liefert die Fabrik von <i>Villeroy &amp; Boch</i> in Mettlach unter
<line no="31" page="95"/>  dem Namen <spacing>Chromolith.</spacing></P>
<line no="32" page="95"/>  <P pagebreak="firstpart"> Für Fassadenschmuck scheint jetzt das namentlich von den Byzantinern <break>angewandte</break>
<line no="33" page="95"/>   und deswegen als <spacing>byzantinisches,</spacing> oder wegen der in Venedig bis
<line no="34" page="95"/>  heutigen Tages erhaltenen Anfertigungsweise <spacing>venetianisches Mosaik</spacing> bezeichnete
<line no="35" page="95"/>  <spacing>Glasmosaik</spacing> wieder in Aufnahme kommen zu sollen, wofür bekannte Beispiele die
<line no="36" page="95"/>  Siegessäule und das Kunstgewerbemuseum in Berlin bieten. Seine Vorzüge bestehen
<line no="37" page="95"/>  in der größeren Auswahl und Leuchtkraft der Farben und dem lebhaften Glanz
<line no="38" page="95"/>  und Schimmer derselben. Die Arbeit beginnt mit der Herstellung der Glaspasten.
<line no="39" page="95"/>  Dies sind in den verschiedensten Farben und Farbtönen gegossene Glastafeln von
<line no="40" page="95"/>  10 bis 12<highlow type="high">mm</highlow> Dicke, welche in 10 bis 15<highlow type="high">mm</highlow> breite Streifen geschnitten und dann
<line no="41" page="95"/>  mit einem scharfen Stahlhammer in würfelförmige oder nach Bedürfnis auch längere
<line no="42" page="95"/>  Stücke zerschlagen werden. Für die Bildung der Umrißlinien verwendet man <break>außerdem</break>
<line no="43" page="95"/>   noch flache Stäbe, meist von dunklem, glänzendem Glase, die mit kleinen Zangen
<line no="44" page="95"/>  in kurze Stücke zerbrochen werden. Die stark glänzenden Bruchflächen kommen
<line no="45" page="95"/>  im Bilde zur Ansicht. Die Pasten sind nach der Farbe verschieden teuer; einige,</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="46" page="95"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="173"/> Ueber die Wetterbeständigkeit vergl.: Baugwksztg. 1886, S. 973. &#8212; <i>Otzen</i> beurteilt die Dauerhaftigkeit der
<line no="47" page="95"/>  <i>Keim</i>&#39;schen Malerei (in der in Fußnote 171 mitgeteilten Quelle) günstig. &#8212; Ueber die verschiedenen Wandmalereiarten vergl.:
<line no="48" page="95"/>  <smallcaps>Koenig,</smallcaps> A. W. Die Praxis in den verschiedenen Techniken moderner Wandmalerei. Berlin 1897.</fontsize></P>
<page no="96"/>
<line no="1" page="96"/>  <P pagebreak="secondpart">wie Purpur und selbstredend auch Goldfarbe, sind wegen der Verwendung des Goldes
<line no="2" page="96"/>  kostspielig. Diese werden daher ebenso wie Silber auch nicht, wie die übrigen
<line no="3" page="96"/>  Farben, in der Masse gefärbt, sondern nur als Ueberfang. Dauerhaft werden <break>dieselben</break>
<line no="4" page="96"/>   durch einen dünnen Ueberzug farblosen Glases gemacht. Die Herstellung
<line no="5" page="96"/>  gewisser Farben ist Geheimnis einzelner venetianischer Familien.</P>
<line no="6" page="96"/>  <P> Die mühsame Arbeit des Einsetzens der Glasstücke in den Wandputz ist jetzt
<line no="7" page="96"/>  durch ein bequemeres Verfahren verdrängt worden. Das Gemälde wird in der <break>Werkstätte</break>
<line no="8" page="96"/>   als Spiegelbild auf einen starken Karton übertragen und auf diesen werden
<line no="9" page="96"/>  dann die Glaswürfel mit Kleister befestigt, so daß die künftige Ansichtsfläche nach
<line no="10" page="96"/>  unten zu liegen kommt. Vor dem Ankleben werden die Pasten aneinander gepaßt
<line no="11" page="96"/>  und dann auf einem feinen Schleifstein etwas pyramidal geschliffen, so daß sie sich
<line no="12" page="96"/>  in den Kanten genau berühren. Werden die Bilder hoch angebracht, so legt man
<line no="13" page="96"/>  die Pasten mit der Bruchfläche nach unten, wodurch sie einen schimmernden Glanz
<line no="14" page="96"/>  bekommen. Kommen sie jedoch nahe an das Auge des Beschauers zu stehen, so
<line no="15" page="96"/>  wird die Gußfläche nach unten genommen. Ueber das Ganze wird ein feiner, schnell
<line no="16" page="96"/>  bindender Cement oder ein Oelkitt (aus gepulvertem Kalk und Firniß) gegossen,
<line no="17" page="96"/>  welcher alle Zwischenräume ausfüllt. Anwendung von Cement ist wegen der <break>Ausschwitzungen</break>
<line no="18" page="96"/>   immer bedenklich. Für die Versendung wird die fertige Tafel in
<line no="19" page="96"/>  einzelne mit Nummern zu versehende Teile zerschnitten. Diese werden dann an
<line no="20" page="96"/>  den Putz der Wand, so lange derselbe noch frisch ist, angedrückt und angekittet.
<line no="21" page="96"/>  Das aufgeweichte Papier wird abgeschabt, und das Bild ist fertig, wenn es nicht
<line no="22" page="96"/>  etwa noch geschliffen oder poliert werden soll. Das Festsitzen der Pasten kann man
<line no="23" page="96"/>  durch leichtes Anschlagen mit einem hölzernen Hammer untersuchen.</P>
<line no="24" page="96"/>  <P> Bei der Ausschmückung der Kuppel des Aachener Münsters ist in einer etwas
<line no="25" page="96"/>  anderen, empfehlenswerteren Weise verfahren worden<footnote to="174"/>. Die auf den Karton <break>geklebten</break>
<line no="26" page="96"/>   Mosaiksteine wurden nicht in der Werkstätte mit einem Mörtel vergossen,
<line no="27" page="96"/>  sondern in den frischen Wandputz so eingedrückt, daß alle Fugen zwischen <break>denselben</break>
<line no="28" page="96"/>   sich füllten. Dadurch wird jedenfalls mit mehr Sicherheit eine dauernde <break>Verbindung</break>
<line no="29" page="96"/>   erzielt. Der Putz bestand aus Marmor, Kalk und Sand, und um denselben
<line no="30" page="96"/>  recht fest mit der Wand zu verbinden, waren in das Mauerwerk in Abständen von
<line no="31" page="96"/>  etwa 5<highlow type="high">cm</highlow> dreieckige, wagrechte Rillen eingearbeitet worden. Die Helligkeit der
<line no="32" page="96"/>  sichtbar bleibenden weißen Mörtelfugen wurde in der Weise gedämpft, daß man
<line no="33" page="96"/>  die einzelnen Teile des Bildes in ihrer Hauptfarbe übermalte. Die Farbe wurde
<line no="34" page="96"/>  dann durch Waschen mit Säure beseitigt, wobei dieselbe aber am Mörtel haften
<line no="35" page="96"/>  bleibt. Bei alten Mosaiken erreichte man dasselbe Ziel durch eine förmliche <break>Untermalung</break>
<line no="36" page="96"/>  <footnote to="175"/>, was bei der früheren Art des Eindrückens der einzelnen Mosaiksteine
<line no="37" page="96"/>  nicht nur dem Mosaikkünstler die Arbeit erleichterte, sondern auch die vorherige
<line no="38" page="96"/>  Beurteilung der Wirkung des Bildes an Ort und Stelle ermöglichte<footnote to="176"/>.</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="39" page="96"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="174"/> Siehe: Wochbl. f. Arch. u. Ing. 1881, S. 266.</fontsize></P>
<line no="40" page="96"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="175"/> Diese Untermalung wurde auch in der Kuppel des Aachener Münsters beobachtet (siehe: Centralbl. d. Bauverw.
<line no="41" page="96"/>  1881, S. 231); sie wurde von <i>Bucher</i> (Geschichte der technischen Künste. Stuttgart 1875. Bd. 1, S. 100) in Sicilien und <break>Torcello</break>
<line no="42" page="96"/>   gefunden.</fontsize></P>
<line no="43" page="96"/>  <P pagebreak="firstpart"> <fontsize change="-2"><footnote from="176"/> Das Mosaik der Aachener Münsterkuppel wurde, wie das der Siegessäule in Berlin, von <i>Salviati &amp; Co.</i> in Venedig
<line no="44" page="96"/>  ausgeführt. An denen des Kunstgewerbemuseums daselbst war bei der Ausführung außer <i>Salviati</i> auch die <i>Compagnia <break>VenetiaMurano</break>
<line no="45" page="96"/>  </i> beteiligt. &#8212; Die <i>Gaz. des arch.</i> (1885, S. 231) gibt den Bericht des Sekretärs der <i>Société centrale</i> über eine <break>Preiserteilung</break>
<line no="46" page="96"/>   wieder, in welchem die französischen Mosaikarbeiten (namentlich die im Pariser Pantheon) aus dem Atelier von <i>Guilbert
<line no="47" page="96"/>  Martin</i> in Saint-Denis bei Paris über die neueren aller übrigen Länder gestellt wurden. &#8212; Ueber die Pflege der Mosaikkunst
<line no="48" page="96"/>  in Frankreich und die 1876 in Sèvres gegründete Staatswerkstätte, sowie die bisherigen und neuesten Ausführungen derselben
<line no="49" page="96"/>  finden sich nach einem behördlichen Berichte Mitteilungen in: Centralbl. d. Bauverw. 1886, S. 185. &#8212; Aehnliche Mitteilungen
<line no="50" page="96"/>  über die venetianischen und römischen Mosaiken ebendas. 1889, S. 147, 151. &#8212; Ausführliche Abhandlungen über das vene-</fontsize></P>
<page no="97"/>
<line no="1" page="97"/>  <P> Eine Veränderung in der Herstellung des Glasmosaik hat <i>Sander</i> erfunden<footnote to="177"/>.
<line no="2" page="97"/>  Die Mosaiksteine werden nicht durch Zerschlagen von Glasplatten gewonnen, sondern
<line no="3" page="97"/>  als prismatische oder cylindrische Stäbchen mit abgerundeten Köpfen gegossen. Man
<line no="4" page="97"/>  setzt dieselben mit dem Kopfe nach unten in einem Kasten mit Glasboden nach den
<line no="5" page="97"/>  vorgeschriebenen Mustern mit Hilfe eines Spiegels zusammen und übergießt die
<line no="6" page="97"/>  künftige Rückseite mit Asphaltkitt. Die so gebildeten Mosaikplatten behalten <break>entweder</break>
<line no="7" page="97"/>   ihre natürliche Oberfläche oder sie werden glatt geschliffen und poliert.</P>
</section> <section level="1" title="d) Plastischer Schmuck."> <H1>d) Plastischer Schmuck.</H1>
<line no="9" page="97"/>  <P> Mörtel von geeigneter Zusammensetzung und Dichtigkeit ist eine weiche Masse,<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">109.|Allgemeines.</fontsize></sidenote>
<line no="10" page="97"/>  welche sich beliebig formen läßt und nach dem Erhärten diese Form behält. Die
<line no="11" page="97"/>  plastische Ausschmückung, soweit sie sich innerhalb der durch die Eigenschaften des
<line no="12" page="97"/>  Stoffes und die Stilgesetze gesteckten Grenzen hält, ist demnach, als in dem Wesen
<line no="13" page="97"/>  desselben begründet, zulässig und ein geeignetes Mittel zur Formengebung im <break>Putzbau.</break>
<line no="14" page="97"/>   Daß solchen Verzierungen auch eine ziemliche Dauerhaftigkeit gegen <break>Witterungseinflüsse</break>
<line no="15" page="97"/>   gegeben werden kann, beweisen die in den Ruinen römischer <break>Bauwerke</break>
<line no="16" page="97"/>   erhaltenen Reste, sowie die reichen Fassadenausstattungen dieser Art aus der
<line no="17" page="97"/>  Renaissance-, Barock- und Rokokozeit. Immerhin wird sich, wenn dies auch in den
<line no="18" page="97"/>  zuletzt erwähnten Stilperioden nicht der Fall war, die Formenwelt der äußeren
<line no="19" page="97"/>  Putzarchitektur auf Felderteilungen, Umrahmungen und Flachreliefs beschränken
<line no="20" page="97"/>  müssen. An geschützten Stellen, wie unter vorspringenden Dächern oder unter den
<line no="21" page="97"/>  Hängeplatten steinerner Hauptgesimse, sind wohl auch in Mörtelmasse hergestellte
<line no="22" page="97"/>  bescheidene Simsgliederungen zulässig, dagegen ausgedehnte Nachahmungen von
<line no="23" page="97"/>  Steinarchitekturen, und wären sie in witterungsbeständigstem Cement ausgeführt, aus
<line no="24" page="97"/>  stilistischen Gründen verwerflich.</P>
<line no="25" page="97"/>  <P> Die Herstellung der geputzten Gesimse und profilierten Einrahmungen wird im
<line no="26" page="97"/>  nächsten Hefte dieses »Handbuches« (unter D) besprochen werden, während es sich
<line no="27" page="97"/>  hier um die Ausführung der Flächenausschmückungen handelt. Diese kann in der
<line no="28" page="97"/>  Verzierung von fortlaufenden Friesen oder einzelner Felder oder Medaillons bestehen;
<line no="29" page="97"/>  sie kann entweder unmittelbar an der Wand selbst oder in Form von später zu <break>befestigenden</break>
<line no="30" page="97"/>   Platten in der Werkstätte ausgeführt werden. Die erstere <break>Behandlungsweise</break>
<line no="31" page="97"/>   ist die künstlerischere und in den Blütezeiten der Stuccaturtechnik besonders
<line no="32" page="97"/>  zur Anwendung gekommen; die zweite ist die bequemere, fabrikmäßig auszuübende;
<line no="33" page="97"/>  es ist die des Gips- und Cementgusses, die aber auch noch in anderen künstlichen
<line no="34" page="97"/>  Steinarten angewendet wird.</P>
<line no="35" page="97"/>  <P> Ueber die Bereitung eines für die Anwendung im Freien tauglichen <break>Stuckmörtels</break><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">110.|Stuck.</fontsize></sidenote>
<line no="36" page="97"/>   ist schon in Art. 94 (S. 84) das Nötige mitgeteilt worden.</P>
<line no="37" page="97"/>  <P pagebreak="firstpart"> Handelt es sich um die Herstellung weit vorspringender Reliefs, so muß man
<line no="38" page="97"/>  nach <i>Rondelet</i><footnote to="178"/> zunächst eine Anlage mit dem erwähnten Puzzolanmörtel machen,
<line no="39" page="97"/>  bezw. nach Maßgabe des Vorsprunges eingeschlagene Nägel oder Eisenstücke benutzen.
<line no="40" page="97"/>  Das Eisen ist gegen das Rosten durch Eintauchen in heißes Oel oder Verzinken
<line no="41" page="97"/>  oder Verbleien zu schützen. Nach dem Austrocknen wird dann die Anlage wieder</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="42" page="97"/>  <P pagebreak="secondpart"><fontsize change="-2">tianische Mosaik von <i>Schwarz,</i> hauptsächlich die chemische Zusammensetzung der Gläser betreffend in: Verhandl. d. Ver. z.
<line no="43" page="97"/>  Beförderung des Gewerbefleißes 1885, S. 270; 1887, S. 90. &#8212; Auch Deutschland besitzt jetzt Werkstätten für die Herstellung
<line no="44" page="97"/>  von Glasmosaik. So hat sich u. a. die Deutsche Glasmosaik-Gesellschaft (<i>Puhl &amp; Wagner</i>) in Berlin-Rixdorf einen guten
<line no="45" page="97"/>  Ruf erworben.</fontsize></P>
<line no="46" page="97"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="177"/> Siehe: Wochbl. f. Arch. u. Ing. 1884, S. 20, 124.</fontsize></P>
<line no="47" page="97"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="178"/> <smallcaps>Rondelet,</smallcaps> J. Theoretisch-praktische Anleitung zur Kunst zu bauen. Leipzig und Darmstadt 1834. Band 2,
<line no="48" page="97"/>  S. 360 u. ff.</fontsize></P>
<page no="98"/>
<line no="1" page="98"/>  <P pagebreak="secondpart">so weit benetzt, bis sie kein Wasser mehr einsaugt und ein Ueberzug von <break>Marmorstuck</break>
<line no="2" page="98"/>   aufgetragen, in dem das Ornament fertig modelliert wird, und zwar mit Hilfe
<line no="3" page="98"/>  von Spatel oder Bossiereisen, bezw. mit dem mit rauher Leinwand umwickelten oder
<line no="4" page="98"/>  mit dem bloßen Finger.</P>
<line no="5" page="98"/>  <P> <fontsize change="-1">Zur Bereitung des Marmorstucks nimmt man besten, gut durchgebrannten Kalk (er soll beim <break>Anschlagen</break>
<line no="6" page="98"/>   klingen), löscht ihn auf die vorsichtigste Weise und läßt ihn durch ein Sieb laufen oder rührt ihn
<line no="7" page="98"/>  besser, nach <i>Rondelet,</i> auf einer Marmorplatte durch, um ihn zu reinigen, worauf er dann mindestens 4 bis
<line no="8" page="98"/>  5 Monate eingesumpft werden muß. Zu dem so vorbereiteten Kalk wird in der gleichen Menge am besten
<line no="9" page="98"/>  Pulver von carrarischem Marmor gemengt. In Ermangelung desselben können auch andere weiße, <break>feinkörnige</break>
<line no="10" page="98"/>   Steinarten Verwendung finden; der Stuck wird aber nicht so schön; auch muß dann der <break>Kalkzusatz</break>
<line no="11" page="98"/>   anders geregelt werden. Die Bestandteile müssen durch Verrühren auf das innigste miteinander <break>vermengt</break>
<line no="12" page="98"/>   werden.</fontsize></P>
<line no="13" page="98"/>  <P> Bei schwach vorspringenden Reliefs überzieht man den rauhen, angenäßten
<line no="14" page="98"/>  Wandbewurf mit einer etwa 5<highlow type="high">mm</highlow> dicken Stuckschicht, gleicht diese mit dem Rücken
<line no="15" page="98"/>  der Kelle ab, um sie zusammenzudrücken und ihr dadurch mehr Festigkeit zu geben,
<line no="16" page="98"/>  und glättet sie dann mit etwas rauher, durchnäßter Leinwand. Auf diesem Grunde
<line no="17" page="98"/>  wird dann die Zeichnung der Umrisse des Ornamentes mit Kohle aufgepaust und
<line no="18" page="98"/>  dann letzteres in Marmorstuck aufmodelliert. Dabei muß die Arbeit von Zeit zu
<line no="19" page="98"/>  Zeit angenäßt werden. Bei etwas stärkeren Vorsprüngen schafft man mehr <break>Haltbarkeit</break>
<line no="20" page="98"/>   durch Einschlagen einiger kleiner, breitköpfiger Nägel.</P>
<line no="21" page="98"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">111.|Gipsguß.</fontsize></sidenote><P> Wegen ihrer Billigkeit finden sehr häufig die aus Gips gegossenen Ornamente
<line no="22" page="98"/>  zum Fassadenschmuck Verwendung<footnote to="179"/>, welche man gewöhnlich auch als aus Stuck
<line no="23" page="98"/>  hergestellt bezeichnet.</P>
<line no="24" page="98"/>  <P> Sie werden mit einem aus Gips und Kalk bereiteten Mörtel an den Wänden
<line no="25" page="98"/>  befestigt. Diese Befestigung hat, wegen der Gefahren, die durch das Ablösen und
<line no="26" page="98"/>  Herabstürzen für Vorübergehende sich ergeben, mit der größten Vorsicht zu erfolgen.
<line no="27" page="98"/>  Deshalb sind auch bei schwereren Stücken noch Bankeisen oder Haken zu verwenden,
<line no="28" page="98"/>  welche gegen das Rosten geschützt werden müssen.</P>
<line no="29" page="98"/>  <P> Da die nur aus Gips hergestellten Ornamente sehr wenig fest und <break>witterungsbeständig</break>
<line no="30" page="98"/>   sind, so verwendet man verschiedene Mittel, um sie zu härten und <break>dauerhafter</break>
<line no="31" page="98"/>   zu machen.</P>
<line no="32" page="98"/>  <P> Das Härten erfolgt häufig durch Behandlung des Gipses oder des fertigen
<line no="33" page="98"/>  Stückes mit Alaunlösung. Hierüber, sowie über andere Verfahrungsweisen wird auf
<line no="34" page="98"/>  untenstehende Quellen verwiesen<footnote to="180"/>.</P>
<line no="35" page="98"/>  <P> Zum Schutz gegen Witterungseinflüsse benutzt man gewöhnlich Oelfarbenanstrich,
<line no="36" page="98"/>  der aber oft erneuert werden muß und deshalb die Formen stumpf macht. Das
<line no="37" page="98"/>  bloße Tränken mit heißem Leinöl, was sonst ganz zweckmäßig wäre, gibt dem
<line no="38" page="98"/>  Gips eine schmutzig gelbe Farbe. Kostspielig ist die Behandlung mit geschmolzenem,
<line no="39" page="98"/>  weißem Wachs, etwas billiger als diese die mit Stearinsäure. Empfohlen wird ein
<line no="40" page="98"/>  Anstrich der ganz trockenen Stücke mit folgendem Gemisch: 3 Teile gekochtes
<line no="41" page="98"/>  Leinöl, <sup>1</sup>/<sub>6</sub> vom Gewicht des Leinöls Silberglätte (Bleioxyd) und 1 Teil Wachs<footnote to="181"/>.</P>
<line no="42" page="98"/>  <P pagebreak="firstpart"> Zur Herstellung eines dauerhaften Anstriches mit Kalkfarbe wird empfohlen, die
<line no="43" page="98"/>  Gipsteile, wie die ganze Fassade zunächst mit Seifenlösung anzustreichen und dann</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="44" page="98"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="179"/> Ueber die Herstellung der Gipsarbeiten siehe: <smallcaps>Fink,</smallcaps> F. Der Tüncher, Stubenmaler, Stukkator und Gypser.
<line no="45" page="98"/>  Leipzig 1866. S. 188 u. ff. &#8212; ferner: <smallcaps>Heusinher v. Waldegg,</smallcaps> E. Der Gypsbrenner, Gypsgießer und Gypsbaumeister, sowie
<line no="46" page="98"/>  Tünch- und Stuckarbeiter. Leipzig 1867. &#8212; Vergl. auch Teil I, Band 1, erste Hälfte, 2. Aufl. (Art. 155, S. 170) dieses »<break>Handbuches«.</break>
<line no="47" page="98"/>  </fontsize></P>
<line no="48" page="98"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="180"/> <smallcaps>Fink,</smallcaps> a. a. O., S. 229. &#8212; <smallcaps>Gottgetreu,</smallcaps> R. Physische und chemische Beschaffenheit der Baumaterialien. 3. Aufl.
<line no="49" page="98"/>  Berlin 1881. Bd. 2, S. 381. &#8212; <i>La semaine des conflr.</i> 1886&#8211;87, S. 171.</fontsize></P>
<line no="50" page="98"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="181"/> Ausführlicheres in den eben angegebenen Quellen, sowie in: Baugwksztg. 1884, S. 402.</fontsize></P>
<page no="99"/>
<line no="1" page="99"/>  <P pagebreak="secondpart">zweimal mit der mit Firnis gemischten Kalkfarbe (auf 1 Eimer Farbe etwa <sup>3</sup>/<sub>8</sub><highlow type="high">kg</highlow>
<line no="2" page="99"/>  Firnis<footnote to="182"/>.</P>
<line no="3" page="99"/>  <P> In neuerer Zeit finden sehr ausgedehnte Anwendung die aus Portlandcement<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">112.|Cement.</fontsize></sidenote>
<line no="4" page="99"/>  hergestellten Ornamente. Im Inneren bestehen dieselben aus einem Beton, nach
<line no="5" page="99"/>  außen aus feinsandigem Cementüberzug. Schwierigkeiten entstehen dem Anfertigen
<line no="6" page="99"/>  durch die Bildung von Schwindungsrissen an der Oberfläche, ein Umstand, auf den
<line no="7" page="99"/>  schon bei Besprechung des Cementputzes hingewiesen wurde (siehe Art. 72, S. 76);
<line no="8" page="99"/>  dagegen ist man in der täuschenden Nachahmung der verschiedenen Sandsteinarten
<line no="9" page="99"/>  bei guter Wetterbeständigkeit schon sehr weit gekommen. Die Verzierungen und
<line no="10" page="99"/>  Gliederungen aus Cement werden entweder als fertige Gußstücke angesetzt und <break>befestigt</break>
<line no="11" page="99"/>   oder, was jetzt sehr für architektonische Gliederungen in Aufnahme gekommen
<line no="12" page="99"/>  ist, an den Wänden selbst hergestellt.</P>
<line no="13" page="99"/>  <P> Lebhafte Farben sind durch Zumischung von Farbkörpern zur Cementmasse<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">113.|Polychromer|Cement.</fontsize></sidenote>
<line no="14" page="99"/>  nicht zu erzielen; auch die Herstellung dauerhafter Färbungen durch Anstriche bietet
<line no="15" page="99"/>  Schwierigkeiten (vergl. Art. 97, S. 86 u. Art. 99, S. 87). Um nun Portlandcement
<line no="16" page="99"/>  für eine haltbare stereochromatische Bemalung tauglich zu machen, haben <i>v. Koch</i>
<line no="17" page="99"/>  und <i>Adamy</i><footnote to="183"/> das folgende Verfahren erfunden.</P>
<line no="18" page="99"/>  <P> <fontsize change="-1">Bei Gußstücken wird die Form mit einer Mischung von 30 bis 50 Prozent reinem Cement und <break>entsprechend</break>
<line no="19" page="99"/>   70 bis 50 Prozent fein gemahlenem Bimssteinsand ausgestrichen; alsdann wird in gewöhnlicher
<line no="20" page="99"/>  Weise eine Mischung von <sup>1</sup>/<sub>3</sub> Cement und <sup>2</sup>/<sub>3</sub> grobem Sand nachgefüllt und festgestampft. Nach dem
<line no="21" page="99"/>  Herausnehmen aus der Form sind die Stücke einige Tage feucht zu halten.</fontsize></P>
<line no="22" page="99"/>  <P> <fontsize change="-1">Beim Verputzen von Fugen wird dieselbe Mischung aus Cement und Bimsstein angewendet und vor
<line no="23" page="99"/>  zu raschem Trocknen entsprechend geschützt. Vor dem Bemalen wird die Oberfläche des Cementes mit
<line no="24" page="99"/>  einer verdünnten Säure, Salzsäure, Phosphorsäure oder Fluorwasserstoffsäure, abgewaschen und nach dem
<line no="25" page="99"/>  Trocknen mit Wasserglaslösung getränkt. &#8212; Das Bemalen geschieht mit dem Pinsel und am besten mit den
<line no="26" page="99"/>  <i>Keim</i>&#39;schen Mineralfarben (siehe Art. 107, S. 94). Fixiert wird die Farbe durch mehrmaliges Anspritzen
<line no="27" page="99"/>  mit einer zweiprozentigen Wasserglaslösung.</fontsize></P>
<line no="28" page="99"/>  <P> Das Verfahren, welches bei vorsichtiger Ausführung gute Ergebnisse, sowohl in
<line no="29" page="99"/>  Bezug auf Färbung als Dauerhaftigkeit, geliefert hat, kann außer auf plastische
<line no="30" page="99"/>  Ornamente auch auf Cementputzflächen angewendet werden.</P>
<line no="31" page="99"/>  <P> Zur Herstellung von Ornamenten für Fassaden werden auch verschiedene <break>künstliche</break><sidenote margin="right"><fontsize change="-2">114.|Künstliche|Steinmassen.</fontsize></sidenote>
<line no="32" page="99"/>   Steinmassen, welche sich leicht formen lassen, wie die von <i>Ransome,</i> Cajalith,
<line no="33" page="99"/>  Metalllava u. a. m. verwendet<footnote to="184"/>.</P>
</section> <section level="1" title="e) Schluß."> <H1>e) Schluß.</H1>
<line no="35" page="99"/>  <P pagebreak="firstpart"> Die außerordentliche Verbreitung des Putzbaues im landläufigen Sinne des<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">115.|Wertschätzung|des|Putzbaues.</fontsize></sidenote>
<line no="36" page="99"/>  Wortes, also die Nachahmung von in Stein gedachter Architektur in Mörtel, ist wohl
<line no="37" page="99"/>  im allgemeinen in der Sucht begründet, mit geringen Geldmitteln reiche Fassaden
<line no="38" page="99"/>  herzustellen, ohne dabei auf längere Dauer und architektonische oder konstruktive
<line no="39" page="99"/>  Wahrheit Wert zu legen. Die Verwerflichkeit dieser Richtung der Zeit wird wohl
<line no="40" page="99"/>  zumeist zugegeben; auch findet sich häufig genug das Einschlagen besserer Bahnen,
<line no="41" page="99"/>  ohne allerdings im großen und ganzen Wandel schaffen zu können. An ein <break>Aufgeben</break>
<line no="42" page="99"/>   des Putzbaues ist auch gar nicht zu denken, da das Wohnen in aus sog.
<line no="43" page="99"/>  reinem oder echtem Material hergestellten Bauwerken nur der wohlhabenden <break>Bevölkerungsklasse</break>
<line no="44" page="99"/>   möglich ist und auch dem nicht mit Mitteln Gesegneten ein Schmuck
<line no="45" page="99"/>  seines Wohnhauses gegönnt werden muß. Das Verwerfliche der Richtung liegt auch</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="46" page="99"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="182"/> Siehe: Deutsches Baugwksbl. 1885, S. 96.</fontsize></P>
<line no="47" page="99"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="183"/> D. R.-P. Nr. 29_670.</fontsize></P>
<line no="48" page="99"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="184"/> Ueber dieselben findet man Näheres in den in Fußnote 76 (S. 43) mitgeteilten Quellen.</fontsize></P>
<page no="100"/>
<line no="1" page="100"/>  <P pagebreak="secondpart">nicht in der Anwendung des Putzes &#8212; auf die Fälle, in denen dessen Anwendung
<line no="2" page="100"/>  gerechtfertigt ist, wurde in Art. 95 (S. 85) hingewiesen &#8212; sondern in dem <break>Uebermaß</break>
<line no="3" page="100"/>   der angewendeten Formen und in der Sucht, die Täuschung hervorzubringen,
<line no="4" page="100"/>  als sei ein besserer Baustoff zur Anwendung gekommen. Nur eine einseitige <break>Anschauungsweise</break>
<line no="5" page="100"/>   wird die Benutzung des Putzes für Fassaden verdammen können,
<line no="6" page="100"/>  wenn derselbe in tüchtiger, Dauer versprechender Weise und gutem, wetterbeständigem
<line no="7" page="100"/>  Material ausgeführt ist und eine den Eigenschaften desselben entsprechende formale
<line no="8" page="100"/>  Behandlung Platz gegriffen hat, sowie wenn von demselben an solchen Stellen <break>Abstand</break>
<line no="9" page="100"/>   genommen wird, wo keine nennenswerte Dauer vorauszusehen ist. Unter diesen
<line no="10" page="100"/>  Voraussetzungen wird man den Putzbau sogar auf keine niedrigere Stufe, als die
<line no="11" page="100"/>  Verblendung der Mauern mit Fliesen oder dünnen Steinplatten u. s. w. stellen können,
<line no="12" page="100"/>  die nur durch die Kittkraft des Mörtels mit dem Kernmauerwerk verbunden sind.
<line no="13" page="100"/>  Leider treffen nun aber die gemachten Voraussetzungen vielfach nicht zu und können
<line no="14" page="100"/>  trotz guten Willens oft wegen der im Handwerk eingerissenen Nachlässigkeit nicht
<line no="15" page="100"/>  erzielt werden, so daß es häufig allerdings sparsamer erscheint, ein größeres <break>Anlagekapital</break>
<line no="16" page="100"/>   aufzuwenden und eine Ausführung in Rohbau zu wählen, um der unaufhörlich
<line no="17" page="100"/>  sich wiederholenden Ausbesserungen des Putzes überhoben zu sein. Aber auch hierbei
<line no="18" page="100"/>  tritt oft der Entscheidung zu Gunsten eines Rohbaues der Umstand in den Weg,
<line no="19" page="100"/>  daß im allgemeinen ein Putzbau weit rascher fertig gestellt werden kann, was <break>heutzutage</break>
<line no="20" page="100"/>   eine sehr große Rolle spielt<footnote to="185"/>.</P>
<line no="21" page="100"/>   <hr/>
</section> </chapter>
<chapter no="5" title="Mauern aus Guß- und Stampfmassen."> <line no="22" page="100"/>   <title> 5. <spacing>Kapitel.</spacing>
<line no="23" page="100"/>  <fontsize change="+1">Mauern aus Guß- und Stampfmassen.</fontsize>  </title>
<line no="24" page="100"/>  <sidenote margin="left"><fontsize change="-2">116.|Allgemeines.</fontsize></sidenote><P> Wie im vorhergehenden Bande dieses »Handbuches« (Art. 8, S. 9) ausgeführt
<line no="25" page="100"/>  wurde, werden zur Herstellung von Steinkonstruktionen auch Stoffe des Steinreiches
<line no="26" page="100"/>  verwendet, welche aus einem allmählich weichen Zustande in einen harten und festen
<line no="27" page="100"/>  übergehen. Dieses Ziel kann auf verschiedenen Wegen mit den in Betracht <break>kommenden</break>
<line no="28" page="100"/>   Stoffen erreicht werden, und zwar: durch Zusammenstampfen und Austrocknen
<line no="29" page="100"/>  an der Luft bei Erde und Lehm &#8212; Erdstampfbau und Lehmstampfbau (Erdpisé
<line no="30" page="100"/>  und Lehmpisé); durch Ausnutzen der chemischen Eigenschaften der Mörtel mit oder
<line no="31" page="100"/>  ohne Zuhilfenahme der künstlichen Dichtung &#8212; Kalksandstampfbau (Kalksandpisé),
<line no="32" page="100"/>  Beton &#8212; und endlich durch Erstarrenlassen geschmolzener Massen, wie beim Asphalt &#8212;
<line no="33" page="100"/>  Asphaltbeton.</P>
<line no="34" page="100"/>  <P> Die hier aufgezählten Verfahrungsweisen mögen wohl geschichtlich in dieser
<line no="35" page="100"/>  Reihenfolge zur Anwendung gekommen sein. Wir werden sie daher auch in <break>derselben</break>
<line no="36" page="100"/>   durchsprechen, obwohl in Beziehung auf Wichtigkeit eigentlich mit dem Beton
<line no="37" page="100"/>  begonnen werden müßte.</P>
<line no="38" page="100"/>  <P pagebreak="firstpart"> Die genannten Stoffe werden bei der Herstellung von Mauern in Formen <break>gefüllt,</break>
<line no="39" page="100"/>   die entweder nach Erreichung eines gewissen Festigkeitsgrades wieder entfernt
<line no="40" page="100"/>  werden oder welche dauernd mit denselben verbunden bleiben. Die ersteren werden
<line no="41" page="100"/>  aus Holz oder Eisen, bezw. durch Verbindung dieser beiden Baustoffe gebildet;
<line no="42" page="100"/>  die letzteren beschafft man bei Grundmauern durch die Wandungen der im Erd-</P>
<footnotes> </footnotes>
<line no="43" page="100"/>  <P> <fontsize change="-2"><footnote from="185"/> Geschichtliche Mitteilungen über die Anwendung von Putz, Stuck und Wandmalereien wurden in der 1. Auflage
<line no="44" page="100"/>  dieses Heftes (Art. 115, S. 112) gebracht.</fontsize></P>
<page no="101"/>
<line no="1" page="101"/>  <P pagebreak="secondpart">boden gezogenen Gräben, bei frei stehendem Mauerwerk durch natürliche oder
<line no="2" page="101"/>  künstliche Steine.</P>
<line no="3" page="101"/>  <P> Das in Frage kommende künstliche Dichten der Massen wird durch Stampfen
<line no="4" page="101"/>  erreicht, weshalb diese Mauerwerke nach dem Französischen oft Pisébauten<footnote to="186"/> <break>genannt</break>
<line no="5" page="101"/>   werden, während wir sie hier im allgemeinen als Stampfmauerwerke bezeichnen.
<line no="6" page="101"/>  Die Anwendung des Stampfens setzt eine genügende Widerstandsfähigkeit der Formen
<line no="7" page="101"/>  gegen die durch dasselbe erzeugten Seitendrücke voraus, was bei den durch bloßes
<line no="8" page="101"/>  Einfüllen oder Eingießen hergestellten Gußmauerwerken nicht in demselben Grade
<line no="9" page="101"/>  notwendig ist. Von einem eigentlichen Gießen kann hierbei aber nur bei Gips und
<line no="10" page="101"/>  Asphalt die Rede sein, während die übrigen für solche Mauern verwendeten <break>Mörtelmaterialien</break>
<line no="11" page="101"/>   in einem ziemlich trockenen Zustande eingefüllt werden müssen.</P>
<line no="12" page="101"/>  <P> Stampfmauerwerke sind bei weitem häufiger, als Gußmauerwerke. Im <break>allgemeinen</break>
<line no="13" page="101"/>   sind aber jetzt beide Verfahren von einer mehr untergeordneten Bedeutung
<line no="14" page="101"/>  für den Hochbau, während sie bei den Völkern des Altertums zum Teile eine <break>hervorragende</break>
<line no="15" page="101"/>   Rolle spielten. Am wichtigsten ist heutigen Tages der Beton, obgleich
<line no="16" page="101"/>  er für die Herstellung von aufgehendem Mauerwerk in Deutschland trotz vielseitiger
<line no="17" page="101"/>  Bestrebungen auch noch nicht recht festen Fuß hat fassen können, was ihm in <break>England</break>
<line no="18" page="101"/>   und Frankreich mehr gelungen zu sein scheint.</P>
<line no="19" page="101"/>  <P> Aus den für Guß- und Stampfmassen verwendeten Stoffen werden auch <break>künstliche</break>
<line no="20" page="101"/>   Steine in regelmäßigen Formen hergestellt, welche schon früher (siehe Art. 30
<line no="21" page="101"/>  bis 35, S. 42 bis 44) eine zumeist kurze Besprechung fanden.</P>
<section level="1" title="a) Erd- und Lehmstampfbau."> <H1>a) Erd- und Lehmstampfbau.</H1>
<line no="23" page="101"/>  <P> Zur Herstellung der Mauern aus Erd- oder Lehmstampfmasse ist jede nicht zu<sidenote margin="right"><fontsize change="-2">117.|Baustoff.</fontsize></sidenote>
<line no="24" page="101"/>  magere oder zu fette, von Pflanzenteilen freie Erde oder entsprechender Lehm <break>verwendbar;</break>
<line no="25" page="101"/>   doch zieht man den letzteren vor, insbesondere, wenn er mit etwas Kies
<line no="26" page="101"/>  gemengt ist. Zu magere Masse bindet nicht genügend, eine zu fette bekommt Risse
<line no="27" page="101"/>  und erschwert die Arbeit. Als Proben für die genügende Bindekraft der Erde
<line no="28" page="101"/>  erachtet man, daß sie die ihr durch Zusammendrücken in der Hand gegebene Form
<line no="29" page="101"/>  behält, daß sie in nahezu lotrechten Wänden sich abgraben läßt und nur durch
<line no="30" page="101"/>  Zerhacken mit dem Spaten oder der Hacke zerteilt werden kann. Eine noch
<line no="31" page="101"/>  z